Streit um „Lesen durch Schreiben“: Meidinger stellt Methodenfreiheit der Grundschulen infrage

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BERLIN. In Deutschland kocht der Streit über die beste Rechtschreib-Lernmethode immer höher. Auslöser ist eine Studie, in der die klassische Fibel-Methode für Grundschüler deutlich besser abgeschnitten hat als Ansätze wie «Lesen durch Schreiben» und «Rechtschreibwerkstatt» (News4teachers berichtete). Die Frage sei nun, ob man Grundschulen noch gestatten könne, «ausschließlich oder vorwiegend» nach den zwei Verfahren zu unterrichten, die in der Untersuchung sehr schlecht abgeschnitten hatten. Das sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), Hans-Peter Meidinger, auf Anfrage. Eine Umfrage unter den Bundesländern zeigt allerdings, dass diese beiden Methoden kaum verbreitet ist.

Zeigt sich besorgt angesichts des Lehrermangels: Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Philologenverband
Macht sich unter Grundschullehrkräften gerade keine Freunde: Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands (und selbst Leiter eines bayerischen Gymnasiums). Foto: Deutscher Philologenverband

In der Untersuchung hatten Bonner Psychologen ermittelt, dass Grundschüler Orthografie am besten nach der sogenannten Fibelmethode lernen. Dabei werden Buchstaben und Wörter schrittweise und nach festen Vorgaben eingeführt, systematisch aufgebaut vom Einfachen zum Komplexen. Die untersuchten Lernerfolge von gut 3000 Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen waren deutlich höher als bei dem Ansatz «Lesen durch Schreiben» (LDS), mitunter auch als auch «Schreiben nach Gehör» bezeichnet. Die meisten Fehler ermittelte die Studie bei Kindern, die nach der eher seltenen «Rechtschreibwerkstatt» lernten.

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Die Studie hat eine breite Debatte ausgelöst. Die Aussage, dass die «Fibel» zu einer besseren Rechtschreibung führe, ist dem Grundschulverband viel zu pauschal. «Eine solche Allgemeinaussage ist nach dem aktuellen Forschungsstand nicht möglich und höchst irreführend», kritisierte der Verband.

Medidinger vom DL hält dagegen: «Die Bonner Studie gibt klar Hinweise, dass Schreiben nach Gehör nicht zu der angestrebten Rechtschreibkompetenz der Schüler führt.» Es gebe keinen Grund zur Vermutung, dass die Studie unwissenschaftlich sei, die Ergebnisse sollten ernst genommen werden. «Lehrkräfte brauchen großen pädagogischen Freiraum bei der Wahl der Methoden. Die Grenze ist aber erreicht, wenn das Lernziel nicht geschafft wird.»

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE), warf ihm wiederum vor, die Arbeit vieler Grundschullehrkräfte zu diskreditieren. Viele Lehrer arbeiteten erfolgreich mit einen Ansatz, der das LDS-Konzept mit einbaue. «Jede einzelne Schule sollte die Entscheidung treffen, auf welche Weise sie den Kindern in den ersten Schuljahren das Lesen und Schreiben vermittelt», forderte der VBE-Chef.

Nur wenige Schulen unterrichten mit LDS

Wie häufig unterrichten Pädagogen nach der in die Kritik geratenen «Lesen-Durch-Schreiben»-Methode und der weniger häufigen «Rechtschreibwerkstatt»? Ein Blick in die Bundesländer – sie sind zuständig für Schulfragen – zeigt ein unterschiedliches Bild, unter dem Strich aber eher wenig Begeisterung für «Lesen durch Schreiben» und viel Zuspruch für die Fibel-Methode.

In NRW als bevölkerungsreichstem Bundesland gibt es derzeit keine zentral vorgeschriebene Methode. Aber: «Lesen durch Schreiben» soll demnächst noch in der ersten Klasse angewendet werden, wie Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bereits 2017 angekündigt hatte. Rheinland-Pfalz setzt auf einen Methodenmix. Eine Umfrage 2017 habe ergeben, dass nur in 14 von 960 Grundschulen ausschließlich mit LDS gearbeitet werde.

Hamburg gehört zu den Ländern, die die LDS-Methode bereits für unzulässig erklärt haben. In Schleswig-Holstein darf seit Beginn dieses Schuljahres auch nicht mehr danach unterrichtet werden. Aus Berlin heißt es, LDS in «Reinform» gebe der Rahmenlehrplan nicht her. Baden-Württemberg hält ebenfalls nichts von LDS, spricht von einem «seit langem wissenschaftlich hoch umstrittenen» Ansatz. In Bayern kommt die Methode nicht zum Einsatz, ebenso wie im Saarland, jedenfalls nicht «in Reinform».

In Thüringen werden Grundschüler überwiegend nach der Fibel-Methode unterrichtet. Der aktuelle Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Erfurts Bildungsminister Helmut Holter (Linke), sagte, man werde nach den «wichtigen Hinweisen» der Bonner Studie über Schlussfolgerungen beraten. In Sachsen lernen Kinder vor allem mit der Fibel, die Grundschulen sind aber frei in ihrer Wahl. Sachsen-Anhalt legt die Entscheidung ebenfalls in die Hände der Lehrkräfte. In Mecklenburg-Vorpommern nutzen 86 Prozent die Fibel und nur zwei Prozent LDS. Brandenburg sagt, man habe aktuell keinen Überblick. Auch in Niedersachsen lägen keine landesweiten Erkenntnisse darüber vor, welche Schulen nach welchen Methoden arbeiteten. Das entschieden die Schulen selbst. Eine kritische Prüfung der eingesetzten Lernmethoden sei unabhängig von der Studie ohnehin vorgesehen. News4teachers / mit Material der dpa

IQB-Bildungstrend

Laut Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) 2016 erreichen oder übertreffen nur 55 Prozent der Viertklässler orthografische Regelstandards. Allerdings: Fünf Jahre zuvor waren das noch zwei Drittel der Schüler.

Zur Begründung für die schwächeren Leistungen führte die Kultusministerkonferenz bei Veröffentlichung der Studie im vergangenen Jahr aus: „Im Vergleich zwischen 2011 und 2016 haben sich die Bedingungen an Grund- und Förderschulen im Hinblick auf die Zusammensetzung der Schülerschaft geändert. Zum einen ist der Anteil der Kinder mit Zuwanderungshintergrund gestiegen. Zum anderen besuchen im Zuge der Umsetzung der Inklusion mehr Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine allgemeine Schule. Der Anteil der Viertklässlerinnen und Viertklässler mit Zuwanderungshintergrund liegt im Jahr 2016 bei etwa 34 Prozent und ist damit gegenüber 2011 um mehr als ein Drittel gestiegen.“ Von falschen Lehrmethoden war keine Rede.

Tatsächlich kann „Lesen durch Schreiben“ für den Leistungseinbruch kaum verantwortlich sein: Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass in den vergangenen Jahren Grundschulen in nennenswerter Zahl auf die Methode umgestiegen sind.

Das Thema wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers hitzig diskutiert.

“Schwarzer Peter” heißt das Spiel: Die Debatte um “Lesen durch Schreiben” nimmt hysterische Züge an – zum Schaden der Schulen

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53 KOMMENTARE

  1. “«Lehrkräfte brauchen großen pädagogischen Freiraum bei der Wahl der Methoden. Die Grenze ist aber erreicht, wenn das Lernziel nicht geschafft wird.»”
    Aha.
    Dann müsste die Grenze ja auch am Gymnasium genau da erreicht werden, wo Schüler dort die Lernziele nicht schaffen, schlechte Noten erhalten oder gar die Schule verlassen (müssen)… oder gar nicht erst betreten dürfen.

    Ich bedanke mich für die Ausführungen zur Verbreitung der Methode, die das bestätigt, was etliche Grundschullehrkräfte hier mehrfach geäußert haben: LdS wird kaum unterrichtet.
    Es dürfte also ganz andere Gründe dafür geben, dass GrundschülerInnen so oder so in vergleichenden Tests abschneiden. Die Gründe möchte man aber offensichtlich nicht anerkennen, wenn man vehement darauf beharrt, eine Methode, die kaum eingesetzt wird, sei verantwortlich für jegliche schwache Rechtschreibung.

    Die Ergebnisse der aktuellen Studie sind überhaupt nicht transparent, letztlich kann man sich gar nicht dazu äußern, weil man viel zu wenig über den erfolgten Unterricht und die erhobenen Daten weiß:
    Wurde erhoben, welche Fibeln in Klasse 1 eingesetzt wurden?
    Wurde erhoben, welche Lehrwerke oder welche Methoden in Klasse 2-4 eingesetzt wurden?
    Wurde die Zusammensetzung der Schülerschaft sowie die Klassengröße erhoben?
    Wurden Stundenanzahl und Fördermöglichkeiten erhoben?

    • Aus dem auf der Seite der Uni Bonn verfügbaren Daten zum Design der Studie geht eindeutig hervor, dass die Gruppeneinteilung nach Angaben der Grundschulen selbst erfolgte, mit welcher Methode diese schwerpunktmäßig arbeiteten. Natürlich werden sich die Grundschulen – sogar der gleichen Gruppe – hinsichtlich einzelner verwendeter Unterrichtsmaterialien unterscheiden, – das entwertet aber den äußerst signifikanten Differenzwert am Ende der vier Jahre in keiner Weise. So war die schlechteste Fibelgrundschule noch signifikant besser als die beste Lernwerkstattschule.
      Aber natürlich gibt es Korrelationseffekte, über die man auch gern Auskunft hätte. Beispielsweise hat Peter May in den 90-er Jahren schon eine Vergleichsgruppenuntersuchung gemacht zwischen Klassen in Hamburg, die nach der Reichen- bzw. der Fibelmethodik unterrichtet wurden. Er hatdamals schon feststellen müssen, dass der Fibelunterricht zu deutlich bessere Rechtschreibleistungen führte. Dabei gab es eine Begleituntersuchung, die die Lehrkräfte befragte. Dabei zeigte sich, dass im Durchschnitt die Lehrkräfte, die nach der Reichenmethode unterrichteten, den Stellenwert von Rechtschreibung deutlich niedriger gewichteten, als die Lehrkräfte, die nach der Fibelmethode lehrten. Eine interessante Wechselwirkung, die ich auch für die heutige Situation an Grundschulen nicht ausschließen würde.

  2. Zitat: “«Lehrkräfte brauchen großen pädagogischen Freiraum bei der Wahl der Methoden. Die Grenze ist aber erreicht, wenn das Lernziel nicht geschafft wird.»”

    Genau so kann man das eingrenzen.

    Ich bin sehr für die pädagogische Freiheit, also das Wie des Unterrichtens. Entscheidend muss aber auch sein, was dabei herauskommt. Hauptsächlich würde ich aber auf die Einsicht der Kollegen setzen.

    • Es gibt aber immer Schüler, die das Lernziel nicht erreichen – bei wie vielen ist denn die Grenze?

      Gilt die dann auch für einzelne Lehrerinnen und Lehrer? Also: Wenn, sagen wir mal, drei Schüler sitzenbleiben – bekommt der Kollege, der die Klasse leitet, dann künftig seine Methoden von der Schulleitung vorgeschrieben? Und wenn diese Schüler, die das Lernziel nicht erreicht haben, Flüchtlingskinder sind, die gar kein Deutsch sprechen? Ist das dann egal? Zählt also nur die Quote?

      Vor allem aber: Gilt diese Regel auch in der weiterführenden Schule? Oder soll das nur eine Lex Grundschule sein?

      • “Und wenn diese Schüler, die das Lernziel nicht erreicht haben, Flüchtlingskinder sind, die gar kein Deutsch sprechen? Ist das dann egal?”

        Thema verfehlt, weil Flüchtlingskinder zunächst in Deutschförderklassen beschult werden (sollten).

        “Gilt diese Regel auch in der weiterführenden Schule? Oder soll das nur eine Lex Grundschule sein?”

        Es hängt von der weiterführenden Schule ab. Bei außendifferenzierten Schulformen können Schüler in den Grundkurs wechseln, bei nicht differenzierten Schulformen gibt es den von Ihnen wahrscheinlich verachteten Fahrstuhl. Der ist allerdings eine nahezu Einbahnstraße vom Gymnasium nach unten, weil leider viel zu viele Eltern die Anforderungen des Gymnasiums unter- und die Fähigkeiten des eigenen Nachwuchses überschätzen.

        • Den Fahrstuhl dürfte es ja dann nicht mehr geben, weil den Gymnasiallehrkräften, die es nicht schaffen, alle Schüler mitzunehmen, fortan die Methoden vorgeschrieben würden… und der Erfolg gleich mit.

          • Nach der Logik nehmen in wenigen Jahren 8 Milliarden Menschen an den Olympischen Spielen in jeder Sportart teil.

          • Genau.
            Man muss nur die eine richtige Methode von außen durch jemanden bestimmen lassen, der weder die Sportler, noch das Training, noch die Olympiade selbst kennt,
            dann klappt es auch mit den Leistungen.

          • Falsch. Nein, im Sport gilt nach wie vor das Leistungsprinzip. Aus guten Gründen treten Frauen nur selten direkt gegen Männer an, Menschen mit Behinderungen haben u.a. mit den Paralympics eigene Spiele bekommen. Im Bildungsbereich wurde all das vergessen und Bildungsgerechtigkeit durch Ergebnisgleichheit auf sehr niedrigem Niveau ersetzt. Übertrieben ausgedrückt wurden talentierten Klavierspielern die Hände gebrochen, damit diese wenigstens genauso schlecht spielen wie alle anderen.

          • @xxx
            Kann ich für den Bildungsbereich nicht erkennen.
            Wie im Sport gilt das Leistungsprinzip.

            Dabei sollen Mädchen und Jungen mit egal welchen Vorerfahrungen und Talenten in der Schule aber alle zur gleichen Zeit in sehr vielen unterschiedlichen Disziplinen zu gleichen oder noch besseren Ergebnissen kommen, wobei Trainingszeit begrenzt wird und die Trainingsgruppen möglichst groß sein müssen und die Inhalte des Trainings nicht nur angesichts der Wettbewerbe und Ergebnisse der Disziplinen vorgegeben ist, sondern auch hinsichtlich weiterer Aspekte und Themen, die ebenfalls alle zu berücksichtigen sind.

            Die Trainer kennen diese Erwartungen, berücksichtigen zudem unterschiedliches Leistungsvermögen und auch talentfreie Teilnehmende, kümmern sich stets zeitgleich um alle und ermöglichen den Talentierten Beiträge mit Höchstleistungen, selbst wenn der Platz, auf dem das Training läuft, von Wühlmäusen untergraben wurde.

            Die meisten Trainier können sich jedoch nicht Begabtere für einzelne Sportarten herauspicken und diese in einer speziellen Disziplin trainieren. Auch Wünsche, man könnte Spezialisierungen vornehme,n um vertieft arbeiten zu können, laufen ebenso ins Leere, wie Erwartungen, mangelnde Vorerfahrungen durch spezielle Förderung und Kurse aufarbeiten zu können.

            Bringt die Teilnahme am Wettbewerb dann keine Medaillen, waren Trainer und Trainingsmethode falsch und jemand, der zwar nie beim Training war und der die Rahmenbedingungen außer Acht lässt, schreibt vor, dass in Zukunft alle bei jeder Sportart mit dem rechten Fuß beginnen müssen und erklärt das als allein zielführend, weil dies der Mehrheit entspräche.

            An dieser Stelle, xxx, wünschen Sie sich allein die Besten der Besten in Ihrem Kurs und stellen dann die Forderung auf, die Anforderungen des Trainings müssten höher sein, dann wären die SuS auch besser. In solch einer Gruppe wollen Sie erfolgreich trainieren, indem Sie die Vorgehensweisen erklären und bei Fragen helfen. Warum nur wünschen Sie sich nicht den Grundlagenkurs?

          • Falsch, Palim. Im Bildungsbereich ist das Abitur das höchste erreichbare Ziel, übertragen auf den Sport mindestens die Teilnahme an olympischen Spielen. Im Gegensatz zum Sport soll dies aber mindestens der Hälfte eines Jahrgangs ermöglicht werden, was u.a. durch drastische Reduktion der Anforderungen und Weismachen der Bevölkerung, dass alles unter Gymnasium nichts wert ist realisiert wird. Das Leistungsprinzip wird durch diese Vorgehensweise erheblich ausgehöhlt. Gleiche Chancen sind halt nicht dasselbe wie Ergebnisgleichheit, was viele Bildungsforscher aus (falscher) Rücksichtnahme nicht sehen oder nicht sehen wollen.

          • Das Abitur mit der Teilnahme an Olympischen Spielen gleichzusetzen, passt vermutlich in Ihr Berufsverständnis, in meines nicht.
            Ich sehe da eher eine Ehrenurkunde und tatsächlich nehmen alle an den Bundesjugendspielen teil und werden – möglichst – nach gleichen Anforderungen bepunktet, aufgesplittet nach Alter.

            Gleiche Chancen sind nicht gegeben, aber das wird auch gar nicht beachtet, wenn eine kaum genutzte Methode allein für bundesweit schwache Rechtschreibleistungen verantwortlich gemacht wird.
            Ergebnisgleichheit oder zumindest eine Siegerurkunde wird von allen erwartet, die Ausgangslagen und Bedingungen aber nicht beachtet.
            Eine drastische Reduktion der Anforderungen kann ich in diesem Bereich nicht erkennen, wohl aber die Ausweitung auf weitere Disziplinen bei gleicher oder verringerter Trainingszeit.

          • Prof. Otto Speck schrieb bereits 2015: “Wer in der einen Partei Mitglied ist oder einer bestimmten Konfession angehört, ist dadurch von der anderen ausgeschlossen. Die ganze Gesellschaft setzt sich aus Millionen partieller Gruppierungen und Korporationen zusammen, seien es politische, religiöse, künstlerische, sportliche oder sonstige. Sie heben sich jeweils voneinander ab, ohne damit als schlechthin ausgeschlossen zu gelten. So beansprucht zum Beispiel das Prinzip der geschlechtlichen Koedukation keine absolute Geltung, und der Frauensport gilt nicht als Exklusion des Männersports und umgekehrt. Niemand kommt auf die Idee, die Paralympics für Behinderte in die üblichen Olympischen Spiele zu inkludieren.”
            https://www.sueddeutsche.de/bildung/inklusions-debatte-inklusive-missverstaendnisse-1.2182484

        • Nur weil bei Ihnen am Gymnasium keine Flüchtlingskinder aufschlagen, muss das nicht überall so sein, xxx – natürlich gibt’s Kinder ohne jegliche Deutschkenntnisse an Grundschulen in Regelklassen. Wir haben erst vergangene Woche wieder eins bekommen.

          • Die sprachlichen Vorraussetzungen der Kinder von Migranten, sind die Barriere, welche den schulischen Erfolg dieser Kinder beeinträchtigt. Deshalb bedürfen diese auch einer sehr intensiveren Förderung in kleinen Gruppen,um eine Teilhabe an erfolgreichen Schulabschlüssen zu erzielen. Es ist aber auch zu beobachten, dass die Kinder von Migranten aus dem dortigen Bildungsbürgertum bessere Schulabschlüsse erzielen.
            Hilfreich gestaltet sich für diese eine im Anfangsunterricht mehr vom Lehrer gesteuerte Unterrichtung, die schrittweise in eine größere Eigenständigkeit der Schüler überführt wird.

          • Die sprachlichen Voraussetzungen sind bei allen Kindern entscheidend, wie andere Voraussetzungen auch.
            Dass die benachteiligten SuS intensivere Förderung in kleinen Gruppen bräuchten, ist ein Wunsch, aber keine Wirklichkeit.

            Statt daran zu arbeiten, wird eine Methode, die kaum genutzt wird, ins Rampenlicht gezogen und für alles mögliche verantwortlich gemacht.
            Die o.g. Kinder, deren Voraussetzungen ganz andere Hilfe notwendig machen, gehen an allen Schulen leer aus.

          • @Palim
            Und ob ihrer Behauptung, so wird diese Methode im Raum Münster im Methodenmix in der ersten und zweiten Klasse genutzt genutzt und phasenweise zur Anwendung gebracht. Das müssen wir jetzt auch nicht mehr ausdiskutieren, die Eltern bestätigenderen Anwendung in den Foren und bei Befragungen.
            Und schließlich wurde beim damaligen Verbotsantragsverfahren im Düsseldorfer Landtag vor wenigen Jahren, LDS als wichtiger Bestandteil im Methodenmix von zwei Lehrerinnen vor dem Pparlamentsausschuss verteidigt. Da war Frau Hendricks noch im Landtag NRW als Ministerin tätig, und auch sie sprach sich für die Methode aus. Meinen Sie ich vergese derartiges !
            Wir stehen hier im Austausch mit betroffenen Eltern, und der geistige Vordenker des Spracherfahrungsansatzes ist ebenso bemüht nun auch die Bonner Studie zu diskreditieren.
            Wahrscheinlich wird man wieder monieren, das lautgetreue Schreibweisen nicht als Fehler gedeutet werden dürften, da die Schüler zu einem späteren Zeitpunkt die richtigen Schreibweisen als Bestandteil eines “natürlichen Lernvorgangs”noch erlernen würden. Außerdem wird man es sich wieder nicht nehmen lassen mehrfache Falschschreibungen, zum Beispiel des langen i als ie in zweisilbigen deutschstämmigen Wörtern, nur als einen Fehler statt zahlreicher anzumarkern. So reduzieren sich von ganz alleine die Fehlerzahlen .
            Die “wissenschaftliche ” Vorgehensweise des Herrn Brübelmann hat man bereits bei seiner Beurteilung des Intra.Akt-Plus-Konzepts, sowie bei seiner vergleichenden Beurteilung zur Druckschrift gegenüberden den verbundenen Schriften gesehen.
            Er ist eben mit Frau Brinkmann als wichtigster Lobbyist für den von ihm dominierten “Grundschulverband” , als auch als Vertreiber seiner eigenen materialzentrierten “Lernmaterialien”, als auch als Gutachter und Berater der Kultusministerkonferenz, bemüht, die von ihm implementierten Methoden als “Gesamtkunstwerk” zu erhalten.
            Schließlich sieht er nicht die Vermittlung korrekter Schreibweisen als Aufgabe des Schreiblernprozesses an, sonder das eigenständige Weiterentwickeln der Schrift der Schüler als einen “natürlichen “Vorgang, wie das Erlernen des Gehen Lernens über ads Krabbeln etc.
            Hier liegt insgesamt ein klassischer Interessenskonklikt in seiner Tätigkeit vor.

          • Zum einen:
            Es wird nicht aufgrund meiner Behauptung in Münster und umzu eingesetzt.

            Zum anderen:
            Es ist die Frage, was die Eltern tatsächlich bestätigen und ob sie den Einsatz der Anlauttabelle in Art und Umfang wirklich einschätzen können.
            Auch Eltern sind durchaus durch die m.E. aufgeblähte und absolut unsachliche Debatte um LdS extrem beeinflusst und wittern bei jeglicher Erwähnung einer Anlauttabelle oder eines eigenen Textes, dass der Untergang des Abendlandes gekommen sei.

            Ihre anderen Behauptungen können sie mit Brügelmann und Brinkmann diskutieren.
            Gerne dürfen Sie sich dann auch mit den Lobbyisten der Verlage beschäftigen, die fehlerhafte Lehrwerke vertreiben.

            Den Einsatz der Materialien selbst muss man weitaus differenzierter sehen. Ich würde soweit gehen, dass erstelltes Material beim Einsatz im Unterricht eine Art Eigenleben entwickelt, da Lehrkräfte unterschiedliche Aspekte betonen und Materialien immer neu kombinieren.
            Im Hinblick auf das frühe Verfassen eigener Texte und deren Schrecken oder Nutzen kommen wir beide vermutlich nicht mehr zu einer Einigung.

          • @Palim
            Ich verstehe und begreife Ihr Engagement zunehmend mehr und ich glaube auch, dass Sie diese Schreibnovizen korrekt bin deren weiterer Entwicklung sehr intensiv begleiten.
            Alleine Ihrem Engagement wird es zu verdanken sein, dass eine zügige eigenständige Vermittlung selbst gesteuerter Schreibungen möglich ist.
            Der Großteil der Lehrer wird aber als Folge der zunehmenden Heterogenität als Folge von Inklusion, Migration,einer schlechteren Vorbildung, verminderter Konzentrationsfähigkeit und nachlassendem Engagement der Eltern an diesen Voraussetzungen in Verbindung mit der sehr arbeitsintensiven Methoden scheitern.
            Da sind strukturierte Lernhilfen ein entscheidender Vorteil in der Vermittlung dieser elementaren Grundkenntnisse.
            Teilweise wurden auch Grundlagen linguistisch gestützter, orthographischer Regelwerke nicht in einem ausreichenden Maße vermittelt, weil diesen nicht mehr die Bedeutung früherer Zeiten zugewandt wurde. So ist es auch verständlich, dass in diesem Gesamtbild an Einflussfaktoren, die objektiven nachgewiesenen Leistungen nachwachsender Schülergenerationen sich zunehmend verschlechtert haben.
            Die Antwort kann nur heißen, dass man die Klassengrößen weiter verkleinert, um dem Lehrer die Möglichkeit zu geben, sich auf die spezifischen Probleme der Schüler eizustellen.
            Jetzt ist die Politik gefordert.
            Sie alle haben ihr Bestes gegeben !
            Wir alle warten auf mehr Personal, um den gewachsenen Aufgaben gewachsen zu sein.

          • @AvL
            Ich freue mich über das Lob, Dankeschön, dennoch glaube ich, dass Sie meinen Unterricht nicht im Ansatz einschätzen können.
            Immerhin haben Sie offenbar verstanden, dass freie Unterrichtsmethoden die arbeitsintensiven sind, und können Ihren Vorwurf, man wolle es sich nur leicht machen, in Zukunft vielleicht unterlassen.
            Der Großteil der Lehrerschaft hat diese Methoden schon vorher nicht gewählt, der notwendige Aufwand wird einer der Gründe sein.

            In Folge zunehmender Heterogenität braucht es aber etwas anderes als gleichschrittigen Unterricht, welches Material man auch einsetzt. Die Vorstellung, man könne Schulbücher oder strukturiertes Material in einer womöglich großen, sicher aber heterogenen Klasse entsprechend eines Zeitkonzeptes abarbeiten lassen, womöglich unter Aufsicht durch eine Vertretung, wird in der Realität scheitern.
            M.E. entscheidet man sich entweder für das Gerüst einer Fibel/ eines Lehrganges und sorgt durch Differenzierung dafür, dass alle Kinder entsprechend ihrer Möglichkeiten zusätzliche Materialien erhalten, oder man entscheidet sich für eine Öffnung des Unterrichts, in der man die Fähigkeiten der SuS ebenso genau in den Blick nimmt und Hilfestellungen und Übungen einfließen lässt. Darin zeigt sich dann die Methodenvielfalt, die in Grundschulen angezeigt ist.

            Ob man mit einer Fibel, mit anderen strukturiertem Material oder mit offenen Konzepten arbeitet: Immer braucht es Verständnis, immer Hilfe der Lehrkraft, immer Anerkennung der Leistung, immer das Lob für die Anstrengung, selbst wenn die Erfolge nur klein sein können.
            Immer braucht es Lehrkräfte, die mit Sinn, Verstand, Interesse und einer Menge Wissen über Pädagogik, Psychologie wie auch Sprachwissenschaft und Alphabetisierung diesen Unterricht übernehmen. Unabhängig von Inklusion gehören Kenntnisse über Lernschwierigkeiten und Beeinträchtigungen dazu, durch die Inklusion wird dies noch erheblich erweitert.
            Mehr denn je braucht es Differenzierung, die auf allen diesen Kenntnissen aufbauen muss und die individuellen Möglichkeiten der Kinder in den Blick nimmt, aufgreift, was vorhanden ist, fördert, was schwer fällt, und beflügelt oder herausfordert, wo Grundlegendes längst gelingt.

            Somit kann ich mich Ihrem Appell nur anschließen:
            „Die Antwort kann nur heißen, dass man die Klassengrößen weiter verkleinert, um dem Lehrer die Möglichkeit zu geben, sich auf die spezifischen Probleme der Schüler eizustellen.“

      • anna “Es gibt aber immer Schüler, die das Lernziel nicht erreichen – bei wie vielen ist denn die Grenze?”
        Das ist doch Ausflüchte-Sophistik! Man flüchtet vor der Erkenntnis, dass es Unterrichtsmethoden gibt, die eine deutliche schlechtere Chance für die Schüler bieten, die jeweiligen Kompetenzziele zu erreichen (siehe HH-May-Studie von 94, Steinig-Rechtschreibtest von 2009 und Bonner Studie von 2018).

        • conny,

          auch heute zielen weiterhin viele wege nach rom: unterschiedlich begabte schülerschaften benötigen entsprechende methodenvielfalt, um auch nur annähernd “gleiche chancen” anzubieten.

          daraus kompetenzorientierte allgemeingültigkeiten ableiten zu wollen, dürfte kaum allein den rechtschreibdogmaten überlassen sein.

  3. Bad Harzburger Elternvertreter informieren in time über aktuelle Bildungsthemen

    Über erfolgreichen Unterricht spricht als Gast von hiesigen Elternvertretern der Bildungsforscher Prof. Dr. Rainer Dollase am Mittwoch, 26. September, in Bad Harzburg. Er ist ab 19 Uhr in der Aula des *Werner-von-Siemens-Gymnasiums zu Gast und wird auch über das aktuelle Thema „Fibel-Methode oder Schreiben nach Gehör“ informieren. Der Eintritt ist frei.

  4. Warum kommt niemand auf die Idee, dass Inklusion und Integration, die sich v.a. in den Grundschulen abspielen ohne die Voraussetzungen nennenswert zu ändern auch auswirken könnten? Will man das nicht hören? Nicht medienwirksam? Und die anderen Gründe, die hier auch schon genannt wurden?
    3% der LuL verwenden diese Methode….Das Verbot kostet nichts und ändern wird sich auch nichts.

    • Das wird permanent mitgenannt. Ihre Wahrnehmung ist mal wieder sehr eigenwillig. Natürlich ist es ein Bündel von Faktoren. Das heißt ja nicht, dass man über eines davon nicht auch mal speziell reden kann.

      • Klar.
        Und genau deshalb fordert Meidinger ja auch, dass den Grundschulen für Inklusion und Integration mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt werden
        und insgesamt mehr Unterstützung erfahren, damit sie ihrer Aufgabe der Grundbildung einschließlich Förderung und Forderung der ihnen anvertrauten SchülerInnen nachkommen können, wobei die Schulen mit vielen benachteiligten SuS besondere Berücksichtigung erfahren sollen.

        • Meidingers Forderungen müssten Sie, Palim, doch von vorne bis hinten unterschreiben können – entsprechen sie doch exakt dem, was Sie hier im Forum ständig fordern.

          Im übrigen empfehle ich nochmals den Kommentar von Frau Gaschke: “Die Inklusion, die mit besseren Chancen für Kinder mit Behinderungen begründet wird, ist in den allermeisten Fällen nur eine schlecht kaschierte Sparmaßnahme – wenig hilfreich bis grausam für die Kinder, die wirklich Förderung, Rücksicht und Sensibilität brauchen, und verwirrend für alle anderen Schüler, die auf einmal feststellen, dass für Leistung vielerlei Maßstäbe gleichzeitig gelten.”

        • @ Palim, da sind Sie doch (theoretisch) selbst dran schuld, wenn dafür kein Geld mehr da ist, wenn alles für höhere Gehälter ausgegeben werden soll, wie Sie es fordern, damit Gutverdiener noch besser verdienen.

          • @sofawolf
            Meiner Meinung nach ist das Geld da.
            Man muss es aber für bessere Frühförderung und Förderung im Grundschulbereich ausgeben wollen, wenn man die grundlegende Bildung oder einen erfolgreichen Erstunterricht stärken will.

            Billiger ist es natürlich, eine Methode zu verbieten, die ohne Lehrwerk auskommt. Eltern kaufen dann in Zukunft Lehrwerke, anderes wird sich nicht ändern, weil die Scheindebatte um LdS die Auseinandersetzung mit den wirklichen Notwendigkeiten verdrängt oder gar verhindert.

            Davon abgesehen ist eine angemessene Entlohnung für jeden Beruf zu erwarten. Meinen Standpunkt hinsichtlich A13 für GS+SekI-Lehrkräfte kennen Sie.
            Wenn Sie selbst freiwillig auf Ihr Gehalt verzichten möchten, können Sie ja den Anteil, den Sie Ihrer Meinung nach zu viel verdienen, in solidarische Projekte stecken oder dem Förderverein einer Brennpunktschule zur Verfügung stellen.

          • @ Palim

            So einfach geht das? Man sagt etwas und dann ist es so. Ich dann auch. Meiner Meinung nach ist das Geld eben nicht da, um das alles zu finanzieren, sodass man Prioritäten setzen muss. Können Sie mir das Gegenteil beweisen oder Ihre eigene Behauptung belegen?

            Nie habe ich gesagt, dass ich zu viel verdiene und nie habe ich gesagt, dass ich weniger verdienen will. Immer habe ich gesagt, dass ich mit meinem Gehalt sehr zufrieden bin und deshalb (abgesehen vielleicht vom Inflationsausgleich) nicht noch mehr brauche, sodass vorhandene Gelder jetzt erstmal in die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen gesteckt werden sollten/könnten. Wissen Sie ja. (Wieso dann immer wieder solche Falschauslegungen und absurden Schlussfolgerungen?)

  5. sofawolf schrieb: “Das [Inklusion und Integration] wird permanent mitgenannt.”

    Richtig. Zum Beispiel auch in Susanne Gaschkes Kommentar in der “Welt”.
    Sie schreibt: “Bittere Ironie: Die Leselernmethode, die nicht diskriminieren und nicht demotivieren sollte, hat die soziale Spaltung verschärft. Und außerdem dazu geführt, dass sich bis in alle gesellschaftlichen Kreise hinein eine fundamentale Unsicherheit darüber ausgebreitet hat, wie man richtig schreibt. Das gilt für Universitätsstudenten ebenso wie für Auszubildende in Handwerksberufen.

    Aber so ist es mit vielen der gnadenlos verfolgten ideologischen Reformansätze: Sie geben gern vor, den Schwachen zu helfen, und zementieren in Wahrheit die Ungerechtigkeit, die sich aus der sozialen Herkunft ergibt. Der ‘offene Unterricht’, um ein Beispiel zu nennen, erlaubt es den souveränen Schülerinnen und Schülern, sich zu profilieren; den Chaoten, chaotisch zu sein; den Schüchternen, die vielleicht einiges beizutragen hätten, erlaubt er, mit der Tapete zu verschmelzen.

    Die Inklusion, die mit besseren Chancen für Kinder mit Behinderungen begründet wird, ist in den allermeisten Fällen nur eine schlecht kaschierte Sparmaßnahme – wenig hilfreich bis grausam für die Kinder, die wirklich Förderung, Rücksicht und Sensibilität brauchen, und verwirrend für alle anderen Schüler, die auf einmal feststellen, dass für Leistung vielerlei Maßstäbe gleichzeitig gelten.”
    https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus181568024/Schreiben-lernen-Solche-Bildungsexperimente-zeigen-Verachtung-fuer-Kinder.html?wtrid=onsite.onsitesearch

  6. Heute im “Spiegel” (Ausgabe 39/2018):

    Zitat: “Die Schreiben-nach-Gehör-Ideologie hat in Deutschland immer noch mächtige Verfechter. Der emeritierte Professor für Grundschulpädagogik Hans Brügelmann lässt gemeinsam mit dem einflussreichen Grundschulverband schon seit Jahren keine kaum eine Gelegenheit aus, jede Studie anzuzweifeln, die den auf Schreiben nach Gehör basierenden Methoden ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Brügelmann vertritt die Meinung, perfekte Rechtschreibung sei nicht das Wichtigste.

    Kaum war die erste Meldung über die aktuelle Studie in der Welt, versuchte er, die Bonner Forscher von einer weiteren Verbreitung ihrer Ergebnisse in der Presse abzubringen, zumindest vor der vollen Veröffentlichung der Daten.

    Brügelmann weist dies als Unterstellung entschieden zurück; er habe lediglich eine Verbreitung in den Medien ohne nachprüfbare Belege kritisiert. Obwohl die Psychologen versicherten, dass die vollständigen Ergebnisse selbstverständlich so bald wie möglich publiziert würden, verschickte der Grundschulverband eine Stellungnahme, in der er dieses – in der Wissenschaft durchaus verbreitete – Vorgehen der Bonner Forscher als ‘wissenschaftlich unseriös’ beschimpfte.

    Allerdings haben Brügelmann und die anderen Verfechter des Schreibens nach Gehör mit immer stärker werdendem Widerstand zu kämpfen.”
    https://magazin.spiegel.de/SP/2018/39/159553285/index.html

    • Herr Brügelmann ist ein radikaler Lobbyist des Wirtschaftsunternehmens “Grundschulverband”. Mich stört schon der irreführende Name des Unternehmens, das angeblich im Interesse von Lehrern und Schülern handelt.

  7. Von der nur wenig praktizierten Methode LdS bin ich nicht überzeugt. Ich glaube schon, dass die Studie in die richtige Richtung weist. Von der Denkweise, dass das bildhafte Gedächtnis bei der Rechtschreibung keine Rolle spiele habe ich zum ersten Mal um das Jahr 2000 gehört. Das habe ich nie verstanden. In Bayern hat man keine Radikalwende gemacht, sondern eher ab 2000 die Anlauttabelle als Zusatz eingesetzt. Ich habe es so erlebt, dass von ca. 2005 -2010 von unserem Schulrat die Devise kam, falsch Geschriebenes zu präsentieren (ich habe mich nie daran gehalten) – inzwischen ist das wieder ein Nogo. Dennoch hat sich in meinem Bundesland in den letzten 18 Jahren viel zum Verständnis der Rechtschreibung über Strategie- und analytischem Denken getan. Hier hat man viel zum Positiven weiterentwickelt und alte, nicht effektive Zöpfe abgeschnitten.
    Bayern liegt in den Vergleichen zwar noch ganz gut in der Rechtschreibung, aber dennoch verbessert es sich nicht, sondern verschlechtert sich eher. Und das, obwohl die Vermittlungsmethoden der Rechtschreibung besser geworden sind.

    Einer der Hauptursachen ist für mich die zunehmende heterogene Schülerschaft. Ich habe Schüler in der Klasse, die vor Jahren noch eindeutig in die Förderschule gegangen wären. Die Klassen sind aber nicht kleiner geworden und Unterstützung gibt es aufgrund des Lehrermangels ganz wenig. Diese Kinder benötigen ständige Aufsicht und Hilfestellung. (Ich habe im Augenblick keine Kinder mit Sprachproblemen.)
    Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass gerade bei diesen Kindern deren Eltern ihren Kindern nicht die notwendig Unterstützung geben können (entweder eher in Richtung Hilflosigkeit oder nicht wollen oder es hat keine Priorität).
    Ich befürchte, dass wir mit der Zeit ebenso diese starke individuelle Differenzierung durchführen müssen und damit wie bei anderen Bundesländern auch – alleine gelassen werden. Die beste Differenzierung ist in meinen Augen nämlich die, dass eine zweite und eine dritte Lehrkraft denselben Stoff zur möglichst gleichen Zeit etwas reduziert auf die Grundlagen mit den schwächeren Schülern erarbeitet. Doch dieses System ist zu teuer. Oder man macht mit diesen Kindern während der gesamten Grundschulzeit in einem anderem Raum ein extra Programm in Deutsch und Mathematik. Der Endstand wäre bei diesen Schülern aber nicht derselbe wie bei den anderen. Das hatten wir einmal als Schulversuch. Spätestens in der Hauptschule ging es dann nicht weiter und diese Schüler gehörten weiterhin zu den Schwächsten der Hauptschule.
    Zu den besseren Zeiten – als ich noch öfter eine zweite Lehrkraft in meiner inklusiven Klasse hatte – da kamen die Schwächeren wesentlich besser mit, weil ihnen eben jemand ständig bei ihrer Arbeit über die Schulter schaute, was ein unterrichtender Lehrer in dem Maß nicht kann.

    • Vielleicht noch zur Ergänzung:
      Interessant finde ich diese Wahrnehmung, die ich gemacht habe: Wenn man schwächere Schüler professionell durchtesten lässt, stellt sich bei einer verhältnismäßig größeren Anzahl eher eine gestörte Verarbeitung (also die Weiterleitung vom Reiz bis zur Verarbeitung zum Gehirn und der Umsetzung) heraus bei einer meist normalen Intelligenz. Oft haben diese Schüler noch Konzentrationsschwierigkeiten, weil sie insgesamt eine höhere Konzentration aufbringen müssen.

    • Ich erlebe es auch so und habe verschiedene Kinder mit Sprachschwierigkeiten und/oder Hörstörungen in der Klasse. Bei den aufgezeigten Problemen ist die Methode selbst ein sehr geringer Faktor.

      Du schreibst, die Vermittlungsmethoden der RS seien besser geworden. In BY läuft die Vermittlung neuerer Ansätze zentraler, in Nds. weit weniger. Ich sehe, dass seit 2000 im 1. Schuljahr weit mehr auf phonologische Bewusstheit geachtet wird und hierzu Übungen erfolgen, Übungen zu Silben wurden integriert und werden in womöglich allen Lehrwerken in unterschiedlichem Maß aufgegriffen, Anlauttabellen werden im 1. Schuljahr zumeist dazu eingesetzt, den Schülern die Lautebene zu veranschaulichen. Der Unterricht zur Rechtschreibung baut darauf auf.
      Die Anstrengungen zur Leseförderung in der Grundschule sind immens, nicht auf eine Umstellung auf das angloamerikanische Literacy-Konzept beschränkt, sondern vielfältig.

      Dennoch reicht das alles, was eine Lehrkraft in einer heterogenen Klasse bewältigt, für viele Kinder nicht aus. Grundschullehrkräfte haben bei der Bewertung immer auch im Blick, was den Kindern möglich WÄRE, wenn es Therapien und Förderung gäbe.

  8. Wenn diese Methode eigentlich kaum Anwendung findet, dann kann man sie ja auch ruhigen Gewissens verbieten. Wen sollte das dann kümmern und die leidige Diskussion hätte endlich ein Ende.
    Ansonsten habe ich vom Grundschullehramt keine Ahnung, aber höchsten Respekt. Mir ist letzte Woche aufgefallen, als ich meine “neue” siebte Klasse ein Diktat hab schreiben lassen, dass es für manche das erste Diktat überhaupt war. Die Ergebnisse waren ok. Kein Grund in Jubel oder Resignation zu verfallen, aber schreibt man wirklich kaum noch Diktate und wenn ja, warum eigentlich nicht?

    • Ja, erstens das, aber zweitens geht es wohl auch um die Teile, die doch übernommen worden sind. Hier wird immer gerne behauptet, es würden ja nur 3 % nach der Reichen-Methode in Reinkultur arbeiten, warum der Aufschrei. Einerseits darf man wohl zurückfragen, warum diese 3 % Kinder das weiterhin ertragen müssen und andererseits wird ja oft gesagt, es würden von vielen Teile der Methode durchaus praktiziert. Was genau das bedeutet, erfährt man ja nicht, aber auch diese Teile müssen dann wohl zurückgedrängt (verboten) werden.

      So oder so: Korrekturen ohne Berichtigungspflicht machen eh keinen Sinn. Nach dem, was ich erlebe und auch hier gelesen habe, ist genau das aber die gängige Praxis an Grundschulen (und später auch).

    • “aber schreibt man wirklich kaum noch Diktate und wenn ja, warum eigentlich nicht?”
      Man kann die Rechtschreibung auch anders üben. Ein Diktat zeigt (nur), ob das Wort automatisiert durch das Hören schnell wiedergegeben kann. Es kann am Ende einer Übungsreihe stehen oder die Lücken aufzeigen, wo noch nachgeübt werden muss. Das ist die höchste Automatisierungsstufe.
      Die Überprüfung der Rechtschreibung sollte auch noch auf andere Arten erfolgen, woraus klar ersichtlich ist, ob der Schüler die Strategie erkannt hat. Die vielfältigen Arten der Überprüfung der Rechtschreibung nehmen bei den Schülern auch den Frust, den reine Diktate zeigen, weil dort nur die Fehler angestrichen werden und man bei der Diktiergeschwindigkeit mitkommen muss. Bei anderen Rechtschreibaufgaben haben die Schüler Zeit zum Überlegen. Sie müssen auch einmal eine Strategie erklären.
      Wir mischen die Aufgaben. Es gibt aber auch Diktieraufgaben in einer Arbeit, da wir auch mit Lernwörtern arbeiten.

      • Die Kampagne gegen Diktate, auch wieder maßgeblich getragen vom Grundschulverband, begann vor über 30 Jahren und setzte sich fort bis zur kompletten Abschaffung von Diktaten in vielen Bundesländern heute. In Hamburg geschah dies 2010 (“zur Überprüfung von Rechtschreibleistungen nicht zulässig”), Hamburg, das dann unter Ties Rabe (SPD) bereits 2014 aufgrund der negativen Erfahrungen mit der Reichenmethode die Notbremse gezogen, LdS verboten und Diktate als eine Form der Leistungserhebung wieder zugelassen hat. Übrigens gegen den Widerstand vor allem der Grünen in HH, deren schulpolitische Sprecherin von Berg in einem Interview in der taz vor vier Wochen ganz im Sinne der Reformpädagogik die Behauptung aufstellte: “Diktate prüfen nicht die Rechtschreibung, sondern die Stressfähigkeit eines Kindes.”

        Weitere Argumente der Vertreter des Grundschulverbands gegen Diktate:
        Sie seien künstlich, würden in keiner normalen Kommunikation vorkommen, fragten auch Dinge ab, die die Schüler nicht vorbereitet haben, verursachten Stress, machten keinen Spaß, es fehlte ihnen der konkrete Schreibanlass und sie würden unterschiedlich bewertet.
        Und der Hauptvertreter dieser Richtung, der damalige Rektor der PH Ludwigsburg, Prof. Fix, meinte: Rechtschreibung ist nicht so wichtig, warum sollte man das in den Mittelpunkt einer Leistungserhebung stellen.

        Als Alternative wurde , wenn es denn unbedingt Leistungsüberprüfungen geben müsse, auf Lückentexte verwiesen, die nur das neu Durchgenommene abprüften.

        Brügelmann, bis heute zusammen mit Barnitzky einer der Hauptkämpfer gegen den systematischen Fibelunterricht, wandte sich u.a. mit dem Argument gegen Diktate, dass die außerhalb der Schule nicht vorkämen.
        Da hat er sich aber getäuscht, wenn ich mir folgende Überschrift vom 23.6.18 aus der Welt anschaue:
        “Zwei von drei Polizeischülern kassieren im Diktat die Note 6”.
        Und im anschließenden Text heißt es erläuternd:
        “Die Einstufungsdiktate, die Polizeianwärter demnach mehrfach schreiben müssen, stellen offensichtlich für viele Bewerber eine riesige Hürde dar. So haben im Einstellungsjahrgang 2016 137 von 218 Auszubildenden an der Berliner Polizeiakademie für ihre Diktate die Note 6 erhalten.”

        Ich warte derzeit stündlich auf die Meldung, dass bei der Berliner Polizei die bisher vorgeschriebenen Protokolle bei Anzeigen und Unfällen durch Lückentexte ersetzt werden.

        • “Diktate prüfen nicht die Rechtschreibung, sondern die Stressfähigkeit eines Kindes.” Selten einen dermaßen dämlichen Satz gelesen. 😀

          • So unwahr ist der Satz nicht. Ich würde es aber es eher so formulieren, dass bei Diktaten eine hohe Konzentrationsfähigkeit vorausgesetzt wird, vor allem dann, wenn die Wörter nicht genügend automatisiert sind.

        • Bei den neueren Rechtschreibüberprüfungen geht es nicht um Lückentexte. Conny, haben Sie aktuelle Erfahrungen in der Grundschule in der Rechtschreibüberprüfung oder berufen Sie sich auf das, was vor 2000 üblich war?
          Da war es tatsächlich so, dass man zusätzlich zu Text- und Wörterdiktaten Lückentexte als Überprüfungsmöglichkeit angeboten hat. Sonst nichts.
          Inzwischen ist man da viel weiter. Ich empfehle einmal die Aufgabenformate der VERA- Arbeiten in der Rechtschreibung anzuschauen, da sind neue Formate drin.
          Übrigens kann man einen Lückentext oder ein reines Wörterdiktat mit wesentlich mehr Schwierigkeiten spicken als ein Diktattext, wo sich die Füllwörter ständig wiederholen. Was ich damit sagen will, es heißt nicht, dass ein Lückentext von den abgefragten Wörtern her unbedingt leichter sein muss.

          • Ich habe mich auf die damalige Argumentation der Diktatgegner bezogen. Der Satz “Inzwischen ist man viel weiter” ist mir gerade im Rahmen reformpädagogischer Ansätze schon öfter begegnet. Wie gerade die Bonner Studie gezeigt hat, ist es aber manchmal besser, ab und zu wieder einen Schritt zurück zu setzen und zu traditionell-bewährten Verfahren zurückzukehren. Wenn die Didaktik und Pädagogik eine Erfolgsgeschichte der ständigen Weiterentwicklung und Vervollkommnung wäre, dann wärs ja gut. Aber mir scheint es derzeit so, dass da viele Um-, Ab- und Irrwege dabei sind. Auch Jürgen Reichen glaubte seinerzeit, dass er mit seiner LdS-Methode “viel weiter” als die traditionelle Methodik sei.
            Wenn man sich übrigens die Diskussion in der OECD-Bildungsdirektion über das Design der nächsten PISA-Studien anschaut, bahnt sich da schon die künftige Abkehr von der Kompetenzorientierung an.

    • Wenn es um LdS, Spracherfahrungsansatz, Fibel etc. geht, geht es um den Erstleseunterricht, also zunächst einmal um den Unterricht in Klasse 1, in dem die SuS die Buchstaben lernen und begreifen sollen, dass sie Laute abbilden, die zu Wörtern zusammengezogen werden. Zeichen geben also das Gesprochene wieder (schreiben) und Zeichen können wieder zu Gesprochenem werden (lesen). Es braucht für die meisten Kinder dieses Jahr Zeit, um die Buchstaben zu erlernen, wobei man mit den ersten 10-15 Buchstaben schon recht weit kommt, aber letztlich sollen ja alle, einschließlich ß und Umlaute beherrscht werden.

      Diktate werden in Klasse 1 von manchen Lehrkräften zur Diagnose eingesetzt, z.B. auch Buchstabendiktate oder erste Wörter.
      Auch in der aktuellen Studie wurde die Hamburger Schreibprobe, in der Wörter und 3 Sätze diktiert werden, zum Vergleich herangezogen.

      Das Üben und Schreiben von klassischen Diktaten begann dann eher in Klasse 2, zunächst mit sehr geringem Umfang und wenigen, kurzen Sätzen, die zuvor im Unterricht aufgegriffen und zum Üben nach Hause gegeben wurden. Hier hat man Erfolg, wenn die Kinder in der Entwicklung der Rechtschreibung so gut sind, dass sie das angesetze Niveau schaffen können, einige dieser Kinder müssen gar nicht üben. Man hat weit weniger Erfolg, wenn Kinder noch nicht so weit sind, das Schreibtempo nicht ausreicht oder die Einsicht in das Schriftsystem noch nicht vorliegt. Diese Kinder mussten im häuslichen Bereich umfangreich üben, um im Diktat zu einem ggf. ausreichenden Ergebnis zu kommen.
      Auch ohne Inklusion braucht es hinsichtlich der Rechtschreibung, aber eben auch im Lesen, im Zahlenaufbau, im Rechnen eine breite Differenzierung. Dies ist mit Diktaten im Ansatz möglich, auf andere Weise aber womöglich erfolgreicher, wenn die Übungen dem Lernstand der Schüler entsprechen.

      Hinzu kommt aber auch, dass zur Rechtschreibung auch andere Fähigkeiten gehören, die wichtig sind und die geübt und abgefragt werden: regel- bzw. strategiegeleitetes Rechtschreiben, Nutzen von Nachschlagewerken oder RS-Korrektur am PC, Rechtschreibung in Verbindung mit Grammatik

  9. Aus einem neuen interessanten Bericht:

    “Grundschüler lernen Rechtschreibung am besten nach der klassischen sogenannten Fibelmethode. Zu diesem Ergebnis kommt eine Bonner Studie, bei der die Lernerfolge von gut 3000 Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen analysiert wurden. Andere Ansätze wie „Lesen durch Schreiben“ und „Rechtschreibwerkstatt“ schnitten weitaus schlechter ab. Die Ergebnisse werden an diesem Montag bei einer Tagung der Gesellschaft für Psychologie in Frankfurt vorgestellt.”

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/studie-zur-rechtschreibung-orthografie-ist-fleissarbeit-15792061.html

    Hier wird nun auch die sogenannte “Rechtschreibwerkstatt” genannt. Wer kann das erklären?

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