Erstmals wieder mehr Schulabbrecher in Niedersachsen – die Gründe sind unklar

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HANNOVER. Die Schulabbrecherquote in Niedersachsen ist erstmals seit 17 Jahren wieder gestiegen. Woran das liegt sei noch nicht hinreichend geklärt, aber vor allem Jugendliche, die ohne Deutschkenntnisse nach Deutschland kämen hätten es schwer, heißt es aus dem Schulministerium. Im Ländervergleich steht Niedersachsen mit einer Quote von 5,2 immer noch recht gut da.

Nach einem jahrelangen Rückgang ist die Quote der Schulabbrecher in Niedersachsen wieder gestiegen. Nach einer Erhebung für das Jahr 2015, die das Landesamt für Statistik (LSN) jetzt vorgelegt hat, haben landesweit 4339 Jugendliche die Schule verlassen, ohne mindestens einen Hauptschulabschluss erworben zu haben. Dies seien 94 oder 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr, berichtet das LSN im aktuellen Niedersachsen-Monitor.

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 Der Anteil der Schulabbrecher in ganz Deutschland lag 2016 bei 5,9 Prozent. Niedersachsen lag damit knapp unter dem Durchschnitt Foto: ryan melaughn/ flickr (CC BY 2.0)
Der Anteil der Schulabbrecher in ganz Deutschland lag 2016 bei 5,9 Prozent. Niedersachsen lag damit knapp unter dem Durchschnitt Foto: ryan melaughn/ flickr (CC BY 2.0)

Die Schulabbrecherquote sei damit geringfügig von 5,0 auf 5,2 Prozent gestiegen. Wie das Kultusministerium mitteilte, lag die Quote 2016 in ähnlicher Höhe.

Unklar ist nach Angaben von Ministeriumssprecher Sebastian Schumacher, ob der Anstieg im Zusammenhang mit der erhöhten Zuwanderung steht. «Ob und wie der Zuzug von Kindern und Jugendlichen mit Fluchtgeschichte auf die erreichten Schulabschlüsse in Niedersachsen messbaren Einfluss hat, lässt sich derzeit nicht verlässlich sagen», sagte Schumacher.

Offenkundig sei jedoch, dass Schüler ohne Deutschkenntnisse, die erst mit 14 Jahren oder noch später nach Deutschland kommen, Schwierigkeiten beim Erwerb eines Schulabschlusses haben.

Trotz des geringfügigen Anstiegs der Abbrecherquote schneide Niedersachsen im Vergleich der Bundesländer jedoch gut ab, sagte Schumacher. Die bundesweit in Relation meisten Schulabbrecher gab es nach Angaben des Landesamtes für Statistik in Berlin (11,2 Prozent) und Sachsen-Anhalt (10,6 Prozent), die wenigsten in Hessen (4,1), dem Saarland (4,7) und Bayern (4,8 Prozent). In Bremen blieben 7,2 Prozent der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss.

Seit der Jahrtausendwende war die Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss in Niedersachsen ständig zurückgegangen. Im Schuljahr 2002/2003 habe die Abbrecherquote noch bei 10,4 Prozent gelegen, sagte Schumacher. Dass sich diese Rate seither halbiert habe, führe das Kultusministerium auf zahlreiche Maßnahmen zur Förderung leistungsschwacher Schüler zurück. «Auch der Ausbau der Berufsorientierung an den Haupt- Real- und Oberschulen entfaltet positive Wirkung», sagte Schumacher.

Der Ministeriumssprecher wies darauf hin, dass Jugendliche, die an den allgemeinbildenden Schulen keinen Abschluss erreichen, anschließend die Möglichkeit haben, eine Qualifikation zum Beispiel an der Berufsschule nachzuholen. (dpa)

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