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Lehrermangel: Eisenmann schränkt Teilzeit ein und kündigt Zwangs-Versetzungen an – „Es wird unangenehme Gespräche geben“

STUTTGART. Kultusministerin Eisenmann hat einen großen Instrumentenkasten vorgestellt, um dem Lehrermangel beizukommen. Darunter sind auch Maßnahmen, die nicht jedem Lehrer schmecken dürften. Die amtierende KMK-Präsidentin kündigt schon mal an: „Es wird unangenehme Gespräche geben.“

Eisenhart: Die Baden-Württembergische Kultusministerin Eisenmann kündigt Maßnahmen gegen den Lehrermangel an. Foto: Olaf Kosinsky / kosinsky.eu / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Eisenhart: Die Baden-Württembergische Kultusministerin Eisenmann kündigt Maßnahmen gegen den Lehrermangel an. Foto: Olaf Kosinsky / kosinsky.eu / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Das Kultusministerium will an zahlreichen Stellschrauben drehen, um die Lücke von derzeit 700 unbesetzten Lehrerstellen im kommenden Schuljahr zu schließen. «Gegenwärtig besteht die Herausforderung darin, unter den Bedingungen eines Bewerbermangels einerseits und neuer bildungspolitischer Herausforderungen andererseits eine stabile Unterrichtsversorgung zu gewährleisten», sagte Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Freitag in Stuttgart. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte, dass die Landesregierung den Pflichtunterricht zum Beginn des neuen Schuljahrs nicht sicherstellen könne.

Der Engpass ist Folge einer überdurchschnittlich hohen Pensionierungswelle, neuer Aufgaben für die Schulen – darunter der Ausbau des Ganztagsangebotes und die Integration behinderter Schüler – sowie steigender Schülerzahlen. Gestern hatte die Bertelsmann Stiftung eine Studie veröffentlicht, der zufolge in den kommenden Jahren ein Schüler-Boom bevorsteht. Als weiteren Grund für den Mangel nannte Eisenmann den Wegfall eines gesamten Jahrgangs von rund 400 Neubewerbern für die Grundschulen, weil deren Studienzeit auf acht Semester verlängert worden war. «Wir haben kein Ressourcenproblem, wir haben ein Bewerberproblem», resümierte sie. Insgesamt werden 5000 Stellen an den Schulen neu besetzt.

Ein Schüler-Boom kommt – und die Politik ist nicht vorbereitet. Es droht ein dramatischer Engpass an Lehrern

Zugleich bekräftigte Eisenmann, dass sie den noch von der Vorgängerregierung aufgrund «völliger Fehleinschätzungen» eingeschlagenen Stellen-Abbaupfad bis 2020 nicht weiter mitgehen wolle. Die geplanten Streichung von noch 700 Stellen hoffe sie, in den Haushaltsberatungen verhindern zu können. «Wir brauchen keinen Abbau, sondern einen Ausbau.»

Sie kündigte an, Lehrer müssten sich für eine bessere Steuerung der Ressourcen auf eine härtere Ansprache einstellen. Teilzeitkräfte, die nicht in Mutterschutz oder Elternzeit seien, könnten mit Hinweis auf dienstliche Gründe zu einer Mindestunterrichtsverpflichtung von 65 Prozent bewegt werden. «Die Sicherung der Unterrichtsversorgung ist ein dienstlicher Grund.». Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei unterstrich: «Konsequenzen der Prüfungen bei Teilzeitbeschäftigung dürfen nicht in Nötigung ausarten.»

Die Schulaufsicht werde sich künftig auch trauen, so Eisenmann, Lehrkräfte aus überdurchschnittlich gut versorgten in schlechter ausgestattete Regionen zu versetzen. Es werde «zum Teil unangenehme Gespräche» geben, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz.

Fehlbedarf vor allem an den Grundschulen

Die Unwucht in der Lehrerversorgung zeigt sich bei den Grundschulen, denen im neuen Schuljahr 400 bis 500 Lehrer fehlen. In Freiburg und Umgebung etwa gebe es mehr als einen Bewerber pro Stelle für das kommende Schuljahr – ebenso in Ulm, Karlsruhe, Heidelberg und Stuttgart. Zu den unterversorgten Gebieten gehören das Hohenlohische und Oberschwaben. Dort kommt auf zwei Stellen nicht einmal ein Bewerber.

Auf Interesse stoße das Angebot an rund 800 abgelehnte Bewerber für das Gymnasiallehramt, an Grundschulen zu unterrichten. Mehr als 100 junge Pädagogen hätten sich bereits danach erkundigt. Ihnen werde eine berufsbegleitende Qualifizierung und danach eine unbefristete Stelle angeboten. Allerdings hält sich die Begeisterung der angesprochenen Lehrerkräft offenbar in Grenzen: Tatsächlich hatte das Kultusministerium mit mindestens 200 Bewerbern aus dieser Gruppe gerechnet.

Lehrerin, 28 Jahre alt, arbeitslos – wie geht denn das in Zeiten des Lehrermangels?

Die GEW betonte, Lehrer wollten nicht ständig nur Lücken auf Bildungs-Baustellen stopfen. «Es macht den Beruf auch nicht attraktiver, wenn jetzt Druck auf Teilzeitkräfte ausgeübt wird und Beurlaubungen und Versetzungen erschwert werden», sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz.

Als Reservoir für eine bessere Lehrerversorgung sieht das Ministerium auch Pensionäre. Sie sollen nach einer Rückkehr an die Schule künftig mehr verdienen können. In den Flüchtlingsklassen werden bereits 185 zurückgeholte Pensionäre über die bisherige Hinzuverdienstgrenze bezahlt. Angehenden Pensionären wird ein Verbleiben bis zum 69. Lebensjahr finanziell schmackhaft gemacht. Die Grünen im Landtag wiesen aber darauf hin, dass nur 40 Prozent der Lehrer vollumfänglich bis zur Altersgrenze arbeiteten. Sie sehen Nachbesserungsbedarf beim Thema Gesundheitsvorsorge für Lehrer.

Weitere Maßnahmen des Ministeriums: In Regionen mit besonderem Bedarf werden beurlaubte Lehrer gebeten, vorzeitig zurückzukehren oder Vertretungen zu übernehmen. Quer- und Seiteneinstieg sollen stärker beworben werden. Referendare sollen vermehrt an Schulen in ländlichen Regionen eingesetzt werden. Eisenmann hofft auf einen «Klebeeffekt». Auch die Fremdevaluation – die Bewertung des Unterrichts durch Lehrer anderer Schulen – endet. Dadurch werden mehr Pädagogen für den Unterricht frei. Auch Abordnungen von Lehrern in die Schulverwaltung sollen auf den Prüfstand kommen. dpa

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51 Kommentare

  1. Kollegen, die in Teilzeit gehen, haben doch wohl allermeistens trifftige Gründe dafür. Sonst würden sie kaum freiwillig auf einen Teil ihres Verdienstes verzichten. Viele, ob nun mit oder ohne Kleinkinder, versuchen so, für sich selbst die Belastungen des Lehrerberufs (siehe meine anderen Kommentare von vorhin) zu reduzieren. Nicht, um auf der faulen Haut zu liegen, sondern um genügend Zeit für Regeneration zu haben und gesundheitlich fit zu bleiben, um den Belastungen unserer Arbeit standzuhalten.

    Leider glauben Politik und GEW, man müsse nur etwas mehr Gehalt zahlen und dann sind die Belastungen quasi wie weggeblasen.

    Im Gegenzuge Teilzeitmöglichkeiten und Frühpensionierungen einzuschränken, finde ich nicht nur infam, sondern einfach „dumm“. Wer die Belastungen nicht reduzieren kann, weil er ihnen nicht gewachsen ist, der wird ganz einfach krank. Der fehlt dann trotzdem! Kommt mal paar Tage und fehlt dann wieder ein paar Wochen. Könnten wir ja denken, das geschieht der Politik recht. Diese Maßnahmen bringen gar nichts in Bezug auf den Lehrermangel. Aber diese Maßnahmen verschlimmern die Situation noch weiter für uns andere, denn wir müssen die Krankheitsfälle ja auffangen (Vertretungsunterricht). Dann haben wir de facto bereits die Erhöhung unseres Stundensolls. Spekuliert die Politik etwa darauf?

    Sollte sie aber nicht! Denn weitere Kollegen werden ausbrennen und ausfallen. Es ist eben einfach der FALSCHE WEG! Wir brauchen keine Gehaltserhöhungen, denn wir verdienen (sehr) gut. Wir brauchen deutliche Verbesserungen unserer Arbeitsbedingungen (Entlastungen) !!!

    • Sie sind Beamter und werden auch ohne Leistung alimentiert. Bei Tarifbeschäftigten sieht das schon anders aus. die hohe Zahl von Teilzeitbeschäftigung beruht in der Vereinbarkeit von Familie und beruf und hat nur sekundär mit der Arbeitsbelastung zu tun. Altersteilzeit und Vorzeitiges Ausscheiden (Früpensionierung) geschehen auf Antrag. Ein Dienstgeber muss diesen anträgen nicht entsprechen.

  2. Wie kommen Sie eigentlich immer zu Ihren Schlüssen über mich, meinen Beruf, meinen „Status“? Oder soll ich jetzt antworten: „Nein, ich bin …“ bzw. „Wie haben Sie das herausgefunden?“

    Nein, ich kenne etliche Kollegen, die nicht wegen Familie und Kindern in Teilzeit gegangen sind, sondern um für sich die Belastungen zu reduzieren. Und währen die Belastungen geringer, dann wären sie womöglich für manche auch mit Familie und Kindern vereinbar!!! Also Ihr „Gegenargument“ löst sich bei näherer Betrachtung mal wieder in Luft auf.

  3. @ ZITAT (dicke bank)

    „Weicheier eben. Wer die Hitze nicht abkann, sollte nicht in der Küche arbeiten.“

    Das lassen wir einfach mal so stehen. 🙂 Es spricht ja für sich.

    Bis auf den Hinweis, dass dicke bank (als Teil der „Mehr-Geld-Clique“ hier) jene Kollegen meint, die von den Arbeitsbedingungen an den Grundschulen erschöpft und ausgebrannt sind. Bin mal gespannt, wie die Palim, ysnp, die missis das beurteilen. Ich vermutete ja schon, dass sie Unsachlichkeit auch nur geißeln, wenn sie selbst davon betroffen sind, aber applaudieren, wenn es „die anderen“ trifft.

    Purer Eigennutz eben, wie in der Gehaltsdebatte.

    • Warum sollte ich altruistisch sein.
      Ich will für meine Arbeit, die ich erledige, mehr Geld durch eine Höhergruppierung, da es in der Besoldungsgruppe A12 bzw. in E11/E12 gem. TV-L zu wenige Erfahrungsstufen gibt.

      Da ich Tarifbeschäftigter bin fordere ich eine Erhöhung der tariflichen Entgelte sowie eine bundeseinheitliche Eingruppierungsordnung, damit die Arbeitgeber nicht nach Gutdünken bzw. Kassenlage neue lehrkräfte einstellen können. Gleichzeitig fordere ich eine bessere Altersversorung für Tarifbeschäftigte, die bei gleicher Dienstzeit annähernd die Höhe von Pensionszahungen erreicht. DAs kann auch durch Absenkung der pensionszahlungen erreicht werden.

      • Und noch etwas, es gibt für das Führen einer inklusiven Klasse nicht einmal eine Zulage. Klassenleitungen von Regelklassen und Inklusionsklassen werden gehaltstechnisch gleichgestellt. Besonders gediegen ist dabei die Zusammenarneit mit den Sonderpädagogen, die ja grundsätzlich A13 besoldet sind. Werden diese wegen der inklusion an Regelschulen versetzt, blockieren sie im Stellenkegel auch noch Beförderungsstellen. d.h. Lehrkräfte mit A12 können bei Übernahme von Funktionen (Mitarbeit bei …) nicht auf eine Beförderung hoffen, da die bez.-Reg. die Ausschreibung einer entsprechenden Stelle nicht genehmigt, da im Stellenkel die vorgesehenen A13-Srellen ja bereits besetzt sind.

        Für Lehrkräfte mit dem Einstiegsamt A13 des höheren Dienstes stehen dahingegen überproportional viele A14-Stellen im Stellenkegel zur Verfügung.

      • Verstehe ich das richtig, dass Sie sich besser fühlen, wenn Sie zwar nicht mehr oder nur geringfügig mehr Rente kriegen würden, wenn dafür die Pensionsbezüge auf das Maß ihrer voraussichtlichen Rente abgesenkt werden?

        • Ja, auf ca. 43% der durchschnittlichen Bezüge des aktiven Beruflebens.
          Auf den seiten von SchALL gibt es eine wunderschöne, böse Karikatur zu diesem Thema.

  4. Sofawolf sieht es so: Alle anderen Lehrer arbeiten mehr als Grundschullehrer, deshalb verdienen sie auch ein höheres Entgeld (Er meint vermutlich Korrekturzeiten).

    Paradoxerweise sagt er aber, dass Grundschullehrer überlastet sind, obwohl sie ja in seinen Augen weniger arbeiten als Gymnasiialkräfte, für die fordert er aber weniger Stunden, kleinere Klassen, usw….

    Warum auch immer…..

    • Er vergisst nur zu sagen, dass die Wochenstundendeputate für Lehrkräfte an GS und HS sowie RS um die 10% über denen der GY-Lehrkräfte liegen und das Lehrkräfte, die in der GOSt in der Q2 unterrichten nach den Sommerferien keinen Unterricht mehr in der Q2 abhalten müssen. Okay, die Korrekturen der abi-Arbeiten sind etwas aufwendiger, aber ohne Unterrichtsverpflichtung in der Q2 durchaus leistbar, zumal nicht jeder Oberstufenschüler jedes Fach auch schriftlich ablegen muss.

      Die ZP10-Arbeiten müssen in größerer Anzahl in einem kürzeren Zeitraum korrigiert werden – ja, sie entscheiden genauso wie Abi-Arbeiten über die Abschlüsse.

    • Also für die Grundschullehrer fordert er Entlastungen, obwohl in seinen Augen Gymnasiallehrkräfte mehr leisten und daher eine höhere Bezahlung verdienen.

      • Für Grundschullehrer oder für an der Grundschule eingesetzte lehrkräfte?
        Das wäre wohl der Traum seiner schlaflosen Nächte, Beibehaltung der A13-Besoldung, Einsatz (Abordnung) an einer Grundschule, Verkleinerung der Klassengröße auf unter 16 Kinder und zusätzliche Assistenzkräfte für die Inklusionsfälle plus Doppelbesetzung mit einem Sonderpädagogen in allen Stunden …

        Nur unter den Bedingungen wird wohl ein harter Konkurrenzkampf um die entsprechenden stellen entbrennen.

  5. Ich weiß, ich rede heute kompliziert. Ich verstehe sofawolf so:
    Grundschullehrer arbeiten weniger als andere Lehrer und verdienen daher A12.
    Alle anderen arbeiten mehr und bekommen gerechterweise A13.

    Jetzt kommt der Widerspruch bei sofawolf: Er sagt, dass Grundschullehrer überlastet sind und Entlastung brauchen, aber nicht mehr Geld. Aber in seinen Augen arbeiten sie doch weniger, als andere, die A13 bekommen….Warum dann Entlastung? Dann entlasten wir doch lieber die A13er, die bekommen auch A12, es bleibt mehr Geld, um mehr Lehrer auszubilden und einzustellen…

    • Verstehe ich Sie richtig? Hauptsache, die Gymnasiallehrer stehen auf gleicher Stufe wie die Grundschullehrer. Wenn sie auf A12 herabgestuft werden, verschafft das auch schon Befriedigung. Hauptsache, sie gelten wegen ihrer höheren Besoldung nicht als etwas Besseres.

  6. Sind sie denn etwas Besseres?

    • Ihre Rückfrage an mich ist unverständlich, denn Sie wollen doch eine gleiche Bezahlung, und sei es auch ohne Gewinn für Grundschullehrer durch Absenkung aller höheren Gehälter auf A12. Es geht also um reine Anerkennungsfragen, versteckt hinter der Fahne „Besoldung“.
      Keiner soll mehr bekommen als Sie, weil das Ihren Status und Ihre Leistung schmälern könnte.

      • Es geht nicht um die Anerkennung der Tätigkeit bei der Eingruppierung in das gleiche Eingangsamt. Es geht um die formale Anerkennung, dass bei Lehrkräften für Lehämter der Primarstufe und der Sekundarstufe I die gleichen Voraussetzungen bezüglich Regelstudienzeit und Vorbereitungsdienst vorliegen wie bei Lehrkräften mit lehrberechtigungen für die Sekundarstufen I + II.

        Staatsanwälte und Vermessungsräte sind bezüglich der Tätigkeitsfelder und Merkmale auch nicht mit Studienräten zu vergleichen, sie erhalten aber aufgrund der Ausbildungsvoraussetzungen die gleiche Eingangsbesoldung.

        • Na ja, wenn es vornehmlich um die Genugtuung einiger Grundschullehrkräfte auf Kosten anderer Lehrer und ohne Gewinn für sich selbst geht, ist mir das suspekt.

          Auch die Behauptung, „ein gewisser Standesdünkel ist dem höheren Dienst egal welcher fachrichtung nicht abzusprechen“, stößt mir unangenehm auf. Wer den Dünkel finden will, wird ihn für seine Zwecke auch finden und als Tatsache behaupten.

          • Bei dieser Diskussion drehen wir uns nur im Kreis. Ich klinke mich hiermit aus und hoffe auf andere Diskussionspunkte.

    • Aber die Ratszulage bleibt denen doch …

      Ansonsten muss man ja nicht besser sein, um sich besser zu dünken. Und ein gewisser Standesdünkel ist dem höheren Dienst egal welcher fachrichtung nicht abzusprechen.
      Dass die menschwerdung für beamte erst ab A13 beginnt, kommt ja nicht von ungefähr.

  7. Die Argumentation eines Diskussionsteilnehmers hier erinnert mich an diese kleine Geschichte:

    Es war einmal ein Mann, der seinem Nachbarn nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnte. Immer wollte er mehr besitzen als jener und wo das nicht zu erreichen war, da sollte wenigstens keiner von beiden etwas haben.

    Ein guter Geist wollte ihn von seiner Selbstsucht kurieren, erschien vor ihm und sprach:“Ich erfülle dir einen beliebigen Wunsch, aber dein Nachbar bekommt davon doppelt so viel“

    Der Angesprochene dachte sehr lange und gründlich nach. Schließlich sagte er: „Mach mich auf einem Auge blind“

  8. Das wirklich Ungerechte ist, dass bei gleicher Ausbildung der HRGe-Lehrer an einer Gesamtschule oder auch an einer Sekundarschule nur 25,5 Stunden die Woche arbeiten muss, sein Kollege mit der identischen Qualifikation an der Haut- bzw. Realschule jedoch volle 28 Stunden.

    • Zustimmung, invictus! Ich vermute sowieso, dass über mehrere Mechanismen die Einheitsschulen gefördert und die Gymnasien entkernt werden sollen, bis auch sie Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschulen sind.
      Die Angleichung der Lehrergehälter ist wichtige Voraussetzung dafür.

      • Schon blöd, dass in NRW GemS eben keine „Einheitsschulen“ sind. Sie vereinen nach wie vor zwei unterschiedliche Schulformen lediglich unter einem organisatorischen Adch unter einer gemeinsamen Leitung. Im Grunde nichts Anderes als Hauptschulen, die ja auch am Ende zwei unterschiedliche Profilklassen unter einem Dach vereinen.

        • Die Entwicklung ist in sehr vielen Bundesländern gleich, es gibt eine Schulform unter deren Dach HS+RS geführt werden, die SuS sind aber in den Klassen getrennt.
          Einige dieser Schulen bieten im Anschluss auch die SekII an.

          Schwierig ist, dass diese Schulform überall einen anderen Namen bekomen hat: RealschulePlus, Oberschule, Mittelschule, Gemeinschaftsschule, und dass die Namen in anderen Bundesländern wiederum andere Bedeutungen haben.
          Wir haben bei 4teachers im Wiki eine Liste angelegt, um eine Übersicht zu bekommen.

          Interessant dabei, wie bei anderen Themen, ist, dass diese Änderung bundesweit vollzogen wurde, gleich welche Regierung am Ruder war. Es ist ersichtlich, dass etliche über die KMK gesteuert ist, somit also ein bundesweiter Einfluss auf Bildung durchaus jetzt schon möglich ist. Weitere Beispiele dafür sind die Sprachförderung vor der Einschulung, Kompetenzorientierung und vermutlich auch G8.

    • Das liegt aber daran, dass es den eingesetzten Lehrkräften nicht zu vermitteln ist, warum neben unterschiedlichen Bezahlungen an Gesamtschulen, Gemeinschaftsschulen und Sekundarschulen sowie den PRIMUS-Schulen unterschiedliche Wochenstundendeputate abgearbeitet werden sollen. Die Kollegen mit Lehrbefähigung SekI+II halten durchschnittlich nur ein Drittel ihrer Lehrverpflichtung in der Oberstufe ab.
      Den weitaus größeren Teil ihrer Unterrichtszeit verbringen sie in der SekI, wo sie die gleiche Arbeit leisten wie die SekI-Kollegen. dafür gibt es für die Kollegen mit Lehrbefähigung SekI+II an Schulen des Gesamtschulkapitels (ca. 50%) auch mehr Beförderungsstellen (Funktions- und Leitungsstellen).

      • Können Sie das in irgendeiner Form belegen, dass an Gesamtschulen die Leitungsstellen mehrheitlich den Sek1+2-Lehrern vorbehalten sind. Damit wir uns richtig verstehen, unter Leitungspositionen verstehe ich: Schuldirektor, Stellvertreter, Unter-, Mittel- und Oberstufenleitung sowie die didaktische Leitung.

        • Es bezieht sich vermutlich darauf, dass diese Stellen häufig auf A14 (oder höher) ausgeschrieben werden.
          Darauf können sich aber nur Menschen bewerben, die zuvor bereits A13 erhalten.

          Hier sind die SekII-Lehrkräfte bevorzugt, die dies ja sofort erhalten, während die Grundschullehrkräfte und in etlichen BL auch die SekI-Lehrkräfte ganz oder in Teilen zu A12 eingestellt werden.
          Bevor sie sich auf eine Leitungsstelle A14 bewerben können, müssen sie zunächst eine A13 Stelle übernehmen – also einen Umweg nehmen, um qualifiziert zu sein. Das allein ist schon eine Benachteiligung.
          Wenn es aber nur wenige A13 Stellen gibt, erhalten die Lehrkräfte mit A12 kaum die Möglichkeit, diesen Umweg gehen zu können und sind von den Leitungsstellen mit A14 ausgeschlossen.

        • Nicht umsonst schrieb ich Funktions- und Leitungsstellen.
          A14-Stellen, die von SekI_lehrkräften an GeS besetzt werden können, sind die Abteilungsleitungen 1 und 2, die didaktische Leitung sowie eine Schulleitungsposition – also entweder Schulleiter oder Stellvertreter. Die Hälfte der erweiterten Schulleitung kann also eien sekI-Lehrbefähigung ahben.

          Bei den Funktionsstellen sieht es schon anders aus; es gibt mehr A14- und A15-Stellen (Koorsination) als a13-Beförderungsstellen (Mitarbeit bei …).

    • GE sind Ganztagesschulen, das bedeutet: Zusätzliche Mittagspausenaufsichten, mehr Springstunden, i.d.R. wöchentliche DB, Teamsitzungen und Arbeitskreise.

  9. Koordinationsstellen (bspw. Sprachen, NW, Evaluation) sind in NRW weitgehend abgeschafft bzw. werden seit Löhrmann nicht mehr besetzt. A15 als DL ist regulär bei GE größer als 1000 Schüler. Abteilungsleitungen i.d.R. Sek I A14, es gibt Ausnahmen mit Sek II-Lehrern in Abteilung III (9-10) oder Abteilung II (8-10), die über A14 aber nicht hinauskommen, jedenfalls nicht in dieser Funktion. Oberstufenleitungen in großen Gesamtschulen sind A15. Alle sind per ADO und Schulgesetz mit teils weitgehenden Weisungs- und Kontrollbefugnissen ausgestattet, anders als gymnasiale Koordinatoren. Dies erklärt die Höherstufungen. Zudem gibt es Entlastungsdeputate für Schulleitungsmitglieder. Die Aussage, dass Sek II-Lehrer den größten Teil in der Sek I zubringen ist, wie so vieles, richtig und falsch zugleich. Das hängt natürlich von ihrer UV ab und die wiederum von ihren Fächern, den personellen Ressourcen einer Schule und anderem. Die Schulform, die Palim zu meinen scheint, heißt in NRW nach dem berüchtigten „Schulkompromiss“ „Sekundarschule“. Eine Sekundarschule hat KEINE gymnasiale Oberstufe. In Sekundarschulen ist daher auch die Leitungsebene ganz anders besetzt, i.d.R. ohne Sek II-Kräfte (was diese Schulform für Sek II-Kollegen zu einer „Karrierefalle“ macht). Auch die Aussage, solche Schulen würden nicht integrativ arbeiten, ist falsch. Sekundarschulen arbeiten integrativ, auch wenn sie, wie Gesamtschulen, unterschiedliche Kursniveaus in den Kernfächern oder auch Lernbüros anbieten. Dennoch sind Klassen- und Projektstunden obligatorisch. Das macht sie nicht zu „Einheitsschulen“. Einheitsschulen gibt es in NRW nicht, außer, man möchte bspw. ein Gymnasium so nennen, weil es alle Schüler ohne weitere äußere Differenzierung zu denselben Abschlüssen führt. Der Begriff ist natürlich irreführend, deswegen würde ich ihn auch für diese Schulform nicht benutzen. Das Schulgesetz tut das jedenfalls nicht. Die Aussage, es gäbe an GE mehr Beförderungsstellen, kann ich darüber hinaus nicht bestätigen. Natürlich gibt es schon mal A14-Zuweisungen. Ob es mehr sind als an einem Gymnasium (auch relativ zum Sek II-Lehreranteil) möchte ich bezweifeln. Das viel, viel größere Problem einer Gesamtschule ist nach den diversen Reformen der Lehrerausbildung vielmehr, dass zwar das Sek I/SekII- Verhältnis bei 60:40 festgetackert ist, es aber kaum noch Sek I-Bewerbungen gibt. Ein Dilemma, das aktuell auch die Dezernate zur Verzweiflung bringt.

  10. ZITAT (missis):

    „Jetzt kommt der Widerspruch bei sofawolf: Er sagt, dass Grundschullehrer überlastet sind und Entlastung brauchen, aber nicht mehr Geld. Aber in seinen Augen arbeiten sie doch weniger, als andere, die A13 bekommen….Warum dann Entlastung? Dann entlasten wir doch lieber die A13er, die bekommen auch A12, es bleibt mehr Geld, um mehr Lehrer auszubilden und einzustellen…“

    Auch das ist bereits dutzendfach gefragt / eingeworfen und beantwortet worden. Es macht wenig Sinn, sich öffentlich aus Diskussionen zu verabschieden und dann wieder „hereinzuschneien“ und zu sagen oder zu fragen, was längst Thema war.

    • Wobei mal wieder gesagt wird, was ich gesagt hätte, aber so nicht gesagt habe. Ist das eigentlich Absicht oder Unvermögen? 😉

      • Wenn Sie meinen, mississipi hätte ihre Äußerungen falsch widergegeben, wäre es ja für Sie ein Leichtes, dies auszuführen, damit es verständlich wird.

        • Sie meinen also, es ist Unvermögen?

          • Bitte beteiligen Sie sich sachlich an der Diskussion.

          • @ Palim,

            ach, ich glaube, dieses „moralische Recht“ haben Sie (und Ihre „Clique“) inzwischen verloren, nachdem Sie ja anderen unsachlichen Kommentaren applaudiert haben – nur weil Ihnen die „Stoßrichtung“ gefiel. Oder wie war das noch mit dem Wasser predigen und Wein trinken …?

            Ich wusste, dass ich das eines Tages sagen können werde. 😉

          • Nee – @sofawolf – die Moral ist auf Ihrer Seite. Uns geht’s wie Brecht auch schon anmerkte ums Fressen. Und das kommt vor der Moral.

        • Axel von Lintig

          Warum soll er seine Ausführungen noch einmal wiederholen, wenn diese nicht von allen verstanden werden ?
          Mississippi hat so ihre eigenen Interpretationen des Gesagten und gliedert in schwarz/weißen Schattierungen/Irrungen.

          • Es sagte mal jemand (bitte nicht gleich falsch verstehen):

            Der Verstand versteht, was er verstehen will.

  11. Da bin ich aber mal richtig froh, dass ich das gymnasiale Lehramt studiert habe und nicht unter permanentem Futterneid leiden muss…

  12. @ dicke bank,

    bei allem Disput, Sie sind immer so „herzerfrischend“ ehrlich. 🙂

    Das zumindest schätze ich an Ihnen.

  13. Warum sollen die, die unter den Fehlentscheidungen der Schulpolitik bereits leiden, auch noch durch Mehrarbeit, Spätpensionierung u.s.w. bestraft werden? Vielleicht wäre es ratsam, die Entscheidungsträger einmal in unsere Schulen zu schicken, um sich ein Urteil über die Arbeitsbedingungen erlauben zu können …

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