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GEW beklagt Lehrermangel jetzt auch in Bayern – und fragt: Hat Spaenle die Pensionierungen zum Halbjahr verschlafen?

MÜNCHEN. Die bayerische GEW stellt fest: Hunderte Lehrkräfte wurden zum Halbjahr pensioniert – aber nicht ersetzt. Die Gewerkschaft fragt deshalb in einer Pressemitteilung: „Hat das Kultusministerium den Ersatzbedarf verschlafen?“ Das kontert allerdings: Die GEW sollte sich besser informieren, statt falsche Informationen herauszugeben. Der Großteil der ausgeschiedenen Lehrkräfte sei bereits ersetzt worden. Allerdings seien einige Besetzungsverfahren noch im Gange.

Liegt mit der GEW im Clinch: Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle. Foto: Sigismund von Dobschütz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Liegt mit der GEW im Clinch: Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle. Foto: Sigismund von Dobschütz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Seit dem regulären Pensionierungsdatum 17. Februar 2017 fehlen laut GEW Lehrkräfte für etwa 350 bis 400 Vollzeitstellen an bayerischen Grund- und Mittelschulen. Das entspricht bis zu 11.000 Unterrichtsstunden! Die Gewerkschaft fragt nun in einer Pressemitteilung, „ob das Ministerium den Personalbedarf nicht einmal mehr für ein halbes Jahr überblickt“. Die Kritik der GEW fällt eindeutig aus: „Am 17. Februar ging das Schulhalbjahr zu Ende. Bayerns Schülerinnen und Schüler erhielten ihre Zwischenzeugnisse. Hätte das Kultusministerium ein Zeugnis bekommen, würde dort für Personalplanung eine 6 stehen.“

In seiner selbst verschuldeten Zeitnot sehe das von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) geführte  Ministerium nun keine andere Lösung als den Appell an Lehrkräfte, im zweiten Schulhalbjahr ihre Stundenzahl um bis zu drei Unterrichtsstunden zu erhöhen –  mit der Aussicht, diese Mehrarbeit vom kommenden September bis Februar wieder abfeiern zu dürfen.

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Dazu meint die GEW: „Der Minister drückt sich um die Frage, ob die Kolleginnen und Kollegen ihre Unterrichtsvorbereitung oder die Zahl der schriftlichen Arbeiten kürzen sollen. Oder erwartet er, dass die betreffenden Lehrkräfte zusätzliche Abendschichten einlegen und die gemeinsame Zeit mit ihren Familien einschränken? Wahrscheinlich werden die für diese Mangelsituation verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums nicht ihre Schreibtische verlassen, um wenigsten einen kleinen Teil der Lücken in den Schulen zu schließen! Stattdessen wird es verstärkt zu Überlastungen der Kolleginnen und Kollegen und zu Unterrichtsausfällen kommen.“ “

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Nachdem die Staatsregierung über viele Jahre die Warnungen der GEW überhört habe und tausende ausgebildete Junglehrer abgewiesen habe, finde sie nun nicht mehr genügend Ersatzkräfte für die Grund- und Mittelschulen. Da offen sei, wie viele der arbeitslosen Realschul- und Gymnasiallehrer im Herbst bereit sein werden, über Zweitqualifizierungen einen Teil des Bedarfs zu decken, fordert die Bildungsgewerkschaft „das Aussetzen der höchst zweifelhaften Evaluation und des sogenannten Lotsensystems (Grundschullehrkräfte als „Lotsen“ für Schülerinnen und Schüler der Eingangsstufe des Gymnasiums). Die damit frei werdenden Stunden könnten sofort für die Deckung der größten Personallücken eingesetzt werden.“

Als langfristige Lösung betrachtet die GEW, Stufenlehrkräfte für mehrere Schularten auszubilden -und allen Lehrkräften das Eingangsgehalt A 13 zu zahlen.

Das Kultusministerium widerspricht zwar den Angaben der GEW, räumt aber ein, dass es zunehmend schwerer wird, freiwerdende Lehrerstellen noch zu besetzen. „Der massive Zustrom von Flüchtlingen hat das Schulwesen in Bayern wie in den anderen Ländern vor große und nicht planbare Herausforderungen gestellt. Bayern war hier besonders betroffen, knapp 60.000 Schüler in schul- und berufsschulpflichtigem Alter sind hier zusätzlich zu unterrichten. Entsprechend wurden u. a. über 700 Übergangsklassen an Grund- und Mittelschulen sowie über 1.100 Sprachlern- und Berufsintegrationsklassen an Berufsschulen eingerichtet. Der Bedarf an Lehrkräften war und ist durch diese enorme und nicht vorhersehbare Herausforderung durch die jungen Zugewanderten sehr groß“, so heißt es in München. Agentur für Bildungsjournalismus

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Ein Kommentar

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    Da Lehrkräfte bis zum Ende des Schuljahres, in dem sie die Altersgrnze erreichen, unterrichten müssen, sind die Planstellen noch besetzt. Sie dürfen erst nach Freiwerden neu ausgeschrieben werden, was im regelfall zu einer halbjährigen Vakanz führt. Genauso unsinnig ist die Bemessungsgrundlage der einzusetzenden lehrkräfte, die sich an den Anmeldezahlen des Vorjahres ausrichtet. Die aktuellen Anmeldzahlen aus dem Anmeldezeitraum Jan/Feb eines Jahres finden also erst ein halbes Jahr später Berücksichtigung. D.h. die stellen dürfen dann erst zum August des Jahres ausgeschrieben werden. Das Einstellungsprozedere der Schulministerien – und das nicht nur in BY – ist alles andere als zeitgemäß – zu starr, zu unfelxibel.

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