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Frankfurts Grundschulleitungen schreiben Brandbrief: Flüchtlingskinder, Inklusion, Erziehungsprobleme – aber kein Personal. Es geht nicht!

FRANKFURT/MAIN. In ganz Deutschland werden die Grundschullehrkräfte knapp. Besonders krass ist die Situation offenbar in Frankfurt am Main. Zwei Drittel der Grundschulleitungen der Main-Metropole haben jetzt einen gemeinsamen Brandbrief an Hessens Kultusminister Lorz geschrieben. Tenor: Die Aufgabenflut ist mit so wenig Personal nicht zu bewältigen!

Mit dem Brandbrief wollen die Schulleitungen aufrütteln. Foto: herval / flickr (CC BY 2.0)

Mit dem Brandbrief wollen die Schulleitungen aufrütteln. Foto: herval / flickr (CC BY 2.0)

Wie prekär die Situation ist, war schon zu Schuljahresbeginn erkennbar. „Stellen Sie sich vor, Sie bringen Ihr Kind zur Einschulung – und kein Lehrer ist da. Unvorstellbar? Leider nicht.“ So berichtete die „Frankfurter Neue Presse“ im September von einem Fall an einer Grundschule in der Main-Metropole, bei der eine von vier neuen ersten Klassen bei der Einschulungsfeier zunächst von niemandem in Empfang genommen wurde. Eine dann doch erscheinende, kurzfristig eingesprungene „Fachkraft“ (offenbar keine Lehrerin) wusste laut Bericht dann aber nicht viel mit den Schülern anzufangen.

Und so sei es die ganze erste Woche weitergegangen, so heißt es. Die nächsten Tage „liefen organisatorisch ähnlich chaotisch ab. Vertretungskräfte wurden versprochen, doch die tauchten ebenfalls nicht auf. Die Kinder standen morgens nach dem Klingelzeichen erst einmal hilflos auf dem Schulhof herum, bevor sich irgendwann eine Lehrkraft ihrer annahm.“ Die Vorsitzenden des Stadtelternbeirats wusste damals schon zu berichten: kein Einzelfall. In ganz Frankfurt fehlen nach ihren Worten Grundschullehrer.

Nicht nur in Frankfurt, so lässt sich ergänzen: Bundesweit werden die Grundschullehrkräfte knapp. Berlin beispielsweise schaltete schon Zeitungsanzeigen in Österreich und in den Niederlanden, um Pädagogen für die Primarstufe anzuwerben. In der hessischen Metropole allerdings scheint die Personalsituation an den Grundschulen mittlerweile in Richtung Katastrophe abzugleiten – Frankfurts Grundschulleitungen schlagen jetzt Alarm. 59 Schulleiterinnen und Schulleiter sowie 18 Konrektoren, die zusammen zwei Drittel der Grundschulen der Stadt repräsentieren, haben jetzt gemeinsam einen Brandbrief an den hessischen Kultusminister Alexander Lorz (CDU) geschrieben.

Beispiellos: 53 Lehrer haben beim Kultusministerium eine Überlastungsanzeige eingereicht – die meisten Brandbriefe kommen aus Grundschulen

Tenor: Es geht so nicht mehr! In dem dreiseitigen Brief schildern die Pädagogen die Lage an den Frankfurter Grundschulen drastisch: bis zu 25 Kinder in einer Klasse, von denen mitunter 20 ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingeschult worden seien. Die Familien der Kinder kämen aus verschiedenen Kulturkreisen, ihre Elternhäuser seien extrem heterogen. Viele würden elterliche Aufgaben wie die Erziehung zu Umgangsformen, die medizinische Versorgung und die Ernährung an die Schulen abtreten. Daraus erwachse für die Lehrer „eine kaum zu bewältigende Arbeitsbelastung sowohl in zeitlicher als auch in psychischer Dimension“, schreiben die Schulleiter laut „Hessenschau“, der der Brief vorliegt.

Nun drohe alles noch schlimmer zu werden, weil es an Lehrern fehle. Und das ausgerechnet jetzt, da die Flüchtlingskinder in die Schulen integriert werden sollen und immer mehr Klassen inklusiv arbeiten, also auch Kinder mit Behinderungen dazugehören. „Guter Unterricht im herkömmlichen Sinn ist unter solchen Bedingungen nur noch unter erheblichen Abstrichen umzusetzen“, so fassen die Schulleitungen zusammen. Gerade Kinder, die es besonders bräuchten, könnten nicht in ausreichendem Maße gefördert werden.

Eine Grundschullehrerin berichtet von ihrem Alltag, der sie überlastet: „Man wird krank. Körperlich und seelisch“

Die Situation sei für Lehrer und Schulleiter nicht mehr tragbar, sagt Benedikt Gehrling, Sprecher der Frankfurter Grundschulleiter, gegenüber der „Frankfurter Rundschau“. „Und es ist auch für die Kinder unbefriedigend. Wir können ihnen nicht so gerecht werden, wie wir uns das wünschen.“ In der Stadt sei „die Herausforderung exorbitant“. In den Schulen hätten tatsächlich oft mehr als 80 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund; viele dieser Kinder kämen ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule. Dazu kämen schwer traumatisierte geflüchtete Jungen und Mädchen und behinderte Kinder mit speziellen Bedürfnissen. „Die Probleme sind so multipel, für sie brauchen wir eine bessere Versorgung“, so wird Gehrling zitiert.

Viele Seiteneinsteiger eingestellt

Das Kultusministerium hat tatsächlich bereits reagiert – und verstärkt sogenannte Seiteneinsteiger eingestellt. „Derzeit werden Personen eingesetzt, die nicht als Lehrer ausgebildet sind“, sagt Gehrling laut Bericht. Sie kämen aus allen möglichen Berufen, vom Theologen bis zum ehemaligen Lufthansa-Mitarbeiter. „Da sind tolle Leute dabei, aber es wäre uns schon lieber, sie wären für die Aufgabe ausgebildet.“ Dem Schulleiter zufolge müssten Anreize geschaffen werden, um qualifiziertes Personal in die Grundschulen zu bekommen. Mehr Gehalt zum Beispiel. Eine höhere Besoldungsstufe für Grundschullehrer also.

Das Kultusministerium in Wiesbaden sieht aber in einer höheren Besoldung nicht die Lösung. „Das Problem ist eher, dass nicht genug Personal vorhanden ist“, so erklärt ein Sprecher gegenüber der „Hessenschau“. Kurzfristig seien an Hessens Grundschulen viele neue Stellen geschaffen worden, unter anderem knapp 2.000 für die Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher. Deshalb sei der Arbeitsmarkt zurzeit leer gefegt. Das Kultusministerium hat deshalb aktuell pensionierte Lehrkräfte angeschrieben – und lockt sie mit höheren Bezügen als zu ihrer regulären Dienstzeit. Für die übrigen Grundschullehrkräfte bleibt es bei A12. Heißt: Das Grundschullehramt wird auf lange Sicht nicht attraktiver. Außer für Rentner. Agentur für Bildungsjournalismus

Lehrermangel an Grundschulen: Kultusminister Lorz lockt jetzt Pensionäre – mit höherem Gehalt als im regulären Dienst

 

Parteien streiten über Lehrermangel

WIESBADEN. Der Lehrermangel an hessischen Grund- und Förderschulen ist nach Einschätzung der SPD-Landtagsfraktion das Ergebnis von Versäumnissen der schwarz-grünen Regierung. Der bildungspolitische SPD-Sprecher Christoph Degen erklärte am Mittwoch, der Lehrermangel sei im Rhein-Main-Gebiet angekommen. Deswegen könne ihn die Landesregierung nun nicht mehr verleugnen.

Anlass für die harsche Kritik Degens ist nach dessen Aussage auch ein «Brandbrief» Frankfurter Schulleiter zur Situation an ihren Schulen. Degen erklärte, dass hessenweit rund 300 Lehrer fehlten und prophezeite: «Wir gehen davon aus, dass das noch zunimmt.» Ursache für die Misere ist laut Degen, dass die Landesregierung zuerst die Lehrerausbildung auf Sparflamme heruntergefahren und dann zu spät reagiert habe, als sich der Engpass abzeichnete. Zudem mache die schlechte Besoldung den Beruf des Grundschullehrers in Hessen unattraktiv.

In der Vergangenheit habe die Landesregierung alle Initiativen der SPD, um Lehrer aus- und weiterzubilden, abgelehnt. Die vielen Überlastungsanzeigen aus den Grundschulen seien in den Wind geschlagen worden, warf Degen dem Kultusministerium vor. «Zu wenig Lehrer, zu große Klassen und zu wenig Gehalt», fasste er zusammen.

«Jetzt die Flüchtlingsbeschulung dafür verantwortlich zu machen, ist eine ganz feige Ausrede für eklatante Versäumnisse und ein bildungspolitischer Offenbarungseid», sagte der SPD-Abgeordnete. Die SPD hat einen dringlichen Berichtsantrag gestellt und fordert von der Landesregierung Aufklärung über die aktuelle Situation und darüber, welche Maßnahmen gegen den Lehrermangel ergriffen werden.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) reagierte umgehend auf die Vorwürfe der SPD und stellte ein dreistufiges Maßnahmenpaket vor, um mehr Lehrer für Grund- und Förderschulen zu gewinnen. Neben der bereits angekündigten Reaktivierung von Pensionären sollen Gymnasial-, Haupt- und Realschullehrer dafür gewonnen werden, an Grund- und Förderschulen zu unterrichten. Außerdem will Beuth die Ausbildungskapazitäten für angehende Lehrer an Hessens Hochschulen ausweiten. Die derzeit voraussehbare Lücke betrage zwischen 200 und 300 Lehrern. Das entspreche rund zwei Prozent des gesamten Stellenumfangs im Grundschulbereich.

Kultusminister weist Vorwürfe zurück

Die Vorwürfe der SPD wies Lorz zurück. Dass es nun zu wenig Lehrer gebe, liege daran, dass die Schülerzahl in den vergangenen 18 Monaten erheblich gestiegen sei. «Hessen hat seitdem rund 25.000 Schüler zusätzlich aufgenommen, die als Zuwanderer oder Flüchtlinge nach Hessen gekommen sind und die in der Regel über keine oder nur geringe Kentnisse der deutschen Sprache verfügen», teilte der Kultusminister mit. Diese Entwicklung sei vor zwei Jahren nicht absehbar gewesen.

Als «wohlüberlegtes und sorgfältig ausgearbeitetes» Maßnahmenbündel bezeichnete Armin Schwarz, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, die von Lorz angekündigten Maßnahmen. Die Kritik der SPD unterstreiche lediglich die «Plan- und Ideenlosigkeit der Opposition, die zu Regierungszeiten nicht einmal zur Schaffung der Stellenvoraussetzungen für 85 Prozent der erforderlichen Lehrkräfte» fähig gewesen sei, sagte er. Gabi Faulhaber von den Linken stellte fest, dass der Lehrermangel nicht neu sei. Bisher habe der Kultusminister jedoch die «vielen Brandbriefe» von Darmstädter und Frankfurter Grundschulen ignoriert. dpa

68 Kommentare

  1. Das ist alles überhaupt nicht verwunderlich und wurde von bestimmten Leuten who must not be named auch schon so erwartet. Ich freue mich, dass die Schulleitungen das Problem offen ansprechen, und hoffe, man findet geeignete Lehrpersonen. Aus meinem Umfeld weiß ich von zweien, ein afghanischer Lehrer und eine syrische Lehrerin, die seit 1 Jahr in Deutschkursen ‚rumhängen, aber nicht arbeiten dürfen …

    • Mutter in Hamburg

      Meine Tochter besucht die 3 Klasse in Hamburg. Ihre Klasse ist zu heterogene, um gemeinsam Mathe und Deutsch zu lehren. Statt nur Arbeitszettel zu verteilen und das Niveau ganz zu sinken (Zustand jetzt), möchtet sie dass wie in Schwimmkursen (Kind ist in schwach Gruppe dort, aber wird gelehrt und motiviert, ist begeistert), dass die Kinder nicht mehr mit Absicht in so heterogene wie möglich Gruppen verteilt sind, sondern nach grob Lernstand gruppiert wird, so dass jedes Kind kann was -gelehrt- bekommen, zusammen mit anderen Kinder, da ‚individualisiertes Unterricht‘ (wie in ihrer Schule es praktiziert wird mindestens) ist nichts ausser zeitverschwendende Arbeitsblätter Beschäftigung statt gelehrt zu werden, Tochter wird dort 0 Mathe gelehrt, schweigen von was wie Naturwissenschaft zu schnuppern, was sie begeistern würde. Mindestens für einige Fächer sollten die Kinder nach Leistung gruppiert. Dann für die andere Fächer gerne Leistung / Lernstand heterogene so dass die Kinder ihren Nachbarn zusammen sein können. Entschuldigen Sie bitte mein schlechtes Deutsch.

      • Axel von Lintigl

        Mutter aus Hamburg

        Kein Problem. Sie wollten uns sagen, dass sie es für ihre Tochter besser ist, in einer eigenen Lerngruppe mit gleichstarken Kindern eingruppiert zu werden.
        Dadurch könnte Ihre Tochter besser durch den Lehrer gefördert werden, etwa durch mehr direkte Anleitung und Rückmeldung durch den Lehrer.
        Den „individualisierten“ Unterricht halten Sie für wenig hilfreich?
        Leider ist die Schulpolitik ganz anders ausgerichtet.
        Man will, dass sich die Schüler durch eignen ständiges, selbst gesteuertes und eigen initiatives Lernen das meiste selbst beibringen, damit aus den Schülern eigenständige, mündige Bürger werden.
        Das Gegenteil wird aber erreicht.
        Kindern sich selbst das Lesen und Schreiben weitgehend Material zentriert beizubringen, ist wie das Erlernen eines Musikinstrumentes ohne Lehrer.
        Fehler , die nicht verbessert werden, behindern den weiteren Lernfortschritt, verlangsamen diesen, verhindern eine Automatisierung des Lernens von Lesen und Schreiben und führen zu antrainierten lese und schreib schwachen Schülern.
        Schließlich geht durch die Fehlerhäufung die am Anfang vorhandene Motivation verloren.
        Die Schule wird zum absoluten Frustrationserlebnis, ein Schulversagen bahnt sich bei vielen an.
        Die Praxen der Kinderpsychologen sind prall gefüllt mit diesen Schülern, welche therapeutische Zuwendung benötigen. Aber auch die vielen Nachhilfe-Institute haben viel zu tun, um die Defizite dieser Schülergeneration auszugleichen.
        Es lebe der Material zentrierte, eigenständige, selbst gesteuerte und eigen initiative Unterricht(Ironisch gemeint)!

        Mein Ratschlag.
        Sprechen Sie bitte die Lehrer darauf an, dass Ihre Tochter in einer Gruppe mit gleichstarken Schülern mit dem Lehrer gemeinsam den Lernstoff erarbeiten möchte, da sie einfach mit dem dauernden eigenständigen Lernen überfordert ist.
        Die Lehrer sollten darauf eingehen , wenn noch mehr Eltern sich so äußern und so denken. Lehrer kommt von Lehren, also direkte Wirkung eines guten Lehrers.
        Wenn die Kinder dann eigene Übungen durchführen, dann muss der Lehrer das Ganze auch sehr gut verständlich erklären.

        • Stimme Ihnen zu:
          Würden Methoden, die in der Schule propagiert und für gut gehalten werden auch im Sport oder beim Erlernen eines Instruments verwendet werden, würde jeder Mensch den Kopf schütteln.
          Leider, oder zum Glück gibt es immer noch keinen Nachweis, dass die propagierten Methoden (des selbstgesteuerten Lernens) besser sind.

        • Ich hab mir grad überlegt, wie ein Blatt Papier zur Begeisterung für ein Fach führen kann. Ich bin zum dem Schluss gekommen: gar nicht.

          • Axel von Lintigl

            GriasDi

            Sie sind genial !
            Es beschreibt die propagierte Unterrichtsmethodik extrem zugespitzt.

          • Axel von Lintigl

            Die ganze Methodik des selbst gesteuerten, eigen initiativen Lernens kommt mir vor, wie eine Metapher des Märchens „Des Kaisers neue Kleider“.
            „Er hat ja gar nichts an,“ spricht ein unbedarftes Kind aus, was niemand sehen will.

        • „Sprechen Sie bitte die Lehrer darauf an, dass Ihre Tochter in einer Gruppe mit gleichstarken Schülern mit dem Lehrer gemeinsam den Lernstoff erarbeiten möchte, (…)“

          Wie viele Gruppen sollen das denn sein oder werden?
          Wie viele Kinder sind in diesen Gruppen?
          Welche Kinder gehören in eine „gleichstarke Gruppe“, welche brauchen eine andere?

          „Die Lehrer sollten darauf eingehen…“
          „Der Lehrer“ erhält eine Gruppe von Schülern zugeteilt.
          Er sucht sie sich nicht aus.
          Er kann sie auch nicht ablehnen.
          Er wird im Rahmen seiner Stundenverpflichtung Lerngruppen zugeordnet, in denen er die angegebenen Fächer unterrichtet.
          Im Rahmen seiner Möglichkeiten des differenzierten Unterrichts ist die Lehrkraft bemüht, den SchülerInnen den betreffenden Lernstoff zu vermitteln.

          Wenn Lehrkräfte die Bedingungen an den Schulen beeinflussen könnten, dann sähen diese sicherlich ganz anders aus.

          • Axel von Lintigl

            Palim

            Die Frau hat nur die Untergliederung beschrieben , wie sie diese aus ihrer Heimat kennt. Kann man von denen nicht auch lernen.
            Wenn man innerhalb einer Schule die Schüler nach ihrer Leistungsstärke in unterschiedliche Gruppen aufgliedert, wird es für Sie und Ihre Schüler viel einfacher, da Sie viel direkter mit der Gruppe arbeiten können. Und natürlich können die Schüler auch in leistungsstärkere Klassen wechseln, oder auch wieder mehr in Fördergruppen.
            Im Gymnasium/der Realschule Bielefeld-Bethel wurde das früher so praktiziert. Man konnte innerhalb der Schule zwischen der Realschule in das Gymnasium an einem Schulort wechsel. Außerdem erlernten alle Schüler ein Musikinstrument. Gemeinsames musizieren fördert die Gruppendynamik und den Zusammenhalt.Und selbstverständlich können sie die Sportgruppen auch differenzieren.
            Und so kann auch die Inklusion unter einem Schuldach funktionieren.
            Man will doch schließlich allen Schülern gerecht werden und niemanden überfordern.
            Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.

          • Ich frage noch einmal:
            Wie viele Gruppen sollen das denn sein oder werden?
            Wie viele Kinder sind in diesen Gruppen?
            Welche Kinder gehören in eine „gleichstarke Gruppe“, welche brauchen eine andere?

          • Axel von Lintigl

            Gruppe A normal getestete Schüler ohne auditive , visomotorische oder kognitive Einschränkungen maximale Klassengröße 20 bis 25 Schüler
            Gruppe B Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf lernen 10 bis 15 Schüler maximal
            Gruppe C Schüler mit auditiv und visomotorischen Sprachstörungen
            Gruppe D Schüler ohne oder mit stark eingeschränkten Deutschkenntnissen mit 10 bis maximal 15 Schülern. Nach erreichen guter Sprachkenntnisse erfolgt der sukzessive Wechsel in die anderen Gruppen.

          • Axel von Lintigl

            Die im Artikel beschriebene Problematik ist natürlich eine Extremsituation
            Da fehlt es einfach an allem. Fehlende Lehrkräfte, feine Förderlehrer, fehlende arabische sprachige Lehrer.Chaos total.

          • … und die Gruppe a unterteilen Sie dann bitte noch einmal in drei Kompetenzstufen.

            Und dann bitte noch die Gruppe E für alle Kinder mit Förderbedarf, der aber wegen der fehlenden Zustimmung der erziehungsberechtigten nicht getestet werden dürfen oder wegen zeitspieles der zuständigen Bez.-Reg keinen Förderstatus erhalten. In einschlägigen Fachkreisen werden diese Kinder auch „U-Boote“ genant.

          • Fehlen noch die Kinder
            – mit grob-motorischen Auffälligkeiten
            – mit fein-motorischen Auffälligkeiten
            – mit sozial-emotioinalen Schwierigkeiten
            – Kinder ohne Sprachstörung, aber mit auditiven Auffälligkeiten
            – Kinder ohne Sprachstörung, aber mit Schwierigkeiten in der visuellen Wahrnehmung
            – Kinder ganz ohne Auffälligkeiten, die dann aber eben doch Schwierigkeiten beim Lernen entwickeln, die nicht klar einer dieser Gruppen zuzuordnen sind
            – Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung, die – zumindest in meinem Bundesland – keiner der bisher genannten Gruppen zugeordnet werden.
            – Kinder mit Hochbegabung in einem oder mehreren Bereichen

            Und was ist mit Kindern, die zu mehreren dieser Gruppen gehören würden?
            – Hochbegabte mit motorischen Störungen
            – Kinder mit Sprachstörung und unzureichenden Deutschkenntnissen
            – Kinder mit Hörbeeinträchtigung und Hochbegabung
            Wohin gehen diese Kinder?

            Die Kinder werden eingeschult auf der Grundlage eines 1-seitigen Gutachtens, das die Ärzte des Gesundheitsamts nach kurzer Sichtung des Kindes im Beisein der Eltern ausstellen. Allerdings ist bei fast allen Kindern angekreuzt, dass sie ohne Bedenken eingeschult werden können, gleich ob Störungen erkannt wurden oder nicht.
            Also gehören dann doch alle Kinder in eine Gruppe, oder?

          • „Die im Artikel beschriebene Problematik ist natürlich eine Extremsituation
            Da fehlt es einfach an allem. Fehlende Lehrkräfte, feine Förderlehrer, fehlende arabische sprachige Lehrer.“

            Wenn ich für die Kinder mit besonderen Bedürfnissen in meiner Klasse zusätzlich personelle Ressourcen erhielte, wäre wir ein gutes Stück weiter.
            Die Inklusion scheitert nicht daran, dass wir Kinder nicht mehr separieren und in verschiedene Räume stecken, sondern weil eben diese Ressourcen nicht gewährt werden und womöglich weniger sind, als in FöS vorhanden waren.

            Mit jemandem in der Klasse, der die Sprachen der Kinder sprechen würde, die noch nicht alphabetisiert sind, wäre das Erlernen des Lesens vermutlich einfacher. Aber selbst eine deutschsprachige zusätzliche Kraft, die sich täglich um Lese-, Sprach- und Höraufgaben mit diesen Kindern kümmern würde, gibt es nicht.

            Mit jemandem in der Klasse, der sich in Hörbeeinträchtigtenpädagogik und ihren Zusammenhängen mit anderen Beeinträchtigungen auskennen würde, wäre das Lernen für dieses Kind vermutlich noch besser zu strukturieren und gezielte Angebote würden durchgeführt werden können.

            Mit jemandem in der Klasse, der sich mit den unterschiedlichen Ausprägungen einer Lernbeeinträchtigung wie auch Wahrnehmungsstörunen unterschiedlicher Art auskennen würde, könnten auch für diese Kinder, die unter allen eingeschulten Kindern immer mehr werden, gezielte Angebote ausgerichtet werden, die im Verlauf der 1. Klasse womöglich vielen Kinder die Wahrnehmungsleistung bringen würden, sodass sie anschließend mit keiner oder sehr wenig Förderung auskommen würden.

            Mit jemandem, der Zeit für das sozial-emotional beeinträchtigte Kind hat, mit ihm Regeln bespricht, ihm zuhört, ihm die notwendige Zuwendung schenkt, ihn ermuntert und im Blick behält, bevor es aus Zwang oder Frust die nächste Regel bricht, wäre der Unterricht ruhiger, das Kind zufriedener und der Lernfortschritt höher… am Ende der Frust weniger und das Kind womöglich ausgeglichener – und alle drumherum auch.

            Mit jemandem in der Klasse, der für alle anderen auch mal Zeit hat, der anspricht, nachguckt, Tipps gibt, der mit den Begabteren die Knobelaufgaben bespricht und mit den Schwächeren die Übungen, wäre der Unterricht noch differenzierter.
            Und wenn jemand auch noch die Pausenaufsichten übernehmen würde, hätten Lehrkräfte in der Pause andere Möglichkeiten, sich kuzrzuschließen, abzusprechen und zu koordinieren mit den vielen helfenden Menschen, die zum Team gehören.

            So aber leisten Lehrkräfte diesen mehrfachen Spagat tagtäglich in bis zu 29 Unterrichtsstunden allein, einschließlich allen zusätzlichen Aufgabne, und hören anschließend, sie sollten sich mal besser kümmern, schließlich sind sie Lehrkräfte und Inklusion ihre Aufgabe.

          • Axel von Lintigl

            Das ist auch der Grund warum ich gegen die praktizierte Inklusion bin.
            Ein Lehrer alleine kann das ganze gar nicht stemmen.
            Der artige drastische Unterschiede zwischen den Schülern, wie sie diese schildern gibt es im Münsterland seltener. Auch nicht in Ahlen mit seinem hohen Anteil an türkischen Schülern nicht.Die meisten Schüler stammen aus stabilen Familienverhältnissen.Einzig die Lehrmethoden erzeugen einen Unterschied.

          • Natürlich ist das für jeden Lehrer ohne Probleme leistbar, er darf eben nur nicht unterrichten. Aber Gottlob gibt es für Unterrichtsflüchter ja genügend Schreibtischjobs fernab von Lernenden, die es einem dann ermöglichen gute ratschläge zu erteilen.

            „Ich sah den Saal schon voller, ich sah ihn schon leerer, aber immer voller Lehrer!“ – auch eine gerne genommene Fluchtmöglichkeit.

            Da ja lediglich der Genuss von Alkohol während der Dienstzeit verboten ist, muss man sich halt zwingen die verhältnisse schön zu saufen. Schüttelt man sich nach jedem Schluck, um für Außenstehende sichtbar zu machen, dass es überhaupt nicht schmeckt, ist es auch kein Verstoß gegen die ADO.

        • Mutter aus Hamburg

          Ja Herr Axel von Lintigl,

          Ja, was Sie schreiben ist die Situation meiner Tochter. Bis zu 3 Erwachsene stehen ins Zimmer aber fungieren eher als Aufgaben Verteilerinnen als Fachlehrerinnen. Das ganze Klasse war bei der Schule geraten, ins Nachmittags ADHS Therapie zu gehen.

          Altonauer Kinder Krankenhaus (AKK) in Hamburg hat mir mehrmals gemahnt, ihr dringend ohne weiter Verzögerung direkt Instruktion statt Inkusion/Kompetenz Blätter/SEGELN zu geben.

          Ich habe deswegen einen Antrag auf Befreiung von SEGELN mit Erstaz durch Tutorin aus meiner Tasche die Schulaufsicht erstellt. Ich drucke den Däumen für eine positive Entscheidung.

          Ich kann leider keinen Platz in Hamburg in eine noch anspruchsvoll lehrende Schule finden.

          Wer Leser oder Leserin eine noch anspruchsvoll lehrend Schule die in der 3 Klasse einen Platz hat und nicht teuer ist, irgendwo in Deutschland, würde gerne Schule und ort kennen. Ich muss leider wegen wahscheinlich wegen Schulpolitik umziehen.

    • Axel von Lintigl

      Pälzer
      Und warum setzt man diese Lehrer nicht in speziellen Klassen ein ?
      Ich habe auch Kollegen aus Libyen und aus Syrien, welche hier nach entsprechenden Sprachprüfungen durch Kollegen auf ihre Deutschkenntnisse und medizinischen Deutschkenntnisse geprüft wurden.
      Diese sind sehr erfahrene, motivierte Mitarbeiter, die auch gerne arbeiten gehen.

  2. „Da sind tolle Leute dabei, aber es wäre uns schon lieber, sie wären für die Aufgabe ausgebildet.“ Naja….wenn ich mir zu Hause einen Elektriker bestelle, würde ich mich auch freuen, wenn er für seine „Aufgabe ausgebildet“ wäre. Ich darf mir zu Hause keine Lampe hinhängen die nicht mindestens 5 EU Prüfzeichen und TÜV-Siegel hat, aber als Lehrer ist jeder gut genug der nicht bei 3 auf dem Baum ist. Diese Prioritätensetzung verrät alles über unsere Eliten = Markt vor Mensch.

    Ich bin froh weder in einer Großstadt, noch in einer Grundschule unterrichten zu müssen. Auf dem Lande ist die Welt halt (noch) in Ordnung.

  3. Es ist ganz klar, Schuld haben die Politiker und die Gewerkschaftsleute, denn wenn nicht so viele Lehrer in Teilzeit arbeiten würden, gäbe es womöglich gar keinen Lehrermangel !

    Warum arbeiten so viele Lehrer in Teilzeit? Wegen der Arbeitsbedingungen. Nicht wegen eines schlechten Verdienstes. Aber Letzteres ist ja das Einzige, wo Gewerkschaftler und Politiker etwas tun (wollen).

  4. Mich wundert das überhaupt nicht. Wer will unter den Bedingungen noch GS-Lehrer/in werden?

    • Das ist das eigentlich Irre an der Geschichte. Es sind unglaublich viele junge Leute – zumeist weiblichen Geschlechts -, die dieses Studium ergreifen möchten. Weil es aber so viele sind, gibt es der begrenzten Möglichkeiten wegen, eben einen entsprechenden NC, der die Zahl der Lehramtsstudierenden auf Grundschule begrenzt. Die nächste Hürde ist dann der Vorbereitungsdiest für die Lehramtsanwärter. Und so kommen dnn am Ende weniger junge Leute in die Grundschulen als Kollegen in den Ruhestand gehen. Aber so lange die „schwarze Null“ steht, ist ja alles gut.

      • Axel von Lintigl

        dickebank

        Das betrifft auch die Medizin. Auf Grund der besseren Abiturnoten sind 70 % Frauen.
        Ein großer Teil Absolventen bricht das Studium ab oder geht am Ende in die Pharmaindustrie.
        Frauen wählen dann häufiger Teilzeitstellen aus, da sie so besser Beruf und Familie vereinbaren können. Die nachfolgende Generation möchte auch keine Nachtdienste mehr leisten. Besonders ätzend sind diese im Bereich der Chirurgie. Dieses Fach wird überwiegend von Männern gewählt. Jetzt können Sie sich auch denken, warum die Chirurgie kaum noch Nachwuchs erhält. Und für den verbleibenden Rest wird es mit den Bereitschaftsdiensten immer schlimmer.
        Zum Glück gibt es noch den Zuzug von arabischen Ärzten, da sonst die Katastrophe über uns hereinbrechen würde.

  5. Wer heute auf Lehramt studiert, studiert vorzugsweise Real- oder Gymnasiallehramt. Fragt man sich warum? An der Realschule oder auch am Gymnasium klingen die Arbeitsbedingungen viel besser – weniger Stunden Unterrichtsverpflichtung bei vollem Debutat und die Bezahlung ist eine höhere. Zudem ist der Gedanke: „je höhere und exklusive (also gymnasiale)Klassen um so mehr Wert“ immer noch in den Köpfen. Auf jeden Fall studieren die Lehrämter Realschule und Gymnasium so viele, dass immer noch viele fertige Lehrer auf der Straße stehen und zudem lieber versuchen in anderen Berufen unterzukommen statt in der Grundschule oder auch Hauptschule zu unterrichten. Auch Bayern ist es nicht gelungen, andere Lehramtsabsolventen für eine Einstellung im Grund- oder Hauptschulbereich mit Nachschulung (Bezahlung A 12) zufiredenstellend zu motivieren, obwohl sie nichts unversucht ließen und Möglichkeiten geboten haben.

  6. @ ysnp, ich denke das ist falsch, was Sie da schreiben. Können Sie es irgendwie belegen?

    Ich sage, vielen geht es nicht ums Geld und nicht um das Stundendeputat, wenn sie sich für eine bestimmte Schulartenausbildung entscheiden, sondern um die Schülerklientel. Die einen können und wollen lieber mit „den Großen“ arbeiten; die anderen lieber „mit den Kleinen“. Das höre und lese ich immer wieder. Auch bei mir war es so. Dass es hingegen zu wenig Geld sei oder zu viele Unterrichtsstunden, höre und lese ich nie (außer hier, als vorgeblicher Grund für A 13).

    Ich habe einen Beleg „Warum junge Menschen Lehrer werden“: https://kurier.at/wissen/warum-junge-menschen-lehrer-werden/242.225.181

    • Schülerklientel und Unterrichtsstoff, denke ich, spielen die Hauptrolle bei der Wahl der Schulart.

      Manche Fächer und viele Themen gibt es halt erst an den weiterführenden Schulen.

    • Ich sehe da z.B. nur Lehrämter fürs Gymnasium, z.B. Germanistik, wenn überhaupt.
      http://www.studenten-insider.de/beliebte-studiengaenge/
      Zum „Beleg“: Natürlich gibt es diese Fälle, aber das kann man nicht verallgemeinern.
      Wenn die einen besser mit den Kleinen können, die anderen besser mit den Großen, ist das kein Grund sie unterschiedlich zu bezahlen und zudem ihr Stundenmaß unterschiedlich zu gestalten. Das Stundenmaß muss in Bezug auf die außerunterrichtliche Arbeit gesehen werden. Bei den Recherchen bin ich auf eine Aussage einer Berufsberaterin gestoßen, die sinngemäß rät, wenn jemand sich zu dem Lernstoff noch besonders sozial berufen sieht, dann soll er in die Hauptschule und wenn jemand bei den Kleinen besonders pädagogisch wirken will, dann in die Grundschule. Also ich sehe keinen Grund einer unterschiedlichen Bezahlung. Alle Lehrämter sollten sich im Einstieg auf der gleichen Gehaltsstufe befinden – das kann auch A 12 sein (da werden auf der anderen Seite einige, die eher fachinteressiert sind, sich Alternativen suchen) – danach wird leistungs- und dienstalterabhängig erhöht, so meine Meinung. Wenn die Lehrämter gleichwertig bezahlt werden, erst dann können wir sicherstellen, dass die Berufswahl wirklich interessenabhängig erfolgt und ich denke, dann hätten wir auch einen höheren Männeranteil an der Grundschule. Ebenso gehört ein verpflichtendes Praktikum in den verschiedenen Schularten dazu, um den richtigen Studiengang zu wählen, was inzwischen ja einige Bundesländer machen.

    • Vielleicht noch etwas zu Ihrem beschriebenen Idealismus:
      Sozialberufe zu ergreifen sind heute nicht populär. Das habe ich auch in meiner eigenen Familie erfahren. Lehrer zu sein – in den Grund-, Haupt- und Sonderschulen besonders – hat etwas mit einer sozialien Einstellung und einem sozialen Engagement zu tun. Ohne diese komme ich gerade in diesen Schultypen nicht weiter. Auch in Realschulen und Gymnasien brauche ich eine gewisse soziale Einstellung. Wenn der Lehrer dann noch von Unterricht und seinem Fach begeistert ist, ergibt diese Paarung einen Lehrer mit Idealismus. Da in unserer Gesellschaft weniger denn je dies von Haus aus soziale Denkweisen lernen, können vielleicht immer weniger mit dieser Art von Beruf etwas anfangen. (In den 80iger Jahren war Sozialpädagogik einer der beliebtesten Studiengänge im Westen.) Gleichzeitig sind die Bedingungen – jetzt komme ich wieder auf den obigen Artikel zurück – von schwierig (immer mehr soziale kaum zu bewältigende Herausforderungen) bis unerträglich geworden. Es gibt noch „Inseln“, wo man seinen Beruf mit ungetrübter Freude ausüben kann, doch diese werden immer weniger.

    • Von allen Lehrämtern ist das Gymnasial-Lehramt dasjenige mit der höchsten Arbeitszeit – zumindest laut statistischem Bundesamt von 2006. Auch wenn diese weniger Wochenstunden unterrichten müssen.

      • Das kommt sicher auf Fach und Persönlichkeit an.

        • Wie an allen Schularten.

          • Höhere Arbeitszeit? Ich habe Bekannte an allen Schulformen und muss sagen, dass dem so nicht ist. Wieso wird bitte eine Unterrichtsstunde in der Grundschule mit 1,3 berechnet und an der weiterführenden Schule (Gymnasium mit 1,6?) eine Kollegin an dem Gymnasium bekommt für stufenleitung oder Abitur Korrektur noch extra Zeit in Form von ermässigungsstunden. An den Grundschulen gibt es so wenige dieser Stunden, dass kaum ein Kollege eine bekommt, klassenleitung (auch bei teilzeit) aber inklusive und Aufsätze lesen, arbeiten korregieren und fast wöchentliche elterngespräche sind bei uns aber an der Tagesordnung. Unterricht geschieht nur noch nebenbei, do. traurig es ist, müssen wir uns mittlerweile mit so vielen Dingen nebenbei beschäftigen, dass guter Unterricht, das einzige ist, was wir kürzen können.
            Jemand, der in Teilzeit klassenleitung ist, kann nicht nach der Hälfte der Klasse die elterngespräche einstellen… eine sonderpädagogin für die ganze Schule und viele AOSF Anträge werden abgelehnt,… zahlen verschönern und trotzdem müsssen düse Kinder gefördert werden…
            selbst ohne zusätzliche Aufgaben wie Zeugnisse oder AOSF schreiben oder elternsprechwochen, Screenings für die zukünftigen Erstklässler usw., liegt meine Arbeitszeit bei über 40 Stunden, die Woche (und im den Ferien plane ich schon mal fleißig, dem Unterricht, um das nebenbei nicht auch noch tun zu müssen)

  7. Die soziale Stellung eines Grundschullehrers ist einfach nichts und völlig verkannt.

  8. @ mississippi, 18.53, da stimme ich Ihnen sogar zu, dass sich die Aufgaben des Grundschullehrers (wie aller Lehrer) in den letzten Jahrzehnten enorm erweitert (und verkompliziert) haben.

    Allerdings erkenne ich nicht, wieso das etwas daran ändert, dass die meisten sich Ihr Lehramt nach Schülerklientel und Fach ausgesucht haben.

  9. @ mississippi, 15.59 Uhr,

    naja, das sagten Sie schon oft und werden es sicher genauso oft wiederholen wie ich mein „Predigen“, dass wir Lehrer aller Schularten nicht in erster Linie mehr Gehalt, sondern Entlastung brauchen.

    Aber das kann ich mit meinen Erfahrungen überhaupt nicht bestätigen. Entschuldigen Sie, ich finde das Quatsch.

  10. @ ysnp, naja, Sie wissen zur Genüge, wie ich über die gleiche Bezahlung aller Lehrämter denke. Das will ich mir mal jetzt sparen.

  11. @ Pälzer, ich verstehe Sie, es hilft wohl auch nicht, wenn ich sage, dass ich ja nicht mississippis Meinung als Quatsch bezeichnet habe, sondern die immer wiederkehrende Aussage, die Allgemeinheit würde die Grundschullehrer – mal anders formuliert – „diskriminieren“.

    Wie soll man es anders ausdrücken? So denken doch die meisten Leute gar nicht. Ich wollte eigentlich das Wort „Verfolgungswahn“ verwenden, aber das schien mir auch nicht passend. Oder Phobie? Oder wie? Mangelndes Selbstbewusstsein? Hmmm …..

  12. Jetzt habe ich eine, glaube ich, sittsame Formulierungsvariante gefunden:

    Dieses weinerliche Selbstmitleid ist einfach furchtbar!

    (Von jemandem, die wahrscheinlich rund 4000,- Euro brutto verdient, wenn andere Leute trotz 40-Stunden-Arbeit beim Jobcenter aufstocken lassen müssen!!! Siehe Link. Und meint, wenn es 4500,- Euro brutto sind, dann hört die vermeintliche Diskriminierung durch die Allgemeinheit automatisch auf.)

    Link: https://gehaltsreporter.de/gehaelter-von-a-bis-z/bildung-soziales/Grundschullehrer.html?keyword=Grundschullehrer

    • @ sofawolf: Ich habe doch kein Wort über die Bezahlung geschrieben. Ich meinte v.a. das Ansehen der Grundschullehrer bei den Kollegen der weiterführenden Schulen, die dauernd beklagen dass die SuS nicht mehr viel mitbringen, wenn sie ihre Schulen betreten. Dass sie erst einmal Rechtschreibung und Einmaleins vermitteln müssten. Das hört sich doch so an, als würden die Grundschulen nichts mehr leisten. Wenigstens jammere ich nicht in jedem Satz, dass ich Entlastung brauche, so wie Sie. Machen Sie es doch bei mir so, wie ich bei Ihnen: Ignorieren Sie meine unmöglichen Kommentare.

  13. Die Problematik wird schon deutlich, wenn man sich die Menge an Seminarplätzen in Frankfurt anschaut. 12 Plätze für LIV´s an Grundschulen und das seit 40 Jahren. Wer da rein will muss schon einen Härtefall haben oder verheiratet sein. Wobei letzteres nur ein sozialer Aspekt und kein Härtefall ist. Examensnoten scheinen keine Rolle zu spielen.

    Das Lachhafteste an der Sache ist: Originalzitat aus Kassel „Man kann verheirateten LIV´s nicht zumuten so flexibel zu sein wie alleinstehenden.“

    Da hilft es auch nicht, Universitätsplätze (s.o.) aufzustocken, wenn man am Ende doch nicht reinkommt.

  14. @ missis., 🙂

    naja, das mit der Entlastung schreibe ich ständig, weil ständig nur die Gehaltserhöhung gefordert wird (wobei Inflationsausgleich natürlich sein muss!) und weil andauernd so getan wird, als wäre das die Lösung gegen den Lehrermangel. Aber die meisten von uns jagen eben nicht nur dem Geld hinterher (klar, solche Leute gibt es auch) und verzichten ja offensichtlich lieber auf Geld, indem sie in Teilzeit oder vorzeitig in Rente / Pension gehen. Ich hoffe, dass Politiker und Berufsverbände da endlich mal umdenken.

    Dass die Lehrer weiterführender Schulen die Grundschullehrer „diskriminieren“, nehme ich auch nicht wahr. Ja, es gibt die besagte Kritik. Wir haben das an anderer Stelle schon zur Genüge diskutiert. Was ist denn die Alternative? Man nimmt Dinge wahr, die nicht funktionieren, aber soll seinen Mund halten? „Keine Fehlerdiskussion vor dem Feind?“ Das hatten wir in der DDR auch. Wir wissen, wo es endete. Es ist eben ein Meinungsstreit. Die einen sehen das so und haben ihre Gründe dafür; die anderen sehen es anders und haben auch ihre Gründe dafür. Sie reagieren da vielleicht doch etwas übertrieben, wenn Sie jede Kritik an der Arbeit heutiger Grundschullehrer immer gleich als Diskriminierung (insbesondere Ihrer Person) auslegen. Dann darf ja nichts mehr kritisiert werden?!? Gibt es denn nichts zu kritisieren? Ist denn alles gut? (Aber selbst, wenn Sie das bejahen, was Ihr gutes Recht ist; andere sehen das eben anders und das ist auch deren gutes Recht.)

    • @sofawolf, wenn Sie überlastet sind, dann schreiben Sie – als Beamter ist das Ihr gutes Recht – eine Überlastungsanzeige an Ihren Arbeitgeber.
      Gehen Sie aber weiterhin davon aus, dass es ebenfalls im Rahmen der Tarifautonomie aller Berufsgruppen, die mit der TdL verhandeln, ist, eine Anhebund der Tarife und eine Eingruppierungsordnung für Lehrkräfte einzufordern und diesem Forderungen mittels Streik Nachdruck zu verleihen.

      Wenn – wie @ysnp schreibt – dann im Zuge der Eingruppierungsordnung das Einstiegsamt für Lehrkräfte egal welcher Schulform mit A12 bzw. E12 dotiert wird, dann spricht auch nichts dagegen, genauso wenig wie für die Schaffung einer sechsten Erfahrungsstufe in der Entgeltgruppe 12.

      Im übrigen fordere ich ja auch nicht, dass Ihre Ruhestandsbezüge auf 43% des Durchschnittes der Grundbesoldung der letzen fünf Dienstjahre zurück geführt werden sollen.

    • Es gibt Diskriminierung von Grundschullehrkräften,
      aber Sie meinen
      – diese sei in berechtigter Kritik begründet
      – die Kritik gehöre ausgesprochen
      – die Kritik manifestiere die Benachteiligung der Lehrkräfte
      – das Ansprechen der Missstände sei eine persönliche Überreaktion von ysnp oder aber von Grundschulleherkräften

      Eine Diskriminierung ist nicht damit zu rechtfertigen, dass es Menschen gibt, die diese gut finden!

  15. @ liebe dicke bank,

    wieso glauben Sie immer, dass ich Beamter bin? Woraus schließen Sie das eigentlich? 😉 Vielleicht ist es so, vielleicht auch nicht …

    Was Sie auch unterschlagen, ist, dass – womöglich gibt es das aber nicht überall (keine Ahnung) – es für die Angestellten eine (freiwillige) Zusatzversicherung für die Rente gibt. Klar, das zahlt man selbst ein; aber der Zuschuss durch den Staat (Arbeitgeber) ist um ein Vielfaches höher. Diese Zusatzrente soll zumindest teilweise den Unterschied zur Pension ausgleichen. Haben Sie sie nicht abgeschlossen?

    Aber Sie wissen ja, Gelddinge sind mir nicht unwichtig, aber eher sekundär.

  16. @ dicke bank (II),

    wenn ich mich primär für Entlastung einsetze statt „Gehaltserhöhung“, dann geht es mir gar nicht in erster Linie um mich. Ich komme (derzeit) sehr gut zurecht. 🙂 Aber ich setze mich dafür ein, weil – wie ich ja schon mehrfach gesagt habe – ich DARIN einen Grund für den Lehrermangel sehe und nicht in einem zu geringen Gehalt.

    Ja, scheint es doch zu geben, dass es manchen nicht nur um sich selbst geht. 😉

    Mein (derzeit) bestes Argument sind die GEW-Studie, die belegte, dass die meisten Lehrer mit ihrem Gehalt zufrieden sind und die Tatsache, dass viele-viele Lehrer ja lieber auf Gehalt verzichten (Teilzeit, Frühpensionierung), wenn sie dadurch die Belastungen reduzieren können. Das sind doch auch „Gehaltseinbußen“, die einige Hundert Euro betragen. Pauschale Gehaltserhöhungen führen also vermutlich nur zu noch mehr Teilzeit und noch mehr Frühpensionierung. Die meisten von uns sind eben nicht so „geldgeil“, wie man hier manchmal den Eindruck haben muss.

    • Ich lache, die meisten Lehrkräfte sind Lehrerinnen, deren Verdienst in vielen Fällen ein zusätzliches Einkommen zum Haushaltseinkommen darstellt. Nicht umsonst ist die Teilzeitquote bei lehrerinnen höher als bei Lehrern.

      Das Entgelt ist die einzige Anerkennung, die ein Arbeitgeber für geleistete Arbeit gibt. Also bedeutet mehr Arbeit mehr Entgelt. Würde der Arbeitsumfang bei gleichem Entgelt weniger, wäre das ja auch eine Anhebung des Entgeltes.

      PS die Zusatzrente gibt es ohnehin schon, erworben durch Gehaltsverzicht. – Oder woher kommen die Zwangsabführungen an das VBL?

    • „Pauschale Gehaltserhöhungen führen also vermutlich nur zu noch mehr Teilzeit und noch mehr Frühpensionierung. “
      Das kann ich mir nicht vorstellen. Dann wäre die Rate bei Lehrämtern die A 13 und höher bezahlt werden, wesentlich höher.
      Zu der Studie: Natürlich wünschen sich hoch belastete Lehrer Entlastung, bevor sie den Beruf gar nicht mehr ausüben können. Das ist logisch.
      Wenn sie persönlich mit Ihrer Situation zufrieden sind, ist das gut so. Sie haben Ihre Gründe dafür.
      Zur Sache: Wenn jemand seinen Beruf gern macht, heißt das nicht, dass er eine ungerechte Entlöhnung der verschiedenen Lehrämter deswegen hinnehmen muss. Obwohl ich mir mein Arbeitsfeld bewusst so ausgewählt habe, habe ich meine frühere naive Ansicht geändert. Früher habe ich gesagt, ich möchte unbedingt im Grund- und Hauptschulbereich arbeiten, die Bezahlung ist mir egal (als man mir riet mindestens auf Realschule zu studieren wegen des Gehaltes). Doch je mehr ich mich mit der Thematik befasst habe, desto ungerechter empfinde ich sie. Das hat nichts mit irgendeiner „Geldgeilheit“ zu tun – was Sie gerne als Grund allen, die für eine gerechte Bezahlung eintreten, unterstellen. Es ist ungerecht und bei den Veränderungen des Berufs im Lauf der Jahrzehnte im Westen (im Süden gab’s schon vor 30 Jahren zuerst A 11, dann schnell A 12 ) zudem nicht mehr haltbar. Dann müssten Sie in der Folge den höher bezahlten Lehrämtern auch Geldgeilheit unterstellen, denn da sagt niemand freiwillig er verzichtet zugunsten auf die gleiche Bezahlung aller Lehrämter (Eingangsstufe) auf seine höhere Gehaltsstufe und seine guten Aufstiegsmöglichkeiten.
      Fordern Sie doch mal A 12 für alle, dann könnte man auch einsparen, aber aus irgendeinem Grund machen Sie das nicht.

  17. Gemessen an dem was andere Universitätsabsolventen verdienen, ist kein einziges Lehramt überbezahlt in Anbetracht von Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen und Verantwortung, die hier jede/r hat. Wer das behauptet, ist kein Lehrer oder macht es sich sehr einfach.

    • Richtig. Auch A16 für Schulleiter großer Gymnasien ist gemessen an der Verantwortung, die Anzahl des ihnen unterstellten Personals und der Arbeitsbelastung im Vergleich zu einem Firmenchef mit vergleichbarer Mitarbeiterzahl sehr wenig. Wenn man die Schüler noch dazu nimmt, ist das Gehalt eine Unverschämtheit.

  18. @ Missis.,

    ich habe auch kein einziges Lehramt als überbezahlt bezeichnet, sondern immer gesagt, dass wir Lehrer gut bezahlt werden. Ich persönlich finde sogar: sehr gut.

    Die Diskussion um A 12 oder A 13 möchte ich nicht erneut führen. Das hatten wir ja schon ewig oft. Kann man alles nachlesen.

    Eine Diskussion darüber, was welche Arbeit überhaupt „wert ist“, möchte ich auch nicht führen, obwohl das ja mal ein sehr interessanter Gedanke wäre, finde ich. Woran bemessen wir den Wert einer Arbeit? Warum ist die Lebensmittelproduktion (Landwirtschaft) eigentlich nicht die wichtigste / wertvollste Arbeit? Ist sie das nicht tatsächlich? Niemand könnte ohne Essen und Trinken leben!

    • Bei den Streiks geht es nur nicht um Besoldungsgruppem für Laufbahnbeamte (A-Besoldung) sondern um die tariflichen Entgelte für Tarifbeschäftigte der Länder, die Ausgestaltung bestimmter Entgeltgruppen mit einer sechsten Erfahrungsstufe und einer Eingruppierungsordnung, die der Willkür der Arbeitgeber bei Erstgruppierungen etwas entgegensetzt.

      Landwirte sind im übrigen genauso verzichtbar wie Lehrer. Es gibt sowohl für die Erzeugung von Lebensmitteln wie für Erziehung und Bildung die Möglichkeit, diese selbst in die Hand zu nehmen. Stichworte:
      Selbstversorger und Autodidakten.

  19. Ergänzung:

    Niemand könnte ohne Essen und Trinken leben ( = die Arbeit der Landwirte), aber alle könnten ohne Lehrer leben. 😉

    (Das sollen sich mal die vor Augen halten, die hier immer nur auf jene schielen, die noch mehr verdienen und dann mit dem eigenen Verdienst mal wieder unzufrieden sind.)

    • Ersetzen Sie mal Lehrer durch Unternehmensberater …

      • Aber wie in jeder Naturreligion muss es doch eine Übermacht oder zumindest ein erhabenes Wesen geben, das größer und mächtiger und vor allem weiser ist als die Gläubigen:)

        wer als an die Macht der Märkte glaubt, muss eben auch deren Hoheprister huldigen – egal ob er nur Konsument oder eben Selbstversorger ist.

        Ansonsten sind Unternehmensberater hochgradig spezialisiert. Während ein Selbstversorger Generalist sein muss, der von allem etwas weiß, ist ein Junior Consultant ein Spezialist, der auf einem begrenzten Wissensgebiet unheimlich viel weiß. Der Senior Consultant hat dies dann so weit perfektioniert, dass er alles über nichts weiß. – Und mit diesem Wissensstand kommt er lehrern annähernd gleich.

        • andererseits muss man verdammt viel wissen, um zu wissen, wie wenig man weiß …
          (sinngemäß nach werner heisenberg)

          dieses zitat beziehe ich aber eher auf naturwissenschaften und nicht auf flipchartbeschmutzung.

          • Scio nescire.

            Für Flipchartartisten kann man auch auf Einstein zurück greifen:

            „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit.“ Nur mit zunehmendem Wissen über das Universum muste er die Aussage bezüglich dessen Unendlichkeit zurücknehmen.

            Blöd für die Flipchartartisten – für die anderen gilt der lateinische Eingangssatz.

    • Kann man so oder so sehen. Wer seine eigenen Lebensmittel anbaut, kann auch ohne Landwirte leben.

      • Hinzukommt noch, dass die meisten erst einmal den definitionsgemäßen Unterschied zwischen den Bezeichnungen „Bauer“ und „Landwirt“ verstehen müssten.

        Eine Selbstversorgerwirtschaft schließt per se Landwirte aus.

  20. @ dicke bank

    Zitat: „Das Entgelt ist die einzige Anerkennung, die ein Arbeitgeber für geleistete Arbeit gibt. Also bedeutet mehr Arbeit mehr Entgelt. Würde der Arbeitsumfang bei gleichem Entgelt weniger, wäre das ja auch eine Anhebung des Entgeltes.“

    Im Prinzip ja. Deshalb sagte ich auch, wir können nicht alles haben: Gehaltserhöhung UND Entlastung (die einer versteckten Gehaltserhöhung gleichkommt). Wir müssen uns entscheiden. Wir verdienen alle (sehr) gut. Wir brauchen Entlastung, damit wir nicht nur gut verdienen, sondern auch gut arbeiten können!

    Übrigens sagt die Psychologie, dass eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von den Mitarbeitern wie eine Gehaltserhöhung von 2% empfunden wird. Bei Gelegenheit suche ich das mal raus.

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