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Neue Unterrichtseinheit zum Thema “Fake News”: Heiligenstadt stellt Material vor

HANNOVER. Gerade junge Leute informieren sich viel über soziale Netzwerke und das Internet. Dort verbreiten sich falsche Nachrichten und manipulierte Inhalte besonders schnell. Deshalb will Niedersachsen seine Schüler künftig im Erkennen von Fake News trainieren.

Historische Falschnachricht (nach bisherigem Erkenntnisstand jedenfalls): Trump beschuldigt Obama per Twitter einer Abhöraktion. Srcreenshot

Historische Falschnachricht (nach bisherigem Erkenntnisstand jedenfalls): Trump beschuldigt Obama per Twitter einer Abhöraktion. Srcreenshot

Niedersachsen will Schüler im Erkennen von Fake News trainieren und hat dazu separates Unterrichtsmaterial entwickelt. Zwar gab es Falschmeldungen und Propaganda schon immer, mit der schnellen Verbreitung über soziale Medien und das Internet sei die Wirkung aber ungleich höher, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Dienstag in Hannover. «Wir möchten Schülern Werkzeuge an die Hand geben, wie sie Fake News erkennen können.»

Neben dem Unterrichtsmaterial für Schulstunden gibt es eine App, mit der Nutzer eine Nachricht auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen können. Außerdem wurde das Portal «Stop Fake News!» auf dem Niedersächsischen Bildungsserver eingerichtet, das Pädagogen und jedermann Material und Beispiele sowie einen Erklärfilm bietet. Ein besonderes Augenmerk bei der Fake-News-Schulung liegt auf rechtsextremen Inhalten.

Genutzt werden kann das für Schüler ab der neunten Klasse konzipierte Material etwa in den Fächern Deutsch, Geschichte sowie Werte und Normen, sagte Medienexperte Detlef Endeward vom Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung. «Die Grundidee dabei ist, zu sensibilisieren.» Den Schülern sollten Instrumente zum Einschätzen von Nachrichten an die Hand gegeben werden.

Fragen sollen sich die Schüler unter anderem, welcher Autor und welcher Herausgeber hinter einer Nachricht steckt, ob ein Impressum einen Ansprechpartner nennt und inwiefern sich der Text von Werbung abgrenzt.

Beim Schreibstil sollten die jungen Leute gucken, ob dieser sachlich neutral oder aggressiv und gefühlsbetont ist, ob er fehlerfrei ist. Prüfen sollen die Schüler, ob Behauptungen und Fakten auch von anderen Quellen aufgegriffen werden und ob Zeitungen oder Behörden ähnliches schildern. Auch in Texten zitierte Experten müsse auf den Zahn gefühlt werden: Existieren sie tatsächlich, wie vertrauenswürdig sind sie und welchen Hintergrund haben sie?

Auch in der Bewertung von Fotos und der Möglichkeit ihrer Manipulation sollen junge Leute trainiert werden. Bilder können beschnitten oder durch eine Montage, Veränderung der Lichtverhältnisse oder Ausschnitte verändert werden. Auch können mehrere Bilder zu einem neuen zusammenmontiert werden.

Pflicht wird die neue Unterrichtseinheit zum Thema Fake News in den Schulen nicht, aber sie soll Lehrern die Behandlung des Themas erleichtern. «Das ist für mich auch ein wichtiger Beitrag zur Demokratie-Erziehung, denn insbesondere Populisten nutzen das Internet und die sozialen Medien, um mit einfachen Botschaften Stimmungen zu schüren», sagte die Ministerin. dpa

Hier geht es zum Unterrichtsmaterial.

 

12 Kommentare

  1. Oder wie man früher sagte “Tatarenmeldung”. Ist wohl aber nicht mehr politisch korrekt?

    Naja, bliebe noch die gute alte “Ente”, die auch gefakte / getürkte / gefälschte Nachrichten meint.

  2. “…denn insbesondere Populisten nutzen das Internet und die sozialen Medien, um mit einfachen Botschaften Stimmungen zu schüren”

    Nach dieser Definition sind alle Politiker und Parteien Populisten. Im Wahlkampf merkt man das besonders.
    Jeder will beim populus=Volk gut ankommen und Stimmung für sich machen.
    Warum dann immer diese besondere Warnung vor Populisten mit “einfachen” Antworten und Botschaften?

    Gerade im Bildungsbereich wimmelt es von einfachsten Botschaften, die oft nur noch aus Schlagwörtern bestehen wie “soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Menschenrecht, Kompetenz, Kreativität, Toleranz, …” oder Sätze wie: “Kein Kind darf zurückgelassen werden”.
    Wenn Populismus und Populisten so schlimm sind, dann müssten all diese Botschaften und Botschafter am Pranger stehen.

    • Das, was Sie zitieren, F. H., ist keine Definition von Populismus, sondern die Beschreibung des Vorgehens seiner Vertreter.

      Hier ist eine Definition von Populismus: “Populismus zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: Berufung auf den common sense, Anti-Elitarismus, Anti-Intellektualismus, Antipolitik, Institutionenfeindlichkeit sowie Moralisierung, Polarisierung und Personalisierung der Politik. Das Grundaxiom ist die Berufung auf den common sense. Aus populistischer Sicht ist der “gesunde Menschenverstand” dem Reflexionswissen von Intellektuellen nicht nur ebenbürtig, sondern überlegen, weil er auf konkreter, lebensweltlicher Erfahrung beruhe, noch nicht vom Virus des modernen Skeptizismus infiziert sei und daher noch einen unverfälschten, “gesunden” Zugang zu Recht und Wahrheit habe.” Quelle: http://www.bpb.de/apuz/75848/wesensmerkmale-des-populismus?p=all

      Nicht jede (zu) einfache Botschaft ist demnach populistisch.

      • Auch wenn Sie mit der Definition und dem Link auf die Bundeszentrale für politische Bildung verweisen, die auch nicht neutral und unabhängig ist, sondern vom jeweils als korrekt geltenden Zeitgeist abhängig, kommt mir die momentane Interpretation des Begriffs “Populismus” sehr linkslastig vor.

        • Dass Populisten nicht so gerne Populisten genannt werden, ist schon klar.

          Dann ist die Bundeszentrale für Politische Bildung natürlich auch von Linken unterwandert. Kommunisten überall.

        • Milch der frommen Denkungsart

          @ F.H.:

          Da ja bekanntlich stets die jeweilige Gegenseite populistisch ist, so ist dieser Titel eh nur eine stumpfe Moralguillotine.

          • Ganz so stumpf scheint die nicht zu sein, wenn man sich den stetigen Niedergang der AfD anschaut.

  3. Milch der frommen Denkungsart

    @ Bernd:

    Sinnentnehmendes Lesen ist und bleibt eine Kunst, die gelernt sein will.

  4. Sinnvoll schreiben auch, lieber Knilch.

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