Deutscher Lehrkräftepreis: Was macht eine gute Lehrkraft aus? „Ein unerschütterlicher Glaube ans Gelingen“

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BERLIN. Rund 8.500 Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler haben sich am Wettbewerb beteiligt. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Lehrkräftepreis wurden nun in Berlin zehn Lehrkräfte, fünf Teams und drei Schulleitungen aus insgesamt zwölf Bundesländern. Der Rahmen: feierlich. Die Stimmung: optimistisch – auch wenn in den Festreden kaum jemand die (berechtigte) Feststellung ausließ, dass die Herausforderungen für den Beruf immer größer werden.

Deutscher Lehrkräftepreis: alle Preisträger*innen. Foto: Heraeus Bildungsstiftung

Was macht eine gute Lehrkraft aus? Vor allem eins, sagte Martin Fugmann, Leiter des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh und Vorstand der Heraeus Bildungsstiftung: „ein unerschütterlicher Glaube ans Gelingen“. Wer nur auf Defizite schaue, werde auf lange Sicht kaum die Kraft finden, um sich den – tatsächlich wachsenden – Herausforderungen des Berufs zu stellen. Die Bundesvorsitzendes des Philologenverbands, Prof. Susanne Lin-Klitzing, schlug in dieselbe Kerbe. Bei allen berechtigten Klagen über die sich verschärfenden Rahmenbedingungen dürfe doch der Blick für die vielerorts nach wie vor hervorragende pädagogisch Praxis nicht verlorengehen.

Für diese stünden die Preisträgerinnen und Preisträger – wohlwissend, dass es an etlichen der insgesamt rund 40.000 Schulen in Deutschland ebensolches Engagement gebe. „Das Zauberwort heißt: stellvertretend“, betonte Lin-Klitzing. Es gehe darum, den Fokus der breiten Öffentlichkeit auf die erfolgreiche Arbeit von Lehrkräften zu richten – nicht zuletzt, um weiterhin Nachwuchs für den Beruf finden zu können. Der lasse sich kaum für den Schuldienst gewinnen lässt, wenn darüber nur noch schlimme Geschichten nach draußen dringen. Die einbrechenden Zahlen derjenigen, die ein Lehramtsstudium aufnehmen, belegen das.

Trug das passende T-Shirt zur Preisverleihung („Die Zukunft der Welt – sitzt jeden Tag in meinem Klassenzimmer“): Kai Passchier. Foto: Heraeus Bildungsstiftung

Die Rede ist vom Deutschen Lehrkräftepreis, der von der Heraeus Bildungsstiftung und dem Philologenverband gemeinsam getragen wird, und der heute im vielleicht nobelsten Festsaal der Bundesrepublik (das vom Star-Architekten Frank O. Gehry gebaute Axica Tagungszentrum in Berlin direkt am Brandenburger Tor) über die Bühne ging. Mit dabei: Prominenz wie Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP), die Schauspielerin und Schirmherrin der Stiftung Fairchance Dennenesch Zoudé, Brandenburgs Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD), Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) und Sachsen-Anhalts Bildungsstaatssekretär Jürgen Böhm, ehemaliger Bundesvorsitzender des Verbands Deutscher Realschullehrer (VDR).

Im Mittelpunkt standen allerdings die Preisträgerinnen und Preisträger des bundesweiten Wettbewerbs „Deutscher Lehrkräftepreis – Unterricht innovativ“. Zehn Lehrkräfte, fünf Teams und drei Schulleitungen aus insgesamt zwölf Bundesländern wurden in der Wettbewerbsrunde 2023 ausgezeichnet. Einer der Preisträger, Kai Passier aus dem niedersächsischen Marienhafe, trug zu dem Anlass ein T-Shirt mit der programmatischen Aufschrift: „Die Zukunft der Welt sitzt jeden Tag in meinem Klassenzimmer“.

Kam als Flüchtling nach Deutschland – und unterrichtet heute (unter anderem) das Schulfach „Glück“: Harmeet Dawan aus Ludwigsburg. Foto: Heraeus Bildungsstiftung

Für „Ausgezeichnete Lehrkräfte“, eine der drei Wettbewerbskategorien, und von der Schöpflin Stiftung geför­dert, wurden zehn besonders engagierte Lehrkräfte von Schülerinnen und Schülern aus den Abschlussklassen nominiert. Jeweils eine Auszeichnung vergab die Jury nach Baden-Württemberg (Harmeet Dawan, Mathilde-Planck-Schule Ludwigsburg), Brandenburg (Ellen Gottschalk, MOSAIK-Schule Wittstock), Hamburg (Dr. Jean-Marie Schwarzkopf, Gymnasium Eppendorf), Niedersachsen (Kai Passchier, IGS Marienhafe-Moorhusen/Standort Marienhafe), Nordrhein-Westfalen (Karl-Timo Einheuser, Köln-Kolleg), Rheinland-Pfalz (Günther Schön, Geschwister-Scholl-Gymnasium Ludwigshafen), Sachsen (Jana Bioly, Julius-Mosen-Gymnasium Oelsnitz/Vogtland), Sachsen-Anhalt (Dr. Andreas Becker, Gymnasium Halberstadt), Schleswig-Holstein (Florian Hansen, Hannah-Arendt-Schule Flensburg) und Thüringen (Mirka Westendorff, Hennebergisches Gymnasium „Georg Ernst“ Schleusingen).

In der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“ wählte die Jury zwei Preisträger und ein Team aus, die von ihren Kollegien vorgeschlagen wurden. Die Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung, Alexandra Heraeus erklärte: „Wir zeichnen vorbildliche Schulleitungen aus, die den Wandel in ihren Schulen anführen, die ein gemeinschaft­liches Umfeld schaffen und die Beziehungen innerhalb der Schulgemeinde wertschätzen. Die Preisträgerinnen und Preisträger sind Persönlichkeiten, die entscheidend dabei sind, ein Umfeld zu schaffen, in dem Kinder und Jugendliche wachsen können.“

Der erste Preis ging an André Szymkowiak vom Gymnasium Thusneldastraße Köln-Deutz. Das Kollegium nominierte den Schulleiter, weil er in einem extrem heterogenen Einzugsgebiet jedem ein Gefühl der individuellen Wertschätzung und des persönlichen Respekts entgegenbringe, er hätte die Schule wieder zu einem Ort gemacht, an dem jeder gern lernt und arbeitet. Seine empathische Art, mit der er auf die individuellen Bedürfnisse seiner Gesprächspartner einginge, gäbe jedem das Gefühl, ein bedeutendes Mitglied der Schulgemeinschaft zu sein.

Den zweiten Preis erhielt das Schulleitungsteam Angelika Gruß und Gregor Hascher mit Patrick Deppe und Nikolaos Papathanassiou von der Paul-Robeson-Schule, Oberschule der Stadt Leipzig. Das Kollegium ist überzeugt, unter einer der besten Schulleitungen arbeiten zu dürfen. Man habe keine Befürchtun­gen zu experimentieren, Neues auszuprobieren und den Mut aufzubringen, Fehler als Orientierung und Motiva­tion anzuerkennen, um sich in der Arbeit und Selbstwahrnehmung weiterzuentwickeln. Das Schulleitungsteam initiiere und organisiere viele Gestaltungsmöglichkeiten von Unterricht und Schulleben, um der Schülerschaft eine vielfältige Bildungspalette anzubieten.

Den dritten Preis vergab die Jury an den stellvertretenden Schulleiter Dr. Thomas von Pluto-Prondzinski von der Robert-Jungk-Oberschule Berlin. Das Kollegium schätzt im Besonderen die Innovationskraft und Entschlossenheit, mit der Dr. von Pluto-Prondzinski durch die Pandemie führte. Er besäße eine wertschätzende, tolerante und respektvolle Grundhaltung, ließe Individualität zu und nutze und schätze die Vielfalt des Kolle­giums. Er sei ein „atemberaubender Stratege mit Weitblick und ein beispielloser Feldherr für das Wegefinden“, er übererfülle die angeführten Kriterien.

In der Kategorie „Unterricht innovativ“ haben zahlreiche engagierte Lehrkräfte-Teams aus ganz Deutschland innovative und fächerübergreifende Unterrichtsprojekte für den Wettbewerb eingereicht. Philologen-Vorsitzende Lin-Klitzing betonte: „Mit großer Freude sehen wir in unserem Wettbewerb, dass Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, ihre vorhandenen Potenziale zu entfalten und in einer zunehmend komplexen Welt wert- und zielorientiert zu handeln. Die Unterrichtseinheiten, die wir dieses Jahr auszeichnen, stehen dabei exemplarisch für die vielen innovativen Formen der Wissensvermittlung, aber auch für den herausragenden gesellschaftlichen Beitrag, den unzählige Lehrkräfte täglich durch ihr berufliches Engagement für ihre Schülerinnen und Schüler leisten.“

Den ersten Preis vergab die Jury an Johannes Heitmann mit Alena Bauer vom Kolleg St. Blasien in Baden-Württemberg für das Projekt „Gegen das Vergessen. Stolpersteine und Erinnerungskultur“. Für das Projekt beschäftigte sich ein Seminarkurs des Kollegs St. Blasien ein Jahr lang mit den individuellen Geschichten jüdi­schen Mitbürger, die vor 90 Jahren ihre Heimat verlassen mussten. Die Schülerinnen und Schüler rekon­struierten die Schicksale der vom NS-Regime verfolgten Menschen, machten sie multimedial und öffentlich­keitswirksam erfahrbar und leisteten einen außerordentlichen Beitrag für die örtliche Erinnerungskultur. Mit Stolpersteinen im Ort, einer Ausstellung im Kreismuseum, einem digitalen Gedenkbuch der Stadt, Publikationen und lokaler Berichterstattung würdigten sie die Verfolgten und deren Angehörige.

Der zweite Preis ging an Christina Fischer mit ihrem Team Sebastian Bauer, Danilo Fries, Laura Henschke und Viktoria Seidel vom Humboldt-Gymnasium Vaterstetten, Bayern, für ihr Projekt „Deeper Learning – Wissenschaftsjournalismus und Fake News“. Das Unterrichtsprojekt soll Schülerinnen und Schüler zu wissen­schaftlich-kritischem Denken anleiten, um sie so zur souveränen Medienrezeption zu befähigen. Dafür recher­chierten diese intensiv zu gegenwärtig kontrovers diskutierten Themen wie Impfmüdigkeit und -neben­wirkungen oder Energiewende. Durch die Kooperation von fünf Lehrkräften in einer Klasse, die sieben unter­schiedliche Fächer abdecken, konnten die Schülergruppen ihr jeweiliges Thema aus vielfältigen Perspektiven erforschen und ein tiefes Verständnis entwickeln.

Schulleiter des Jahres: André Szymkowiak vom Gymnasium Thusneldastraße Köln-Deutz. Foto: Foto: Heraeus Bildungsstiftung

Mit dem dritten Preis wurde Dr. Barbara Haas vom Gymnasium Feuchtwangen, Bayern, für das Projekt „Ihr seid nicht vergessen“ ausgezeichnet. Das Unterrichtsprojekt erinnert an sechzig Jüdinnen und Juden aus Schopfloch, die ab 1939 von den Nationalsozialisten systematisch deportiert und ermordet wurden. Es wurde in eineinhalb Jahren kreativ und interdisziplinär in Kooperation mit außerschulischen Partnern realisiert und erreichte, dass den Holocaust-Opfern aus Schopfloch eine ihnen bis dahin verwehrte Gedenkstätte gewidmet wurde. In der umfangreichen Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Opfergedenken und Demokratie-Erhalt entstanden zahlreiche erinnerungskulturelle Artefakte, die individuelle Lebensläufe, Geschichten und Schicksale der Opfer und das einschneidende Ende ihrer jüdischen Geschichte, ihrer Geheimsprache „Lachoudisch“, ihrer Religion und ihrer Kultur in der Gemeinde Schopfloch dokumentieren.

Freuen sich über den Sonderpreis „Umwelt und Nachhaltigkeit“: Nina Wegner und Leonie Bucker aus Berlin. Foto: Heraeus Bildungsstiftung

Der Sonderpreis „Umwelt und Nachhaltigkeit“, vergeben vom Cornelsen Verlag, ging an Leonie Bücker mit Nina Wegner vom Albert-Einstein-Gymnasium Berlin, für das Projekt „Grüne Chemie – für mich, für dich und unsere Zukunft“. Im projektbasierten Wahlpflichtunterricht erprobten die Schülerinnen und Schüler den kreis­lauforientierten Ansatz der „Grünen Chemie“ und verbanden diesen praxisnah mit innovativen Formen der öko­nomisch-nachhaltigen Produktentwicklung. Durch kreative Experimente und Versuchsabläufe lernten sie dabei u.a., wie sich nachhaltige Kosmetikprodukte herstellen, gesunde Nutzpflanzen kultivieren oder Stoffkreisläufe schließen lassen. Im Rahmen des Unterrichts erhielten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit zum freien Experimentieren rund um die Grüne Chemie, um einen Einblick in das Denken im Sinne eines Gleichgewichts ökologischer, ökonomischer wie auch sozialer Dimensionen von Nachhaltigkeit zu gewinnen.

Den Sonderpreis „Kulturelle Bildung”, vergeben von der PwC-Stiftung, erhielten Lenny Liebig mit Laura Berressem und Annika Stuckmann von der Janusz Korczak – Gesamtschule Gütersloh, Nordrhein-Westfalen, für „Einsichten. Aussichten. Ein ortsspezifisches Ausstellungsprojekt“. Das aus dem Kunstunterricht resul­tierende Projekt ermöglichte den Schülerinnen und Schülern eine Auseinandersetzung mit ihrer individuellen Lebenswelt durch das Medium der Fotografie. Das Theater Gütersloh bot die Möglichkeit einer raumgreifenden Ausstellung an den riesigen Fensterfronten des Theaterkubus in der Gütersloher Innenstadt. Die im Projekt entstandenen Fotografien waren nach einer feierlichen Eröffnung auch während der Gütersloher „LangeNachtDerKunst“ öffentlich zu sehen, eine besondere Würdigung für die Schülerinnen und Schüler. News4teachers

Bewerbungen für die neue Runde des Wettbewerbs können bis zum 15. September 2024 über www.lehrkraeftepreis.de eingereicht werden.

Die Jury

Die Auswahl der Bewerbungen erfolgte in einem zweistufigen Verfahren. Nach einer intensiven Begutachtungs­phase durch Expertinnen und Experten aus Schule und Bildung entschied über die Preisträgerinnen und Preis­träger aller Kategorien der Wettbewerbsrunde 2023 eine prominent besetzte Jury unter der Leitung von Prof. Dr. David-S. Di Fuccia (Universität Kassel).

Ihr gehören an: Florence Brokowski-Shekete, Fachbereichsleiterin Sekundarstufe 1 am Staatlichen Schulamt Mannheim und Mitglied des Hochschulrates der Pädagogischen Hochschule Schwä­bisch Gmünd; Prof. Dr. Kathrin Fussangel, Professorin für Empirische Schulforschung an der Bergischen Universität Wuppertal, Institut für Bildungsforschung (IfB); Winfried Gosmann, Schulamtsdezernent in Nord­rhein-Westfalen a.D.; Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, Präsidentin der Kultusministerkonferenz 2023; Peter Haase, Schulleiter in Bremen a.D.; Lilly Härtig, Vorsit­zende Landesschülerrat Sachsen; Christine Hauck, Geschäftsführerin Didaktik & Content Cornelsen Verlag; Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Sachbuchautor, Sprachwissenschaftler, Honorarprofessor an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft; Prof. Dr. Dr. h.c. Eckard Klieme, Research Fellow in der Abteilung Lehr- und Lernqualität in Bildungseinrichtungen beim DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation Frankfurt/Main; Julia Röhrich, Programmleitung Lernen & Partizipation der Schöpflin-Stiftung; Lutz Roschker, Vorstand PwC-Stiftung; Sylvia Ruppel, Leiterin des Staatlichen Schulamts Hanau a.D.; Martin Spiewak, Mitglied der Redaktion Wissen der „Zeit“. Darüber hinaus vertraten Martin Fugmann, Vorstand und Geschäftsführer der Heraeus Bildungsstiftung, sowie Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, die Träger des Wettbewerbs.

News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek wird zur nächsten Runde Mitglied der Jury werden.

Startschuss zur 15. Runde des Deutschen Lehrkräftepreises – Unterricht innovativ

 

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Katze
2 Monate zuvor

Könnte ich (statt Chemie) das Schulfach „Glück“ wie Harmeet Dawan unterrichten, wäre mein „unerschütterlicher Glaube ans Gelingen“ sicher auch etwas (aber nicht viel) größer.
Ansonsten bin ich der Meinung, dass alle sich im System noch verheizen (verschleißen) lassenden Kollegen einen Lehrerpreis verdient hätten. Vielen ist der Blick für die hervorragende pädagogisch Praxis an unseren Schulen direkt proportional zu ihrer Gesundheit beim Kampf gegen Windmühlen und Elfenbeintürme schon lange verlorengegangen.
Meine multiprofessionelle Bewertungs-KI wirft nach Eingabe des Artikels folgendes aus:
 „Bla, bla, blub – Willkommen im Schönfärber- Club“.
 „Die Stimmung optimistisch beißt sich mit realistisch.“
„Auch dabei ein bisschen Schleim – aus Wolkenkuckucksheim.“

Blupp
2 Monate zuvor

Ich gönne das definitiv jedem einzelnen Preisträger! Herzlichen Glückwunsch 🙂
Trotzdem hat es für mich immer einen komischen Beigeschmack, dass sich das Ganze nur auf Oberschulen beschränkt, ohne dass das im Titel irgendwie ersichtlich ist oder es in den Pressemitteilungen dazu erwähnt wird. Für mich klingt das dann immer so, als gäbe es an Grundschulen keine „ausgezeichneten Lerhkräfte“ oder gar „innovativen Unterricht“.

Fräulein Rottenmeier
2 Monate zuvor
Antwortet  Blupp

Das ist nicht richtig. Die deutschen Schulpreise gehen überwiegend an Grundschulen. Einzelne Lehrerpreise gehen oft an Realschulen….zumindest wenn man die letzten Jahre betrachtet….

Mariechen
2 Monate zuvor

Trommeln gehört zum Handwerk! Vielleicht liegt es auch daran, dass Frauen, die überwiegend an der GS arbeiten, sich selbst und ihren Unterricht weniger in den Vordergrund stellen.

Individualist
2 Monate zuvor

Die bei den Preisträgern erwähnte Robert-Jungk-Oberschule in Berlin schreibt auf ihrer Homepage was von Klassen mit 17-18 Schülern (offenbar im Normalfall). Sie hat einen bilingualen Deutsch-Polnischen Zug, gilt als Europa-Schule und liegt in einem sehr bürgerlichen und zentralen (und eher teuren) Viertel südlich der Tauentzienstr., an der auch das KaDeWe zu finden ist. Unter diesen Bedingungen ist es leicht, einen guten Eindruck zu machen.

Betroffene
2 Monate zuvor

Ich vermisse die Grundschullehrkräfte!
Woran liegt es, dass keine Grundschullehrkräfte ausgezeichnet wurden?
Oder sind Menschen, die sich um die Kinder zwischen 5 und 12 Jahren kümmern, ihnen zuhören, sie ermutigen, ihnen Freude am Lernen vermitteln, sie zu Lesern machen, ihnen mathematisches Denken und Rechnen beibringen, ihnen Weltwissen nahezubringen, ….. nicht wert ausgezeichnet zu werden?

Stromdoktor
2 Monate zuvor
Antwortet  Betroffene

Liegt vielleicht am Auswahlverfahren.

Ich habe gestern im Radio den / einen Preisträger aus Niedersachsen gehört.

Der wurde von seinen Schülern ins Rennen geschickt und war besonders begeistert von diesem Feedback.

Ich schätze, dass hier die älteren Jahrgänge aus der Schülerschaft dominieren.

https://www.lehrkraeftepreis.de/

Dr. Specht
2 Monate zuvor

Ein Fach namens „Glück“ ist im Rahmen einer offenen und liberalen Gesellschaft höchst übergriffig. Der Fächerkanon bietet etwa durch Literatur, Musik, Kunst, Erkenntnisse aus Naturwissenschaften schon jetzt zahlreiche Anknüpfungspunkte hierfür.

Nur ein autoritärer und paternalistischer Staat behauptet, dass Glück für seine Einwohnerinnen und Eibwohner zu kennen.

Dr. Specht
2 Monate zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Bitte um Entschuldigung: Da ich den letzten Satz noch umstellte, steht dort nun unglücklicherweise ein falsches das/dass.

Lisa
2 Monate zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Eine ganz offene und liberale Gesellschaft macht eben auch vielf Menschen nicht glücklich. Das zeigt der Zulauf zu autoritären Welterklärungsmodellen aus Politik und Religion. 🙁

potschemutschka
2 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

…und die Legalisierung von Cannabis hilft den Menschen auch, glücklich zu sein. 🙂

Walter Hasenbrot
2 Monate zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Sie unterstellen, dass in dem Fach den Schülern vorgegeben wird, was Glück sei. Ich nehme an, dass wie in den Fächern Ethik und Praktische Philosophie darüber reflektiert wird, was jeder subjektiv unter Glück versteht.

Dr. Specht
2 Monate zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Warum heißt das Fach dann nicht „Ethik“ oder „Philosophie“? Der etwas marktschreierische Name „Glück“ wurde doch offensichtlich in Abgrenzung hierzu bewusst gewählt.

Walter Hasenbrot
2 Monate zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Und trotzdem bleibt Ihre bloße Unterstellung, dass in dem Fach nicht reflektiert werde, was Glück für jeden persönlich ist.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Dr. Specht

„Ein Fach namens „Glück“ ist im Rahmen einer offenen und liberalen Gesellschaft höchst übergriffig.“
? Im Gegenteil, denn dort wird einem nicht vorgeschrieben, was einen Menschen glücklich machen soll, sondern lernt sich selbst besser kennen und erfährt, was einen glücklich machen könnte.

Dr. Specht
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Der Satz „Dort lernt man sich selbst besser kennen und erfährt, was einen glücklich machen könnte.“ konnte noch vor wenigen Jahren ausschließlich der Esoterik-Szene zugeordnet werden.

Woher nehmen Sie das Selbstbewusstsein, in das Innerste Ihrer Schülerinnen und Schüler eingreifen zu dürfen? Genau hier liegt das Übergriffige dieses Ansatzes.

Spirale
2 Monate zuvor

„Wer nur auf Defizite schaue, werde auf lange Sicht kaum die Kraft finden, um sich den – tatsächlich wachsenden – Herausforderungen des Berufs zu stellen.“

Den Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Er entlastet die Entscheidungsträger, den die „wachsenden Herausforderungen“ finden ihren Ursprung im Versagen eben dieser (wozu auch einige Schulleiter bereits zählen) und spielt den Ball – schön vermischt mit einer Satzhülse zurück an die Lehrkräfte, sie sollen eben nicht „nur Defizite sehen“. Wer bitte sieht nur Defizite? Da muss die Wahrnehmung der Entscheidungsträger arg gelitten haben, wenn sie Kritik am bestehenden mit einer ‚Sicht nur auf Defizite‘ abtun.

Hysterican
2 Monate zuvor
Antwortet  Spirale

Touche‘!!!

447
2 Monate zuvor

„Unerschütterlicher Glaube“ – Religionsunterricht?

Ach so, Glückslehrer….ja, na dann.
Freier Fall, der Fahrtwind rauscht so schön.

Bin noch unentschlossen:
Lachen, ignorieren, mene machen?

Hans Malz
2 Monate zuvor
Antwortet  447

Als Natuwissenschaftler bin ich eher ein Freund von Beweisen. Aber wahrscheinlich bin ich kein guter Lehrer.

447
2 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

„Beweise“ sind kapitalistisch oder sowas, Sie böser Kerl, Sie!

Hysterican
2 Monate zuvor

„Bei allen berechtigten Klagen über die sich verschärfenden Rahmenbedingungen dürfe doch der Blick für die vielerorts nach wie vor hervorragende pädagogisch Praxis nicht verlorengehen.“

Mhhm, bezieht sich diese Aussage – so wie man das hier lesend verstehen könnte – nur auf die LuL in den Schulen und transportiert damit die klare Aufforderung an die KuK, endlich mit dem Gemecker und Genöhle aufzuhören oder sind die Granden der Bildungspolitik, -forschung, -verwaltung und v.a. auch der „Rest“ der Bevölkerung damit gemeint, die in den seltensten Fällen die erbrachten Leistungen in den Schulen zu würdigen wissen und stattdessen bevorzugt auf die dort sich abrackernden LuL eindreschen?

Ich vermute, das Erste ist gemeint….denn ein solcher Preis beinhaltet ja auch neben der Anerkennung besonderer Leistungen einzelner LuL v.a. auch die extrinsische Motivatiin an die Masse, sich gefälligst mehr Mühe zu geben und sich (noch) mehr reinzuhängen.

Als Beispiel fällt mir da der „Held der sozialistischen Arbeit“ in den VEBs der ehemaligen DDR ein, die monatlich gekürt und ausgestellt wurden (Foto und entsprechender Text im öffentlichen Fertigungsbereich) um die anderen zu Höchstleistungen anzuspornen.
Hier gilt der Hinweis, dass damit „bewiesen wird“, dass trotz der defizitären Mangelwirtschaft von Einzelnen dennoch Bestleistungen erbracht werden – und es damit doch irgendwie eine Frage des „mind-settings“ ist.

Das ist das Zweischneidige an solchen Ehrungen … je nach Stimmungslage kann das ein Grund zum Feiern oder auch ein Anlass zum kollektiven Brechen sein.

Nichts-desto-trotz gratuliere ich allen ausgezeichneten ganz herzlich …. vermisse allerdings bei den Schulleitungen unsere sehr geschätzte Fräulein Rottenmeier aus OWL. 🙂

Philine
2 Monate zuvor

Statt eines „unerschütterlichen Glaubens ans Gelingen“ hätte ich lieber Zufriedenheit angesichts vernünftiger Arbeitsbedingungen und eines Minimums an Respekt. Den sicher sehr guten Unterricht anbietenden Preisträgern aber: Gratulation!