Lehrermangel: GEW fordert, sich von der Ausbildung nach Schulformen zu verabschieden – um flexible Stufenlehrer zu bekommen (alle mit A13)

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MÜNCHEN. Das bayerische Kultusministerium versucht, mit der Verschärfung von Teilzeit- und Frühpensionsregelungen dem akuten Lehrermangel vor allem in den Grundschulen Herr zu werden – und ruft damit die GEW auf den Plan. Die Gewerkschaft zeigt sich nach eigenen Angaben „irritiert“ über die Maßnahmen – und fordert stattdessen, die Zweitqualifizierung für Lehrkräfte anderer Schulformen zu verbessern, die vor allem im Gymnasium nicht unterkommen und jetzt ins Grundschullehramt wechseln. Überhaupt sieht die GEW die Ausbildung von Lehrkräften nach Schulformen kritisch – sie nimmt die aktuelle Situation zum Anlass, um die Ausbildung von Stufenlehrkräften, die flexibel in mehreren Schularten einsetzbar wären, zu fordern. –

Sollten Lehrkräfte schulformübergreifend ausgebildet werden? Foto: Fabio Gismondi / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)
Sollten Lehrkräfte schulformübergreifend ausgebildet werden? Foto: Fabio Gismondi / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Der Lehrermangel in Deutschland bringt immer mehr Kultusministerien in die Bredouille. Neueste Blüte: Wegen der Bewerberflaute an Grund- und Mittelschulen in Bayern dürfen viele Pädagogen dort zunächst nicht mehr in Frühpension gehen. Entsprechende Anträge für Februar 2018 sollen nicht genehmigt werden, wie ein Sprecher des Kultusministeriums mitteilte. Auch in anderen Bundesländern macht sich langsam Verzweiflung breit: Berlin hat bereits angekündigt, neue Grundschullehrkräfte künftig nach A13 bezahlen zu wollen (bekommt dafür aber Ärger mit den altgedienten Kollegen). Hessen und Nordrhein-Westfalen haben Pensionäre angeschrieben, um sie für den Schuldienst zurückzugewinnen – offenbar mit wenig Erfolg. Der Anteil von Seiteneinsteigern, Menschen also ohne pädagogische Ausbildung, wächst bundesweit.

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Dass in Bayern nun verstärkt Lehrkräfte aus anderen Schulformen (vor allem Gymnasialpädagogen) in die Grundschulen kommen sollen, sieht die GEW kritisch – angesichts der zwar angebotenen, aber aus ihrer Sicht unzureichenden Kurzqualifizierung für die Primarstufe. „Die Unterrichtsqualität kann sinken, weil die Kolleginnen und Kollegen, die sich einer Zweitqualifizierung aussetzen nicht vernünftig weitergebildet werden“, so teilt die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung mit. Und schiebt nach, um Missverständnisse zu vermeiden: „… und nicht weil Kolleginnen und Kollegen mit einem Schnitt von 3,5 eingestellt werden“ (was offenbar geschieht).

Der Lehrermangel in Deutschland wird langsam dramatisch: Bayern verbietet vielen Pädagogen, in Frühpension zu gehen

„Wie sollen in fünf Fortbildungsnachmittagen bzw. in zwei Basisveranstaltungen die Grundschulpädagogik, -didaktik und -methodik und die Grundlagen des Erstunterrichts auch nur einigermaßen sinnvoll vermittelt werden?“, fragt rhetorisch das Mitglied des Hauptpersonalrats, Ruth Brenner. „Bei einer Vollzeitunterrichtsverpflichtung frage ich mich zudem, wie Hospitationen möglich sein sollen.“

Die GEW fordert daher den bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) „mit Nachdruck“ auf, „die unmöglichen Rahmenbedingungen der Zweitqualifizierungen (Grund-, Mittel- und Förderschule) zu verbessern.“ In von der GEW bereits auf den Weg gebrachten Petitionen an den Bayerischen Landtag fordert sie unter anderem eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung, damit eigene Seminare für Nachqualifizierer und eine sinnvolle Hospitation möglich sind. „Den jungen Kolleginnen und Kollegen muss hier eine Perspektive geboten werden“, so heißt es.

GEW bietet Kultusministern gemeinsames Vorgehen gegen Lehrermangel an – Tepe: “Die Situation geht auf die Knochen der Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen”

Um den Lehrermangel auf Dauer eindämmen zu können, muss laut GEW darüber hinaus eine besondere Maßnahme angegangen werden.  „Eine langfristige Lösung zur Bekämpfung des Lehrerinnen- und Lehrermangels streben wir über die Ausbildung von Stufenlehrkräften an, die in mehreren Schularten einsetzbar wären  – verbunden mit dem gleichen Eingangsgehalt A 13“,  sagt Johannes Schiller, Hauptpersonalrat der GEW. (Nach Stufen, also faktisch als Gesamtschullehrer,  sollten Lehrkräfte beispielsweise in Schleswig-Holstein ausgebildet werden; die CDU dort hatte allerdings vor ihrem Wahlsieg angekündigt, das Modell noch vor Einführung kippen zu wollen.)  „Kurzfristig sollten der Lotsendienst und die externe Evaluation ausgesetzt werden“, meint Schiller. Damit wären mehrere hundert Stellen für den Unterricht an Grund-, Mittel- und Förderschulen frei.“ So  könne das Kultusministerium darauf verzichten, den Kolleginnen und Kollegen „ihren wohlverdienten Ruhestand um ein halbes Jahr hinauszuzögern“. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

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39 KOMMENTARE

  1. Zitat:
    “sie nimmt die aktuelle Situation zum Anlass, um die Ausbildung von Stufenlehrkräften, die flexibel in mehreren Schularten einsetzbar wären, zu fordern.”

    Und was soll das für den Grundschullehrermangel bringen? Dieser Ansatz ist höchstens für weiterführende Schulen interessant, da es dort in verschiedenen Schularten ähnliche Stufen gibt.

    • Ihrem Zitat geht dieser Satz voran: “Überhaupt sieht die GEW die Ausbildung von Lehrkräften nach Schulformen kritisch – ”
      Das erklärt, warum die GEW “die aktuelle Situation zum Anlass” nimmt, ihren schon lange gehegten Wunsch nach der Ausbildung von Stufenlehrern statt Schulformlehrern in die Debatte einzubringen.
      Wer die Einheitsschule will, freundlicher gesagt: die Gemeinschaftsschule, braucht keine Lehrerausbildung für verschiedene Schulformen mehr und ist dankbar für jede sich bietende Gelegenheit, um die Ausbildung zum Stufenlehrer an “einer Schule für alle” zu propagieren. Sie ebnet den Weg zu deren mittelfristiger Durchsetzung, denn ein gegliedertes Schulsystem geht der GEW schon lange gegen den Strich.

      Damit stellt sich wieder mal die Frage nach dem Selbstverständnis der GEW als Gewerkschaft und deren Aufgaben.

  2. Und beim Ärztemangel macht man das gleich mit: Proktologe, Zahnarzt oder Internist, alle bekommen die gleiche Ausbildung und man kann dann auch gut auf regionale Mängel reagieren!

    Wen vertritt die GEW eigentlich und welcher denkende Lehrer ist in diesem Haufen?

    • Ihre Frage stelle ich mir auch immer wieder. Ich bin schon vor ca. 10 Jahren aus dieser “Gewerkschaft” wieder ausgetreten.

  3. Ich finde es richtig, nur noch 2 Lehrämter auszubilden – Grundschullehrer und weiterführende Lehrer. Man könnte sie ja auch wieder Unterstufen- und Oberstufenlehrer nennen.

    • Dann müssten die Grundschullehrer auch die Erprobungsstufe an weiterführenden Schulen übernehmen, also stundenweise an der eigentlichen Grundschule und an der weiterführenden Schule. Ersatzweise verlängert man die Grundschule bis auf Klasse 6, wie es in Berlin nach wie vor üblich ist.

  4. ZITAT: “Dann müssten die Grundschullehrer auch die Erprobungsstufe an weiterführenden Schulen übernehmen …”

    Warum?

    Ich hörte oft, durch die verlängerte Grundschule werden die Kinder nur länger verhätschelt und vertätschelt (wobei ich aber ein Freund des längeren gemeinsamen Lernens bin). In MeVo gehen die Klassen nach der Grundschule gemeinsam an die Orientierungsstufe der weiterführenden Schule (Klasse 5 und 6).

    Übrigens geht die Grundschule in Brandenburg auch bis Klasse 6.

    • Warum? Weil man sich zu Beginn des Studiums für eine Altersklasse entscheiden muss und ab Klasse 7 das fachliche Niveau mehr in den Vordergrund rückt.

      Abgesehen davon weiß ich nicht, wie auf diese Weise der Lehrermangel ausgeglichen werden soll, weil dann auch die angehenden reinen Sek I-Lehrer auf dem fachlichen Niveau der Sek II-Lehrer ausgebildet werden. Aus meiner eigenen Studienzeit weiß ich noch, dass die Sek I-Lehrer in den fachwissenschaftlichen Veranstaltungen auf (unterem) Sek II-Lehrer-Niveau massiv überfordert waren.

      Konkret: Eine Hauptstudiumsveranstaltung Mathematik für GHR entsprach einer abgespeckten Variante Grundstudiumsveranstaltung Mathematik für GyGeDiplom (2. Semester). Die überforderten Studenten waren auch, aber bei Weitem nicht nur die den Vorurteilen voll entsprechenden “Primi-Mäuschen”.

  5. ZITAT: “Aus meiner eigenen Studienzeit weiß ich noch, dass die Sek I-Lehrer in den fachwissenschaftlichen Veranstaltungen auf (unterem) Sek II-Lehrer-Niveau massiv überfordert waren.”

    Also wenn schon der Stoff der Sek-II-Lehrer für Sek-I-Lehrer überfordernd ist, was ist er dann erst für GS-Lehrer? Noch ein Indiz dafür, dass in den unterschiedlichen Lehrämtern Unterschiedliches gefordert und zu leisten ist und deshalb auch Gehaltsunterschiede gerechtfertigt sind.

    • In den meisten Bundesländern gibt es einen einheitlichen Studiengang für Primat- und Sekundarstufe I. Innerhalb dieses Studienganges gibt es die Schwerpunkte Primar- und Sekundarstufe I.
      Vor nicht allzu langer Zeit gab es das lehramt GHR – also für Klasse 1 bis 10.

      Die unterschiedlichen Studieninhalte von Dipl.-Ing. TU und FH oder den MAsterabsolventen vin TUs und Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind immer noch die gleichen wie ehedem, nichts desto trotz werden beide Absolventengruppen – so sie sich denn für den Staatsdienst entscheiden – in den höheren Dienst eingestuft. Lediglich Bachelor of Engeneering werden in den gehobenen Dienst in der Eingangsstufe (A9/E9) nach Abschluss des Vorbereitungsdienstes übernommen.

      Dass das bei Lehrkräften anders ist, verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz.

    • Sie sind absolut unmöglich! Als ob Sek 2 Lehrer klüger wehren als Grundschullehrer! Allein diese Aussage disqualifiziert Sie und zeigt, dass IhrE Intelligenz und Ihre soziale Qualifikation sehr unterdurchschnittlich ist!!!!

      • Es sollen bitte einmal alle Gymnasiallehrer für 4 Wochen in die Grundschule müssen und Inklusion, Integration und Kooperation mit dem Kindergarten leisten und alle Fächer unterrichten müssen, ob sie das studiert haben oder nicht. Wenn nicht, auf auf in die Fortbildungen, so wie wir auch.

      • Ich wundere mich, dass die Redaktion Ihre Ausfälle gegen sofawolf (“sehr unterdurchschnittliche Intelligenz”, “disqualifiziert”) nicht rügt. Wenn ich sowas schreiben würde, gäbe es eine moralische Standpauke oder aber eine Löschung.
        Was heißt übrigens “klüger wehren” ? Meinen Sie “klüger wären” ?

        Was die GEW betrifft, so sollte sie sich mal mit dem “Teufel” befassen, der im Detail steckt, nämlich mit der Konzeption eines einheitlichen Studienganges für alle Sek I – Schulen und Sek II dazu, der am Ende die eierlegende Wollmilchsau produzieren soll. Da werden nämlich faule Kompromisse gemacht, die bestimmt gar nicht im Sinne der GEW sind. Soll eigentlich dann auch das Referendariat einheitlich werden?

      • Wären GS-Lehrkräfte intelligent, hätten sie ja ein anderes Lehamt.
        Intelligenz fängt mit der Fächerwahl und der Wahl der Schulform an. – Und da haben alle, die nicht ein Lehramt der SekI+II sowie Fächer die vollkommen korrekturfrei sind und nicht in der Sporthalle stattfinden, versagt.

        • Ich verbitte mir so etwas. Ich finde es unmöglich, dass Sie mir fehlende Intelligenz unterstellen, weil ich nicht Sport und Kunst für die gymnasiale Oberstufe studiert habe.

          • Sie haben die dickebank leider falsch verstanden. Sie selbst ist meines im MINT-Bereich und im Bereich Sek I tätig und gehört damit gemäß ihres (dickebank) Kommentares zu den am wenigsten intelligenten Lehrkräften überhaupt.

            Ich gehe aber unabhängig davon schon davon aus, dass die Lehrkräfte Sek I/II mit zwei Sprachen rückblickend aufgrund des immensen und andauernden Korrekturaufwandes doch eines der beiden Fächer durch eine Geisteswissenschaft ersetzt hätten.

        • Ich bin Inhaber des Lehramtes GHR(HRGe), bin also berechtigt in meinen Fächern von Klasse 1 bis 10 zu unterrichten. Die Anerkennung auf Lehramt GHR hae ich selbst beantragt, obwohl mir zunächst mein TU-Diplom führ lehramt SekI+II anerkannt worden ist. Nur mit den enerkannten Fächern (Erdkunde und technik) hätte ich niemals eine Stelle an einer allgeminbildenden weiterführenden Schuel gefunden. Und an ein BK wollte ich nicht. Blieb also nur die Möglichkeit von mir aus ein Lehramt für die SekI zu beantragen und auf die Eingruppierung in E13 zu verzichten. So viel zum Thema “Intelligenz” …

      • Ich finde es schade, dass die berufliche Bildung hier absolut ignoriert wird… Ich möchte den “Stufenlehrer” sehen, der die Fachkunde für Steuerfachangestellte oder Banker unterrichtet. Spätestens hier zeigt sich ganz deutlich, dass die Spezialisierung der Lehrer Sinn macht.
        (Und übrigens glaube ich auch nicht daran, dass die Berufsschullehrer in der Grundschule glänzen würden… wieso auch???)

        • Der Berufsschullehrer ist doch ein Stufenlehrer, er unterrichtet in der SekII.

          Stufen beziehen sich auf Alterskohorten, nicht auf die zu unterrichtenden Fächer. Die Frage, ob die Ausbildung der Lehrämter nicht mehr schulformbezogen sonden Jahrgangsbezogen erfolgen soll, ist doch eine als die Frage, ob die Schüler entsprechend des Fach- oder Klassenlehrerprinzips unterrichtet werden sollen.

  6. Da doch wohl meistens ab Klasse 5 der “Fachunterricht” beginnt, also mehrere neue Fächer hinzukommen, finde ich es gerechtfertigt, in den zwei Varianten Unterstufenlehrer (1-4) und Oberstufenlehrer (5-12/13) auszubilden, könnte mir aber gut vorstellen, dass man für die Sek-II eine Zusatzqualifizierung braucht, aufbauend auf der Ausbildung des Oberstufenlehrers.

    • Ich finde auch, dass man für den Unterricht in Klasse 1 und 2 eine Zusatzqualifizierung benötigt, aufbauend auf dem Studium der “Allgemeinen Lehrkraft” – natürlich mit entsprechender Honorierung.

    • Na ja. Das mit den vielen neuen Fächern sollte man in Klasse 5/6 nicht überbewerten. Bis auf kunst, sport, musik und evtl. Religion sollte jeder Lehrer jedes Fach in Klasse 5/6 unterrichten können. Religion nur, weil die Kirche etwas dagegen haben könnte. Die Angst der naturwissenschaftler um ihre Sammlung ignoriere ich dabei mal.

      • Wie gesagt sollte. Der Eindruck, dass die meisten Gymnasiallehrkräfte vor Erst- und Zweitklässlern in Schwierigkeiten gerieten, ist nicht von der Hand zu weisen.

        Beim direkten Vergleich an Gesamtschulen müssen sich Lehrkräfte mit einem Lehramt mit dem Schwerpunkt GS, die in der SekI als Fachlehrer eingesetzt werden, auch nicht hinter den Lehrkräften SekI+II verstecken. Bis Klasse 10 haben sie als Fachlehrkräfte die gleichen Rechte und Pflichtenwie die SekI+II-Kollegen. Der Fachuntericht der Inhaber unterschiedlicher Lehrämter unterscheidet sich wirklich nicht nach der Eingruppierung in höheren und gehobenen Dienst.

        Es gibt kaum ein Lehramt in NRW, das – an einer Schule, die ich gut kenne – nicht unterrichten würde.

  7. Naja es stimmt schon das für die allgemeinbildenden Fächer ein Lehrer zuständig sein könnte.
    An der Berufsschule kann man z.b. im Abendkurs mit den Lehrern dort das Abi nachholen. Gleiches Abitur wie alle.
    Aber nicht an der Berufsschule. Selbst innerhalb eines Fachbereichs wird es sehr schwer:
    z.b. Zimmerer und Maurer.
    Der eine muss den Schülern ein Bogen vorbauen können der anderer exaktes einstellen von Fräsmaschinen.

    • Zumindest ein Argument in dem FAZ-Artikel verdiente, näher beleuchtet zu werden: Überall wird die “Professionalisierung” des Lehrerberufs gefordert, aber die einheitliche Lehrerausbildung zeigt eigentlich eher in Richtung “Entprofessionalisierung”, weil dort — eben wegen der angestrebten universellen Verwendbarkeit — alles ein bisschen zu kurz kommt. Diesen Widerspruch konnte noch keiner erklären, scheint mir.
      Auch zeigen die vielen Quereinsteiger, die man jetzt benötigt, eher in Richtung “Entprofessionalisierung”, weil plötzlich all das, was man vorher gepredigt hat, nicht mehr gilt. An Ganztagsschulen wird nachmittags viel Sport getrieben, aber nicht unter Aufsicht ausgebildeter Sportlehrer, sondern unter Betreuung durch Laientrainer von Sportvereinen. Auch das ist ein Beispiel für das Gegenteil von “Professionalisierung”.

      • Woher stammt die behauptung, dass an Schulen im gebundenen Ganztag nachhmittags mehr Sport getrieben wird? Die Sporthallen und Sportplatzkapazitäten sind gar nicht auf einen reinen NAchmittagsbetrieb ausgelegt.

        Im AG-Bereich wird mit Vereinen kooperiert. Die “Vereinstrainer” müssen über entsprechende Lizenzen (Übungsleiter) verfügen. Es sind also die selben Leute, die im Verein das Training ebenfalls leiten. Das entsprechende Training im ganztag wird also unter dem adch der Schule und nicht unter dem adch eines Vereines angeboten.

        • Das hier habe ich so verstanden:
          https://www.ganztagsschulen.org/de/9200.php
          Überall las ich, Sport ist das “Betreuungsangebot Nr. 1”. Es geht ja auch um den offenen Ganztag. Ein Trainer in einem Verein ist doch trotz Lizenz kein Lehrer oder Pädagoge im Sinne der normalen Lehrerausbildung. Er wird was von Sportarten verstehen, aber sonst? Außerdem geht’s um Geld. Die Laientrainer bekommen pro Stunde wesentlich weniger als jemand nach A12 oder A13 bekommen würde. Hier steht unter Punkt 3.4, das Honorar pro Schulstunde solle 10 Euro nicht unterschreiten:
          https://www.lsb-niedersachsen.de/fileadmin/user_upload/2015_Handreichungen_Ganztag.pdf
          Damit ist doch klar gesagt, dass es um Billig-Lösungen geht. Warum eigentlich kooperieren Ganztagsschulen nicht in analoger Weise mit Nachhilfeinstituten? Könnte das nicht sinnvoll für schwache Schüler (Risikoschüler) sein?

          • Offener Ganztag, den kann es doch nur an Grundschulen geben. Das Betreuungsangebot wird ja nicht mit schulischen Kräften (lehrendem Personal) sondern mit Vertragskräften im Auftrag des meist städtischen Schulträgers sichergestellt. Hinzu kommt, dass der offene Ganztag nicht verpflichtend für alle Schüler ist, es ist wie gesagt ein Betreuungsangebot, das in den Räumen der Schule gegen Entgelt (Elternbeitrag) angeboten wird. Es ist folglich auch nicht die Schule, die mit den Betreuungskräften – also dem Träger des Betreuungsangebotes kooperiert sondern die Stadt als Sachaufwandsträger der Schule. DAs Rechtsfeld innere und äußere Schule ist hier angesprochen.

            Unabhängig vom Ganztag gibt es an Gymnasien und auch Realschulen, die nicht im gebundenen Ganztag unterrichten und ihren Schülern ein erweiteretes AG-Angebot unterbreiten, Kooperationen mit Vereinen. Die regelmäßig angebotenen und absolvierten Übungsstunden im Verein oder der Musikschule, Malschule, freiwillige Feuerwehr, THW Sanitätsdienstorganisation etc. werden auf die Teilnahme an Pflicht-AGs gegen schriftliche Bestätigung angerechnet.

          • Die Kräfte im Ganztag bekommen keine A12 oder A13, sie sind auch nicht als Lehrkräfte angestellt, sondern als pädagogische Mitarbeiter. Diese sind für die Betreuung ab Mittag zuständig.

            Das sind Übungsleiter oder auch Menschen, die keine pädagogischen Ausbildung haben, sich aber auf die Stellen bewerben und – je nach Alternativen – die Stelle erhalten.
            In Nds. muss die SL sehen, dass sie mit dem angesetzten Budget auskommt, da sind “teure” Fachkräfte nicht drin.

            Später sollten mehr Lehrkräfte mit in den Ganztag genommen werden, letztlich ging es aber um ein Betreuungsangebot, das ohne Horte/ Erzieher etc. auskommt. Die Kommunen sparen zusätzliche Gebäude und Personalkosten dabei. Manche geben einen Zuschuss für die Ganztagesschule.

          • “Offener Ganztag, den kann es doch nur an Grundschulen geben.”
            Hier steht es anders (offener Ganztag in Klasse 7 und 8):
            http://www.dahmeschule.de/index.php/die-schule/offener-ganztag.html
            Fußball gilt ja auch schon als “Arbeitsgemeinschaft”. Aber ist das falsch, dass Sport das primäre Betreuungsangebot ist? So stand es jedenfalls auch im Bericht zu StEG (Studie über Ganztagsschulen). An Halbtags-Gymnasien hat man in den oberen Klassen ohnehin eine 7., 8., 9. Stunde und daher weniger Bedarf an zusätzlichen Angeboten. Die Schüler sind terminlich ausgelastet (an G8-Gymnasien sogar gestresst).

          • “Die Kräfte im Ganztag bekommen keine A12 oder A13, sie sind auch nicht als Lehrkräfte angestellt, sondern als pädagogische Mitarbeiter. Diese sind für die Betreuung ab Mittag zuständig.”

            Deswegen ist der Ganztag auch mehr ein Beaufsichtigungs- als ein Beschäftigungsprogramm für die Schüler. Mit Sport ist das am einfachsten, weil das unabhängig von der generellen Arbeitshaltung, Schulmotivation usw. der Schüler umsetzbar ist und kaum Anforderungen an das Personal hat. Kooperation mit bekannten Nachhilfeinstituten ist bereits zu teuer.

          • In Bayern macht man einen Unterschied zwischen dem offenen und dem gebundenen Ganztag.

            Der offene Ganztag ist tatsächlich eine qualifizierte Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung mit Mittagessen. Die Eltern zahlen nur das Mittagessen, die Betreuung nicht. Es besteht Answesenheitspflicht.
            Der gebundene Ganztag ist ein rhythmisierter Unterricht, am Vor- und Nachmittag, unterbrochen durch Mittagessen mit anschließender kurzer Freizeit. Bei uns gibt es im gebundenen Ganztag in der Woche 2 AG Stunden. Freitagnachmittag ist kein Unterricht.
            https://www.km.bayern.de/ministerium/schule-und-ausbildung/ganztagsschule.html

          • xxx schrieb: “Kooperation mit bekannten Nachhilfeinstituten ist bereits zu teuer.”
            Es müssten ja nicht die teuersten Institute sein, so wie man ja auch nicht die Startrainer beschäftigt. Aber ich finde es kurzsichtig, die Betreuung durch Sporttrainer zu fördern und die Risikoschüler (die nicht richtig lesen und schreiben können) einfach sich selbst zu überlassen. Heißt es nicht immer, das sei auch ökonomisch unsinnig, so viele Risikoschüler zu haben?
            Wenn man wollte, könnte man schon irgendwie Nachhilfelehrer auftreiben (vielleicht auch Studenten) und mit 15-20 Euro pro Schulstunde entlohnen, damit sie sich nachmittags mit diesen Risikoschülern beschäftigen. Mehr bekommen die Sporttrainer ja auch nicht. Das könnte daran gekoppelt sein, dass die Schüler das sowohl inhaltlich wie auch finanziell nötig haben, also nicht die mit wohlhabenden Eltern. Ich finde es einfach absurd, dass uns einerseits die segensreiche Ganztagsschule gepriesen wird, und dann werden in ihr die Risikoschüler nicht weniger, sondern sportlicher, weil man dem Sport einen gewissen Vorzug einräumt.

        • @cavalieri
          15-20€ pro Unterrichtsstunde sind einerseits mehr als Schülerhilfe & co bezahlen, andererseits aber auch deutlich weniger als die schon geringen Honorare der Volkshochschulen und gleichzeitig doppelt so hoch wie die Honorare der Übungsleiter der Sportgruppen.

          Die Kommunen müssen die Honorare finanzieren. Die interessieren nur die Kosten, unmittelbare Vorteile haben sie nicht.

          Es ist wie bei Autobahnbaustellen. Wenn 24/7 gearbeitet werden würde, wäre das Projekt in weniger als der Hälfte der Zeit fertig, die Bevölkerung steht deutlich weniger im Stau und spart massig Treibstoff, was auch der Umwelt zu Gute kommt. Allerdings würde das mindestens doppelt so teuer werden, was den Finanzministern missfällt und daher nicht getan wird.

          • Wenn es für 10 € auch geht, soll es mir doch recht sein. Ich weiß nicht, was genau angemessen ist. Aber was spricht prinzipiell dagegen, die schwachen Kandidaten auf diese Weise zu fördern? Warum ist der Sport so wichtig und alles andere vergleichsweise unwichtig?

          • sie werden aber für 10€ brutto höchstens Studenten finden, die keine private Einzelnachhilfe für 10-15€ in bar geben wollen.

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