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Tepe: „Frauenberufe, wie den der Erzieherin oder Grundschullehrerin, aufwerten!“ – anders lasse sich der Personalmangel nicht beseitigen

FRANKFURT/MAIN. Mit Blick auf die steigende Zahl von unbesetzten Stellen an Schulen und Kitas fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), den Fachkräftemangel zu bekämpfen und Bildungsberufe attraktiver zu machen. „Die Politik hat es über Jahre versäumt, diese Berufe aufzuwerten und die Leistung und Kompetenz anzuerkennen. Jetzt haben wir mit den Konsequenzen zu kämpfen: Fachkräftemangel herrscht nicht nur in der Industrie, in Gesundheit und Pflege sondern auch an Schulen und Kitas“, mahnte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe in Frankfurt am Main.

Fordert "A13 für alle": GEW-Bundesvorsitzende Marlies Tepe. Foto: GEW

Fordert eine Quzalitätsoffensive für die Bildung: GEW-Bundesvorsitzende Marlies Tepe. Foto: GEW

„In vielen Bundesländern ist der Unterricht nicht sichergestellt, weil Lehrerinnen und Lehrer fehlen.“ Insbesondere Grundschulen seien vom Lehrkräftemangel betroffen, so Tepe. Doch auch an Kitas seien nicht genügend Erzieherinnen und Erzieher vorhanden, um den großen Bedarf an frühkindlicher Bildung und Betreuung zu decken. „Bildung und Betreuung sind gesellschaftlich wichtige Arbeiten und deshalb auch ein Thema für den Bundestagswahlkampf. Wir erwarten von den Parteien im Bundestagswahlkampf Antworten. Sie sollen sich festlegen, wie sie die Qualität in Kita und Schule sichern, die Arbeitsbelastungen reduzieren, eine leistungsgerechte Bezahlung sicher stellen und eine Weiterbildungsoffensive gestalten wollen“, forderte die GEW-Chefin. Auch die Bundesländer nahm sie in die Pflicht. Diese müssten dringend dafür sorgen, dass die Hochschulen mehr Studienplätze für die Ausbildung von Lehrkräften schaffen.

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Weil Eltern nicht nur Entlastung durch Ganztagsbetreuung sondern Qualität für ihre Kinder wollten, müsse an Kitas zudem die Fachkraft-Kind-Relation verbessert werden, erklärte Tepe. Wissenschaftliche Untersuchungen lägen eine Fachkraft-Kind-Relation von 1:3 in der Krippe und 1:7 in der Kita nahe. „Davon sind wir vielerorts jedoch meilenweit entfernt. Deshalb tritt die GEW für ein bundesweit einheitliches, verbindliches Kita-Qualitätsgesetz ein.“ Auch bei der Bezahlung gebe es Nachholbedarf. Insbesondere bei freien Trägern von Kitas sei die Bezahlung sehr unterschiedlich und liege mitunter weit unter den tariflichen Standards. „Wir wollen Tariflohn für alle!“, so die Bildungsexpertin. „Wenn die qualitativen Standards für Bildung, Erziehung und Betreuung und das Anforderungsprofil des Berufs für alle Bundesländer und alle Träger auf gleichem Niveau liegen, müssen dem auch die tariflichen Standards entsprechen.“

Einkommen zu niedrig

Der Arbeitsplatz Grundschule müsse ebenfalls attraktiver werden, denn hier sei der Lehrkräftemangel besonders groß. Das Einkommen von Grundschullehrkräften sei aber im Vergleich zu Fachkräften in der Industrie oder Lehrkräften an weiterführenden Schulen zu niedrig, erklärte Tepe. „Die gesellschaftliche Wertschätzung für die Arbeit mit Grundschulkindern muss sich auch in der Bezahlung niederschlagen“, forderte sie. „Dass das in Berufen, die überwiegend von Frauen gewählt werden geht, zeigen die Länder Berlin und Brandenburg. Sie haben die Bezahlung von Grundschullehrkräften erhöht.“ Tepe forderte die Ministerpräsidenten der Länder und die Kultusministerkonferenz auf, sich an einen Tisch zu setzen und Bildungsberufe aufzuwerten.

Dem Fachkräftemangel lasse sich entgegenwirken, so Tepe. „Wir erwarten von den Parteien, die zur Bundestagswahl antreten, dass sie sich für eine Qualitätsoffensive in Kita und Schule einsetzen und Frauenberufe, wie den der Erzieherin oder Grundschullehrerin, aufwerten.“ Die GEW-Vorsitzende forderte zum Abschluss, dass die Parteien zudem eine Weiterbildungsoffensive starten, die den Wiedereinstieg, die berufliche Umorientierung und die Öffnung für gesellschaftliche Vielfalt fördern. N4t

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7 Kommentare

  1. Das ist völlig an den Realitäten vorbei.

    Es gibt ja fast überall in unserem Land Personalmangel. Bei den Erziehern, bei den Lehrern, bei den Angestellten in den Bauämtern (kürzlich im Fernsehen gehört), bei den Altenpflegern, in etlichen Handwerksberufen, bei der Justiz, in allen möglichen öffentlichen Ämtern …

    Alle mehr verdienen? Aber wenn alle nicht gleich verdienen, jedoch alle mehr verdienen, dann verschiebt sich der Abstand ja nur nach oben. Dann ändert sich doch gar nichts daran, dass die einen Berufe deutlich mehr als die anderen verdienen und wenn alle mehr verdienen, dann wird auch alles mehr kosten, weil man mehr nehmen kann, und dann hat man effektiv am Ende doch nicht mehr …………

    Es ist der falsche Weg! Es muss an den Arbeitsbedingungen was verändert werden, wenn man Leute wieder für bestimmte Berufe begeistern will !!!!!!!!!!!!!!!!!

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