“Schwarzer Peter” heißt das Spiel: Die Debatte um “Lesen durch Schreiben” nimmt hysterische Züge an – zum Schaden der Schulen

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Ein Kommentar von News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek.

DÜSSELDORF. Die Kritik, die im Zusammenhang mit vermeintlichen oder tatsächlichen Schwächen der Methode „Lesen durch Schreiben“ – bekannt auch als „Schreiben wie Hören“ – an den Grundschulen geübt wird, verliert jedes vertretbare Maß. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands (und Leiter eines bayerischen Gymnasiums), will mit einem bundesweiten Verbot „weiteren Schaden von unseren Grundschülern abwenden“. Die konservative Tageszeitung „Die Welt“ versteigt sich gar zu einem Kommentar mit dem Titel „Solche Bildungsexperimente zeigen Verachtung für Kinder“. In dem Beitrag ist von „irgendeiner esoterischen Unterrichtsmethode“ die Rede, die flächendeckend eingeführt worden sei. Geht’s noch?

News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf
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Schaden von den Grundschülern abwenden? Verachtung für Kinder? Esoterische Unterrichtsmethode? Wohlgemerkt: Die Rede ist hier von der Arbeit der Grundschullehrkräfte in Deutschland.

Um die mal richtig einzuordnen: Die deutschen Grundschulen, die internationalen Vergleichsstudien TIMSS und IGLU belegen das, gehörten  – anders als die vom PISA-Schock gebeutelten weiterführenden Schulen – 15 Jahre lang zur Weltspitze, bevor deutsche Viertklässler in den vergangenen Jahren tatsächlich leichte Leistungseinbußen zeigten, während andere Staaten davonzogen. Übrigens auch in Mathematik, was mit „Lesen durch Schreiben“ ja nun gar nichts zu tun haben kann. In den vergangenen Jahren hat es allerdings in Deutschland keineswegs eine „flächendeckende Einführung“ von „Lesen durch Schreiben“ gegeben, wie der „Welt“-Kommentar nahelegt. Im Gegenteil. Tatsächlich haben einige Bundesländer, zuletzt Baden-Württemberg, ihren Grundschullehrern die Methode bereits verboten.  Wie die dann für die Leistungseinbußen der jüngsten Zeit verantwortlich sein können, ist mir ein Rätsel.

Sehr viel wahrscheinlichere Ursachen sind doch wohl Entwicklungen, die die Grundschulen  in den letzten Jahren mit voller Wucht getroffen haben: die Inklusion vor allem, aber auch die Aufnahme von Flüchtlingskindern und anderen sprachlich förderbedürftigen Schülern. Auch die dank des Wirtschaftsbooms drastisch gestiegene Erwerbstätigenquote unter Frauen mag ihren Einfluss haben – viele Mütter fallen als Förderkräfte am Nachmittag aus. Stattdessen eine einzelne Lehrmethode für Leistungsdefizite verantwortlich zu machen, ist für Politiker bequem. Dann sind eben die Lehrer schuld, und nicht die völlig unzureichende Ressourcenausstattung der Schulen. „Schwarzer Peter“ heißt das Spiel.

Und es verfängt. Beim Bildungsbarometer des Münchner ifo-Instituts, der umfassendsten Umfrage zur Schulpolitik in Deutschland also, lehnt eine Mehrheit der Deutschen „Schreiben nach Gehör“ ab. Dabei dürfte es kaum jemanden geben, der überhaupt erklären könnte, was es mit der Methode auf sich hat. Die mediale Berichterstattung beschränkt sich meist auf Zerrbilder, siehe oben.

Vor den Karren gespannt

Umso unverständlicher, dass sich auch Lehrer – genauer: der Philologenverband und der Deutsche Lehrerverband – vor den Karren spannen lassen. Sie müssten eigentlich wissen, dass Eltern und Politiker kaum die richtigen Instanzen sind, um fachgerecht über pädagogische Kernkompetenzen – und dazu gehören Unterrichtsmethoden zweifellos – zu urteilen. Wenn der Damm jetzt bricht, können sich auch Gymnasiallehrer nicht mehr sicher sein, dass nicht bald auch ihre Methoden öffentlich verhackstückt werden: Frontalunterricht verbieten? Die Klagen der Universitäten über kaum studierfähige Abiturienten könnten das nahelegen. Gruppenarbeiten verbieten? Bestimmte Sitzordnungen verbieten? Warum nicht? Auch dazu werden sich sicher bald Studien finden lassen, die einen Zusammenhang zum Lernerfolg erkennen lassen. Ein Germanistik-Professor will unlängst ja auch herausgefunden haben, dass ein Lehrer, der sich von seinen Schülern duzen lässt, negativen Einfluss auf die Rechtschreibung hat. Welches Verbot sich daraus ableiten lässt, liegt auf der Hand.

Es geht hier nicht darum, die Ergebnisse der aktuellen Studie der Universität Bonn – Auslöser der aktuellen Debatte – in Zweifel zu ziehen. Es kann gut sein, dass die Wissenschaftler Recht haben und der klassische „Fibel“-Unterricht im Schnitt bessere Rechtschreib-Ergebnisse hervorbringt als „Lesen durch Schreiben“. Damit ist aber weder etwas darüber ausgesagt, wie viele Grundschulen in Deutschland „Lesen durch Schreiben“ überhaupt in Reinform verwenden (Praktiker sagen: sehr wenige). Noch bedeutet der Befund, dass die Fibel für jeden einzelnen Schüler die beste Unterrichtsmethode ist. Wichtig ist also eine seriöse Einordnung der Studie. Wie es überhaupt darum geht, die Erkenntnisse der Bildungsforschung systematisch in die Schulen zu tragen. Dass es daran hapert, das legen jüngst erschienene Berichte über eine völlig unzureichende Qualität der Lehrerfortbildung nahe (News4teachers berichtete).

Lange Rede, kurzer Sinn: Das Verbot einer Lehrmethode löst keine Bildungsprobleme – es schafft neue. Unterrichtsmethoden werden endgültig der fachlichen Expertise von Lehrkräften entzogen und politisiert. Dabei brauchen Lehrer, das macht der berühmteste Bildungsforscher der Welt, John Hattie, immer wieder deutlich, ein großes Methodenrepertoire, um auf unterschiedliche Lernsituationen angemessen reagieren zu können. Sie müssen allerdings auch in der Lage sein, die Ergebnisse ihres Methodeneinsatzes kritisch zu überprüfen und ihren Unterricht zu evaluieren. Ihnen dafür Zeit und das nötige Know-how zu geben, das wäre ein Ziel, mit dem sich die Schulen in Deutschland voranbringen ließen.

Am Rande: In diesen Tagen fand in Düsseldorf der Deutsche IT-Leiter-Kongress statt. Ein wesentliches Thema: der Fachkräftemangel – und eine Schulbildung, die an den Bedürfnissen einer zunehmend digitalen Gesellschaft völlig vorbei geht. Referenten malten das Bild von Deutschland als einem automobilen Technik-Museum an die Wand, das den Anschluss an neue Entwicklungen und Kommunikationswege völlig zu verlieren droht. Und wir streiten in der Bildung vor allem über – deutsche Rechtschreibung? Mmmm.

Auch auf der Facebook-Seite von News4teachers wird das Thema hitzig diskutiert.

Studie zu „Lesen durch Schreiben“ befeuert Debatte um Verbot der Methode – Meidinger: „Weiteren Schaden von unseren Grundschülern abwenden“

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128 KOMMENTARE

  1. Wie schrieb gestern der User Wolfgang Bergmann so treffend?

    “Hunderttausende von Eltern haben in den letzten Jahren erlebt, wie ihnen in den ersten beiden Grundschuljahren ihrer Kinder verboten wurde, die Fehler in den Heften zu korrigieren.
    Dass der VBE jetzt diese Probleme kleinredet und so tut, als werde die Arbeit der Grundschullehrkräfte in Frage gestellt, ist ein Armutszeugnis.”
    https://www.news4teachers.de/2018/09/studie-zu-lesen-durch-schreiben-befeuert-debatte-um-verbot-der-methode-meidinger-weiteren-schaden-von-unseren-grundschuelern-abwenden/#comment-271577

    Der letzte Satz gilt aus meiner Sicht auch für Herrn Priboscheks – natürlich völlig von Eigeninteressen freies – “News 4 Grundschul-Teachers” und seinen hilflosen Ablenkungsversuch in Richtung Gymnasium/Philologenverband.

    Immerhin hat man für dieses tendenziöse Pamphlet die Form des Kommentars gewählt und mal nicht die eigene Meinung auch noch als “objektive Wahrheit” verkauft. (“News 4 teachers, mit Material der dpa”.)

    Immer wieder erhellend, wenn man den Tenor der Original-dpa-Artikel (angefangen bei den Überschriften) mit jenem der “N4t – mit Material von…” vergleicht.

  2. Wenn eine Studie zeigt, dass eine bestimmte Lehrmethode Grundschülern massiv schadet beim Erwerb von Rechtschreibkompetenz und ein Lehrerverband greift das auf,- verliert der dann tatsächlich in Ihren Augen “jedes Maß”, Herr Priboschek?
    Das klingt doch sehr nach dem Motto: Verwrirre mich nicht in meiner festgefügten Meinung durch unangenehme wissenschaftliche Tatsachen!
    Der Deutsche Lehrerverband hat die Methode kritisiert, nicht die Grundschullehrkräfte. Gerade die Grundschullehrer haben übrigens vielfach in ihrer Unterrichtspraxis in lobenswerter Weise indirekten Widerstand gegen eine zu weitgehende, oft von Schulministerien beförderte Übernahme der Reichenmethode geleistet und in ihrem Methodenmix wider den bildungspolitischen Zeitgeist viele Elemente der traditionellen Fibeldidaktik bewahrt. Das haben mir Grundschullehrerinnen selbst erzählt. Und ja: Manchmal ist Oldschool der Reformpädagogik tatsächlich überlegen …

    • Wolfgang Bergmann schrieb: “Gerade die Grundschullehrer haben übrigens vielfach in ihrer Unterrichtspraxis in lobenswerter Weise indirekten Widerstand gegen eine zu weitgehende, oft von Schulministerien beförderte Übernahme der Reichenmethode geleistet und in ihrem Methodenmix wider den bildungspolitischen Zeitgeist viele Elemente der traditionellen Fibeldidaktik bewahrt.”

      Ganz genau! Und dafür gebührt ihnen Dank.
      Kein Dank gebührt der Bildungsindustrie, die mit exakt diesem “bildungspolitischen Zeitgeist” ihr Geld verdient. “Bestes” Beispiel dafür: Der letzte Absatz in Herrn Priboscheks Kommentar.

  3. Das eigentlich Witzige an der ganzen Dikussion ist, dass diese Methoden ihren Höhepunkt vor ca. 25 Jahren hatten, Sommer-Stumpenhorst vor ca. 10 Jahren. Da War aber offensichtlich die Rechtschreibung nicht das Problem! Hieß es nicht, dass mittlerweile nur noch ca. 3% der Schulen nach diesen Methoden unterrichten? Und diese 3 % schaffen den Untergang der Rechtschreibung? Ich glaube, da stimmt etwas nicht. Hysterie ist da genau der treffende Ausdruck!

    • emil fragte: “Hieß es nicht, dass mittlerweile nur noch ca. 3% der Schulen nach diesen Methoden unterrichten? Und diese 3 % schaffen den Untergang der Rechtschreibung?”

      Auch dazu hat Wolfgang Bergmann gestern alles Nötige geschrieben: “Die Uni Bonn hat also eine Studie gemacht zu einer Methode, die nur an 3 Prozent der Grundschulen praktiziert werde. Das ist doch lächerlich. Hunderttausende von Eltern haben in den letzten Jahren erlebt, wie ihnen in den ersten beiden Grundschuljahren ihrer Kinder verboten wurde, die Fehler in den Heften zu korrigieren.”
      https://www.news4teachers.de/2018/09/studie-zu-lesen-durch-schreiben-befeuert-debatte-um-verbot-der-methode-meidinger-weiteren-schaden-von-unseren-grundschuelern-abwenden/#comment-271577

    • Naja Emil, was mich doch etwas nachdenklich macht, ist die unglaublich hohe Anzahl von Eltern, die sich jetzt gerade aktuell seit gestern in den sozialen Netzwerken und auf den Kommentarseiten der Medien meldet und über ihre bzw. über die negativen Erfahrungen ihrer Kinder mit dieser Methode berichtet. Sind das alles Einzelfälle, sind das lediglich die 3 Prozent, die sich halt jetzt laut melden? Und was ist mit den 97 Prozent, bei denen angeblich alles in Ordnung ist? Warum hört man von denen fast gar nichts? Interessiert die diese Debatte nicht oder gibt es diese zufriedene Mehrheit doch nicht?

      • Das sind die anderen Prozentd, deren Kinder TROTZ Unterricht mit Fibel oder sonstigen Ansätzen schwache Rechtschreiber sind, die gibt es nämlich tatsächlich auch, da müsste man dann ja den Unterricht mit der Fibel auch verbieten.
        Und tatsächlich gibt es auch Kinder, die gute Rechtschreiber sind und in anderen Fächern auch gut.
        Oder solche, die schwach in MINT sind, da waren dann wohl die Methoden in MINT die falschen… und gerade deshalb fehlen uns dort die Fachkräfte. Vielleicht sollte man Physikbücher verbieten ,damit klappt es ja offenbar nicht.

        Die Überschrift und der Kommentar zeigen, worum es geht: Es ist weitaus einfacher, eine einzelne Methode zu streichen, als sich als Kultusminister um wirkliche Verbesserungen in den Schulen und für benachteiligte Schüler zu kümmern. Das würde nicht nur mehr Anstrengung, sondern auch mehr Geld kosten und mehr gut ausgebildetes Personal brauchen, um das man sich wiederum bemühen muss.
        Die meisten, offenbar auch viele Philologen, gehen diesem Aktionismus auf den Leim.

      • Nun ja, Hunderttausende kann mann einfach mal in den Ring schmeißen. Ich erhöhe auf fünfhunderttausend, die keine Probleme haben.
        Ergo: diese Zahlen sind wertlos…

      • @Borgmann
        Die 3% beziehen sich nicht auf Eltern, sondern sind 3% aller Grundschulen, die laut Studie !!! noch Lesen durch Schreiben unterrichten.
        Das heißt auch, dass 97% Prozent der Schulen nicht danach unterrichten. Wie kann dann diese Methode Schuld sein am Untergang der Rechtschreibung?

        • Es ist aber erstaunlich, dass bei fast jedem Bekannten mit Grundschulkindern, mit dem man spricht, immer gerade da eine Grundschule der 3% ist, wo diese Methode noch unterrichtet wird. Mit anderen Worten: Die 3% stimmen einfach nicht!

          • Das müssten Sie dem Verfasser der Studie rückmelden . Andererseits, wenn das nicht stimmt, stimmt vielleicht die ganze Studie nicht!?

          • Das liegt aber auch daran, dass Eltern hinter jeder Anlauttabelle gleich „ Lesen durch Schreiben“ vermuten! Das ist natürlich völliger Unsinn, wird aber öffentlich nicht wirklich kommuniziert.

    • Derlei Probleme stellt man erst mit jahrelanger Verzögerung fest, wenn sie endlich in ihrer Breite auffallen bewusst und schließlich untersucht werden. Dass die LdS Methode gravierende Tücken hat, sollte auch von Ihnen nicht mehr bestritten werden.

        • Prof.Günther Thomé beschreibt die Verschlechterung der Rechtschreibung deutscher Schüler unter anderem in seinem Buch “ABC und andere Irrtümer über Orthographie,Rechtschreibung,LRS und Legastenie “, und der sollte es wissen im Angesicht seiner jahrelangen praktischen Erfahrungen durch Teilnahme an Schülerleistungsuntersuchungen,wie der DESI-Studie(2006 veröffentlicht) mit 11.000 untersuchten Schülern im Auftrag der Kultusminister der BRD.

  4. Herr Priboschek schrieb: “In diesen Tagen fand in Düsseldorf der Deutsche IT-Leiter-Kongress statt. Ein wesentliches Thema: der Fachkräftemangel – und eine Schulbildung, die an den Bedürfnissen einer zunehmend digitalen Gesellschaft völlig vorbei geht. Referenten malten das Bild von Deutschland als einem automobilen Technik-Museum an die Wand, das den Anschluss an neue Entwicklungen und Kommunikationswege völlig zu verlieren droht.”

    Zuvor bezog er sich auf John Hattie – genau wie Klaus Zierer (Herausgeber der dt. Ausgabe der Hattie-Studie), der folgendes zu bedenken gibt:

    “Was wissen wir über Digitalisierung und ihren Einfluss auf die Lernleistung von Schülerinnen und Schülern? In der aktuellen Diskussion wird schnell deutlich: Vieles entspringt vagen Vorstellungen und vereinzelten Erfahrungen. Klarheit liefert die Forschung – etwa die einflussreiche Hattie-Studie, eine Metastudie zu Unterricht und Lernerfolg. Das aktuelle Hattie-Ranking listet 250 Faktoren auf, die Einfluss darauf haben, wie gut Unterricht gelingt. Darunter sind über 20 Digitalisierungsfaktoren, die jedoch in der Summe nur mäßige Effekte haben.

    Drei Beispiele:

    Der Einsatz von Powerpoint wirkt sich kaum auf den Lernerfolg aus. Einer der Gründe dafür ist, dass Lernende eher den Folien folgen als dem Redner und dadurch die entscheidenden Informationen nicht mitbekommen.
    Die Einzelnutzung eines Computers wird überschätzt. In der Studie “The pen is mightier than the keyboard” konnten die Autoren nachweisen, dass Lernende sich Gehörtes besser merken können, wenn sie es mit Bleistift und Papier mitschreiben als mit Laptop oder Computer.
    Auch Smartphones sind im Unterricht nicht per se hilfreich. Vielmehr kommt die Studie “Brain Drain” zu dem Schluss, dass allein die Anwesenheit des Smartphones die Aufmerksamkeit verringert und damit auch die Leistungen.

    Was folgt daraus? Lernen bleibt lernen – egal, ob analog oder digital. Und damit das gelingt, braucht es Einsatz, Anstrengung und den menschlichen Dialog. Kurzum: Pädagogik vor Technik.”
    http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/digitales-klassenzimmer-die-schueler-muessen-wieder-in-den-mittelpunkt-a-1181900.html

  5. Sehr geehrter Herr Priboschek,
    Sie schreiben: “Umso unverständlicher, dass sich auch Lehrer – genauer: der Philologenverband und der Deutsche Lehrerverband – vor den Karren spannen lassen. Sie müssten eigentlich wissen, dass Eltern und Politiker kaum die richtigen Instanzen sind, um fachgerecht über pädagogische Kernkompetenzen – und dazu gehören Unterrichtsmethoden zweifellos – zu urteilen.”

    Ich bin Gymnasiallehrer im MINT-Bereich und somit zugegebenermaßen kein Fachmann für das Erlernen von Rechtschreibung. Und sie haben grundsätzlich Recht wenn sie schreiben, dass Eltern und Politiker keine Maßstab in pädagogischen Fragen sind.
    Das Problem, was sich hier aber stellt: Diese eine Methode eignet sich perfekt als Sündenbock für schwache Rechtschreibung, weil die Leistungen in der Tat schlechter geworden sind. Sie haben auch Recht, dass hier viele Faktoren eine Rolle spielen.
    Jetzt kommt aber das große ABER! Die Methode ist so offensichtlich bekloppt, da sie allen Erfahrungen, die ich als Lehrer gemacht habe, vollkommen widerspricht. Gute Leistungen durch Einüben von falschen Dingen zu erreichen halte ich für ausgeschlossen und das sagt nebenbei auch der gesunde Menschenverstand. Und weil genau dieser gesunde Menschenverstand Alarm schlägt, reagieren auch Eltern und im Zuge dessen auch Politiker eben so wie sie es gerade tun.

    Meiner Ansicht nach werden die Grundschulen mit immer wieder neuen Methoden überschwemmt, für die keine zu dumm ist, um veröffentlicht zu werden. Das liegt daran, dass die Professoren der pädagogischen Hochschulen als Tätigkeitsnachweis eine Anzahl an Veröffentlichungen brauchen. Verbunden mit entsprechenden Vorlesungen für Lehramtsstudenten und entsprechenden “Studien” mit vorbestimmtem Ergebnis, da munter an den Testbedingungen so lange gedreht wird, bis das Ergebnis passt. Und da (fast) alle guten Gedanken schon auf dem Markt sind, bleibt der Rest. Im weiterführenden Bereich und gerade am Gymnasium ist dies nicht so, da die Professoren in ihrem Fach veröffentlichen.

    So massiver Protest bis hin zum Verbot dürfte bei anderen Unterrichtsmethoden nicht in Frage kommen. Man muss keine Angst vor einem Verbot von Frontalunterricht haben, weil jeder mit Bildung befasste Experte oder Politiker weiß, dass es Lehrer gibt, die so besser weil authentischer vermitteln können. Ebenso wie es den “Gruppenarbeitstyp” gibt oder den “Medienfetischist” (nur als Beispiel, bitte nicht auf die Goldwaage legen).

    Und mal im Ernst: Den letzten Absatz sollten sie noch einmal überdenken, denn die Frage der Methode zum Erlernen der Schrift hat doch sehr wenig mit einer sinnvollen Medien- und IT-Didaktik zu tun. Wenn wir eine Grundfertigkeit falsch unterrichten, muss darüber gestritten werden. Ob wir eine andere vernachlässigen, ist ein anderer Streit.

    • Lieber Küstenfuchs,

      mag schon sein, dass die Methode bekloppt ist – umso seltsamer, dass Grundschullehrkräften generell unterstellt wird, sie unreflektiert zu nutzen. Die, mit denen ich zu tun habe, bestreiten das. Und gerade wenn die (Grund-)Schulen von neuen Methodenideen überschwemmt werden, wie Sie schreiben, dann kann doch die Konsequenz nicht sein, eine einzelne davon zu verbieten – sondern den Lehrerinnen und Lehrern vor Ort die Kompetenz zuzugestehen, selbst zu entscheiden, was für ihren Unterricht sinnvoll ist und was nicht. Oder wollen Sie eine Methodenbeurteilungsbehörde einführen, die nach zig-jähriger Prüfung zu diesem oder jedem Ergebnis kommt (das dann auch wieder angefochten wird, weil in der Kommission natürlich auch wieder Lehrer sitzen müssen, wer sonst?)

      Dass alle guten Ideen in der Bildung schon auf dem Markt sind, glaube ich im Übrigen nicht. Die Kinder verändern sich, die Gesellschaft verändert sich, die Anforderungen an Bildung verändern sich – warum sollte die Pädagogik dann stillstehen? Wer sich im Bereich der Digitalisierung umschaut, wie ich es derzeit intensiv mache, stößt auf eine Vielzahl toller Ideen, die das Lernen auch in der Schule in den nächsten Jahren und Jahrzehnten deutlich verändern werden. Allerdings braucht es fachlicher Expertise, um die sinnvollen Initiativen von den weniger sinnvollen zu unterscheiden. Und wer hat die? Natürlich die Lehrer, wer sonst?

      Der Streit um “Lesen wie Schreiben” lässt Grundschullehrer allerdings wie Idioten dastehen. Leuten, die bekloppte Methoden in ihrem Unterricht anwenden, kauft niemand mehr fachliche Expertise in Sachen Unterrichtsmethoden ab. Und wenn sich dieser Eindruck festsetzt, da bin ich sicher, färbt das am Ende auf alle Lehrer ab. Deshalb halte ich Meidingers Vorstoß für ein klassisches Eigentor.

      Herzliche Grüße
      Andrej Priboschek

      Herausgeber News4teachers

      • “Der Streit um “Lesen wie Schreiben” lässt Grundschullehrer allerdings wie Idioten dastehen.”
        Na ja, wenn es denn die Schulen selbst gewesen wären, die Entscheidungen getroffen haben.
        Oft heißt es aber: Es gibt ein hohes Budget für die Schulen, um diese Mterialien usw. anzuschaffen. Oder aber: Jahrgangssätze dieses Lehrwerkes können über einen Sondertopf ohne Belastung des Schulbudgets angeschafft werden.
        Die Koll. der GS werden manchmal wie Idioten behandelt. Ich kann aber nur den Hut ziehen.

        • Ich finde vor allem nervig, dass man Grundschullehrer und die Grundschule nicht kritisieren darf. Natürlich gilt Gesagtes nicht für jeden bzw. für jeden anders.

          Warum muss eine misslungene Methode bzw. Teile einer misslungenen Methode erhalten bleiben, nur weil sich sonst danach ausgebildete oder sogar danach arbeitenden Lehrer auf den Schlips getreten fühlen?

          Dann hört doch auf damit und kehrt zur Fibelmethode zurück!

    • Sie sagen ja selbst, dass Sie kein Experte für den Erstunterricht sind.
      Möchten Sie, dass ich Ihnen erkläre oder gar vorschreibe, wie Sie mehr Kinder dazu bringen, im MINT-Bereich erfolgreicher zu werden?
      Warum gelten die dortigen Methoden als erfolgreich, wenn so viele SuS gerade in dem Bereich Probleme zeigen, schlechte Noten haben, diese Fächer als erste abwählen? Müssten nicht die im MINT-Unterricht eingesetzten Methoden auf den Prüfstand gestellt werden?
      Das trifft die Profs nicht, sofern sie sich lediglich ums Fachliche kümmern, die Aufgabe der Lehrkräfte ist aber nicht das Fachliche selbst, sondern die Vermittlung.
      Wie es wohl wäre, wenn viele Menschen, die selbst nie MINT unterrichtet haben und es nicht studiert haben allerorten fadenscheinige Begründungen veröffentlichen und voneinander abschreiben bei der Meinung, die MINT-Methoden seien falsch und schlecht und die Lehrkräfte würden sich seit Jahren oder Jahrzehnten falsch einbringen? Ob viele Eltern dann dem zustimmen und nicken und sagen: „Mein Kind kann das auch nicht!“?
      Ziehen Sie sich dann den Schwarzen Peter und ändern das, was Sie in der Ausbildung und durch den Beruf gelernt haben, selbst wenn Sie täglich um Schülerleistungen bemüht sind, sich stark engagieren und Ihren Unterricht besonders gut vorbereiten?

      • Wir kommen etwas vom Thema ab, aber dass der MINT-Unterricht generell und mein Fach Physik im speziellen einer methodischen Grundüberholung bedürfen, da bin ich ganz bei ihnen. Die schwachen Ergebnisse im MINT-Bereich haben in erster Linie in veralteten Methoden und einem Lehrermangel, der auch ungeeignete Menschen in den Lehrerberuf zieht, ihre Ursache. In meinem Bundesland tue ich das meinige dazu, zumindest den ersten Missstand zu ändern. Der zweite ist Ausdruck politischen Versagens.

        Ich stimme auch Frau Dr. Röhr-Sendlmeier zu wenn sie sagt, dass sicher einzelne Lehrkräfte mit dieser Methode Erfolg haben (können), wenn sie denn richtig angewendet und mit besonderem Engagement betrieben wird. Es ist ja nicht so, dass jeder Grundschüler bzw. jede Klasse am Ende völlig versagt. Das Problem ist dann aber wieder, dass es dann Schul- oder Lehrerkonferenzbeschlüsse gibt (auch auf Druck der Eltern), dass alle Kinder einer Schule nach der gleichen Methode unterrichtet werden müssen, und das Ergebnis sehen wir in den Gesamtleistungen.

        Schwächer werdende Leistungen müssen als Konsequenz eine Überprüfung der Methode haben. Wenn viele Grundschulkollegen so positiv darüber berichten, mag es aber auch daran liegen, dass sich niemand gerne eingesteht, mehrere Jahre nicht optimal gearbeitet und trotzig übersehen zu haben, dass es doch schon immer ganz viele gab, es davor gewarnt haben.

        Wenn auch nur ein Einzelfall: Der durch herausragendes Verhalten wohlverdiente Besinnungsaufsatz einer Fünftklässlerin, den ich heute bekommen haben, hatte auch eine Rechtschreibung der Note “Ach du Scheiße” (sorry, aber das trifft es genau).

        • Wenn Sie es ohnehin ändern wollen, dAnn lassen Sie sich doch von Eltern, Schulfernen und Nicht-Mintlern Methoden ausarbeiten, die Sie dann unreflektiert übernehmen können.

      • Wie erfolgreich Physik und Chemieunterricht im Gymnasium ist sehe ich ja seit Jahrzehnten. Kaum einer versteht es, weil an den Kindern vorbei unterrichtet wird. Deshalb will es/kann es kaum einer studieren und deshalb gelten die Naturwissenschaften als Mangelfach. Mir geht es auf den Geist, dass die Gymnasialkollegen nicht erstmal vor der eifenen Tür kehren. Was da alles vor sich geht ist grauenerregend, da kann man sich aber leichter rausreden, da kann man einfach sagen, die Schüler, die damit nicht klarkommen gehören eben nicht aufs Gymnasium.

        Ich halte von der ganzen Debatte nichts. Den Schuh, dass in Klasse 1/2 durch die Methode :“ Ich schreibe freie Texte wie ich es höre“ viele (gerade schwache Kinder, die gar nicht ans Gymnasium kommen) tatsächlich schlechtere Rechtschreiber werden beobachten meine Kolleginnen schon länger. Als Mutter von zwei Kindern muss ich sagen, dass ich zu Hause mit den Kindern trotzdem verbessert habe (weil ich davon nichts halte). Den Schuh, dass immer weniger geübt wird und Zeit ür Lapbook geklebe etc. genutzt wird halte ich auch für fatal. Doch auch das ist der Sache geschuldet, dass die Kinder mit immer weniger Vorkenntnissen kommen und auch Erziehung und Verhalten nicht mehr schulangemessen ist (verhaltensoriginell heißt es freundlich ausgedrückt). Und wehe, sie fordern von den Kindern etwas und sie müssen sich anstrengen, dann stehen die Eltern auf der Matte…
        Es ist nicht alleine Schuld einer Schulart, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem und mit einer Inklusionspolitik auf Sparniveau mit weiterhin riesigen Klassen in allen Schularten, wird sich auch nichts ändern.
        Aber diese neue „Studie“ ist nun ein hervorragender Anlass für die Politik mit dem Finger auf die Lehrer zu zeigen und wieder nichts zu ändern an den Bedingungen und der Philologenverband petzt ins gleiche Horn.

    • Herr Priboschek schrieb: “Die konservative Tageszeitung ‘Die Welt’ versteigt sich gar zu einem Kommentar mit dem Titel ‘Solche Bildungsexperimente zeigen Verachtung für Kinder’.”

      Was Herr Priboschek (neben dem sonst üblichen Quellenlink) geflissentlich unter den Tisch fallen lässt, ist die Tatsache, dass dieser Kommentar in der “konservativen Tageszeitung ‘Die Welt'” von der SPD-Politikerin, Journalistin und ehemaligen Oberbürgermeisterin von Kiel, Susanne Gaschke, verfasst wurde, die auch lange für “Die Zeit” geschrieben hat.
      https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus181568024/Schreiben-lernen-Solche-Bildungsexperimente-zeigen-Verachtung-fuer-Kinder.html?wtrid=onsite.onsitesearch

  6. Zugegeben: Die teilweise erschreckende Ahnungslosigkeit bei der Diskussion ist teilweise erschreckend. Und dennoch: der Feld ersuche Sommer-Stumpenhorst mit seiner Rechts hreibwerkstatt vs. Lollipop hat schon sehr deutlich gezeigt, dass die Wahl der Fibel oder besser des fibelbasierenden Lernens sich deutlich positiv auf die Leistung von SuS auswirkt. Und das ist ja nun bald schon 20 Jahre her. Und Hattie mag in aller Munde sein. In den 60 er konnte man das, was ihm immer zuzitiert wird, in der Pädagogik lesen. Die paed. Schriften der Uni Münster müssten daher eigentlich heute angebetet werden, so aktuell war man damals schon.
    Aber auch: Die anzuerkennen Leistungsbereitschaft haft der Grundschullehrkraefte wird derzeit sicher nicht davon matt gesetzt, sondern wie sie sagen: zu viele Aufgaben, die selbst diese Kollegen nicht mehr gestemmt bekommen

  7. Mal zurück zu den Quellen: War es nicht so, dass kürzlich eine wissenschaftliche Studie zu dem sehr eindeutigen Eergebnis kam, dass der Fibelunterricht sehr viel besseren Rechtschreiberwerb bewirkt als die anderen untersuchten Methoden? Mich interessiert erst mal, ob an dieser Studie begründete Zweifel geäußert werden.
    In den vergangenen 15 Jahren sind die Grundschullehrerinnen in meiner Umgebung allesamt in die Richtung ausgebildet worden, “Lesen durch Schreiben”-ähnliche Verfahren und allgemein viele Unterrichtsformen in Selbststeuerung und viel Freiraum zu bevorzugen. Eine Lehrerschaft ändert sich allmählich, ältere Jahrgänge werden abgelöst und durch jüngere Lehrerinnen (Männer sind mitgemeint) ersetzt, die nach den an der Uni gelernten Verfahren arbeiten und immer weniger die “alten” Verfahren kennen. So klingt es plausibel, dass sich die Effekte einer Unterrichtsphilosophie erst nach einigen Jahrzehnten in voller Breite auswirken – und natürlich mit anderen Effekten einer sich heftig ändernden Gesellschaft überlagert werden.
    Falls aber die Studie sauber angelegt ist, was Herr Priboschek offenbar nicht anzweifelt, sollte sie nur den Einfluss der Unterrichtsmethode anzeigen.
    News4Teachers schrieb dazu: “So machten Kinder, die mit „Lesen durch Schreiben“ unterrichtet wurden, am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkinder. In der „Rechtschreibwerkstatt“ unterliefen den Schülern sogar 105 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkindern.” Ein solcher Unterschied ist krass. Irgendwie finde ich in dem Artikel oben keine dieser Tatsache angemessene Reaktion. Muss man “hysterisch” sein, wenn man sich über 55 bis 105% mehr Fehler entsetzt und dringend Änderungen fordert?

    • @Pälzer
      Danke, Sie erklären sehr einleuchtend den langen Fortbestand eingeführter Methoden, die an mit den Lehrern kommen und gehen, und so sind die Folgen der Einführung bestimmter Methoden noch lange wirksam, wirken sich auf den Lernerfolg aus. Gerade die Kombination dieser dem Spracherfahrungsansatz verwandten Methode mit der selbst gesteuerten Organisation der Lernens, birgt die Gefahr, dass sich Schwächen und Fehler festsetzen.
      Ich habe in den vergangenen Jahren oft genug die Schwächen dieser Methoden beschrieben und andere Wege aufgezeigt. Mir reicht der Erfolg an einer einzigen örtlichen Schule, die anderen halten weiter an diesem propagierten Methodenmix eines Herr Brügelmann fest, und das sind im Raum Münster und südliches Westfalen nicht wenige Schulen.

    • “Mich interessiert erst mal, ob an dieser Studie begründete Zweifel geäußert werden.”
      Dazu müsste die Studie öffentlich zugänglich sein, ist sie aber nicht.
      Auf den Seiten der Uni Bonn findet man eine Übersicht
      https://www.psychologie.uni-bonn.de/de/abteilungen/entwicklungs-und-paedagogische-psychologie/mitarbeiterinnen-und-mitarbeiter/prof.-dr.-una-m.-roehr-sendlmeier

      Da bleiben also Fragen offen.
      Eine davon wäre, was die Kinder eigentlich nach dem 1. Schuljahr im Deutschunterricht gemacht haben, da “Fibel” ja das Werk für den Erstunterricht ist und in der Regel im 2. SJ von etwas anderem abgelöst wird. Der Unterricht zum Rechtschreiben ist ja mit dem 1. SJ nicht beendet.

      Ob man die Ergebnisse der ZP10 auch am Lehrwerk der 5. Klasse ablesen kann?

  8. Was ich auch absurd finde und bei meiner Tochter erlebt habe, ist, dass die Grundschullehrer “in den höheren Klassen” zwar die Hefte und Texte der Schüler korrigieren, also Fehler anstreichen, aber danach nichts folgt. Was macht das für einen Sinn? Das Falsche muss doch vom Kind korrigiert werden, damit es sich die richtige Schreibvariante einprägt.

    Ebenso empfinde ich es für das Erlernen der Rechtschreibung hinderlich, wenn generell kaum noch geschrieben wird, weil nur noch Lücken auf Arbeitsblättern oder in Arbeitsheften ausgefüllt werden und es kaum noch Tafelanschriebe gibt, die die Schüler ins Heft übertragen sollen. Klar, es ist für den Lehrer schön einfach: Arbeitsblatt kopieren / Arbeitsheft aufschlagen und los. Kein mühevolles, immer wieder neues Anschreiben an die Tafel (währenddessen man von hinten womöglich mit Papierkügelchen beworfen wird). 🙂 Merksätze stehen so schön im Buch. Beim Vorlesen / Durchlesen hört die Häfte der Schüler gar nicht zu.

    Ist das eigentlich eine Begleiterscheinung der “Reichen-Methode”?

    • Die Arbeitsblatt-Problematik ist bekannt, doch wenn Kinder Anfang Klasse drei fast eine ganze Stunde brauchen um drei Sätze zu abzuschreiben (und die auch noch falsch) dann wird es ein dickes Zeitproblem….Ich schreibe möglichst viel an die Tafel, habe dann aber Schüler, die nach einer Schulstunde nur die Hälfte im Heft hat. Und in den Klassen sitzen eben nicht schön vorsortiert nur starke Schüler. Wenn man voran kommen will mit den Inhalten bleibt einem manchmal nichts anderes übrig als mit einem AB die Kernaussagen der Stunde festzuhalten. Lieber Sofawolf, hospitiere doch mal freiwillig ein Schuljahr regelmäßig in der Grundschule, dann werden vielleicht einige Fragen geklärt. Gegen konstruktive Kritik ist dann sicher auch nichts einzuwenden.

    • @sofawolf
      wenn schülerinnen nicht zuhören, liegt es a u c h an der lehrerinnenpersönlichkeit, ansonsten unterrichten besser roboter, die mit “der richtigen methode” programmiert wurden.

      ist ihre frage nach dem sinn eine sinnvolle? tipp am rande: richten sie sich doch bitte in einer mail direkt an die kollegin antatt sich im abseits zu echauffieren.

      • @ unverzagte, sparen Sie sich Ihre Belehrungen doch für den Vormittag in der Schule.

        Was für einen Sinn macht es, in einem “Diskussionsforum” zu empfehlen, nicht zu diskutieren, sondern irgendwelche Leute direkt anzuschreiben? Wozu ist dann das “Diskussionsforum” Diskussionsforum (auch wenn es ja eigentlich nur eine Kommentarfunktion ist)? Könnte man dann nicht immer sagen: Schreiben Sie hier keinen Kommentar, schreiben Sie besser die Person selbst an.

        So ein hanebüchener Unsinn! Wissen Sie, was ich anderswo schon sagte oder schrieb?

    • Ach du meine Güte, wo machen Sie denn diese Erfahrungen? Merksätze vorlesen? Ich unterrichte so, dass die Merksätze von den SuS formuliert werden. Die können das nämlich. Und ins Heft schreiben, auch von der Tafel ab können sie prima. Mit Papierkügelchen wurde ich auch noch nie beworfen. Tsss.

      • @ missis. / O.S.

        Die missis. schreibt: “Und ins Heft schreiben, auch von der Tafel ab können sie prima.”

        OlleSchachtel hingegen schrieb: “… doch wenn Kinder Anfang Klasse drei fast eine ganze Stunde brauchen um drei Sätze zu abzuschreiben (und die auch noch falsch) dann wird es ein dickes Zeitproblem….Ich schreibe möglichst viel an die Tafel, habe dann aber Schüler, die nach einer Schulstunde nur die Hälfte im Heft hat.”

        Wie lässt sich dieser Widerspruch klären?

        • @sofawolf: Ich übe das bereits in Klasse 1. Ist ein Steckenpferd von mir, in Deutsch-und Mathehefte schreiben zu lassen, auch schon in Klasse 1. So richtig mit Kästchen- und Zeileneinhalten. Nicht nur, aber auch. Von Anfang an.

          • @ missis., Olle S.,

            das heißt also, Olle Schachtel hat mit ihrer Aussage Unrecht.

            Waren Sie nicht beide Grundschullehrerinnen?

        • Anderer Ort, andere Zusammensetzung der Klasse. Sind sie überhaupt Lehrer (der den Beruf auch ausübt)? Ich zweifle etwas daran, wenn ich solche Fragen lese. Es gibt riesige Unterschiede je nach Einzugsgebiet. An einer Berliner Brennpunktschule haben sie andere Schüler (mit anderen Problemen) vor sich sitzen, als in einem Pfälzer Dorf beispielsweise. Bei uns unterscheiden sich die zwei benachbarten Gymnasien schon enorm, durch Einzugsgebiet, pädagogischer Haltung etc……

          • Liebe Olle Schachtel,

            als ich oben davon schrieb, dass Kinder kaum noch von der Tafel ins Heft abschreiben müssen und oft nur noch Lücken in Arbeitsheften oder auf Arbeitsblättern ausfüllen (aus der Erfahrung meiner Tochter) , entgegneten Sie mir und nannten dies doch wohl als Begründung, dass es ewig lange dauern würde und deshalb oft unmöglich sei in der Praxis. Dabei differenzierten Sie nicht danach, dass es an anderen Orten, in anderen Klassen, in anderen Schulformen usw. aber durchaus möglich sein kann. Was denn nun? Gilt also Ihre Aussage nur für Ihre Klasse(n), denn für die Klasse(n) der missis. gilt es anscheinend nicht.

            Für meine Klasse(n) gilt das übrigens auch nicht. Die müssen das übrigens oft machen und werden dann auch mit der Zeit immer schneller und besser darin (auch was das fehlerhafte Abschreiben anbelangt). Nichts wird schließlich besser dadurch, dass man es einfach nur vermeidet. Sind Sie wirklich Lehrerin? Dann wüssten Sie das ja. (kleine Retourkutsche)

          • Es wird nicht vermieden, aber wenn ich alle Themen des Stoffplans erfüllen will ( und da kommen auch klare Forderungen von den Gymnasien) dann kann ich nicht immer alles im Schneckentempo bearbeiten.
            Alles was ich schreibe, beziehe ich auf meine Situation, da sich logischerweise mein Erfahrungshorizont auf meine Umgebung bezieht und ich selten in verschiedenen Städten oder Bundesländern arbeite. Hat ihre Tochter den Sprung ins Gymnasium nicht geschafft oder weshalb sind sie so angefressen? Haben sie jemals offen das Gespräch mit den Lehrerin gesucht oder sind sie ihr auch mit ihrer gymnasialen Überheblichkeit gekommen.
            Die Lehrereltern meiner Klasse (dieses Jahr tatsächlich aus allen Schularten) haben mir zu verstehen gegeben, dass sie sehr zufrieden sind wie die Kids vorbereitet werden. Und bei den Gesprächen mit den weiterführenden Schulen ( die bei uns immer nach acht Wochen stattfinden) habe ich die Rückmeldung dass meine Schüler alles notwendige können und die Schreibgeschwindigkeit zu den Erwartungen der jeweiligen Schulart passen.
            Komisch dass sie nicht auf den Vorschlag einer Hospitation eingegangen sind.
            Mir scheint, ihr subjektiver Erfahrungshorizont mit ihrer Tochter lässt sie vergessen, dass selbst in einer Stadt große Unterschiede in den Schulen herrschen können.
            Ich verstehe ihren Ärger, wenn es in der Klasse ihrer Tochter nicht gut lief, ich habe mich auch über das Gymnasium meiner Tochter geärgert und die lasche Arbeithaltung der Kollegen. Daraus habe ich Konsequenzen gezogen und das Kind die Schule wechseln lassen. Und oh wunder, es war sinnvoll.

  9. Jedem Lese-Schreiblehrgang, jeder Fibel liegt heutzutage eine Anlauttabelle bei, damit man noch einmal nachschauen kann, wie die Buchstaben gehen, das hat mit Lesen-Durch-Schreiben nichts zu tun. Das haben alle Werke, kein Wunder, dass viele Eltern denken, bei ihrem Kind würde die Methode auch angewendet.

    • Ich denke, die Eltern sind weit weniger skeptisch wegen einer Anlauttabelle in einer Fibel, als vielmehr deswegen, weil sie nicht korrigierend eingreifen dürfen, wenn ihre Kinder jahrelang Texte über “Oilen” und “Rüdmuß” verfassen – und dann ein zweites Mal schreiben lernen müssen.

      • Als ob sich Eltern das verbieten lassen würden …. Das wäre ja erstaunlich, wenn ausgerechnet in diesem Punkt das Wort der Lehrer ernst genommen würde!

        • Doch das tun sie. Sie lassen sich verunsichern, wenn die “Fachleute”, die Lehrer, ihnen sagen, das gehöre ganz wichtig zur Methode. Die vielen Fehler gehen ihnen zwar gegen das Gefühl, doch sie wollen ja nichts Falsches machen.

        • Es hat ja auch niemand behauptet, dass sich die Eltern daran halten. Im Gegenteil! Aber allein die Tatsache, dass dieses “Korrekturverbot” Teil einer Leselernmethode ist, die offensichtlich massiv dazu beiträgt, dass ihre Kinder nicht mehr richtig schreiben lernen, macht die Methode in den Augen der Eltern (und nicht nur in deren!) zum absoluten Unding.

          • Avl: Ich gebe Ihnen Recht, (nicht nur) bei der Anlauttabelle kommt es ganz entscheidend darauf an, wie man diese Medien im Unterricht einsetzt.
            Obwohl ich kein Anhänger der kritisierten Methoden bin, weiß ich aber auch, dass in der Tat viele Pauschalurteile darüber in der Welt sind. Und je größer dieUnwissenheit, desto pauschaler, plakativer und massiver die Kritik – leider. Das wissen Sie aber selber sicherlich auch, immerhin haben Sie sich mit dem Schriftspracherwerb intensiv auseinander gesetzt und dabei sicherlich auch viele dieser pauschalen und unsachlichen Vorurteile erfahren.

        • @Emil
          Ja , Anlaut-Tabellen sind in jeder Fibel enthalten.
          Es kommt aber darauf an, wie man diese im Unterricht einsetzt.
          Dienen diese als Merkhilfen oder setzt man diese direkt im Anfangsunterricht beim freien Schreiben nach Scharrelmann /Ganzberg ein, lässt also die eigenständige Anwendung der abgebildeten Grapheme im Laut orientierten Schriftspracherwerb zu, wobei dann Fehler gemacht werden, und so diese nicht korrigiert werden, werden sich eigene Regeln der Kinder ausbilden.
          Solange Lehrerinnen den Lernprozess des Schriftspracherwerbs und des Leseerwerbs als” natürlichen Vorgang”, wie das Erlernen des Laufen Lernens begreifen und korrigierende Interventionen unterbleiben, solange wird sich auch an den Lernerfolgen nicht viel ändern.

      • Ich denke,
        a) Sie, AB, hören und sehen nicht, mit welchen Bedenken und Fragen Eltern zum allerersten Elternabend VOR der Einschulung kommen.
        b) niemand hat von jahrelangen, nicht korrigierten Texten gesprochen, denn eine Fibel ist ein Werk des 1. Schuljahres, danach folgt anderes. Es sind genau solche Äußerungen, die immer wieder Ansätze verfälscht darstellen und Behauptungen aufstellen, die dann in Grundschulen Konflikte schüren, die mühsam aufgegriffen und mit Wissen um Methoden den Eltern erläutert werden müssen.
        c) dass die Kinder nicht erneut “schreiben” lernen müssen, sondern ihre Rechtschreibung verbessern sollten. Die Motorik und Schreibrichtung beherrschen sie in der Regel bereits. War Ihnen nicht neulich die Wortwahl so ausgesprochen wichtig? Bitte beherzigen Sie das doch auch für Ihre eigenen Beiträge!

        • Mache ich. Ich schreibe sogar ganz explizit von einer Leselernmethode. Das ändert aber nichts daran, dass genau diese Leselernmethode an ihren völlig absurden “Nebenwirkunge” gescheitert ist.

      • Wer spricht denn von jahrelang? Der Rechtschreibunterricht setzt spätestens ab Klasse 2 ein und auch bei der Methode Lesen-durch-Schreiben werden sicherlich Regeln bezüglich der Rechtschreibung thematisiert. Es wird nicht verbessert, aber was fängt ein Kind in der 1. Klasse mit einem Text an, in dem lauter Fehler rot markiert sind? Reflektiert es: “Ah, ich schreibe Fahrrad mit h?” Das pure Anstreichen der Fehler bringt nichts, wenn müssten die ganzen individuellen Texte und Wörter verbessert werden. Die Kinder schreiben auch viel schwierigere Wörter als in einer Fibel anfangs vorkommen. Da stehen so Sätze wie “Mimi im (und dann kommt ein gemalter Schuh), während ein Kind, das nach der Lesen-durch-Schreiben-Methode vllt. schreibt: “Mein Lieblingstier ist ein Pferd.” Dass es sich diese schwierigen Wörter rechtschriftlich nicht merken kann, ist klar. Daher wird auch gar nicht erst korrigiert und auch um die Motivation zu erhalten. Beim Fibellehrgang, bei dem alle die gleichen wenigen Wörter oder Silben schreiben, kann ich einfacher einzelne Wörter mit allen Kindern üben und Problemstellen suchen.

      • @mississippi
        Zitat: “Es wird nicht verbessert, aber was fängt ein Kind in der 1. Klasse mit einem Text an, in dem lauter Fehler rot markiert sind?”
        Da die LdS-Methode angeblich so gut wie nie “reinrassig” praktiziert wird, frage ich mich, um was für Texte mit lauter rot markierten Fehlern es sich handelt?
        Nur Kinder, die in Druckschrift und mit Anlauttabelle in der 1. Klasse “kreative” Texte verfassen, können vor lauter rot angestrichenen Fehlern sitzen.
        Und auch dann ist das Szenario noch unwahrscheinlich, weil über die Fehler ja hinweggesehen werden soll, um die schriftstellerische Lust am freien Schreiben ohne Rechtschreibzwänge nicht zu behindern.
        Also doch reinrassiges Schreiben nach Gehör?

  10. Es ist doch ganz einfach: Wenn – und das ist nicht zum ersten Mal (vgl die Untersuchungen von Peter Mai in HH in den 90-ern oder die Studien von Steinig vor einigen Jahren) – eine Studie wie die der Uni Bonn erschreckend klar (eine solche Signifikanz findet sich selten in wissenschaftlichen Studien) herausarbeitet, dass eine Methode wie LdS so katastrophale Ergebnisse bezüglich der erreichten Rechtschreibkompetenz erzielt, dann kann es doch keine ernsthaften Zweifel darüber geben, dass die Politik die ausschließliche oder vorwiegende Orientierung an dieser Methode abstellen muss.
    Da ist dann auch die Debatte darüber müßig, wieviele Grundschulen sich ausschließlich oder überwiegend daran orientieren. Sind es wenig, gut, sind es – wie ich aus den Reaktionen mancher Verbände und vieler Eltern schließe – doch mehr, dann ist diese politische Anweisung um so wichtiger.
    Wie heute die WELT zu Recht feststellt, kann es doch nicht sein, dass die Chancen eines Kindes, eine korrekte Rechtschreibung zu erlernen, vom Grundschulsprengel, also vom Wohnort abhängt.
    Bei vielen LdS verteidigenden Kommentaren, habe ich den Eindruck, es geht weniger um die Ergebnisse der Studie, sondern darum, dass man von so manchen mittlerweile stark kompromittierten reformpädagogsichen Zöpfen partout nicht lassen will.

    • @ Conni manche mögen halt traditionell bewährte zöpfchen, während andere sich an erkenntnisgeleiteten studien orientieren: eine methode allein macht keine katastrophalen ergebnisse und wissenschaftliche evaluationen gibts auch mehr als eine, nicht wahr?

        • …solide, bewährtes sprichwort: “was die bäuerin nicht kennt, das schmeckt ihr auch nicht”
          soll so gesehen die angebliche abenteurerin nur schöne kartoffeln ernten?

      • “wissenschaftliche evaluationen gibts auch mehr als eine, nicht wahr?”

        Also alle wissenschaftlichen Studien und Evaluationen in die Tonne treten? …
        Ich bin nicht mit allem einverstanden, was im Umfeld von PISA, IGLU, VERA, TIMSS und IQB-Studien für mehr oder minder kluge Schlüsse daraus für die Schulen gezogen worden sind.
        Abere eines hat diese Orientierung an wissenschaftlicher Expertise doch gebracht: Das sich in die Tasche Lügen der Mehrheit der Bundesländer, was für tolle und erfolgreiche Bildungspolitik jeweils gemacht wird, hat abrupt ein Ende gefunden.
        Auch die Reformpädagogik sollte sich nicht weiter gegen Evaluationen immunisieren …

  11. Die Mehrheit der 7.5 Mill funktionalen Analphabeten (siehe http://www.alphabetisierungen.de) haben nicht nach der Methode gelernt, sondern mit der Fibelmethode. Viele von denen haben in einem VHS-Kurs zum ersten Mal begriffen, dass es einen Zusammenhang mit Laut und Buchstabe gibt. Das ist ein Kern der Lesen durch Schreiben Methode und dass einfach los schreiben Spaß machen kann. Wenn Kinder mit Problemen beim Lesen und Schreiben permanent auf Fehler und Rechtschreibregeln getrimmt werden, verlieren sie den Mut. Das Problem kann nur durch ganz individuelle Unterrichtsmethoden gelöst werden und nicht durch Fibelgleichschritt.

    • Wie wahr!
      Dazu müssen die Bedingungen in Schulen aber so gestaltet sein, dass es für SuS, die bereits dort auffällig sind oder benachteiligt, entsprechende Förderung gibt.

    • Lesen Sie sich die Leo-Studie durch. Diese weist zwischen den einzelnen Altersstufen vom 20 Lebensjahr bis zum 68 keine signifikanten Unterschiede in der Lesefähigket auf, obwohl die älteren Mitbürger von invalidisierenden Erkrankungen betroffen sind, die ihre kognitiven Fähigkeiten ganz entscheident beeinträchtigen könne. Das sind Folgeerscheinungen von Herz-Kreislauferkrankungen, neurologische und psychiatrische Krankheitsbilder, von denen jüngere Menschen noch nicht betroffen sindAber auch der Nichtgebrauch der Fertigkeiten trägt zum Verlernen bei, während die jüngere Generation noch sehr dicht am Schulende angebunden ist. Was passiert mit denen erst , wenn die älter werden?

  12. Egal, trotz welcher Methode die Kinder lesen lernen, ich begrenze den Zeitraum auf Klasse 1, denn da können sie es normalerweise, wichtig ist, dass sich spätestens ab Klasse 2 ein gut strukturierter Rechtschreibunterricht anschließt, der aber auch nach Klasse 4 noch in Teilen weitergeführt werden sollte.

  13. Zitat Conny: “Wenn … eine Studie wie die der Uni Bonn erschreckend klar … herausarbeitet, dass eine Methode wie LdS so katastrophale Ergebnisse bezüglich der erreichten Rechtschreibkompetenz erzielt, dann kann es doch keine ernsthaften Zweifel darüber geben, dass die Politik die ausschließliche oder vorwiegende Orientierung an dieser Methode abstellen muss.”

    Ja, und zwar besser heut’ als morgen.

  14. Vielleicht noch ein kleiner Hinweis zu der etwas verzerrenden, leicht manipulativen Darstellung von Herrn Priboschek bezüglich des Leistungsstands unserer Grundschulen. Er spricht in seinem obigen Meinungsbeitrag von nur “leichten Leistungseinbußen” bundesdeutscher Grundschulen im internationalen Vergleich, während sozusagen die weiterführenden Schulen die großen Sorgenkinder seien mit einem schlechten Abschneiden bei PISA usw.

    Leider hinkt da die Bestandsaufnahme von Herrn Priboschek der tatsächlichen Empirie um gut 10 Jahre hinterher. Ich zitiere aus der Hamburger Erklärung von Kirsten Boie u.a.:

    “Laut der (aktuellen IGLU-) Studie kann jeder fünfte Zehnjährige in Deutschland nicht so lesen, dass er Texte richtig versteht. Zwar gebe es einen Anstieg bei lesestarken Kindern der vierten Klasse, aber auch die Zahl der Grundschüler mit Leseschwächen sei gestiegen. Die Leseergebnisse hingen zudem stark von der sozialen Herkunft ab. Im internationalen Vergleich sei Deutschland damit seit 2001 von Platz 5 auf Platz 21 von 47 beteiligten Ländern abgerutscht. Deutschland liegt damit unter dem EU- und unter dem OECD-Durchschnitt.”

    Während also die deutschen Grundschulen von 2001 bis 2016 um 16 Plätze abgerutscht sind, habend sich die 15-jährigen bei PISA in Mathematik und Naturwissenschaften in die Spitzengruppe und im Leseverständnis ins obere Drittel hochgearbeitet.

    Das hat gar nichts mit einem Grundschullehrer-Bashing zu tun, sondern zeigt lediglich in aller Deutlichkeit, wo sich derzeit im deutschen Bildungssystem die Probleme ballen: an den Grundschulen und an den Brennpunktschulen. Da geht es um Lehrermangel, Inklusion, Integration, aber auch um unpassende Lehrmethoden, Kollateralschäden einer falsch verstandenen Reformpädagogik und eine unfähige Bildungspolitik.

    • So genau scheint sich der Chef von News4teachers, dem ich allerdings an dieser Stelle ausdrücklich für die Bereitstellung dieser lebendigen Info- und Diskussionsplattform Dank und Anerkennung aussprechen möchte, gar nicht mit dem Thema befasst zu haben, sonst würde er nicht gleich im ersten Satz zweimal eine nicht korrekte Bezeichnung für die Reichen-Methode verwenden. Es heißt nicht “Lesen wie Schreiben” sondern “Lesen durch Schreiben” und auch nicht “Schreiben wie Hören” sondern “Schreiben nach Gehör”. So und jetzt pack ich die Oberlehrerin wieder in die Kiste.

      • Liebe Conny,

        Sie haben Recht – in zweierlei Hinsicht. Zum einen, was die Bezeichnung der Methode Reichen angeht (die allerdings, das sei zu meiner Entschuldigung gesagt, unter einigen Namen läuft, die allesamt kryptisch sind wie “Schreiben nach Gehör”. “Schreiben wie Hören” gibt’s übrigens tatsächlich auch). Ich hab’s im Beitrag korrigiert.

        Zum anderen haben Sie aber auch damit Recht, dass ich mich nicht besonders intensiv mit der Methode auseinandergesetzt habe. Das muss ich auch nicht – ich wende sie nicht an. Ich bin Vater von drei Kindern und Journalist, kein Lehrer.

        Genau darum geht es ja: Ich maße mir als Nicht-Pädagoge nicht an, eine pädagogische Methode zu beurteilen. Dafür sind Lehrer mit ihrer Fachkompetenz ja nunmal da. Natürlich kann und soll die Bildungsforschung Erkenntnisse liefern, die als Grundlage der Lehrerarbeit dienen. Dazu bedarf es aber einer seriösen Einordnung von Untersuchungsergebnissen – und die vermag ich bei der Rezeption der Studie zu “Lesen durch Schreiben” (richtig so?) beileibe nicht zu erkennen.

        Schlimmer noch: Die Diskussion hat mittlerweile ein Niveau erreicht, das Mobbing gleichkommt. Es gibt, klar, Bildungsprobleme (die gibt es immer) – und einer schiebt die Verantwortung dafür auf den anderen. Am Ende dieser Kette stehen die Grundschullehrer, die nicht über den politischen Einfluss verfügen wie etwa die Gymnasiallehrer und deshalb als Sündenböcke herhalten müssen. Das Spiel ist so durchsichtig. Und es hat keinerlei konstruktiven Gehalt.

        Wenn es ernsthaft so sein sollte, dass Grundschullehrer über Jahrzehnte völlig unreflektiert Millionen von Kinder mit einer “esoterischen” Methode unterrichtet haben sollten (was ich für einen absurden Vorwurf halte) – dann müssten die Konsequenzen sehr viel umfassender sein, als nur diese eine Methode zu verbieten. Dann müssten wir ernsthaft darüber sprechen, wie das geschehen konnte und wie das künftig zu verhindern ist – die Erde steht ja nicht still, und auch die Pädagogik entwickelt sich (hoffentlich). Wenn Lehrer keinerlei Kompetenz hätten, neue Methoden und Materialien zu beurteilen und sinnvoll in ihren Unterricht zu integrieren, dann wäre dies ein Problem, das das gesamte Schulsystem in seinen Grundfesten erschüttert.

        Aber, wie gesagt: Ich halte das für einen absurden Vorwurf. Schon die früheren internationalen Leistungsvergleiche der Grundschulstudien IGLU und TIMSS zeigen, dass das nicht sein kann.

        Herzliche Grüße
        Andrej Priboschek

        Herausgeber News4teachers

        • “Dann müssten wir ernsthaft darüber sprechen, wie das geschehen konnte und wie das künftig zu verhindern ist” (redaktion)

          In der Tat, dass müsste mannicht nur, das muss man unbedingt tun. Dass sich eine Unterrichtsmethodik in Deutschland an Grundschulen ausbreiten konnte, ohen dass jemals dazu ein staatlicher Modellversuch oder eine mehrjährige Evaluation vorgeschaltet wurde, halte ich tatsächlich für skandalös, egal ob da jetzt Millionen oder nur ein paar 10 000 Kinder danach unterrichtet wurden.

          • Ausbreitung bei 3% der Schulen, hmmm.

            Dann hätte ich gerne auch den Modellversuch für jede Fibel und jedes Schulbuch gesehen und noch viel lieber für die Inhalte, die bei der Umstellung auf G8 in die Grundschulen gestopft wurden und dort nun verbleiben und auch sehr gerne den für die von oben verordnete Kompetenzorientierung und den Modellversuch dafür, dass sich Curricula alle 4-6 Jahre drehen und dass sich Bestimmungen und Vorgaben in allen Bereichen im Halbjahreszeitraum überholen.

            Ysnp hat es gut beschrieben: Lehrkräfte bilden sich fort, Sie adaptieren, was sinnvoll erscheint.
            Sie wählen die Methoden anhand der Schülerschaft aus, die vor ihnen sitzt und begegnen dabei der erheblich größeren Heterogenität und – in Klasse 1 sehr deutlich – den weit geringeren Lernvoraussetzungen, jüngeren SuS und verbreiteten Störungen in Sprache, Motorik, Sozialem etc. Und sie adaptieren Methoden hinsichtlich ihrer eigenen Persönlichkeit, verknüpfen sie mit Bewährtem, binden Zwischenschritte ein oder wagen Neues, wenn Älteres nicht mehr gut genug erscheint oder inzwischen zu wenige Kinder erreicht.
            Unterricht wie vor 25 Jahren wird keine vernünftige Lehrkraft erteilen, wenn Sie sich fortbildet und die Schülerschaft im Blick hat.
            Lang angelegte Studien mit transparenten Erhebungen und Ergebnissen kann es gerne geben, dann müsste aber ein Aufwand wie in der Medizin oder größer betrieben werden. Wie lange dauert es dort vom Beginn einer Studie bis zu ihrem Abschluss?
            Für das Alltagsgeschäft kann man sich diese Ergebnisse ansehen, das gehört zur Fortbildung dazu. Man wird Ergebnisse auch berücksichtigen, dabei aber immer auch die eigene Lerngruppe im Blick haben müssen.
            Die allein seligmachende Methode wird es nicht geben… und das perfekte Schulbuch auch nicht.

          • Conny schrieb: “Dass sich eine Unterrichtsmethodik in Deutschland an Grundschulen ausbreiten konnte, ohen dass jemals dazu ein staatlicher Modellversuch oder eine mehrjährige Evaluation vorgeschaltet wurde, halte ich tatsächlich für skandalös, egal ob da jetzt Millionen oder nur ein paar 10 000 Kinder danach unterrichtet wurden.”

            Richtig. Noch skandalöser ist nur, dass es jetzt genau solcher Studien/Evaluationen bedarf, um eben diese “Unterrichtsmethodik” endlich vollständig loszuwerden.

  15. Für alle, die den Kommentar von Susanne Gaschke in der “Welt”, auf den Herr Priboschek sich oben bezieht, nicht gelesen haben, hier eine zentrale Passage daraus. Frau Gaschke schreibt u.a.:

    “Bittere Ironie: Die Leselernmethode, die nicht diskriminieren und nicht demotivieren sollte, hat die soziale Spaltung verschärft. Und außerdem dazu geführt, dass sich bis in alle gesellschaftlichen Kreise hinein eine fundamentale Unsicherheit darüber ausgebreitet hat, wie man richtig schreibt. Das gilt für Universitätsstudenten ebenso wie für Auszubildende in Handwerksberufen.

    Aber so ist es mit vielen der gnadenlos verfolgten ideologischen Reformansätze: Sie geben gern vor, den Schwachen zu helfen, und zementieren in Wahrheit die Ungerechtigkeit, die sich aus der sozialen Herkunft ergibt. Der ‘offene Unterricht’, um ein Beispiel zu nennen, erlaubt es den souveränen Schülerinnen und Schülern, sich zu profilieren; den Chaoten, chaotisch zu sein; den Schüchternen, die vielleicht einiges beizutragen hätten, erlaubt er, mit der Tapete zu verschmelzen.

    Die Inklusion, die mit besseren Chancen für Kinder mit Behinderungen begründet wird, ist in den allermeisten Fällen nur eine schlecht kaschierte Sparmaßnahme – wenig hilfreich bis grausam für die Kinder, die wirklich Förderung, Rücksicht und Sensibilität brauchen, und verwirrend für alle anderen Schüler, die auf einmal feststellen, dass für Leistung vielerlei Maßstäbe gleichzeitig gelten.”
    https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus181568024/Schreiben-lernen-Solche-Bildungsexperimente-zeigen-Verachtung-fuer-Kinder.html?wtrid=onsite.onsitesearch

  16. Zum Beitrag von Emil am 19.9. 14.14
    Ich kann mir schon vorstellen, woran das lag, dass vor ca. 25 Jahren diese Methode propagiert wurde. Bayern ist ja meistens ein bisschen vorsichtger (bis auf das G8) und später, bis etwas festgeschrieben wird.

    Ich kann mich noch erinnern, dass man uns bei der Einführung des Lehrplans 2000 vor ca. 20 Jahren gesagt hatte:
    Jetzt kämen viele Schüler mit besseren Voraussetzungen in die Schule. Deswegen stiege man in Mathematik höher ein (das waren die Schüttelboxen) und man könne auch mit der Anlauttabelle arbeiten, damit die Guten schneller zum Lesen und Schreiben kämen.
    Man versuchte hier weg von der Kleinschrittigkeit zu gehen und hin zu globaleren Ansätzen, damit in der wachsenden Heterogenität für jeden etwas dabei wäre.
    Wir hatten den Eindruck, dass die Elternlobby der begabteren Schüler beim Lehrplan 2000 (damals unter der Kultusministerin M. Hohlmeier) ein größeres Mitspracherecht hatte.
    Wir hatten damals schon unsere Bedenken und viele sagten, der Lehrplan 2000 ist eine Überforderung für die schwächeren Schüler.
    Viele KollegInnen haben mit der Zeit dann ihre eigenen Wege im Lehrplan 2000 gefunden, um auch den schwächeren Schülern Rechnung zu tragen, denn alles so eins zu eins umszusetzen – vor allem im Anfangunterricht – hatte sich in manchen Ansätzen nicht bewährt.
    Zur Ehrenrettung des inzwischen alten Lehrplans: Er hatte auch viele gute Neuerungen dabei, vor allem was das Praxisorientierte und die Reflexionsebene betraf.

    • @ Herr Pribotschek, wie ich jetzt erst sehe, der Beitrag von ysnp bestätigt ja geradezu, was ich eben (unter diesem Beitrag) schrieb.

    • Vielleicht muss man dann mal die neu entstehenden Lehrpläne verschiedener Bundesländer ansehen, die in den letzten 25 Jahren veröffentlicht wurden.
      Vieles ist quer durch alle BL gleich und ich weiß auch, dass Leute, die in Nds. an Konzepten schreiben, in anderen BL abgeschrieben haben, was sie gut fanden.
      Die Entwicklung in den BL ist offenbar parteienunabhängig von anderer Seite beeinflusst oder gesteuert, wie man auch an der Einführung anderer Schulformen erkennen kann.

      An Lehrwerken und den ständigen Neuauflagen kann man zudem sehen, was Lehrkräfte an Verlage hinischtlich der Arbeit mit den Materialien zurückmelden. Gab es 2006, nach unseren neuen Curricula, zunächst viele neue Methodenansätze in den Büchern, kehrten die Verlage bei jedem Neudruck ein wenig mehr zu den Klassikern zurück. Das ist aber keine Bestätigung dafür, dass neue Methodenansätze generell schlechter wären. M.E. entwickelt sich Schule nur sehr langsam und Kollegien sind an altem verhaftet, weil sie es als “bewährt” betrachten UND weil sie zurzeit angesichts der völligen Überfrachtung der Arbeit nicht zusätzlich in Neues einarbeiten wollen.

      Zudem sitzen auch in Kommissionen Lehrkräfte und während du, ysnp, erwähntest, dass ein neues Curriculum vorab an Kollegien geht und es Rückmeldungen geben kann, hat man in Nds. eher den Eindruck, dass sie im Elfenbeintrum mit ein paar Lehrkräften zusammengebaut werden. Sitzt dort die “Lapbook”-Fraktion, wird dies plötzlich in den Vorgaben aufgegriffen, sitzen dort andere, ist – zumindest in den Curricularen Vorgaben – etwas anderes genannt. Die grobe Richtschnur gibt das Ministerium vor.

      Wer Curricula kennt, weiß aber, dass dort Kompetenzen stehen und keine einzelnen Unterrichtsschritte oder Bausteine. Den Weg entscheiden die Kollegien souverän.

  17. @ A. Pribotschek (Zitat): “Wenn es ernsthaft so sein sollte, dass Grundschullehrer über Jahrzehnte völlig unreflektiert Millionen von Kinder mit einer “esoterischen” Methode unterrichtet haben sollten (was ich für einen absurden Vorwurf halte) – dann müssten die Konsequenzen sehr viel umfassender sein, als nur diese eine Methode zu verbieten.”

    Sie sagen ja selbst, dass Sie “nur Vater und Journalist” sind und nicht Lehrer. Lehrer, je älter und erfahrener, desto mehr, wissen, dass alle paar Jahre eine neue Methode erfunden wird, nach der die Kinder angeblich besser und nachhaltiger lernen als bisher – und mit mehr Freude. Im Fachbereich Didaktik haben angehende Lehrer das (je nach Fach) kennengelernt; in der Praxis erleben sie es später wiederholt mit. Insofern, will ich sagen, ist es ganz normal für uns, dass sich eine Methode nach einiger Zeit als “doch nicht so toll” herausstellt, nach der man ausgebildet wurde und womöglich jahrelang arbeitete und manche waren zunächst Feuer und Flamme und andere immer schon skeptisch bis ablehnend. Das ist völlig normal. Das passiert immer wieder. Pi mal Daumen alle 20 Jahre eine neue alleinseligmachende Methode. Was heute gilt, hat auch einmal Älteres schlechtgeredet und verdrängt.

    Fatal finde ich hingegen, dass neue Methoden oft von jenen ersonnen werden, die selber nicht als Lehrer arbeite(te)n. Das rächst sich immer wieder!

    • @sofawolf
      Das ist anders:
      Lehrkräfte wissen, dass es nicht DIE EINE allein seligmachende Methode gibt.
      Sie differenzieren und wählen unterschiedliche Methoden aus einer großen Vielfalt aus.

      Dass neue Methoden von jenen entwickelt würden, die gar nicht als Lehrkräfte arbeiten, halte ich für ein Gerücht. Können Sie das mit einem Beispiel ausführen?
      Meiner Beobachtung nach sind es die engagierten Lehrkräfte, die aus der Notwendigkeit und Beobachtung des Alltages heraus selbst etwas entwickeln und im Unterricht nutzen, dass es bisher in bestehenden Lehrwerken und Konzepten nicht gibt oder nicht flächendeckend bekannt ist. Dies wird früher oder später von Verlagen aufgegriffen und dann ggf. auch vermarktet.

    • Das kann ich bestätigen, sofawolf.
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass Grundschullehrer – vor allem die etwas erfahrenen – völlig unreflektiert neue Methoden übernehmen. Ich habe das noch nie erlebt! Wie sofawolf schon schrieb – frisch von der Uni sind die Lehramtsanwärter in der Regel überzeugt von dem, was sie hörten und beurteilen die Dinge der älteren Lehrer erst einmal kritisch. In der Vergangenheit gab es immer wieder Lehramtsanwärterinnen, die sehr selbstüberzeugt waren (aber doch ihre Lektion lernen mussten).
      Der erfahrenen Lehrer schauen sich gerne neue Methoden mit Hilfe von Fortbildungen an in der Hoffnung, ihren Unterricht optimieren zu können. Wenn man denkt, das wäre etwas, probiert man es aus. Wenn die Sache keine Verbesserung bringt, dann lässt man es wieder. Ansonsten adaptiert man Impulse, verändert, passt an. Das machen viele Grundschullehrer. (Ich kenne keinen, der es nicht macht.) Außerdem passt man auf die aktuelle Klasse an. Die Schülerschaft ist heute anders als vor 25 Jahren, deswegen wird kein Grundschullehrer mehr haargenau so unterrichten wie vor 25 Jahren.

  18. Wenn Herr Priboschek sich mit seit Jahren verfügbaren Hintergrundinformationen zur “Lesen durch Schreiben” (siehe http://www.grundschulservice.de/) auseinandergesetzt hätte, dann bräuchte man keine derart fachlich schwachen Kommentare von ihm lesen. Da im Vergleich zur Regelorthographie Alltagsdeutsch oder gar Dialekt sprachlich deutlich unschärfer/abweichend/schlampiger gesprochen wird, muss diese Diskrepanz von Klasse 1 an bewußt gemacht werden. Alles andere ist pädagogische Traumtänzerei, die Bildungskarrieren gefährdet.

    • Günter Jansen, inzwischen 78, der die verlinkte Seite betreibt, sammelt Sinnvolles und weniger Sinnvolles, was gegen LdS und die Reformpädagogik spricht. Diese Seite darf nicht die einzige Informationsquelle sein, man muss da noch anderes Hintergrundwissen haben und sorgfältig differenzieren.

      • Die Angabe des Alters bei Herrn Jansen soll wohl der versteckte Hinweis darauf sein, dass da ein Yesterday-Man gegen LdS nörgelt. Warum nicht auch hinter die Reformer und LdS-Befürworter Brügelmann (72) und Barnitzky (78) die Altersangaben schreiben? Besser wärs aber natürlich völlig ohne Altersdiskriminierung!

          • Ich möchte damit sagen, dass den Älteren, je älter sie werden, der aktuelle Praxisbezug verloren geht, wenn sie nicht mehr im aktiven Dienst stehen und die heutige Schülerschaft nicht mehr aktiv erfahren. Das gilt für Herrn Brügelmann und Co. genauso.
            @AvL
            Ich weiß, dass Sie Ihre Informationen von dieser Seite haben, Sie haben öfter darauf hingewiesen. Mir gefällt dort eben nicht, dass wirklich alles hergezogen wird, was gegen das spricht, gegen das man ist; es wurde z.B. schon öfter hier geschrieben, dass die fragwürdige Nazizugewandtheit von manchen Reformpädagogen nichts mit deren Konzept, was man heute verwenden kann, zu tun hat. Das wird z.B. von Herr Jansen hochgehalten. Da spätestens werde ich misstrauisch. Das ist mir dann doch zu militant.

          • @ysnp
            Allerdings zeigt Herr Jansen keine Gegenentwürfe und Methoden auf, mit denen man alternativ arbeiten kann. Das muss man sich dann in mühsamer Arbeit selbst erschließen und durch Austausch mit anderen sich erarbeiten.
            Wichtig für mich ist und war immer der strukturierte Zugang zu den Lerninhalten.
            Jansen setzt überwiegend auf Kritik, die alleine hilft nicht weiter.

          • @ysnp
            Man kann und darf meiner Meinung nach nicht die selbst formulierten, ideologischen Ziele eines Reformers der Schulpädagogik, der sich auch nach dem Zusammenbruch des SS-Staat über eine inkonsequente Ausführung einer rassischen Reinigung echauffierte, nicht außer acht lassen.
            Schließlich wurden andere deutsche Reformpädagogen, so der Bremers Fritz Karsen entweder aus dem Land gejagt oder in Konzentrationslagern der Nazis, wie Frau Minna Specht, grausam ermordet, während andere namhafte Pädagogen, so wie Petersen oder Spranger, Nohl und Weniger, unbeirrt in ihren Positionen belassen wurden , um selbst nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus , noch weiter beruflich tätig zu sein.
            Die Reformpädagogik der 20er Jahre gibt kein einheitliches Bild wieder. Schließlich entsprang diese Bewegung zwei verschiedenen Lagern, wobei Petersen, ob seiner rassistischen Denkweisen und dem mehr autoritären Führungsstil, wohl dem national-völkischen Flügel zuzuordnen ist, während andere, so wie die längst vergessenen um Fritz Karsen sich mehr in Richtung eines John Dewey orientierten, also zwei eindeutig sich widersprechende Zweige repräsentierten.
            Gerade in der heutigen Zeit eines Wiedererstarken deutsch-nationaler Dummheiten, ist eine Abgrenzung gegen derartige Denkstrukturen um so wichtiger.

  19. Die Argumentation des Grundschulverbands und der LdS-Befürworter gegen die neue Bonner Studie mit ihren eindeutigen Ergebnissen lässt tief blicken. Sie geht ungefähr so:

    1. Die Studie ist unseriös, denn es wurden nicht alle Details veröffentlicht.
    2. Selbst wenn die Studie stimmte, wäre, sie irrelevant, weil nur 3 Prozent der Schulen danach unterrichten.
    3. Methoden sind zweitrangig, in erster Linie kommt es auf den Lehrer und seine Kompetenz an.

    Eigentlich müsste also die zusammenfassende These lauten: Studien und Methoden sind irrelevant, jeder Lehrkraft soll machen können, was sie will.

    Für einen Verband, der jahrzehntelang für die Professionalisierung und wissenschaftliche Grundlegung des Lehrberufs gekämpft hat, eigentlich eine desaströse Aussage!

    • Ich lese das ein bisschen anders:
      Wenn die Studie weder der Presse noch der Fachwelt vorgelegt wird, ist es schwierig, sich dazu ein Bild zu machen, weil viele Fragen unbeantwortet sind.

      siehe
      http://www.rechtschreibwerkstatt-konzept.de/wp-content/uploads/2018/09/Offener-Brief-Prof.Dr_.-R%C3%B6hr-Sendlmeier.pdf

      Folglich werden zunächst einmal nur Behauptungen aufgestellt.
      Zu den Ursachen kann man sich gar nicht äußern, wenn die Hintergründe der Studie nicht transparent sind.

      • Dass Sie das “ein bisschen anders” sehen, verwundert nicht.

        Der aktuelle Spiegel hält dieser Haltung folgendes entgegen.

        Zitat: “Die Schreiben-nach-Gehör-Ideologie hat in Deutschland immer noch mächtige Verfechter. Der emeritierte Professor für Grundschulpädagogik Hans Brügelmann lässt gemeinsam mit dem einflussreichen Grundschulverband schon seit Jahren kaum eine Gelegenheit aus, jede Studie anzuzweifeln, die den auf Schreiben nach Gehör basierenden Methoden ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Brügelmann vertritt die Meinung, perfekte Rechtschreibung sei nicht das Wichtigste.

        Kaum war die erste Meldung über die aktuelle Studie in der Welt, versuchte er, die Bonner Forscher von einer weiteren Verbreitung ihrer Ergebnisse in der Presse abzubringen, zumindest vor der vollen Veröffentlichung der Daten.

        Brügelmann weist dies als Unterstellung entschieden zurück; er habe lediglich eine Verbreitung in den Medien ohne nachprüfbare Belege kritisiert. Obwohl die Psychologen versicherten, dass die vollständigen Ergebnisse selbstverständlich so bald wie möglich publiziert würden, verschickte der Grundschulverband eine Stellungnahme, in der er dieses – in der Wissenschaft durchaus verbreitete – Vorgehen der Bonner Forscher als ‘wissenschaftlich unseriös’ beschimpfte.

        Allerdings haben Brügelmann und die anderen Verfechter des Schreibens nach Gehör mit immer stärker werdendem Widerstand zu kämpfen.”
        https://magazin.spiegel.de/SP/2018/39/159553285/index.html

        • Und an welcher Stelle im Artikel kann der Spiegel die aufgestellten Fragen beantworten, sodass die Studie transparenter wird?

          Es gibt ja genügend Menschen, die auf eine Pressemitteilung und eine bereits veröffentlichte Posterpräsentation reagieren, indem sie Forderungen zum Rechtschreibunterricht in der Grundschule erheben, ohne die Studie selbst gesichtet haben zu können.

          Man darf gespannt sein, was am Ende von der Studie wirklich bekannt wird und welchen Einfluss allein eine Pressemitteilung erhält.

          • Der Spiegel muss die Fragen gar nicht beantworten. Er weist darauf hin, dass Herr Brügelmann eine in der Wissenschaft durchaus übliche Publikationsweise zu diskreditieren versucht, weil ihm die Ergebnisse einer Studie nicht in den Kram passen, mit deren Hilfe eine von ihm propagierte und ohne jegliche Studien und Evaluationen in die Grundschulen gepresste Methode in Frage gestellt wird. Vollkommen absurd.

          • Ich verstehe nicht, warum Sie unbedingt und ausgerechnet diese Methode verteidigen, Palim. Warum ist ihre Verteidigung Ihnen nur so wichtig?
            Mir leuchtet auch ohne Studie ein, dass es kein guter Weg sein kann, das Lesen durch anlautgetreues und damit falsches (Recht)Schreiben zu erlernen. Unsere Schriftsprache ist nun mal nicht lautgetreu und die Kinder beim Erstlesen und Erstschreiben aufs falsche Gleis zu bringen, kann einfach nicht gut sein.

          • Wenn wir alle unsere Erkenntnisse ohne Studien erlangen,
            dann brauchen wir ja auch keine für andere Methoden.

            Das spricht für die methodische Freiheit von Lehrkräften, die die pädagogische Verantwortung für ihre Schülerschaft übernehmen und im Rahmen der gesetzten Möglichkeiten (samt Bürokratie, großen Klassen, schlechter Lernausgangslage, Inklusion) das Möglichste tun, um ihre Schüler zu lehren und sie bestmöglich im Lernen zu unterstützen.

      • @Palim
        Zufällig lebe ich in der selben Stadt, wie der Urheber dieser selbst entworfenen Lernmaterialien. Damit Schülern selbstständig und eigen initiativ das Lesen und Schreiben zu vermitteln , erlebte ich hier in der Sonnenschule, der Eichendorfschule, der Paul Gerhard Schule sowie der Martinschule. Wenn die Eltern nicht intervenieren beherrschen die Schüler beim Wechselin die weiterführenden Schulen nicht annähernd die Fähigkeiten, die es gelang mit einem silbenanalytischen Schreiblehrgang, hier ABC der Tiere und einem Kieler Leseaufbau entstammenden reinen Leselernbuch ohne Bebilderung.
        Abschreibdiktate helfen nicht beim Schriftspracherwerb, wie in der rechtschreibwerkstatt es vorgesehenist.
        Es helfen aber gestützte Diktate, die die einzelnen Regeln und Strategien vermitteln, wie zum Beispiel Übungen zur Endlauthärtung oder der Unterscheidung von ss, s, und ß .

      • @Palim
        Irgend wann muss Schluss sein, das war der Schlusssatz des Geschäftsführers aus Beckum. Wie Recht er hat. Darin stimme ich mit ihm überein.

      • @Palim
        Ihr idealistisches Weltbild von den immer kompetenten Grundschullehrern ist ein wenig weltfremd, denn schließlich gibt es in jedem Fachgebiet gute und auch deutlich weniger gute Mitarbeiter. Und da man inzwischen mehr und mehr unausgebildete Quereinsteiger in die Grundschulen einführt, wird die Kompetenz und das Wissen um strukturierte und valide Methoden um so wichtiger sein, so erfolgreich den Schriftspracherwerb und Leseerwerb vermitteln möchte.
        Und das gilt erst recht für die Risikogruppen, die mit diesen Methoden im eigen initiativen Lernumfeld untergehen und scheitern.
        Mit einem sehr fragwürdigen Konzept wird man bei entsprechend schlecht ausgebildeten Lehrern nur bescheidene Ergebnisse einfahren, denn gerade offene Unterrichtsmethoden erfordern eine um so intensivere Anleitung durch eine kompetente Lehrerin.
        Da bringen diese Selbstlernkonzepte nur die Vermittlung eigener orthographischer Regeln hervor, die nicht mehr lesbar sind und in ihren Grundfesten beim Schüler nicht mehr durch nachfolgende Lehrer zu korrigieren sind.
        Diese Methode ohne eine linguistische und orthographisch gegliederte Struktur entspricht in ihrem Konzept einer unterlassenen Hilfeleistung mit einer gezielten Irreführung durch lautorientierte Verschriftlichungen mit Hilfe der ungenauen Anlauttabellen. Mehr und mehr Lehrer lehnen diese Methoden ab.
        Leider werden Teile dieser Methoden in den ersten zwei Schuljahren weiterhin angewendet, und so entfalten diese Methoden ungehindert ihre schädigende Wirkung.
        Es sind eben deutlich mehr als 3 % der Schulen, die dem Spracherfahrungsansatz nach Brügelmann angelehnte Methoden anwenden. Das zu leugnen spricht für einen fehlenden Austausch mit den örtlichen Referenten der einzelnen Buchverlage, denn die können ihnen sagen, welche Schulen mit welchen Materialien arbeiten. Das habe ich getan. Wer sonst noch ?

  20. Nach Ties Rabe (SPD) in Hamburg und Susanne Eisenmann (CDU) in Baden-Württemberg verbietet nun auch Britta Ernst (SPD) in Brandenburg “Schraibn nach Gehöa”, wie verschiedene Medien (u.a. N4t) melden.

      • Eine schöne Vorstellung ist das, verehrte Unverzagte: Politik wirkt durch souveräne Überzeugungskraft und greift nicht durch Gesetze und Verordnungen (was immer auch ein Konglomerat aus Geboten und Verboten ist) in das gesellschaftliche Leben bzw. in unserem Falle, in die Schule, ein.
        Genau diese Indifferenz, diese Angst vor klaren Regeln, hat doch dazu geführt, dass sich eine untaugliche Methode wie “Lesen durch Schreiben” ohne Kontrolle an unseren Grundschulen so ausbreiten konnte.

    • Ich begrüße diese Verbote. Über die 3% hinaus haben sie eine starke Symbolwirkung, dass uns die Rechtschreibung wichtig und eben nicht egal ist und sich alle Lehrer ihrer wieder mehr annehmen müssen.

  21. herr bergmann, es grenzt mehr noch an komik als anmaßung, dass sie mir angst vor regeln unterstellen und anschließend ihrer lieblingsbuhmann- methode kontrollosigkeit andichten, um sie schlicht und einfach nur abzuwerten: ersparen sie uns bitte weitere unnötige belehrungsversuche.

    • Bitte sprechen Sie nicht von “UNS ersparen”, wenn “MIR ersparen” korrekt wäre. Ich schätze Herrn Bergmanns Kommentar(e) und möchte nicht durch “uns” für Ihre Meinung stehen müssen.

      • ach Reni, ob sie sich nun mitgemeint fühlen möchten oder nicht, wird ganz gewiss auch weiterhin ihre superkorrekte entscheidung bleiben: sie können also gern auch weiterhin ganz entspannt ihre meinungen im sitzen mitteilen, wir, sorry, ich natürlich schätze es.

        • Liebe unverzagte, ich schätze ihre Kommentare, zeugen sie doch von weit mehr gesundem Sach- und Menschenverstand als bei vielen anderen hier.

      • Reni hat absolut Recht. Schreiben Sie bitte in der Ich-Form und nicht von “wir” oder “uns”.
        Das ist nicht nur äußerlich korrekt, sondern hat auch etwas mit Redlichkeit und Anstand zu tun.

        • @emil danke für die blümchen!

          @F.H. ihre innerlich und äußerlichen korrektheitsideen adressieren sie doch bitte direkt an herrn bergmann, der in seinem pamphlet an mich von “unserem fall” und “unserer grundschule” schrieb, worauf ich mir ebenfalls erlaubte in meiner reaktion auf seinen text die form des plurals zu wählen: asche auf unser, äh, mein haupt natürlich nur.

          • Aber der Unterschied zwischen Äpfel und Birnen ist Ihnen schon klar, oder?
            Her Bergmann sagt ganz richtig “unser Fall” (über den wir reden) und “unsere Grundschule”, weil er damit keine Meinung und kein persönliches Urteil fällt, das er als “wir” und in unser aller Namen verkauft.
            Eigentlich sollte es unnötig sein, diesen Unterschied hier jemandem erklären zu müssen.

  22. Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

    wir sind kurz davor, die bislang hier recht liberale Praxis der Leserposts zu ändern – es ist nicht mehr zu leisten, den ständigen Stil- und Rechtsverletzungen beizukommen. Cavalieri – Sie, selbst anonym, können doch nicht in ihrem Post einen Menschen, den Sie namentlich benennen, “Scharlatan” nennen. Wir sind hier doch kein Online-Pranger, auf dem jeder Leute beleidigen kann, wie er lustig ist.

    Es reicht jetzt. Wenn sich einzelne (aber in der Summe eben doch zu viele) nicht langsam mal daran gewöhnen, dass hier die normalen Regeln des menschlichen Umgangs gelten, dann werden wir künftig jeden Post vor Veröffentlichung prüfen müssen. Was dauert. Und/oder wir gehen zur Praxis über, nur noch Leserbriefe mit Echt-Namen zuzulassen. Dann ist jeder für seinen Mist selbst verantwortlich – und kann sich dann in einem solchen Fall auf eine Beleidigungsklage freuen. Und das völlig zu recht.

    Die Redaktion

    • Sie müssen aber dazu die Maßstäbe transparent machen, nach denen sie löschen, damit sich die Kommentierenden daran halten. Wenn das, was sich insbesondere Bernd hier leisten kann, unter Meinungsfreiheit zulässig ist, dann ist es bei Cavalieri erst recht. Er kann nichts dafür, dass die über Statistiken nachweisbaren Tatsachen dem aktuellen Mainstream eklatant widersprechen. Außerdem kommentiert er im Gegensatz zu Bernd auch von sich aus zu allgemeinen Themen aus der Bildungslandschaft.

      • Wie viele Stunden am Tag, xxx, meinen Sie, sollen wir damit zubringen; Ihnen die Grundregeln der öffentlichen Kommunikation beizubringen – sorry, wir sind hier nicht die Erzieher in einem Kindergarten. Es reicht jetzt.

        Wenn Ihnen über Grundregeln der Kommunikation nicht klar sind, empfehlen wir die Grundsätze des Deutschen Presserates. Die gelten auch für Leserbriefe:

        http://www.presserat.de/pressekodex/pressekodex/

        • PS. Noch ein Punkt: Niemand hat hier einen Anspruch darauf, dass seine Leserzuschrift auf News4teachers veröffentlicht wird. Wir stellen die Seite und sorgen mit unserer redaktionellen Arbeit für die entsprechende Öffentlichkeit. Also entscheiden auch wir, was wir hier veröffentlichen.

          Und das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Jeder kann in Deutschland veröffentlichen, was er will – auf seiner eigenen Seite, in eigener presserechtlicher Verantwortung.

          • Das streitet auch niemand ab. Beachten Sie aber, dass die Anwesenheit von Bernd & co das Gesprächsklima rapide verschlechtert. Man könnte glatt meinen, dass er sich das zur Aufgabe gemacht hat. In diesem Sinne tut es mir sehr leid, dass er Ihnen so viel Arbeit macht. Ich finde es sehr wichtig, dass die Sachen beim ungeschönten Namen genannt werde. Leider widersprechen sie oft dem Wunschdenken der aktuellen Mainstreampresse und -politik. Die gehandhabte zweiwertige Logik von Zustimmung oder Nazi ist ein Armutszeugnis für eine Demokratie.

          • Ich lege doch Wert darauf, dass der “Scharlatan” nicht mein Ausdruck war. Da wurde jemand [von dritten] als “Scharlatan” bezeichnet, und zwar im Internet. Das habe ich beiläufig in einen Satz eingebaut. Ich glaube das sogar an mehreren Stellen gelesen zu haben. Jedenfalls jemand, der mit der Wissenschaft nichts zu tun hat, aber meint zu wissen, wie’s geht.

          • Ein Armutszeugnis war die Reaktion der AfD-Parteispitze auf die gemeinsamen, öffentlichen Auftritte von Höcke mit Pegida, gewaltbereiten Neonazis und anderer Rechtsextremisten bei proglamierten “Trauerveranstaltungen”in Chemnitz.
            Man wollte dort den öffentlich inszenierten Volkszorn beleben und miterleben, richtete sich dieser doch in seinem Wesen gegen die Institutionen unseres Staates und die Demokratie.

          • Vielleicht fallen andere Schreiber eben anders auf; wenn ich an die Beiträge zum Terminus des Populismus denke, die teilweise einer inversen Definition entsprachen, als unsere demokratischen Institutionen, deren Handeln und deren Selbstverständnis als populistischer Mainstream diffamiert wurde, so fühlte ich mich an Methoden der Veränderung von Sprache in autoritären Systemen erinnert. Und sogar vor einem bekannten Pazifisten, Antimilitaristen und Weltbürger namens Kurt Tucholsky machte man nicht halt, um ihn dann auch noch für fremdenfeindliche Positionen einer rechtsextremen Gesinnung einzuspannen.
            Wenn dann überschießende Reaktionen kommen , ist es für die Gegenseite immer ein Genuss sich in herablassenden und echauffierender Weise über dies eine Person auszulassen.

  23. Fünf Schreiber hauen sich die Köpfe ein.
    Fünf Schreiber lassen es nicht sein,
    verfingen sich dann im Kleinklein,
    wie im Kindergarten,
    und die Antworten,
    folgten stets in kurzen Worten,
    ließen nicht lange auf sich warten.
    Ob es die Weichen waren oder auch die Harten,
    So geschah , was für keinen war zu erwarten,
    Schwupp da sind sie weggeraten.
    und dann war´n se alle weg,
    meckern hat jetzt keinen Zweck,
    springen kann man übers Kreuz und übers Eck.

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