Eklat um Eisenmann: Volkshochschulen scheren beim Beirat für Grundbildung aus – sie fühlen sich von der CDU nicht ernstgenommen

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STUTTGART. Seit Jahren klagen die Volkshochschulen über zu wenig Förderung durch das Land Baden-Württemberg. In einem geplanten Beirat des Landes sollten sie für mehr Grundbildung werben. Doch der Volkshochschulverband spielt da nicht mit.

Zwischen den Volkshochschulen und dem Land bahnt sich ein Zerwürfnis an: Der Volkshochschulverband will sich an dem geplanten Landesbeirat für Alphabetisierung und Grundbildung nicht beteiligen. Das Land verweigere die im Weiterbildungspakt 2015 zugesagte Erhöhung seiner Mittel auf den Bundesschnitt und konterkariere damit die Absicht, bildungsferne Zielgruppen zu erreichen, begründete Verbandsdirektor Hermann Huba in Stuttgart den Schritt. Die Gründung des Beirates hatte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) laut Huba an einem Grundbildungstag am heutigen Mittwoch vorgesehen.

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In Baden-Württemberg zahlen die Teilnehmer der Kurse knapp 60 Prozent der Kosten selbst, im Bundesschnitt liegt die Eigenbeteiligung bei gut 40 Prozent. Der unter anderem mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Kommunen besetzte Beirat müsse ohne den größten Grundbildungsanbieter sowie ohne die Vertreter der Kirchen als Träger der Erwachsenenbildung auskommen, sagte Huba.

Im Südwesten bieten 169 Volkshochschulen samt 700 Außenstellen neben Grundbildung auch Kurse in Gesundheit, Sprachen, Politik, Gesellschaft und Kultur sowie berufliche Bildung an. Etwa jeder fünfte Baden-Württemberger nutzt diese Angebote. Anders als ursprünglich gedacht, gehöre der größte Teil der Nutzer dem Mittelstand an, erläuterte Huba. «Wir erreichen die, die es sich leisten können – nicht die sozial Schwächeren.»

Huba sagte, unter der grün-roten Landesregierung habe es erste Erhöhungen gegeben nach einer dramatischen Streichorgie von Schwarz-Gelb. Seit dem Start der grün-schwarzen Koalition im vergangenen 2016 seien keine weiteren Gelder geflossen. Der Verbandschef sieht den Grund in der Skepis der Union gegenüber den in der Weimarer Zeit entstandenen sozialdemokratisch geprägten  Volkshochschulen. Christdemokraten könnten mit Spaß an der Bildung, ein Markenzeichen der Volkshochschulen, wenig anfangen, sagte Huba. CDU-Credo sei: «Bildung muss Schweiß und Mühen kosten.»

Huba beziffert die Finanzierungslücke auf fünf Millionen Euro zuzüglich zwei Millionen für die kirchlichen Träger. Ohne die Gelder seien Konzepte und eine Kampagne für Grundbildung nicht möglich. Huba betonte: «Bei einer Showveranstaltung ohne Folgen wollen wir nicht dabei sein.» dpa

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1 KOMMENTAR

  1. Auch hier geht es wieder nur um das Thema Geld. Allerdings sollte die Bezahlung der Volkshochschullehrer deutlich verbessert und sie generell sozialversicherungspflichtig angestellt werden. Das bezieht sich insbesondere auf Bezahlung während der Ferien und auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

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