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Exzellensinitiative: Fünf Milliarden für die Forschung – unnötige Elitenförderung oder wichtige Internationalisierung?

BERLIN. Die Bildungsintegration von Flüchtlingen wird richtig teuer. Da ist es keine Selbstverständlichkeit, dass Bund und Länder für ein Elite-Förderinstrument wie die Exzellenzinitiative bis 2028 nochmals rund fünf Milliarden Euro in die Hand nehmen. So viel ist die Spitzenforschung in Deutschland auch wert – darüber sind sich vor den entscheidenden Gesprächen im April fast alle Akteure einig. Zunehmend zeichnen sich Grundzüge des neuen «Ex-Ini»-Programms ab.

Rückblende, 29. Januar: Laut Gutachten einer Expertenkommission hat die noch bis Ende 2017 reichende Exzellenzinitiative in einem Jahrzehnt so viel Schwung an die Hochschulen gebracht, dass sie unbedingt fortgesetzt werden sollte. Um Deutschlands Unis «auf Augenhöhe mit den Besten» zu bringen, seien mindestens die bisherigen 4,6 Milliarden Euro notwendig. Als Anreiz bringt Kommissionschef Dieter Imboden eine neue jährliche «Exzellenzprämien» ins Spiel – je 15 Millionen Euro für die zehn besten Unis nach einem Ranking der zuvor gezeigten Leistungen. Forschungsministerin Johanna Wanka sagt, Bund und Länder fühlten sich bestärkt – das ist es aber auch schon.

Kurz darauf beginnen Bund-Länder-Gespräche über viel Geld und diverse Programmdetails. Was Wanka will, bleibt zunächst unklar. Über Wochen laufen Verhandlungen auf Staatssekretärsebene, aus denen angeblich die Kunde dringt, die CDU-Frau sehe den Bund mit Unis unter eigener Trägerschaft bald in einer Hauptrolle. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur winkt die Ministerin indes ab: «Der Bund hat zwar ein großes Interesse an Spitzenuniversitäten, die auch international sichtbar sind. Wir wollen aber nicht einzelne Hochschulen in eine Sonderrolle als Bundesuniversität bringen.» Die Verantwortung liege nach wie vor bei den Ländern – obwohl der Bund nach einer Grundgesetzänderung seit 2015 mehr Einfluss im Hochschulsektor hat.

Zunehmend heterogene Studentenschaft: Fassade der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Was hätte Humboldt getan? Fassade der Berliner Humboldt-Universität mit Statue des Bildungsvordenkers. Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Vor den Wissenschaftsminister-Gesprächen am 5. April kristallisiert sich heraus, dass die dritte Runde des Elite-Programms erst 2019 starten dürfte – nach einer etwa zweijährigen Brückenfinanzierung. Es soll nur noch zwei Förderlinien geben: bis zu 50 «Exzellenz-Cluster», für die 385 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen; und acht bis elf «Exzellenz-Universitäten» – also womöglich weniger als zuvor – mit gut 140 Millionen Euro Förderung. Die Nachwuchs-Förderlinie «Graduiertenschulen» hat sich überholt und fällt weg. Imbodens Ranking-Idee für bereits erbrachte Leistungen – nicht nur vom einflussreichen Wissenschaftsrat abgelehnt – soll vom Tisch sein, es bliebe also bei einem vorgelagerten Prämien-Antragsverfahren.

Schon jetzt wird kritisiert, bisher bekanntgewordene «Ex-Ini»-Pläne bescherten kleinen und mittleren Universitäten «deutliche Startnachteile». Einen «Vorteil für die Großen» wittert etwa der Experte Stephan Leibfried von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Ob es Zufall ist, dass Wanka bald ein weiteres Förderprogramm auflegen will? Es soll sich an kleinere Universitäten und auch Fachhochschulen richten. Deutschland habe neben der Exzellenz «eine reiche Hochschullandschaft mit vielen Leistungen auf anderen Gebieten», sagt die Ministerin der dpa. «Deswegen möchte ich eine weitere Fördermöglichkeit für Hochschulen entwickeln.»

Die Grünen lehnen «eine klitzekleine Liga von Leuchtturm-Unis» ebenso ab wie «Trostpflaster-Programme». Fraktionsexperte Kai Gehring meint: «Höchste Zeit, dass die Bundesforschungsministerin ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Hochschulfinanzierung und Exzellenzförderung im Bundestag vorstellt und sich dort der Diskussion stellt.» Noch schärfer geht die Linke mit dem seit jeher ungeliebten Elite-Projekt ins Gericht, das nicht ohne Bundestagsbeteiligung durchgewunken werden dürfe. Hochschulfachfrau Nicole Gohlke: «Hier geht es um eine solche Masse Geld. Da zu sagen, das Parlament darf nicht mehr drüberschauen, ist nicht tragbar.» Sie verweist auf ein juristisches Gutachten, wonach reinen Bund-Länder-Vereinbarungen «die erforderliche Gesetzeslegitimation» fehle.

Mitte Juni sollen Länder-Regierungschefs und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) grünes Licht für das neue Förderprogramm geben. Wünsche und Ideen wird es bis dahin noch einige geben. Beispiel Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD): Auch internationale Ausrichtung solle bei Exzellenz eine Rolle spielen, sagt Präsidentin Margret Wintermantel. «Der Grad der Internationalisierung einer Universität muss angemessen berücksichtigt sein.»

Die Unis selbst warnen vor übertriebenen Erwartungen. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, betont stets, für den Vergleich mit großen US-Hochschulen «reicht das Geld hinten und vorne nicht». Der Präsident der weltberühmten Stanford-Universität, John Hennessy, sieht München, Heidelberg oder Berlin denn auch noch lange nicht auf Augenhöhe: «Die internationale Sichtbarkeit der deutschen Universitäten ist nicht sehr hoch», zitiert ihn «Die Zeit». Werner Herpell, dpa

Ein Kommentar

  1. Könnt ihr bitte, bitte die Überschrift reparieren? Da kriegt man ja ne Delle von im Auge.

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