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Studie: Politik sollte zusätzlich 3,5 Milliarden in Bildung investieren – VBE: „Das unterstützt unsere Forderungen“

BERLIN. Zum ersten Mal erreichen die Bundesländer beim Bildungsmonitor der „Initiative neue soziale Marktwirtschaft“ im Vergleich zum Vorjahr keine Fortschritte im Gesamtbild der zwölf Handlungsfelder. Vor allem bei den Bildungsabschlüssen ausländischer Schüler waren bereits vor der jüngsten Flüchtlingswelle sogar Rückschritte zu beobachten. Für die Bildungsintegration der Flüchtlinge – die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre – besteht folglich dringender Handlungsbedarf. Hierfür sollten die jährlichen öffentlichen Bildungsausgaben um 3,5 Mrd. Euro erhöht werden.

Zu diesen Ergebnissen kommt der Bildungsmonitor 2016. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) untersucht, inwieweit die Bundesländer Bildungsarmut reduzieren, zur Fachkräftesicherung beitragen und Wachstum fördern. Der Bildungsmonitor wird in diesem Jahr zum 13. Mal veröffentlicht. Der Vorsitzende des Verband Bildung und Erziehung (VBE) Udo Beckmann sagt: „Der Bildungsmonitor 2016 bringt keine neuen Erkenntnisse, sondern stützt nur die bisherigen Forderungen. Er macht erneut deutlich, dass es einen erhöhten Bildungsbedarf gibt und Deutschland bei den Bildungsinvestitionen immer noch anderen OECD-Ländern weit hinterherhinkt. Wir brauchen gut ausgebildetes Personal in Kindertageseinrichtungen und deutlich mehr Lehrer – obwohl der Lehrermarkt nicht mehr genügend hergibt. Hier sind alle Länder gefordert, dauerhaft für ausreichende Studienplätze zu sorgen und den Lehrerberuf attraktiv zu gestalten.“

Auch die fünf leistungsstarken Länder können sich nicht ausruhen

Laut Studie sind die leistungsfähigsten Bildungssysteme in Sachsen, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg zu finden. Sachsen erreicht Spitzenplätze bei der Forschungsorientierung, der Förderinfrastruktur und der Schulqualität, hat aber seit einigen Jahren einen Zuwachs an ausländischen Schulabbrechern. In Thüringen sind die Bildungsausgaben je Schüler hoch, zudem sind die Betreuungsbedingungen sehr gut. Gleichwohl hat Thüringen jedoch einen sehr hohen Anteil älterer Lehrer, die in den kommenden Jahren nur schwer ersetzt werden können. Bayern ist Spitze bei der beruflichen Bildung, bei der Vermeidung von Bildungsarmut und dem effizienten Mitteleinsatz im Bildungssystem, hat aber ebenso wie Baden-Württemberg weiterhin Nachholbedarf beim Ausbau von Ganztagsplätzen. Hamburg ist führend bei der internationalen Ausrichtung des Bildungssystems, ein hoher Anteil der Schüler erreicht aber nicht die Mindestanforderungen im Lesen oder der Mathematik.

Daumen hoch Daumen runter

Die Studie vergleicht die Daten der Bundesländer und fordert mehr Voneinander lernen. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Beckmann kommentiert: „Die stark ökonomisch fokussierte Perspektive des Berichts sehen wir kritisch. Schulqualität zum Beispiel kann nicht nur über die vermittelten Kompetenzen in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften bemessen werden. Es ist Aufgabe der Schule, eine umfassende Allgemeinbildung zu vermitteln, um Schülerinnen und Schülern die kulturelle, soziale und berufliche Teilhabe zu ermöglichen. Schule ist kein Zulieferbetrieb für Wirtschaft. Bildung ist deutlich mehr als die Vorbereitung auf den Beruf. Das sollte die Wirtschaft und die berufliche Bildung durch attraktive Ausbildungsangebote und gezielte Angebote für Schüler, die kein Studium anstreben, selbst leisten.“

Zum ersten Mal in 13 Jahren Bildungsmonitor haben die Länder im Durchschnitt keine Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr erreicht. Vor allem bei der Integration ausländischer Schüler gibt es sogar Rückschritte – so ist die Schulabbrecherquote unter Ausländern innerhalb eines Jahres von 10,7 auf 11,9 Prozent gestiegen. Dies gibt Anlass zur Sorge, denn mit der Bildungsintegration der Flüchtlinge steht die Bildungspolitik vor einer neuen, riesengroßen Herausforderung“, so Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM. Pellengahr weiter: „Der Bildungsmonitor zeigt, dass die Länder im Sinne des föderalen Wettbewerbs voneinander lernen könnten und müssten. Leider findet dieser Wettbewerb nur sehr eingeschränkt statt“.

Studienleiter Prof. Dr. Axel Plünnecke erklärt: „Die Länder müssen der Bildung in den öffentlichen Haushalten einen höheren Stellenwert einräumen. Im Jahr 2017 werden allein rund 98.500 zusätzliche KiTa-Plätze für die Flüchtlingskinder benötigt. Dazu braucht es Lehrkräfte für rund 200.000 zusätzliche Schulkinder und ein Ausbau der Berufsvorbereitung. Im Jahr 2017 bedeutet dies zusätzliche Bildungsausgaben des Staates in Höhe von 3,5 Mrd. Euro“. Plünnecke weiter: „Aus humanitärer Sicht sind diese Ausgaben für eine bessere Bildungsintegration dringend geboten. Und auch fiskalisch können sie sich langfristig über eine bessere Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge rechnen.“

Die Studie „Bildungsmonitor“

In die Studie Bildungsmonitor 2016 werden 93 Indikatoren einbezogen. Darunter Indikatoren zur Beschreibung der Infrastruktur, beispielsweise die Verfügbarkeit von Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten sowie die Betreuungsrelationen an Schulen. Des Weiteren sind es Indikatoren, die den Zugang zu Bildung beschreiben, wie Schulabbrecherquoten, Abbrecherquoten von Ausländern und der Anteil der Schüler, die von Bildungsarmut betroffen sind. Außerdem werden Indikatoren einbezogen, welche die Qualität der schulischen Leistung und den Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen abbilden. Damit messen die Indikatoren sowohl Aspekte der Bildungsgerechtigkeit, als auch Impulse des Bildungssystems zur Stärkung der Qualifikationsbasis der Volkswirtschaft. Die zu Grunde liegenden Daten beziehen sich zumeist auf das Jahr 2014 oder 2015: zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine aktuelleren statistischen Daten in Deutschland vor.

Neben einer Bestandsaufnahme zur Leistungsfähigkeit des Bildungssystems werden die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2016 auch mit dem Vorjahr verglichen. So gibt die Studie auch darüber Auskunft, welches Bundesland die größten Verbesserungen in seinem Bildungssystem erreicht hat. Im Bildungsmonitor 2016 wurde als Sonderkapitel die Bildungsintegration von Flüchtlingen näher betrachtet.

Alle Ergebnisse des Bildungsmonitors 2016, sowie zahlreiche Grafiken finden Sie unter www.insm.de/Bildungsmonitor.

 

 

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