Startseite ::: Nachrichten ::: Beleidigungen, Tritte, Schläge, Cybermobbing – und eine Pistole am Kopf! So sieht Gewalt gegen Lehrkräfte aus: Betroffene berichten

Beleidigungen, Tritte, Schläge, Cybermobbing – und eine Pistole am Kopf! So sieht Gewalt gegen Lehrkräfte aus: Betroffene berichten

DÜSSELDORF. Gewalt gegen Lehrkräfte ist zunehmend ein Alltagsphänomen, wie in der vergangenen Woche eine Umfrage des VBE ergab. Doch wie äußert sie sich? Verschiedene Medien haben Berichte von Lehrkräften, die schlimme Erfahrungen machen mussten, gesammelt. Wir veröffentlichen einige davon in anonymisierter Form, um das Ausmaß des Schreckens zu dokumentieren.

Lehrkräften die Rede. (Symbolfoto) Foto: Hibr / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Immer öfter ist von Gewalttaten gegenüber Lehrkräften die Rede. (Symbolfoto) Foto: Hibr / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Eine Hauptschullehrerin berichtet gegenüber der „Rheinischen Post“ davon, dass ihr ein Schüler vor 14 Jahren eine Pistole an die Stirn gehalten habe. „Na, haben Sie jetzt Angst?”, habe er sie gefragt. “In mir lief ein Automatismus ab, ich habe auf ihn eingeredet”, erinnert sie sich. “Äußerlich bin ich ruhig geblieben, aber mein Puls war auf 180. Ich wusste nicht, ob das eine echte Waffe ist.” Eine gefühlte Ewigkeit später habe er die Waffe sinken lassen. “Das ist nur eine Schreckschusspistole”, habe er zu ihr gesagt. Dann drehte er sich um und rannte weg.

Eine Grundschul-Lehrerin aus Bielefeld sagt gegenüber der „Neuen Westfälischen“, dass sie zunehmend aufgrund ihres jüdischen Glaubens angefeindet wird.  „Ich habe es anfangs nicht glauben können, aber antisemitische Beschimpfungen sind in meinem Beruf zum Problem geworden.” Die 55-Jährige fühlt sich mit dem Problem alleine gelassen. „Die Schulleitung hat Angst vor sinkenden Anmeldezahlen und redet das Problem klein“, so zitiert sie die Zeitung.

Von ähnlichen Erfahrungen erzählt eine Gymnasial-Lehrerin aus dem Kreis Herford machen müssen. „Als mir ein Schüler einen Tritt in den Hintern verpasste und ich ihn anzeigen wollte, bestellte meine Schulleiterin einen Dezernenten der Bezirksregierung ein, der mir folgende Frage stellte: Was haben Sie dem Schüler angetan, dass er so reagieren muss?” Nach diesem Gespräch sei ihr klargeworden, dass sie von ihren Vorgesetzten keine Hilfe erwarten könne. „Ich wurde von einer Anzeige abgehalten, mit dem Hinweis, dass ich damit dem gewalttätigen Schüler die Zukunft verbauen würde.”

VBE-Umfrage: Heutzutage müssen sich Lehrer vor gewalttätigen Schülern fürchten – und manchmal auch vor Eltern

Ein Sportlehrer von einem Gymnasium im Kreis Gütersloh berichtet von einem körperlichen Angriff. „Im Sportunterricht wurde ich nach einer Unterrichtsstunde von drei Oberstufenschülern umringt, bespuckt und ins Gesicht geschlagen”, sagt der 47-Jährige. Zuvor habe es eine verbale Auseinandersetzung mit muslimischen Schülerinnen über die Teilnahme am Sportunterricht gegeben. „Nach der Attacke drohten sie mir mit weiteren Schlägen außerhalb der Schule, wenn ich ihre muslimische Mitschülerinnen weiterhin zum Mitmachen animieren würde.”

Der Lehrer eines Berufskollegs vom Niederrhein berichtet gegenüber der „Rheinischen Post“, die zahlreiche Berichte gesammelt hat: „Ein Schüler störte den Unterricht und hielt Mitschüler vom Lernen ab. Ich schickte ihn für zehn Minuten vor die Tür. Auch das half nichts. Deswegen trug ich ihn ins Klassenbuch ein. Am Ende der Stunde wollte er den Eintrag sehen. Als ich ihm diesen zeigte, schlug er mir das Klassenbuch ins Gesicht. Die damalige Schulleitung und die Bezirksregierung wollten von dem Vorfall nichts wissen.”

Ein 63-jähriger Englischlehrer an einer Hauptschule aus Nordrhein-Westfalen erzählte der Zeitung: „Vor zwei Wochen versuchte ich, einen massiven Streit von mehreren Schülern an der Klassenraumtür zu schlichten. In diesem Augenblick trat ein Schüler von außen gegen die Tür, die mich heftig am Kopf traf. Nachdem ich einige Minuten bewusstlos war, wurde ich mit dem Notarzt ins nächstgelegene Krankenhaus transportiert. Der Schüler beziehungsweise seine Eltern haben es bis heute nicht für nötig erachtet, sich bei mir zu melden.”

Eine 61-jährige Gymnasiallehrerin berichtet: “Ich habe Cybermobbing von Schülern einer achten Klasse erlebt. Ein Facebook-Konto wurde von mir angelegt, dazu wurde ein Foto von der Online-Pinnwand unserer Schule kopiert und dann auf sehr verletzende Weise ein Chat hergestellt, in dem ich angeblich die Schüler zu sexuellen Handlungen aufgefordert habe. Ich habe einen Hinweis von einem Mädchen aus der Klasse erhalten. Letztendlich habe ich die beteiligten Schüler angezeigt, und es wurden pädagogische Maßnahmen ergriffen, die zum Teil von den betroffenen Eltern torpediert wurden. Eine Anzeige bei der Polizei brachte außer einer Anhörung der Beteiligten und deren Eltern nur die Erkenntnis, dass diese Schüler nicht weiter zu belangen waren, da sie noch nicht strafmündig waren. Alle waren 13 Jahre alt. Nach dem Vorfall habe ich die Schulleitung darum gebeten, diese Klasse nicht mehr unterrichten zu müssen. Dem wurde auch entsprochen.”

Eine Hauptschullehrerin berichtet gegenüber der „Rheinischen Post“: “Vor einigen Jahren habe ich eine Schülerin (15 Jahre und damit strafmündig) angezeigt, weil sie mich als ‘Nutte’ beschimpft hat. Der Polizist, der die Anzeige aufgenommen hat, gab mir zu verstehen, ich solle mich nicht so anstellen. Einige Wochen später bekam ich ein Schreiben von der zuständigen Staatsanwaltschaft, dass das Verfahren eingestellt worden sei.”

Ein 47-jähriger Gesamtschullehrer für Mathematik erzählt: “Es war die Abschlussfeier einer Hauptschule, gefeiert wurde in einer Gaststätte. Als ich an der Feierlichkeit ankam, parkte ich mein Auto auf dem Parkplatz in der Nähe der Gaststätte. Nach einer Stunde kam ich zum Auto zurück und traute meinen Augen nicht. Die Fahrerseite, Motorhaube und Heck meines Wagens waren eingetreten und völlig demoliert worden. Wirtschaftlicher Totalschaden. Der Täter konnte nie ermittelt werden.”

Eine Lehrerin aus München berichtet gegenüber der „Abendzeitung“ von ihrem Alltag an einer Schule in einem sozialen Brennpunkt: „Die Kinder gehen sich oft gegenseitig an. Da lerne ich auch mal Schimpfworte, die ich noch nie gehört habe, das ist manchmal schon erschreckend. Einmal bin ich dazwischen gegangen und hab eine mitgekriegt; das mache ich nicht noch mal.“ Auch an eine andere unangenehme Situation erinnert sie sich: „Nach einem Projekt wollte ich eine Schülerin nicht mit der Pausenklingel gehen lassen, weil noch das totale Chaos herrschte. Also habe ich mich ihr in den Weg gestellt. Sie ist um die 17, einen Kopf größer und doppelt so breit wie ich. Sie hat mich wüst beschimpft, und als ich trotzdem nicht wegging mich geschubst.“ Agentur für Bildungsjournalismus

 

Hintergrund: Die Umfrage des VBE

Drohen, mobben, beleidigen – jeder vierte Lehrer ist schon einmal Opfer psychischer Gewalt von Schülern gewesen. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage hervor, die der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) unlängst in Düsseldorf vorstellte. Demnach ist fast ein Viertel (23 Prozent) der befragten Lehrer bereits Ziel von Diffamierungen, Belästigungen und Drohungen gewesen –  Aggressoren waren hauptsächlich Schüler, aber auch Eltern. Sechs von 100 Lehrern sind der Umfrage zufolge sogar schon einmal körperlich von Schülern angegriffen worden. Hochgerechnet seien damit mehr als 45.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen aller Formen bereits Opfer von tätlicher Gewalt geworden. Zu den körperlichen Angriffen gehörten etwa Fausthiebe, Tritte, An-den-Haaren-Ziehen oder das Bewerfen mit Gegenständen.

Auch Cybermobbing wird offenbar ein immer größeres Phänomenen. 77 Prozent der Befragten sehen eine Zunahme von Formen des Mobbings über das Internet. Fast jede dritte befragte Lehrkraft gab an, dass es Fälle an der Schule gab. Allerdings gaben nur zwei Prozent der Lehrkräfte an, selbst betroffen gewesen zu sein.

 

64 Kommentare

  1. Gut, dass das mal thematisiert wird.

    Wir brauchen vermutlich andere Richter, denn die Gesetze dafür (bzw. dagegen) sind ja da.

    Und wir brauchen Lehrer, die wieder Benehmen einfordern und durchsetzen. Von klein auf an !! Ich sehe hier vor allem die Grundschule in der Pflicht. Auch diesbezüglich gilt wohl: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

    Wenn bereits die Grundschullehrer jede Reglementierung (Einforderung von gutem Benehmen) als Gängelung betrachten, dann brauchen wir uns über das Verhalten der “Oberschüler” nicht mehr zu wundern.

    Ich empfehle: “Erfolgreich erziehen” von Streit / Jansen
    Link: https://www.amazon.de/Erfolgreich-erziehen-Kindergarten-Fritz-Jansen/dp/3810509213

    • Ich bin erschrocken, von was für feigen Schulleitungen hier berichtet wird. Die scheinen ein wesentlicher Teil des Problems zu sein !!! (Vermutlich kriegen die aber auch “von oben” Druck?)

  2. Ein erschreckender, sehr treffender Bericht, aber leider seit Jahren Alltag an vielen Schulen und es werden immer mehr solche Fälle…!Es ist bereits 5 nach 12! Aus meiner Arbeit u.a. mit Mobbingtrainings in Schulen bekomme ich viel von der Gewalt gegenüber Lehrern mit. Die Ursachen dafür sind so vielseitig. In Gesprächen mit Lehrern wird oft vom fehlenden Respekt der Schüler gegenüber Autoritäten berichtet. Als andere Gründe wurden mir Defizite in der elterlichen Erziehung sowie das Heranwachsen mit und unter ständiger Gewalt genannt. Wir alle müssen handeln, angefangen bei der Politik, zur Familie, in der Erziehung, Schule, Ausbildung und in der Gesellschaft!

    • Eines verstehe ich nicht: Mittlerweile haben doch staatliche Einrichtungen wie z.B. Kitas (hier bereits wenige Monate alte Babys) sowie Schulen die Betreuung und Erziehung der Kinder und SuS oft ganztätig übernommen. Welchen Anteil an der Erziehung haben denn noch die Eltern? Angeblich kann der Staat es auch viel besser.

    • Aber die Bildungspolitik hat doch schon vor Ewigkeiten das Problem erkannt und alles Mögliche getan, um die Schüler zu empathischen, demokratisch denkenden Sozialwesen zu machen. Was soll sie denn noch mehr tun als die soziale Kompetenz zum obersten Bildungsziel zu erklären, dem sich alles unterzuordnen hat?

      Sogar vom Leistungsgedanken wurde Abschied genommen, damit die freiwerdenden Kräfte genutzt werden konnten für die Erziehung zu mündigen, sozialcharakterlich gefestigten Bürgern, die unserer Demokratie neue Flügel verleihen.

      Bei aller bitteren Ironie möchte ich nicht vergessen, Ihnen, Herr Schmied, zu sagen, dass Sie mir aus der Seele sprechen.
      Ich fürchte jedoch, eine bildungs-, erziehungs-, gesellschafts- und nicht zuletzt familienpolitische Umkehr ist nach wie vor in weiter Ferne. Statt einer Rückbesinnung und Umkehr auf dem falschen Weg wird der Marsch in den Abgrund von noch mehr Moralgesängen und Lobeshymnen auf die schöne neue Welt am Ende des Wegs begleitet werden, bis auch dem letzten Realitätsverweigerer und Fortschrittsgläubigen das Lied auf den Lippen erstirbt.

  3. Was in der Politik fehlt ist ein Schlüsselerlebnis: Gewalt eines Schülers / einer Schülerin gegen einen ranghohen Politiker. Solange das nicht geschieht, ist doch wieder nur von bedauerlichen Einzelfällen die Rede oder das Prpblem wird totgeschwiegen.

  4. Vielen Dank g.h. und mehrnachdenken, sie sprechen mir aus dem Herzen! Das ist eines der Hauptprobleme, dass der Staat sich mittlerweile fast komplett um die Erziehung der Kinder kümmert, traditionelle Werte wie Familie zählen in unserer heutigen Gesellschaft so gut wie gar nichts mehr! Ein Umdenken wäre schön und dringendst nötig, leider ist dies nur ein Wunschdenken, obwohl wir alle wissen würden, dass es wahrscheinlich der bessere Weg wäre!

    • @A. Schmied
      Ihre Offenheit gefällt mir. Sprechen Sie in den Schulen auch so direkt mit den Schulleitungen und Lehrkräften? Wie reagieren diese?

      “Das ist eines der Hauptprobleme, dass der Staat sich mittlerweile fast komplett um die Erziehung der Kinder kümmert, traditionelle Werte wie Familie zählen in unserer heutigen Gesellschaft so gut wie gar nichts mehr!”

      Nehmen wir an, Ihre Zustandsbeschreibung stimmt. Was müsste Ihrer Meinung nach passieren, damit es besser wird?

      • Die Frauen zurück an den Herd treiben und die Männer in die Arbeitslosigkeit – wie in den schönen 70-er Jahren. War toll damals, mehrnachdenken, oder? Früher war doch alles besser.

        • Mich interessiert, wie Sie die Rolle der Eltern bei der Kindererziehung sehen a) im derzeitigen gesellschaftlichen Mittelwert bzw. in den sehr unterschiedlichen Milieus
          b) in einem wünschenswerten und (auch politisch) anzustrebenden Zustand

          • Es gibt ein schönes afrikanisches Sprichwort: Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

            Das galt früher, als Omas, Opas, Nachbarn und die Kirchengemeinde miterzogen. Und das gilt heute, in einer Zeit alsio, in der diese Strukturen nicht oder kaum mehr existieren. Das kann man bejammern – oder sich der Herausforderung stellen, Strukturen für das 21. Jahrhundert zu schaffen. Und dazu gehört eben auch ein System staatlicher Erziehung, das allerdings hohen Qualitätsansprüchen genügen müsste.

            Es ist ja kein Zufall, dass die Staaten eine hohe Geburtenrate verzeichnen, die ein gutes staatliches Betreuungssystem aufbieten, etwa Schweden und Frankreich. Wir können natürlich auch sagen: Weil staatliche Erziehung des Teufels ist, vergreisen wir lieber und sterben dann aus. Bitteschön.

          • @Bernd
            Ja, höhere Geburten in den erwähnten Ländern. Ich glaube aber, dass es durchaus auch recht kritische Stimmen zum dortigen staatlichen Betreuungssytem gibt. Ob die Kinder und Jugendlichen tatsächlich so davon profitieren wie Sie es andeuten, versehe ich zumindest mal mit einem Fragezeichen. Studien oder Quellen kann ich auf die Schnelle nicht nennen, aber es gibt sie.

          • @Bernd
            Ich bitte Sie, den Zeit – online Artikel zu lesen. “Singen” Sie anschließend auch noch das “hohe Lied” auf die vollumfängliche staatliche Betreuung?

            http://www.zeit.de/2013/37/frankreich-kinder-staatliche-fruehfoerderung

          • Genau. Und weil es – wie immer – was zu verbessern gibt, lassen wir’s lieber gleich sein und greisen vor uns hin. Super Ansatz. Oder haben Sie einen konstruktiven Vorschlag, wie die Geburtenrate zu steigern ist, wie Frauen ihre Berufswünsche realisieren können, wie die Familien ihre materiielle Existenz sichern können (um von Alleinerziehenden, die zwingend auf staatliche Erziehungsunterstützung angewiesen sind, gar nicht erst zu reden) – statt einfach nur dagegen zu sein und wehmütig in eine romantisch verklärte Vergangenheit zu blicken? Nebenbei: So toll war die in Wirklichkeit nicht.

          • @bernd frankreich hat bei pisa verk***t. die Förderung hat zumindest in dem Punkt versagt oder nicht gegriffen.

          • … und deswegen brauchen wir keine Kitas mehr?

          • @Bernd
            Ich vermute, dass Sie den Zeit-Artikel nicht gelesen haben. Es geht hier nicht darum, etwas zu verbessern. Im Artikel wird recht deutlich, dass diese Form der Betreuung gescheitert ist, weil nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern (Mütter) schrecklich darunter leiden.

            “xxx” erwähnt es: Das staatliche französische Schulsystem ist am Ende. Wer kann, schickt die Kinder auf Privatschulen.

          • Nochmal: Irgendeinen konstruktiven Vorschlag?

            “Diese Form” der Betreung sei gescheitert? Na, ulkig, dass in Deutschland mittlerweile fast jeder Einjährige in der Kita landet, seit es entsprechende Angebote gibt.

          • @Bernd
            Ich dachte immer, in Ländern, wo es überhaupt keine Betreuungssysteme gibt und Frauen fast durchweg noch nach traditionellem Muster leben und die Kinder selbst großziehen, gäbe es die höchsten Geburtenraten.
            Die meist vielköpfige Kinderschar dieser Frauen soll darüber hinaus noch beeindruckend sozial eingestellt sein und großen Respekt vor den Älteren haben.
            Ich meine sogar gelesen zu haben, dass die Zufriedenheit der Kinder in diesen Ländern vergleichsweise hoch ist, obwohl der Lebensstandard nach unserem, ach so fortschrittlichen Bewertungsmaßstab (Karriere, Geld und Konsum) ziemlich erbärmlich ist.
            Da fragt man sich doch, ob vieles von dem, was Sie als tolle Errungenschaften moderner Gesellschaften preisen, nicht zu teuer erkauft ist.

            Sie zitieren das bekannte und meist reichlich gedankenlos angewendete Sprichwort aus Afrika: “Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.”
            Vielleicht überlegen Sie mal, was ein ganzes afrikanisches Dorf mit seinen traditionellen Werten und Gepflogenheiten bedeutet, bevor (auch) Sie dieses Dorf höchst oberflächlich gleichsetzen mit der reinen Anzahl möglichst vieler Menschen.

          • @ bernd: Wenn viele Eltern in Deutschland ihre Kinder an eine KiTa anmelden, kann das System trotzdem scheitern. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben diese Eltern (aus ihrer Sicht) keine andere Wahl, weil sie auf das Einkommen zwingend angewiesen sind. Die Folgen für die Kinder sind zumindest aktuell noch nicht absehbar, schlauer werden wir, wenn diese Kinder ebenfalls Kinder in die Welt setzen und (versuchen zu) erziehen. Das dauert aber noch 20 Jahre oder so.

          • Ist das, g. h., eine grundsätzliche Zivilisationskritik? Wo wollen Sie denn gesellschaftlich hin, zurück ins 19. Jahrhundert? In “diesen Ländern” – welche Länder meinen Sie denn? Die, aus denen die Menschen nach Deutschland flüchten?

            Grundsätzlich gilt: “Je höher die öffentlichen Ausgaben für Familiendienstleistungen sind, desto höher sind die
            Geburtenraten in den hochentwickelten Industrieländern. Der Zusammenhang ist hochsignifikant. Die nordeuropäischen Staaten und Frankreich, in denen die
            Familiendienstleistungen über 1,5% des Sozialprodukts ausmachen, sind Spitzenreiter. In den sieben Ländern mit der höchsten Familiendienstleistungsquote liegt die Geburtenrate zwischen 1,8 und 2,1. Nur halb so hoch oder geringer sind die Familiendienstleistungsausgaben in den deutschsprachigen Ländern, Südeuropa, Osteuropa (außer Ungarn) und in Ostasien; in allen diesen Ländern ist die Geburtenrate mit 1,2 bis 1,4 sehr niedrig.”

            Jetzt hätte ich gerne mal von Ihnen allen hier gewusst, wie Sie sich Familienpolitik vorstellen, wenn die staatliche Kinderbetreuung angeblich gescheitert ist (was ist eigentlich der Beleg dafür – ein einzelner Bericht aus der Zeit?)? Was erwarten Sie von dieser hochindustrialisierten Gesellschaft in Deutschland – dass sie ihre Frauen zurück an den Herd schickt, nachdem sie sie über Schule und Studium exzellent ausgebildet hat? Oder sind Sie Verfechter eines revolutionären Familienbildes – und die Väter bleiben allesamt zu Hause?

            Richtig übel wird mir, wenn ich so einen zynischen Spruch lese von “unserem ach so fortschrittlichen Bewertungsmaßstab (Karriere, Geld und Konsum)”. Wer finanziert denn Ihren Lebensunterhalt, wenn nicht das wirtschaftliche System in Deutschland? Ohne das ließen sich weder Renten noch Lehrereinkommen bezahlen. Sie können ja mal gucken, wie die materielle Situation von Rentnern und Staatsbediensteten in den angeblich so glücklichen Steinzeit-Gesellschaften aussieht.

            Sie können ja mit gutem Beispiel vorangehen: Verzichten Sie auf Ihre Alimentaion – und überweisen Sie das Geld an eine Familie, damit die auf das ach so schlimme staatliche Betreuungssystem verzichten kann.

            Quelle: https://www.bmfsfj.de/blob/93782/68de73b5d72d8a76a856e1391da67ca5/familienpolitik-und-geburtenrate-data.pdf

    • Vorsicht, Herr Schmied, mehrnachdenken und g. h.! Ihre Meinungsgegner scharren schon mit den Hufen, um in Ihnen AfD-Sympathisanten, Pegida-Dumpfbacken oder sonstiges rechtes “Pack” zu sehen.
      Trotzdem: Ihre Beiträge gefallen mir, was auch mich zumindest als Rechtspopulisten stempeln dürfte, wenn nicht sogar als Extremisten oder Neonazi.

  5. @ Herr Schmied,

    Zitat: „Das ist eines der Hauptprobleme, dass der Staat sich mittlerweile fast komplett um die Erziehung der Kinder kümmert, traditionelle Werte wie Familie zählen in unserer heutigen Gesellschaft so gut wie gar nichts mehr!“

    Das ist meiner Meinung nach eine Schimäre. (mein neues Lieblingstotschlagarument 😀 ) Auch wenn ich selbst ganz und gar kein Befürworter der Ganztagsschule bin (arme Kinder, die von morgens bis abends nur noch in der Schule verbringen) und wenn ich auch sehr weitgehend für traditionelle Werte bin, wie Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Gründlichkeit und Disziplin (ist das nicht die Basis gewesen für den Erfolg unseres Landes im Weltmaßstab?), so meine ich doch, dass die Erziehung vor allem zu Hause passiert und in den ersten Lebensjahren und ganz viel ist eben auch Vererbung / Veranlagung (Gene). Ein Wechselspiel aus beidem natürlich, aber eben doch nicht zu unterschätzen.

    Du kannst viel erreichen, wenn du das Elternhaus hinter dir hast und du erreichst wenig, wenn die Eltern nicht mitziehen !!!

    Die prägende Kraft des Lehrers ist vergleichsweise gering. Der Schüler hat schließlich alle möglichen Lehrer, die alle ihre eigenen Prinzipien, Anschauungen, “Toleranzen” und Vorstellungen davon haben, was guter Unterricht und gutes Benehmen ist. Nach welchem dieser Lehrer sollte sich der Schüler richten???

    • @sofawolf
      Zustimmung mit Ihrem Plädoyer für zuhause.
      Wie lange halten sich die Kinder und SuS noch zuhause auf?
      Wie sollen Eltern Ihre Kinder erziehen, wenn sie selbst und ihre Sprösslinge viele Stunden voneinander getrennt sind?
      Ich möchte Sie bitten, diesen wichtigen Punkt in Ihre Betrachtung mit einfließen zu lassen.

      Immer wieder erlebe ich, dass Eltern oder Erziehungsberechtigte ihre Kinder am Wochenende, so sie dann nicht arbeiten müssen, regelrecht verwöhnen. Regt sich dann evtl. so etwas wie ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem Nachwuchs?

      • Wie lange sich die Kinder zuhause aufhalten ist doch gar nicht die Frage. Entscheidend ist doch vielmehr die Frage, ist auch einer da, wenn die Kinder da sind Das muss doch nicht zwangsläufig – nach kleinbürgerlicher Idealvorstellung – die Mutter sein.
        In der vorindustriellen Zeit war das im Rahmen der Großfamilien eine Großmutter, eine unverheiratete Tante oder ein Dienstmädchen. Gearbeitet – und zwar härter und länger als heute – haben die Menschen schon immer. Nur sie haben ihr Familienleben und die Arbeitswelt anders miteinander verzahnt. Vor allem haben sie nicht so viel Zeit außer Haus verbracht, nur um von daheim zur Arbeit zu gelangen. Die Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen, die Globalisierung verbunden mit häufigeren und weiteren Geschäftsreisen, die Absenkung der Reallöhne bei steigenden Lebenshaltungskosten, die eine Alleinverdienerfamilie unmöglich machen, der höhere Freizeitstress (Vielfalt der Angebote) etc. haben doch größere Auswirkungen auf die lebessituation von Kindern und Jugendlichen als das durch eine staatliche Betreuung zu kompensieren wäre.

        Um es auf den Punkt zu bringen, Kinder, denen im Kleinkindalter vorgelesen wird, erzielen in der Schule bessere Leistungen. Nur die Zahl der vielbeschäftigten Eltern, die ihren Kindern vorliest, steigt deshalb nicht. Und die agilen “Silver-Ager” der Großelterngeneration wohnen meist fernab der jungen Familien oder fühlen sich für das Vorlesen am heimischen Kamin noch lange nicht alt genug.

        • “Wie lange sich die Kinder zuhause aufhalten ist doch gar nicht die Frage. Entscheidend ist doch vielmehr die Frage, ist auch einer da, wenn die Kinder da sind Das muss doch nicht zwangsläufig – nach kleinbürgerlicher Idealvorstellung – die Mutter sein.”

          Nichts Anderes meine ich.

          • Wochende – das ist in vielen Familien evtl. der Sonntag, da für viele Beschäftigte der Samstag ein ganz normaler Werktag ist.
            Je nach Job oder Beschäftigungsort muss dann ein Elternteil schon Sontagabens ab 17:00 Uhr bereits wieder los.
            Wer großes Pech hat darf auch am Sonntag arbeiten.

            Bei Schichtplänen 365/7/24 spielt das Wochenende der Kinder keine besondere Rolle, da haben die Eltern frei, wenn es der Schichtplan vorsieht. Und das betrifft nicht nur Putzfrauen sondern auch Oberärztinnen..

        • @dickebank (um 7:37) :
          Was Sie sagen, entspricht zwar unserer gesellschaftlichen und familiären Realität, doch mich stört die Bezeichnung “kleinbürgerliche Idealvorstellung”, wenn bei der Zunahme aggressiven Schülerverhaltens auf die Bedeutung der elterlichen Erziehung – besonders in den ersten Lebensjahren – hingewiesen wird.
          Wenn ungefragt bleibt, ob ihre Abnahme und ihr Ersatz durch staatliche Betreuung wirklich so vorteilhaft sind wie behauptet, könnte es sein, dass eine bedeutsame Ursache für die Häufung von psychischen und sozialen Störungen bei Schulkindern unbeachtet bleibt.

          Kinderärzte, Psychologen oder auch Neurologen sehen die ersten 3 Lebensjahre als besonders wichtig an und betrachten die Zunahme der Krippenbetreuung mit Sorge.
          Dies tun sie nicht wegen “kleinbürgerlicher Idealvorstellungen”, sondern wegen Untersuchungsergebnissen, die beunruhigen. Sie stellen bei vielen Krippenkindern z.B. einen signifikant und durchgängig erhöhten Wert des Stresshormons Cortisol fest. Welche Auswirkungen er hat oder haben kann, beschreibt ein ausgewogener Artikel, der auch notwendige Auflagen für die Krippenbetreuung nennt.
          Gegen Ende heißt: “Chronische Stressbelastung ist im Kindesalter die biologische Signatur der Misshandlung. Kleinkinder dauerhaftem Stress auszusetzen, ist unethisch, verstößt gegen Menschenrecht, macht akut und chronisch krank. Ein freiheitlicher Staat, der frühkindliche Betreuung in großem Umfang fördert, ist verpflichtet nachzuweisen, dass die betroffenen Kleinkinder keine chronische Stressbelastung erleiden.”
          http://www.fachportal-bildung-und-seelische-gesundheit.de/index.php?option=com_content&view=article&id=9&Itemid=176

          • Die kleinbürgerliche Ausgestaltung der Kleinfamilie mit zwei Berufstätigen ist ursächlich für den Stress, den die Kinder selbstverständlich mitbekommen und aushalten müssen.
            Die Zahl der psychisch auffälligen Kinder ist also nicht Folge der staatlichen Betreuung in Kitas und Ganztagsschulen, sie ist Folge der Stellung der Familie im Spannungsfeld wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Anforderungen.

            Die Zahl der auffälligen Kinder aus Familien mit alleinverdienendem Ehemann und Soccer-Mom mit SUV liegt auch nicht signifikant unter der von Familien mit ALGII-Bezug oder Mittelstandskindern mit berufstätigen Eltern. Folglich kann jedes Kind ab dem 13. Lebensmonat durchaus in einer Kita gesund heranwachsen, wenn sich die Eltern außerhalb der Öffnungszeiten derselben um ihren Nachwuchs kümmern.

            Nichts ist schlimmer als Hausfrauen und Mütter, deren einziger Lebensinhalt die eigene Brut ist. Wie sollen die Kinder denn normal aufwachsen, wenn die Mütter “schon einen an der Klatsche haben”?

          • Mit nur einem berufstätigen Elternteil in den ersten drei Lebensjahren und einem Betreuungsgeld von nur der Hälfte der staatlichen Subventionen für einen Betreuungsplatz, wie Frau Prashun es vorschlägt, wäre ja schon viel im Stressabbau gewonnen.
            Die Familie würde für diesen relativ kurzen Zeitraum finanziell spürbar entlastet und der Staat sparte auch noch so viel Geld, dass er die Nachteile in den späteren Renten der Frauen spielend ausgleichen könnte.
            Mir leuchten die Gründe ein, die hier von den Krippenskeptikern vorgebracht werden. Außerdem spielt bei mir noch das Empfinden eine Rolle, dass die Krippenbetreuung etwas Widernatürliches hat, das sich negativ auf die Kinder auswirken muss.
            Bei Tieren (Hunden) wurde für einen Welpenschutz gesorgt, der die zu frühe Trennung von der Mutter verbietet. Mir leuchtet nicht ein, warum eine zu frühe Trennung von der Mutter beim Menschenjungen keine Rolle spielen soll und sogar noch empfohlen wird.

          • Prima, endlich findet die Herdprämie für lebensuntaugkiche Gebärmaschinen wieder Einzug in die Debatte. Für Werkbank oder Schreibtisch zu blöd, aber für die drei K’s reichts dann noch, vor allem wenn der Staat für diese Form der Prostitution zahlt.

          • Was für ein widerlicher und abstoßender Beitrag!
            So etwas wird hier natürlich nicht gelöscht. Ich fasse es nicht!!

          • Melden Sie’s dem Bundesjustizminister! der kämpft gegen Hasskommentare.

          • @Pälzer (11.12./0.19 h)
            Im vorliegenden Fall sollte die Redaktion von n4t tätig werden.
            Ich stelle mich nicht in den Dienst von Herrn Maas/ Anatta Kahane und ihrer Antonia Stiftung oder der Familienministerin Schwesig und dem Google-Projekt NichtEgal.

            Falls es Sie oder weitere Nutzer interessiert, was sich fast schon klammheimlich in unserem Staat in diese Richtung getan hat, empfehle ich diesen Artikel im FAZ -Blog:

            http://blogs.faz.net/deus/2016/09/29/google-youtube-und-schwesig-mit-grundrechtablehnung-an-die-schulen-3746/

          • Wer wissen möchte, wie Herr Maas und Frau Schwesig unbequeme Bundesbürger in die Nazi-Ecke stellen, dem empfehle ich Vera Lengsfeld zu googlen, eine ehemalige Stasi-Verfolgte und Bürgerrechtlerin in der DDR.
            Ich könnte den Link hier auch veröffentlichen, weiß aber nicht, ob ihn nicht Herr Priboschek löscht, weil er seiner Meinung nach evtl. zu den “Dreckseiten” gehört.

    • Natürlich prägen Lehrer/innen. Können Sie sich nicht mehr an die Lehrer erinnern, die sie toll fanden? Ich schon. Wenn auch mein Vater zu Hause gerne seine nazihaften Sprüche losließ, hatte ich doch zum Glück Lehrer, die mich anderes lehrten. Schulisches Umfeld prägt doch ungemein! Und hoffentlich zum Guten! Manmanman

  6. @mehrnachdenken, Danke für Ihre Rückmeldung. Ja ich rede ganz offen mit Lehrern und Schuldirektoren. Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Viele stimmen mir zu und sind mit der aktuellen Entwicklung in unserem Bildungssystem unglücklich, da vieles nur noch auf Abschlüsse hinarbeitet. Aus G9 wurde G8. Resultat: Der Leistungsdruck auf die Schüler nimmt zu… Meiner Meinung nach wäre es gut, wenn Kinder bis zum Eintritt in den Kindergarten zu Hause bei ihren Eltern bleiben können und nicht in Kinderkrippen müssen. Gerade in den ersten Lebensjahren ist die Bindung zu den Eltern das Wichtigste. Dafür wäre es ganz wichtig, dass der Staat den Familien die Möglichkeit dazu gibt und diese u.a. noch mehr finanziell unterstützt. Ich kenne viele Familien, die ihre Kinder in eine Kinderkrippe geben müssen nur um den Lebensunterhalt für die gesamte Familie sichern zu können.
    @sofawolf: da gebe ich Ihnen Recht, bis auf wie mehrnachdenken bereits gesagt hat: Zustimmung mit Ihrem Plädoyer… (07.12.2016 um 19:31 Uhr)
    @ketzer, das hat alles nichts mit links oder rechts zu tun. Ich vertrete nur meine Meinung, hinterfrage, diskutiere und bin kritisch, das alles mit einem Respekt vor meinen Mitmenschen und Andersdenkenden.

    • @Herr Schmied
      In Deutschland war es ja auch mal so, dass die Kinder bis zum dritten Lebensjahr zuhause oder im engeren Familienkreis blieben. Meine Rede: Kinder brauchen in dieser wichtigen Entwicklungsphase vor allem Bindung und weniger Bildung. Ich stimme Ihnen auch zu, dass unser Staat diese Eltern finanziell so stellt, damit sie ihre Erziehungsvorstellung auch verwirklichen können. Geld, nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern nach Bedürftigkeit. Eine Arztfrau braucht i.d.R keine finanzielle Unterstützung vom Staat.
      Zudem müssen die Mütter sicher sein, auch nach drei Jahren wieder arbeiten zu können, so sie es möchten.
      Interessant ist auch, dass der massive Kita- Ausbau gerade unter einer CDU – Familienministerin forciert wurde. Warnende Expertenstimmen, die es sehr wohl gab, wurden einfach in den Wind geschlagen.

      Herr Schmied, prima, dass Sie Ihre Meinung vertreten und kritisch hinterfragen. Wir erleben aber auch in diesem Forum und vor allem bei aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, dass abweichende Mainstream-Meinungen sofort mit rechtspolistisch, rechts, rechtsextrem oder gar rassistsisch/Nazi gekontert werden.
      Darauf möchte “ketzer” wohl hinweisen.

  7. @mehrnachdenken, Vielen Dank für Ihre Rückmeldung! Ich gebe Ihnen in allen Punkten Recht! Das sehe ich auch so, dass ketzer darauf hinweisen möchte!

    • So, der (eigentlich doch böse) Staat soll’s richten – und sein Füllhorn über die Familien ausschütten. Das Problem ist, dass ein Staat auch nicht zaubern und Geld beliebig produzieren kann. Wo also soll’s denn Ihrer Meinung nach herkommen, wenn gleichzeitig die Einnahmen (aufgrund ausbleibender Beschäftigung der Elternteile, die zuhause bleiben) sinken? Renten kürzen? Stellen von Staatsbediensteten (Lehrern) streichen? Geld zu verteilen, das es nicht gibt, ist eine leichte politische Übung, wenn man keine politische Verantwortung trägt.

      Und was machen Sie mit all den Frauen, die nach 15, 20 Jahren Ausbildung berufstätig sein möchten? Kinderkriegen verbieten? Wo nimmt die Wirtschaft andererseits die dringend benötigten Fachkräfte her? Sind Sie dann auch für verstärkte Zuwanderung, um diese Löcher zu stopfen? Fragen über Fragen.

  8. @Bernd
    Sie fragen zu dem Kommentar von g. h. (gestern um 20:55) : “Was erwarten Sie von dieser hochindustrialisierten Gesellschaft in Deutschland – dass sie ihre Frauen zurück an den Herd schickt, nachdem sie sie über Schule und Studium exzellent ausgebildet hat?”

    Mir wäre schon recht, wenn auf die Hausfrauen und ihre Entscheidung, die Kinder zumindest in den ersten, besonders wichtigen Lebensjahren, selbst zu erziehen, nicht verächtlich herabgeguckt würde – wie z.B. mit der Bemerkung “zurück an den Herd”.
    Mir wäre auch recht, wenn die mütterliche Erziehung nicht schlechtgeredet würde. Wurde das kurzlebige und schnell wieder abgeschaffte Betreuungsgeld von 100 Euro nicht als “Herdprämie” oder “Bildungsfernhalteprämie” diffamiert, so als sei es fast unanständig, sein Kind selbst zu betreuen und ihm die einzig wahre Bildung vorzuenthalten, die angeblich nur der Staat bietet?
    Bei uns wird jeder Krippenplatz mit mehr als 1000 Euro subventioniert. Wäre ein Betreuungsgeld, das bei jedem Kind nur halb so hoch zu sein brauchte wie die Kosten für einen Krippenplatz, also ca. 600 Euro, da nicht einleuchtend und gerechtfertigt – auch aus Kostengründen?
    Offenbar nicht. Statt der Mütter bzw. Eltern soll unbedingt Vater Staat erziehen, obwohl ihn diese Aufgabe überfordert, wie sich zunehmend erweist.
    Es gäbe einige Möglichkeiten, um die häusliche Betreuung in den ersten Lebensjahren, in denen die wichtigste Bildung der Kinder „Bindung“ heißt (Siehe mehrnachdenken und Herr Schmied!), wieder hoffähig zu machen.
    Die Sache mit der Bindung ist übrigens wissenschaftlich erwiesen, Bernd. Darauf legen Sie doch immer größten Wert. Der “gesunde Menschenverstand” sagt allerdings dasselbe – und dazu noch kostenfrei. Leider verteufeln Sie ihn gern, was es ihm schwer macht sich durchzusetzen oder auch nur Widerspruch anzumelden. Vielleicht ist das ja auch Zweck der Übung.

    Wenn Sie provozierend fragen, ob g. h. wieder zurück ins 19. Jahrhundert wolle und die Frauen wieder an den Herd schicken, dann versuchen Sie mit dem immer gleichen Trick zu überzeugen, indem Sie maßlos übertreiben und das Kind mit dem Bade ausschütten.
    Keiner muss zurück ins 19. Jahrhundert und keine Frau soll gegen ihren Willen zurück an den Herd geschickt werden. Wenn aber kaum mehr zu übersehen ist, dass die ausufernde Staatsbetreuung und der Mangel an elterlicher Erziehung bei einer wachsenden Zahl von Kindern schwerwiegende Schäden in der psychosozialen Stabilität und Gesundheit hervorruft – die sich auch im Erwachsenenalter in Form von Ichbezogenheit, Unbelastbarkeit oder Aggressivität auswirken dürften –, dann wäre doch (mit etwas gesundem Menschenverstand!) zu fragen, ob in der Bildungs- und Familienpolitik nicht einige Dinge korrigiert werden sollten. Fortschritt besteht bekanntlich auch darin, dass aus Fehlern gelernt wird und Schrauben auch manchmal zurückgedreht werden müssen.

    Zuletzt möchte ich Sie fragen, wie Sie mit einer „hochindustriealisierten Gesellschaft“ argumentieren können und damit eine rückwärts gewandte Denkweise zeigen, die Sie sonst scharf verurteilen? Wird dieser Tage nicht ständig vom bevorstehenden „Zeitalter der Digitalisierung“ gesprochen, das viele Arbeitsplätze überflüssig macht, besonders in der Industrie?
    Wäre es da nicht vorauschauend klug und sinnvoll, an Arbeitsplätze in der Heimarbeit – sprich: häuslichen Erziehung – zu denken, anstatt nostalgisch zurückzublicken auf das Zeitalter der Hochindustrie mit seinem hohen Bedarf an Arbeitsplätzen?

  9. Ich bezweifele Ihre Ausgangsthese: “dass die ausufernde Staatsbetreuung und der Mangel an elterlicher Erziehung bei einer wachsenden Zahl von Kindern schwerwiegende Schäden in der psychosozialen Stabilität und Gesundheit hervorruft – die sich auch im Erwachsenenalter in Form von Ichbezogenheit, Unbelastbarkeit oder Aggressivität auswirken dürften”.

    Sie drecheln sich ihre Argumentation so, wie’s gerade passt. Mal sind die heutigen Eltern erziehungsunfähig und ziehen “Tyrannenkinder” heran. Dann ist wieder der Staat schuld, weil der ja die Kinder erzieht. Oben, von Herrn Schmied, wird behauptet, dass die im Bericht genannten Gewaltphänomene gegenüber Lehrkräften ihre Ursache in staatlicher Erziehung hätten.

    Das Merkwürdige allerdings ist, dass die aktuelle Jugendgeneration ins keinster Weise den von Ihnen hier produzierten Zerrbildern entspricht. Schauen Sie sich mal Untersuchungen wie die Shell-Studien zum Wertefundament junger Menschen an, zu ihren Einstellungen und Haltungen. Dann werden Sie schnell feststellen, dass wir es mit einer überaus lebenstüchtigen Generation zu tun haben, die fernab von jeglichen Spinnereien mit beiden Beinen auf der Erde steht. Und, Herr Schmied, die Jugendgewalt ist seit Jahren rückläufig. Um ihrer Argumentation zu folgen: Das ist dann offenbar auch Ergebnis der zunehmenden staatlichen Erziehung.

    Mein Fazit: Kann also so schlimm nicht sein. Was dagegen schlimm ist, das ist die zunehmende Vergreisung in diesem Land – wird Zeit, dagegen familienpolitisch vorzugehen. Frau Schwesig macht das schon ganz prima.

    • Lieber Bernd,
      wenn alles so prima ist (lebenstüchtige Jugendliche, weniger Jugendgewalt, tolle staatliche Erziehungsanstalten und Kitas, klasse Politik von Frau Schwesig), dann frage ich mich, wie das zu obigem Artikel passt (“Beleidigungen, Tritte, Schläge, Cybermobbing – und eine Pistole am Kopf! So sieht Gewalt gegen Lehrkräfte aus: Betroffene berichten”).

      • Nun, die Welt ist nicht so schlicht und die Zusammenhänge sind komplexer, als hier in der Diskussion behauptet wird. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Betreuung in der Kita oder in der Grundschule Kinder aggressiv macht – wir leben aber wohl in einer Welt, in der Kinder nicht immer behütet aufwachsen: zerbrechende Familien, immer mehr Scheidungskinder, Medienüberreizung, ein zunehmend brutales Internet, immer weniger Freiräume für Kinder, immer mehr Ritalin-Verschreibungen, Missbrauchserfahrungen – das sind allles Faktoren, die sich natürlich auf einzelne Kinder auswirken.

        Hier auf News4teachers gab es dazu unlängst mal ein erhellendes Interview mit dem Berliner Schulpsychologen Seifried, der die Situation folgendermaßen beschreibt: Es gibt nicht mehr Kinder und Jugendliche, die Probleme bereiten, wohl aber Kinder und Jugendliche, die mehr Probleme bereiten: http://www.news4teachers.de/2016/07/ein-schulpsychologe-zieht-bilanz-die-faelle-werden-schwieriger-und-komplexer/

        Der hier konstruierte Zusammenhang zu staatlicher Erziehung ist an den Haaren herbeigezogen. Umgekehrt ist es richtig: Wenn sich der Staat um diese Kinder nicht kümmert, bleiben sie sich selbst überlassen – und dann fangen die Probleme erst richtig an.

        • PS. Von “tollen staatlichen Erziehungsanstalten” und Kitas habe ich hier nie geschrieben – dass hier tatsächlich qualitativ erheblicher Verbesserungsbedarf besteht, ist wohl unstrittig.

      • Die homogene Gruppe der Jugendlichen gibt es nicht. Über 40% der hier lebenden Jugendlichen hat eine Zuwanderungsgeschichte und damit verbunden andere gesellschaftliche sowie kulturelle Vorstelungen, die vom Elternhaus mitgeprägt worden sind.

        Der überwiegende Teil der Jugendlichen ist leistungsorientiert. Der Fehler, der gemacht wird, ist, dass Minderheiten und ihre spezifischen Probleme zu Massenphänomenen deklariert werden.
        Ja, es gibt Gruppen von drogensüchtigen, wohnungslosen, behinderten, besonders aggressiven, verwahrlosten oder was auch immer Jugendlichen genauso wie es ihre erwachsenen Pendants gibt.
        Der Unterschied ist lediglich der, dass diese Gruppen von Erwachsenen im Berufsleben der anderen Erwachsenen nicht auftauchen, da sie außerhalb des Systems überleben müssen. Lediglich im Rahmen von Schule sind die jugendlichen Randgruppen aufgrund der Schulpflich ein Teil des Bildungssystems und somit im Leben ihrer Mitschüler real existent. Es hat doch Gründe, warum immer mehr Kinder und Jugendliche auf staatlichen Ersatzschulen in Trägerschaft der Landeskirchen oder Bistümer angemeldet werden. Die Seggregation ist heute nicht mehr ziel des staatlichen Schulwesens, dieses Staatsziel wurde erfolgreich privatisiert.

        Der Staat stellt auf die Bildungsgerechtigkeit für alle ab, die Eltern bestimmen, was für ihre Kinder am “gerechtesten” ist. Soll Yussuf doch die Chance auf ein Abitur erhalten, Hauptsache er strebt dieses auf einer anderen Schule als die eigene Marie-Claire an.

        Wir leben in einer Zeit der Destabilisierung der Mittelschicht, da die Kluft zwischen arm und reich immer weriter auseinander geht. Und so gibt es eben die privaten high-end-Kitas mit Mandarin für Kleinkinder und kommunalen Kinderaufbewahrungsmöglichkeiten sowie erzbischöfliche Mädchengymnasien und staatliche Gesamtschulen im sozialen Brennpunkt. Dazwischen existieren die Grundschulen, die schon lange nicht mehr alle gesellchaftlichen Bereiche ihrer fußläufigen Umgebung repräsentieren. Um etwas an der bestehenden Situation zu verändern, bedarf es eines signifikanten Kurswechsels innerhalb der Gesamtgesellschaft.

  10. An das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern wird seit einiger Zeit immer häufiger erinnert. Bei der Diskussion hier um die richtige Erziehung denke ich auch daran und stelle mir dabei das Kind vor, das ruft: “Aber der Kaiser ist doch nackt!”
    Für mich steht außer Frage, dass dieses Kind vorwiegend im Elternhaus erzogen worden ist und nicht in des Kaisers Staatskita oder -schule.

    Liebe Lehrer, bei “Staatsschule” denke ich weniger an Euch als an den regierenden Kaiser, seine blinde Eitelkeit, seine servilen Hofberater und die betrügerischen Modedesigner (Schneider).

  11. Ich bin erstaunt, dass sich die Diskussion überwiegend um den Betreuungsfaktor im Kleinkindalter dreht. In meinem Umfeld gehen nur wenige Kinder in die Krippe (es gibt kaum Plätze), die meisten zumindest 1 Jahr in den Kindergarten (halbtags – Ganztagesplätze gibt es auch nicht), die Grundschule ist eine Halbtagesschule (20 Stunden im 1. Schuljahr – also täglich 4 Std. Unterricht mit Option auf eine Betreuung, die zeitlich auf 5 Zeitstunden ergänzt. Den Rest der Zeit sind die Eltern verantwortlich.
    UND DIESE Kinder sind ohne großen staatlichen Erziehungsanteil auch auffällig in vielerlei Hinsicht. Häufig fallen sie auch in diesen vorschulischen Einrichtungen auf. Die Eltern erhalten Beratung und Hinweise auf Hilfsangebote, nehmen diese aber nicht immer an.
    Wer Bindung statt Bildung fordert, verkennt, dass immer noch viel zu viele Kinder in Elternhäusern aufwachsen, in denen Kinder sich selbst überlassen sind, selbst wenn sie 1-2 Jahre alt, sind, sodass sie im Schulalter gravierende Entwicklungsverzögerungen aufweisen. Vielleicht werden es auch immer mehr 🙁

    Aber mir kommen bei dem Beitrag ganz andere Fragen in den Sinn als die nach der Betreuung:
    Warum gibt es keine Supervisoren für Lehrkräfte?
    Wo sind die Hilfen für Lehrkräfte, die sich bedroht fühlen?
    In welchem Bundesland gibt es rechtliche Unterstützungssysteme, die Lehrkräften sofort nach einem Vorfall zur Seite stehen und sie beraten?
    Welcher Experte steht den Lehrkräften zur Seite, um die Verhältnismäßigkeit möglicher Sanktionen einzuschätzen, sodass alle Beteiligten zu ihrem Recht kommen?
    Wie häufig muss entschieden werden, ob das Recht des einzelnen, im sozial-emotionalen Bereich auffälligen Kindes oder Jugendlichen auf Unterricht mehr oder weniger gilt, als das Recht der anderen auf Schutz, Würde und einen geregelten Unterrichtsverlauf?
    Wie häufig wird ein Beschluss einer Konferenz im Anschluss abgewendet, weil Widerspruch eingelegt wird und/oder rechtlich etwas nicht haltbar ist?

    Es sind immer DIE Lehrkräfte, die nicht “hart durchgreifen”.
    Es sind gerne DIE GrundschullehrerInnen, die angeblich alles durchgehen lassen, nur kuscheln und nicht erziehen…
    Dieses Bild von Lehrkräften ist schlichtweg FALSCH… und sollte hier nicht so stehen bleiben.
    Es ist unfair, bei solchen Vorfällen generell erst einmal den Lehrkräften Unfähigkeit zu unterstellen.

    Nicht berichtet wird, dass Lehrkräfte unzählige Stunden damit verbringen, Erziehung zu leisten, Pädagogik und Psychologie, von der keiner etwas hören und die keiner anerkennen will. Dass sie lange Gespräche NACH dem Unterricht führen, um Streitigkeiten zu schlichten, dass sie Vorfälle dokumentieren, dass sie Gespräche mit KollegInnen führen und deren Beobachtungen ebenfalls in die Aufzeichnungen aufnehmen, dass sie mit Eltern sprechen, Eltern auf unterschiedliche Wege informieren und sich viel Zeit nehmen, um die Erziehung gemeinsam zu gestalten, sofern eine Zusammenarbeit möglich ist,

    dass sie sich selbst in Fortbildungen oder auf andere Wege der Weiterbildung mit präventiven Möglichkeiten sowie Streitschlichtung und Konfliktbewältigung auseinandersetzen, in Arbeitsgruppen Möglichkeiten für die Schulen ausarbeiten, in Konzepten festhalten, es im Alltag implementieren sowie evaluieren und anpassen, dazu natürlich versuchen, mit Beratungsstellen oder Behörden zusammenzuarbeiten, was wiederum alles Zeit benötigt,

    dass sie den Unterstützungsbedarf z.B. im sozial-emotionalen Bereich sehen, dokumentieren, Unterstützung beantragen, Berichte verfassen, letztlich aber auch damit weitestgehend allein stehen und für diese Kinder nicht eine zusätzliche Förderstunde oder Betreuung zur Verfügung gestellt wird (Grundschule Niedersachsen), sondern alles im Rahmen des inklusiven Unterrichts „ganz nebenbei“ erfolgen muss,

    dass die Beantragung von IntegrationshelferInnen (Schulbegleitung) allein in der Hand der Eltern liegt und von Schulen weder eingefordert noch beantragt werden kann, noch der dringende Bedarf nicht in schulischen Dokumenten festgehalten werden darf, dass diese Verfahren z.T. sehr langwierig sind und die Lehrkräfte auf die Mitarbeit der anderen Beteiligten hoffen müssen,

    dass Lehrer durchaus erkennen, dass Kinder psychologische Hilfe benötigen, diese aber nicht über die Schule geleistet werden kann, sondern von den Eltern gesucht werden muss, bei Psychologen oder Beratungsstellen, die überlaufen sind, sodass es zu sehr langen Wartezeiten kommt und die Kinder viel zu lange hilflos bleiben und ihre Probleme mit sich tragen oder verschlimmern, wobei auch hier ein Austausch nur erfolgt, wenn die Eltern eine Schweigepflichtsentbindung in mehrfacher Hinsicht erteilen,

    dass unzählige Besprechungen und Klassenkonferenzen durchgeführt und protokolliert werden, dass Entscheidungen getroffen und Beschlüsse gefasst werden, die aber anfechtbar sind,

    dass Akten über Schüler nicht vollständig an die weiterführenden Schulen weitergegeben werden, z.B. weil in manchen Bundesländern per Erlass bestimmt ist, dass sie vorab zu bereinigen sind, sodass nach einem Schulwechsel gar nicht ersichtlich ist, was in den vorherigen Jahren bereits erfolgt ist.

    • Sie sagen: “Wer Bindung statt Bildung fordert, verkennt, dass immer noch viel zu viele Kinder in Elternhäusern aufwachsen, in denen Kinder sich selbst überlassen sind, selbst wenn sie 1-2 Jahre alt, sind, sodass sie im Schulalter gravierende Entwicklungsverzögerungen aufweisen. ”

      Keine Frage, diese Kinder gibt es und für sie ist eine institutionelle Betreuung oft der elterlichen vorzuziehen.
      Diese Kinder würde ich aber als Minderheit bezeichnen, was die Frage aufwirft, ob die Mehrheit durch eine zu Unrecht empfohlene Krippenbetreuung in Mitleidenschaft gezogen werden muss.

      Das ähnelt der Frage, ob durch die ständige Leistungsniveausenkung in den Schulen zugunsten der lernschwachen Kinder, von denen keins zurückgelassen werden darf, nicht die Normal- und Besserlerner in Mitleidenschaft gezogen werden, weil sie unter ihren Möglichkeiten bleiben und oft sogar die Arbeitslust verlieren bei ständiger Unterforderung.

      Ich kann diese Form der Gerechtigkeit, bei der die mehrheitliche Kindesentwicklung vernachlässigt wird, immer weniger gutheißen wegen der Ausmaße, die dieses Minderheiten-Helfer-Syndrom, wie ich es allmählich nennen würde, annimmt.

      Das bedeutet natürlich nicht, dass ich gegen die Hilfe für Schwächere bin, auch wenn mir das manche hier unterstellen möchten. Diese Hilfe muss jedoch anders aussehen und die sog. “Normal”kinder nicht dermaßen bewusst benachteiligen.
      Was die von den Eltern vernachlässigten Kinder betrifft, wünsche ich mir mehr Beobachtungsmöglichkeiten und Eingriffsberechtigungen des Jugendamtes. Aber auch hier höre ich schon wieder das Empörungsgeschrei und sehe die dicke Überschrift bei BILD “Jugendamt reißt Kinder aus den Armen der Eltern”.
      Wir sind eine einzige Empörungsgesellschaft, doch nie für die Leistungsträger, die das schon als Schüler schmerzlich erfahren müssen.

      • Volle Zustimmung!

        Gibt es nicht schon Kommunen, die Schwangeren umfassend helfen und unterstützen, auch über die Entbindung hinaus?
        Das scheint mir ein gangbarer Weg zu sein, Defizite in der Eltern-Kind-Beziehung frühzeitig zu erkennen.

      • Ein Kommentar, A. S., der meinen eigenen Gedanken entspricht.

      • Wir nehmen offenbar die Schülerschaft unterschiedlich wahr.
        In meiner Region sind die “Normal- und Besserlerner”, wie sie es nennen, wenig vertreten.
        Sehr viele Kinder haben Defizite, damit meine ich noch nicht einmal unbedingt die i-Kinder, bei denen früher oder später Unterstützungsbedarf angesichts einer Beeinträchtigung festgestellt wird, sondern die vielen Kinder, die nicht zuhören, nicht stillsitzen, nicht wahrnehmen, sich nicht konzentrieren, sich nicht gezielt bewegen, die Aufmerksamkeit nicht richten können, nur in Kurzformen sprechen können und die schlichtweg sehr wenig Erziehung genossen haben.
        Diese Kinder sind in der Mehrheit und vor 20 oder 30 Jahren hätte man vermutlich bei allen entschieden, dass sie erst später eingeschult werden sollten.
        Aber auch das ist heute anders.
        Und ich wiederhole es noch einmal: Diese Kinder waren nicht in einer Krippe. Sie waren mindestens 3 Jahre zu Hause, danach ggf. in einer Kiga-Nachmittagsgruppe, was für Einzelkinder sicher eine wichtige Erfahrung ist, und haben das letzte Kiga-Jahr am Vormittag erlebt.

        Der Hinweis auf die frühe außerfamiliäre Betreuung greift einfach zu kurz. Damit sind die Zustände in Schulen nicht zu rechtfertigen, schon gar nicht, wenn man sich den tatsächlich möglichen Betreuungsschlüssel vor Augen führt: in D gibt es schon noch einige Regionen, in denen sehr wenige Krippenplätze vorhanden sind und die meisten Familien gar nicht die Gelegenheit hätten, ihre Kinder dort unterzubringen.

        Auch den Verweis auf das ständig sinkende Niveau kann ich so nicht stehen lassen. Die Anforderungen sind andere, aber im Vergleich zu früher gibt es doch erheblich mehr Angebote für Kinder, die mehr lernen möchten und können.

        Dennoch bleibe ich bei den o.g. Aspekten: Schulen, gerade Grundschulen, sollen alles richten, bekommen aber keinerlei zusätzliche Unterstützung.Bei Probleme, die durchaus gesehen werden, sind die Möglichkeiten, zu unterstützen oder zu therapieren, viel zu gering, Förderung (und auch Herausforderung) darf nichts kosten und die Möglichkeiten der Lehrkräfte erziehend einzugreifen werden immer weiter beschnitten.

  12. @ mississippi, nein, einen Lehrer anhimmeln, mögen, gut finden ist noch keine Prägung. Lehrer prägen doch vergleichsweise wenig. Da sollten mir uns nichts vormachen. Die Hauptprägung erfolgen durch Elternhaus und Gene und später (ab der Pubertät) dann noch zunehmend durch den Freundeskreis.

    Oder warum schaffen Sie es auch nicht, mississippi, dass alle Ihre Schüler fleißig, ordentlich, pünktlich, höflich, freundlich, teamfähig, konfliktfähig, ehrgeizig, leistungsstark, sportlich etc. sind und immer nur Einsen schreiben? Bliebe ja nur der Verdacht: Weil Sie es selber nicht sind?! 😉 (Folgte man Ihrer Argumentation!)

    • Mist, wieder so viele Tippfehler. 🙁

    • Niemand erreicht alle Schüler. Nach Ihrer Theorie müsste jeder so werden wie seine Eltern. Ich bin es nicht.

      • Versteh ich nicht, das ist jetzt der Beleg dafür, dass Ihre Aussage doch stimmt, als Sie schrieben:

        “Natürlich prägen Lehrer/innen. Können Sie sich nicht mehr an die Lehrer erinnern, die sie toll fanden? Ich schon. Wenn auch mein Vater zu Hause gerne seine nazihaften Sprüche losließ, hatte ich doch zum Glück Lehrer, die mich anderes lehrten. Schulisches Umfeld prägt doch ungemein! Und hoffentlich zum Guten! Manmanman”

        Also etwa so: Weil niemand alle Schüler erreicht, prägen Lehrer natürlich ihre Schüler.

        ???

  13. @ mississippi,

    Zitat: “Nach Ihrer Theorie müsste jeder so werden wie seine Eltern. Ich bin es nicht.”

    Das ist eine bloße Behauptung. Niemand hier kann sie nachprüfen. Vielleicht sind Sie es doch. Mindestens bzgl. eines Elternteils. Vielleicht wollen Sie es sich selbst nur nicht eingestehen.

    Und man kann auch nicht werden wie beide Eltern. Man ist ja nur ein Mensch. 😉

  14. Dann ist der Erziehungsauftrag der Schulen hinfällig? Ich muss doch wohl jetzt nicht zitieren, was in den Lehrplänen steht. Aber Ihr Lehrerjob scheint easy und mit wenig Zeitaufwand verbunden zu sein. Lesen Sie es einfach nach.

  15. @ mississippi,

    Sie werfen ständig Äpfel mit Birnen durcheinander und argumentieren in Extremen. Sage ich jetzt einfach mal. 😉 Ich sagte, Erziehung passiert vor allem zu Hause, in den ersten Lebensjahren und auf Grundlage der Veranlagung (Gene). Das ist ja auch die Meinung der Wissenschaft, sodass die frühkindliche Erziehung und Bildung in den Fokus der Bildungspolitik gerückt ist.

    Ich sagte, die Rolle des einzelnen Lehrers oder besser der vielen verschiedenen Lehrer wird überbewertet. Wir ziehen ja auch nicht immer alle am gleichen Strang. Leider. Einfaches Beispiel: Der eine Lehrer will absolute Ruhe im Unterricht haben, der andere akzeptiert “profuktive Unruhe”. Der eine fordert von jedem Schüler eine Begrüßung, wenn man sich begegnet, der andere lässt den Kindern ihren Willen zu grüßen oder nicht. Der eine Lehrer achtet auf Ordnung, der andere ist selbst ein Genie, welches das Chaos beherrscht. 😉 Und welcher von beiden prägt den Schüler nun? DAS ist das, was ich sage.

    Wieso muss ich denn nun ständig Ihre falschen Auslegungen geraderücken?! Och nö … wir kommen eben nicht auf einen Nenner. Ist halt so.

  16. @ Palim,

    ich stimme Ihnen zu, dass wir sehr viel Erziehungsarbeit leisten und ich benutze das auch gleich mal als Argument, warum es uns u.U. nicht gelingt, bestimmte Lehrplanziele zu verwirklichen. Es kostet einfach Zeit, all die Konflikte zu besprechen, zu vermitteln, Lösungen zu suchen. Oft genug geht dafür Unterrichtszeit drauf. Die Schüler wollen schließlich nach der letzten Stunde nach Hause; Eltern schlagen Alarm, wenn ihr Kind nicht wie immer heimkommt und nach dem (vorläufigen) Urteil gegen Philipp Parusel (der Musiklehrer, der Schüler nicht gehen ließ), traue ich mir vorerst auch nicht, alle mal dazubehalten, um NACH dem Unterricht Konflikte zu besprechen.

    Ich meine, dass wir durch Unterrichtsstörungen und Disziplinverstöße (und z.B. Gespräche darüber) viel wertvolle Unterrichtszeit verlieren! Pi mal Daumen pro Woche eine Stunde. (?) In dieser einen Stunde pro Woche hätte ich auch Rechtschreibung üben können. Es sind 20 Stunden pro Halbjahr und 40 pro Schuljahr. Das ist schon eine ganze Woche (rund)!

    Aber was ich auch sagen wollte, es gibt eben doch unter vielen Lehrern (und Eltern) die Ansicht, dass man die Schüler nicht so sehr disziplinieren soll (Stichwort Gängelung). Ich beobachte immer wieder, wie dadurch aus kleinen Problemen große werden – mit den genannten Folgen. Doch du kannst alle deine tollen Unterrichtsideen vergessen, wenn im Klassenraum Chaos herrscht und ich frage mich immer wieder, wie man dann noch etwas lernen können soll?!?

  17. “Es kostet einfach Zeit, all die Konflikte zu besprechen, zu vermitteln, Lösungen zu suchen.”

    “und nach dem (vorläufigen) Urteil gegen Philipp Parusel (der Musiklehrer, der Schüler nicht gehen ließ), traue ich mir vorerst auch nicht, alle mal dazubehalten, um NACH dem Unterricht Konflikte zu besprechen.”

    “Aber was ich auch sagen wollte, es gibt eben doch unter vielen Lehrern (und Eltern) die Ansicht, dass man die Schüler nicht so sehr disziplinieren soll (Stichwort Gängelung).”

    Was ist es, dass es Lehrern nicht möglich erscheint, die zwingend notwendige Erziehung zu leisten und in aller Konsequenz durchzuhalten?

    Ist es die Ansicht, dass Kinder in Watte zu packen seien?
    oder
    Ist es fehlende Zeit und Kraft angesichts des immensen Arbeitsaufwandes, der täglich zu bewältigen ist?
    oder
    Ist es die Annahme, Lehrer sollten auf Inhalte achten, Erziehung spiele eine untergeordnete Rolle im Lehrerberuf?
    oder
    … was sonst?

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