GEW fordert mehr Anstrengungen von Eisenmann gegen den Lehrermangel

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STUTTGART. Lehrermangel, Unterrichtsausfälle und ein schlechteres Abschneiden von Schülern in Vergleichsstudien: An den Schulen in Baden-Württemberg liegt einiges im Argen. Die Gewerkschaft GEW geht die grün-schwarze Regierung an.

Hat noch Lehrerstellen zu vergeben: Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg
Wird von der GEW kritisch gesehen: Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Viel versprochen, wenig gehalten? Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigt sich in der Bildungspolitik enttäuscht von der Landesregierung. Vor dem Hintergrund des schlechteren Abschneidens baden-württembergischer Schüler in bundesweiten Vergleichsstudien hatte Grün-Schwarz Reformen angekündigt. Die Umsetzung lasse aber bislang auf sich warten, meinte GEW-Landeschefin Doro Moritz am Mittwoch. Die Probleme seien nicht gelöst worden. «Bei näherer Betrachtung zerplatzen die Hoffnungen auf Verbesserungen wie eine Seifenblase.» Insbesondere gegen den Lehrermangel und den Unterrichtsausfall tue die Regierung zu wenig.

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Moritz erinnerte daran, dass allein an den rund 2400 Grundschulen etwa 500 Stellen unbesetzt geblieben seien. Insgesamt sind nach den Zahlen der GEW vom Juli rund 1500 Stellen an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen noch frei gewesen, weil keine Lehrer für die Stellen gewonnen werden konnten. «Das ist ein beträchtlicher Mangel», sagte Moritz. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will an diesem Donnerstag ihre Zahlen dazu bekanntgeben, wie viele der etwa 5500 zu besetzenden Stellen in den Schulen wirklich offen bleiben. An diesem Montag beginnt für rund 1,5 Millionen Kinder das neue Schuljahr.

Eisenmann hatte steigende Schülerzahlen und eine Pensionierungswelle als Gründe für die Probleme genannt, auf die zu spät reagiert worden sei. SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei warf Grün-Schwarz vor, im vergangenen Jahr 1000 Lehrerstellen gestrichen zu haben. Das müsse rückgängig gemacht werden. Die SPD hatte von 2011 bis 2016 selbst das Kultusressort in der damaligen grün-roten Landesregierung inne.

Ministerin Eisenmann beklagte zuletzt ein gewisses «geografisches Beharrungsvermögen» von Junglehrern (News4teachers berichtete). Insbesondere seien Stellen für ländliche Grundschulen schwer zu besetzen. Eisenmann versucht etwa, den Mangel dadurch zu entschärfen, dass ausgebildete Gymnasiallehrer befristet und nach einer Zusatzqualifikation an Grundschulen aushelfen – mit mäßigem Erfolg. Neben den Grundschulen sind es vor allem die beruflichen Schulen, die mit wenig Lehrern klarkommen müssen. Hingegen gibt es für die Stellen an Gymnasien weitaus mehr Bewerber als freie Stellen – insbesondere für Fächer wie Deutsch.

Nach Einschätzung von Moritz führt der Lehrermangel etwa an den Grundschulen dazu, dass Klassen mit mehr als 28 Schülern gebildet werden. Die GEW fordert unter anderem mehr Vertretungslehrer, die kurzfristig bei Ausfällen einspringen können, und mehr Studienplätze für künftige Lehrer. «Es wird nichts getan, um auch in 10 bis 15 Jahren eine gute Unterrichtsversorgung sicherzustellen.» Moritz beklagte, es fehle beispielsweise nicht nur das seit langem angekündigte Konzept zur Stärkung von Schulleitungen. Auch über den angekündigten Umbau der Schulverwaltung wisse man noch nicht viel. Anfang 2019 sollen das Institut für Bildungsanalysen und das Institut für Schulentwicklung und Lehrerbildung ihre Arbeit aufnehmen. dpa

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