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Verurteilt! – Ex-Lehrer der Odenwaldschule soll nicht mehr in den Schuldienst zurückkehren

SCHWERIN/BENSHEIM. „Pädophil und latent gefährlich“: Wegen des Besitzes von Kinderpornos hat das Amtsgericht Bensheim einen ehemaligen Lehrer der Odenwaldschule zu einer Haftstrafe verurteilt. Erst im Laufe des Verfahrens hatte sich herausgestellt, dass jetzt er an einer Rügener Schule tätig ist.

Nach der Verurteilung eines zuletzt auf der Ostseeinsel Rügen tätigen Lehrers aus Hessen wegen des Besitzes von Kinderpornos treibt das Bildungsministerium in Schwerin dessen Entlassung aus dem Schuldienst voran. Es werde dafür Sorge getragen, dass der 34-Jährige nach dem Ende der Winterferien in gut einer Woche nicht wieder vor die Klasse trete. «Wir werden ihm die Ausführung der Dienstgeschäfte untersagen, so dass er als Lehrer nicht mehr unterrichten kann», sagte ein Ministeriumssprecher.

Das Amtsgericht im hessischen Bensheim hatte den Mann als «pädophil und latent gefährlich» eingeschätzt und ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Am Donnerstag legten sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft Berufung ein. Die Ankläger hatten eine höhere Strafe gefordert. Wie Ministeriumssprecher Lipski sagte, endet nach dem Beamtengesetz bei einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr für eine vorsätzliche Tat das Beamtenverhältnis mit Rechtskraft des Urteils.

Der geständige Mann war angeklagt, während seiner Beschäftigung an der inzwischen insolventen Odenwaldschule Unmengen an kinderpornografischen Dateien auf seinem privaten Computer gehabt zu haben. Der Fall war im April 2014 bekanntgeworden. Die wegen eines weiter zurückliegenden Missbrauchsskandals in Verruf geratene Privatschule hatte ihn daraufhin entlassen.

Erst durch eine Aussage der Mutter des Verurteilten im Prozess hatte sich herausgestellt, dass der Mann inzwischen im Schuldienst Mecklenburg-Vorpommerns beschäftigt war. Der Angeklagte räumte dies erst auf Nachfrage des Gerichts ein. Er hatte zuvor geschildert, als freiberuflicher Versicherungsmakler tätig zu sein. Offenbar deshalb war auch das Schweriner Bildungsministerium nicht über Ermittlungen und Prozess informiert.

Die zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hätten bei der Prüfung der Bewerbungsunterlagen nichts von den Neigungen des Mannes gewusst, sagte Lipski. Aus der Personalakte sei nicht hervorgegangen, dass ein Strafverfahren gegen ihn laufe und er habe dies auch in der vor der Ernennung zum Beamten auf Probe abgeforderten Erklärung verschwiegen. (dpa)

zum Bericht: Prozessauftakt: Ex-Lehrer der Odenwaldschule wegen Kinderpornos vor Gericht – er ist jetzt Lehrer auf Rügen

4 Kommentare

  1. Angelika Oetken

    Bei der Pädo“philie“ handelt es sich um eine schwere und hartnäckige Persönlichkeitsstörung. Probleme mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung gehören zu ihren Kernsymptomen. Pädo“philie“ kann als psychotisches Ersatzverhalten suchtartige Züge annehmen. Pädo“phile“ sind in ihrem Beziehungserleben und in ihrer Selbststeuerung zutiefst gestört.
    Dieser Mann gehört dringend in psychotraumatologische Behandlung.

    Der Fall zeigt exemplarisch, dass die Schulbehörden der Bundesländer enger kooperieren müssen, wenn sie Kinder und Jugendliche vor sexueller Ausbeutung schützen wollen. Hätten die Betroffenen des Opfervereins „Glasbrechen e.V.“ sich nicht so hartnäckig dafür eingesetzt, dass dieser Fall aufgedeckt und angezeigt wird, gäbe es mit Sicherheit weitere Opfer.

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

  2. Sehr geehrte Frau Oetken,

    aus echtem Interesse gefragt: Warum schreiben Sie „Pädo’philie'“ mit den vielen Anführungsstrichen?

    • Angelika Oetken

      @Bernd,

      weil „philie“ in unserem Sprachgebrauch „Vorliebe“, „Neigung“, „Liebe zu…“ meint. Es gibt „Philatelie“ oder „Frankophilie“. Das was als Pädo“philie“ bezeichnet wird, hat aber wenig mit echter Neigung, erst recht nichts mit Liebe zu tun. Denn es handelt sich um eine ernste psychiatrische Erkrankung bei der „Pädo“, also das Kind, einen Objektbezug kennzeichnet, aber keine menschliche Beziehung. Wer einen anderen Menschen lediglich als Sexualobjekt sieht, begehrt vielleicht, liebt aber nicht. Auch das, was unter käuflicher „Liebe“ verstanden wird, ist ein Geschäft, aber keine Liebe. Allerdings sind darin für gewöhnlich nur Erwachsene involviert und keine Kinder. Und es ist ggf. Ausdruck menschlichen Versagens, per se aber nicht krankhaft. Das möchte ich zum Ausdruck bringen, in dem ich die „philie“ in Anführungszeichen setze.

      MfG,
      Angelika Oetken

  3. Nachvollziehbar. Danke für die Erklärung.

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