Viele Lehrkräfte nehmen Konflikte an ihren Schulen mit muslimischen Schülern wahr – und sind deshalb verunsichert

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VECHTA. In einer aktuellen Studie äußern ein Drittel der pädagogischen Fachkräfte an Schulen, dass sie unter Schülerinnen und Schülern religiös motivierte Konflikte wahrnehmen und dies als Herausforderung empfinden. Dabei geraten vor allem Musliminnen und Muslime in den Fokus – offenbar nicht immer zu Recht. Im Interview erläutern die Projektleitenden Professorin Margit Stein (Universität Vechta, Erziehungswissenschaften) und Prof. Mehmet Kart, (IU Internationale Hochschule Bremen, Fachbereich Soziale Arbeit) die Einzelheiten.

„Die Begegnung mit religiöser Vielfalt in Schulen wird von Fachkräften oft als herausfordernd wahrgenommen.“ (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Was ist das Ziel Ihrer Untersuchung und worum geht es im Kern bei Ihren Ergebnissen?

Stein: Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen stehen häufig vor Herausforderungen, die sich aus vermeintlich oder tatsächlich religiös motivierten Konflikten und religiös radikalisierten Einstellungen ergeben. Das Hauptziel dieser Studie war es deshalb, ein vertieftes Verständnis für ihre Sicht bezüglich der Charakteristika dieser Konflikte zu gewinnen und daraus Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung des schulischen Umfelds als Ort des Lernens und der Erfahrung im Kontext religiöser Vielfalt zu ziehen.

Die Ergebnisse unserer Studie zeigen nun deutlich, dass die Begegnung mit religiöser Vielfalt in Schulen von Fachkräften oft als herausfordernd wahrgenommen wird. Besonders auffällig ist dabei die Tendenz, verschiedenartige Verhaltensweisen und Aktivitäten der Schüler*innen – oftmals mit religiösem Hintergrund – schnell als Anzeichen islamistischer Radikalisierung zu interpretieren. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass provokantes Verhalten von muslimischen Schüler*innen stärker problematisiert wird, als gleiches Verhalten von nicht-muslimischen Schüler*innen.

Vor kurzem gab es erneut eine Diskussion um religiöse Konflikte an Schulen. Inwieweit stehen solche Fälle in Deutschland in Verbindung mit Ihrer Studie?

Kart: Anfang des Jahres 2024 rückte der Bereich der religiös motivierten Konflikte an Schulen wieder in das Interesse der Öffentlichkeit im Zuge der medialen Berichterstattung um eine als „Scharia-Polizei“ bezeichnete mutmaßliche Gruppe von vier Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 17 und 19 Jahren, die an einer Schule als Sittenwächter auftraten, um insbesondere andere muslimische Mitschüler*innen, die ihr Verständnis des Glaubens und des Praktizierens nicht teilten, physisch und psychisch unter Druck zu setzen (News4teachers berichtete, d. Red.).

In der jüngeren Vergangenheit stieß außerdem eine Initiative des Neukölner Bezirksamts auf Kritik, da sie Konflikte auf die Religionszugehörigkeit reduziert und den Blick auf pädagogische Lösungen verstellt. Das Amt hatte eine „Anlauf- und Dokumentationsstelle für konfrontative Religionsbekundungen“ geplant. Entsprechend wichtig ist der Fokus unserer Studie auf die Wahrnehmung von pädagogischen Fachkräften gegenüber solchen Konflikten.

Welche Arten von Konflikten nehmen diese Fachkräfte denn Ihrer Studie zufolge wahr?

Stein: In dieser deutschlandweiten, allerdings nicht repräsentativen Studie geben gut ein Drittel (34,1 Prozent) der Befragten an, religiös begründete Konflikte in der Schule wahrzunehmen. Diese werden insbesondere als interreligiöse Konflikte zwischen Angehörigen verschiedener Religionen, als intrareligiöse Konflikte, etwa zwischen Sunnit:innen und Schiit:innen, Konflikte um Religionsauslegung sowie um Gleichberechtigung von Religionen eingeordnet.

36,6 Prozent geben an, im Schulalltag Herausforderungen im Kontext religiöser Praktiken zu begegnen. Diese beziehen sich insbesondere auf religiöse Feste und Feiertage, religiös begründetes Fasten oder aber im Zusammenhang mit religiösen Aspekten begründetes Versäumen von Unterricht und Klassenfahrten.

Überdies geben 26 Prozent der Befragten an, Erfahrungen mit islamistischen Einstellungen und Aussagen zu haben. Es ist zu berücksichtigen, dass dies keine Rückschlüsse auf tatsächliche Herausforderungen und Radikalisierungstendenzen zulässt, sondern die Wahrnehmungen und Deutungen der Pädagog*innen erfasst werden.

Kart: Auffällig ist außerdem, dass muslimische Lehrkräfte signifikant häufiger solche Konflikte wahrnehmen. Sie sind möglicherweise einerseits stärker für die Themen sensibilisiert. Andererseits werden sie mutmaßlich bei herausfordernden Vorfällen häufig als Beratende hinzugezogen. Gleiches gilt zum Beispiel für Schulsozialarbeitende.

Sie haben also nicht die Konflikte selbst untersucht, sondern die Perspektive der Fachkräfte. Welche Folgen kann deren Wahrnehmung in ungünstigen Fällen an Schulen haben?

Kart: Die mutmaßliche Tendenz zur einseitigen Wahrnehmung und die daraus resultierenden vorschnellen Urteile können zu einer ungerechten Stigmatisierung muslimischer Schüler*innen führen. Solche Stigmatisierungen wirken sich nicht nur negativ auf das Selbstverständnis und die Identität der betroffenen Jugendlichen aus, sondern können auch das Miteinander und die Integration innerhalb der Schülergemeinschaft stören. Dies steht im Widerspruch zum eigentlichen Bildungsauftrag, der eine inklusive und respektvolle Lernumgebung anstrebt.

Gibt es Empfehlungen, die Sie auf Grundlage Ihrer bisherigen Erkenntnisse dazu geben können wie man die Situation für Fachkräfte und Lernende an Schulen verbessern kann?

Stein: Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass pädagogische Fachkräfte an Schulen vielfältige Konflikte mit Religionsbezug wahrnehmen. Die Schilderungen zu den Konflikten weisen auf starke Verunsicherungen bezüglich des Themas hin. Diese Verunsicherungen und die Konflikte, denen die Pädagog*innen im Schulalltag begegnen, müssen ernst genommen werden und Betroffene müssten mehr Unterstützung bei deren Bewältigung erhalten.

Ein sehr hoher Prozentsatz der Befragten gibt an, dass ein Weiterbildungsbedarf besteht und dass man sich Hilfe und Unterstützung bei Konflikten wünscht. Insgesamt muss noch stärker kommuniziert werden, dass es spezialisierte Fachberatungsstellen auch für Lehrkräfte gibt, wo man sich etwa bei religiösen Konflikten oder Verdachtsfällen von Radikalisierung Hilfe und Beratung holen kann, etwa „beRATen Niedersachsen“ in Hannover. Auch existiert sehr gutes Material, das Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitenden an Schulen hilft, mit Konflikten und Herausforderungen im Kontext der Religionen umzugehen, etwa das Material ‚The kids are alright‘ von UFUQ.

Kart: Es ist wichtig, zielgerichtete Bildungsangebote für pädagogische Fachkräfte zu entwickeln, die die Kompetenzen im Umgang mit Vielfalt aber auch mit Konflikten und Radikalisierung und Fundamentalismen bei Schüler*innen und Eltern stärken. Zudem ist entscheidend, dass bereits in der Ausbildung von Lehrkräften und Schulsozialarbeiter*innen ein starker Schwerpunkt auf Themen wie interkulturelle Kompetenz, religiöse Vielfalt und Anti-Diskriminierung, sowie auf die Prävention von Radikalisierung gelegt wird. News4teachers

Hintergrund

Das Projekt „Distanz: Strukturelle Ursachen der Annäherung an und Distanzierung von islamistischer Radikalisierung – Entwicklung präventiv-pädagogischer Beratungsansätze“ zielt auf die Erforschung strukturell-gesellschaftlicher Faktoren der Distanzierung und Deradikalisierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Bundesbildungsministerium fördert das Projekt, das im Oktober 2024 abgeschlossen wird.

In der deutschlandweiten Studie wurden überwiegend Lehrkräfte (78%), Schulleitungen (8,9%, teils in doppelter Funktion), Schulsozialarbeiter*innen (8,5%) und Schulpsycholog*innen (3,2%) über einen Online-Access-Panel-Anbieter akquiriert und zu ihren Erfahrungen befragt. Die Daten wurden im Sommer 2023 erhoben. In der Studie mit einer bereinigten Gesamtstichprobengröße von 694 Personen zeigt sich eine Geschlechterverteilung von 66,4% Frauen zu 33,3% Männern.

VBE sieht Trend zu strengerem Religionsverständnis unter muslimischen Schülern – „Scharia-Polizei“ an Gesamtschule?

 

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43 Kommentare
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Sepp
1 Monat zuvor

„Auffällig ist außerdem, dass muslimische Lehrkräfte signifikant häufiger solche Konflikte wahrnehmen.“

„einseitigen Wahrnehmung und die daraus resultierenden vorschnellen Urteile können zu einer ungerechten Stigmatisierung muslimischer Schüler*innen führen.“

Hier in Deutschland integrierte, oft hier aufgewachsene, muslimische Lehrkräfte, die sicher kultursensibel sind, nehmen vermehrt Probleme mit muslimischen Schülern wahr.

Anstatt das ernst zu nehmen (sie wissen, wovon sie sprechen!), gibt man ihnen also die Schuld an der Stigmatisierung muslimischer Schüler und daraus folgendenden schlechteren Integration? – Ist das ernst gemeint oder schon Realsatire?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Sepp

Im Folgesatz wird erklärt, dass muslimische Lehrkräfte, ähnlich wie die Schulsozialarbeit öfter zu Rate gezogen werden, entsprechend viele Fälle mitbekommen.
Zudem wurde betont, die Sorgen der Lehrkräfte ernstzunehmen.

HellaWahnsinn
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Zudem wird betont auch Ihre (@Rainer Zufall) Sorgen, Fragen und wertvolle Impulse ernstzunehmen.

Doch, wirklich.

Ungefähr so?
😉

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  HellaWahnsinn

??
Das schrieb ich ergänzend an Sepp…
Danke?

Besseranonym
1 Monat zuvor
Antwortet  Sepp
447
1 Monat zuvor

Viele elegante, sprachlich gut konstruierte Sätze dabei. Kommt in die Sammlung.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Man darf ja nicht bei der richtigen Seite anecken oder der falschen Seite zustimmen.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

So ist es. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“  beachteten schon die Minnesänger im Mittelalter.
Oswald von Wolkenstein (ca. 1376–1445) (adaptiert Wolkenkuckucksheim) galt eigentlich als einer der letzten Vertreter seiner Zunft.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Mal meine (subjektive) Sicht aus der sozialen Arbeit im Raum Rhein-Neckar/Mannheim:
Auch wir haben mit deutlichem Abstand muslimische Jugendliche und deren Familien in Betreuung, die mit diversen Konflikten auffallen. Häufig spielen Religion, ein veraltetes Rollenbild sowie Homophobie und verletztes Ehrgefühl eine Rolle. Seit Oktober fallen uns vermehrt antisemitische Äußerungen und Konflikte mit jüdischen Mitbürgern auf. Das haben wir bei Jugendlichen anderer sozialer Herkunft nicht so geballt.

Und wir beobachten leider ebenso, dass wir gegen manche Imame und deren Auslegung des Islams mit unseren demokratischen Ideen nicht immer weiterkommen. Dass sich manche Jugendlichen hin- und hergerissen fühlen, ist nur zu verständlich: Religiöse Tradition mit Scharia auf der einen, westlich-demokratische Werte auf der anderen Seite.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Das deckt sich ja mit der Studie die darauf hinwies, dass die Sozialarbeit oft bei solchen Fällen eingeschaltet wird.
Viel Erfolg!

Blau
1 Monat zuvor

Wird in deutschen Moscheen die Scharia gepredigt?

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Blau

In einigen schon.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Haben Sie Anzeige erstattet?

Anne
1 Monat zuvor
Antwortet  Blau

Konstantin Schreiber (Tagesschausprecher) in 3 nach 9 mit Giuvanni di Lorenzo (Chefredakteur der „Zeit“) zu seinem viel gelesenen Buch: „Kinder des Islam“
https://www.youtube.com/watch?v=jNtYsodHZDg

Feli
1 Monat zuvor
Antwortet  Anne

Danke für das Video!
Constantin Schreiber hat ja kürzlich mitgeteilt, dass er sich nicht mehr zum Islam äußern will, weil seine mündlichen und schriftlichen Äußerungen zu immer mehr Bedrohungen geführt haben.

Unfassbar
1 Monat zuvor

Haben Sie diese Jugendlichen denn mal gefragt, wofür (Religion oder westliche Werte) sie sich entscheiden würden, wenn sie sich auf eines festlegen müssten?

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Ich versuche inzwischen religiöse Diskussionen eher zu vermeiden, da die Antworten zumeist dieselben sind. Wir sind für die Jugendlichen da und zeigen so den Stellenwert unserer Wertegemeinschaft. Diskussionen führen hier ins Leere.

Teacher Andi
1 Monat zuvor

Also wie immer, Kopf in den Sand, wird schon gut gehen. Wenn man Probleme nicht benennen darf, kann man sie auch nicht lösen.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Die Probleme löse ich nicht, indem ich jugendlichen Muslimen als Konkurrenz zum konservativen Islam diene. Die Arme von Ditib und Erdogan sind teilweise länger als meine. Hier braucht es eine gesamtgesellschaftliche Diskussion, wie wir damit umgehen wollen. Und vielleicht geht das, ohne gleich als islamophob zu gelten.

Teacher Andi
1 Monat zuvor

Aber wenn jeder Einzelne bei diesem Thema die Konfrontation und Gegenwehr vermeidet und meint, gegen den langen Arm von Ditib und Erdogan sowieso nichts ausrichten zu können, dann kann es auch keine gesamtgesellschaftliche Diskussion und Lösung geben. Und genau diese Haltung wird dazu genutzt, die demokratischen Werte Stück für Stück zu untergraben.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Deutschland bildet inzwischen ja Imame aus, da hätten wir ja langfristig vielleicht einen Fuß in der Tür.
Konservative Religiösität ist ja erstmal kein Unrecht.
Es wäre halt gut, wenn Sie die Behörden einschalten, wenn Moscheen – wie in ihrem Beispiel – parallele Gerichtssysteme zum deutschen Rechtsstaat etablieren wollen

Canishine
1 Monat zuvor

Das sehe ich auch so. Man kann sich gegenüber bestimmten Positionen abgrenzen und „Spielregeln“ vertreten, ohne auf Konfrontation zu gehen und Türen zuzuschlagen.

Wutbürger
1 Monat zuvor
Antwortet  Canishine

Atatürk hat die Türkei säkularisiert. Das hat er nicht geschafft indem er eigene Imame ausgebildet hat, um „einen Fuß in die Tür“ zu bekommen, sondern mit Maßnahmen, die ihm das Prädikat „gesichert“ irgendwas eingebracht hätten. 

Sie glauben, dass man nicht auf Konfrontation gehen müsse? Frage: Wie wollen Sie sich dann verhalten, wenn diese „Spielregeln“ nicht eingehalten werden und wie wollen Sie diese „Spielregeln“ durchsetzen? Genau das ist doch aktuell der Fall über dem in diesem Artikel geredet wird.

Wutbürger
1 Monat zuvor

Und was ist die Konsequenz aus ihren Beobachtungen?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Danke für die Links! 🙂

Unfassbar
1 Monat zuvor

Da die Konflikte sicherlich nicht weniger werden, eher mehr, bin ich auf die Auswirkungen bei den kommenden Wahlen gespannt. Zum Glück darf ich nicht wählen.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Junggenlieben? 😉

Lisa
1 Monat zuvor

Mit anderen Religionen…also ja, ab und zu gibt es auch Konflikte mit strikten Freikirchen oder christlichen Sekten, die fundamentalistischer sind. Da geht es eher um ganz konkrete Fragen wie die Geburtstagsfeiern in der Klasse, nicht aber um Politik oder Zwang für die gesamte Gruppe.
Die Muslime sind nun eine größere Gruppe. Allerdings ist es auch so, dass das, was auch von den Betreffenden selbst auf “ den Islam“ geschoben wird, es aber oft gar nicht ist, sondern die Familienstruktur und besonders die persönliche Entscheidung des Familienoberhauptes. Das erklärt auch, warum Kinder aus dem gleichen Land so absolut verschieden geprägt sein können.
Wenn muslimische Lehrkräfte Konflikte jedoch verstärkt bemerken, ist das ein Alarmzeichen. Verstehe nicht, wie das abgewiegelt werden kann.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Ganz einfach: Diese Antworten könnten unpassend sein. Also -schwuppedi-frame, schwuppedi-schwupp- sind das auf einmal einfach nur „Gefühle“ (also nicht real) von „irgendwelchen Leuten“ (die halt quasi zufällig Lehrer sind).

So geht framen.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Nein. Auch die Polizei hat mehr Kontakt zu Straftäter*innen. Das soll nicht reale Fälle negieren, aber es entspricht nicht der durchschnittlichen Kriminalität.

Es… es tut mir leid =( … ist ja auch bei der Feuerwehr anders, die jede Woche Brände löschen muss. Umgekehrt müssen sich – gerade deswegen – die anderen nicht jeden Tag vor Feuer fürchten

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Wieso? Im Artikel steht doch, dass die zu sensibilisiert sind.//

Sie haben vollkommen recht, denn gerade diese müssen es doch am besten wissen. Ich verstehe dieses Abwiegeln auch immer nicht so ganz, denn man kann doch auch nur alle, die nicht so auffällig sind, in Schutz nehmen, wenn man die Probleme genau benennt. Anders herum stricken Rechte daraus nämlich wieder etwas Schräges, von wegen dass hier etwas vertuscht werden soll oder Ähnliches.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Die patriarchalen Strukturen, das Frauenbild, das Machogehabe der Söhne usw. werden leider oft mit dem Islam (und dessen Verachtung für alle anderen Religionen) begründet oder den gläubigen Familienoberhäuptern von den Imamen in der Moschee als das einzig richtige eingeredet.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Ich persönlich habe aus Neugier mal abgefangen, den Koran und einige Hadithen zu lesen.
Ich lese ja gerne.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Muss sich so hart von der Bibel und anderen religiösen Texten unterscheiden…

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Warum muss man das? Und zudem noch den Anspruch erheben, dass eine diskriminierende und oft menschenverachtende Religion die einzig wahre ist? Tut mir leid, aber da stößt meine Toleranz an Grenzen.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Schon, joa. Bin aber noch nicht fertig.

PaPo
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

„Muss sich so hart von der Bibel und anderen religiösen Texten unterscheiden…“

Unterscheidet sich in der Tat wesentlich:

Wie bereits an anderer Stelle erläutert (z.B. hier: https://www.news4teachers.de/2023/07/wird-die-bibel-zur-grossen-unbekannten-nur-noch-die-wenigsten-deutschen-lesen-darin/#comment-530097), Koran und Sunna (resp. die Hadithe) bilden das zentrale Glaubensfundament des Islam. Ungeachtet z.T. tatsächlich symbolischer Inhalte, Ambiguitäten u.ä., reklamiert der Koran für sich selbst, die (unerschaffene) Rede Allahs (d.h. das Mohammed direkt offenbarte Wort Allahs) zu sein – der Glaube an die Warhaftigkeit dieser Behauptung ist unzweideutig notwendige Bedingung des Muslimsein (vgl. Sure 2:75; 9:6; 16:40; 48:15). Gegeben ist auch, dass der Koran (d.h. Allah) eine literale Auslegung (vgl. Sure 12:1; 15:1; 16:89; 16:103; 19:97; 27:1; 28:2; 43:2; 44:2) verlangt und auch hier reklamiert, insg. unzweideutig zu sein (Allah als perfekter Kommunikator) – das provoziert natürlich Kontradiktionen (deshalb auch das allgemein anerkannte Abgrogationsprinzip, d.h. dass bei widersprüchlichen Geboten/Verboten die chronologisch zuletzt verkündeten Gebote/Verbote gelten).

Ungeachtet dessen wird zudem die bedingungslose(!) Befolgung alle Ver- und Gebote im Koran selbst (vgl. Sure 4:14; 4:59, 4:115; 24:54; 33:36) verlangt, ebenso wie dass man als Moslem Mohammed nacheifern und ebenfalls bedingungslos gehorchen muss. Das ist integral für das Muslimsein. Hier werden die Hadithe relevant, die die Sunna, die zu befolgenden Taten und Gebote Mohammeds, dokumentieren. Uneinigkeit zwischen den einzelnen muslimischen Glaubenstraditionen existieren primär hinsichtlich der Frage der Authentizität einzelner Hadithe.

Natürlich gibt es auch vage Formulierungen dort, womit im Rahmen muslimischer Apologetik oftmals im Rahmen des öffentlichen Diskurs vor Publikum, dass entsprechenden Geboten negativ gegenüberstehen könnte (z.B. dem berüchtigten Schwertvers), Entsprechendes relativiert werden soll. Dazu dient auch der vage Verweis auf die (unbestritten essenziell notwendige) Kontextualisierung von Suren und Co. (dieses und jenes sei nicht so gemeint, weil in diesem und jenem Kontext offenbart u./o. im Rahmen systematischer Exegese in Bezug zu diesem oder jenem Vers vor u./o. nach dem fraglichen Vers zu interpretieren), de facto ist aber das Gros der auch im öffentlichen Diskrus (von Islamkritikern bspw.) thematisierten problematischen Suren, Gebote, Verbote, Hadithe etc. (hinreichend) eindeutig, dort ändern auch die entsprechenden Kontexte nichts, das ist oft nur vorgeschoben.

Es bedarf diesbzgl. also eigtl. keiner Interpretationshilfen, im Gegenteil:
Der Koran reklamiert für sich, dass Allah als perfekter Kommunikator jedem (empfänglichen) Leser eindeutig interpretierbar sei.
Das Problem ist nur, dass ein Gros der Gläubigen auch hier (ein Gros des) Koran und (der) Hadithe nicht aus eigener Rezeptiont kennt, verschiedene Glaubensschulen verschiedene Hadithe als il-/legitim erachten, es mehr als eine Koranvariante gibt, und letztlich der Kanonisierungsprozess bspw. des Korans nach ʿUthmān ibn ʿAffān so kurios war, dass die Suren nicht chronologisch, sondern der Länge nach (die längsten Suren kommen zuerst) geordnet wurden…. infolge der unzähligen Widersprüche im Koran i.V:m. dem Abrogationsprinzip macht das die Exegese für Laien entsprechend kompliziert.

Aber ungeachtet all dessen sind auch die Passagen, die keinen (großen) Interpretationsspielraum zulassen, für sich genommebn bereits hinreichend problematisch (wie in anderen Religionen auch). Und Koran und Sunna rufen natürlich zum Krieg gegen Andersgläubige auf, der sog. Schwertvers (s. Sure 9:5) ist ja mittlerweile (trotz aller relativerenden Apologetikversuche, auch i.V.m. definist fallacies ggü. dem Begriff der Selbstverteidigung u.ä.) berüchtigt, ebenso problematisch die antisemitische islamische Eschatologie, die Devalvierung von Christen und Juden durch Mohammed an seinem Sterbebett (s. Sure 98:6), die Misogynie, die Todesstrafe für Apostaten etc.

Da müssen wir doch bitte Religion (und es geht um Kritik an der Religion, nicht an den Menschen) nicht derart verklären. Und weder Islam noch Christentum sind demokratische Veranstaltungen.

Und eine persönliche Anmerkung:
[apoiler]
Auch wenn ich es insg. enorm begrüße, wenn sich Menschen von jedweder Religion emanzipieren und erst recht, wenn sie ihr komplett entsagen (dies gilt auch für quasi Ersatzreligionen, wie sozio-kultureller/-politischer Ideologe bzw. polit. Religion), finde ich es immer wieder befremdlich, wie manche Menschen glauben (*scnr*), man könne einer Religion beliebig Inhalte entnehmen und hinzufügen und sei dann dennoch ein richtiger (und nicht allenfalls – aus welchen Gründen auch immer – geduldeter) Religionsangehöriger. Wenn es einem hinreichend andere gleichtun, dann begründet man vielleicht ‚bestenfalls‘ eine neue (Denomination einer) Religion, schlechtestenfalls ist man ein Apostat, ein Häretiker. Ich kann nicht Christ sein und die Dreifaltigkeit leugnen (ja… die Arianer ‚konnten‘ das – nicht), ich kann nicht Katholik sein und nicht an Transsubstantiation glauben, den Papstprimat und das Unfehlbarkeitsdogma negieren und die katholische Kirche als demokratischen Mitmachverein missverstehen u.ä.

Nun hat das Christentum die Ausgangssituation, dass es (a) etliche unterschiedliche Bibeln gibt, in denen z.T. ganz unterschiedliche Bücher (nicht) kanonisiert wurden (von unterschiedlichen Übersetzungen und Co. ganz zu schweigen) und die jeweiligen Bücher in der fragwürdigen Tradition stehen, nicht Gottes direktes Wort, sondern die Niederschriften von göttlich inspirierten Autoren zu sein. Die Bibelexegese kennt zudem (c) auch kein Abrogationsprinzip, außer dort, wo Jesus Christus vermeintl. alttestamentarisches Recht konkret aufgehoben haben soll (Spoiler: Entgegen landläufiger Meinung ist dies für das Gros des alttestamentarischen Gesetzes übrigens nicht der Fall – Matt 5,17 und so…). Angesichts der vielen, vielen, vielen von Widersprüchen in der Bibel (exemplarisch: https://sciencebasedlife.files.wordpress.com/2011/02/biblecontradictions-reasonproject.png) erklärt das auch die 30000+ Denominationen des Christentums, die oft sehr, sehr, sehr unterschiedliche Ansichten zu ein und demselben Thema haben.

Der Islam hat nun aber die hier skizzierten Probleme, die den Spielraum doch arg eingrenzen. Dem ist ungenommen, dass es (entgegen der Verlautbarungen diverser islamsicher Apologeten) natürlich auch eine Vielzahl unterschiedlicher Koranversionen gibt, dass – wie erwähnt – es in den verschiedenen Glaubensschulen durchaus (und das definiert diese auch zum größten Teil) Abweichungen darüber gibt, welche Hadithe authetnisch seien und welche nicht… bedauerlicherweise betreffen diese Meinungsverschiednenheiten ein Gros der extrem problematischen Glaubensinhalte eben nicht, namentlich etwa die Todesstrafe für Apostasie, den inhärenten Antisemitismus, die Misogynie und Co. (gleiches gilt übrigens auch für das Gros der christlichen Denominationen).

Und man muss sich bitte nicht die Augen verwundert reiben, wenn Gläubige ihre Religion, die ihres Glaubens nach diretk(!) von ihrem Gott(!) gesandten Gebote ernst nehmen, weil ihnen sonst ewige Strafe im Jenseits droht.
der wie Volker Pispers es einst ausdrückte: „Moslems! Menschen, die ihre Religion ernst nehmen… für Katholiken unvorstellbar!“

Und es ist brandgefährlich, religiöse Schriften, Glaubensfundamente und Co. für sakrosankt zu erklären. Was ein Karlheinz Deschner und ein Christopher Hitchens an Kritik dem Christentum ggü. vorgebracht haben, das muss auch ggü. dem Islam möglich sein (wobei auch hier C. Hitchens sehr aktiv war).

Und man tut gut daran, diese Kritik an der Religion nicht mit einer Pauschalverurteilung der Muslime gleichzustellen, als kuvriertes Vehikel für allerlei -ismen und -phobien zu devalvieren, denn so unterbindet man jede dringen notwendige Progression, jede Emanzipation, jede konrkete Problemanalyse und -lösung.

Und man tut auch gut daran auf beiden Seiten, Religionsangehörige nicht mit Fundamentalisten derselben Religion zu synonymisieren: Eine Sippenhaft für alle Muslime für die Ansichten und Taten einzelner Muslime ist ebenso falsch, wie die Annahme, dass alle Muslime konkludent diesen Ansichten und Taten zustimmen, wenn sie sich nicht explizit distanzieren. Das Gegenteil wird hoffentlich in unseren westlichen Gesellschaften der Fall sein, auch weil die überwiegende Mehrheit der Muslime nur über eklektisches Wissen über den Koran und die Sunna resp. Hadithen vefügen wird – das Gros der Muslime wird weder den Koran einerseits und insb. die Hadithe andererseits (in Gänze) gelesen haben, noch über Kenntnisse bzgl. der Geschichte des Islams verfügen, die über revisionistisch-rudimentäre Verklärungen hinausgehen, sondern bspw. via familiärer Tradierung, Koranschulen und durch muslimische Geistliche selektiv, oftmals dekontextualisierend und euphemistisch/apologetisch etc. mit den fundamentalen Inhalten ihres Glaubens und den Taten, Charakteristika etc. der Akteure des Korans konfrontiert.
Das ist kein exklusives Phänomen, das ausschl. Muslimen vorbehalten wäre, sondern trifft das Gros aller Gläubigen: Auch der normale Katholik weiß wohl ad hoc kaum, was Transsubstantiation sein soll und dass er (infolge des sog. Tridentinums) zwingend daran glauben muss, um überhaupt Katholik zu sein.

Insofern sind „Freizeitmuslime“ und „Freizeitchristen“ auch eigtl. das Maximum, was ein pluraler, freiheitlich-demorkatischer Rechtsstaat tolerieren kann. Aber wir sollten uns gleichzeitig auch maximal davor hüten, so einen uninformierten Unsinn zu erzählen, wie Annalena Baerbock, dass das, was was Mullah-Regime im Iran ausmacht, „[…] nichts, aber auch gar nichts mit Religion oder Kultur zu tun“ habe.
[/spoiler]

Und das, lieber @Rainer Zufall, vielelicht einfach mal sacken lassen, vielleicht einmal selbst BIbel, Koran, Hadithe und Co. lesen, inkl. der kritisch-analytischen literatur (GIYF), bevor wieder etwas empört-despektierliches mit dem üblichen Überlegenheitsdünkeln Ihrerseits kommt. Denn das sit eines der probleme, die uns die im Artikel skizzierte SItuation auch eingebracht haben: Unkenntnis und Ideologie. Machen Sie sich ehrlich, was wissen Sie denn tatsächlich über Christentum und Islam?

PaPo
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Oh… beim ersten Spoiler vertippt…. jetzt nimmt der Beitrag leider wesentlich mehr Platz ein, als er sollte. Sry.

Wutbürger
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Das würde ich jetzt so nicht teilen. Ich glaube nicht einmal, dass die Religion das wirkliche Problem ist, sondern dass Deutschland bei der Einwanderung nicht selektiert, Vergehen nicht ahndet, selbst eine so negative Selbstachtung hat – die als Außenstehender abschreckend wirkt und aufgrund deren man zum Gott gemacht wird und sogar zu diesem Verhalten animiert, der den größten Schei** anstellen kann und dem trotzdem alles entschuldigt wird (weil ja die Gesellschaft schuld ist).

Wer das nicht glaubt, der besuche einfach einmal die Türkei, beleidige und bedrohe dort Polizisten, Lehrer, Behördenmitarbeiter und trete so fordernd dort auf wie hier. Mal sehen, was dann passiert.

Deutschland zerstört sich selbst und selbst viele Muslime haben inzwischen die Nase voll.

*Delegitimierungsmodusaus*

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Diese werden als Expert*innen eingeschaltet und bekommen überproportional oft solche Konflikte mit – im Vergleich zu den anderen Lehrkräften.
Sowas trifft auch auf die Schulsozialarbeit zu, die sich häufiger mit Konflikten beschäftigen muss

Dr. Hans
1 Monat zuvor

Ich habe es schon mehrfach hier erwähnt: Eine Variable reicht bei der Betrachtung nicht. Man muss sich folgende Variablen und deren Werte ansehen:

Variable 1: kultureller Hintergrund
Variable 2: Bildungsstand

Nur eine davon herauszupicken, wird der Sache nicht gerecht. Dazu gehört auch, die Diskussion nicht abzuwürgen, indem man sagt, unerwünschtes Verhalten liege nicht in der Kultur begründet, sondern an der Chancenungerechtigkeit im Bildungssystem. Im Gegenteil kann der kulturelle Hintergrund (verkürzt: eine Mischung aus Herkunft, Traditionen, Werten und auch Religion) natürlich einen großen Einfluss auf das Verhalten haben.

Hat man die Werte beider Variablen, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man bei der folgenden Rechnung mit Wahrscheinlichkeiten operiert. Diese werden jedoch aussagekräftiger sein, wenn man zukünftiges Verhalten vorhersagen möchte, als nur eine Variable zu betrachten. Blöderweise kann man sogar noch weitere Variablen dazunehmen (Geschlecht, Alter…).

Solche Diskussionen werden jedoch zu komplex, habe ich das Gefühl. Führt man die Diskussionen jedoch nicht, werden Lösungsansätze auch scheitern.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Dr. Hans

Beim Bildungsstand bin ich ganz bei Ihnen.
Des Weiteren würde ich finanzielle Lage und Geschlecht hinzufügen (leider noch viel toxische Männlichkeit in der Gesellschaft…)

Was die „Kultur“ betrifft, wäre die Frage, wie viel Kontakt Sie zu Schülerschaften solcher Kultur MIT höherer Bildung/ finanziellen Reserven haben.
Sich bei geringen Perspektiven, wenigen Mitteln und niedrigem Stand in der Gesellschaft auf die „Kultur“ zu besinnen – ob Alphas, Nazis, Islamisten, Hooligänsen oder anderen (männlichen) Schlägern – kann man ja in allen Bereichen Deutschlands beobachten