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Umfrage unter Eltern, Lehrern und Schülern: Unterrichtsausfall scheint höher zu sein als offiziell angegeben

DORTMUND. Wie viel Unterricht fällt an den Schulen tatsächlich aus? Das „Recherchezentrum Correctiv“, ein von Stiftungen und Spenden finanzierter Journalistenverbund, hat einen Versuch unternommen, zusammen mit Lehrern, Schülern und Eltern in Dortmund dem Phänomen auf den Grund zu gehen.

Der Unterrichtsausfall ist an Schulen in Dortmund nach einer Umfrage des „Recherchezentrums Correctiv“ höher als bisher angenommen. Vier von zehn Stunden, die nicht planmäßig erteilt wurden, fielen demnach komplett aus, an Gymnasien sogar mehr als 50 Prozent. Eine Stichprobe des Landes komme auf die Hälfte weniger Komplettausfall, teilte Correctiv in Essen mit. Das Recherchezentrum verwies darauf, dass beide Erhebungen auf Grund der unterschiedlichen Ansätze nicht direkt vergleichbar seien. Das Land will künftig den Unterrichtsausfall genauer erheben.

In Zusammenarbeit mit den «Ruhr Nachrichten» hat Correctiv über ein Internetportal wochenlang Angaben von Schülern, Eltern und Lehrern gesammelt. Insgesamt seien im Projekt «Unterrichtsausfall – Der Check» Daten zu 4575 Stunden von 57 verschiedenen Schulen zusammengetragen worden. In Dortmund gibt es nach Angaben der Stadt 159 Schulen in städtischer Trägerschaft.

Anlass für die Erhebung waren Angaben des Schulministeriums, wonach im Schuljahr 2015/16 landesweit im Schnitt 1,8 Prozent des Unterrichts ersatzlos ausfielen, rund 6 Prozent in besonderer Form – etwa Klassenfahrten, Projektwochen, Praktika – stattfanden. Fast 8 Prozent waren Vertretungsmaßnahmen.

Der Unterrichtsausfall in NRW ist seit Jahren Dauerstreitthema in der Landespolitik. Im vergangenen Jahr hatten sich Schulministerium, Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter in einer Bildungskonferenz auf eine neue Erhebung des Unterrichtsausfalls verständigt. Künftig sollen alle Schulen die Fakten in einem rollierenden System jeweils zwei Wochen lang präzise protokollieren.

«Das rollierende Verfahren hat den Vorteil, dass wir künftig das gesamte Jahr abdecken», unterstrich Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Im Gegensatz zu der von der CDU geforderten Vollerhebung bleibe die Belastung der einzelnen Schulen in einem vertretbaren Rahmen. 2014 hatte ein Gutachten der Universität Bochum für das Schulministerium ermittelt, dass eine schulscharfe Erfassung bis zu 700 zusätzliche Stellen erforderlich mache. dpa

Ein Kommentar

  1. Das Dauer Streitthema ist EVA. In der Oberstufe gilt eigenverantwortliches Arbeiten nicht als Stundenausfall.
    In den anderen jahrgangsstufen ist auch fachfremder Vertretungsunterricht Unterricht und wird nicht als Entfall gerechnet.
    Klassenfahrten, Untericht an anderen Lernorten, Exkursionen, Wandertage, Sportfeste (Bundesjugendspiele) Betriebspraktika, Betriebserkundungen, Unterrichtsgänge etc. sind Unterrichtsveranstaltungen.
    Es wäre schön, wenn auf Druck der Eltern diese zusätzlichen Belastungen für Lehrkräfte gestrichen werden könnten. Aber dennoch würde bei einem normalen Krankenstand von ca. 4 bis 5% je lehrkraft und Woche eine Stunde im statistischen Mittel ausfallen müssen. Bei Kollegien mit 80 Vollzeitstellen sind das dann 80 bis 100 Wochenstunden Vertretungsunterricht.
    Abwesenheiten aus dienstlichen Gründen sind dabei noch gar nicht erfasst, ebenso wie Entfall aufgrund nicht besetzter oder nicht zugewiesener Stellen sowie Mutterschutz und Erziehungszeiten.

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