GEW: Nur ein Drittel der neuen Berliner Lehrer haben ein Lehramtsstudium

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BERLIN. Neue Lehrer für die Berliner Schulen zu finden, wird immer schwieriger. In seiner Not hat das Land nun einen Weg eingeschlagen, der der Gewerkschaft überhaupt nicht gefällt.

Auch viele Quereinsteiger werden bald unterrichten.                                                         Foto: ceiling / flickr / CC BY 2.0

Die GEW hat die Einstellungspraxis an Berliner Schulen gerügt. Nur gut ein Drittel der 2.700 zum neuen Schuljahr eingestellten Lehrer hätten ein abgeschlossenes Lehramtsstudium absolviert, sagte GEW-Landeschef Tom Erdmann. Das gehe aus Zahlen der bezirklichen Schulpersonalräte hervor.

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Demnach fangen jetzt an Berlins Schulen neben 1.000 regulären sogenannten Laufbahnbewerbern etwa 750 Quereinsteiger und mehr als 900 Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung an. Letztere haben kein Fach der Berliner Schule studiert und erhielten zumeist befristete Arbeitsverträge.

Nach Einschätzung der GEW hat sich die Personalsituation an den Berliner Schulen damit im neuen Schuljahr, das am 20. August startet, noch einmal deutlich verschlechtert. «Wir erkennen an, dass Senatorin Sandra Scheeres es trotz des gravierenden Fachkräftemangels geschafft hat, alle offenen Stellen zu besetzen», sagte Erdmann. «Allerdings musste sich die Senatorin dafür einiger Tricks bedienen.» Sie rechne erstmals Willkommenslehrkräfte, Pensionäre und Masterstudierende in das Einstellungskontingent mit ein, «um die Statistik aufzubessern».

Die GEW erwarte eine umfangreiche Weiterqualifizierung der Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung, so Erdmann. Bildungssenatorin Sandra Scheeres sagte dies zu. «Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung haben in den meisten Fällen schon an den Berliner Schulen als Vertretungslehrkraft oder Willkommenslehrkraft gearbeitet», erklärte die SPD-Politikerin. «Wir werden diese Gruppe entsprechend qualifizieren, um bei entsprechender Bewährung befristete Verträge zu entfristen.»

Scheeres will sich nun auf einer Pressekonferenz zur Situation an den Schulen zum Schuljahresbeginn äußern. Schon länger ist klar, dass es für das Land immer schwerer wird, genügend neue Lehrer zu finden. Ursache ist der Fachkräftemangel, der auch andere Bundesländer trifft.

Da zu wenige Lehramtsstudenten von den Hochschulen kommen und eine Aufstockung der Ausbildungskapazitäten erst in zwei Jahren oder später wirkt, setzt der Senat stark auf Quereinsteiger, die kein pädagogisches Studium absolviert haben, und andere Lösungen. So wurden Studenten in lehramtsbezogenen Masterstudiengängen Zeitverträge angeboten und Pensionäre reaktiviert.

Die Wissenschaftsverwaltung teilte mit, dass die Berliner Universitäten im bevorstehenden Wintersemester deutlich mehr Plätze für Studienanfänger anbieten, die Lehrer werden wollen. Insgesamt stünden 3.150 Studienplätze in Fächern mit Bezug zum Lehramt bereit, rund 600 mehr als im vergangenen Wintersemester. Wie viele Interessenten sich tatsächlich in dem Bereich einschreiben, soll Mitte Oktober feststehen. Der Trend sei zuletzt positiv gewesen. dpa

Dramatischer Lehrermangel an Berliner Schulen – Quereinsteiger und Lehrer im Pensionsalter sollen das Loch stopfen

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65 KOMMENTARE

    • Seiteneinsteiger machen nicht automatisch schlechten Unterricht und ausgebildete Lehrer nicht automatisch guten.

      Die Lese- und Rechtschreibleistungen sind ja in den letzten Jahrzehnten trotz der ausgebildeten Lehrkräfte schlechter geworden. Es hat vielleicht auch etwas mit der Ausbildung zu tun (Stichwort: Methoden).

      Seiteneinsteiger werden idealerweise eher nicht in der Schuleingangsphase eingesetzt.

      • nicht unbedingt die Ausbildung. eher die durch den Lehrplan immer weiter reduzierten inhalte, vorgeschriebene Methoden und das ideologiebedingt verpönte Üben.

      • Wenn so viele Lehrkräfte Seiteneinsteiger sind und zusätzlich weiteres nicht entsprechend ausgebildetes Personal den dann immer noch nicht abgedeckten Unterricht erteilt, werden diese Personen auch im Erstunterricht/ der Eingangsstufe eingesetzt werden müssen.

        Viele dieser Kräfte erhalten zudem nicht einmal einen mehrwöchigen Kurs, sondern beginnen gleich mit voller Stelle und besuchen kein Ausbildungsseminar.

      • Auch wenn ich dafür “gekreuzigt” werde: Ich gebe Ihnen Recht, sofawolf. Ich traue Seiteneinsteigern nicht weniger zu als Lehrkräften mit Lehramtsstudium und Ausbildungsseminar.
        Das Lehramtsstudium ist m.E. inzwischen (sowohl didaktisch als auch methodisch)dermaßen ideologisiert, dass es zum Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen, dem Kerngeschäft der Grundschulen, nur noch wenig taugt. Ein unverstellter Blick auf die Kulturtechniken und das Schülerverhalten mag oft sogar besser sein als die “Hochschulbrille”, die den Studenten verpasst wird.

        • Wenn sich diese Einstellung durchsetzt, dann werden immer weniger ein Grundschullehrerstudium aufnehmen.

          Wenn man meint, dass das Studium zu sehr ideologisiert ist (was in meinem Bundesland sicher nicht der Fall ist), dann muss man dort ansetzen.
          Seiteneinsteiger haben es wesentlich schwerer, die komplexen Aufgaben, mit denen man heute in der Grundschule konfrontiert ist, ohne große Vorbereitung darauf zu bewältigen und noch professionell zu agieren. Zudem ist der Lehrerberuf emotional herausfordernd, in der Grundschule garantiert. Wer hat nicht darauf vorbereitet ist, hat es doppelt schwer.
          Letztendlich bräuchte man für die Grundschule eine gründliche Nachqualifizierung und zwar nicht nur grundschulspezifische, je nach Vorstudium pädagogische, didaktische, psychologische Inhalte im Studium, sondern auch Inhalte der zweijährigen anschließenden schulpraktischen Ausbildung (Referendariat), die in den Seminaren gelehrt werden, müssen nachgeholt werden.

          • Richtig, der zunehmenden Ideologisierung des Grundschullehrerstudiums muss der Kampf angesagt werden. Lehramtsstudenten sollten nicht für weltanschaulichen Lobbyismus in den Schulen ausgebildet werden, der sich über Jahrzehnte breit gemacht und die Kernaufgaben geschwächt hat.
            Unsere Gesellschaft braucht auch in Zukunft Menschen, die gut Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt haben. Dafür ist die Grundschulzeit überaus wichtig.

          • Ich befürchte, dass ich nicht verstehe.
            Wo und wie soll denn ein weltanschaulicher Lobbyismus (zu wem oder was eigentlich?) in den Grundschulen zutage kommen?
            Also ich merke in dieser Beziehung bei unseren jungen Leuten nichts. Jeder macht sein Alltagsgeschäft und vermittelt den Stoff nach besten Wissen und Gewissen, wie er laut Lehrplan gefordert ist. Der Lehrplan ist übrigens oft das Zentrum der Fortbildungen.

            Letztendlich müsste man sich dann bei den Kultusministerien beschweren, denn die machen die Vorgaben, an die sich die Lehrer zu halten haben.

          • Das Problem ist doch, dass Grundschullehrer in aller Regel nicht von Fachprofessoren, sondern von Pädagogikprofessoren ausgebildet werden. Und die brauchen Veröffentlichungen! Also wird jede denkbare noch so dumme Idee von einem Professor vertreten. Das Problem besteht bei Gymnasiallehrern nicht.

            Zu den Seiteneinsteigern: Im Einzelfall macht sicher ein Seiteneinsteiger besseren Unterricht als ein Lehrer mit regulärer Ausbildung, aber in der Masse muss man sich doch vergleichen:

            Menschen, die schon immer mit Kindern arbeiten wollten und daher eine entsprechende Ausbildung gemacht haben und

            Menschen, die eigentlich einen anderen Beruf ergreifen wollten und aus welchen Gründen auch immer – oft als Notnagel – dann Lehrer geworden sind (mit keiner oder kaum einer entsprechenden Ausbildung).

            Im Schnitt macht sicher die erste Gruppe besseren Unterricht und deshalb ist die hohe Zahl an Seiteneinsteigern ein Problem.

          • ysnp: “Weltanschaulicher Lobbyismus” ist vielleicht nicht geschickt ausgedrückt, aber es fällt schon auf, dass die Lehrerausbildung und auch -fortbildung in einer bestimmten Richtung erfolgt. Hier
            http://www.lehrerfortbildung.brdt.nrw.de/pdf/gemeinsames_lernen_juni_2012.pdf
            steht z.B. auf Seite 12 der Satz: “Grundsätzlich ist das Lernen in einer Gruppe förderlich, in der ein möglichst breites Leistungsspektrum vertreten ist.” Ich möchte wirklich mal wissen, wo eine solide Begründung dafür zu finden ist. In homogenen Gruppen kann man nichts lernen? Macht man nicht hinsichtlich der gepriesenen “Heterogenität” eher aus der Not eine Tugend? Und hier
            http://www.che.de/downloads/Monitor_Lehrerbildung_Inklusion_04_2015.pdf
            mischen sich Bertelsmann, CHE und Telekom-Stiftung in die Lehrerbildung ein und verkünden Weisheiten wie:
            “Unser Schulsystem und damit auch die Lehrerbildung müssen einen umfassenden Paradigmenwechsel vollziehen.”
            Es gehört nicht viel Fantasie dazu sich vorzustellen, dass gerade im Grundschulbereich die angehenden Lehrer/innen mit Ansichten und Einstellungen vollgestopft werden, die man auch als “ideologisch” bezeichnen könnte. Insofern kann ich nicht sagen, dass ABC grundsätzlich falsch liegt.

          • @küstenfuchs
            “Das Problem ist doch, dass Grundschullehrer in aller Regel nicht von Fachprofessoren, sondern von Pädagogikprofessoren ausgebildet werden.”

            Woher nehmen Sie das?
            Sie haben doch vermutlich selbst studiert und sind in der Lage, sich mit Studienordnungen zu beschäftigen oder die unterschiedlchen Institute einer Uni auseinanderzuhalten.

            Wurden bei Ihnen an der Uni die MINT-Vorlesgungen von Sportprofessoren abgehalten?

            “Also wird jede denkbare noch so dumme Idee von einem Professor vertreten. Das Problem besteht bei Gymnasiallehrern nicht.”
            Offenbar doch.

        • Eine Begründung für diese Aussage wird fachwissenschaftlich nicht möglich sein. Aber Hinweis: Herr Wocken tritt am 11.09. in Bad Wildungen auf. Thema: Wie wichtig Haltung für die Inklusion ist. Wichtig: Das Thema Ressourcen und Lernumfeld wird explizit an diesem Abend NICHT Thema sein, Inklusion geht auch nur druch Haltung.
          Ich kann da leider nicht, habe was Wichtiges vor.

          • Ob der Professor die Veranstaltung wohl wieder abbricht, wenn er bei seinem Publikum eklatante “Haltungsschäden” und unbeugsames Bestehen auf Faktenorientierung feststellen muss?

  1. Nur 1/3 ausgebildete Lehrer bedeutet auch, dass maximal 1/3 in den Genuss der neuen Bezahlung (A 13 für alle + Erfahrungsstufe 5) kommt.

    Warum findet Berlin trotz der neuen Bezahlung “keine” Lehrer? Ist Geld vielleicht nicht für alle das Wichtigste?

  2. Ich erinnere mal daran, dass nach 1945 auch ein Mangel an ausgebildeten Lehrern herrschte, weil eben doch viele im Krieg umgekommen waren oder noch in russischer Kriegsgefangenschaft waren. Damals hat man auch Quereinsteiger akzeptiert, z.B. ehemalige Orchestermusiker, deren Orchester nicht mehr existierte, als Gymnasiallehrer für Musik oder Ingenieure als Lehrer für Mathematik und Physik. Dass das strukturell schlechte Ergebnisse brachte, davon hat man wohl kaum etwas gehört. Man arrangierte sich damit. Wenn Not herrscht, akzeptiert man vieles. Die Grundsatzdiskussion müsste man eigentlich auf einer breiten empirischen Basis von Erfahrungen mit den Quereinsteigern machen und nicht ideologisch abgehoben. Da könnte eine Umfrge unter Schulleitern helfen, wie sie die Quereinsteiger nach einer Eingewöhnungsphase einschätzen.

    • Ich habe bei uns inzwischen rund ein Dutzend Seiteneinsteiger erlebt. Pi mal Daumen kann ich sagen:

      1/3 super
      1/3 normal
      1/3 Totalausfall

      Kann man das nicht aber von den ausgebildeten Lehrern auch sagen? So pi mal Daumen?

      Grundsätzlich kann jeder aus seinen Erfahrungen lernen, meine ich. Das Problem ist nur, dass man diese Erfahrungen ja erst einmal machen muss und das geht dann leider auf Kosten der Schüler, die diesen Unterricht nur einmal haben und nicht wie der Lehrer immer wieder. DESHALB finde ich es wichtig, dass Seiteneinsteiger eine Basisqualifikation bekommen, damit nicht alles schief geht.

  3. Mich beschäftigt die Frage, wie sich die GEW denn die Behebung des akuten Lehrkräftemangels vorstellt. Lieber keine Seiteneinsteiger einstellen und Unterricht ausfallen lassen oder die Arbeitszeit der Lehrer mit Lehramtsstudium drastisch erhöhen und damit den Lehrerberuf noch abschreckender machen?

      • Danke für den Link! Mein Studium kann ich auch vergessen. Für das Berufsleben an der Grundschule waren es verlorene Jahre.
        Deswegen verstehe ich nicht, wenn immer wieder auf die Wichtigkeit des Lehramtsstudiums hingewiesen wird. Meiner Erfahrung nach führt es ein Eigenleben, das reichlich wenig mit der Schulpraxis und dafür brauchbarem Hintergrundwissen zu tun hat.
        Nur meinem Status hat es genützt, denn ich darf mich als Akademikerin fühlen.

        • Im von Cavalieri verlinkten Artikel ghet es um das Studium zum Lehramt fürs Gymnasium. Das Gerücht gab’s aber schon zu meiner Zeit, dass man die Pädagogikanteile beim Studium zum Lehramt für Gymnasium vergessen kann.

          Ich selbst habe sehr gerne studiert und war zufrieden mit meinem Studium – auch in Bezug auf die Praxis. Doch das ist zu lange her um das mit dem jetzigen Studium zu vergleichen.

          • ich hatte auch große Freude am Studium. Die pädagogischen und didaktischen Teile konnte man aber zu weiten Teilen in die Tonne kloppen. Diese Veranstaltungen waren aber gemeinsam mit den Hauptfach-Pädagogen.

          • Ich habe auch gerne studiert, wobei es vor der Umstellung auf den BA/MA war, damit weniger verschult und eine Auswahl gegeben war. Seminare, die nichts brachten, hätte ich zu Gunsten besserer gewechselt.

            Zur Pädagogik/ Praxis: Zu meiner Zeit gab es nicht den Anspruch, dass dort “Praxis” vermittelt werden sollte, dazu wurde in der Regel auf den 2. Teil der Ausbildung verwiesen. Den theoretischen Unterbau braucht es dennoch.

            Es gab Veranstaltungen mit mehr Relevanz für die Praxis, die gut waren, bei engagierten Profs/ Dozenten, von denen nur wenige aus der Schule kamen, die aber dennoch Lehrkräfte ausbildeten und für die Zukunft Relevantes berücksichtigten.

            Aber auch ich habe erlebt, dass man Hintergründe, Didaktik und Diagnostik lehrte, dann aber die Vorlesungszeit beendet war – zu Methodik und Förderung hätte man in diesem Fall besser arbeiten können.

            Zudem gab es intensive, verpflichtende, gut betreute Praktika samt anschließendem Seminar ab dem 1. Semester, in denen Grundlegendes vermittelt wurde. Die Dozenten waren zum Teil aus der Schule, zum Teil von der Uni, in jedem Fall gab es aber offensichtlich einen sehr klar abgesprochenen Lehrplan.

          • “Im von Cavalieri verlinkten Artikel geht es um das Studium zum Lehramt fürs Gymnasium.”
            Das ist wahr, aber ich bin nicht überzeugt, dass das beim Grundschullehramt grundsätzlich besser ist, wenngleich ich die von ysnp geschilderten Dinge “vor sehr vielen Jahren” auch nicht in Abrede stellen will. Die Zeiten ändern sich halt. Nehmen wir mal dieses Modulhandbuch zum Grundschullehramt hier von der PH Weingarten und schauen wir auf das Modul Nr. 3 auf Seite 26 zum Thema “Bildungswissenschaften”:
            http://www.ph-weingarten.de/fileadmin/redaktuere/Homepage/Die_PH/Recht_und_Regelungen/Staatsexamen__Lehramt_PO_2011_/GS_Modulhandbuch_PO_2011.pdf
            Da steht zum Beispiel:
            “Die Studierenden
            — verfügen über die Fähigkeit, Heterogenität als Herausforderung für die Planung und Gestaltung von Unterrichtsprozessen zu erkennen und zu nutzen.
            — kennen und reflektieren Aufgaben der Klassenführung
            und Techniken des classroom managements.
            — kennen Grundlagen pädagogischer Diagnostik und wissen um die Anwendung diagnostischer Verfahren im Kontext von Heterogenität, individueller Förderung und Leistungsbeurteilung.
            — wissen um die Notwendigkeit und um Möglichkeiten individueller Lernbegleitung und -förderung.”
            Kommt uns diese Phraseologie nicht bekannt vor? Heterogenität als Herausforderung, wird das nicht immer von Schulpolitikern gepredigt? Glaubt irgend jemand, dass man in diesem Modul an der PH in einem von 4 Teilbereichen so nebenbei lernt, wie man diese Herausforderung konkret bewältigen kann? Ich fürchte, die Studierenden sollen darauf nur eingeschworen werden. Das gab es oben von ABC schon eine Anmerkung zur “Ideologisierung des Grundschullehrerstudiums”. Hier wird sie vielleicht konkretisiert ?

          • @Cavalieri
            Die von Ihnen zitierten Phrasen erinnern mich stark an den einen oder anderen angeblich von Lehrerseite stammenden Kommentar hier, der sich eher nach politischer bzw. GEW-Seite anhört.
            Lehrer schreiben m.E. nicht so linientreu und ideologielastig.

          • Das, was Sie als Phrasen abqualifizieren wollen, füllt sich in meinem Kopf sehr schnell mit Inhalt.
            Wie sehen denn die Inhalte der anderen Fächer auf den 166 Seiten aus und wie die anderer Studienordnungen mit oder ohne Lehramtsbezug? In Lehrplänen werden doch generell die Inhalte nicht haarklein dargelegt, sondern mit wenigen Schlagworten der Inhalt umrissen.

            Wenn Ihnen “Umgang mit Heterogenität” oder “classroom management” als Phrase erscheint, frage ich mich, warum Sie sich damit bisher im Studium, im Ausbildungsseminar und in der Schule nicht auseinandersetzen mussten. Das (Klassenführung, Diagnostik und Förderung, Leistungsbeurteilung) gehört zum Alltag einer jeden Lehrkraft!

            Fortbildungen zum Thema “classroom management” werden vielfach angeboten und als SchiLF nachgefragt, weil sich Kollegien gemeinsam überlegen, wie sie mit heterogener Schülerschaft umgehen können und weil dies als Team in der Schule sinnvoll und wirksamer ist. Dabei sind die Inhalte zum Teil recht klassisch, zum Teil sicher auch neueren Datums – wie in anderen Fächern oder Fachbereichen auch.
            Begriffe wie “classroom management”, werden jedoch alle 5 Jahre erneuert.

            “Glaubt irgend jemand, dass man in diesem Modul an der PH in einem von 4 Teilbereichen so nebenbei lernt, wie man diese Herausforderung konkret bewältigen kann?”
            Warum sollte an den Unis nicht vernünftig gearbeitet werden? Wollen Sie sich unterstellen lassen, dass Sie nicht in der Lage sind, die geforderten Inhalte Ihren SuS zu vermitteln? Einerseits wird Handwerkszeug und Pädagogik gefordert, sie gehören zur Lehramtsausbildung, denn Lehramt ist etwas anderes, als die Fachwissenschaft allein zu studieren. Wenn dann pädagogische Inhalte in den Studienordnungen auftauchen, wird kritisiert, dass es das nicht geben könne.

            Eine Auseinandersetzung wert ist die Schwerpunktsetzung oder Ausrichtung des Studiums und des Seminares – wo wird welcher Anteil an Praxis vermittelt und wo geht es um Modelle und Möglichkeiten, deren Hintergründe und Beurteilung OHNE praktischen Anteil.

          • @Palim
            Dann nehmen wir doch mal die Phrase “Die Studierenden
            verfügen über die Fähigkeit, Heterogenität als Herausforderung für die Planung und Gestaltung von Unterrichtsprozessen zu erkennen und zu nutzen.”
            Wird hier nicht Heterogenität als etwas Gutes und Nützliches dargestellt und werden die Studierenden nicht auch indirekt dafür gelobt, dass sie über die angebliche Fähigkeit verfügen, die Heterogenität als etwas Gewinnbringendes zu sehen?
            Die meisten Lehrer besitzen diese Fähigkeit aber nicht und fühlen sich von der zunehmenden Heterogenität ihrer inklusiven Schülerschaft nicht beglückt, sondern überfordert. Kaum einem Kind können sie mehr gerecht werden, was zu permanentem Druck und schlechtem Gewissen führt.
            Mir geht das jedenfalls so.
            Bin ich nun völlig unfähig oder fehlt mir nur das befähigende Studium an einer so “fortschrittlichen” PH wie der zitierten?
            Ich glaube nicht an das, was diese Hochschule suggeriert und worin sie sich weder von Bildungspolitikern noch von der GEW unterscheidet.
            Das mit der Heterogenität hätte man auch per Schlagwort viel sachlicher und weniger phraseologisch lobend bzw. meinungsmachend ausdrücken können. Hier wird Politik – auch die der GEW – gemacht.

          • @g.h.
            Die Heterogenität der Schüler ist Fakt, ob uns (der Lehrerschaft an sich) das nun gefällt oder nicht, im übrigen auch ohne Inklusion. Ergo ist es genau unserer Job, damit umzugehen und den Unterricht entsprechend zu planen.
            Sich permanent darüber zu beschweren, mag (die Psyche) entlasten, ansonsten führt es nicht weiter. Das hat darüber hinaus nichts mit der GEW zu tun, wieder mal so eine Verschwörungstheorie, auch nicht mit “Phrasen”, sondern schlicht mit der Aufgabenbeschreibung eines Lehrers.

          • Mit Verlaub, Emil, beschwerliche Meinungen gehören zur Demokratie.
            Würden Sie im Übrigen Palims und Ihre eigenen permanenten Beschwerden über eine zu geringe Ausstattung der Schulen mit Personal oder über eine zu schlechte Bezahlung der Grundschullehrer im Vergleich zu den Gymnasiallehrern auch als “nicht weiterführend” oder gar “verschwörungstheoretisch” bezeichnen?
            Ja, die Heterogenität der Schüler ist Fakt, aber kein gott-, sondern menschengemachter. Darum ist er auch änderbar, z.B. dadurch, dass man die generellen Inklusionsbestrebungen – also auch die durch das Hin zu “Eine Schule für alle” – in Frage stellt, auch wenn Politik, GEW und sogar Hochschulen sich für diese Bildungideologie stark machen.

          • @Cavalieri
            Danke für den Link zum Grundschulstudium der PH Weingarten !
            Die Module sind zu sehr von der täglichen Praxis der Grundschulen entfernt, zu sehr auf die Theorie bezogen und vermitteln einen sehr geringen Praxisbezug zu den Schülern wieder.
            Angesichts dessen wundere ich mich nicht mehr über den Leistungsabfall der Grundschüler im Gefolge einer derartigen Ausbildung der Lehrkräfte.
            Mit diesen Programmen sollten einmal die verantwortlichen Politiker konfrontiert werden.

          • Palim: Die von mir zitierte Modulbeschreibung enthält 4 Teile mit zusammen 36 Unterpunkten, einige davon habe ich aufgelistet, z.B. zur Heterogenität und zum Classroom Management. Zugeordnet sind 9 ECTS-Punkte, das entspricht üblicherweise 6 Semesterwochenstunden. Von den 4 Teilen sollen mindestens zwei durch die beiden Seminare (je 2-stündig) abgedeckt werden. Eine Vorlesung gibt es auch noch. Nehmen wir Nr. 1 und Nr. 2, so enthalten die 20 dieser Unterpunkte, die sich auf 30 Sitzungen der Seminare verteilen. Von einem Praktikum ist nicht die Rede, alles ist theoretisch und “forschungsbezogen”. Ich frage mich schon, wie da auf die Schnelle “Techniken ded Classroom Managements” gelernt werden soll und wodurch die Teilnehmer dann hinterher “über die Fähigkeit verfügen sollen, Heterogenität als Herausforderung zu erkennen” (wieso ist das überhaupt eine Fähigkeit?). Das wird wohl eher das Vorstellen einiger ausgewählter Literatur dazu sein, was aber als “Forschen” tituliert wird.
            Ich verkenne nicht, dass man das alles auch mit Inhalt füllen könnte und dass seit 100 Jahren die Lehrer irgend ein “Classroom Management” realisieren mussten, aber das müsste wohl auch praktisch geschehen. So wie das da steht, befürchte ich einfach ein Plätschern an der Oberfläche, was auch in der 15-minütigen Prüfung mit Portfolio zum Ausdruck kommt. Und ich befürchte ein “Einschwören” auf die “Herausforderung der Heterogenität”. Dass jemand daherkommt und homogene Gruppen besser findet und das auch begründet, ist praktisch nicht mehr vorgesehen. Der würde wohl durchfallen. In der DDR wäre das ein Einschwören auf den Marximus-Leninismus und den Klassenstandpunkt gewesen, ganz im Sinne der offiziellen Terminologie.
            Hier im Forum hat sich mal jemand beschwert über die harten Prüfungen in den MINT-Fächern. Da hieß es, die Prüfung im Fach Bildungswissenschaften sei dagegen angenehm leicht gewesen, nur eine Multiple-Choice-Klausur über eine halbe Stunde.
            Was das fachgezogene Modul 1 zur Mathematik auf Seite 102 betrifft: Das geht nicht erkennbar über die Ansprüche der gymnasialen Oberstufe und des Abiturs hinaus. Alles ist allerdings ziemlich verklausuliert. Konkretes wird kaum genannt.
            Kurz und gut: Man sollte mal die gepriesene Qualität des heutigen (reformierten) Lehramtsstudiums näher beleuchten, auch was pädagogische und bildungswissenschaftliche Teile betrifft.

          • cavalieri: Danke für den Link.
            “Was das fachgezogene Modul 1 zur Mathematik auf Seite 102 betrifft: Das geht nicht erkennbar über die Ansprüche der gymnasialen Oberstufe und des Abiturs hinaus. Alles ist allerdings ziemlich verklausuliert. Konkretes wird kaum genannt.”

            Die weiteren Veranstaltungen zur Mathematik gehen zwar wahrscheinlich noch über den Abiturstoff hinaus, aber wohl deutlich weniger als die wirklich sehr verklausulierte Formulierung erahnen lässt. Bei der Prüfungsanforderung” Lerntagebuch” musste ich schmunzeln. Wenn damit die Vorlesungsmitschrift gemeint ist, dann hätten sie auch “Anwesenheitspflicht” schreiben können. Für ein echtes Tagebuch im Sinne von Tagebuch müssten sich die Studierenden eigentlich verarscht vorkommen, wenn sie noch nicht total durchideologisiert worden sind.

            Ich gehe insgesamt davon aus, dass die fachlichen Anforderungen in den Modulen anderer Fächer ähnlich gering sind. In der Summe ist das Studium inhaltlich eine Menge Stoff, aber mit wenig echtem Tiefgang und leider viel Politik.

          • Bei den kompetenzorientierten Formulierungen der Module sehe ich eher das Problem, dass man, wenn man nicht vom Fach ist, wenig auf den Inhaltsgehalt schließen kann.

            Z.B. könnte ich mir unter Heterogenität ganz viele Inhalte vorstellen. Damals wurde im Studium die Heterogenität (da sprach man noch nicht davon, aber man lernte doch eine ganze Palette kennen) ganz anders aufgeschlüsselt. Z.B. gab es in der allgemeinen Pädagogik ein Teilgebiet, das ziemlich vertieft die Sonderpädagogik behandelte. Ebenso gab es solche Dinge wie “der verhaltensauffällige Schüler”; dieses Seminar oder Vorlesung lief glaube ich, unter Schulpädagogik oder allgemeiner Pädagogik. In der pädagogischen Psychologie wurde die Legasthenie angesprochen.
            Gerade unter dem Stichpunkt “Heterogenität” können sich viele mit Inhalt gefüllten Teilgebiete verstecken. Wie die PH das aufgeteilt hat, da müsste man sich jetzt durch alles durchwühlen, vielleicht verstecken sich diese Teilgebiete auch vertiefend in anderen Modulen. Heterogenität herrscht mehr denn je in den Grundschulen und darauf müssen die Unis und Hochschulen reagieren.

            Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, dass die PHs – das sind ja Pädagogische Hochschulen perse – inzwischen von ihrer Tradition derart abgewichen sind und gerade diese fächerübergreifenden, pädagogischen Themen so oberflächlich behandeln sollten. In Baden- Württemberg waren die PHs immer die Profis und auf dem neusten Stand, was die pädagogischen Themen betraf.

          • @xxx zu Mathematik:
            Die fachwissenschaftliche Prüfung in Mathematik bzw. des Moduls besteht aus einer Klausur von 90 Minuten und einer mündlichen Prüfung von 20 Minuten über den Inhalt des Moduls.
            Das andere nennt sich Studienleistung, ich denke, das kommt noch dazu, vielleicht ist dies der praxisorientierte Teil des Moduls.
            Vielleicht ist die “Studienleistung” in etwa (trifft es aber nicht genau) der Ersatz der Scheine, die man früher erwarb, wofür oft ein Referat, ein Kolloqium oder eine Klausur verlangt wurde.

            Ein Lerntagebuch mit verbalisierter Reflexion zu führen finde ich gar nicht schlecht, weil das dann in heruntergebrochener Form in der Grundschule eine Rolle spielt um den Fortschritt der Leistung des Kindes zu sehen. Das hat überhaupt nicht mit Ideologie zu tun. Das machen wir in Bayern auch. Das eigene Verbalisieren von mathematischen Vorgängen ist bei vielen Aufgaben in der Mathematik sogar eine gute Methode.
            In einem anderen mathematischen Modul wird die Planung eines Unterrichts und ein diagnostisches Gespräch verlangt. Ein diagnostisches Gespräch ist ebenso eine Methode im Grundschulmathematikunterricht.

            Ich finde es sogar sehr gut, dass die PH versucht, Elemente des Mathematikunterrichts in der Grundschule im Studium einzubauen, wenn man es auch ab und zu sozusagen im Selbstversuch dort erfährt. Da sagt mal einer, das Studium sei nicht praxisorientiert.

          • Nachtrag:
            Ein Lerntagebuch ist kein Tagebuch im eigentlichen Sinn, sondern beinhaltet die Reflexion über Aufgaben, sozusagen das Niederschreiben und somit das Verbalisieren der eigenen Denk- und Vorgehensweisen.

          • Bei dem Modul Nr 2 (Seite 104) zur Mathematikdidaktik finde ich alles mögliche, aber keine Erwähnung davon, was in die folgende Richtung geht: “Wie lernen Schüler am besten die vier Grundrechenarten?” Denn um diese Grundrechenarten geht es doch allenthalben, und “Daten und Zufall” ist (in der GS) nicht annähernd so wichtig. Prompt hapert es dann eben bei den Grundrechenarten, sogar bei Gymnasiasten der Mittelstufe.
            Stattdessen redet man brav von “Modellieren, Problemlösen und Argumentieren”, nur weil man diese heutzutage zu “Kompetenzen” erklärt hat. Und man betet bereitwillig einige Phrasen aus den KMK-Bildungsstandards herunter. Rechnen zu können gilt aber nicht mehr als Kompetenz, und das kleine 1×1 auswendig zu können auch nicht.
            So stellt sich für mich die Frage, ob die Schwierigkeiten der Kinder nicht schon auf der PH durch eine fragwürdige Akzentsetzung vorprogrammiert werden (“Kompetenzen statt Rechnen”). Aber im Grundschulbereich kann ich natürlich nicht wirklich urteilen. Was sagen die Experten?

          • Man merkt sehr deutlich, dass die Gymnasiallehrer auf harter fachlicher Basis argumentieren, die Grundschullehrer und die Grundschulpädagogik eher auf weicher pädagogischer Ebene. Die Ideologie spielt in die Formulierung der “Kompetenzen” hinein, was auch immer das sein soll.

            @ysnp: “Ein Lerntagebuch ist kein Tagebuch im eigentlichen Sinn, sondern beinhaltet die Reflexion über Aufgaben, sozusagen das Niederschreiben und somit das Verbalisieren der eigenen Denk- und Vorgehensweisen.”

            Sollte ein Grundschullehrer nicht eher die gestellten Aufgaben lösen als nur über sie nachzudenken? Wie möchte man ein solches Tagebuch a) sinnvoll füllen und b) halbwegs objektiv beurteilen? Die Ebene eines oberflächlichen Blablas verlässt das aus meiner Sicht nicht. Die fehlenden “Kompetenzen” zur Automatisierung des 1×1 und den tatsächlichen Umgang mit der Heterogenität über ein “es ist toll, einige behinderte Kinder und viele unerzogene Idioten in der Klasse zu haben” hinaus kommen noch dazu.

            (Die Wortwahl habe ich bewusst gewählt. Sie übersetzt Heterogenität in ehrlicher Weise in das, was sich politisch korrekte Politiker darunter vorstellen.)

        • Ich freue mich über jede positive Erinnerung ans Studium, ysnp. Ich habe sie leider nicht – ehrlich gesagt auch nicht an die Seminare während des Refrendariats. Könnte das Bundesland des Studiums auch eine Rolle spielen? Bei mir war es Niedersachsen.
          Dafür habe ich sehr gute Erinnerungen an die Hospitationen und meine Vorführstunden bei erfahrenen Kollegen (Mentoren) sowie die Gespräche zur konkreten Didaktik und Methodik des Unterrichts und dem Umgang mit den Schülern insgesamt oder auch einzeln.
          Die Vorführstunden vor den Seminarleitern waren dagegen enorm zeit- und materialaufwändige Kunstgebilde, die wenig mit dem Unterrichtsalltag zu tun hatten und vor allem auf eine gute Beurteilung ausgerichtet waren.
          Unsere Seminarleiter haben leider auch nie selbst mal Unterricht vorgeführt, sondern immer nur hochtrabende Belehrungen erteilt.

          • Ich bin aus der Erfahrung meiner Ausbildung auch der Meinung, dass der erste Teil der Lehrerausbildung (Theorie / Uni) deutlich zu aufgebläht und im Detail oft nutzlos war. Gut fand ich das Grundstudium, in dem man nochmal alles im Überblick hatte. Die 3 Jahre Hauptstudium, in dem man Studierfähigkeit trainierte, könnten hingegen um 1-2 Jahre gekürzt werden.

            Das Referendariat als praktischen Teil der Lehrerausbildung finde ich hingegen sehr wichtig. Man hat halt “Idealstunden” gelehrt bekommen, das wusste jeder. Aber man wusste auch, so ideal wird es später nicht, man sollte halt zeigen, dass man eine ideale Stunde halten KÖNNTE, wenn alle Bedingungen stimmen WÜRDEN. Nachlassen kann und muss man hierbei ja auch immer noch. Leider hat sich das teilweise verselbstständigt, sodass die “realen Stunden” den “idealen Stunden” als schlechte Stunden gegenübergestellt werden. Nein, das sind sie nicht per se. Das ist dann einfach Unterricht unter realen Bedingungen, ggf. auch “bestmöglicher Unterricht unter realen Bedingungen”.

          • Im Hauptstudium geht es ja auch darum, dass man ein vertieftes Hintergrundwissen erhält, dass man mehr weiß, als man vermittelt. Das ist dann das, was man “eigentlich nicht braucht”, weil es keine Lehrplaninhalte sind. Aber wie gesagt, es geht auch darum, mehr zu wissen als die Schüler, einen breiteren Überblick, einen vertieften Einblick zu haben.

            Im Hauptstudium geht es auch darum, sich selbst Themen zu erarbeiten. Das muss man als Lehrer auch immer wieder, insbesondere, wenn man fachfremd arbeiten soll. Insofern finde ich das Hauptstudium nicht unnütz, nur zu lang. Da kann eingespart werden und das bedeutet, neue Lehrer werden früher fertig, aber auch einige teure Stellen an den Hochschulen überflüssig. Hier können Steuergelder eingespart werden, sodass anderswo Steuern gesenkt werden können, wie sich alle wünschen, oder Gelder anders eingesetzt werden. Ja, der Kreis schließt sich mal wieder.

          • @Lisa:
            Ich habe vor sehr vielen Jahren an einer Pädagogischen Hochschule in Baden-Württemberg studiert. An der PH, an der ich war, konnte man damals Folgendes studieren: Lehramt für Grund- und Hauptschule, Lehramt für Realschule und Diplompädagogik. Die PH war eine der innovativen der damaligen Zeit. Wir konnten z.B. an einem Projekt teilnehmen, das nannte sich “Microteaching”. Da hat man in einem seperaten Raum einer kleiner Schülergruppe etwas beigebracht, das wurde mit Kameras aufgezeichnet und dann analysiert. Oder wir mussten z.B. einen Rhetorikkurs machen. Ich fand damals die Theorie – auch das, was man uns von der Pädagogik her vermittelt hat – und den Praxisbezug gut miteinander verzahnt. Mir hat das auch überhaupt nichts ausgemacht, dass ich Grund – und Hauptschullehramt studiert habe. Das Studium war auf beide Schultypen ausgerichtet, eben auf das Vorläufermodell “Volksschule”. Damals waren diese beiden Schulen meistens noch unter einem Dach und einer Schulleitung.
            Natürlich musste man dennoch nach dem 1. Staatexamen mit der Praxis in der Schule zurechtkommen. Aber man hatte gute Grundlagen.

          • @ysnp
            Was Sie von Ihrer PH-Zeit berichten (“Microteaching” und Rhetorikkurs), hätte mir bestimmt gefallen. Schade, solche interessanten und lehrreichen Erfahrungen habe ich im Studium nie gemacht.
            Auch eine Verzahnung von Theorie und Praxis kenne ich nur in Ansätzen.
            Dass ich mit den Schülern und dem Unterricht dann einigermaßen und immer besser zurechtkam, verdanke ich (wie bereits gesagt) in erster Linie meinen engagierten und erfahrenen Mentorinnen, die mir noch über die 2. Lehrerprüfung hinaus gern mit Rat und Tat zur Seite standen. Ihnen verdanke ich viel mehr als meinem theorie- und ideologielastigen Studium.
            Schade, dass in den Kommentaren hier immer nur der Wert des Studiums herausgestrichen wird und nie die schulinternen Hilfsleistungen durch erfahrene, grandiose Kolleginnen.

          • “Schade, dass in den Kommentaren hier immer nur der Wert des Studiums herausgestrichen wird…”
            Nein, das wird von denen herausgestrichen, die grundsätzlich gegen Quereinsteiger argumentieren, z.B. Herr Schleicher von der OECD und die GEW. Da wird doch gesagt, ohne ein “pädagogisches Studium” könne man nicht unterrichten.

          • @ Lisa,

            vielleicht, weil es ums Studium ging? Wer kann schon in einem “Vierzeiler” alles berücksichtigen und wer liest schon wirklich aufmerksam seitenlange Pamphlete?

          • @ Lisa, wenn ich immer das Referendariat als den wichtigeren Teil der Ausbildung nannte, dann eben wegen der Praxiserfahrungen und damit meine ich auch ganz viel die Schule. Dabei kann ich auf Erfahrungen mit 3 Mentoren verweisen und sagen, dass eine Mentorin super war (obwohl sie mich damals oft nervte mit ihrer Pingeligkeit), während die anderen mir nicht viel brachten. Also auch in der Praxis an der Schule kann es so und so laufen und es kommt immer viel auf die einzelne Person an.

            Wie bei Lehrern und Schülern.

  4. Die Zahlen sind sogar noch dramatischer, wie ich gerade hier lese:

    ” In Berlin haben lediglich 30 Prozent bei den Neueinstellungen überhaupt eine Lehramtsausbildung. Und nur zwölf Prozent sind regulär für den Grundschulunterricht ausgebildet.”

    https://www.tagesschau.de/inland/quereinsteiger-101.html

    Nur 12% der GS-Lehrer sind GS-Lehrer ! (Also auch nur 12 % bekommen A 13 für alle. Na, das kann die Landeskasse sicher vertragen.)

  5. @cavalieri 21.8. 12.39
    Unter “Zahlen und Operationen” verbergen sich die Grundrechenarten. In einigen der aufgeführten Kompetenzen klingt schon an, dass sich die Studenten mit der Vermittlung derer beschäftigen. Nur wird der Zugang zur Mathematik heutzutage komplexer gestaltet, als er früher war, in Bayern nicht nur an der Grundschule. Dadurch gewinnen mehr Kinder Zugangsweisen und macht den Mathematikunterricht spannender. Der LehrplanPLUS wird in der Sekundarstufe unter den selben Prämissen weitergeführt. Dazu gehört auch reflektieren, modellieren und dokumentieren dazu.

    @xxx 21.8. 13.11
    Selbst in der Grundschule geht es nicht nur um das Verbalisieren der Denkprozesse, sondern eher um die Begründung der Lösungswege. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Studenten verschiedene Gedanken aufschreiben sollen und damit bleibt es, sondern eine persönliche Beweisführung.

    • Ergänzung:
      Die fünf aufgeführten Bereiche: Zahlen und Operationen, Raum und Form, Muster und Strukturen, Größen und Messen, Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit gibt es bei uns genau so. Dennoch sind die Bereiche nicht quantitativ gleich. Hauptsächlich geht es im Mathematikunterricht der Grundschule um “Zahlen und Operationen”. “Muster und Strukturen” ist sozusagen kein eigenständiger Bereich, weil er oft in Zahlen und Operationen und Raum und Form eingearbeitet ist.
      Wenn man z.B. etwas rechnet, gibt es unterschiedliche Rechenwege. Sie sind unterschiedlich geschickt. Z.B. stellt man den Schülern die Aufgabe 135 + 58 und lässt sie überlegen, wie man die Aufgabe am besten im Kopf lösen könnte. Manche nutzen den Rechenvorteil und rechnen 135 + 60 -2, andere sind überfordert und rechnen 135+ 50 + 8, der nächste rechnet 135+8+50, beim nächsten wird es noch komplizierter. Über solche Zugangsweisen reflektiert man und überlegt, was die geschickteste Lösungsstrategie ist. Solche Prozesse finde ich wichtig. Danach wird geübt.

    • Danke für die Ergänzungen, ysnp. Man müsste in der Tat die Arbeitsanweisungen bzw. Aufgabenblätter der Lehrveranstaltungen sehen, um ein abschließendes Urteil darüber fällen zu können. Als Mathematiklehrer Sek II habe ich ein klare Vorstellung davon, was ein Beweis in der Mathematik ist, und leider aufgrund der sehr verklausulierten Kompetenzbeschreibungen eine starke Befürchtung, dass auf rein fachlicher Basis das Schulniveau qualitativ kaum verlassen, allerdings und immerhin quantitativ überschreiten wird.

      • Die Kompetenzen haben sich aber nicht die Universitäten ausgedacht, sondern sie sind vom Ministerium bzw. der KMK vorgegeben, einschließlich der prüfungsrelevanten Vorgaben.
        Das ist doch in der Schule auch nicht anders, ob Ihnen das nun gefällt oder nicht: die Kompetenzen sind vorgegeben und in manchen Ländern derart schwammig und unkonkret, dass man im Kollegium so einiges festlegen muss. An der Stelle, an der es um den konkreten Unterricht geht, hören in meinem BL die Kommissionen, die die Curricula schreiben, nach 500 Seiten auf und delegieren dies an die Fachkonferenzen: Berücksichtigen Sie sämtliche Ausführungen und fassen Sie alles in einem knappen Schulplan zusammen.

        Das ist doch aber nicht damit gleichzusetzen, dass Ihr Unterricht schwammig und unkonkret ist.
        Warum sollte das an der Uni anders sein?

        Die Befürchtung, dass alles nur Geschwafel sei, finde ich anmaßend. Man müsste sich mit den tatsächlichen Inhalten auseinandersetzen und bemerkt schon ysnps Ausführungen für MATHE, Ihr Fachbereich, dass es um Fachbegriffe geht, die für Grundschullehrkräfte klar umrissen sind, während SekII—MA-LuL den Anteil an Grundrechenarten dort nicht finden können.
        Ohne sich fachlich auseinanderzusetzen oder auszukennen werden also Befürchtungen in den Raum gestellt.
        Das ist tatsächlich unsachlich, während im Studium durchaus gründlich gearbeitet werden kann.

    • ysnp: “Unter “Zahlen und Operationen” verbergen sich die Grundrechenarten.”
      Das ist schon so, aber was soll es bringen, in der Modulbeschreibung nur die bekannten fünf “Leitideen” aufzulisten, und alle fünf gleichrangig? Die Grundrechenarten werden nicht einmal explizit genannt. Das ist doch vielleicht das Problem: Wenn man nur ein Fünftel der Zeit und Kraft den vier Grundrechenarten widmet, dann gibt’s eben Defizite. Das ist ein Grundproblem aller modernen Bildungsziele: Sie verzetteln sich und formulieren einen Wust von wohlklingenden “Mondzielen”, die so nur in wenigen Fällen tatsächlich erreicht werden können. Auch die “Genderaspekte” dürfen ja nicht fehlen und werden explizit genannt (dabei sind 90 % der Lehrenden weiblich). Man sollte bescheidenere Ziele formulieren und diese auch erreichen.

      Palim: “Die Kompetenzen haben sich aber nicht die Universitäten ausgedacht, sondern sie sind vom Ministerium bzw. der KMK vorgegeben, …”
      Vollkommen richtig! Das ist aber gerade das Problem: Wieso soll die Wissenschaft (!) an KMK-Beschlüsse angekettet werden, die sie nie kritisieren darf? Soll das nun ein wissenschaftliches Studium sein oder eine Art von gehobener Azubi-Ausbildung? Die Lehramtsstudiengänge werden so jeder Wissenschaft entkleidet und an die Vorgaben von Bürokraten gebunden. Ich dachte, mit solchem Spuk hätte die Studentenbewegung von 1968 aufgeräumt. Das gab natürlich Konflikte, und zwar reichlich. Haben sich die Leitideen und die Kompetenzen eigentlich in der Praxis bewährt oder nicht? Kann das vielleicht mal untersucht werden? Die empirischen Befunde deuten nicht gerade darauf hin: Gerade die Grundschultests fallen schlechter und schlechter aus, obwohl die Lehrer doch nicht schlechter geworden sind.

      • @Cavalieri
        Das ist alles Interpretationssache, weil keiner von uns die Studieninhalte konkret kennt. Ich kann nur schreiben, wie es in der Praxis aussieht und da sehe ich viele Teile davon abgedeckt bzw. sehe, dass das Studium nicht praxisfern ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass den kleineren Themen so viel Zeit gewidmet wird, es sei denn, der fachwissenschaftliche Hintergrund ist interessant. Da keiner von uns aktuell an einer PH mit diesem Curriculum studiert hat, kann man das auch nur oberflächlich beurteilen.

        Unterrichten Sie Mathematik in der Sekundarstufe in Baden- Württemberg, dass Sie mangelnde arithmetische Kenntnisse beklagen? Ich kann mir das gar nicht so vorstellen, wie Sie das zeichnen, dass die 5 Bereiche in der Grundschule in Baden-Württemberg anteilsmäßig gleich unterrichtet werden. Aus Mathematikbüchern aus Baden- Württemberg kann ich das auch nicht ersehen, die sehen nämlich ähnliche wie unsere aus. Wir haben teilweise die gleichen Verlage.

        Der extra erwähnte Genderaspekt gefällt mir auch nicht in den Studieninhalten, weil man dann die Mädchen und die Jungs zu sehr in Schubladen steckt, davon beeinflusst ist und nicht das Kind an sich sieht. Oder will man es dadurch gerade verhindern?

        • Richtig ist, dass man das allein von dem vorliegenden Material nicht fundiert beurteilen kann. Aber in BaWü gibt es einen interessanten Zusammenhang:
          Margret Ruep war ursprünglich Realschullehrerin und wurde 2008 Rektorin der PH Weingarten. 2011 rückte sie als die Nr. 2 hinter der Ministerin ins Kultusministerium auf und ist maßgeblich verantwortlich für die neue Gemeinschaftsschule, die Erarbeitung neuer Bildungspläne und das daraus resultierende administrative Chaos. Nach 2 Jahren mussten beide zurücktreten. Beim IQB-Vergleichstest war BaWü mächtig abgestürzt (warum, weiß angeblich niemand; die damalige Opposition macht die damalige Regierung verantwortlich und umgekehrt).
          Ich weiß nicht, wie die Lehrer in BaWü das konkret halten (ich bin keiner dort), aber eine gewisse Ausrichtung “von oben nach unten” ist doch offensichtlich: Kompetenzorientierung über alles. Hier ein schönes Beispiel für das angestrebte “Change Management”:
          https://www.ph-ludwigsburg.de/html/1f-bima-s-01/symposium2006/download/F06_ruep_changemanagement.pdf
          Daraus ein Zitat (Bürokraten sorgen sich um ihren Einfluss):
          “Gefahr: Politische Entscheidungen kommen im Klassenzimmer nicht oder anders als gewollt an.” Wer sagt’s denn!

      • “Wieso soll die Wissenschaft (!) an KMK-Beschlüsse angekettet werden, die sie nie kritisieren darf?”
        Wo steht denn, dass man sich mit den Inhalten nicht wissenschaftlich und nicht kritisch auseinandersetzt?

        Es braucht diese Auseinandersetzung in der Theorie, das halte ich für richtig und ich bin der Meinung, dass das auch mit ins Studium gehört, damit die Grundlagen vorhanden sind. In dem von Ihnen ausgewählten Handbuch gibt es ja die breite Palette der Inhalte, davon sind die von ihnen genannten nur ein kleiner Teil des kompletten Studiums und geben nur ein Beispiel – quasi exemplarisch.
        Wenn ich später vor einer heterogenen Klasse stehe, ist es sinnvoll, dass ich darum weiß und bereits Ansätze habe, wie ich damit umgehen kann. Dabei wird “Heterogenität” mal breiter mal enger gefasst, da aber eine Gruppe aus Individuen besteht, hat man IMMER eine gewisse Heterogenität und immer wird man sich als Lehrkraft damit auseinandersetzen und darauf einstellen müssen – selbst im mehrgliedrigen Schulsystem.
        Das von Ihnen gewählte Curriculum bezieht sich aber auf das Grundschullehramt. Hier sind stets Kinder, die später nach mehrgliedrigem System HS, RS oder Gym besuchen werden/würden. Kinder mit Förderbedarf besuchten auch früher mehrere Jahre die Grundschule bevor es zu einem Überprüfungsverfahren und zum Schulwechsel kam. Auch diese wurden also bereits vorher von Grundschullehrkräften beschult, im Rahmen der Inklusion ist dies nun auf weitere Schwerpunkte und auch auf Klasse 3+4 ausgeweitet. Kinder mit anderen Eigenschaften oder Auffälligkeiten, die das Lernen beeinflussen, sind ebenfalls mit in den Klassen. Eine Grundschullehrkraft muss also generell mit unterschiedlich begabten und unterschiedlich vorbereiteten Kindern innerhalb der Gruppe den Unterricht gestalten können. Das musste sie auch schon vor der Inklusion.
        Für mich sind die in Ihrem Zitat genannten Schlagworte durchaus geläufig und ich finde, dass die Inhalte sehr wohl an der Praxis orientiert sind und im Studium die Möglichkeit bieten, sich mit unterschiedlichen Ansätzen auseinanderzusetzen. DAS erfolgt wissenschaftlich.

        Gleichzeitig werden Ausbildungsinhalte festgesetzt. Wie ist das in anderen Studienbereichen? Schließen eine Studienordnung und ein Curriculum des Studiums die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Inhalten eines Faches aus?

      • @Palim
        Möglichst alles zu verteidigen und in ein besseres Licht zu rücken, was zur gegenwärtigen Bildungsideologie seitens der Politik, der Gewerkschaft und auch der Pädagogischen Hochschulen gehört, bringt doch nichts für oder besser gesagt: gegen die traurige Realität an den Schulen.
        Deren Probleme allein mit Geld beheben zu können, ist ein Irrtum – sei es die Behebung durch eine bessere Bezahlung der Grundschulehrer oder auch die einer Vervielfältigung des Personals an den Schulen.
        Immer kritisieren Sie nur das, was angeblich mit Geld zu tun hat, nie aber die bildungspolitische Richtung, die zumindest in Teilen ja auch falsch sein könnte.

        • @geli
          Offensichtlich lesen Sie meine Beiträge extrem voreingenommen und können sich bei der Interpretation davon nicht lösen.

          Ich kann nicht erkennen, was daran falsch sein soll, dass sich Studierende an Universitäten in Ihren Fachrichtungen mit verschiedenen Ansätzen wissenschaftlich und kritisch auseinandersetzen sollen.
          Vielleicht können Sie mir erklären, worauf Sie hinaus wollen?

          • Palim: Ich verstehe durchaus, dass Sie es als “arrogant” empfinden, was ich oben geschrieben habe, aber das geht nicht gegen die Lehrer, sondern gegen die undurchdringliche Phalanx von Pädagogik, Didaktik, Schulbürokratie und “Bildungswissenschaft”. Eine kritische Auseinandersetzung, wie Sie sie für selbstverständlich erklären, scheint es nicht mehr zu geben. Wer besetzt denn die Schlüsselpositionen? Wer bestimmt, was gemacht wird? Wer bestimmt, was veröffentlicht wird? Wer wird auf Professuren in dem Bereich berufen? Wer schreibt die Gutachten? Wer bekommt die Drittmittel? Wer nicht brav die offizielle Schulpolitik unterstützt, bekommt eben keine Drittmitel mehr, so einfach ist das. Es ist in zwischen undenkbar, dass eine empirische Studie nachweist, dass das “längere gemeinsame Lernen” zu schlechteren Ergebnissen führt als das, was wir jetzt haben. Sie würde einfach nicht finanziert. Das ist jedenfalls mein ehrlicher Eindruck. Den Lehrern will ich das nicht anlasten, keineswegs.

          • @cavalieri
            Zum einen haben ich nichts als “arrogant” empfunden und muss mir das auch nicht unterstellen lassen (von wegen sachlicher Beitrag!),
            zum anderen kann ich Ihre vielen Bedenken nicht teilen.

            Das Problem der Drittmittel dürfte, wenn es so wäre, nicht allein die Schulpolitik, sondern sämtliche Fachbereiche betreffen, da sie alle von Drittmitteln abhängig sind.
            Dann könnten wir die Unis schließen und den Drittmittelgebern das Schreiben von Fachliteratur überlassen. Dabei treiben die MINT-Hochburgen die meisten Mittel ein!
            Um Ihre Bedenken aufzugreifen muss ich die Frage stellen, ob die MINT-Studiengänge mehr als andere ideologiegetränkt und beeinflusst sind.

          • Palim: Oben (Ihr Beitrag von 18:00 Uhr) stand nicht “arrogant”, sondern “anmaßend”. Diesen Unterschied habe ich allerdings untergepflügt. Ich dachte, das ist so ziemlich dasselbe.

        • Habe ich das nicht klar genug gesagt?
          Dann eben noch einmal: Sie schreiben ja viele Kommentare, auch zu anderen Themen. Und bei allen fällt mir immer wieder auf, dass Sie an der gegenwärtigen bildungspolitischen Richtung so gut wie nie etwas auszusetzen haben, nur immer wieder mehr Geldeinatz für sie fordern.
          Gerade die Welt der Pädagogik und Bildungspolitik ist aber bekanntlich vor Irrtümern und Irrwegen nicht gefeit. Deswegen stimmt es mich bedenklich, wenn jemand immer nur mehr Geld für den Ausbau der zeitgenössischen Wege fordert, diese selbst aber nie in Frage stellt, sondern nur gutheißt und unterstützt
          Und ja, inzwischen lese ich Ihre Kommentare mit einer gewissen Voreingenommenheit. Sie könnten mich davon befreien, wenn Sie mal eine Kritik äußerten, die nichts mit mehr Geld für Grundschullehrer oder Personalaufstockung zur Untestützung der bildungspolitischen Wege und Ziele tun hat, sondern “nur” mit der skeptischen Frage, ob diese auch richtig seien.

          • Meine Antwort betrifft Palims Worte um 22:55 Uhr.

            @Cavallieri
            Sie sprechen mir immer wieder aus der Seele und argumentieren so sachlich bewandert, dass ich nur “DANKE” sagen kann.

          • Ich soll Ihnen also nach dem Mund schreiben und dann sind Sie weniger voreingenommen? Aha.

            Wo habe ich denn im eben verfassten Beitrag mehr Geld gefordert?
            Ich habe geschrieben, dass ich es richtig finde, dass Studierende sich kritisch mit Inhalten auseinandersetzen.
            Wenn Ihnen das nicht passt, können Sie das gerne äußern.
            Ich verstehe allerdings nicht, warum Sie mir dann voreingenommen begegnen und Inhalte unterstellen, die gar nicht genannt wurden.

            Ist das die kritische Auseinandersetzung, die SIE sich im Studium wünschen und die SIE für ein Studium angemessen halten?
            Oder erwarten Sie, dass Studierende anderen nach dem Mund reden, damit es für sie besser passt?

          • Ich glaubte von Ihnen gewünscht zu haben, nicht immer nur nach dem Munde der Bildungspolik, ihrer Helfershelfer und mangelnder Geldausgaben zu reden.
            Damit habe ich Sie anscheinend so getroffen, dass Sie mir vorwerfen, ich wolle nur, dass Sie MIR nach dem Munde reden.
            Nein, ich nannte die Münder anderer, wie Sie meinem Kommentar klar entnehmen können.
            Tut mir leid, dass ich Sie so kurz vor der Nachtruhe noch zu einer – wenn auch aus meiner Sicht unberechtigten – Empörung veranlasst habe.

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