Prien will mit „Bildungsbonus“ Schulen in sozialen Brennpunkten fördern

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KIEL. Ein «Bildungsbonus» soll ab dem Schuljahr 2019/20 schleswig-holsteinischen Grund- und Gemeinschaftsschulen in sozialen Brennpunkten zu Gute kommen. Besonders dem Ausbau gebundener Ganztagscchulen räumt Schulministerin Karin Prien dabei Priorität ein.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will sich für mehr verbindliche Ganztagsschulen im Norden einsetzen. «Ein Ganztagsangebot ist für alle Schularten notwendig, es geht um die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Eltern», sagte Prien in einem Interview. «Die Menschen wollen diese Möglichkeit haben.» Es gehe aber auch um die Erhöhung der Chancen für Kinder aus bildungsfernen Schichten, zu einem besseren Bildungserfolg zu kommen. «Daher wollen wir ab 2019 einen “Bildungsbonus” einführen und vor allem Grundschulen und Gemeinschaftsschulen in sozialen Brennpunkten ermöglichen, vermehrt gebundene Ganztagsschulen einzurichten.»

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Ist mit dem Bildungsbonus bei Bildungsgewerkschaften auf Zustimmung gestoßen. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Foto: Frank Peter / Staatskanzlei Schleswig-Holstein
Ist mit dem Bildungsbonus bei Bildungsgewerkschaften auf Zustimmung gestoßen. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Foto: Frank Peter / Staatskanzlei Schleswig-Holstein

Gebundene Ganztagsschulen müssen verbindlich Unterricht auch am Nachmittag bis etwa 16.00 Uhr anbieten. Dagegen haben offene Ganztagsschule zwar auch Angebote am Nachmittag, aber keinen Pflichtunterricht.

Den «Bildungsbonus» will Prien zum Schuljahr 2019/20 mit zunächst zwei Millionen Euro einführen. Er soll dann auf acht, neun und schließlich zehn Millionen Euro jährlich bis 2022 steigen. «Wir erarbeiten zurzeit für Schleswig-Holstein einen Schul-Sozialatlas», sagte Prien. Es gehe darum, jene Schulen zu bestimmen, die sinnvollerweise Geld aus dem «Bildungsbonus»-Topf erhalten sollten. Wenn einzelne Schulen mehr Mittel erhalten als andere, müssten sorgfältig und transparent gerechte Kriterien entwickelt werden.

«Das können Schulen sein mit vielen Kindern mit Migrationshintergrund oder einem hohen Anteil an Eltern, die Hartz IV bekommen – oft ist es beides», sagte die Ministerin. Kriterien könnten auch die Quote an Schulabbrechern sein oder das Abschneiden bei den Lernstand-Vergleichsarbeiten. «Ein wesentlicher Aspekt könnte auch der Bildungshintergrund der Eltern sein.» Dafür wären dann Befragungen wie in Hamburg notwendig. «Es ist ein hoher Aufwand, einen Sozialatlas zu erstellen», resümierte Prien.

Für die Schulen will Prien ein Bündel an Maßnahmen bereithalten. «Wir werden mehr Lehrkräfte ins System geben. Aber wir werden auch investieren in mehr Elternarbeit – das halte ich für sehr wichtig.» Und man prüfe etwa, das Programm «Lesen macht stark» nicht nur in Grundschulen, sondern auch in der Sekundarstufe I anzuwenden. Auch mehr Schul-Sozialarbeiter seien eine Option. «Wir wollen für jede in Betracht kommende Schule jeweils abgestimmte Maßnahmen einsetzen und sie bei der Umsetzung begleiten. Wichtig ist, es geht nicht schlicht um mehr Geld und Stellen, sondern auch um erprobte Konzepte, die dann auch beim einzelnen Schüler ankommen.»

Prien räumte ein, dass sich mit dem Bildungsbonus nur ein kleinerer Teil der Schulen unterstützen lässt. «Aber wir wollen ja nicht insgesamt mehr Geld in die Schulen geben, sondern jene, die ganz besondere Herausforderungen haben, besonders unterstützen.»

Schulneubauten – das sind vor allem Gemeinschaftsschulen – werden laut Prien mit modernen Kantinen ausgestattet. «Die Kinder sollen in Ganztagsschulen möglichst warmes Essen bekommen.» Für Schulbauten seien die Kommunen zuständig, das Land steuere in dieser Legislatur 50 Millionen dazu bei. Und vom Bund kämen noch einmal über das zweite Kommunalinvestitionsfördergesetz 100 Millionen Euro dazu. «Wir tun also einiges auch für den Kantinenbau, aber ich will nicht verhehlen: da gibt es noch viel Luft nach oben.» Es gebe aber keine Ganztagsschule ohne Mittagessen, wobei die Schulträger diese Aufgabe ganz unterschiedlich lösten, sagte Prien. (dpa

Prien rückt Grundschulen in den Fokus íhrer “Bildungsoffensive” – aber nicht A13 für Grundschullehrer

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4 KOMMENTARE

  1. Entlastung der Lehrer wird nicht erwähnt. Aber selbst eine bei erfahrenen Lehrern nur wenig ins Gewicht fallende Unterrichtsermäßigung von 10% oder 2-3 Wochenstunden wäre mit dem Budget kaum finanzierbar.

    Übrigens gilt auch hier: Gleichberechtigung und Gleichstellung widersprechen einander.

  2. “Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will sich für mehr verbindliche Ganztagsschulen im Norden einsetzen. ”

    Der erste Satz des Artikels hätte ausgereicht!
    Es geht gar nicht um Brennpunktschulen oder Entlastungen, sondern darum, verbindliche Ganztagesschulen zu finanzieren. Die zugesagten Kräfte und Gelder werden damit für Mensen (wird ja genannt) und die Ausstattung des Ganztages benötigt.
    Wollte die Ministerin etwas für Brennpunktschulen erreichen, müsste der Sozialatlas allein aussagekräftig sein und die Unterstützung unabhängig vom Schulkonzept oder der Schulform eingesetzt werden.

    • Interessant sind auch die Kriterien, nach denen dieser “Bonus” vergeben werden soll. Die Schulen könnten sich also fragen, ob sie den bildungsfernen Anteil erhöhen, um den Bonus zu erhalten oder das generelle Schulklima und die Leistungsbereitschaft verbessern, aber auf den Bonus verzichten.

      • Die Kriterien scheinen gar nicht klar zu sein und noch überhaupt nicht festzustehen, es geht ja nur um Vermutungen, was es sein KÖNNTE und dass ggf. noch ein Sozialaltlas erstellt werden müsste. … es dauert also noch mehrere Jahre, bis Unterstützung in den Schulen ankommen wird.

        Auch steht dort kein Hinweis, wie die Schulen an die Unterstützung kommen könnten. Üblich ist, Konzepte zu verlangen… genannt werden “erprobte Konzepte” Schließlich haben Lehrkräfte an Brennpunktschulen ja schon viel Arbeit auf dem Tisch, da fällt so etwas kaum auf.

        Und interessant ist auch die Aussage, es solle gar nicht “insgesamt mehr Geld” in Schulen investiert werden. Diese kann man auch so auslegen, dass an anderer Stelle Geld eingespart wird … oder es gar keine zusätzliche Unterstützung gebe wird.

        Warten wir es ab und freuen uns auf die Schlagzeile:
        “MinisterIn hilft Schulen in Not”
        MinisterIn hat die Not der Schulen erkannt und unterstützt sie ab sofort mit 20% Lehrerstunden-Aufschlag und zusätzlichem pädagogischen/therapeutischem Personal. Statt weitere Aufgaben zu verlagern, erhalten Lehrkräfte Entlastungsstunden für alle weiteren Aufgaben. Zusätzlich unterstützt das Land alle Schulträger finanziell, die ihren Schulen eine mindestens halbtägige Verwaltungsfachkraft für mindestens 5 Tage in der Woche zur Verfügung stellen.
        Der/Die MinisterIn äußerte: “Es handelt sich um umgreifende Investitionen, aber wenn uns die Bildung unserer Kinder wichtig ist und nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben soll, müssen wir unsere Schulen bestmöglich ausstatten und entsprechend unserer Fürsorgepflicht dafür garantieren, dass die Personen, die dort arbeiten, unsere volle Unterstützung und Anerkennung erhalten.” Sie/er führte weiter aus, dass die zusätzlich gewährte personelle Unterstützung in den Schulen dringend notwendige Förderung ermöglichen würde, den Schulen Planungssicherheit gebe und damit auch die notwendige Ruhe, um Schulentwicklungsarbeit zu leisten.

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