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Studie: 100.000 Erzieher fehlen immer noch in den Kitas – GEW fordert Qualitätsgesetz des Bundes

GÜTERSLOH. Je größer die Gruppe, desto geringer die individuelle Förderung: Der Betreuungsschlüssel in Krippe oder Kindergarten ist ein Qualitätsmerkmal. Nach einer Studie verbessert sich die Lage – aber nicht überall. Die GEW fordert deshalb jetzt ein Kita-Qualitätsgesetz des Bundes.

Überbelegung, Überlastung der Erzieher und Fachkräftemangel sind in vielen Kitas ein Problem. Foto: woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

Überbelegung, Überlastung der Erzieher und Fachkräftemangel sind in vielen Kitas ein Problem. Foto: woodleywonderworks / Flickr (CC BY 2.0)

In Krippen und Kindergärten in Deutschland wird die Betreuung immer besser, allerdings fehlen immer noch mehr als 100 000 Erzieher. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Demnach kommen im Schnitt 9,3 Kinder auf eine Fachkraft, 2012 waren es noch 9,8 Kinder. Bei der Ganztagsbetreuung in Krippen kümmert sich ein Erzieher oder eine Erzieherin um 4,3 Kinder, drei Jahre zuvor waren es 4,8.

Für eine kindgerechte Betreuung empfehlen die Experten der Stiftung einen Schlüssel von 1 zu 3 bei den unter Dreijährigen und von 1 zu 7,5 bei den Kindergartenkindern. Bundesweit fordert die Stiftung mit Sitz in Gütersloh zusätzlich 107.000 Vollzeitstellen für Erzieher in Krippen und Kindergärten. Das würde 4,8 Milliarden Euro kosten.

«Die Finanzierung erfordert eine gewaltige Kraftanstrengung, die von Bund, Ländern, Kommunen, Trägern und Eltern nur gemeinsam zu stemmen ist», sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Zudem fallen Bildungschancen je nach Wohnort eines Kindes unterschiedlich aus. «Der Kita-Besuch allein verbessert nicht die Bildungschancen der Kinder. Es kommt auf die Qualität der Angebote an», sagt Dräger.

In Baden-Württemberg betreut eine Fachkraft im Schnitt 7,3 Kindergartenkinder, in Mecklenburg-Vorpommern sind es mit 14,1 fast doppelt so viele. Generell ist der Betreuungsschlüssel in den ostdeutschen Bundesländern schlechter als in Westdeutschland. Eine ostdeutsche Fachkraft ist für 6,1 Krippenkinder verantwortlich, eine Kollegin im Westen nur für 3,6. Das liegt auch am deutlich größeren Anteil an Krippenkindern in Ostdeutschland. Hier besuchen 46,8 Prozent der unter Dreijährigen eine Kita, in den westdeutschen Bundesländern sind es nur halb so viele (23,6 Prozent).

„Dass der Geburtsort eines Kindes über dessen Bildungsweg entscheidet, ist ein Skandal. Der Bund muss jetzt handeln und ein Kita-Qualitätsgesetz auf den Weg bringen. Es soll einen Beitrag dazu leisten, für Kinder bundesweit vergleichbare Lebensverhältnisse zu schaffen“, sagte Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für Jugendhilfe und Sozialarbeit. Die Studie mache noch einmal deutlich, dass die Bildungschancen der Kinder bereits in der Kita durch die Unterschiedlichkeit der Lebensverhältnisse in den Bundesländern geprägt würden.

„Es ist an der Zeit, dass der Bund seiner Verantwortung mit einem Bundesqualitätsgesetz gerecht wird. Mit Standards, die die Erzieher-Kind-Relation, die Freistellung der Leitungskräfte, die Fachberatung und die Anerkennung mittelbarer pädagogischer Arbeitszeit festschreiben, verbessert sich die Qualität in den Kitas strukturell deutlich“, betonte Hocke.

Schwesig: Einzelne Länder blockieren

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) zeigt sich offen. Sie rief die Länder auf, sich auf bundesweit einheitliche Standards in Kindertagesstätten zu verständigen. «Ich unterstütze ein solches Qualitätsgesetz, ich würde das gerne machen», sagte Schwesig am Mittwoch im ARD-«Morgenmagazin». Hessen etwa lehne ein solches gemeinsames Qualitätsgesetz ab, das zum Beispiel die Größe der Gruppen festlegen würde. Derzeit führe der Bund aber gute Gespräche mit den Ländern.

Auch Bayern lehnt Schwesigs Forderung nach einem Bundesqualitätsgesetz für Kitas ab. «Ein Bundesgesetz bedeutet in den meisten Fällen, dass der kleinste gemeinsame Nenner festgeschrieben wird», sagte Bayerns Familienministerin Emilia Müller laut Mitteilung. Deshalb sei sie für eine Länderlösung.

Die CSU-Politikerin kritisierte die Studie der Bertelsmann-Stiftung als einseitig. «Das reine Aufzählen von Personalschlüsseln und die stets negative Bewertung dieser Zahlen wird der komplexen, verantwortungsvollen Aufgabe der Kinderbetreuung und dem Engagement der Betreuerinnen und Betreuer nicht gerecht», sagte Müller. News4teachers / mit Material der dpa

Ländervergleich Betreuungsschlüssel in Kita-Gruppen

Nach Zahlen der Bertelsmann-Stiftung hat sich in fast allen Bundesländern der Betreuungsschlüssel, also das Zahlenverhältnis zwischen Kindern und Fachpersonal bei den Drei- bis Sechjährigen, seit 2012 verbessert. Nur in Brandenburg und Thüringen gab es Stillstand.

Bundesland 2012 2015
Baden-Württemberg 8,6 7,3
Bayern 9,0 8,8
Berlin * 8,8
Brandenburg 11,6 11,6
Bremen 8,1 7,7
Hamburg 9,4 8,7
Hessen 10,0 9,8
Mecklenb.-Vorpommern 14,7 14,1
Niedersachsen 8,8 8,4
Nordrhein-Westfalen 9,8 9,1
Rheinland-Pfalz 9,7 8,8
Saarland 10,0 9,6
Sachsen 13,7 13,5
Sachsen-Anhalt 12,5 11,9
Schleswig-Holstein 9,1 8,6
Thüringen 11,4 11,4

*Für 2012 keine Berechnung möglich.

 

 

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