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Ruhestandsversetzungen nicht voraussehbar? In Bayern fehlen akut 60 Lehrer an Grund- und Mittelschulen

MÜNCHEN. Trotz umfangreicher Notmaßnahmen fehlen an bayerischen Grund- und Mittelschulen immer noch Dutzende Lehrer. Anfang März waren etwa 60 Stellen im Freistaat unbesetzt, wie die zuständige Referatsleiterin im Kultusministerium, Gisela Stückl, am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags berichtete. Hauptgrund sind 400 Ruhestandsversetzungen Anfang Februar, von denen rund drei Viertel nicht planbar gewesen seien. Von diesen 400 offenen Stellen hätten inzwischen bis auf 60 alle besetzt werden können.

Die Opposition forderte weitere Notmaßnahmen, um die Lücken schnellstmöglich zu stopfen – und auch ein längerfristiges Konzept, um solche Engpässe künftig zu vermeiden. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Simone Fleischmann, kritisierte am Rande der Sitzung, dass während des Schuljahres Dutzende Stellen unbesetzt seien, «das geht halt einfach nicht».

Bleiben kommenden Mittwoch die Klassenzimmer in Brandenburg leer? Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Nichts los? Der Lehrermangel ist in Bayern noch vergleichsweise klein. Foto:
dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Die Situation ist nach Darstellung Stückls aus verschiedenen Gründen problematischer als in den Vorjahren: Aufgrund der zunehmenden Schülerzahlen wegen der vielen Flüchtlingskinder wurden bereits zum Schuljahresbeginn alle fertig ausgebildeten Lehrer eingestellt. «Die Wartelisten sind komplett geräumt», sagte sie. Auch die sogenannte Mobile Reserve – das sind Lehrer, die bei kurzfristigen Ausfällen einspringen – wurde komplett besetzt und sogar etwas aufgestockt.

Inzwischen sind damit aber keine zusätzlichen Lehrer mehr kurzfristig verfügbar. Deshalb werden inzwischen auch Lehrer anderer Schularten an Grund- und Mittelschulen eingesetzt und teilweise ganz «umqualifiziert». Andere Lehrer stocken ihre Stunden auf, sogar freiwillige Arbeitszeitkonten wurden laut Ministerium eingeführt. Dank all dieser Maßnahmen stelle sich die Situation nicht so dramatisch dar, wie man im Februar noch habe annehmen müssen. In einzelnen Landkreisen sei die Situation aber noch schwieriger.

Weitgehend überwunden sind demnach Lehrerausfälle wegen der Grippewelle. Vor einigen Wochen mussten fast 1000 von insgesamt 30 000 Klassen anderweitig versorgt werden, jetzt ist es noch die Hälfte. «Da haben wir jetzt keinen Notstand mehr», sagte Stückl. dpa

3 Kommentare

  1. Rette sich, wer kann! Ist doch egal welches Bundesland. Die Arbeitsbedingungen sind so hervorragend, dass jeder ältere Kollege natürlich gerne den Jüngeren diese traumhaften Bedingungen nicht vorenthalten will. Es ist als reine Nächstenliebe, wenn ältere Kollegen dem Nachwuchs eine Chance geben. Dafür kann man für vorzeitiges Ausscheiden auch gerne Pensionskürzungen inkauf nehmen.

    Die Idee mit den Umqualifizierungen finde ich gut, Warumm sollen Grund- und Mittelschullehrer nicht upgraden und sich zu Gymnasiallehrern fortbilden.. Reicht doch wenn sich Hochschulprofessoren um 40% eines Jahrganges kümmern weitere 40% ihre „Lehrherren“ zur Verzweifelung treiben und 20% Polizei udn Jugendgerichte beschäftigen.

    Das Schule doof ist, können eben immer mehr Schüler ihren Lehrkräften vermitteln. Lediglich die Verantwortlichen in der Bildungspolitik haben es noch nicht mitbekommen. Aber die Referatsleiterin kanm ja noch Headhunter einsetzen, um geeignetes Personal zu ergattern.

  2. Da haben einfach ein paar ältere Kollegen gesagt: Nö, morgen komm ich nicht mehr.
    Was machen die im Ministerium überhaupt? Selbst wenn es „kurzfristig“ ist, muss das doch mehr als ein halbes Jahr im Voraus bekannt sein oder nicht???
    Das passt zu vielen Dingen, die in letzter Zeit in diesem Ministerium passiert sind.

    • Primat der Haushälter.

      Das, was beim BuPrä klappt, Gauck geht und am selben Tag wird Steinmeier vereidigt, ist für Beschäftigte im ÖD durch die Vorgaben ausgeschlossen. Da muss eine Stelle – gemeint ist Planstelle – erst wirklich vom Stelleninhaber geräumt werden, damit sie nach dem Ausscheiden ausgeschrieben werden kann. Somit werden selbst die planmäßig geräumten Stellen frühestens ein halbes Jahr später neu besetzt. Das setzt natürlich auch voraus, dass überhaupt eine ausreichende Anzahl von Berufseinsteigern mit abgeschlossenem 2. StEx zur Verfügung stehen.
      In Wirtschaft und Verwaltung sind die Chefs so davon überzeugt, dass sie solche Traumarbeitgeber sind, dass sie sich überhaupt nicht vorstellen können, dass viele ihrer Mitarbeiter liebend gerne auch unter Inkaufnahme von finanziellen Einbußen ihren Job an den Nagel zu hängen.

      Es vergeht doch kein Treffen von Freunden, Bekannten und Verwandten in der Ü50-Kohorte, der nicht im Austausch über die Möglichkeiten eines früheren Ausscheidens aus dem Unternehmen/der Behörde Richtung ATZ, Frühverrentung, Rente mit 63 etc. und den möglichen finanziellen Folgen mündet. Jeder/Jede in dieser Altersgruppe kann den genauen Tag des Renten-/Pensionsantritt doch wie aus der Pistole geschossen repitieren, wenn er nachts übermüdet und ggf. verkatert aus dem Bett geschmissen wird. Darüber solten sich einmal Personalentwickler gedanken machen.

      Wer zweibeinige Kostenstellen als kleine Rädchen im Getriebe betrachtet und sich nach dem Entfernen vieler kleiner Rädchen (Stellenstreichungen) selbst in Bedrängnis gebracht hat und jetzt nach dem freiwilligen Ausscheiden wesentlicher Funktionsteile feststellt, dass das Getriebe nicht mehr funktioniert, dafür aber von neuen Antriebstechnologien phantasiert, dem ist nicht zu helfen.

      Ursprünglich waren diese Arbeitsgetriebe auf Untersetzung hin konstruiert. Auf der Antiebsseite saßen die Chefs als kleine Rädchen und haben viele große Zahnräder angetrieben, um die Ziele zu erreichen. Die Chefs mussten schneller drehen als die abgetriebenen Werktätigen. Dieses Getriebemodell ist in den letzten Jahrzehnten so optimiert worden, dass die Chefrädchen immer größer und die abgetriebennen Arbeitsrädchen immer kleiner geworden sind und somit wesentlich höher drehen müssen. Nur auf diesen Dauerbelastungszustand ist das eingesetzte Material nicht ausgelegt. Der Vorteil ist im Gegensatz zum eigentlichen Getriebe nur, dass die Rädchen in dieser sinnbildlichen Maschinerie eigenständig und eigenverantwortlich über ihr früheres Ausscheiden entscheiden können und davon auch Gebrauch machen..

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