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Hauptschulen sind ein Auslaufmodell – wohin mit den Lehrkräften? Erstes Bundesland legt Aufstiegskonzept vor

STUTTGART. Hauptschulen sind eine sterbende Schulform. Die Anmeldezahlen sinken stetig. Immer mehr Hauptschulen werden geschlossen – doch was passiert mit den Lehrkräften? Andere Schularten haben Bedarf. Auf einen Wechsel müssen die Pädagogen allerdings vorbereitet werden. Wie das gehen kann, zeigt jetzt eine Initiative aus Baden-Württemberg, das damit als erstes Bundesland ein Konzept dafür vorlegt.

Die Anmeldezahlen der Haupt- und Werkrealschulen in Baden-Württemberg gehen kontinuierlich zurück. Foto: Anton-kurt /Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die Anmeldezahlen der Haupt- und Werkrealschulen gehen kontinuierlich zurück – nicht nur in Baden-Württemberg. Foto: Anton-kurt /Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Mit einer fast 40 Millionen Euro teuren Qualifizierungskampagne sollen Haupt- und Werkrealschullehrkräfte in Baden-Württemberg Aufstiegsmöglichkeiten für andere Schularten erhalten. Eine entsprechende Kabinettsvorlage des Kultusministeriums finde ihre volle Unterstützung, teilte die Grünen-Fraktion am Mittwoch in Stuttgart mit. Damit werde den Lehrern einer rapide sinkenden Zahl von Haupt- und Werkrealschulen im Südwesten eine Perspektive geboten. «Ihre Erfahrungen beim Umgang mit Heterogenität sind wertvolle Ressourcen, die wir für die Qualitätsentwicklung an unseren Gemeinschafts- und Realschulen sehr gut gebrauchen können», sagte die Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser.

Neue Kräfte nach A13 besoldet

Das Kultusministerium sah sich zum Handeln bewogen, nachdem im kommenden Schuljahr die neu ausgebildeten Werkreal-, Haupt- und Realschullehrkräfte eingestellt werden. Diese werden nach A 13 besoldet. Wenn diese dann in Haupt- oder Werkrealschulen arbeiten, werden sie als Neulinge besser bezahlt als ihre erfahrenen Kollegen. Diese erhalten bislang A 12. Der Unterschied beträgt rund 700 Euro im Monat. Überdies hat das Bundesverwaltungsgericht 2014 den Anspruch einer bereits an einer Realschule tätigen, aber als Hauptschullehrerin ausgebildeten Lehrkraft in Rheinland-Pfalz auf eine Qualifizierung für eine höhere Besoldung bestätigt.

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Boser, die sich für die auch von den Lehrerverbänden geforderte Weiterbildung stark gemacht hatte, erläuterte: «Ein integratives Bildungssystem setzt voraus, dass Lehrer schulartübergreifend arbeiten können.» Die sei gerade an den Gemeinschaftsschulen notwendig, wo Kinder mit Haupt-/Werkrealschul-, Realschul- und Gymnasialempfehlung gemeinsam lernen. Zugleich gelte es, mehr Sonderpädagogikkräfte zu gewinnen, um die Integration behinderter Kinder in allgemeinen Schulen voranzubringen. «Unser Ziel ist es, dass wir an allen Schulen passgenaue Bildungsangebote für Schüler mit Förderbedarf anbieten können.»

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Das Ministerium sieht deshalb für rund 800 Lehrkräfte, die bereits an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren – ehemals Sonderschulen – eingesetzt sind, eine einjährige Nachqualifizierung für einen sonderpädagogischen Förderschwerpunkt vor. Rund 3200 Plätze sind für Haupt- und Werkrealschullehrkräfte eingeplant, die bereits an Gemeinschaftsschulen in den Klassen fünf bis zehn und in Kürze an Realschulen arbeiten. Für bereits an Realschulen eingesetzte Pädagogen wurde schon im November vergangenen Jahres eine Weiterbildung für knapp 300 Lehrer begonnen. Rund 400 Plätze stellt das Ministerium bereit für Haupt -und Werkrealschullehrer, die noch nicht an anderen Schularten unterrichtet haben. Sie werden auf den Unterricht an sonderpädagogischen Beratungszentren vorbereitet.

Während die Qualifizierungskosten zwischen den Jahren 2016 und 2023 auf insgesamt 37,7 Millionen Euro kalkuliert werden, ist noch unklar, was auf das Land durch die höhere Besoldung zukommt. Dies hänge von der Zahl der Lehrkräfte, die die Qualifizierungen erfolgreich durchlaufen, deren Arbeitszeit sowie deren Besoldungsgruppe ab, heißt es in der Kabinettsvorlage. Für die Grünen muss die Weiterqualifizierung auch generell ausgeweitet werden. dpa

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