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Schulministerin will Fachkräfte aus Unternehmen als MINT-Lehrer einsetzen – ohne pädagogische Qualifikation?

DÜSSELDORF. Die neue Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will Personalengpässe an Schulen in Nordrhein-Westfalen vorübergehend mit Fachkräften aus der Wirtschaft überbrücken. «Ich strebe eine Kooperation mit der Wirtschaft an, bei der Unternehmer zeitweise Mitarbeiter für einzelne Unterrichtsstunden zur Verfügung stellen könnten», sagte sie der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Der Personalnotstand in den MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sei so groß, dass man alle Ideen in Betracht ziehen müsse. Über eine pädagogische Qualifikation solcher Hilfslehrer sagte Gebauer nichts.

Die FDP-Politikerin Yvonne Gebauer ist neue Schulministerin von NRW. Foto: Raimond Spekking / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Die FDP-Politikerin Yvonne Gebauer ist neue Schulministerin von NRW. Foto: Raimond Spekking / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

«Die Fachkräfte aus der Wirtschaft sollen wiederholt Stunden übernehmen und richtig Unterricht geben», erklärte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage die Idee. Der Einsatz solle über die bisher mitunter übliche Praxis hinausgehen, dass Unternehmensvertreter für einzelne Stunden in Schulen kommen und einen Einblick in die Praxis gewähren. Einen konkreten Zeitplan gebe es für den Einsatz noch nicht. Denkbar sei, die Fachkräfte aus Firmen in Fächern wie Physik, Mathe, Chemie und Informatik einzusetzen. Die Idee müsse nun mit Arbeitgebern und Gewerkschaften besprochen werden.

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«Das ist eine sehr gute Idee», erklärte Jörg Deibert, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld auf Anfrage. «Wir fordern als IHK schon lange, dass man das Thema Wirtschaft stärker in den Unterricht miteinbezieht.» Fachkräfte aus der Wirtschaft als Lehrer einzusetzen, sei eine Möglichkeit. Die Kosten für den Einsatz müsse allerdings die öffentliche Hand tragen. dpa

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12 Kommentare

  1. Entweder hat die Insustrie – auch im MINT-Bereich – einen FAchkräftemangel oder die FDP-Ministerin eine andere Kenntnis der Arbeitsmarktsituation als der BDA.

    Die Landesregierung hat ja nicht einmal ausreichend Fachingenieure und Diplom- Naturwissenschaftler in ihren eigenen Fachbehörden, um alle freien Planstellen adäquat besetzen zu können, geschweige denn dass sie solches Fachpersonal an Schulen zum Unterrichten bordnen könnte.

    • Ganz abgesehen davon werden sich sehr viele der Naturwissenschaftler für A13-netto die Finger nicht krumm machen, geschweige sich den Stress des Lehrerberufs antun, selbst A16-netto ist zumindest bei großen Firmen nichts besonderes.

      • Die fehlen aber nicht nur an GY und BK. – Und warum sollte ein Chemiker aus der „freien Wirtschaft“ als „Hilfskraft“ vor einer Sekundarstufe I – Klasse eine höhere Dotation bekommen als ein grundständiger Chemie-Lehrer mit zweitem StEx?

        • Eben. Und für E11 oder E12 geht ein diplomierter Chemiker erst recht nicht von der freien Wirtschaft in die Schule. Das gilt besonders für die wahrscheinlichen befristeten Vertretungsstellen.

          • @xxx – in meiner Regionalzeitung stand heute, Frau Ministerin denkt daran stundenweise Kräfte aus der örtlichen Wirtschaft FAchkräfte für MINT-Fächer zu engagieren und unterrichten zu lassen.
            Spannend wird dann die Frage, wie die Teilnahme an Fachkonferenzen und Dienstbesprechungen sowie Zeugniskonferenzen, die Erstellung von Arbeiten/Tests und die Korrekturen sowie die Verpflichtung zur Teilnahme und die Prüfberechhtigung bei Notenverbesserungs- und Leistungsfeststellungüfungen geregelt werden.

            Übrigens E12 ist für nicht grundständige lehrkräfte gem. TV-L ausgeschlossen. Entweder gibt es E11 in der SekI oder E13 in der SekII. Im höheren Dienst wird bei Seiteneinsteigern nicht mehr zwischen grundständigen Lehrkräften und anderen bei der Eingruppierung differenziert.

          • Dazu kommt die Einarbeitung in die experimentesammlung vor ort. Das ist viel aufwändiger als ein nw-test in der sek i.

          • Wieso Test? Im leistungsdifferenzierten Fach Chemie in der SekI an Gesamtschulen (Chemie-Schule) und in der Oberstufe werden Kursarbeiten geschrieben. An Physik-Schulen gilt selbiges für das afch Physik.

            Den gedanken an die Sammlungsbetreuung hatte ich auch schon. Wenn die grundständige Lehrkraft dann die Arbeit zu A12 sowie ein oder zwei Entlastungsstunden macht, und der „Gastdozent“ auf dre Basis von A13 vergütet wird, dann kommt bestimmt viel Freude bei den Kollegen und Kolleginnen auf. Vor allem dann, wenn sie den vielbeschäftigten „Gastdozenten“ dann hinterher räumen müssen, da diese wegen Termindruck eilig an ihre eigentliche Arbeitsstelle zurück müssen

  2. Wenn wir beim Beispiel Chemie bleiben: Soviele Chemie-Stellen sind doch gar nicht ausgeschrieben? Oder seh ich was falsch bei LEO.

  3. Aus der Sicht einer Rechtsanwältin, die nun an führender Stelle über Schulangelegenheiten entscheiden soll, ist es vielleicht stimmig, wenn ein habilitierter Universitätsdozent „Biologie“, der Lehrer ausbildet aber selbst über kein Lehramt verfügt, in einer heterogenen Lerngruppe am Gymnasium oder in der Gesamtschule „Chemie“ unterrichtet. Schulleitungsaufgabe ist es dann, ihn fortbilden zu lassen und seine pädagogische Minderqualifikation sonst wie hausintern aufzufangen. Ohne Referendariat und ohne Eignungsfeststellung geht es einfach nicht.

  4. Die NRW-Schulministerin ist keine Rechtsanwältin, sie hat eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten gemacht und zwei Jahre in dem Job gearbeitet. Danach war sie Mitarbeiterin bei einem Bundestagsabgeordneten und in der Immobilienbranche tätig (siehe: https://www.schulministerium.nrw.de/docs/bp/Ministerium/Ministerin/index.html).

    Diese Schulferne ist vielleicht für diese unausgegorene Idee verantwortlich. Er/Sie kommt, unterrichtet ein bisschen und fährt dann wieder in die Firma. Ist das so gedacht? Es scheint übersehen zu werden, dass so viel mehr Aufgaben zum Lehrerdasein gehören (siehe u.a. Vorredner).

    Die Vorgängerinnen von Frau Gebauer (FDP) – Frau Löhrmann (Grüne), Frau Sommer (CDU), Frau Vogt (SPD) – waren übrigens alle Lehrerinnen. Ob sich diese Berufsnähe ausgezahlt hat, mögen andere beurteilen.

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