Wirtschaft im Norden fordert mehr Praxisnähe in der Bildung

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HAMBURG/KIEL. Der Unternehmerverband Nord setzt ein Zeichen in der Bildungspolitik. Mit deutlichen Worten setzt sich der Verband für mehr Praxisnähe ein. Das sei wichtig für den Standort Hamburg/Schleswig-Holstein, sagte Präsident Uli Wachholtz. Sein Forderungskatalog reicht von Krippen über Schulen bis zu Hochschulen.

Die Unternehmen in Schleswig-Holstein und Hamburg verlangen mehr Praxisnähe an den Schulen und eine Stärkung der ökonomischen Bildung. Dies geht aus einem bildungspolitischen Positionspapier hervor. Die Bildung sei ein wesentlicher Schlüssel zur Stärkung der Wirtschafts- und Innovationskraft beider Länder, sagte der Präsident der Unternehmensverbände (UVNord), Uli Wachholtz. «Entscheidend für den Bildungsstandort Hamburg/Schleswig-Holstein wird es sein, am Puls der Zeit zu agieren und notwendige Reformen zügig umzusetzen.»

Unternehmerpräsident Ulrich Wachholtz zeigte sich mit der Arbeit der Bildungsminister in Hamburg und Schleswig-Holstein grundsätzlich zufrieden. Foto: Jörg Müller - Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein e.V. / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Unternehmerpräsident Ulrich Wachholtz zeigte sich mit der Arbeit der Bildungsminister in Hamburg und Schleswig-Holstein grundsätzlich zufrieden. Foto: Jörg Müller – Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein e.V. / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
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Der UVNord fordert auch eine Stärkung der frühkindlichen Bildung, da diese die Grundlage für den weiteren Bildungserfolg lege. Wie in Hamburg sollte es künftig auch in Schleswig-Holstein ein kostenfreies tägliches Betreuungsangebot schon ab der Krippe geben. Dies lehnt die Koalition aus CDU, Grünen und FDP bisher ab. Sie stellt die Verbesserung der Qualität und eine Begrenzung der Elternbeiträge in den Vordergrund.

Für dringend erforderlich hält es der UV Nord auch, in den Krippen und Kitas den Personalschlüssel zu verbessern. Von den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung – eine Erzieherin für drei Kinder in der Krippe sowie eine für 7,5 Kinder an der Kita – seien beide Länder weit entfernt.

An den Schulen müssten die Qualität verbessert und die Ganztagsbetreuung vor allem in Schleswig-Holstein ausgebaut werden, sagte Wachholtz. Die Rückkehr zum längeren Abitur nach neun Jahren Gymnasium im nördlichsten Bundesland ist aus Sicht des UVNord unproduktiv. Andere Bundesländer und das europäische Ausland zeigten seit langem, dass die allgemeine Hochschulreife nach zwölf Jahren problemlos für die Schüler zu erreichen sei.

Hamburg sei in den letzten Jahren mit Senator Ties Rabe (SPD) bei der Unterrichtsqualität und beim Übergang von der Schule zum Beruf spürbar vorangekommen, lobte Wachholtz. Auch in Schleswig-Holstein sei Ministerin Karin Prien (CDU) im Prinzip auf dem richtigen Weg. Noch zu schlecht sei die Schüler-Lehrer-Relation. Praxisnäher müsse besonders der Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern und in Mathematik werden.

Zu den wichtigsten Punkten an den Schulen zählt der UVNord die Digitalisierung. Hier gehe es nicht nur um die technische Ausstattung, sondern besonders auch um die Aus- und Weiterbildung der Lehrer, sagte Wachholtz.

Angesichts des Drangs vieler Jugendlicher zum Hochschulstudium setzen sich die Unternehmensverbände dafür ein, die duale Berufsausbildung attraktiver zu machen. «Berufliche und akademische Bildung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sind besser miteinander zu verzahnen», sagte Wachholtz. Beide müssten als gleichwertig angesehen werden. Das Bildungssystem müsse insgesamt stärker auf Durchlässigkeit angelegt werden, damit kein Bildungsweg zur Sackgasse wird. Zudem sollten Teilzeitausbildungen gefördert werden, um zum Beispiel Eltern, Menschen mit Behinderungen und Flüchtlingen den (Wieder-)Einstieg ins Erwerbsleben zu erleichtern.

Mit Blick auf die Hochschulbildung hält es der UVNord für erforderlich, die Studienberatung zu intensivieren. Angesichts hoher Abbrecherzahlen sollten die Hochschulen ihre Orientierungs- und Unterstützungsangebote ausbauen. Der Verband schlägt auch vor, dass noch mehr Hochschulen ihre Lehrveranstaltungen in englischer Sprache anbieten und den Austausch von Studenten wie von Lehrenden verstärken. Nicht zuletzt sollten die Hochschulen der Vermittlung von Sozialkompetenzen weit mehr Aufmerksamkeit widmen. (dpa)

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3 KOMMENTARE

  1. Wenn ein Lobbyist über Dinge redet, von denen er absolut keine Ahnung hat, dann kommt so ein unausgegorener Mist dabei raus.

    • Einverstanden. Aber normalerweise haben diese Lobbyisten Berater, die mehr von der Sache verstehen. Vielleicht bei Bertelsmann? Gibt es oben im Artikel Differenzen zu dem, was uns die Bertelsmann-Stiftung erzählt? Bei Ganztag, G8, Digitalisierung, ökonomischer Bildung und Sozialkompetenz schon mal nicht.

  2. Eigentlich sollte die Bildung wieder mehr Praxisferne bekommen, damit mehr theoretische Hintergründe vermittelt werden, die die Schüler nutzen können, um die praktischen Belange der Ausbildungsbetriebe verstehen und erlernen können.

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