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Biologie-Projekt: Wölfe und Rothirsche werden mit Sendern ausgestattet – Forschungsfrage: Was machen Räuber und Beute genau, wenn sie sich treffen?

JESSEN. In Deutschland streifen inzwischen Hunderte Wölfe durch die Landschaft. In einem Pilotprojekt wird nun untersucht, was Rothirsche und Wölfe tun, wenn sich die Raubtiere auf 150 Meter nähern. Und was das für Auswirkungen auf Wald und Heideflächen haben kann.

Wie verhält sich ein Wolf, der in Sachsen-Anhalt auf Rothirsche trifft? Foto: Mas3cf / flickr (CC BY-SA 4.0)

Wie verhält sich ein Wolf, der in Sachsen-Anhalt auf Rothirsche trifft? Foto: Mas3cf / flickr (CC BY-SA 4.0)

Forscher untersuchen an der Grenze von Sachsen-Anhalt zu Brandenburg, wie sich das Jagdverhalten von Wölfen auf Rotwild auswirkt. Für das Projekt «Räuber und Beute» in der Glücksburger Heide bei Jessen (Elster) wurden 15 Rothirsche und das erste Wolfsweibchen mit Sendern bestückt, wie Wildbiologe Frank-Uwe Michler am Dienstag sagte. Zehn Hirsche und ein Wolf sollen noch «besendert» werden. In dem Gebiet lebe ein Rudel mit neun Jungwölfen und viel Rotwild sowie Wildschweine und Rehe. Die Technik sei so eingestellt, dass sie Bewegungen exakt aufzeichnet, wenn sich Wolf und die mögliche Beute mit Sender auf 150 Meter annäherten.

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«In Deutschland fehlen wissenschaftliche Daten über das Raumverhalten von Beutetieren und Raubtieren», erläuterte Michler, der am Fachbereich Wildtiermanagement der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Brandenburg) tätig ist. Die Glücksburger Heide gehört zu drei Rotwild-Projekten der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit den Eberswalder Forschern auf Gebieten des Nationales Naturerbes mit fast 10 000 Hektar Fläche. Dazu zählen auch die Oranienbaumer Heide (Sachsen-Anhalt) und die Region Altwarp in der Ueckermünder Heide in Vorpommern.

«Insgesamt wird untersucht, wie Heideflächen auch auf ehemaligen Truppenübungsplätzen – wo sich Wölfe gern ansiedeln – von Wald freigehalten werden können», sagte Michler. Dafür sei Rotwild sehr wichtig. In der Oranienbaumer Heide wurden zudem 160 Heckrinder und Pferde einer alten Rasse angesiedelt, die 800 Hektar beweiden. Nun werde untersucht, welche Auswirkungen die Ansiedlung auf das  Rotwildverhalten habe. In anderen Gebieten werden Wildrinder wie Wisente als «Landschaftspfleger» genutzt.

Halsband voll Hightech

Auch in der Ueckermünder Heide sollen Nutztiere weiden, abhängig von den Erkenntnissen der Projekte. Das zwei Jahre alte Wolfsweibchen bei Jessen hat dafür ein Halsband voll Hightech: GPS-, Aktivitäts- und auch Kontaktsensoren, die mit Sendern des Rotwildes kommunizieren. «So können wir sehen, ob das Wild panisch reagiert oder stehen bleibt, wenn Wölfe in der Nähe sind.»

Die Glücksburger Heide ist historisches Rotwildgebiet und hat seit 2015 ein Wolfsrudel. Angriffe auf Nutztiere seien nicht bekannt, was auch am Nahrungsangebot des Gebietes liegen könne, meinte der Wildbiologe. Etwa zwei Jahre hielten die Batterien der Sender, dann könne man die Halsbänder abfallen lassen.

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Der Wolf wird in der EU streng geschützt, obwohl Landwirte seit Jahren eine Regulierung der ständig wachsenden Bestände fordern. Aus Polen kommend hat das Raubtier seit dem Jahr 2000 den gesamten Osten Deutschlands und Niedersachsen besiedelt. Die Zahl der Wolfsrudel stieg von 31 im Jahr 2015 auf knapp 50 im Jahr 2016. Rudel können bis zu zehn und mehr Wölfe haben, da Jungtiere meist zwei Jahre bei den Elterntieren bleiben. Dazu kommen etliche Wolfspaare und Einzeltiere.

Das ist in der Ueckermünder Heide ebenfalls so. Jäger berichten, dass auf dem riesigen Truppenübungsplatz Jägerbrück Wolfsrudel immer wieder ausgewachsene Rothirsche jagen. Eine DNA-Untersuchung ergab aber auch, dass ein Wolf trotz Schutzmaßnahmen Ende 2016 mindestens zehn Tiere in einem Damwildgehege in der Nähe gerissen hat. dpa

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