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Philologen fordern von Heiligenstadt: Endlich 40-Stunden-Woche! Weg mit überflüssigen Aufgaben!

HANNOVER. Anlässlich des am morgigen Freitag im Kultusministerium stattfindenden Forums zur Arbeitsbelastung der Lehrkräfte hat der Philologenverband Niedersachsen erneut eine rasche Entlastung der Lehrer von überflüssigen Aufgaben und umgehende Schritte zur Umsetzung der gesetzlich festgelegten 40-Stunden-Woche für alle Lehrkräfte gefordert.

Soll Lehrkräfte entlasten:  Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons  CC-by-sa 3.0/de

Soll Lehrkräfte entlasten: Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons CC-by-sa 3.0/de

Der Philologenverbandsvorsitzende Horst Audritz kritisierte das dazu von Ministerin Heiligenstadt kürzlich im Landtag vorgestellte Konzept als „äußerst umständlich und zeitaufwendig“. Heiligenstadt will den Angaben zufolge zunächst alle 86.000 Lehrkräfte nach „wissenschaftlichen Standards“ befragen, die erhobenen Daten dann unter zusätzlicher Einbeziehung bisheriger Untersuchungen auswerten lassen und diese schließlich in einem Dialogverfahren diskutieren. Darüber hinaus soll ein Expertengremium die Tätigkeiten der Lehrkräfte „genau identifizieren und Maßstäbe für die Objektivierbarkeit von Lehrerarbeitszeit entwickeln“.

Bezeichnend sei, so Audritz, dass die Ministerin nicht einmal auf Nachfrage einen verbindlichen Zeitpunkt für die Vorlage von Ergebnissen und erst recht nicht für die Umsetzung konkreter Entlastungsmaßnahmen nenne. Unverständlich sei auch, dass sie eine generelle Untersuchung der Lehrerarbeitszeit durch ein unabhängiges Institut nach wie vor ablehne. Dies nähre den Verdacht, dass sie vor allem auf Zeit spiele und die gesetzlich vorgeschriebene 40-Stunden-Woche für Lehrer gar nicht wolle.

Heiligenstadts Rezept, wieder bei Null anzufangen, mache überhaupt keinen Sinn, betonte Audritz. Zahlreiche wenig effektive, aber zeitaufwendige Belastungen und Aufgaben, die keineswegs der Qualitätsverbesserung von Unterricht dienten, seien längst bekannt. Dazu gehörten etwa das Ausarbeiten von individuellen Lehrplänen für jede einzelne Schule, die Erarbeitung und ständige Evaluation und Fortschreibung schuleigener Konzepte für alle möglichen Aufgabenbereiche sowie ausufernde Gremiensitzungen und Konferenzen. Die umgehende Abschaffung dieser und anderer überflüssiger und wenig sinnvoller Aufgaben müsse ein erster Schritt zur Entlastung der Lehrkräfte sein. Damit werde zugleich Zeit für die Kernaufgabe von Schule, Unterricht und Erziehung, gewonnen.
Nachdrücklich warnte der Philologenverband davor, die Geduld der Lehrkräfte weiterhin zu strapazieren. Nach den bereits vorliegenden umfangreichen Erkenntnissen und zahlreichen Gesprächsrunden müssten erforderliche Maßnahmen rasch umgesetzt und endlich auch für Lehrer die gesetzlich vorgeschriebene 40-Stunden-Woche realisiert werden. pm

Zum Bericht: Frostiger Empfang für Heiligenstadt: Schulleiter fordern Unterstützung – statt mehr Bürokratie

4 Kommentare

  1. das Land wird das Arbeitszeitgesetz mit Sicherheit kostenneutral formulieren, d.h. es ändert sich faktisch nichts. die engagierten Lehrer, von denen eine Schule allerdings lebt, könnten höchstens mehr Dienst nach Vorschrift machen – und keine Minute länger. mit Glück landen sie dann bei 45-50 Zeitstunden in der Woche.

    PS: Pause ist häufig auch Arbeit, z.b. kopieren, Pausenaufsicht sowieso. das Land sieht das aktuell anders.

  2. Auch in BY gab es von der Unternehmensberatung Kienbaum einmal eine Studie zur Lehrerarbeitszeit. Da hier für den Staat recht unerfreuliche Ergebnisse herauskamen (47-Stundenwoche usw) verschwand diese in der Schublade.

    • Reguäre Jahresarbeitszeit bei Industriearbeitern wird mit maximal 21 mal 12 minus 30 ermittelt. Also 21 Arbeitstage je Monat mal 12 Monate abzüglich 30 Arbeitstagetage Tarifurlaub. Das sind ungefähr 220 Tage zu maximal 8 Stunden Arbeitszeit. Die Gesamtarbeitszeit in einem Jahr beträgt also ca. 1780 Zeitstunden.

      Dieser Wert geteilt durch 40 Schulwochen ergibt eine durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit für Lehrkräft von rund 44 Zeitstunden (a 60 Minuten). Da über diesen Zielwert jede Lehrkraft mit Vollzeitstelle lachen kann, werden die Länder als Arbeitgeber nichts ändern. Diese maximale durchschnittliche Wochenarbeitszeit entspricht 59 Unterrichtsstunden (a 45 Min.) oder einem Faktor 2 für alle anderen schulischen Aktivitäten außerhalb des Unterrichts. Geht man von dem ministeriell zugestandenen Faktor für eine einzelne Unterrichtssrtunde von 1, 5 aus, dann bleiben für alle anderen Tätigkeiten wie Vorbereitung und Durchführung von Wandertagen oder Klassenfahrten, Elterngespräche Konferenzen, Verwaltung der eigenen Klasse (Klassenlehrertätigkeit) etc. 22 Minuten je Schultag über.

    • Das statistische Bundesamt ermittelte 2006 einen Wert von ca. 2100 Stunden im Jahr für Gymnasiallehrer. Insofern müssen Lehrer eine Arbeitszeiterfassung nicht fürchten. Allerdings werden die Landesregierungen alles so hinrechnen, dass es passt und sie nichts ändern müssen.

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