Deutschen Schulpreis gewonnen – Warum sich Schulleiterin Grimme trotzdem über die Bildungspolitik ärgert

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HAMELN. Schulplaner, Schulentwickler, Lehrkräfte: Seit Monaten pilgern Bildungsfachleute aus ganz Deutschland nach Hameln. Sie wollen sehen, wie es eine Berufsschule zur “besten Schule Deutschlands” (so heißt es zumindest in den Medien) gebracht hat. Schulleiterin Grimme ärgert sich derweil über den Lehrermangel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht Gisela Grimme den Deutschen Schulpreis. Foto: Deutscher Schulpreis
Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht Gisela Grimme den Deutschen Schulpreis. Foto: Deutscher Schulpreis

Seit die Elisabeth-Selbert-Berufsschule (ESS) in Hameln vor einem halben Jahr den Deutschen Schulpreis 2017 gewohnen, geben sich dort die Besucher die Klinke in die Hand. «Wir haben viel Besuch», sagte Schulleiterin Gisela Grimme. Schulexperten aus dem gesamten Bundesgebiet wollten sich darüber informieren, wofür die ESS ausgezeichnet wurden. «Die wollen hören und sehen, was wir hier machen», sagte Grimme. «Insofern macht die Auszeichnung viel Arbeit«, sagte die Schulleiterin.

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Aber der Preis mache auch die Schülerschaft und das Kollegium weiterhin stolz. «Die Schülerinnen und Schüler freuen sich, dass sie hier zur Schule gehen«, sagte Grimme. Viele wollten am liebsten auf ihr Zeugnis einen Stempel mit dem Aufdruck «Beste Schule Deutschlands» haben.

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Am 29. Mai dieses Jahres hatte die Berufsschule die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung in Berlin aus den Händen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhalten. Der von der Robert-Bosch-Stiftung verliehene Preis gilt als einer der wichtigsten dieser Art in Deutschland. Gewürdigt wurden unter anderem die vorbildlichen Unterrichtskonzepte und die Ausbildungserfolge der ESS.

Die Schule wird von gut 2.000 jungen Menschen aus mehr als 30 Nationen besucht. Sie werden in Fächern wie Agrarwirtschaft, Gesundheit und Pflege oder Sozialpädagogik unterrichtet und können jede Art von Schulabschluss nachholen – bis hin zum Abitur. Ein Beratungsteam aus Lehrern, einer Pastorin und einem Sozialarbeiter bietet auch außerhalb des Unterrichts Hilfestellung, egal ob für minderjährige Mütter, inhaftierte Jugendliche oder junge Menschen mit Fluchterfahrung, die in Sprachförderklassen unterrichtet und in den Schulalltag integriert werden.

Wütend über Sonntagsreden

Als Europa-Schule pflegt die ESS zudem Austauschprogramme mit Schulen in gut einem Dutzend Ländern. Die Jury des Schulpreises hatte festgestellt: «Durch das dichte Geflecht aus passgenauer pädagogischer Förderung und Fürsorge erzielen die Schüler hier Erfolge, die an anderen Schulen kaum jemand für möglich hielt.»

Trotz des zusätzlichen Schwungs, den die Auszeichnung gebracht habe, sei sie zwischendurch immer wieder wütend, sagte Grimme. Und zwar, wenn sie in Sonntagsreden davon höre, was alles für die Bildung getan werde oder getan werden solle. Dabei gebe es auch in Deutschlands bester Schule wegen Lehrermangels eine schlechte Unterrichtsversorgung. Zudem fehle es an Räumen und sonstigen Ressourcen. «Es ist zum verrückt werden», sagte Grimme. «Ich weiß nicht, warum dieses Land es nicht versteht, wie wichtig Bildung ist.»

Das Preisgeld für den Schulpreis sei im übrigen noch nicht ausgegeben, sagte die Leiterin. Es solle in einen besonderen Raum investiert werden, wenn die ESS, wie geplant, in einigen Jahren in einen Neubau auf dem Gelände der früheren britischen Garnison in Hameln umzieht. dpa

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