Für Lehrer aus Syrien, die hier unterrichten sollen, ist vor allem eins ungewohnt: Elternarbeit

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BOCHUM. Lehrer aus Syrien wollen in Nordrhein-Westfalen wieder ihrem Beruf nachgehen – ein Projekt in Bochum soll das möglich machen. Die Motivation der Teilnehmer? «Weil ich ein Lehrer bin!» Respekt macht ihnen die bevorstehende Aufgabe aber schon – für sie neu zum Beispiel ist: die in Deutschland übliche Elternarbeit.

In der Uni-Bochum werden die geflüchteten Lehrer geschult.                                   Foto: Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

In Syrien haben sie Chemie, Englisch oder Französisch unterrichtet, jetzt wollen sie in Deutschland wieder in einer Schule arbeiten: An der Ruhr-Universität Bochum werden geflüchtete Lehrer und Lehrerinnen fit für den Einsatz an nordrhein-westfälischen Schulen gemacht. Am Montag hat die erste Runde des Projekts «Lehrkräfte Plus» mit 25 überwiegend syrischen Teilnehmern begonnen.

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Ein Jahr lang bekommen die in ihren Heimatländern ausgebildeten Lehrer Sprachunterricht, werden fachlich geschult und hospitieren an Schulen. Das Projekt, bei dem auch die Bertelsmann-Stiftung und die Stiftung Mercator mitarbeiten, konzentriert sich auf die Fächer Englisch, Mathe, Französisch, Chemie und Physik an Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Vorbild ist ein gleichnamiges, seit August laufendes Programm an der Uni Bielefeld – Teilnehmer können später zunächst etwa als Vertretungslehrer, also in befristeter Anstellung, arbeiten.

NRW müsse allen Bürgern die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben und einen Aufstieg geben, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). «Schule in einer globalisierten Welt benötigt Lehrer und Lehrerinnen mit besonderen Kompetenzen.» In NRW leben laut der Ministerin Menschen aus 190 Herkunftsländern.

Die Schüler «immer im Kopf»

Viele Teilnehmer habe eine einfache Antwort auf die Frage nach ihrer Motivation: «Weil ich ein Lehrer bin», sagte zum Beispiel Deaa Joha. In Syrien habe er drei Jahre als Chemielehrer gearbeitet. Respekt vor der Aufgabe hat der 32-Jährige dennoch: «Das wird nicht einfach.» Anders als in Syrien müssten Lehrer hier auch mit Eltern reden, zuhause arbeiten und hätten die Schüler «immer im Kopf».

Auch Mohammad Altaher weiß um die Unterschiede. Aber: «Wenn ich mit den Schülern bin, bin ich glücklich.» Vor allem in Deutsch müsse er aber noch besser werden, sagte der 30-jährige Englischlehrer.

In vielen der Herkunftsländer werde oftmals frontal unterrichtet, in Deutschland werde viel in Gruppen gelernt, ergänzte die Projektleiterin an der Ruhr-Universität, Gabriele Bellenberg. Rund 470 Menschen hätten sich für das Projekt in Bochum beworben.

Der VBE-Vorsitzende in NRW, Stefan Behlau, sieht Chancen des Projekts vor allem im Unterricht von Flüchtlingskindern: Geflüchtete Lehrer würden die Lebenswirklichkeit dieser Schüler genau kennen und könnten deshalb Probleme erkennen und ihnen angemessen begegnen, sagte Behlau der dpa. Die GEW in NRW sieht das ähnlich: «Das Programm könnte auch ein effektiver Beitrag gegen den Lehrkräftemangel werden», ergänzte GEW-Sprecher Berthold Paschert. dpa

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7 KOMMENTARE

  1. Na wenn wir jezt schon da angelangt sind, daß wir Lehrer einstellen und bezahlen die noch nicht mal richtig Deutsch können, dann sagt das doch schon alles über den Zustand unseres Landes aus. Ich würde diesen Lehrern empfehlen, daß sie in ihre Heimat zurückgehen, denn da könnten sie etwas bewirken.

      • Tipp: Nennen Sie die Fehler und widerlegen Sie sie durch entsprechende Quellen. Dasselbe gilt aber auch für Maja1112. Wenn ich aber die Wahl habe, zwischen fertig ausgebildeten Lehrern oder kaum alphabetisierten jungen Erwachsenen, würde ich erstere lieber nehmen, weil insbesondere religiöser Fanatismus mit abnehmendem Bildungsstand deutlich zunimmt. Und gerade dieser Fanatismus macht ja die Probleme in Deutschland.

  2. Was immer noch fehlt, ist eine “europäische Lösung” in dieser Flüchtlingsfrage. Das betrifft auch die Möglichkeit von geflüchteten Lehrern, weiter als Lehrer tätig zu sein. Immerhin sehe ich in Deutschland doch eine grundsätzliche Bereitschaft dazu, wenngleich das ohne Probleme auch nicht abgehen kann.
    Aber bei der Gelegenheit möchte ich mal mit einem Vorurteil aufräumen, nämlich dass in den 1930er Jahren die Juden, die aus Deutschland emigrieren mussten, freundlicher aufgenommen wurden als heute die Syrer und andere in Europa. Zu meiner Überraschung lese ich hier, dass viele Länder diese Juden aus Deutschland nicht haben wollten, obwohl sie eigentlich überdurchschnittlich gebildet waren und auch sonst keine großen Probleme zu bereiten drohten:
    https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/geschichte/artikel/juedische-emigration-und-juedischer-widerstand-waehrend-des
    Da steht doch tatsächlich: “Viele Länder waren nicht bereit, aus Deutschland fliehende Juden aufzunehmen. Dies zeigte sich auch auf der im Juli 1938 im französischen Evian abgehaltene Flüchtlingskonferenz. Dort konnten sich die Delegierten der teilnehmenden Staaten auf keine gemeinschaftliche Lösung des Flüchtlingsproblems einigen. Bis 1939 waren die USA für deutsche und österreichische Juden, die sich die Überfahrt leisten konnten, ein sicherer Zufluchtsort. Doch als 1939 erstmals die von den USA festgelegten Einwanderungsquoten überschritten wurden, mussten sich die zur Ausreise entschlossenen Juden auf Wartelisten setzen lassen. Die Einreise nach Palästina, das unter britischer Verwaltung stand, wurde äußerst restriktiv gehandhabt. Trotz intensiver Bemühungen der „Jewish Agency for Palestine“ wurde – aus Rücksicht auf die arabische Bevölkerung – nur eine begrenzte Anzahl vornehmlich vermögender Juden aufgenommen.”
    Das ist eigentlich beschämend und skandalös: Erstens weil viele Länder keine Juden aufnehmen wollten (welche, wird leider nicht gesagt; man findet sie unter dem Stichwort “Konferenz von Evian”) und zweitens, weil man in den USA freundlicherweise auch nur diejenigen aufnahm, die sich die Überfahrt leisten konnten, also wohlhabende Leute (und das im Rahmen einer Obergrenze, die CSU lässt grüßen). Und dann mussten sie dort sich natürlich selbst helfen, aber weil sie überdurchschnittlich gebildet waren, gelang das offenbar. Und drittens: Selbst nach Palästina ließ man vornehmlich vermögende Juden, was sagen wir denn dazu? Sollen wir auch dazu übergehen, vornehmlich vermögende Flüchtlinge aufzunehmen? Die anderen Länder scheinen die Moral auch nicht gepachtet zu haben.

  3. Gebt diesen Lehrern eine Chance nach den ihnen bekannten Methoden unterrichten zu dürfen, damit eine Mangel an Lehrkräften und an der viel beschworenen Methodenvielfalt aufgehoben werden kann.

    • *grins* ………. Sie erhoffen sich davon aber wohl eher “die alten Methoden”, oder?

      (Ich bin nicht per se dagegen.)

  4. «Das wird nicht einfach.» Anders als in Syrien müssten Lehrer hier auch mit Eltern reden, zuhause arbeiten und hätten die Schüler «immer im Kopf». […] In vielen der Herkunftsländer werde oftmals frontal unterrichtet, in Deutschland werde viel in Gruppen gelernt, ergänzte die Projektleiterin an der Ruhr-Universität, Gabriele Bellenberg.

    Offenbar scheinen die Arbeitsbedingungen in Syrien besser zu sein als in Deutschland, weil dort ein Arbeitsplatz vor Ort existiert. Auch scheint es Orte auf der Welt zu geben, in denen der eher frontale Dozierstil nicht so verpönt ist wie in Deutschland.

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