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Pünktlich, ehrlich, fleißig, lieb in der Schule – Das Rezept fürs lange Leben?

TÜBINGEN. Ist das jetzt eine gute Nachricht und gehören Disziplinprobleme schon bald der Vergangenheit an? Schüler, die von ihren Lehrern als „fleißig“ bewertet wurden, haben eine signifikant höhere Lebenserwartung. Das ergab die aktuelle Analyse einer Studie aus dem Jahr 1968. Warum das so ist, sei noch nicht ganz klar, doch könnten die Ergebnisse auch Einfluss auf den Unterricht haben.

Kinder, die in der Schule fleißig, gewissenhaft und leistungsorientiert sind, leben wahrscheinlich länger als ihre widerspenstigen und ungeduldigen Mitschüler. Diese Schlussfolgerung ziehen Wissenschaftler der Universität Luxemburg und vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen aus einer Studie. Anhand von Daten aus dem Jahr 1968 analysierten sie das Verhalten und die Charaktereigenschaften von Schülerinnen und Schülern und untersuchten, ob diese Eigenschaften im Zusammenhang mit der Lebenserwartung stehen könnten.

Wer von seinen Lehrern als gewissenhaft und fleißig eingestuft wird hat eine deutlich größere Chance, 40 Jahre später noch zu leben. Foto: isfara / pixabay (CC0 1.0)

Wer von seinen Lehrern als gewissenhaft und fleißig eingestuft wird hat eine deutlich größere Chance, 40 Jahre später noch zu leben. Foto: isfara / pixabay (CC0 1.0)

In der Studie mussten die Kinder Aussagen zu ihrem Verhalten als richtig oder falsch bewerten, zum Beispiel „Ich gebe mir große Mühe, meine Hausaufgaben richtig und sorgfältig zu machen“, „manchmal passe ich in der Schule nicht auf“ oder „ich habe meiner Mutter freche Antworten gegeben“. Außerdem wurden auch die Lehrerinnen und Lehrer gefragt, wie fleißig die einzelnen Schülerinnen und Schüler im Unterricht waren.

Während solche Faktoren wie Nachlässigkeit oder Respektlosigkeit gegenüber den Eltern in keinem nennenswerten Zusammenhang mit der Lebensdauer zu stehen scheinen, fanden die Forscher in ihren Analysen einen Zusammenhang zwischen dem „Fleiß“ der Schülerinnen und Schüler und der Lebenserwartung, den sie als bedeutsam einstufen. Nach ihren Berechnungen hatten die von Lehrern als „fleißig“ bezeichneten Schüler eine statistisch höhere Chance, nach einer Zeitspanne von 40 Jahren noch am Leben zu sein. Damit fiel dem Faktor Fleiß eine noch höhere Bedeutung zu als der Intelligenz oder dem familiären Hintergrund.

„Das hat vielleicht damit zu tun, dass die fleißigen Schüler auch einen verantwortungsbewussteren Lebensstil pflegen“, erklärt Marion Spengler, Erstautorin der Studie. „Man könnte vermuten, dass sie sich gesünder ernähren und regelmäßiger zum Arzt gehen. Die genauen Gründe für den Zusammenhang kennen wir allerdings noch nicht.“ Die anderen Studienteilnehmer dagegen seien eventuell tendenziell risikobereiter, hätten dadurch mehr Unfälle oder probierten vielleicht risikoreichere Sexualpraktiken oder Drogen aus. Frauen waren übrigens mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit noch am Leben als Männer.

Für die Studie, die den Wissenschaftlern als Grundlage diente, wurde im Jahr 1968 etwa die Hälfte eines Jahrgangs in Luxemburg nach ihren Gedanken, Gefühlen, Schul- und Lebensgewohnheiten befragt. Insgesamt rund 2.500 damalige Sechstklässler, die im Durchschnitt knapp 12 Jahre alt waren, nahmen daran teil. Sie mussten ihre Schulleistung und ihr Verhalten selbst beurteilen, außerdem unterzogen sie sich einem Intelligenztest, und der Beruf sowie das Einkommen der Eltern wurden berücksichtigt. Die Forscher untersuchten nun die Eigenschaften derer, die älter als 52 Jahre alt wurden. 166 Personen waren vorher gestorben.

Warum der Zusammenhang zwischen Fleiß und Lebenserwartung derart markant scheint, muss laut Spengler in weiteren Studien untersucht werden. „Sollte gesundheitsbewusstes Verhalten tatsächlich eine Rolle für den Zusammenhang von Fleiß und Lebenserwartung spielen, dann ist das ein spannender Ausgangspunkt für weitere Forschung. Sollte es sich beispielsweise herausstellen, dass gesundes Verhalten durch Bildung vermittelt werden kann, könnten entsprechende Lerninhalte in den Bildungsplan übernommen werden“, so Marion Spengler. (zab, pm)

• zum Bericht: Forscher entdecken Gene für langes Leben
• zum Bericht: Schüler fordern Abschaffung der Hausaufgaben (und wollen stattdessen freiwillig üben)
• zum Bericht: Früher war die Bildung besser? Von wegen – deutsche Schüler waren schon immer nur mittelmäßig

4 Kommentare

  1. Vermutlich steckt insgesamt eine bestimmte Lebenshaltung / Lebenseinstellung dahinter, die selbst dann selbst wiederum zu Eigenschaften wie fleißig, gewissenhaft, pünktlich … führen.

    • Wie wäre es mit gesunder Ernährung, die deutlich teurer ist als Junkfood, daher einen höheren Bildungsabschluss und daher wiederum so etwas wie Fleiß voraussetzt? Kann natürlich auch Korrelation sein …

  2. Auch wieder eine Studie, deren Ergebnisse ungehört verhallen, da es nicht im pädagogischen Trend liegt, fleißig zu sein.

    • Ich bin der Hoffnung, dass eine die kritische Masse übersteigende Anzahl solcher Studien irgendwann einmal doch gehört werden, genauso wie eine Rückbesinnung auf Wissen an Stelle von Kompetenzen eintritt.

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