SPD-Bildungsexperte prangert Unterrichtsausfälle unter der CDU-Regierung an – Eisenmann hält dagegen

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Regierung und Opposition haben sich im Landtag einen Schlagabtausch zu den Unterrichtsausfällen an Schulen geliefert. SPD-Bildungsexperte Gerhard Kleinböck warf Grün-Schwarz im Landtag vor, die «miserable Versorgungssituation» an den Schulen einfach hinzunehmen und die aktuelle Lage schön zu rechnen.

Besucht morgen eine Schule: Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann. Foto: Olaf Kosinsky / WIkimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Eisenmann wirft der SPD Versäumnisse in der Vergangenheit vor. Foto: Olaf Kosinsky / WIkimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die Unterrichtsausfälle an den Schulen in Baden-Württemberg sind ein Problem – darin sind sich Regierung und Opposition einig. Die SPD hielt Grün-Schwarz aber im Landtag vor, zu wenig dagegen zu tun. Ihr Bildungsexperte Gerhard Kleinböck sagte, die Schulen seien schon im September 2017 mit 635 Lehrern zu wenig ins Schuljahr gestartet. Zur selben Zeit sei die Streichung von 1074 Stellen wirksam geworden. FDP-Bildungsexperte Timm Kern meinte, die Regierung habe ein echtes Problem bei der Unterrichtsversorgung. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) fehle der Mut für innovative Wege bei der Lehrergewinnung.

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Eisenmann räumte ein, dass man mit der Versorgung an den Schulen nicht zufrieden sein könne. «Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um die Situation an den Schulen zu verbessern.» Es sei aber bereits vor Jahren versäumt worden, vorausschauend zu planen und etwa die Ausbildung des pädagogischen Nachwuchses hochzufahren. Damit schob sie die Verantwortung der oppositionellen SPD zu, die von 2011 bis 2016 das Kultusministerium in der damaligen grün-roten Regierung innehatte. «Panikmache seitens derjenigen, die es versäumt haben, rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, hilft uns nicht weiter.» Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser sagte, Ziel sei, überall im Land eine gute Unterrichtsversorgung zu gewährleisten.

Nach einer Stichprobenerhebung des Kultusministeriums vom November vergangenen Jahres ist der Unterrichtsausfall gestiegen. In der 47. Kalenderwoche 2017 fiel 3,6 Prozent des Pflichtunterrichts aus – 0,4 Prozentpunkte mehr als in der gleichen Woche des Jahres davor. Eisenmann kündigte an, dass künftig an allen öffentlichen Schulen im Land erfasst werden solle, wie oft Unterricht nicht erteilt werden könne. Die Regierung habe Gegenmaßnahmen aufs Gleis gesetzt, doch es dauere, bis diese griffen. Sie nannte etwa die Bemühungen, Bewerber für das Lehramt an Gymnasien, von denen es zu viele gibt, für eine begrenzte Zeit für den Unterricht an Grundschulen zu gewinnen. Zudem würden die Studienkapazitäten für das Grundschullehramt erhöht.

SPD-Bildungsexperte Kleinböck forderte: «Baden-Württemberg braucht eine Unterrichtsversorgung, die nicht schon zum Schuljahresbeginn auf Kante geplant und damit zum Scheitern verurteilt ist.» Für den FDP-Bildungsexperten Kern ist der Lehrermangel zum Teil hausgemacht. Die grün-rote Vorgängerregierung habe fünf Jahre lang Politik gegen Lehrer gemacht. «Keine Landesregierung in der Geschichte Baden-Württembergs hat den Lehrern so misstraut, wie die Regierung Kretschmann I.» So habe das Schreckgespenst von der Streichung von 11.600 Lehrerstellen im Raum gestanden – eine Ankündigung, die die Regierung zurücknahm, weil die Schülerzahlen sich anders entwickelten als zunächst prognostiziert. Die AfD führte die Probleme bei der Unterrichtsversorgung auf Einsparungen zurück.

Die GEW forderte unterdessen einen Nachtragsetat. «Die Steuereinnahmen sprudeln. Niemand versteht, warum die Kürzung der Lehrerfortbildungsmittel durch Grüne und CDU nicht sofort zurückgenommen und angesichts des Unterrichtsausfalls die Vertretungsreserve schnell ausgebaut wird», sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz. In Schularten, in denen kein Lehrermangel herrsche, könne die Vertretungsreserve sofort ausgebaut werden. In der ständigen Lehrerreserve seien derzeit 1666 Stellen. Gleichzeitig gebe es pro Schuljahr 6000 bis 7000 Lehrer, die längere Zeit ausfielen, die meisten aufgrund von Mutterschutz und Elternzeit.

dpa

GEW nimmt sich Eisenmann zur Brust: Ständige Kritik der Ministerin demotiviert die Grundschullehrer

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6 KOMMENTARE

  1. Baden-Württemberg – Ja zur innovativen Lehrergewinnung
    Der Lehrermangel in Baden-Württemberg macht Probleme. Den Schülern tut es sicher nicht gut, wenn lebenslänglich verbeamtete Klassenlehrer zwecks Elternzeit und Mutterschutz abgemeldet sind.
    Vor diesem Hintergrund macht innovative Lehrergewinnung viel Sinn. Sinn macht es auf alle Fälle, die überzähligen Gymnasiallehrer an Grundschulen zur Entschärfung des dortigen Lehrermangels einzusetzen.
    Und dann gibt es ja auch noch die Möglichkeit, erfahrene Leute aus der Wirtschaft und Industrie zu akquirieren. Im Gegensatz zu den Amtslehrern besitzen diese deutlich mehr Erfahrungen aus dem Berufsleben und worauf es wirklich ankommt.

    • Dann müssten Sie die Leute aus der Wirtschaft aber auch so bezahlen und so mit Infrastruktur ausstatten, wie sie es von dort gewohnt sind. Ein Akademiker geht — Beamtenstatus hin oder her — nur sehr ungern auf 50000€ brutto im Jahr zurück bei gleichzeitig viel Arbeit außerhalb der eigentlichen Dienstzeit.

    • Die “innovative Lehrergewinnung” funktioniert nur, wenn man die “lebenslänglich Verbeamtung” für einen Wechsel aus der Wirtschaft in den Schuldienst anbietet, ansonsten würden sie da niemanden finden.

      • Angesichts der Arbeitsbedingungen der Schule muss das Lebensnettoeinkommen im Falle eines Wechsels potenziell höher sein als beim Verbleib in der freien Wirtschaft. Da je nach Branche 100000€ brutto im Jahr durchaus im Bereich des Möglichen liegen bei Menschen, die man für den Schuldienst gewinnen möchte, dürften diese selbst bei einem angebotenen A16 für eine einfache Lehrerstelle an der Grundschule nur müde lächeln.

        • Welche Berufsfelder aus der Wirtschaft bieten sich denn an, den Quereinstieg in der Grundschule zu bewältigen, weil es auf deren Erfahrung aus dem Berufsleben ankommt?

          Vermultich möchten die Menschen aus der Wirtschaft in ihrem Berufsfeld auf SekII-Niveau unterrichten, während die ausgebildeten Pädagogen (gemeint sind die SekII-LuL) dann in die Grundschulen entsand werden.

          “Den Schülern tut es sicher nicht gut, wenn lebenslänglich verbeamtete Klassenlehrer zwecks Elternzeit und Mutterschutz abgemeldet sind.”
          Lehrkräfte arbeiten 60 Std.-Wochen, da bleibt für den Nachwuchs sonst keine Zeit: … zurück zum Lehrerinnenzölibat 😉 … oder sollte man anmerken, dass Betriebe in der Wirtschaft Krippen für den Nachwuchs ihrer MitarbeiterInnen einrichten, damit diese die Kinder gut betreut wissen und früher wieder arbeiten gehen?

          • “Vermultich möchten die Menschen aus der Wirtschaft in ihrem Berufsfeld auf SekII-Niveau unterrichten, während die ausgebildeten Pädagogen (gemeint sind die SekII-LuL) dann in die Grundschulen entsand werden.”

            Da die Ausbildung für die Wirtschaft keinerlei Pädagogik oder Didaktik beinhaltet, kommen für solche Leute am Ehesten die Stufen in Frage, in denen es auf Didaktik und Pädagogik am wenigsten ankommt. Das ist gerade die Sek II und dort noch spezieller der MINT-Bereich. Ob allerdings ausgebildete Sek II-Lehrer an der Grundschule richtiger sind als “Wirtschaftler”, sei aber auch mal dahin gestellt.

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