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Wissen: Vor 125 Jahren starb Archäologie-Wegbereiter und Troja-Entdecker Heinrich Schliemann

BERLIN. Er war erfolgreicher Kaufmann, sprach viele Sprachen und entdeckte das antike Troja – Heinrich Schliemann. An den Mecklenburger wird in Neubukow, Ankershagen, Berlin und Athen erinnert. Vor 125 Jahren starb der Altertumsforscher und wurde in Griechenland beigesetzt.

Sprach zwölf Sprachen fließend: Heinrich Schliemann. Foto: Wikimedia Commons

Sprach zwölf Sprachen fließend: Heinrich Schliemann. Foto: Wikimedia Commons

Wer auf den Spuren des Archäologen Heinrich Schliemann wandeln will, braucht einen langen Atem. «Schliemann war nicht nur Pionier der Archäologie, sondern auch ein sehr erfolgreicher Kaufmann und Weltbürger», erläutert Reinhard Witte als Leiter des einzigen deutschen Schliemann-Museums in Ankershagen (Mecklenburg-Vorpommern). Das Museum richtete im Herbst zum 125. Todestag des Altertumsforschers die einzige wissenschaftliche Konferenz aus. Dabei wurden seine Leistungen besser als bisher in seine damalige Zeit eingeordnet, wie Witte betont. Am 26. Dezember vor 125 Jahren starb der Troja-Entdecker im italienischen Neapel im Alter von 68 Jahren.

In Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Griechenland befinden sich die wichtigsten Zeugnisse des Mannes, der zweimal verheiratet war und zwölf Sprachen fließend sprach. Er wurde 1822 in Neubukow geboren.

Die Kleinstadt «ist dadurch in die Weltgeschichte eingegangen», heißt es auf der Internetseite der Stadt. Leider wurde das Geburtshaus, ein Predigerhaus, 1881 abgerissen. Nun erinnern eine Gedenktafel, Denkmal und zwei Räume im Bürgerhaus an den bekanntesten Mecklenburger. Mehr Glück hatte Ankershagen. In dem Pfarrhaus, wo Schliemann aufwuchs, haben das vom Bund als «Blaubuchmuseum» anerkannte Museum und die Heinrich-Schliemann-Gesellschaft ihren Sitz. Auf dem Friedhof liegt Schliemanns Mutter begraben.

«Schliemann hat es sehr verdient, dass man an ihn denkt», sagt der Althistoriker und Mykenologe Witte, der die letzte umfassende Biografie über den Troja-Entdecker verfasst hat. Nach Veranstaltungen in Neubukow und Ankershagen gibt es am 4. Januar 2016 noch einmal ein Gedenken im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin. Dort liegt das Gros der trojanischen Sammlung, die Schliemann 1881 den Deutschen als Schenkung übergab.

Immer wieder auftretende Vorwürfe, Schliemann habe bei seinen Grabungen mehr zerstört, als nötig gewesen wäre, weist Witte zurück. «Die Spatenarchäologie steckte um 1873 noch in den Kinderschuhen.» Vorträge mehrerer Wissenschaftler auf der Tagung hätten erwiesen: Man müsse Schliemann im Zusammenhang mit seiner Zeit sehen und dürfe ihn nicht isoliert betrachten. So wie er seien viele Archäologen damals vorgegangen. Schliemann habe damals rund 150 Grabungsarbeiter beschäftigt, und die habe er nicht alle kontrollieren können.

Auch der Leiter des Schliemann-Instituts für Altertumswissenschaften an der Universität Rostock, Wolfgang Bernard, hält Schliemann für einen Wegbereiter der modernen Archäologie.

Wer Schliemanns Grab besuchen will, muss nach Athen fahren. Sein Leichnam wurde von Italien nach Athen überführt. Er erhielt 1892 ein Mausoleum vom Architekten Ernst Ziller, in dem 1932 auch Schliemanns zweite Frau Sophia beigesetzt wurde. Außerdem wurden dort seine Tochter Andromache und deren Kinder beerdigt. Während der griechische Zweig Schliemanns ausgestorben sei, gibt es laut Witte auf russischer Seite noch Nachfahren in Tschechien, der Slowakei und Holland. Dieser Kontakt sei aber von der Seite der Nachfahren aus eingeschlafen.

Für die nächsten Monate sind neue Bücher geplant, die kompakter und genauer als bisher Schliemanns Briefwechsel mit seiner Familie und mit dem Mediziner Rudolf Virchow (1821-1902) beleuchten. Immerhin: Rund 60 000 Briefe und 18 Reise- und Ausgrabungstagebücher hat der wissbegierige Kaufmann hinterlassen. Trotzdem erwartet Witte keine umwerfend neuen Erkenntnisse mehr. Das moderne Bild des Weltbürgers stehe seit 1997 im Wesentlichen fest. «Er war ein Mensch mit vielen Schwächen und Fehlern, aber seine Verdienste überwiegen bei weitem.» Von Winfried Wagner, dpa

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