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Debatte um Rechtschreibung: Grundschullehrer fühlen sich von Eisenmann zu Unrecht kritisiert und werfen ihr Einmischung in die Pädagogik vor

STUTTGART. Nach dem IQB-Desaster hatte Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann bereits angekündigt, die Methode „Schreiben durch Hören“ verbieten zu wollen. Ein entsprechender Brief ging nun an die Schulleitungen und Kollegien der Grundschulen. Erneut löste Eisenmann damit Proteste von Lehrerverbänden aus. Auch vom Koalitionspartner, den Grünen, kommt Kritik.

Nach dem schlechten Abschneiden baden-württembergischer Schüler bei den jüngsten Bildungsstudien will Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) im Fach Deutsch eine Kurskorrektur. So soll die Rechtschreibung an den Grundschulen wieder mehr Gewicht erhalten. «Richtiges Schreiben ist ebenso wie Lesen und Rechnen eine Schlüsselkompetenz, die wieder gestärkt werden muss», teilte Eisenmann mit. Methoden, bei denen Kinder monate- beziehungsweise jahrelang nicht auf die richtige Rechtschreibung achten müssen, seien nicht mehr zu praktizieren. Ein entsprechendes Schreiben habe sie an die Schulleitungen und Lehrerkollegien aller Grundschulen im Land geschickt. Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verbat sich Einmischung der Ministerin in die Arbeit der pädagogischen Profis. «Viele Lehrer der Grundschulen sind empört, dass die Kultusministerin ihnen schlechte Arbeit unterstellt», sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz. Kritik kam auch von den Grünen.

Nassforsche Einmischung in die Arbeit der Kollegen an den Grundschulen? Ministerin Eisenmann sieht sich mit stärker werdender Kritik der Lehrerverbände konfrontiert. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Nassforsche Einmischung in die Arbeit der Kollegen an den Grundschulen? Ministerin Eisenmann sieht sich mit stärker werdender Kritik der Lehrerverbände konfrontiert. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Die Ministerin hatte bereits in der Vergangenheit angekündigt, dass sie dem «Schreiben nach Hören» einen Riegel vorschieben wolle. Der Lehrerverband VBE hatte daraufhin einen differenzierten Umgang mit der Methode gefordert. Das Kultusministerium habe keine Handhabe, den weit verbreiteten Ansatz, Kinder schnell zum Schreiben zu bringen, abzuschaffen, hatte der Verband erläutert. VBE-Chef Gerhard Brand betonte aber auch: «Richtig schreiben zu können, ist auch im Zeitalter von Rechtschreibprogrammen auf Computern kein Luxus, sondern zwingend notwendig.»

Lehrerverband kontert Eisenmann: «Schreiben nach hören» nicht grundsätzlich verdammen

Eisenmann betonte, das gezielte Üben der Rechtschreibung von Anfang an müsse außerdem in jedem Fachunterricht verankert werden. «Wenn korrektes Lernen bereits in der ersten Klasse beginnt, dann hilft dies den Mädchen und Jungen auch an den weiterführenden Schulen, wenn es in Fächern wie Physik oder Chemie um exaktes Arbeiten geht.»

Aus Sicht der GEW sollte Eisenmann die Schulen lieber ordentlich ausstatten als ihre Arbeit zu torpedieren. «Die Grundschulen erhalten zum Beispiel als einzige Schulart keine Poolstunden für zusätzliche Angebote wie Förderunterricht», sagte Gewerkschafterin Moritz. Die Ministerin ignoriere mit ihrem Brief Inhalte des neuen Bildungsplans, bestehende Prüfungsordnungen der Lehrerausbildung und Empfehlungen der – seit kurzem von ihr selbst geleiteten – Kultusministerkonferenz (KMK). Moritz verwies auf Äußerungen der KMK zum Schriftspracherwerb, nach denen das «lautorientierte Schreiben ein Entwicklungsschritt auf dem Weg zum normgerechten Schreiben» ist.

Nach der jüngsten Studie des Instituts für Qualität im Bildungswesen (IQB) sackte der einstige Primus Baden-Württemberg im Ländervergleich auf hintere Ränge ab: Von Platz 2 im Fach Deutsch beim Zuhören rutschten die Neuntklässler im Land auf Platz 14, beim Lesen von Platz 3 auf Platz 13 und bei der Orthografie vom zweiten auf den zehnten Rang. Die Landtags-Grünen betonten: «Die Aufforderung der Kultusministerin, zur Praxis des Bildungsplans von 2004 zurückzukehren, halten wir mit Blick auf die aktuellen Forschungsergebnisse nicht für zielführend.» Der alte Bildungsplan sei schließlich die Grundlage für die Schüler, die an der IQB-Studie teilgenommen hatten. (dpa)

Nach dem IQB-Desaster: Ministerin Eisenmann stellt Qualifikation von Lehrern infrage – und verbietet „Schreiben nach Gehör“

103 Kommentare

  1. Zitat: „Eisenmann betonte, das gezielte Üben der Rechtschreibung von Anfang an müsse außerdem in jedem Fachunterricht verankert werden. «Wenn korrektes Lernen bereits in der ersten Klasse beginnt, dann hilft dies den Mädchen und Jungen auch an den weiterführenden Schulen, wenn es in Fächern wie Physik oder Chemie um exaktes Arbeiten geht.“

    Ich finde, Frau Eisenmann hat Recht !

    Ich habe ebenfalls den Eindruck, dass die derzeitigen Methoden zum Erwerb der Rechtschreibung deutlich weniger bringen als frühere Methoden (die manche heutigen Lehrer gar nicht mehr kennen). Da ist eben doch inzwischen viel Spielkram und laissez-faire verbreitet.

    • Ich stimme Ihnen zu. Besonders in der Grundschule steht der Spaß im Vordergrund, was sich mit Lernen und Trainieren z.B. von Rechtschreibung und Kopfrechnen kaum verbinden lässt.

      • Klar. Wir haben den ganzen Tag Spaß aneinander und miteinander.
        Wir kuscheln und spielen und lassen die Kinder einfach machen.
        Was sollte denn Grundschule mit Lernen zu tun haben?

        Aber welche früheren Methoden sind denn so wertvoll, dass wir sie wieder lernen und nutzen sollten? *grübel*

        • Lernen brauchen Sie diese Methoden nicht mehr, Sie haben Sie in Ihrer eigenen Grundschulzeit als Kind wahrscheinlich erlebt:

          Rechtschreibeübungen ohne Ende ; Leseübungen ohne Ende ; Kopfrechenübungen ohne Ende

          Ja, dafür müsste man alles aus dem Grundschullehrplan rausschmeißen, was auch nur ansatzweise mit dem Hauptziel, nämlich Lesen-Schreiben-Rechnen für _alle_ Kinder, kollidieren könnte. Dazu zähle ich beispielsweise Englisch und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Für entsprechend leistungsfähige und -willige Kinder kann man natürlich Zusatzprogramme vorhalten. Mit Kompetenzorientierung hat das weniger zu tun als mit schlichter Notwendigkeit, in der heutigen Welt bzw. der weiterführenden Schule bestehen zu können. Ich gebe aber ehrlich zu, den Proteststurm etlicher Eltern nicht am eigenen Leib erleben zu wollen.

        • Axel von Lintig

          @ Palim
          Strukturierte Schreib- und Leselehrgänge ,wie Silben-analytische und analytisch-synthetische Schreiblehrgänge.Bei Leseschwachen schülern die Anwendung des IntraAtKonzepts oder Leselernbücher nach dem Kieler Leseaufbau.

      • Was für ein Quatsch, als ob man nicht mit Spaß Rechtschreibung und Kopfrechnen erlernen kann …zudem, Schule heute auch nicht unbedingt immer Spaß ist, da die Schülerschaft heterogener und die Anforderungen an den Lehrerberuf im Vergleich zu „früher“ wesentlich mannigfaltiger geworden, ja kaum noch zu stemmen sind …(Lernschwächen, heterogene Lerngruppen, zerrüttete und/oder bildungsferne Elternhäuser, Migration, soziale Brennpunkte, Integration etc …)

    • ich bin ganz dabei xxx und sofawolf !!!

  2. Lieber XXX: gehen Sie doch mal 4 Wochen mit mir in die Grundschule und sehen Sie zu, wie wir spielen und Spaß haben.

  3. Oder fragen wir doch mal sofawolf. nach seinen Berichten und Erfahrungen scheint er ja auch Grundschullehrer zu sein: Machen wir nur Spielkram, Laissez-faire und haben Spaß? Also von den Grundschulen, an denen ich bisher war, kenne ich das nicht! Schade, dass Sie nicht auf Seiten der Kollegen sind. Oder habe ich Sie doch der falschen Schulart zugeordnet?

    Dann tippe ich auf Latein und Sport…Gymnasium.

    Aber Sie werden das ja jetzt aufklären.

  4. Es ist sehr schade, dass hier immer nur die Grundschullehrer/innen fertig gemacht werden. Heutige Abiturienten sind nicht mehr studierfähig, heißt es. Aha!!! Das liegt doch alles an den inkompetenten Gymnasiallehrer/innen. Warum regt sich darüber niemand auf???? Schließlich waren die SuS 8 Jahre in deren Mache!

    • Liebe mississippi,

      weil es ein beliebtes Spiel im deutschen Bildungswesen ist, den Scharzen Peter weiterzureichen: die Hochschulen an die Gymnasien, die Ausbildungsbetriebe an die weiterführenden Schulen, die weiterführenden Schulen an die Grundschulen, die Grundschulen an die Kitas und an die Eltern, alle an die Schulpolitik – und Schulpolitiker an die Schulpolitiker der jeweils anderen Parteien. Das ist praktisch, denn so ist nie jemand für irgendwas verantwortlich.

    • Das ist nicht nur in Bayern so. An einer weiterführenden Schule, die gut kenne, gibt es in der Doppeljahrgangsstufe 5/6 jährliche Treffen mit den GS-Lehrerinnen der abgebenden GS. Es ist in den meisten Fällen so, dass sich die Beobachtungen der GS-Lehrkräfte mit denen der SekI gleichen. Und zwar beruhen die Einschätzungen bezüglich des Arbeits- und Sozialverhaltens der neuen SuS seitens der SekI-Lehrkräfte auf Beobachtungen aus dem eigenen Unterricht, da sie die Zeugnisse der SuS aus der GS-Zeit nicht kennen und die Schülerakten der GS nicht weitergegeben werden dürfen ( Regelung des zuständigen kommunalen Schulträgers).

    • Die Menschwerdung beginnt halt in den Augen von StR – also Beamten des höheren Dienstes – erst ab A13.
      Die Unterteilung der Lehrämter in Abhängigkeit von der Schulform in gehobenen und höheren Dienst gibt ihnen dabei sogar formal Schützenhilfe.

      Wenn man also davon ausgeht, dass die Studierfähigkeit der Studienanfänger abnimmt, dann liegt das wohl daran, dass an den GY jeder bis zum höchsten Grad seiner Inkompetenz befördert wird. In der SekI und der Primarstufe ist das prinzipiell anders, da sind nur wenige inkompetent, da es im Vergleich zur SekII nur ganz wenige Befördeungsstellen gibt.

      • Bernhard Färber

        Genau umgekehrt ist es. In den Augen der Lehrerverbände, die Grundschullehrkräfte vertreten wie GEW und VBE/BLLV beginnt die Menschwerdung erst bei A 13, weswegen sie alle ihre Verbandspolitik darauf abstellen, eine weitere Besolungsstufe aufzurücken, anstatt sich um die wirklichen Probleme der Grund- und Mittel- oder Sekundarschulen zu kümmern.
        Das hat übrigens die jüngst verstorbene Hamm-Brücher vor 40 Jahren schon beklagt.

        • Nee, die gleiche Besoldung kann ja rein theoretisch auch durch Absenkung der Besoldung für das Einstiegamt in den höheren Dienst auf A12 erreicht werden.

        • @ Bernd Färber,

          da stimme ich Ihnen grundsätzlich zu.

          Hier im Forum geht es einigen nur um „mehr Geld“. Sie vertreten damit aber eine Minderheit, wie jüngst eine Umfrage ergab. Die meisten Lehrer sind mit ihrem Gehalt zufrieden, war die Aussage.

          Gehaltserhöhungen sind schön und gut. Wer wünscht sich das nicht! Aber Gehaltserhöhungen bringen uns keinen Milimeter Entlastung und es ist Entlastung, die wir brauchen! Gehaltserhöhungen bewirken, dass dann dafür erst recht kein Geld da ist. Denn Entlastungen (z.B. eine Stunde weniger pro Woche im Stundensoll oder reduzierte Klassenstärken) kosten Geld !!!

          Im Endeffekt gehen dann immer mehr Lehrer in Teilzeit und verdienen sogar freiwillig weniger Geld – aber fehlen im Schulbetrieb.

          • Mehr Geld ist besser, mehr Freizeit bekommt man als Angestellter ohnehin schneller als man denken kann.
            Für Angestellte ergibt sich die Höhe der Rentenzahlungen außer über die Beitragszeit zur GRV nämlich aus der Höhe der geleisteten Beitragszahlungen. Und die Tarifgehälter sind locker auf Netto bezogen 400 EUR unter den entsprechenden Besoldungen bei gleicher Tätigkeit.
            Aber da können überversorgte Pensionsanwärter halt nicht mitreden.
            42% von Durchschnittsverdienst des Versicherungsnehmers sind halt ’ne andere Nummer als 73% der letzten Bruttobesoldung.

    • Axel von Lintig

      Man will hier keine Grundschullehrer fertig machen. Es geht nur um die Methode des Spracherfahrungsansatzes, , der Schüler nicht gezielt zum orthographischen Schriftspracherwerb hinführt.

  5. Lieber Bernd,
    haben Sie hier schon einmal gelesen, dass Gymnasiallehrer abqualifiziert werden? Ich nicht. Eine Krähe kackt der anderen kein Auge aus. Hier sind es nur die Grundschullehrerinnen, und soweit ich das überblicke sind wir auch nur zu dritt.

    • Liebe mississippi,

      Sie haben schon Recht. Die Gymnasien stehen ja ziemlich weit oben in der „Nahrungskette“, können also ziemlich viel Verantwortung delegieren – an die zu dummen Schüler, die zu ehrgeizigen Eltern, an die Schulpolitik sowieso, aber natürlich auch an die Grundschule. Dass ein Gymnasium mal schlecht gefördert und das Potenzial der ihm anvertrauten Kinder nicht geweckt hätte (was tatsächlich hin und wieder vorkommen soll), solche selbstkritischen Töne hört man von Gymnasialvertretern natürlich nicht. Da haut man dann lieber auf solche Gespenster wie „Schreiben wie Hören“ ein.

      • PS. PISA ist übrigens bei Gymnasialvertretern auch deshalb ein so rotes Tuch, weil einer der ständig neu belegten Befunde lautet, dass wir in Deutschland nicht nur eine verhältnsimäßig große Risikogruppe an Schülern haben – sondern auch eine verhältnismäßig kleine Spitzengruppe. Und das liegt allein in der Verantwortung der Gymnasien.

        • Das liegt vor allem daran, dass Gymnasien von den Ministerien zwar Stundenkontingente zugewiesen bekommen für die Förderung leistungsschwächerer Schüler/innen, aber kaum für Begabungsföderung. Das sind außerdem die ersten Stunden, die bei Krankheitsfällen sofort gestrichen werden.
          Im Übrigen sind Gymnsiallehrkräfte gar nicht so schlecht auf PISA zu sprechen, zeigt PISA (zumindest solange es den Bundesländervergleich noch gab) doch, dass die Leistungen von Gymnasialschülern rund 100 Punkte, das sind zwei Schuljahre, vor denen der Schüler anderer Schularten liegen und dass die Leistungsspreizung zwischen den Gymnasien der einzelnen Bundesländer erheblich geringer ist als die Leistungsspreizung zwischen den Bundesländerergebnissen insgesamt. Offensichtlich hat sich der Leistungsgedanke an den Gymnasien besser gehalten als sonst, wobei ich zugebe, dass es auch da – länderbedingt unterschiedlich – Erosionserscheinungen gibt.

          • Das liegt auch daran, weil die Grundschulen Grundlagen schaffen sollen (Lesen, Schreiben, Rechnen) und das tun sie immer öfter zu wenig.

            Es gibt immer mehr Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche. In jeder Klasse mehrere.

            Sind daran nun die Gymnasiallehrer schuld? Früher sagte man noch zurecht: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!

          • @ mississippi sieht nur, was sie sehen will.

            Lehrer weiterführender Schulen hat man z.B. auch schon für katastrophale Geschichtskenntnisse (Nazi-Zeit + DDR) verantwortlich gemacht.

  6. Wie immer, wenn es um Methodik oder Didaktik geht, wird von allen Seiten aus allen Rohren geschossen, ohne dass irgendwo empirisch etwas festgehalten wurde.

    Es würde mich interessieren, ob es zum Erfolg oder auch mangelnden Erfolg dieser Methode überhaupt belastbares Zahlenmaterial gibt.
    Welche Schüler/innen sind erfolgreicher in Punkto Rechtschreibung? Gibt es erkennbare Vorteile außer der Tatsache, dass sie halt mehr, schneller oder eher schreiben? Sind diese Vorteile nur „gefühlt“ oder lassen sie sich nachweisen?
    Hilft diese Methode eher den Schwächeren oder nicht, eher den Stärkeren oder nicht? Gibt es überhaupt Unterschiede?

    Ich verstehe an einigen Stellen die Empfindlichkeit der GS-Kräfte, wenn ihnen vorgeworfen wird, sie würden nur Ringelpietz mit Anfassen machen. Solche Aussagen sind inakzeptabel. Was ich allerdings auch nicht verstehe, ist, mit welcher Vehemenz GS-Kräfte reagieren, wenn auf einer Sachebene bestimmmte Methoden oder Verfahren in Frage gestellt werden, für die sich in den Schulen die Fachkonferenzen häufig selbst entschieden haben. Ein Beispiel ist die VA:
    Ich habe mir schon Shitstorms von GS-Lehrkräfteneingefangen, da gab es das Wort noch gar nicht, wenn ich es wagte anzumerken, dass die Schrift Schüler/innen, die VA gelernt haben, in der SEKI häufig völlig degeneriert – und zwar mehr als die Schrift derjenigen, die andere verbunden Schriften gelernt haben. Kommentar: „Wir haben unsere eigene Pädagogik und lassen uns von euch gar nichts sagen.“ Diskussion Ende.
    Nun wechseln die Schulen in Scharen zu anderen Schriften über. War also doch alles nicht so toll.
    Eventuell ist es bei der Methode „Schreiben nach Gehör“ ähnlich. Leider schläft die Bildungsempirik da. Ein wenig mehr Sicherheit würden vernünftige Zahlen den Lehrkräften schon geben.

  7. Liebe Monika Niemann,
    hier liest es sich so, als ob die Methode Lesen-Durch-Schreiben (übrigens eine Methode, um Lesen zu lernen, nicht schreiben), die einzige ist, die verwendet wird. Das stimmt aber gar nicht. In den Bundesländern, in denen ich bisher unterrichtet habe, das sind BY und BaWü herrscht Methodenfreiheit. Ich habe im Februar 25jähriges Dienstjubiläum (stolz) und habe noch nie nach dieser Methode unterrichtet (höchstens gleichzeitig als Unterstützung und zum Üben). In Bayern ist mir diese Methode überhaupt nie über den Weg gelaufen (bis 2000 war ich da). In BaWü bei Kollegen vereinzelt, selten und auch nie als alleinige Methode.

    • Es geht hier laut Artikel um eine Methode „Schreiben wie Hören“.

      • @ Monika Niemann: In fachlicher Unkenntnis wird diese Methode immer wieder falsch benannt. Die Methode heißt nach Reichen „Lesen durch schreiben“, bitte googlen, ich habe das schon so oft gesagt und keine Kraft mehr dafür.

    • Was reden Sie denn da? Nur weil es „Lesen durch Schreiben“ heißt, wird hier natürlich massiv Schreiben gelernt, und zwar falsches. „..durch Schreiben“ sagt das ja auch mehr als deutlich.

      Wie nach dieser Methode „höchstens gleichzeitig als Unterstützung und zum Üben“ unterrichtet wird, ist mir schleierhaft. Was wird denn da unterstützt oder geübt und wie geht das? Werden Sie doch bitte konkret!

      Dafür, dass Sie nie nach dieser Methode gearbeitet haben, verteidigen Sie sie aufallend hartnäckig und dauerhaft und ihre schlimmen Folgen bezüglich massiver Rechtschreibschwächen versuchen sie immer wieder herabzuspielen. Es stimmt einfach nicht, dass „Lesen durch Schreiben“ nur „vereinzelt, selten und auch nie als alleinige Methode“ angewendet worden wäre. Viele Eltern könnten Ihnen ein Lied davon singen, wie sie auf Elternabenden von den Lehrkräften geradezu bekniet wurden, die Schüler so schreiben zu lassen, wie sie die Wörter vor sich hinflüstern und hören, also lautgetreu, aber nicht rechtschreibgetreu. Das fördere die Lust am kreativen Schreiben, hieß es. Bloß nichts verbessern!, bloß nicht eingreifen!, war die Devise, auf der diese rechtschreibfeindliche Methode fußte.
      Waren Sie nicht die Dame, die vor längerer Zeit schrieb, das sie Herrn Reichen, den Erfinder dieser Methode noch kennen und lehren gelernt hat und von dessen charismatischer Ausstrahlung hin und weg war?
      Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, dann kann das Bild nicht so ganz stimmen, das Sie von sich und Ihrer Unbelecktheit von der Reichen-Methode malen.
      Natürlich gibt es noch weitere Ursachen für die verbreiteten Rechtschreibschwächen, aber die Methode „Lesen durch Schreiben“ hat zu masenhaften Schwierigkeiten sowohl im Schreiben als auch Lesen beigetragen. Sie war eine ganze Zeit lang en vogue und zwar reinrassig, d.h. unter Verteufelung bzw. Vernachlässigung der Richtigschreibung von Wörtern in den ersten beiden Schuljahren und auch danach noch unter sehr großzügiger Handhabung, was die Rechtschreibung betrifft.
      Für jemanden, der in seinem Lehrerdasein mit der Reichen-Methode so gut wie nichts zu tun hatte und seine Kolleginnen ebenfalls, machen Sie sich für meinen Geschmack reichlich stark für ein bisschen Reichen-Methode „als Unterstützung und zum Üben“ und zum Herabspielen der Scheib- Leseschwächen, die diese Methode als Folge hatte.

      • @ F.H.: Ich kenne Herrn Reichen nicht, da verwechseln sie mich. Von der Methode habe ich erst vor 8 Jahren gehört, da war ich 44. Ich verwende normalerweise die analytisch-synthetische Methode, führe die Anlauttabelle gleichzeitig ein und die, die es schon können, die „stärkeren Schüler“ können mit Hilfe der Tabelle schon eigene Wörter und Sätze schreiben…. Das ist die Unterstützung und Übung.

      • Mir ist vor über 20 Jahren auch einmal die Methode „Lesen durch Schreiben“ bzw. „Schreiben als Hilfe zum Lesenlernen“ aber nicht im Sinn von Reichen begegnet. Reichen war mir damals völlig unbekannt. Da ging es darum, dass man zusätzlich zur synthetnisch analytischen Leselernmethode gleichzeitig die Druckschrift erlernte um das Lesen der einfachen Wörter mit dem neuen Buchstaben durch das Schreiben derselben zu verfestigen. Diese Methode nannte man damals auch Lesen durch Schreiben, weil man zusätzlich die Wörter in Druckschrift (natürlich rechtschriftlich richtig) schrieb. Ich fand das damals zum Steckkasten sogar gut, dies zusätzlich zu machen.

      • @F.H.: Ich weiß natürlich nicht, in welchem Bundesland sie leben. Aber in Bayern und BaWü wird ab der 2. Klasse ein vorgeschriebener Grundwortschatz geübt und die Kinder dürfen auch nicht 2 Jahre lang so schreiben wie sie wollen. Rechtschreibung und die auch damit verbundene Grammatik stehen verbindlich im Lehrplan und werden u.a. eingefordert.

  8. @ xxx,

    ich stimme Ihnen zu.

  9. @ mississippi,

    nun machen Sie doch nicht immer gleich die Mimose. Wieso ist Kritik gleich „Fertigmachen“?

    Ja, ich sehe die heutigen Methoden an den Grundschulen (Spaß steht im Vordergrund) sehr kritisch. Darf ich das nicht, weil dann mississippi beleidigt ist? Die heutigen Methoden sind ja selbst Folge der Kritik älterer Methoden. Die mussten sich das auch gefallen lassen.

    Nach etlichen Jahren und etlichen Befunden, die alle nur eine schlechtere Rechtschreibung, schlechteres Lesefertigkeiten und schlechtere Rechenkenntnisse attestieren, halte ich diese Kritik für berechtigt.

    PS: Man kann auch als Lehrer auf ganz unterschiedliche Weise Einblick in unterschiedliche Schulformen und Klassenstufen haben. Ich wüsste nicht, warum ich Ihnen sagen soll, wo genau ich arbeite.

    • Aber damit das endlich einmal klar ist: Ja, Sie haben Recht, ich unterrichte Latein und Sport. Latein im Gymnasialbereich; Sport von Klasse 1 – 13.

      Zufrieden? 😉

  10. Der Punkt ist, dass bestimmte Methoden verteufelt werden und Grundschullehrerinnen für alles der Schwarze Peter in die Schuhe geschoben wird, dabei aber absolut einseitig auf eine einzelne Bedingung eingegangen wird und nichts anderes mehr angesehen wird oder gelten darf.

    Die Schrift ist schlecht? DIE Grundschulen haben VA gewählt und sind schuld. Dass seit vielen Jahren Grundschullehrkräfte darauf hinweisen, dass es mit der Feinmotorik der eingeschulten Kinder nicht weit her ist und zwar OHNE den Vorwurf einfach an Kita oder Eltern zu geben, interessiert nicht. Dass in anderen Ländern, mit denen wir vergleichen werden, ganz andere Schriftfolgen und Schriftpflege zum Einsatz kommen, aber auch die gleichen Probleme bei der Motorik auftauchen, auch nicht.

    Die Rechtschreibung ist schlecht? DIE Grundschulen unterrichten ALLE nach Lesen durch Schreiben/ Schreiben nach Gehör und NIEMAND achtet JAHRELANG auf die Rechtschreibung. Es stimmt aber gar nicht, dass diese Methode so häufig zum Einsatz kommt, wie behauptet – schon gar nicht so einseitig, wie dargestellt. Trotzdem sind die Rechtschreibleistungen in Teilbereichen schwächer als früher. Dass auffallend viele Kinder sprachlich gesehen mit viel weniger Vorkenntnissen zur Schule kommen (Bericht von gestern), sodass sie Logopädie zur Unterstützung benötigen, wird aber nicht kommentiert, wenn auch von Lehrkräften seit langem wahrgenommen.

    Aber wenn Grundschullehrkräfte auf die Defizite und Förderbedürftigkeit ihrer SuS verweisen, gibt es einen Kommentar, sie sollten nicht meckern, sondern weniger spielen und mehr fordern und hart durchgreifen.
    Angesichts der A12-Besoldung wird ihnen generell Fachwissen abgesprochen, Erziehung und Pädagogik sind nichts wert und Grundschullehrer angeblich ohnehin schlecht ausgebildet und unfähig. Übersehen wird aber, dass gerade der Erstunterricht viele Herausforderungen mit sich bringt und sich Lehrkräfte auf vieles spezialisieren, von dem Menschen an anderen System oder außerhalb von Schule nicht einen Hauch Ahnung haben.

    Kinder, die JETZT in den Schulen sitzen, benötigen nicht den Unterricht der Nachkriegsjahre, sondern welchen, der sie im Hier und Jetzt annimmt, anspricht und mitnimmt.

    Statt Vorwürfe zu schüren wäre es an der Zeit, zu fragen, wie geholfen werden kann und welche Bedingungen an Grundschulen umgesetzt werden müssen, um das Lernen und die Lehrkräfte besser zu unterstützen.

    • „Nachkriegsjahre“ ist aber reichlich übertrieben. Wenn so argumentiert wird, trägt das auch nicht zum besseren Verständnis bei und sieht genau nach dem aus, was Sie bei anderen kritisieren: nach Übertreibung.

      • In den letzten Tagen kam der Ruf nach früherer Methodik. Auf Nachfrage dann aber keine Angabe dazu, was damit denn gemeint sei.
        Kritisiert wird gerne die Schulentwicklung ab den 70er Jahren.
        Wenn man also in die Zeit davor zurück möchte, ist der Unterricht der Nachkriegsjahre nicht mehr so weit entfernt.

        Reichens Lesen durch Schreiben wurde in den 70ern entwickelt, er selbst 39 geboren. Die VA wurde 1953 entwickelt.

        Bleibt also die Frage, was gemeint ist, wenn für den Rechtschreibunterricht der Einsatz früherer Methoden gefordert wird.

        • Das sehe ich genau so. Die „neuzeitliche“ Schulentwicklung fing mit der Aufteilung der achtjährigen Volksschule in eine vierjährige GS und eine fünfjährige HS in den 60ern an.
          Wer also zurück möchte, der landet unwillkürlich in der Nachkriegszeit, die de jure – in Hinblick auf die staatliche Souverenität – erst 1990 endet.

        • Axel von Lintig

          @Palim

          Die VAS wurde erst ab 1969 aus der 1953 (durch Beschluss der Kultusministerkonferenz ohne Bayern) eingeführten lateinischen Ausgangsschrift entwickelt .
          Vor 1953 wurde die im deutschen Kaiserreich 1911 entwickelte Sütterlinschrift angewandt.
          Reichen hat seine unstrukturierte Methode im Schrifterwerb zuerst in seinem Heimatland, der Schweiz, ausprobiert . Er hat dann mehrfach Schulen in der Schweiz verlassen müssen, weil er sich weigerte standartisierte Methoden zum Erwerb der Orthographie/Schriftspracherwerbs und des Lesens anzuwenden.
          Erst in Hamburg fand er dann Resonanz mit seiner anarchistischen Methodik . Das war zum Ende der Apozeit. Er war aber zunächst ein Einzelgängerin mit seiner Methode. Es steht auch keine Systematik hinter dessen Art den Unterricht einfach laufen zu lassen.
          Erst Herr Hans Brügelmann hat dann dessen Methoden dann ab 1980 aufgegriffen und seinen Spracherfahrungsansatz daraus entwickelt, nachdem er in Bremen als Nicht-Lehrer mit dem Studium der Politologie, Soziologie und Jura (1.Staatsexamen), sowie einem Aufstudium ( mit einem Stipendium der Volkswagenstiftung) zum Lehramt für Gymnsiallehrer an der Uni Konstanz Professor für den Anfangsunterricht in der Universität Bremen wurde.

    • Axel von Lintig

      @ Palim

      Die Methode der Rechtschreibwerkstatt des Schulmaterialien-Unternehmers Norbert Sommer-Stumpenhorst und die Tinto Fibel seines Freundes Rödiger Urbanek(Koordinator am Landesinstitut für Schule und Weiterbildung) sind in Westfalen nach Auskunft von Grundschullehrern und konkurierenden Schulbuchverlagen sehr stark verbreitet.
      In Verbindung mit offenen Unterrichtsmethoden finden beide „Werke“ gemeinsam breite Anwendung in den meisten Schulen.
      Ein entsprechender negativer Effekt auf Schriftspracherwerb und das Leseverhalten der Schüler sind deutlich erkennbar. Ungeübte Texte fallen den Kinder sehr schwer zu lesen. Über ein Abschreiben von Texten kommen viele Schüler gar nicht mehr hinaus.
      Ich habe in den vergangenen drei Jahren ca. 350 betroffene ehemalige Grundschüler oder deren Elter zum Thema „Lesen durch Schreiben “ nach Sommer-Stumpenhorst befragt. Fast alle machen diese Methode für ihre nachhaltigen Probleme im Schriftspracherwerb verantwortlich.
      Eingeführt wurde die Methode unter der früheren Kultusministerin Ute Schäfer (2002-2005) mit der Hilfe des früheren Ministerialdirigenten Reinhold Christiani. Der füllt u.a.mit dem Rechtschreibkonzept des Norbert Sommer-Stumpenhorst seine Bücher: „Schuleingangsphase, neu gestalten“ und „Jahrgangsübergreifender Unterricht“.
      Das sind doch recht interessante Seilschaften.

      • Ich denke, dass Eltern von Hochbegabten diese Methode gar nicht so unrecht ist, wird es doch ihren Kindern in der Schule nicht langweilig und sie können selbstständig arbeiten und kommen früh zum Schreiben, außerdem wird bei diesen Schüler aufgrund ihrer ausgezeichneten Voraussetzungen die Rechtschreibung dann kein Thema sein. (Nur – es gibt halt nur ein paar Hochbegabte.)
        Ich kann mich noch an Fortbildungen in Bezug auf die Einführung eines Grundschullehrplans um die Jahrtausendwende erinnern, wo man uns in Bezug auf die Mathematik gesagt hat, dass die Kinder jetzt mit besseren mathematischen Voraussetzungen zur Schule kämen und man die systemtische Zahlenerarbeitung bis 10 nicht mehr bräuchte. (Stichpunkt: Schüttelboxen)
        In Bayern hat sich übrigens die Reichenmethode nie durchgesetzt. Als ich neulich einmal Kolleginnen meiner Schule (ich unterrichte ja 3/4) diesbezüglich fragte, erklärten sie mir, dass diese Methode völlig außer Diskussion sei und sie analytisch-synthetisch arbeiten, die Anlauttabelle höchstens einmal als Ergänzung einsetzen.

        • Axel von Lintig

          @ysnp
          Hier in Beckum (Westfalen) wird ausschließlich mit diesen Methoden( Rechtschreibwerkstatt/Tinto) gearbeitet. In den weiterführenden Schulen weis man inzwischen, wie schlecht die Schüler vorbereitet sind. So werden am Gymnasium spezielle Förderkurse für die 5. Klasse in Deutsch,Englisch und Mathematik angeboten. Trotzdem haben im vergangenen Schuljahr 35 Schüler der 5.Klasse das Gymnasium wieder in Richtung der Gemeinschaftsschule verlassen.

  11. @ Palim

    1. Zitat: „Angesichts der A12-Besoldung wird ihnen generell Fachwissen abgesprochen, Erziehung und Pädagogik sind nichts wert und Grundschullehrer angeblich ohnehin schlecht ausgebildet und unfähig.“

    Das ist aber nun mit Verlaub wirklich einfach nur Quatsch! Man kann Argumente dafür und dagegen haben, dass Grundschullehrer genauso viel verdienen sollen wie die Lehrer der weiterführenden Schulen, aber zu formulieren, dass die A-12-Besoldung der Grund ist für eine Geringschätzung, das ist dann wohl doch ein bisschen selbstverliebt. Wie geringgeschätzt werden denn dann all die vielen anderen Berufe, deren Bruttogehalt nicht mit einer 3, geschweige denn mit einer 4 in den Tausendern beginnt? Alle nichts wert. Na, dann auf zum Generalstreik. A 13 für ALLE!

    2. Zitat: „Statt Vorwürfe zu schüren wäre es an der Zeit, zu fragen, wie geholfen werden kann und welche Bedingungen an Grundschulen umgesetzt werden müssen, um das Lernen und die Lehrkräfte besser zu unterstützen.“

    Es handelt sich um Kritik, ja. Manchmal auch nur um Vermutungen. Als Vorwurf lesen Sie das, wobei natürlich niemand gerne Kritik hört. Ist schon klar. Aber die Suche nach und das Ringen um Alternativen beginnt nun einmal damit, das Bestehende und Vorhandene zu kritiseren. Sonst bräuchte man ja keine Alternativen – wenn doch alles in Butter ist. Und natürlich verallgemeinert man und pauschalisiert, wenn man etwas in wenigen Zeilen dastellt und das bedeutet nicht, dass IMMER ALLE ALLES verkehrt machen.

    Sie dürfen gerne dagegen argumentieren und vielleicht bringt der eine oder andere Aspekt auch eine Veränderung im Denken (z.B. meinerseits), weil man bestimmte Dinge noch nicht wusste, so noch nicht gesehen hat. Das ist eben Diskussion. Und ihre möglichen Folgen. 😉

  12. Die Grundschullehrkräfte sind allgemein gesehen nicht besser oder schlechter als Lehrkräfte anderer Schularten. Alle sind LehrerInnen, die ihre Persönlichkeit mit in den Beruf bringen. Doch jede Lehrkraft hat ihre schulartspezifischen Schwerpunkte. Bei jeder Schulart wird Professionalität und – wie ich meine – der Wille zur Weiterentwicklung – gebraucht und diese Professionalität ist auf die Schulart zugeschnitten. Aber es gibt viele Schnittpunkte und so kann man voneinander lernen.
    Ich kann es sogar verstehen, dass man, wenn die Schüler nicht so sind, wie man erwartet, zuerst einmal im eigenen Kreis sucht und das ist dann die Lehrkraft, die das Kind zuvor gehabt hat. Das kann sogar in der eigenen Schule sein. Als ich eine zeitlang in der Hauptschule unterrichtete, war ich selbst verführt, so zu denken. Ich schreibe das der Uninformiertheit zu. Als ich dann selbst dort unterrichtete und voll involviert war, habe ich gemerkt, dass ich vorurteilsbehaftet war.
    Ich denke, Vorurteile entstehen meist dadurch, dass man das andere nicht genügend kennt und anhand der vermeintlichen „Ergebnisse“ die falschen Rückschlüsse zieht. Dass ganz andere Faktoren bestimmte Ergebnisse beeinflusst haben, das kann man oft nicht wahrnehmen oder man glaubt es einfach nicht.
    Leider ziehen sich bestimmte Eigenschaften viele Jahre durch:
    In Bayern schreiben wir in der Grundschule sehr ausführliche Wortzeugnisse von Klasse 1- 4 inklusive Übertrittszeugnis. Was mir auffällt: Wenn ich Kinder in der 3. Klasse übernehme – mit der Zeit kommen wieder dieselben oder ähnliche Schwierigkeiten zutage, die das Kind zuvor gehabt hat. Manche kann es überwinden, aber wenn Schwierigkeiten, dann wieder im gleichen Bereich.
    Dasselbe sagen unsere Real- und Gymnasialkollegen übereinstimmend: Das, was in den Übertrittszeugnissen zutreffend (so unsere KollegInnen der weiterführenden Schulen) beschrieben wird, tritt auch später in der weiterführenden Schule oft wieder zutage. (Hoffen wir, dass die Schüler Dinge verbessern können.)
    In der Region in Bayern, wo ich arbeite, gibt es einige Kooperationsgruppen (Ortbereich oder Schulamtsbereich), die aus Lehrern verschiedener Schularten bestehen, die auf Verständnis, Interesse für die andere Schulart und Aufeinanderzugehen basieren. Diese Arbeit ist fruchtbar und dient zum Wohl der Schüler. So soll es auch sein. Man muss positive Ansätze suchen und sich nicht das Negative vorhalten. Nur über positives Denken kommt man weiter.

    • Ergänzung:
      Als ich dann selbst dort (ich meine die Grundschule ) unterrichtete und voll involviert war, habe ich gemerkt, dass ich vorurteilsbehaftet war.

    • „Nur über positives Denken kommt man weiter“ ist sowohl wahr als auch trivial. Es kommt darauf an, wie positives Denken verstanden wird. Wenn es heißt, für alles Neue offen zu sein und in ihm Fortschritt zu sehen, dann bin ich Gegner von „positivem Denken“. Wenn es aber heißt, alles Neue unter die Lupe zu nehmen und die Denkmöglichkeit zuzulassen, dass es auch Verschlechterung bedeuten könnte und Altbewährtes darum fortzuführen sei, dann bin ich für ein positives Denken, das nach beiden Seiten offen ist.
      „Positives Denken“ sollte sich immer auf das Bessere beziehen, ohne Bonus für alt oder neu. Unter dieser Voraussetzung bin ich für das schwabbelige und immer gut klingende „positive Denken“.

      • Wenn man es aus dem obigen Sinnzusammenhang reißt, dann haben Sie Recht. Sie meinen ja die unkritische Fortschrittgläubigkeit.
        Ich meinte den positiven Ansatz – wie man oben hoffentlich erkennen kann – in einem anderen Kontext.

    • Das ist nicht nur in Bayern so. An einer weiterführenden Schule, die gut kenne, gibt es in der Doppeljahrgangsstufe 5/6 jährliche Treffen mit den GS-Lehrerinnen der abgebenden GS. Es ist in den meisten Fällen so, dass sich die Beobachtungen der GS-Lehrkräfte mit denen der SekI gleichen. Und zwar beruhen die Einschätzungen bezüglich des Arbeits- und Sozialverhaltens der neuen SuS seitens der SekI-Lehrkräfte auf Beobachtungen aus dem eigenen Unterricht, da sie die Zeugnisse der SuS aus der GS-Zeit nicht kennen und die Schülerakten der GS nicht weitergegeben werden dürfen ( Regelung des zuständigen kommunalen Schulträgers).

  13. Es steht einfach Pädagogen welcher Schulart auch immer nicht zu, andere einfach nur schlecht und verantwortlich für alle möglichen Defizite zu machen. Wir Grundschullehrer/innen kriegen es einfach immer von euch ab. Wie Bernd sagte, wir stehen in der Nahrungskette ganz unten. Mir fiele es nie ein, die Arbeit von Erzieherinnen schlecht zu reden und abzuurteilen. Im Gegenteil, ich bin froh, dass ich es mit älteren Kindern zu tun habe.
    Mir gefällt aus Erfahrung als dreifache Mutter die Arbeit der Gymnasialkollegen auch nicht. Mir fiele es hier aber nie ein zu schreiben, die diskutieren nur rum, haben einen Laisser-Faire-Stil und sind keine Perönlichkeiten mehr, so wie es früher war.
    Ich fühle mich hier in meiner Arbeit immer wieder angegriffen und verletzt. Es ist nicht angemessen, dass Kollegen sich so verhalten, trotz Nahrungskette.

    • Es sind auch zuwenige Sonder- und Sozialpädagogen , um über die Mehrzahl der Klassen- und Fachlehrer an staatlichen Schulen zu urteilen.

  14. Ich fühle mich von dem Brief der Kultusministerin nicht angegriffen. Sie spricht etwas an, was einige Kollegen und ich auch so sehen. Da ich außerdem gerade das Buch “ Lehrerdämmerung“ gelesen habe, und der Auffassung bin, das nur Übung im Schreiben das Schreiben verbessert, wünsche ich mir, das Kindern auch die Zeit zum Üben zugestanden wird. Ich wünsche mir, dass nicht bei jedem politischen Wechsel eine neue „Kuh“ durchs Dorf getrieben wird. Ich möchte nicht mehr ständig meine Energien in die Evaluation stecken, statt in meine Schüler. Ich glaube dass alle meine kompetenten Kollegen im Grundschulbereich hervorragende Arbeit leisten. Dass es eben unterschiedliche Auffassungen gibt, die alle zum Ziel führen. LRS und Rechtschreibschwache gab es schon immer. Dass man sich nicht mehr die Zeit nimmt, richtig zu schreiben, wird den Kindern doch durch uns vorgelebt. Wie oft ich Schreibfehler in großen Tageszeitungen finde….Selbst Nachrichtensprecher haben Fehler in ihren Texten.
    Ich glaube es ist trotzdem wichtig, die Kritik am Stil der Grundschule wahr zu nehmen und zu reflektieren. Es gibt tatsächlich Kinder, die das „freie Schreiben“ so verinnerlichen, dass sie nicht mehr davon loskommen. Und dass sind selten die Kinder aus Bildungselternhäusern. Ist es im Sinne der sozialen Gerechtigkeit nicht fair, wenn wir diesen Kinderm das Rechtschreiben richtig beibringen. Die guten Schreiber haben häufig eben doch die Mama zu Hause, die zu Hause Rechtschreiben übt.
    Desweiteren wäre es schön, wenn die weiterführenden Schulen in den Grundschulen hospitieren müssten (auch Gymnasiallehrer), um zu sehen wo sie anknüpfen können und sollten. Häufig stehen veraltete Erwartungen einer doch sehr veränderten Grundschule gegenüber.
    Schule muss sich verändern, aber nicht von oben nach unten in Form von Verordungen, sondern von unter nach oben. Wir Lehrer wissen sehr gut woran es häufig krankt. Wir sind eben keine Fertigungsstraße in die man minimal Investiert und dann den maximalen Gewinn einfahren kann. Soziale Gerechtigkeit, Inklusion, Begabtenförderung etc. gibt es eben nicht umsonst. Wenn die Industrie sich beklagt, dass die Azubis nicht genug Wissen, aber gleichzeitig sich um Steuerm drücken, die Schulen und Kindern auch zu Gute kommen, beißt sich die Katze in den Schwanz.
    Investiert wieder in Bildung und macht nicht ein Sparprogramm daraus.
    Dann klappt es auch wieder mit der Rechtschreibung.

    • @OlleSchachtel
      Einleuchtender Kommentar!

    • Das Dilemma dre GS ist, dass sie in der sich verändernden Gesellschaft jeden unterrichten muss. Die GY haben den großen Vorteil, dass sie sich im begrenzten Umfang ihr Schülerklientel handverlesen selbsz zusammenstelln können. und während der doppelt solangen Schulzeit wie an der GS dieses Klientel vortrefflich sezieren können.
      Die Wut auf die abgebenden GS rührt doch einzig und allein in der Tatsache, dass in vielen Bundesländern der Wunsch der Erziehungsberechtigten maßgeblich für eine Anmeldung an einem GY ist. Das widerum führt dazu, dass die Gymnasiallehrkräfte sich in den Jahrgängen 5 und 6 mit dieser veränderten Schülerschaft, wie sie an jeder GS normal ist, befassen müssen. Das empfinden halt viele Studienräte als Zumutung, denn aus ihrer Sicht ist das Aufgabe von Lehrern mit einem Lehramt für die SekI – vulgo Haupt- und Realschullehrern. Ansonsten bräuchte es dieses pädagogische Fußvolk nämlich überhaupt nicht.

      • Nur dass die Gymnasiallehrkräfte lediglich die Spitze des Eisbergs zu sehen bekommen.
        Und auch Politiker gerne nur über diese Spitze nachdenken oder sich von deren Interessenvertretern beeinflussen lassen.

        Dass es darunter einen viel größeren Teil gibt, der beachtenswert ist und um den man sich bemühen muss, sehen sie nicht.

        So wird gerne geklagt, was in den früheren Schuljahren angeblich alles versäumt würde und dass deshalb das Fundament Löcher habe, die Klimaerwärmung wird aber in Abrede gestellt.
        Oberhalb des Normalspiegels träumen viele davon, weiterhin trockenen Fußes ihren Weg gehen zu können – das ging doch früher schließlich auch.

        Allerdings sind es inzwischen keine Expeditionen und Polarforscher, die diese Routen zurücklegen wollen, sondern dieses Gebiet ist touristisch erschlossen.

        Um die gleichen Ziele zu erreichen, braucht es womöglich andere Routen und mehr Zeit. Letztere wird aber nicht gewährt, sondern verkürzt. Die Strecke ist angesichts der Packeisschmelze ohnehin immer wieder anders und insgesamt anspruchsvoller. Immerhin ist die Ausrüstung moderner geworden, die dafür notwendigen Kenntnisse muss man sich aber in der verkürzten Zeit zusätzlich aneignen.

        Wenn man nun die „gute, alte Zeit“ zurückhaben möchte, sollte man sich überlegen, wie das bewerkstelligt werden kann und ob man wirklich den Touristen den Zugang auf die Spitze verwehren möchte, ob man fordert und erwartet, dass sie wie Polarforscher vorbereitet sein sollten, oder man sie womöglich zurück ins Eiswasser schubst.

        Das wird die Klimaerwärmung nicht beseitigen und die Löcher im unteren Eisberg auch nicht stopfen, stattdessen wird der Eisberg weiter schmelzen…

  15. Guten Tag,
    ich habe es täglich mit Kindern in der logopädischen Therapie zu tun, die mit dem Schreiben lernen nach dem Gehörten ihre Probleme haben. Schade, dass die Kids diese schlechten Erfahrungen machen müssen. Auch viele Eltern können ihre Kinder nicht richtig fördern, weil sie es auch noch anders gelernt haben.
    Hören ist wichtig – ganz klar. Aber sich eine Buchstabenfolge zu merken trainiert das Gehirn. Die Schüler lernen sich zu fokussieren und sich Wortbilder zu merken.
    Ja und unsere Kinder müssen m.M. nach auch lernen sich zu disziplinieren und an Regeln zu halten. Und auch das kann spielerisch und mit Spass erfolgen.
    Ich hoffe mit dieser Meinung niemandem auf die Füsse getreten zu sein und wünsche Allen eine schöne Weihnachtszeit.
    Birgit Skov

  16. @ mississippi, Sie fühlen sich immer verletzt, beleidigt und ungerecht behandelt, wenn man Ihnen widerspricht. Was bleibt also als Ausweg: Zustimmen? Oder mindestens die Klappe halten?

    Bringen Sie Ihren Schülern eigentlich auch demokratische Spielregeln bei – „da unten in der Grundschule“?

  17. Diese mississippi-Logik ist dann so: Man darf zwar sagen, dass Frontalunterricht schlecht ist (weil mississippi ihn nicht praktiziert), aber man darf nicht sagen, dass Gruppenarbeit das Faulenzen fördert (weil – nur als Beispiel – mississippi das praktiziert), denn das wäre schlechtreden und verletzen und nicht zustehen und dann weint mississippi und ist ganz dolle traurig und der böse Sofawolf ist schuld daran. Schweinerei! 🙁

    • Nur weil man hinter der Klasse steht oder sitzt während des Unterrichtes, ist das noch lange kein Rektalunterricht. Auch wenn manches für den Arsxx ist.

    • @sofawolf
      Dieser spöttisch- ironische Kommentar geht deutlich unter die Gürtellinie und trägt nichts zur Sache bei. Das ist kein fairer Diskussionsstil! Falsch ist auch die Behauptung, dass mississippi angeblich gegen Frontalunterricht als Methode sei, wie auch falsch ist, dass Sie bei den Fächern gemeint waren.

  18. Als man dachte, ich sei Gymnasiallehrer, hieß es, meine Auffassungen seien Ausdruck von Standesdünkel.

    Als man dachte, ich sei überhaupt kein Lehrer, hieß es, Außenstehende können nicht mitreden.

    Als man dachte, ich sei Grundschullehrer, hieß es, wie schäbig, die eigenen Kollegen so in die Pfanne zu hauen.

    … und wenn man nun die Wahrheit erfährt? Dass ich nämlich ein Außerirdischer bin. Wird man mich dann auf den Mond schießen (wollen)? 😀

    • Bernhard Färber

      Geliked! Spitzenkommentar!

    • Das Problem ist, dass es nicht gerne gesehen ist, das eigene Gehirn zu nutzen, Es wird immer nach den neuesten Ergüssen gehandelt, die der Markt gerade hergibt. Äußert man seine Meinung, die dem momentanen Entwicklungen entgegensteht, muss man mit Gegenwind rechnen. Das ist leider so, ich rege mich aber nicht mehr auf. Ich finde das Frontalunterricht in manchen Situationen und auch in manchen Klassen einfach notwendig ist. Öffmung von Unterricht immer wieder versucht werden kann und dann auch irgendwann gelingt, doch nicht jedes Kind dafür geschaffen ist. Meines Erachtens macht es wie in allen Bereichen des Lebens die gesunde Mischung.
      Wann hören denn endloch diese Neiddebatten zwischen Lehrern der verschiedenen Schularten auf? Wir sitzen alle im selben Boot, statt es ständig durch Standesdünkel zum Schwanken zu bringen sollten die Kräfte geeint werden, um Schule von unten nach oben zu reformieren.
      Dazu gehört Kraft, Mut und der Wille das Beste für die zukünfigen Generationen zu wollen. Das eint uns doch als Lehrer.
      Nochmal, ich finde es nicht falsch welchen Gedanken Frau Eisenmann verfolgt, vielleicht ist ihr stürmisches Vorgehen und die Absolutheit ihrer Aussage nicht angebracht, aber sie hat ein Umdenken angestoßen!

      • @olleschachtel
        Ich weiß nicht, ob das die verschiedenen Schularten sind. Hier habe ich immer den Eindruck, dass es vor allem um Grundschule – Gymnasium geht. Dazu finde ich dickebanks Kommentar vom 18.12. gut zutreffend. Ich denke, er/sie hat einiges über die Ursachen geschrieben, warum das so sein könnte.
        Ansonsten stimme ich wiederum Ihrem Kommentar zu.
        Übrigens hat sich in Bayern das Lesen durch Schreiben (also mit der falschen Rechtschreibung) nie richtig und flächendeckend durchgesetzt. Die KollegInnen arbeiteten und arbeiten zwar mit der Anlauttabelle, haben aber parallel dazu die Buchstaben nach und nach eingeführt.
        Es wurde zwar von den Schulämtern mit dem Hintergrundwissen der Rechtschreibentwicklungsstufen unterstützt, dass man das Falsche bei Geschichten in 1/2 zuerst, als der alte Lehrplan 2000 eingeführt wurde, nicht verbessert, doch wir standen auf der anderen Seite unter starkem Einfluss des Rechtschreibprogramms (Zauberlehrling) von Ute Steinleitner, die damals auch den Rechtschreibteil des Lehrplans mitgeschrieben hat. Dieses Programm bot damals eine Alternative zum sturen Lernwörter üben. Spätestens in Klasse 3 haben immer mehr auf die Rechtschreibung bei Geschichten Wert gelegt – bei immer mehr fließt dies wieder in die Benotung mit ein. Bei der Überarbeitung von Geschichten war die Rechtschreibung ebenfalls ein Thema.
        Bei anderen Texten stand es außer Frage, dass dies rechtschriftlich richtig dastehen sollte. Inzwischen sind wir wieder bei einem guten Rechtschreibbewusstsein angelangt.

      • @OlleSchachtel
        Ihr Kommentar gefällt mir, insbesondere der erste Satz.
        Mich stört ebenfalls, dass die Nutzung des eigenen Hirns verpönt ist und wieder eine Zeit herrscht, in der es als fortschrittlich gilt, andere für sich denken zu lassen, Behauptungen nachzuplappern und den eigenen Verstand links liegen zu lasen.
        Ich habe mich in meinem Leben (das auch den Beruf einschließt) nie unfreier und bevormundeter gefühlt als in den letzten Jahren. Das liegt nur zum Teil an „den neuesten Ergüssen, die der Markt gerade hergibt“. Auschlaggebender finde ich die bereitwillige Zustimmung vieler Leute, die gern auf andere herabschauen und über sie lästern, wenn diese noch den eigenen Verstand benutzen und mündig statt modisch urteilen.

    • Sie sind halt als Außerirdischer ein Chamäleon.

  19. Ich verstehe nicht, warum diese Diskussionen immer so entgleisen und sich so vom Thema entfernen.

    Die These, dass die obengenannte Methode die Rechtschreibleistung verschlechtert, ist doch legitim.
    Als Antwort kommt dann:

    „Machen wir ja gar nicht“
    „Es gibt ganz andere Gründe“
    „Mach mich nicht an, ich kriege schließlich nur A12“

    Was ich nicht verstehe, ist die Vehemenz mit der Methoden verteidigt werden, von denen abnehmende Schule vermuten, dass sie nicht das Gelbe vom Ei sind. Hinter der Verteidigung stehen aber genau so wenig belastbare Daten wie hinter der Annahme der SEKI-Schulen, dass die Schlechtleistungen diesen Methoden zu verdanken sind.

    Was mich freuen würde, wäre – anstatt eines Beißreflexes – wenn jemand einen AKTUELLEN Artikel oder eine Studie zur Hand hätte, die sich mit dem Erfolg oder Misserfolg genau dieser Methode beschäftigt.

    • Ich bezweifle, Frau Niemann, ob ein aktueller Artikel oder eine Studie zum Schiedsrichter taugen. Das würde nur wieder bedeuten, dass alles, was neu auf dem Markt ist, besser und erkenntnisreicher an belastbaren Daten sein muss als Vorausgegangenes.
      Auf Grund der pädagogischen und bildungspolitischen „Erfolge“ der letzten Jahre und teilweise sogar Jahrzehnte bezweifle ich jedoch diese Annahme. Ihnen sind immer AKTUELLE Weisheiten in Form von Veröffentlichungen vorausgegangen und haben diese etwa für Klärung gesorgt und die Schulen nicht reichlich oft zu Experimentierfeldern für eingebildete Gewissheiten gemacht? Und wurden Misserfolge dann nicht schöngeredet oder unter den Teppich gekehrt, um weitere, mit heißer Nadel gestrickte Reformen durchzupeitschen?

      Genauso wie Sie finde ich die Vermutung oder Feststellung legitim, dass eine Unterrichtsmethode versagt hat, weil sich mit ihr die Schülerleistungen offensichtlich verschlechterten. Ich empfinde Kritik sogar als notwendig und als Lehrerpflicht. Wer kann denn besser erkennen und dafür sorgen, dass die Schüler verschont bleiben vor Methodenwahn, als Lehrer mit ihrem Realitäts- und Praxisbewusstsein? Sie sind geradezu berufen, die Spreu vom Weizen zu trennen und nicht jedem Prediger hinterherzulaufen.

      Frau Eisenmanns „Einmischung“ finde ich mutig und verantwortungsvoll. Dass viele Grundschullehrer darüber erbost sind, ist nachvollziehbar, denn eigentlich wäre es ihre Pflicht gewesen, die Tücken von „Lesen durch Schreiben“ frühzeitig zu erkennen und der Methode eine Absage zu erteilen.
      Stattdessen wurde sie immer wieder in Schutz genommen, bemäntelt und für teilweise richtig und brauchbar erklärt, nur um sich vor einer klaren Absage herumzudrücken und die eigene rosarote Brille für diese Methode zu rechtfertigen.

  20. „Wer kann denn besser erkennen und dafür sorgen, dass die Schüler verschont bleiben vor Methodenwahn, als Lehrer mit ihrem Realitäts- und Praxisbewusstsein?“
    Als erfahrene, praxisorientierte Lehrkraft stehen Sie dann auf dem verlorenen Posten, wenn Schulämter und beurteilenden Rektoren erwarten, dass Sie die neuen Ideen umsetzen. Junge Referendare kommen mit enormen Selbstbewusstsein aus dem Studium und den Seminaren und meinen, nur ihre gehörte und gelernte Art ist richtig. Wenn dann noch ein paar junge KollgInnen, kaum praxiserfahren, von Schulämtern, Verlagen und manchmal von Lehrerverbänden hoffiert werden, dann können Sie sich vielleicht vorstellen, in welchem Dilemma manche erfahrene Lehrkräfte stecken. Immer wieder habe ich das auf Fortbildungen erlebt; da will mir jemand mit größter Selbstverständlichkeit etwas erzählen und Vergangenens beurteilen, der kaum Erfahrung hat.

    • Ich lasse mich nicht vom Reformwahn unter Druck setzten. Ich probiere Dinge aus und stelle fest, ob sie für mich und meinen Unterricht praktikabel oder tauglich sind. Referendare haben ( wie ich damals auch) großen Ethusiasmus, ich lasse mich von ihren Ideen anstecken und schau mir das ab, was mich weiter bringt, der Rest erledigt sich nach zwei bis drei Berufsjahren von selbst.
      Bei der Methode „freies Schreiben“ hatte ich damals schon ein schlechtes Bauchgefühl. Ich glaube sie ist übergeneralisiert worden. Was ursprünglich zur „Kreativität, Freude am Schreiben zum Aufsatz hinführen sollte, ist zum Teil zum allgemeinen Schreiben wie man es hört, verändert worden.
      Fakt ist, dass die Kinder inzwischen in der 3. Klasse deutlich schlechter in der Rechtschreibung sind. Das sie selbst einfache Wörter falsch schreiben. Ich denke Wörter wie : Sonne, Nase, Mond, wir….sollte man in Klasse 3 schreiben können. Also ist doch was schief gelaufen. Daran muss man arbeiten.

      • Sichere Rechtschreibung und Grammatik, starke Ausdrucksweise und eine gut lesbare sowie formschöne Handschrift hinderten meine SuS nicht daran, super Aufsätze zu schreiben.
        Vor diesen geistigen „Ergüssen“ verblassen doch oft die so genannten „kreativen Schreibkünstler“, die ihre Schmierereien voller Fehler manchmal selbst nicht lesen können.
        Bei uns wurde noch eine Stunde vorgeschrieben, und dann erfolgte die Reinschrift. Kommt das heutzutage noch jemandem bekannt vor?

        • Natürlich!
          LerhplanPLUS Bayern, Deutsch 3/4: Lernbereich: Texte überarbeiten:

          „Die Schülerinnen und Schüler …
          – geben zentrale, konkrete Anregungen und Hilfestellungen für Texte und heben dabei die Stärken und gelungenen Elemente hervor.
          – nehmen zentrale Anregungen für die Überarbeitung auf und setzen sich dazu jeweils ein konkretes Überarbeitungsziel (z. B. Erhöhung der Lebendigkeit und Spannung).
          – überarbeiten ihre Texte rechtschriftlich nach Fehlerschwerpunkten sowie hinsichtlich der sprachlichen Richtigkeit (z. B. zum Zweck der Veröffentlichung) und nutzen dazu auch Beratung und Hilfestellungen.
          – gestalten ihren fertigen Text ansprechend und passend zur Textfunktion (z. B. indem sie Absätze schaffen oder Bilder hinzufügen, ggf. auch mithilfe des Computers).

    • Nicht zu vergessen der Druck, der auf Lehrkräfte ausgeübt wird, die noch auf Widerruf (zur Probe) verbeamtet sind. Ferner auf die, die sich um irgendwelche Funktionsstellen bewerben. In größeren Systemen kommt noch der Druck hinzu, den die Fachschaften aufbauen können.

      Es bleibt allenfalls eine kleine Hand voll älterer auf Lebenszeit verbeamteter Lehrkräfte, die Rückgrat zeigen können. Aber dieses gewinnt erheblich an Flexibilität, wenn sie erfahren, dass ihnen eine Abordnung droht oder drohen könnte.

    • Zitat:
      „Wer kann denn besser erkennen und dafür sorgen, dass die Schüler verschont bleiben vor Methodenwahn, als Lehrer mit ihrem Realitäts- und Praxisbewusstsein?“

      Mittlerweile erkennen es sogar Wissenschaftler, denn nach deren Untersuchungen zeigt keine der sogenannten SRL-Methoden (selbstreguliertes Lernen) gegenüber dem instruktiven Unterricht Vorteile – und zwar nicht einmal in den Bereichen Motivation bzw. Metakognition.

  21. Die Welt dreht sich unermüdlich weiter, auch die Anforderungen und Eindrucks- Lebens- und Erfahrungswelten erweitern sich für Schüler- und Elternschaft. Logisch, dass auch regelmäßig Lehr- und Arbeitspläne weiter entwickelt werden müssen, auch dass man lernen muss, dass eine heterogene Schülerschaft in einer Klassenstufe eben auch den „Nachteil“ hat, eben in Vergleichstests nicht mehr vorne zu sein. Aber was heißt das schon? Selektion schafft auch jede Menge Verlierer und Baden-Württembergs Kinder haben trotz erheblichem Migrationsanteil gute Ergebnisse in der Breite. Sogenannte Spitzenwerte erreichen andere BL unter anderem, indem sie entgegen des UN Behindertenrechts nach wie vor Inklusion aussitzen. Jetzt Druck auf die Grundschulen zu machen ist daher unfair. Man sollte statt dessen überlegen, wie man Schulen und Pädagogen sinnvoll ausstatten, bzw. unterstützen könnte. BW als Geberland kann es sich weiß Gott leisten, hier die richtigen Ansätze zu finden, um anderen BL auch zu zeigen, wie man es richtig macht.

    • „Man sollte statt dessen überlegen, wie man Schulen und Pädagogen sinnvoll ausstatten, bzw. unterstützen könnte. “

      Ja, sehe ich auch so.

      • Ich nicht! Erst falsche Bildungspolitik oder Lehrmethoden betreiben, dann feststellen, dass sich der Unterricht schwierig gestaltet und Misserfolge zeigt. Schließlich das Heil in mehr Geld für sachliche und personelle Austattung suchen, weil mit diesem Mehraufwand hoffentlich strategische Fehler ausgebügelt werden.
        Da fragt sich doch jeder, ob nicht irgendetwas faul ist in der Einschätzung von Ursache und Wirkung sowie Fehlerbeseitigung.
        Jede Firma (auch Privatschule) wäre umgehend pleite, wenn sie sich bei mangendem Erfolg falsche Diagnosen leistete und mit immer höherem Geldaufwand Defizite zu beheben suchte, die auf Managementfehlern beruhen statt auf gesuchten Falscherklärungen.
        Aber nein, was nicht sein darf, das nicht sein kann. Die Gedankengebäude heutiger Pädagogik und Bildungspolitik dürfen nicht angetastet sein.

        • liebe Geli, bitte mal die Augen öffnen und schauen, was sich in den letzten 20 Jahren so in unserem Umfeld getan hat. Die nach Konfuzius antrainierten Lernmethoden in 36 er Klassen Frontalunterricht und drohen durch elterliche Züchtigungen, wie es zu unserer Kindheit üblich war, geht heute eben nicht mehr! Die Anforderungen an das Leben und mögliche Arbeit bzw. Berufe sind heute völlig anders. Hätten wir uns als heutige Erwachsene nicht weiter entwickelt, streiten, verlieren und gewinnen gelernt, säßen wir hinter verschlossenen Vorhängen und würden auf unsere Bezüge warten. In Shanghai werden aus jeder Jahrgangsstufe die besten 20 Schüler jedes Jahr an eine weiterführende Eliteschule aussortiert, die vor lauter auswendig lernen nicht mehr in der Lage sind zu denken, sondern nur darauf warten, das Fakten abgefragt werden. Die besten landen dann bei Apple und Co., um Handys und Tabletts zusammen zu schrauben, weil sie trainiert wurden, Prozesse auswendig zu lernen. Shanghai ist PISA und OECD Sieger, doch niemand braucht in Europa diese Art von Mitarbeitern. Hier brauchen wir Leute, die Prozesse entwickeln und innovativ produzieren, forschen und optimieren können. Dies kann nur geschehen, wenn man das lernen lernt, kritisch denkt und aufrichtig hinterfragt. Das dies einigen Pädagogen heute nicht in den Kram passt, ändert nichts an der Tatsache, dass es in erster Linie um die Zukunft unserer Kinder geht und nicht um die Zukunft unserer Pädagogen, wie sie es gern hätten. Daher müssen sich Bildung und Ausbildung sowohl sächlich, als auch personell anpassen. Bildung ist nicht für einen Apfel und ein Ei zu haben, auch werden in Deutschland nicht wie in Indien 60 Kinder in einem Raum sitzen und dem Lehrer oder Lehrerin die Buchstaben vom Mund ablesen. Hier kommt es, wie Hattie sagte, auf den Lehrer und die Lehrerin an.

          • Warum sind dann Schüler aus Shanghai, China usw. auch beim kreativen Aufgabenlösen den unseren weit voraus (siehe Pisa)?

          • Wie kommen Sie darauf, dass ich mit geschlossenen Augen durch die Welt liefe, wohingegen Sie den scharfsichtigen Durchblick haben?
            Ich sehe seit Jahren eine zunehmende Zahl an Arbeitgebern, die dringend Nachwuchskräfte brauchen, aber vielen Schulabgängern einen Ausbildungsplatz absagen müssen, weil diesen bei näherem Hingucken elementarste Kenntnisse fehlen.
            Und an den Hochschulen heißt es: Den Studienbewerbern fehlt es zunehmend an Studierfähigkeit. Auch hier bestehen Wissens- und Könnensdefizite, die zu nachschulenden Förderkursen zwingen, damit überhaupt ein Studium begonnen werden kann.
            Das sagen mir meine auf die Realität gerichteten Augen, die sich nicht gern Potemkinsche Dörfer vorgaukeln lassen, auch wenn dies noch so sehr Mode oder Taktik ist.

        • Anders herum kann man es auch deuten:

          Erst die Stundentafeln und Förderstunden zusammenstreichen,
          dann die Curricula erneuern und unendlich viele neue Inhalte hinein stopfen, die zuvor von älteren Kindern zu leisten waren,
          und hinterher darauf kommen, dass die Rechnung nicht aufgeht,
          dann aber den Lehrern alles in die Schuhe schieben.

          Da sollte sich jeder Fragen, wo Ursache und Wirkung sind!

          Dann aber eine Methode, die kaum verbreitet ist, noch anzuprangern und verantwortlich zu machen für schlechte Rechtschreibleistungen, ist wirklich eine interessante Herangehensweise.

          Bestimmt ist Reichen auch dafür verantwortlich, dass Kinder zur Einschulung nicht bis 5 zählen können, das 1×1 nicht behalten, die Schuhe nicht schnüren können, keinen geraden Strich zu Papier bringen, nicht Radfahren lernen, nicht warten können, dass sie Logopädie benötigen… und für vieles andere mehr.
          Fehlt nur noch eine Studie, die diesen Zusammenhang darlegt.

          Aber bestimmt wird sich dank des Verbots in BW bald alles zum Guten wenden.

          • Ich warte die ganze Zeit darauf, was man findet, um den Gymnasiallehrern in die Schuhe zu schieben, warum das Niveau des Abiturs so gesenkt worden ist und gesenkt werden musste.

  22. weil es nicht um kreatives Aufgabenlösen ging, wie wir es verstehen, sondern darum, verschiedene auswendig gelernte Lösungswege anzuwenden. Das ist vergleichbar, wenn man verschiedene Sprachen beherrscht, die Vokabeln aus der jeweiligen Sprache herauszusuchen, die einen Begriff treffend beschreiben könnte. Kognitive Eigenschaften, soziale Kompetenzen, Freigeist, physikalische, chemische oder biologische Prozesse sind nicht Inhalt dieser Studien. Als Zweitplatzierte werden auch immer skandinavische Länder und Kannada benannt, die sehr wohl nach neuen pädagogischen Methoden arbeiten. Finnland überlegt momentan, generell Unterrichtsfächer abzuschaffen, um sich auf Lebenskompetenzen, also lernen fürs Leben zu konzentrieren. Das kann Europa beispielsweise helfen, seine industrielle Bedeutung zu erhalten.

    • Nur dass Finnland mit dem reformierten Unterrichtsstil gnadenlos (bei PISA) gescheitert bzw. abgestürzt ist. Die ganzen von Ihnen geforderten Bildungsziele sind durch die Kompetenzorientierung in ein Nichts oder ein inhaltsarmes bla-bla aufgelöst worden. Um die industrielle Bedeutung zu erhalten, muss wieder verstärkt auf Fachwissen zurückgegriffen werden. Schließlich waren es die Wissenschaftler und Ingenieure, die Europa und speziell Deutschland zu der wirtschaftlichen Macht verholfen haben, die es heute noch hat. China ist aber drauf und dran, alle anderen abzuhängen.

      • @ xxx,

        worauf bezieht sich der gnadenlose Absturz??? Soweit ich weiß, ist Finnland ein paar Plätze nach unten gerutscht?

        • Wurde hier auf news4teachers schon berichtet:

          Finnland war jahrelang sehr lehrerorientiert. Kurz vor der besagten PISA-Studie stellte Finnland auf Schülerorientierung um, die sehr guten Ergebnisse resultierten noch aus der Lehrerzentrierung, die Folgen der Schülerzentrierung sieht man im Absturz.

      • Axel von Lintig

        @ xxx

        Es gibt zum Absturz der finnischen Schüler eine Untersuchung von David Heller Sahlgreen. Er ist ein schwedischer Bildungsforscher , der an einem englischen Institut( New British Institut of Economics) arbeitet. Der fand heraus, dass die finnischen Schüler beim ersten PISA Test nach sehr stark instruierenden und am Lehrer orientierten Methoden unterrichtet wurden. Veränderungen in der Lehrmethode machen sich erst nach 10 bis 15 Jahren bemerkbar. Die damals geprüften Schüler waren mit einer sehr viel strengeren Methodik als sie heute praktiziert wird, unterrichtet worden.

        • Genau das meinte ich ja mit meinen Kommentaren.

          Darüber hinaus stimme ich Ihnen auch mit den 10-15 Jahren zu. Dummerweise sind 10-15 Jahre drei Wahlperioden mit mindestens ebenso vielen Anträgen für neue Forschungsbudgets. Daher muss alle paar Jahre eine neue Sau mehr oder weniger unkontrolliert durchs Dorf getrieben werden, ohne dass die Veränderung durch die vorherigen Sauen auch nur ansatzweise absehbar sind.

          • Axel von Lintig

            XXX
            Und so wird mit jeder Neuerung, die das Lernen der Schüler erleichtern soll, ständig das Niveau der Grundschüler herabgesenkt.

    • „Genialität ist 90 Prozent Transpiration und 10 Prozent Inspiration.“
      (A. Einstein)

    • Beruht nicht Erfahrung auch auf Anwendung verschiedener (auswendig) gelernter Lösungswege bzw. Strategien? Ist es nicht das, was ältere Arbeitnehmer ihren jüngeren voraus haben?
      Je mehr Strategien ich zur Verfügung habe, desto besser kann ich Herausforderungen bewältigen.

    • Aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung
      „Ein Unterricht anhand der Fragen der Schüler oder Gruppenarbeit, beides steht nicht so gut da. Schulsysteme, in denen die Jugendlichen mehr Zeit mit „Hausaufgaben, Zusatzunterricht oder selbstständigem Lernen verbringen“ schnitten tendenziell schlechter ab, heißt es in der Präsentation der Pisa-Ergebnisse.“

      http://www.sueddeutsche.de/bildung/qualitaet-in-der-lehre-verstehen-statt-pauken-1.3289415-2

  23. xxx, sorry, das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der wirtschaftliche Erfolg in Europa ist von vielen Faktoren getragen, von Unternehmer- und Erfindergeist, Fleiß, Kultur und in der Hauptsache Bildung. Aus dem Willen, dem inneren Antrieb erfolgreich zu sein, ein Lebensziel zu haben und eine Funktion in der Gesellschaft zu haben, erwächst der Drang zum lernen, zur Fort- und Weiterbildung und zur Disziplin, dies durchzuhalten. Das ist es, was uns China nun „voraus“ hat, also den Drang der Menschen, runter vom Reisfeld, hoch zum Ingenieur. Über Jahre durften Familien nur ein Kind haben, also hatten alle eins und steckten alle Kraft und Zeit in Erziehung und Bildung. Wenn Sie das in Europa versuchen würden…. Wir leben in Europa wie die Made im Speck und niemand ist gezwungen, überhaupt etwas zu machen, es wird ja auch jedem jeder Weg freigegeben. 17.000 Studiengänge an Unis in NRW, da wird doch was dran sein und bei der Beschäftigtenzahl vs. Arbeitslosenzahl, wird bestimmt ein Job dabei sein, der einen trägt. Wozu dann in der Schule anstrengen?
    Ich möchte es nicht weiter ausmalen, welche Motivationen die heutige Schüler,- Azubi-oder Studentengeneration hat. Da hilft weder Pisa, noch machen Vergleiche mit China wirklich Sinn. Hier fehlen Lebens- und Sozialkompetenzen, Wettbewerbe um die besten Köpfe und Motivation und Wertschätzung den besten Schulen und Lehrern. Warum lassen Unternehmer ihre Kinder in der Schweiz, in den USA oder in Neuseeland aufs Internat gehen? Sie sollen dort in der Fremde, Lebenskompetenzen ohne Mami und Papi lernen. Darüber, und nicht über Lernbulimie sollten wir nachdenken. Pisa und OECD sind nur Teile im Vergleich, das Gesamtbild ist der Mensch, der in einfachen Dingen schon von Robotern und Computern ersetzt wird.

    • Ich habe das dumpfe Gefühl, dass Sie mit Ihrem Kommentar meine Haltung bestätigen und Ihre eigentliche Haltung torpedieren.

      Wir fordern beide „Unternehmer- und Erfindergeist, Fleiß, Kultur und in der Hauptsache Bildung. Aus dem Willen, dem inneren Antrieb erfolgreich zu sein, ein Lebensziel zu haben und eine Funktion in der Gesellschaft zu haben, erwächst der Drang zum lernen, zur Fort- und Weiterbildung und zur Disziplin, dies durchzuhalten.“ und bemängeln beide die fehlende „Motivationen die [die] heutige Schüler,- Azubi-oder Studentengeneration hat.“

      Wir unterscheiden uns allerdings deutlich in den Konsequenzen, die unserer jeweiligen Meinung nach daraus gezogen werden müssten. Sie fordern noch mehr neue Methoden, noch mehr Schülerorientierung, noch mehr Förderung und damit aus meiner Sicht weg von Fleiß, Bildung (im Sinne von Fachwissen), intrinsischer Motivation, Disziplin, Durchhaltevermögen. Ich behaupte mal, dass gerade _wegen_ der intensiven Förderung lehnen sich die Schwachen, Unmotivierten, Faulen noch weiter zurück, weil sie notfalls auch gegen den eigenen Willen zum Abschluss gezogen werden.

  24. @ SR50, nein, wieso eher für die Elternschaft?

    Eine Mutter sagte mir unlängst, ihr Sohn habe nach dem „IntraActPlus-Konzept“ an seiner Grundschule Lesen und Schreiben gelernt und keine LRS entwickelt wie der ältere Bruder, der nicht nach diesem Konzept unterrichtet wurde. Und die zitierte Kundin verwies ja auch darauf, selbst als Schulkind nach diesen Prinzipien Lesen und Schreiben gelernt und nicht wie die eigenen Kinder eine LRS entwickelt zu haben.

    Für die Elternschaft allerdings womöglich in dem Sinne, dass das Konzept gegenwärtig nicht an den meisten Grundschulen praktiziert wird; die Eltern also zu Hause nacharbeiten müssen.

  25. Einen Nachteil hat die ganze Debatte in Bezug auf den Deutschunterricht:
    Es gibt Bereiche aus dem Deutschunterricht, die man nicht im großen Maße objektiv vergleichen kann, z.B. Textproduktionen und Präsentieren. Letztendlich kann man die Rechtschreibung, das Lesen und die Grammatik annähernd objektiv vergleichen, Textproduktionen, mündliche Äußerungen und das freie Sprechen nicht.
    Da man Textproduktionen (Texte verfassen) nie objektiv vergleichbar in größerem Maß testen kann, hat man darüber auch wenig Untersuchungen bzw. Ergebnisse. Bei VERA 3 hat man in den vergangenen Jahren bisher nur wenige Versuche unternommen, doch, wie ich mich erinnern kann, war das Ganze ziemlich fragwürdig in Bezug auf Objektivität. Die Anforderungen an Textproduktionen sind von ca. 1970 bis ca. zum Jahr 2000 gestiegen, dennoch kann man in den letzten Jahren beobachten, dass es immer mehr Schüler (ohne Migrationshintergrund) gibt, die einen vereinfachten Wortschatz haben.
    Die heutigen Schüler sind mit Sicherheit wesentlich besser im Referate halten und präsentieren.

    • Axel von Lintig

      @ ysnp
      In der DESI-Studie von 2007-2008 mit 11.000 Schülern, geleitet von Günther Thome kam heraus,dass Lesen den Wortschatz mit 0,59, das Sprachbewusstsein mit 0,61, die Argumentation mit 0,61 und die Textproduktion mit 0,46 beeinflusst.
      Will man an einer Erweiterung des Wortschatzes der Schüler arbeiten , der wie sie sagen in den letzten Jahren mehr und mehr verfällt, sollte man mehr das Lesen durch interessante Literatur fördern. Wie kann man diese dazu bringen mehr zu lesen? Dazu muss man diese natürlich kennen. Wie kann man sie mitreißen?
      Wahrscheinlich wird viel zu wenig zu Hause gelesen. wenn man in der frühen Jugend wenig gelesen hat wird es später umso schwieriger.

  26. Die Kultusministerin sagt etwas zu ihrem Ressort, also etwas inhaltliches zum Thema Unterricht und die Gewerkschaft der Lehrer spricht von einer Einmischung inkl. negativem Attribut …
    Wie kann es sein, dass sich eine GEW so ins Zeug wirft wenn die Chefin aller ihrer Mitglieder eine Arbeitsanweisung formuliert ??

    Da sehe ich doch das eigentliche Problem, nicht in der Qualität der Schule weder GS noch später im GYM, sondern in der Mentalität der Menschen die in diesem Bereich arbeiten und sich jedwede Einmischung verbieten, soagr von der eigenen DIenstherrin, geschweige denn es wären Eltern und die würden die eigenen Methoden kritisch hinterfragen ???

    Wo leben diese Menschen denn ?? Ist das jetzt die Freiheit der Leere (kein Rechtschreibfehler!) oder hat da nur jemand aus der GEW heftig fabuliert ??

    Das Problem in der deutschen Schule ist zu 80% das System. Teil davon ist die Kultushoheit der Länder und der Status der darin Arbeitenden. Dazu kommen sehr schlechte Ausbildungen (Studium) die oft ohne konkreten Bezug zur Praxis sind. Wenn z B Studierende im Fachbereich Lehramt Grunschule nach den Gründen für die Wahl dieses Studiengangs gefragt werden, dann ist die Antwort die am meisten gegeben wird die Menge der Ferien mit 54% aus 2010 (Landau).

    Wenn nicht die Menschen die in diesem System arbeiten und zum Teil auch daran verzweifeln anfangen etwas ändern zu wollen, dann wird mittelfristig die Regelschule ein Auslaufmodel sein und private Schulen werden die „guten LehrerInen“ und die wohlhabdenden Kinder versorgen. Vorbild dazu ist dann wieder die USA, leider.

    Aber sich dann hier wegen des richtigen Namens des Freien Schreibens nach Reichen zu beharken ist doch witzlos, oder ??

    Dieser Ansatz führt aktuell dazu, dass wir nicht mehr eine Quote von 8-12% LRS Kinder haben sondern zu 22-28% von Kindern die LRS schwach getestet werden und erheliche Probleme mit der Orthographie haben und zwar aufgrund dieses, vielleicht ja auch, schlecht durchgeführten Ansatzes.

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