Startseite ::: Wissen ::: Wer Kommissar werden will, muss diskutieren können – und Rechtschreibung. Klar ist: Ohne eine gute Schulbildung läuft nichts

Wer Kommissar werden will, muss diskutieren können – und Rechtschreibung. Klar ist: Ohne eine gute Schulbildung läuft nichts

WIESBADEN. Der Beruf des Polizisten ist beliebt, die Zahl der Bewerber für eine Ausbildung zum Kommissar (wieder) hoch. Bei weitem nicht jeder schafft aber den Aufnahmetest. Ein Ortsbesuch im „Eignungsauswahlzentrum“ an der Polizeiakademie macht anschaulich, was dabei verlangt wird. Klar ist: Ohne eine gute Schulbildung läuft nichts.

Viele junge Menschen streben in den Polizeidienst. Foto: Marco / flickr (CC BY 2.0)

Viele junge Menschen streben in den Polizeidienst. Foto: Marco / flickr (CC BY 2.0)

Die Durchfallquote beim Eignungstest für angehende Polizeikommissare ist beachtlich, die Kritik über die extrem hohe körperliche und psychische Belastung der hessischen Beamten im Dienst enorm. Die Schlange der Bewerber für einen Job reißt dennoch nicht ab. Im Gegenteil: Mit 1155 Anwärtern startet dieses Jahr der größte Ausbildungsjahrgang in der Geschichte der hessischen Polizei. «Wir haben deutlich mehr Bewerber als Stellen», berichtet die Leiterin des Eignungsauswahlzentrums an der Polizeiakademie, Eva Hertel, am Montag in Wiesbaden. «Und dafür haben wir die Qualität des Einstellungstests nicht abgesenkt.»

Nach der Flaute in den Jahren 2015 und 2016 mit unbesetzten Stellen habe es entsprechende Hinweise aus der Mannschaft gegeben, berichtet der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Grün. «Da sind bei uns natürlich die Alarmglocken angegangen.» Nach einem Gespräch mit dem Polizeiakademie-Präsidenten Gert Fischer habe er aber keinen Anlass mehr, an der Qualität des Auswahlverfahrens zu zweifeln. Die Messlatte bei den Einzelgesprächen liege sogar höher als früher, und bei Themen wie Deeskalationsstrategien, Psychologie und Soziologie sei viel geschehen.

Hoher Stellenwert

Die Werbung für die Ausbildung wurde mittlerweile deutlich mehr auf das Internet, soziale Medien und in Kinos verlagert. Mit der wachsenden Terrorgefahr, dem Flüchtlingszustrom und den vielen Einbruchsdiebstähle gebe es auch einfach eine neue Zeitrechnung, erklärt Grün die Trendwende. Hertel und Innenminister Peter Beuth (CDU) erklären die Entwicklung mit im Februar rund 1000 Bewerbern mehr im Vergleich zum Vorjahr auch mit dem weiter hohen Stellenwert der Polizei in der Gesellschaft.

25 Bewerber sitzen am Montag in einem engen Büroraum der Akademie zu viert in langen Reihen und wollen Teil der neuen Zeitrechnung werden. Um 7.15 Uhr ist ihr erster Prüfungstag mit einem umfassenden PC-Test gestartet. Dabei geht es um Rechtschreibung, Konzentrationsübungen sowie einen strukturellen Intelligenztest. Drei Stunden später steht fest: Nur 13 Kanidaten dürfen zur Sportprüfung antreten, für den Rest der Gruppe ist der Traum von einer Polizeikarriere vorerst vorbei. Durchschnittlich die Hälfte der Bewerber fällt nach Angaben von Hertel beim PC-Test durch.

Auch bei der Sportprüfung in der nahegelegenen Sporthalle zeigt sich schnell, wer seine Nervosität nach der Einweisung von Ausbilder Rüdiger Zipp im Griff und das erforderliche Leistungsvermögen bei den Lauf-, Kraft- und Geschicklichkeitsübungen hat. Alle Teilnehmer pumpen sich voll aus, bekommen nach ihrem Parcours Applaus und werden abgeklatscht. Manche Gesichter werden nach der Leistung der Konkurrenten aber schnell lang.

Während sich die Bewerber über einen Leitfaden auf der Interneseite der hessischen Polizei auf die PC- und Sportübungen vorbereiten können, gilt Teil drei des Bewerbungsverfahren mit einer Gruppenaufgabe und einem Einzelunterview als schwierigster Part. Zum Abschluss des zweitägigen Verfahrens muss auch noch die körperliche Eignung bei einer Tauglichkeitsuntersuchung bestanden werden.

Von so vielen Leuten beobachtet an einer Diskussion teilzunehmen, das sei schon sehr schwierig gewesen, berichtet Felix S., der beim letzten Einstellungstermin den Sprung zum dreijährigen Studium an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung geschafft hat. Orhan D. hatte sich extra vorher in einem Fitnessstudio angemeldet. Auch Alina S. betont, dass das Verfahren ohne umfangreiche Vorbereitung nicht zu schaffen gewesen wäre.

Bei der Ausbildung zum Kommissar im gehobenen Polizeivollzugsdienst werden zwei Studiengänge angeboten: Für die Schutz- und für die Kriminalpolizei. Der Abschluss ist ein Bachelor of Arts. Rund 70 Prozent der Bewerber sind Männer und etwa 30 Prozent Frauen. Aus anderen Bundesländern kommen knapp 30 Prozent der Interessenten nach Hessen. Einen Migrationshintergrund haben rund 15 Prozent der angehenden Polizeikommissare. Von Bernd Glebe, dpa

 

Hintergrund: Der Eignungstest für die künftigen Polizeikommissare

Um das Studium an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung für die Ausbildung zum Kommissar antreten zu können, müssen die Bewerber einen zweitägigen Eignungstest bestehen. Am ersten Tag gibt es drei Übungsteile am PC. Dabei geht es um Rechtschreib- und Konzentrationstests sowie einen strukturellen Intelligenztest.

Im Sportteil müssen die Bewerber sich beim Bankdrücken sowie beim Achter-, Wende- und Fünfer-Sprunglauf messen. Die Hanteln beim Bankdrücken sind für Frauen 20 und für Männer 30 Kilogramm schwer. Beim Achterlauf müssen die Bewerber in Form einer Acht um Hindernisse laufen und durch einen Kasten kriechen. Beim Fünfer-Sprunglauf wird mit dem Absprung aus dem Stand abwechselnd mit dem linken und rechten Bein weitgesprungen. Der Wendelauf findet auf einer 25-Meter-Bahn zwischen zwei Stangen statt und ist auf eine Gesamtdistanz von 500 Metern angelegt.

Beendet wird der erste Prüfungstag mit einer Gruppenaufgabe und einem Einzelunterview. Haben die Anwärter alle Aufgaben bestanden und gelten damit als geeignet, gibt es am zweiten Tag noch eine Tauglichkeitsuntersuchung beim polizeiärztlichen Dienst. Dabei werden unter anderem ein Hör- und Sehtest sowie ein Belastungs-EKG durchgeführt.

2 Kommentare

  1. Naja, ich denke, für alle Berufe, für jeden Menschen ist es letztendlich peinlich, wenn man zu viele Rechtschreibfehler macht. Es wird immer als ein Zeichen von Nicht-Bildung / Kulturlosigkeit ausgelegt.

    • Weil die Kinder vor zu viel Arbeit in Form von Hausaufgaben und überhaupt Frust in Form von schlechten Noten geschützt werden sollen, wird auf ausreichendes Training verzichtet. Folge ist die nicht-bildung.

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