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Kretschmanns Waterloo: Baden-Württemberg hat als Musterländle in Sachen Bildung abgewirtschaftet – Philologen: grün-rote Pädagogik gescheitert

STUTTGART. Für Baden-Württemberg kommt es knüppeldick: Innerhalb eines Jahres attestieren zwei Bildungsstudien dem ehemaligen Musterländle in Sachen Bildung einen dramatischen Absturz – 2016 ging es um die Neuntklässler, jetzt um die Grundschüler. Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) muss sich jetzt fragen lassen, was in den Schulen seines Bundeslandes schiefläuft. Die Philologen meinen, nun sei „die Katastrophe perfekt“ – und erklären „die Speerspitze grün-roter Pädagogik“ für gescheitert.  

Will Lehrerstellen abbauen - aber wie viele? Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Grüne NRW / flickr (CC BY-SA 2.0)

Gerät jetzt unter Druck: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Grüne NRW / flickr (CC BY-SA 2.0)

Für Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) war es ein Déjà-vu. Bereits vor einem Jahr musste sie ein fürs ehemalige Bildungsmusterländle verheerendes Ergebnis eines IQB-Tests vermelden – bei den seinerzeit bundesweit getesteten Neuntklässlern war Baden-Württemberg auf die hinteren Ränge abgerutscht.

Und auch der gestrige Freitag der 13. war für Eisenmann wahrlich kein Glückstag: Ausgerechnet als Präsidentin der Kultusministerkonferenz musste die Christdemokratin nun eine Bildungsstudie vorstellen, die auch den Grundschülern im Südwesten kein gutes Zeugnis ausstellt. Die Kinder dort liegen im bundesweiten Vergleich nur noch im Mittelfeld. Nach der Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) haben sich die Leistungen der getesteten Viertklässler massiv verschlechtert. «Insgesamt ist der Gesamtabfall für Baden-Württemberg mehr als ernüchternd», räumte sie in Berlin ein. Mit Blick auf die IQB-Studie 2016 attestierte sie dem Südwesten ein «durchgehendes Qualitätsproblem» – von den Grundschulen bis zu den weiterführenden Schulen also.

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Die Ministerin und ehemalige Stuttgarter Schulbürgermeisterin ist seit 2016 im Amt. Die Studie bezieht sich auf Schüler, die im vergangenen Jahr die vierte Klasse besuchten. Eisenmann konzentriert sich seit Amtsantritt auf Qualität statt Schulstrukturdebatten. Doch vor allem der leer gefegte Lehrermarkt droht ihr einen Strich durch die Rechnung zu machen. Grundschullehrer sind rar. Unterrichtsausfall ist überall im Land ein Problem.

Nach der Studie belegten die Schüler im Fach Deutsch im Ländervergleich Platz 13 beim Regelstandard Lesen – nach dem fünften Rang im Jahr 2011. Der Anteil derer, die den Mindeststandard nicht erreichten, lag bei 13,4 Prozent. Beim Zuhören kamen die im Jahr 2016 geprüften Viertklässler nur noch auf den neunten Rang, nachdem sie zuvor Zweitplatzierte gewesen waren.

In Mathematik stürzte das Landesergebnis regelrecht ab: Nur 62 Prozent erreichten den Mindeststandard oder übertrafen ihn. Das ist ein Minus von 10 Prozentpunkten im Vergleich zu 2011. Die Spitzengruppe bei Mathe verkleinerte sich um 6 Punkte auf 12,8 Prozent. Im Ländervergleich wich Baden-Württemberg hier am stärksten vom 2011er-Wert ab. Das Ministerium sprach von Rückgängen, die sich in einer nur mit dem Schlusslicht Bremen vergleichbaren Größenordnung bewegten.

Das Wort «verheerend», mit dem CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart das Abschneiden des Landes beschrieb, trifft das Ergebnis aber dennoch nicht präzise. Das Ressort von Eisenmann betonte, das Land sei im deutschen Mittelfeld gelandet – nach Spitzenplätzen in der Vergangenheit. Die Mitherausgeberin der Studie, Nicole Haag: «Baden-Württemberg ist abgestürzt, aber nicht ganz unten gelandet.» Grund: das relativ hohe Niveau der Vorjahre.

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Auch ein altes Problem taucht in der Studie wieder auf – die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozialem Status. So waren im Südwesten die Kompetenzen im Lesen 2016 stärker an den sozialen Status gekoppelt als noch 2011. In diesem Zusammenhang kann auch Eisenmanns Hinweis gesehen werden, dass der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund unter den Viertklässlern bei etwa 45 Prozent liegt – das sei unter den Flächenländern der höchste Wert vor Hessen. Die Heterogenität der Schüler sei ausweislich der Studie im Südwesten sehr hoch: Fordernder Unterricht für Stärkere und förderndes Lehren für Schwächere sei das Gebot der Stunde.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) – der seit sechs Jahren regiert (erst mit einem SPD-geführten Kultusministerium, jetzt mit einem CDU-geführten) und damit die politische Verantwortung für das Debakel trägt – warnte vor Schuldzuweisungen. Damit reagierte der ehemalige Gymnasiallehrer darauf, dass bereits vor Veröffentlichung der jüngsten Daten in der Landespolitik die Suche nach den Schuldigen für die Entwicklung begonnen hatte. Das Kultusministerium müsse seine Kernaufgabe erfüllen, herauszufinden, warum «wir da so abgesunken sind».

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Mit seinem Plädoyer rennt er bei Eisenmann offene Türen ein. Die hat sich wissenschaftliche Unterstützung für mehr Qualität geholt. Ein Beirat soll die Entwicklung analysieren. Überdies sollen zwei geplante wissenschaftliche Institute das Bildungswesen im Land unter die Lupe nehmen. Weitere zentrale Klassenarbeiten sollen eine punktgenaue Förderung ermöglichen. Die bereits eingeleiteten und noch geplanten Schritte sind mehr Stunden in Mathe und Deutsch, Ausbau von Sommerschulen für Grundschüler sowie reibungslosere Übergänge vom Kindergarten in die Grundschule.

Angesichts der Probleme kommen auch aus der Opposition Angebote der Zusammenarbeit. So will die SPD-Fraktion auf politische Grabenkämpfe und gegenseitige Schuldzuweisungen verzichten. Gemeinsam mit den anderen Fraktionen wollen die Sozialdemokraten in einer Enquete-Kommission den richtigen Weg für den frühkindlichen Bereich und die Grundschule suchen. News4teachers / mit Material der dpa

 

Was die Philologen meinen

STUTTGART. „Hatten uns schon die IQB-Ergebnisse der Neuntklässler mächtig zugesetzt, so ist jetzt die Katastrophe perfekt: Baden-Württemberg ist auf den vorletzten Platz im Länderranking abgerutscht“, so meldet der Philologenverband Baden-Württemberg. Und nun prasselten Erklärungsversuche übers Ländle nieder.

Beim Ruf nach mehr Geld müsse natürlich die Unterfinanzierung des deutschen Schulsystems generell thematisiert werden. Der  nach Sozialpädagogen, Sozialarbeitern und Schulpsychologen sei in einem Bundesland mit einem sehr hohen Anteil an Risikoschülern, die nicht einmal die Mindeststandards erreichen, durchaus verständlich. Der Verweis auf die gestiegene Heterogenität der Schülerschaft ziele jedoch deshalb ins Leere, weil diese in anderen Bundesländern auch gestiegen sei. Auch die Forderung nach einer Verlängerung des PH-Studiums auf 10 Semester bediene eher klientelspezifische Interessen, „denn als das Studium noch 6 Semester umfasste, belegten wir noch Spitzenplätze“, heißt es.

„Ursächlich für den Absturz sind vor allem Unterrichtsvolumen und Unterrichtsgestaltung. Die bereits erfolgte und noch folgende deutliche Aufstockung des Unterrichts in Lesen, Schreiben und Rechnen ist eine wichtige, da wirkungsvolle Maßnahme, denn eine Korrelation zwischen Unterrichtszeit und Unterrichtserfolg ist wissenschaftlich nachgewiesen.

Der zentralste aller Faktoren ist jedoch die Unterrichtsgestaltung, also das pädagogisch-fachdidaktisch-methodische Geschehen im Unterricht. Der schleichende Abwärtstrend der Schülerleistungen verlief parallel zur Propagierung einer so genannten ‚innovativen Unterrichtskultur‘, wie sie in der Gemeinschaftsschule ihren konkreten Niederschlag findet. Diese grün-rote ‚Speerspitze modernster Pädagogik‘ ist nicht nur gerade dabei, komplett zu scheitern, durch den massiven apodiktischen Implementierungsversuch dieser „modernen Weiterentwicklung von Unterricht“ wurde der jetzt dokumentierte große Schaden angerichtet.“ Das „Schreiben nach Hören“ zeige beispielhaft, was „innovativ“ konkret bedeuten könne.

„Mit dieser Art von Pädagogik muss Schluss sein, wenn uns die Zukunft unserer Kinder am Herzen liegt“, fordert der Philologenverband. Die Qualität von Unterricht bemesse sich vor allem an seinen Ergebnissen, und das sei nun mal, was die Schülerinnen und Schüler gelernt haben. „ Die Einhaltung von Standards, Verbindlichkeit, Fachlichkeit und der Lernerfolg sind die Gradmesser, nach denen sich die Qualität eines Schulsystems bemisst. Dessen scheint man sich in anderen Bundesländern bewusster gewesen zu sein als hierzulande.“

 

 

 

17 Kommentare

  1. ZITAT: “Baden-Württemberg hat als Musterländle in Sachen Bildung abgewirtschaftet – Philologen: grün-rote Pädagogik gescheitert.”

    Ja, das sehe ich auch so.

    • Viel wurde von rot-grün versprochen, nichts gehalten. Kleinere Klassen in den Grundschulen sind ein muss! Wie soll denn bitte mit 28 Kindern (zum Teil inklusiv beschult – Sonderpädagogin nur 8h anwesend) (Einzel-) differenziert werden?
      Doch mit der neuen Kultusministerin wendet es sich nicht zum besseren. Erneut Schnellschüsse und Änderungen ohne die Basis (den täglich am Kind arbeitenden Lehrer) zu fragen, statt dessen werden irgendwelchen Studien gefolgt. Die Abschaffung der Grundschrift zeigt sich als Fehler (und das sage ich obwohl ich zunächst starker Kritiker der Grundschrift war). Ich hatte schon lange keinen Jahrgang mehr in dem so viele Kinder eine so ordentliche Schrift hatten, wie in diesem Grundschriftjahr. Den Mangel an Rechtschreibung bemängeln meine Kollegen in Klasse 3/4 seit Jahren. In sofern finde ich die Abkehr von der Strategie „schreibt wie ihr wollt“ in Klasse 1/2 gut. Es hat sich gezeigt, dass gerade die Schwachen trotz Strategieübungen und gezielten Rechtschreibunterricht in 3/4 sich nicht mehr ganz von der Strategie aus 1/2 lösen konnten.
      Von mehr Lehrern und Teamteaching können wir nur träumen. Dabei nimmt die Anzahl der Kevins, Justins und Chantals zu….
      Die Eltern fühlen sich zum Teil überhaupt nicht mehr zuständig. Es ist schon eine Zumutung die Kinder mit den nötigen Heften auszustatten und den Schulranzen regelmäßig anzusehen und die Presse wie auch die Regierung fördern diese Haltung, indem auf den Lehrer geschimpft wird und die berufstätige Mutter in den Fordergrund geschoben wird. Meine Mutter war schon in den 70 ern voll Berufstätig (mit drei Kindern), Sie hat es geschafft (im Team mit meinem Vater) für gesundes Essen zu sorgen, unser Schulmaterial zu kaufen und unsere Hausaufgaben zu kontrollieren.
      Bringt Ruhe in die Schule, lasst uns Zeit vernünftig zu arbeiten und investiert endlich in Bildung statt nur darüber zu lamentieren.
      Ich will nicht immer mehr meiner Arbeitszeit mit Dokumentationen verbringen sondern die Zeit in Vorbereitung und Nachbereitung stecken…

  2. Es ist ja fast schon bittere Ironie: Von 2011 bis 2016 hat grün-rot im Ländle regiert, und nach dieser IQB-Studie ist der Abstieg gerade von 2011 zu 2016 erheblich. Dabei wollte doch grün-rot vor allem bei der Bildungspolitik (positive) Akzente setzen: Man lese mal die Sprüche nach, die damals geklopft wurden. Das Schulsystem sei veraltet, es sei sozial ungerecht usw. Jetzt hat man ein “modernes” Schulsystem mit einer besonderen Betonung auf soziale Gerechtigkeit (z.B. durch Gemeinschaftsschulen), und nun sacken die Leistungen sogar in der Grundschule ab.
    Tja, ein leistungsorientiertes Schulsystem sieht eben doch anders aus als das von grün-rot angestrebte. Wie wäre es denn, wenn man mal dem Rat der Fachleute folgen würde statt irgendwelchen Parteitagsbeschlüssen? Wenn man höhere Positionen (vom Schulleiter an aufwärts) nach Qualifikation statt nach Parteibuch bzw. Parteiideologie besetzen würde? Schulreformen im Rhythmus der Landtagswahlen sind nicht das, was wir brauchen.

    • in so ziemlich jedem Bundesland gingen die schulleistungen runter, seit die Grünen mitgemischt haben. im grünfreien Bayern auch, aber nicht so stark. Andererseits hat Bayern das g8 noch vermurkster umgesetzt als nrw, beides unter cdu/csu-regierung. das betrifft jetzt aber nicht die grundschulen.

      • Zitat: “Andererseits hat Bayern das g8 noch vermurkster umgesetzt”
        Stimmt, da wollten die Bayern unbedingt die Ersten sein und das hat der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber verbockt. Die damalige Kultusministerin Hohlmeier wusste gar nicht, wie ihr geschieht.
        Inzwischen ist man in Bayern schlauer geworden. Man schaut sich erstmal die Erfahrungen anderer Länder an und modifiziert dann die Reformen nach langem Vorlauf mit Versuchsschulen auf das eigene System, wenn sie sich praktikabel erweisen. Das kann man für ganz viele Neuerungen in der Grundschule sagen, z.B. testeten Versuchsschulen erstmal die Lernentwicklungsgespräche, bevor man sie ins System einbrachte. Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt, z.B. sind die in Bayern aufwändig zu erstellenden Zeugnisberichte (das gibt es in diesem Umfang in keinem Bundesland so) in der Grundschule eine Zumutung.

        • Die Bayern sind also so gut, weil sie aus den Fehlern der nördlicheren Versuchsfelder lernen 😉

          oder anders gesagt:
          Sie denken nach und schreiben nicht einfach ab!

          Ansonsten habe ich immer den Eindruck, dass man gerne nach Finnland oder sonst wo hin schaut, alles haben will, dafür aber keine Anstrengung und kein Geld investieren möchte (übrigens genau das, was häufig den SuS vorgeworfen wird):
          frühere Einschulung, schnelleres Abitur, Inklusion, Integration, schneller, höher, weiter, besser, billiger!
          Dass in den Ländern, in denen das umgesetzt wird, dazu ganz andere Bedingungen gegeben sind (personelle + räumliche Ressourcen), wird ausgeblendet.

          • Die frühere Einschulung wurde bei uns ganz schnell wieder zurückgefahren. So weit ich informiert bin, soll es noch Bundesländer geben, die ganz früh einschulen.

          • Axel von Lintigl

            In NRW werden immer noch Kinder mit 5 Jahren eingeschult, auch wenn diese noch Kopffüßler malen.
            Es wird bei Schuleingangsuntersuchungen durch die Amtsärzte nicht auf eine Kreuzdominanz im Visomotorischen System geachtet( z.B.linkes Auge dominant und Rechtshändigkeit oder umgekehrt).
            Es war für mich auch unglaublich, wie wenig gesichertes Wissen aus der Hirnforschung Eingang in die Schulpädagogik findet.
            Man lässt in sehr vielen NRW-Grundschulen ganze zwei Jahre in der Schuleingangsphase verstreichen, ohne dass man nur ansatzweise die direkte Vermittlung der Phonem-Graphem-Beziehung mit den Hauptgraphemen, geschweige den Orthographemen strukturiert vermittelt.
            Das sollen sich die Schüler weitgehend selbstständig erarbeiten und es erfolgen weiterhin weitgehend keinerlei Korrekturen falscher Schreibweisen durch die überwiegend tätigen Lehrerinnen.
            Man wird teilweise von älteren Lehrerinnen ermahnt, als Eltern nicht zu intervenieren , damit ein “nätürlicher Prozess “der Schreibentwicklung in den vier verschiedenen Stufen nicht behindert wird, und damit das Kind keinen Schaden nimmt.
            Dabei wird vergessen, dass Kinder gleichzeitig unterschiedliche Strategien zur sicheren Schreibung anwenden können, nämlich das Ableiten von Wortstämmen,die Kenntnis des Schwalautes e in der Endsilbe deutscher Wörter statt eines a, wie Messa, die Kenntnis der Hauptgrapheme, die Auflösung des Problems der Endlauthärtung durch Wortverlängerung zu zweisilbigen Wörtern, wie Berg, Berge,Kalp, Kälber, Wald, Wälder etc.,
            Den Schaden nehmen die Kinder aber erst, wenn man als Eltern nicht interveniert, ja die eigenen Kinder fühlen sich von den eigenen Eltern noch hintergangen. Oder es gibt ab der dritten Klasse dann erhebliche Auseinandersetzungen mit den eigenen Kindern wegen der falschen Schreibweise, weil diese sagen, dass in der Schule diese kryptischen Schreibweisen mit falschen Graphemen nicht als falsch angesehen werden.
            Und so erklären sich die schlechten orthographischen Schreibkenntnisse als ein buntes Sammelsurium an pädagogischen Unzulänglichkeiten schlecht ausgebildeter Grundschullehrer in NRW.
            Das nächste ist die fehlende strukturierte Vermittlung des automatisierten Lesens.
            Diese Erarbeitung erfolgt in NRW-Grundschulen weitgehend durch die Methode Lesen durch Schreiben mit den Anlaut-Tabellen, wo Kinder sich weitgehend selbstständig das Lesen beibringen sollen.
            Das funktioniert bei den bereits beschriebenen Problemgruppen, den Kinder mit einem Migrationshintergrund, aus einer spracharmen Umgebung und mit auditiven Wahrnehmungs- und Verareitungsstörungen sehr schlecht bis gar nicht.

          • Einschlungsstichtag am 30.9. in BW, BY (stimmt das nicht mehr?), BE+BB, NI, NRW,
            ansonsten irgendetwas ab Juni.

            Und auch uns sind oberflächliche U-Untersuchungen und Einschulungsuntersuchungen bekannt, bei denen man das Gefühl hat, es wird alles akzeptiert oder gar nicht hingesehen und zugehört.
            Hinzu kommen verweigerte Therapien und unendlich lange Wartezeiten bei Fachärzten: dann hat das Kind im 1. Schuljahr eben keine Brille!

            Unbegreiflich bleibt mir auch weiterhin, warum Kinder BIS zur Einschulung über das Gesundheitsamt Therapien bekommen kann, danach aber nicht mehr.

          • @Palim Nur das die finnischen Ergebnisse noch auf das alte lehrerzentrierte Modell zurückzuführen waren. Spätere Tests, bei denen die offeneren Unterrichtsmethoden bereits eingesetzt wurden, zeigten einen deutlichen Leistungsabfall. Darüber wird aber seltener berichtet. Lehrerzentrierung scheint wohl doch nicht so schlecht zu sein, wie sie den Studenten und besonders den Referendaren eingetrichtert wird. Also nicht nur vom erheblich geringeren organisatorischen Aufwand (Vorbereitung, Kopien usw.), auch vom Lernerfolg her.

          • @ xxx,

            danke. Darüber wird tatsächlich kaum berichtet.

            Gut, dass Sie mal darauf hinweisen.

  3. Heinz-Harald Forkemeier

    10 Semster? Alles klar. Lasst die Lehrerausbildung am besten verbindlich mit einer Promotion oder ein PhD enden, nicht dass es am Ende noch zu “unwissenschaftlich” wird und man sich vor den Nachbarn und Freunden schämen muss.

    • Ist eben die Regelstudienzeit für die allermeisten Studiengänge, die mit einem Master oder vergleichbarem abschluss abschließen.
      Die Regelstudienzeit für Bachelorstudiengänge liegt in D blödsinnigerweise bei 6 Semesten, so dass diese international keine Anerkennung finden. Das ist mit einer der wesentlichen Gründe, warum so viele Studenten nach dem berufsqualifizierenden Abschluss noch ein Masterstudium dran hängen.

      Um noch einmal auf die Befähigung zum Lehramt zurück zu kommen. Um den Vorbereitungsdienst aufnehmen zu können, muss ein Masterabschluss oder ein erstes Staatsexamen erreicht sein. Dies ist die Grundvoraussetzung. Der sechssemestrige Bachelorabschluss, wie ihn z.B. Polizisten haben, mündet im Vorbereitungsdienst für dengehobenen Dienst. Diese Möglichkeit gibt es aber weder für zukünftige Lehrkräfte in der Primar- oder Sekundarstufe I. Dieser Punkt ist ja auch der Ausgangspunkt für die Besoldungsdebatte.

      Das Dilemma der Hochschullehrstühle für Lehramtsstudenten ist, dass sie organisatorisch an den Hochschulen schlecht eingebunden sind. Da diese Lehrstühle auch so gut wie keine Drittmittel erarbeiten können, sind die Lehrstühle schlecht ausgestattet. Die lehramtsstudenten haben an diesen lehrstühlen ohnehin nur ihre erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Studien- und Prüfungsleistungen zu erbringen. Die sonstigen, fachlichen Voraussetzungen müssen sie an den entsprechenden Fakultäten ihrer Studienfaächer erwerben.

      Hier liegt aus meiner Sicht der Knackpunkt der Lehrerausbildung. An einer normalen Hochschule ist niemand so richtig für die verantwortlich, nicht einmal das Prüfungsamt der Uni, den das Prüfungsamt I für Lehrämter ist ein staatliches. Somit ist es nicht in die Organisationsstruktur der Hochschule eingebunden.

  4. 10 semester suggerieren, die lehrer hätten es verbockt. Aber es sind doch weitgehend dieselben leute, die bis 2011 spitzenwerte hervorbrachten. Ich glaube eher es liegt daran dass grünrote ideologie genau wissen wollte wie eine “richtige” pädagogik aussieht. Es gibt aber keine richtige pädagogik in einer falschen welt.

  5. @drd: Was ich nicht verstehe: Die Lehrer waren doch dieselben. Ich meine, nur weil grün-rot regiert, gehe ich doch nicht am Montag in die Schule und arbeite völlig anders.

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