Die verbundene Schrift erschwert das Schreibenlernen! Warum wird sie Grundschülern immer noch vermittelt?

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BRAUNSCHWEIG. In Grundschulen wird den Kindern noch immer eine verbundene Ausgangsschrift beigebracht – auch Schreibschrift genannt. Doch ermöglicht diese verbundene Schrift wirklich eine schnellere und besser lesbare Handschrift? Unser Gastautor, der Schreibdidaktiker Prof. em. Wolfgang Menzel, bezweifelt das. Der Beitrag erschien zunächst in der Zeitschrift “Grundschule”.

Hier lässt sich die Zeitschrift herunterladen oder bestellen (kostenpflichtig).

Um das Schreibenlernen in der Grundschule tobt ein Kulturkampf. Foto: Shutterstock

Verbundene oder unverbundene Schrift?

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Zwei Zielen des Schreibenlernens wird kaum jemand widersprechen: 1. Die Kinder sollen so schreiben lernen, dass die erlernte Schrift auch als persönliche Handschrift später gut lesbar ist. 2. Das Erlernen des Schreibens soll möglichst auf keinen mühsamen Umwegen vonstattengehen, sondern direkt zu einer leicht handhabbaren Schrift führen. Niemand wird auch widersprechen, wenn ich behaupte: Verbundene Schriften sind prinzipiell schwerer lesbar als unverbundene. Daraus wäre eigentlich abzuleiten, dass Kinder eine unverbundene Schrift schreiben lernen müssten, da wir ja in der Regel etwas schreiben, was andere möglichst gut lesen sollen. Doch es gibt die stets wiederholten Einwände:

1. „Flüssiges“ Schreiben.

Ein konsequent verbundenes Schreiben gibt es nicht. Wir setzen schon beim Schreiben von Wörtern wie Gärten bei den ä-Punkten und beim t-Strich zweimal ab und überbrücken eine Lücke. Bei längeren Wörtern wie Fahrkartenautomat müssen wir sogar die ganze Hand weitersetzen und die Verbindungen von Buchstaben unterbrechen. Verbundenes, „flüssiges“ Schreiben ist also nie ganz ohne Überspringungen von Buchstabe zu Buchstabe möglich. Was andererseits beim Schreiben unverbundener Buchstaben als Lücke sichtbar ist und wie gedruckt aussieht, das sind in der Bewegung Verbindungen ohne Spur. Eine Handschrift, die sich durch die Metapher „flüssig“ auszeichnet, vermittelt nur dem Leser den Eindruck, dass sie aufgrund der Buchstabenverbundenheit leicht und in einem Zuge geschrieben ist; dem Schreiber bereitet sie aber mehr Mühe als die Aneinanderreihung einzelner Buchstaben, die ja durch das Überspringen von Buchstabe zu Buchstabe ebenfalls in einem zügigen Bewegungsablauf geschrieben sind. Es ist eben ein großer Irrtum, dass ein Schreiben unverbundener Buchstaben ein Schreiben in Druckschrift ist. Dem Schreiben unverbundener Buchstaben kann man die „Flüssigkeit“ nicht absprechen.

Die Zeitschrift 'Grundschule'

Der Beitrag erschien zunächst in der Zeitschrift “Grundschule” mit dem Titel: “Schreiben lehren – Wie Kinder Schriftsprache erwerben”. Hier lässt sich die Ausgabe herunterladen oder bestellen (kostenpflichtig) – auch einzelne Beiträge daraus.

Es besteht auch Einigkeit darüber, dass es ein primäres Ziel der Grundschule ist, jedem Kind Lesen und Schreiben zu lehren. Umso umstrittener ist die Frage nach dem richtigen Weg. Besonders heftig wird über die Methode “Lesen durch Schreiben” diskutiert. Die Autoren möchten in dieser Ausgabe verschiedene Ansätze betrachten und vorstellen, darunter den Spracherfahrungsansatz, das Basiskonzept nach Günther Thomé sowie das Silbenkonzept. Am Ende ist jedoch nicht der Name der Methode entscheidend, sondern immer die Frage, wie eine Lehrkraft sie ausfüllt. Denn eines hat sich herauskristallisiert: Der Schriftspracherwerb muss auch Spaß machen, damit die Motivation und Kreativität der Kinder erhalten bleibt.

2. Höhere Geschwindigkeit

Wer kein unverbundenes Schreiben gelernt hat, wird wahrscheinlich durch Erfahrung bestätigen, dass er in seiner weitgehend verbundenen Handschrift auch besonders schnell schreiben könne. Doch das Umgekehrte behaupten Schüler (und auch Studenten), die seit Jahren die Buchstaben beim Schreiben nicht verbinden: Es gehe leichter und schneller. Vermutlich ist das eine Frage der Übung. Bei entsprechenden Experimenten in der Lehrerfortbildung habe ich die Erfahrung gemacht, dass Probanden das Wort Gurkensalat in zwei Minuten Schreibzeit genauso häufig schreiben konnten – ob verbunden oder unverbunden. Doch die Geschwindigkeit ist wohl überhaupt kein hinreichendes Kriterium, da Menschen ohnehin sehr unterschiedlich schnell schreiben.

3. Eine persönliche Handschrift

Dass sich eine persönliche Handschrift nur durch verbundenes Schreiben entwickle, dem muss ich nun vehement widersprechen. Meine reichhaltige Sammlung von Schriften von Schülern, Studenten und anderen Erwachsenen belegt, dass alle diese unverbundenen Schriften sich deutlich voneinander unterscheiden und Züge von Individualität und Authentizität zeigen. Jeder hat seine eigene „Handschrift“ – auch in unverbundenen Schriften!

4. Leicht erlernbar

Ich höre häufig das Argument, verbundenes Schreiben sei nicht schwerer lernbar als unverbundenes. Wer das behauptet, hat in der Regel keine Erfahrungen mit beiden Lehrgängen gemacht; und wer sie gemacht hat, der bestätigt immer wieder, dass unverbundenes Schreiben leichter zu lehren und lernen sei als unverbundenes. Dafür gibt es aber auch ganz sachliche Gründe.

Zur Entstehung

Verbundene Schriften gibt es bereits seit dem 16. Jahrhundert. Sie wurden aber nicht erfunden, um damit leichter schreiben zu lernen; sie wurden vielmehr von Kalligrafen, mühevoll angefertigt und für besonders eindrucksvolle Einladungskarten geschaffen. Die spätere Lateinische Ausgangsschrift hat sich daraus entwickelt. Aus einer von Schreibkünstlern erfundenen Schrift wurde eine Schrift, die die Kinder zu lernen hatten!

Viele Buchstaben, vor allem die Großbuchstaben, waren damals – und sind in der Lateinischen und teilweise in der Vereinfachten Ausgangsschrift bis heute – mit Bögen und Kurven ausgestattet, die die Grundform des Buchstabes mit umkreisendem Zierrat versehen, wie man an den Großbuchstaben C, G, H, S  und so weiter gut erkennen kann. Es ist natürlich aufwändiger, solche Zierkurven den Buchstabengrundformen hinzuzufügen, als nur die Grundformen selbst zu schreiben. Es ist also ein höherer Aufwand.

Wer, wie es heute weitgehend üblich ist, zu Beginn des Schreiblehrgangs die unverbundene Schrift anbietet, gewährleistet immerhin eine Integration beider Lehrgänge. Wer aber danach, wie manche Richtlinien es fordern, „eine der Ausgangsschriften“ lehrt, der muss den Kindern im zweiten Schuljahr mit viel Mühe ganz neue Bewegungsabläufe beibringen – und das nur, um dem administrativen Irrglauben gerecht zu werden, nur mit einer verbundenen Ausgangsschrift sei eine flüssige Handschrift zu erreichen.

Eine Schrift, deren Buchstaben mal mehr, mal weniger mit Schleifen, mit An- oder Abstrichen, mit Deckstrichen und Drehrichtungswechseln ausgestattet ist wie die drei verbundenen Ausgangsschriften (Lateinische, Vereinfachte und Schulausgangsschrift, vgl. Abb. 1), hat – eben aufgrund dieser überflüssigen Kurvereien – die Neigung, sich in der späteren Handschrift so zu verformen, dass sie schwerer lesbar wird. Jede Schreibbewegung, ob sie zum reinen Buchstaben gehört oder zum Buchstabendrumherum, kann individuell verformt werden; und wenn die Bögen und Kurven, die nicht zur Grundform des Buchstabens gehören, individuell ausgeformt, überdehnt oder vergrößert werden, dann bleibt der Buchstabe selbst oft darunter versteckt – und die Schrift kann fast unleserlich werden. Keine noch so schnell und schludrig geschriebene Schrift mit unverbundenen Buchstaben kann jemals so unleserlich sein wie eine erlernte Lateinische Ausgangsschrift in der „Sauklaue“ eines Kindes im siebten Schuljahr.

„Nicht schön, aber lesbar“

Meine eigene Handschrift ist, zugegeben, kein kalligrafisches Kunstwerk. Ich verwende sie heute selten. Dieser Artikel ist, wie fast alles, was ich schreibe, direkt in den Computer getippt. Nur Ideenskizzen habe ich mir vorher auf Papier notiert. Diese geben zu erkennen, dass ich vom dritten Schuljahr an die Lateinische Ausgangschrift gelernt habe. Meine eigene Schrift ist also eine weitgehend verbundene Schrift – nicht schön, aber lesbar. Grundzüge der Deutschen Schulschrift, mit der ich im ersten und zweiten Schuljahr das Schreiben erlernte, sind noch zu erkennen: das runde große E, das dreibeinige M, das eckige m, n und u, über das ich manchmal, zur besseren Unterscheidung, sogar noch den alten u-Bogen ziehe. Das hat sich eingeprägt, so schreibe ich für mich.

Wenn ich tatsächlich noch manchmal an andere Menschen in Handschrift schreibe, verwende ich eine weitgehend unverbundene Schrift, die mir leicht von der Hand geht; ich möchte ja auch, dass man meine Schrift gut lesen kann: Adressen, Kurznachrichten, Postkarten, Korrekturen in Manuskripten und so weiter. Meine Erinnerungen an die eigene Schulzeit mit dem mühevollen Schönschreiben und meine Erfahrungen als Grundschullehrer, den Kindern mit Kreisen, Girlanden, Arkaden die Vorstufen der Lateinischen Ausgangsschrift beizubringen, ja selbst noch meine späteren Einsichten in Schriftstrukturen bei der Arbeit am Schreiblehrgang zu einer Fibel, das alles hat mir nahegelegt, mich für ein müheloseres und ökonomisches Schreibenlernen einzusetzen – mithilfe der seit einigen Jahren entwickelten Grundschrift.

Der Wert der Handschrift

Nun wird heute die Frage heiß diskutiert, ob man denn überhaupt im Zeitalter der Digitalisierung das Schreiben einer Handschrift noch lernen müsse. Das Auffinden von Buchstaben auf einer Tastatur sei durchaus schon im ersten Schuljahr möglich; das Zusammensetzen der Buchstaben zu Wörtern spiele sich ein; das Geschriebene sehe manierlich aus; keine Lehrerin würde in höheren Schuljahren aus einer schludrigen Handschrift mehr den Schluss auf inhaltliche Mängel ziehen. Was ginge eigentlich verloren, wenn wir den Kindern nicht mehr das mühsame Handschreiben beibrächten?

Ich bin kein Kulturpessimist, doch einige mögliche Nachteile stehen mir doch vor Augen, wenn ich mir vorstelle, dass ich das Schreiben mit Hand nicht gelernt hätte. Abgesehen davon, dass noch kein Lehrplan den Verzicht auf das Schreiben mit der Hand erlaubt, darf man fragen: Lernt man beim Schreiben per Hand nicht womöglich mehr als das bloße Schreiben?

Feinmotorische Fähigkeiten – Präzisionsarbeit: Das Schreiben mit der Hand fördert feinmotorische Fähigkeiten: das Beugen und Strecken der Fingermuskulatur, die Drehung des Handgelenks, die Inanspruchnahme des Armes und der Schulter. Diese Präzisionsarbeit kommt höchstwahrscheinlich vielen anderen Tätigkeiten zugute, für die wir die Ausbildung der Feinmuskulatur benötigen. Ob das Bedienen der Tastatur die gleiche Präzisionsarbeit nötig macht, dafür gibt es keine Belege.

Speicherung von Wortschemata: Dass wir Wortschemata nicht nur im visuellen Gedächtnis speichern, sondern durch Handschreiben auch im motorischen Gedächtnis verankern, ist seit langem erwiesen. Wir merken uns besser, was wir auf- oder abgeschrieben haben, wir können es aus dem Gedächtnis über längere Zeit abrufen – wie ein Klavierspieler ja auch musikalische Passagen im Gedächtnis verankert nicht nur durch Notenlesen, sondern durch wiederholtes Einprägen. Daher ist für das Rechtschreiblernen das schreibende Üben von größter Bedeutung. Ob die Fingerbewegungen über eine Tastatur auf ähnliche Weise Schemata bilden und speichern, wissen wir nicht.

Strukturierung der Gedanken: Das Mitschreiben von etwas Gehörtem und das Herausschreiben aus etwas Gelesenem macht, da wir niemals so viel und so schnell aufschreiben, wie wir gehört oder gelesen haben, Auswahl nötig. Auswählen können wir aber nur mithilfe von Denkprozessen, die durch das Schreiben in Gang gesetzt werden. Ob diese Prozesse genauso verlaufen, wenn wir – oftmals schneller als mit der Hand – etwas auf der Maschine mitschreiben, wird von Wissenschaftlern bezweifelt.

Persönlicher Ausweis: In Handschrift Geschriebenes stellt eine größere persönliche und wohl auch emotionale Nähe zum Adressaten her als Gedrucktes. Man kann oft den Schreiber an seiner Schrift erkennen. Die Handschrift ist ein persönlicher Ausweis des Schreibenden; wir müssten auf ihn verzichten, sendeten wir uns gegenseitig ausschließlich Gedrucktes; wir müssten auch auf die Freude über Briefe in persönlicher Handschrift verzichten. Und wir füllen noch immer Formulare per Hand aus, schreiben in Gästebücher und zeichnen per Unterschrift als dokumentarischen Beleg dafür, dass wir selbst es sind, die unterzeichnet haben. Nein, auf das Schreiben per Hand möchten wir, bei allen Vorzügen technischer Möglichkeiten, nicht verzichten!

Hier lässt sich die Ausgabe herunterladen oder bestellen (kostenpflichtig).

Auf der Facebook-Seite von News4teachers ist bereits eine hitzige Debatte entbrannt.

Der Autor

Nach seinem Lehramtsstudium der Fächer Deutsch und Musik an der Pädagogischen Hochschule Braunschweig arbeitete Wolfgang Menzel ab 1960 als Lehrer an Schulen unterschiedlicher Schularten. Parallel zu seinem Lehramt studierte er ab 1965 Pädagogik, Germanistik und Philosophie, an der Georg-August-Universität Göttingen und ging dann 1969 von der Schule als Assistent zurück nach Braunschweig zur Pädagogischen Hochschule. Das Zweitstudium beendete Menzel 1972 mit der Promotion zum Dr. phil.; Thema seiner Dissertation war die deutsche Schulgrammatik. Im Jahr 1974 wurde er als Professor für Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik an die Universität Hildesheim berufen. Dem Fachbereich für Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation stand Menzel als Dekan vor. Von 1995 bis 1998 war Menzel Rektor in Hildesheim. Seit 2000 ist er Emeritus.

Der Füller – die Renaissance eines Schreibgerätes und warum das durch die Digitalisierung unterstützt wird

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13 KOMMENTARE

  1. Der Autor behauptet, dass es eine verbundene Schreibschrift gar nicht gibt, da man bei den Strichen des T und der Punkte über den Vokalen zwischen drin absetzen würde.
    Er verhehlt andererseits weiter unten aber auch nicht, dass er erst ab der dritten Klasse die “Vereinfachte ” Ausgangsschrift erlernt hat, also zu einem sehr späten Zeitpunkt eine Schrift, die an der Mittellinie aufhängt ist und durch zahlreiche Aufstriche und Verbindungsstriche erst zu einer verbundenen , aber eben sehr hakeligen Schreibschrift wird.
    Das Absetzen im Wort erfolgt aber zumindest nicht bei der Anwendung der Lateinischen Ausgangsschrift und trifft wohl auf die Schulausgangsschrift auch nicht zu, da man die Punkte und Striche erst am Ende des geschriebenen Wortes setzt, und so werden auch die Wörter weiter konsequent zu Ende geschrieben, weil man mit der verlängerten Handkante oberhalb des kleinen Fingers kontinuierlich weiter vorrückt !
    Er hat sicherlich nie die Lateinische Schreibschrift zu schreiben gelernt, so wie meine Generation, diese immer trainierte, die Wörter zu Ende zu schreiben .
    Und wie kann das mehrfache Schreiben eines einzelnen Wortes als Kriterium für die Schreibgeschwindigkeit dienen ?
    Dieses Methodik erfordert in keiner Weise das Abrufen automatisierter Silben, die bei der verbundenen Schreibschrift als Schreibsegment abgespult werde.
    Er behauptet weiter, das die Aneinanderreihung von Buchstaben leichter fällt und unterschlägt damit, dass gute Schreiber, also schnelle Schreiber, in Silben gegliedert schreiben, schlecht Schreiber dagegen in der nach Buchstaben aufgegliederten Methodik beim Schreibablauf beim Buchstabieren verhaften.
    Es ist eine Binsenweisheit, dass jeder Mensch, in Abhängigkeit vom Training, unterschiedlich schnell schreiben kann, ebenso wie die Konzentrationsfähigkeit und der Grad der geistigen Aktivierung Einfluss auf die Schreibgeschwindigkeit jedes einzelnen Schreibers hat.
    Schließlich bestätigt er dem Leser, dass man die von ihm gelernte und angewendete Vereinfachte Ausgangsschrift (V.A.)nicht gut lesen kann. Diesem Urteil kann ich mich sehr gut anschließen, weil wir hier die Schreibergebnisse in der V.A. der Kinder sehen, und die sind hackelig, krakelig und schwer lesbar, so dass diese auf die zuerst gelernte Druckschrift zurückgreifen.

    • “Er hat sicherlich nie die Lateinische Schreibschrift zu schreiben gelernt, so wie meine Generation, diese immer trainierte, die Wörter zu Ende zu schreiben .”
      Nein! Der Autor gehört zu der älteren Generation. Er ist 1935 geboren und lernte zuerst die Deutsche Schrift, eine ziemlich verschnörkelte Schrift und ab dem 3. Schuljahr die lateinische Ausgangsschrift. (siehe seine Ausführungen)
      Wolfgang Menzel habe ich selbst schon auf einer Fortbildung in Bayern vor vielen Jahren erlebt. Da ging es aber eher um kreatives Schreiben in einem von ihm mit verfassten (federführend) sehr guten Unterrichtswerk für Deutsch (Kleeblatt Lesebuch und Sprachbuch), mit dem ich im alten Lehrplan viel gearbeitet habe. Die Fortbildung war sehr gewinnbringend.

      Allerdings bleibe ich auch nach diesem Artikel skeptisch, was die Grundschrift betrifft.

    • Menzel ist 1935 geboren.
      Er schreibt selbst, er habe ab dem 3. SJ LA gelernt – nicht VA, die gab es ja auch noch gar nicht.

      Zuvor in Klasse 2 war es “Deutsche Schulschrift”. Da sind die Bezeichnungen nicht immer einheitlich, aber der Strich über dem kleinen U verweist auf Kurrentschrift oder auf Offenbacher Schrift – deutsches Alphabet von 1927.

      Sie, AvL, können sich also Menzels Urteil anschließen, dass man die aus LA entstandene Handschrift nicht gut lesen kann.

      • Im übrigen sticht auch das Argument, der Schreiber würde auf die zuerst erlernte Druckschrift zurückgreifen, nicht, er hat sie ja nicht als erste Schrift genutzt.
        Es würde auch bedeuten, dass jeder, der seine Handschrift nicht als gelungen ansieht, auf die von ihm erlernte Ausgangsschrift zurückgreifen würde, die bei älteren Semestern zumeist LA wäre.

        Analysieren Sie Schriften Erwachsener und schauen Sie hin, wer wirklich noch LA-angelehnt und absolut verbunden schreibt.
        Die meisten Erwachsenen können sich gar nicht an ihre Ausgangsschrift erinnern. Das kann man auf den Elternabenden in der Grundschule erörtern und zeigen, wie die Schrift aussehen sollte oder ausgesehen hat, mit der auch die Eltern einmal das Schreiben erlernt haben.

      • @Palim
        Nein, denn die L.A. wurde , als sie 1953 eingeführt wurde, an andere europäische Schreibschriften angepasst, und so ermöglicht sie es mir von polnischen, rumänischen und anderen Kollegen die Schreibschrift zu lesen, zumal wir damals alle mit der Lateinischen Schrift das Schreiben und das Lesen lernten.
        Ich schreibe nach wie vor in der L.A., .

      • Man schaue sich mal Unterschriften an. Sind die typischerweise verbunden oder unverbunden? Mir scheint, die sind typischerweise verbunden bis zur Unleserlichkeit, gerade weil das Unterschreiben schnell gehen soll. Das wissen alle, die mal Hunderte von Vorlagen unteschreiben mussten. Mich würde interessieren, wie Herr Menzel unterschreibt.

  2. Bei dem Bild zum Artikel stört mich die falsche Stifthaltung. Wird darauf in der Grundschule nicht mehr geachtet? Die richtige Handhabung jeden Werkzeugs finde ich ausgesprochen wichtig.

    • Mit der abgebildeten klemmenden Stifthaltung ist auf Dauer kein anstrengungsames und flüssiges Schreiben möglich. Das Kind realisiert keine wirkliche Daumenoppisition und praktiziert ein vglw. primitives Griffmuster, das deutlich besser zum Aufschlagen von Nüssen mit einem Stein als zum Schreiben geeignet ist. Faustartige und Klemmende Stifthaltungen verunmöglichen die Ausführung großräumiger isolierter Fingerbewegungen, welche wiederum für einen flüssig-gleitenden Schriftzug (z.B. für das verbundene Schreiben mit dem Füller) nötig sind.

  3. Eine Schülergeneration durfte bis jetzt die Grundschrift schreiben bis das Kultusministerium entschied, dass alle Kinder ab jetzt nach der Druckschrift doch die lateinische Ausgangsschrift erlernen müssen. Ich war lange ein Verfechter der LA. Doch ich habe jetzt einen Klasse die „nur“ die Grundschrift erlernt hat. Und tatsächlich ist die Schrift von wirklich jedem Kind lesbar und dass hatte ich bei der LA noch nie. Über die Schreibgeschwindigkeit kann ich wenig sagen. Es gibt schnelle und lamgsame Schreiber. Doch ich halte die Rückkehr zur LA für falsch. Aber leider wird auf die Menschen an der Basis nie gehört. Und auch dieser Artikel wird nichts daran ändern, dass ständig neue Änderungen vorgenommen werden, weil irgendjemand sich profilieren will und das hin- und her erzeugt so viel Extraarbeit.

    • Andere stellen “an der Basis” das Gegenteil fest. Trotzdem danke für Ihre Beobachtung! Jede Stimme von der Basis ist wichtig. Und klar, auch hier gibt es nicht immer nur Übereinstimmung.

      @Beate
      Die Stifthaltung ist mir auch aufgefallen. Ich würde mir ein anderes Bild zum Thema “Schrift und Schreiben” wünschen.

  4. Nachdem Herr Menzel wohl um 1975 herum bereits einmal mit einem Vorstoß für eine unverbundene Schreibweise keinen Erfolg hatte, meint er nun, seine Idee durch ein Aufspringen auf den “Grundschrift-Zug” doch noch verwirklichen zu können. Die Qualität seiner Argumentationsführung halte ich für bescheiden, da sie – wie oben ersichtlich – ohne jeglichen konkreten Bezug zu Studien oder wissenschaftlichen Erkenntnissen daherkommt.
    Eine eingehendere Kritik kann nachgelesen werden unter: “Wie Professor Menzel für den Grundschulverband das verbundene Schreiben wegdefiniert” Quelle: http://www.grundschrift.info/menzel.htm

    • Die Bedeutung des Erlernens einer verbundenen Schreibschrift wurde bisher im Bereich des Schriftspracherwerbs der Schüler verkannt, bedeutet doch der Erwerb einer verbundenen Schreibschrift nicht nur die Ausbildung und Förderung feinmotorischer Fähigkeiten in dieser vulnerablen Phase der Hirnentwicklung.
      Zum einen gelingt es dem Schreiber, durch die sorgfältige Ausführung eines gut lesbaren Schriftbildes, tendenziell weniger Rechtschreibfehler zu erzeugen, zum anderen werden bei der Einübung einer verbundenen Schrift durch die Einübung der motorischen Bewegungsabläufe mehr Hirnregionen aktiviert, was ein nachhaltigeres Erlernen einer Schreibautomatisierung begünstigt.
      Die Vermittlung einer gut lesbaren Handschrift ist bei Schulkindern in den letzten 15 Jahren deutlich seltener gelungen, was sich in vergleichenden Schriftproben zu denen der 90er Jahre zeigen lässt.
      Als Grund wird vielfach der verallgemeinerte Eindruck einer fehlenden bis nachlassenden feinmotorischen Fähigkeit dieser Generation genannt.
      Derartige postulierte Entwicklungsrückstände wären aber durch ein gezieltes Training in den Kindergärten und Grundschulen ausgleichbar.
      Eine hilfsweise angesetzte Ergotherapie greift nur bis zum 9. Lebensjahr und ist mit erheblichen Kosten für die Sozialversicherungsträger verbunden.
      Somit verbleibt die Schule als einzige Institution, die ein derartiges Training mit dem Einüben einer Handschrift ermöglicht .
      Das Gegenteil ist aber der Fall. Übungen zum Aufbau eines lesbaren Schriftaufbaus werden als negativ belastet betrachtet und teilweise als Drill abgetan.
      Der Trend geht aber hin zum eigenständigen Schrifterwerb in einer Eigensteuerung der Kinder, womit viele, besonders die Risikogruppen, überfordert sind.
      Durch eine zunehmende Vereinfachungstendenz in der Pädagogik, soll die Vermittlung der Schriftsprache gelingen, soll im eigen initiativen Schrifterwerb mit einer Druckschrift, diese Kernkompetenz des eigenständigen Schreibens vermittelt werden.
      Besser wäre aber eine individuelle Begleitung des Kindes beim Schriftaufbau in einem ausreichenden Zeitrahmen.
      Die vorgegebene Grundschrift soll als Basis , gestützt auf Anlaut-Tabellen , nach eigenem Gutdünken des Schülers, von diesem später zu einer verbundenen Schreibschrift weiterentwickelt werden.
      Eine verbundene Schrift braucht aber gerade eine eindeutige Vorgabe um ein formgetreues , gleichmäßiges und lesbares Schriftbild zu entwickeln. Auf alle Fälle sollte sich jeder Buchstabe klar von anderen absetzen.
      Die Beibehaltung einer Druckschrift, in der Absicht das Lesenlernen zu vereinfachen, stellt aber ein Problem für Schüler mit LRS und kreuzdominanz im optisch-motorischen System dar, wo es zu Vertauschungen von b/d/p/g und a/e kommt, sowie den Buchstabenfolgen ie/ei,a/r ,r/a etc.
      Dadurch wird die Entwicklung und Ausbidung des Schreibflusses gehemmt.
      Grundsätzlich behindert die Untergliederung der Silben in die sprachlichen Unterteile der Einzellauteeine Ausbildung der Schreibautomatisierung .
      Beherrscht ein Kind nicht sicher seine Schrift, so ist ein fehlerfreies Rechtschreiben bereits eine Überforderung. Darüberhinaus gehende Übungen einen sinnvollen Text zu produzieren, bleiben eine noch viel größere Herausforderung. Gute Schreiber Automatisieren in der Silbe.
      Mit der Übernahme einer eindeutig lesbaren Handschrift stellen sich in der Regel schnelle Erfolge ein.
      In einer kanadischen Studie von 2013 mit n =715 Schülern wurde bei Schülern, die mit einer Schreibschrift zu schreiben begonnen hatten, ein höheres Schreibtempo, eine bessere Rechtschreibung, sowie der Syntax und eine höhere Textqualität erfasst.
      Durch die Vermittlung des Silbenrhythmus gelingt dem Schüler eine bessere Wortdurchgliederung mit einer Automatisierung dieser sprachlichen Einheiten.
      Vorteile bieten insbesonder die Schulausgangsschrift und die lateinische Ausgangsschrift, da die Buchstaben eindeutig erkennbar sind und immer sich an der Grundlinie entlanghangeln.
      Bei der Vermittlung einer lesbaren Schreibschrift kommt der Einhaltung einer guten Schriftausführung in der Ober- und Unterlinie zu, da sonst die Lesbarkeit beeinträchtigt wird.

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