Eine unterschätzte Wahrheit: Inklusion kann nur dann funktionieren, wenn sich Schüler und Lehrer im Unterricht wohlfühlen

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BERLIN. Es hakt bei der Umsetzung der Inklusion in Deutschland. Der Fall einer Bremer Gymnasiallleiterin, die die dortige Bildungssenatorin verklagt hat, weil sie Förderschüler nicht aufnehmen wollte, zeigt deutlich die wachsende Gereiztheit beim Thema (News4teachers berichtete). Viele Lehrkräfte fühlen sich überfordert. Betroffene Eltern, die sich eigentlich einen gemeinsamen Unterricht wünschen, kritisieren die Zustände an den Regelschule. Tatsächlich, das machen die renommierten Bildungsforscher Katharina Rathmann und Klaus Hurrelmann in dem von ihnen herausgegebenen Buch “Leistung und Wohlbefinden in inklusiven Schulen” deutlich, wurde die Herausforderung offenbar unterschätzt. Vor allem ein Punkt scheint viel zu kurz zu kommen: das Wohlbefinden der Schüler – und ihrer Lehrer. Wir veröffentlichen hier einen Auszug.

Mit genügend Personal kann die Inklusion klappen Die Grundschule Langbargheide in Hamburg zum Beispiel wurde für ihre inklusive Arbeit mit dem Jakob-Muth-Preis 2012 ausgezeichnet. Foto: Bertelsmann Stiftung / Ulfert Engelkes
Mit dem Jakob-Muth-Preis werden inklusiv arbeitende Schulen ausgezeichnet Die Grundschule Langbargheide in Hamburg zum Beispiel wurde für ihre inklusive Arbeit mit dem Jakob-Muth-Preis 2012 ausgezeichnet. Foto: Bertelsmann Stiftung / Ulfert Engelkes

Hier lässt sich das Buch herunterladen oder bestellen (kostenpflichtig).

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Leistung und Wohlbefinden in inklusiven Schulen

Schulen in Deutschland stehen mehr denn je vor der Herausforderung, inklusive Strukturen zu etablieren, also Schülerinnen und Schüler mit einem spezifischen pädagogischen Förderbedarf in de n Regelschulbetrieb einzugliedern und nicht in institutionell abgesonderten Schulen zu unterrichten. Mit dem Abkommen der UN-Behindertenrechtskonvention, das für die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2009 in Kraft getreten ist, verpflichten sich die Vertragsstaaten in Artikel 24 (Absatz 3), das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung „ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen“ und dazu ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen zu gewährleisten. Dadurch soll Menschen mit Behinderung durch geeignete Maßnahmen der Erwerb lebenspraktischer Fertigkeiten und sozialer Kompetenzen ermöglicht werden, indem die „volle und gleichberechtigte Teilhabe an Bildung und als Mitglieder der Gemeinschaft“ erleichtert wird (United Nations 2006).

Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention stellt die Schulen in Deutschland vor völlig neue didaktische und erzieherische Herausforderungen. Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen und einem sich daraus ergebenden „sonderpädagogischen“ Förderbedarf werden traditionell in eigens für ihre Behinderungsart eingerichteten Förderschulen (früher „Sonderschulen“ oder „Hilfsschulen“ genannt) unterrichtet. Dort werden die räumlichen und technischen Bedingungen auf ihre Behinderungsart eingestellt, und es werden speziell für ihre Bedarfe ausgebildete Lehrkräfte („Sonderpädagoginnen und -pädagogen“) mit einer speziellen Ausbildung angestellt. Die Lehrkräfte sind auf den Umgang mit und die Förderung von gehörlosen und schwerhörigen, sehbehinderten und blinden, lernbehinderten, körperbehinderten und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendliche vorbereitet.

Das Buch

Immer mehr Schulen stehen vor der Herausforderung, inklusive Strukturen zu etablieren, also Schülerinnen und Schüler mit besonderem pädagogischen Förderbedarf in den Regelbetrieb einzugliedern.

Aus einer interdisziplinären Perspektive beleuchtet der Band nicht nur leistungsbezogene Aspekte der schulischen Inklusion von heterogenen und vulnerablen Schülergruppen, sondern erweitert die Debatte um Aspekte des Wohlbefindens, die eng mit der schulischen Leistung korrespondieren. Ein Schwerpunkt liegt außerdem auf der Belastung und dem Wohlbefinden von Lehrkräften sowie den Herausforderungen mit schulischer Heterogenität und Inklusion.

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Lange Zeit galt der separate Ort der Förderschule als „soziale Heimat“ und als „Schonraum“ für die Kinder mit Förderbedarf, und es schien selbstverständlich, dass sowohl das Wohlbefinden der Kinder als auch die Anregung ihrer Leistungsfähigkeit durch speziell auf ihre Situation zugeschnittene, „sonderpädagogische“ Ansätze hier am besten zu gewährleisten seien. Eine Abkehr von diesem teils seit über einhundert Jahren praktizierten Prinzip stellt einen gravierenden Eingriff in die pädagogische Arbeit der Schulen in Deutschland dar.

In den 16 Bundesländern wurde der Übergang von den „exklusiven“ zu den „inklusiven“ Schulen per Gesetz praktisch von einem Schuljahr auf das nächste eingeführt. Zur Umsetzung dieser Reform gab es kaum praktische Vorbilder oder Erfahrungen und auch kaum wissenschaftliche Erkenntnisse – jedenfalls keine, die in Deutschland gewonnen wurden und sich auf die hiesige Lage beziehen ließen. In unserem Buch gehen wir zunächst der Frage nach, wie sich die Leistungen der Schülerinnen und Schüler mit einem „sonderpädagogischen“ Förderbedarf in inklusiven Schulen entwickeln. Dazu haben wir wissenschaftliche Fachleute aus verschiedenen Disziplinen gebeten, den aktuellen Forschungsstand zu berichten.

Die Zusammenstellung der Ergebnisse zeigt: Angesichts der unzureichenden Forschungslage kann die Frage noch nicht beantwortet werden, ob die Leistungen gegenüber der „exklusiven“ Beschulung besser oder schlechter ausfallen. Praktisch alle vorliegenden Forschungsberichte sind sich aber darin einig, dass Erfolg oder Misserfolg der inklusiven Pädagogik davon abhängen, ob sich die Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Lehrerinnen und Lehrer mit der für sie neuartigen Konstellation positiv arrangieren können. Mit anderen Worten: Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler können unter den bisher ungewohnten Bedingungen von Heterogenität und Diversität nur gesichert werden, wenn sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrerinnen und Lehrer sich an den inklusiv arbeitenden Schulen wohl fühlen.

(…)

Das umfassende Konzept des „Wohlbefindens“ (abgeleitet vom Englischen wellbeing) wurde zwar – wie erwähnt – zur Begründung der Einrichtung von Hilfs-, Sonder- und Förderschulen impliziert immer verwendet, aber nie explizit ausgearbeitet. Erst in den letzten zehn Jahren hat es sich in der interdisziplinären Bildungsforschung fest etabliert. Mit Wohlbefinden wird das subjektive Gefühl sowohl der Schülerinnen und Schüler als auch der Lehrerinnen und Lehrer bezeichnet, sich in der sozialen Institution Schule in einem angenehmen und wertschätzenden Raum zu befinden, dessen Regeln nachvollziehbar und verständlich sind, und der dadurch auch Sicherheit und Stabilität bietet:

Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler ist in diesem Sinn eine grundlegende Voraussetzung dafür, Leistungen zu erbringen. Durch die Beachtung der subjektiven Einstellungen der Schülerinnen und Schüler zur Schule und zu den Lehrkräften wird die Aufgabe der Schule als Bildungsinstitution gegenüber der bisher vorherrschenden Vorstellung erweitert: Sie ist für das Erreichen kognitiver Ziele verantwortlich, sie hat dafür aber zugleich auch die Bedingungen zu schaffen, und die liegen darin, alles dafür zu tun, um eine positive Haltung der Schülerinnen und Schüler gegenüber der Schule, den Lehrkräften und dem Lernen zu ermöglichen.

Wohlbefinden der Lehrerinnen und Lehrer ist in diesem Sinn die Voraussetzung dafür, das fachliche Potential voll entfalten zu können und den vielfältigen Anforderungen der Förderung der Leistungen der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden. Dafür sind die räumlichen, organisatorischen, sozialen und kooperativen Bedingungen zu schaffen, um die Lehrkräfte in die Lage zu versetzen, eine positive Haltung gegenüber der Schule als ihrem Arbeitsplatz und den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern als ihren „Klienten“ zu entwickeln.

Diese Zusammenhänge galten schon immer, aber sie sind durch die Umsetzung der Internationalen Behindertenrechtskonvention neu in die Fach- und die Praxis-Diskussion einbezogen worden. Das ist nicht erstaunlich, weil sich schon nach kurzer Zeit der Umsetzung von inklusiven Ansätzen in Schulen zeigte, dass es ein eklatantes Fehlverständnis wäre, sie als rein organisatorische Maßnahmen zu verstehen. Vielmehr wurde klar, dass die notwendigen Veränderungen, die mit der schulischen Inklusion einhergehen, das Grundverständnis der pädagogischen Arbeit in Schulen auf einer Vielfalt von Ebenen betreffen:

  • Erstens die Organisation des gesamten Bildungssystems einschließlich der Frage nach einem adäquaten Schulsystem für alle Schülerinnen und Schüler.
  • Zweitens die Qualifikation und Arbeitsweise des pädagogischen Fachpersonals, das ein breiteres Spektrum von Förderanforderungen vorfindet und in multiprofessionellen Team s kooperieren muss.
  • Drittens angemessene didaktische Unterrichtsformen, in der die Differenzierung der Lernenden und die Heterogenität der Schülerschaft zu den wesentlichen Herausforderungen zählen.
  • Viertens angemessene soziale Formen des Unterrichtens und Lernens, um unter Bedingungen von Heterogenität und Diversität innerhalb der Schulen und Klassen die sozioemotionalen Erfahrungen eines jeden einzelnen Kindes zu berücksichtigen.

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Die Herausgeber
Bielefeld: Prof. Dr. Klaus Hurrelmann.10.12.2008 Foto: Reinhard Elbracht
Der Jugendforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann hat lange die renommierte Shell-Jugendstudie geleitet. Foto: Reinhard Elbracht

Professor Dr. Klaus Hurrelmann gehört zu den bekanntesten Kindheits- und Jugendforschern in Deutschland. Seit 1979 Professor an der Universität Bielefeld, wo er Sozial- und Gesundheitswissenschaft lehrte, ist er heute Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin. Er leitete von 1986 bis 1998 das Kooperationszentrum »Health Behavior in School Children« der WHO.

Katharina Rathmann, geb. 1982, Dr. phil., ist Vertretungsprofessorin im Fachgebiet Rehabilitationssoziologie, Fakultät Rehabilitationswissenschaften, Technische Universität Dortmund. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Kindheits- und Jugendgesundheits- sowie Schulforschung.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers heiß diskutiert.

News4teachers-Dossier – gratis herunterladbar: „Das Inklusions-Chaos”

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47 KOMMENTARE

  1. wow. Gute Arbeit gibt es nur unter guten Bedingungen. Hätte ich nicht gedacht. Dummerweise sind die Schulträger aus Kostengründen anderer Meinung. Die ideologisch durchgedrückte Inklusion scheint doch nicht so beliebt zu sein…

  2. Seltsam, dass Selbstverständliches erst “erforscht” werden muss, und das im nachhinein. Aber selbst ohne Inklusion scheint mir klar zu sein dass das Wohlbefinden eine Rolle spielen muss. Es ist zum Beispiel gestört, wenn es Schüler gibt, die Messer in den Taschen haben und damit andere bedrohen oder die ständig körperlich Schwächere verprügeln und damit eine Hackordnung etablieren, die im Unterricht lärmen, sich allen Anweisungen widersetzen, deren Brüder oder Eltern dann kommen und Lehrer/innen bedrohen etc.
    Aus Sicht des “besseren” Schüler ist vielleicht das Wohlbefinden bereits dann gestört, wenn zu viele in der Klasse bei entscheidenden “Kompetenzen” unter Niveau sind und immer nur bremsen. Das ist fast zwangsläufig zu erwarten, wenn man künftig anstrebt, in einem einheitlichen Schulsystem Gymnasien und Hauptschulen zu vermischen. Die bisherigen Gesamtschulen sind da nicht unbedingt eine Ermutigung.
    Aus Sicht der “schwächeren” Schüler kann das Wohlbefinden gestört sein, wenn sie sehen, dass andere alles besser können, womit sie ihre eigenen Ansprüche nicht erfüllen können. Dann gibt’s oft eine Trotzreaktion mit dem Strebervorwurf. Oder glaubt hier irgendjemand, der Strebervorwurf trüge zum allgemeinen Wohlbefinden bei? Seltsam, dass die wissenschaftliche Pädagogik diese Fragen offenbar nie untersucht hat.

  3. Vielleicht hat ja Mecklenburg-Vorpommern bei der Inlusion das Ei des Kolumbus entdeckt.
    Überschrift eines Artikels: „Künftig nicht mehr Lesen, Schreiben und Rechnen in der Grundschule?“
    Zitat: „Mecklenburg-Vorpommern: Im Rahmen der Umsetzung der Inklusionsstrategie des Landes, plant das Bildungsministerium eine umfangreiche Schulgesetznovelle.“
    https://bildungsklick.de/schule/meldung/kuenftig-nicht-mehr-lesen-schreiben-und-rechnen-in-der-grundschule/

  4. Wir haben bewusst unser Kind in einer normal Regelschule angemeldet. Es war eine sehr große Herausforderung für die Lehrerin. Unser Sohn sitz im Rollstuhl und hat eine Dystonie in Armen iund Beinen. Er hat die ganze Schulzeit eine Schulbegleitung, die in z.B ihm Stifte in die Hand gibt oder beim Basteln hilft. Nur durch die Zusammenarbeit von allen Lehrern und Eltern kann sowas funktionieren. Was seine Mitschülern betrifft, hier gab es nie Probleme. Die fanden es von Anfang an interessant mit ihm zu spielen oder im zu helfen. Von den Kindern haben die Eltern gelernt keine Berührungsängste zu haben. Jetzt ist er in der 3. Klasse und es funktioniert immer noch. Neue Lehrer sind auch begeistert was ein körperbehinderter alles zu leisten vermag. Ich würde es sofort wieder so machen. Schade das sich manche Eltern nur nicht trauen.

  5. Bei dem Artikel wird nicht klar ob mit “die Schüler müssen sich wohl fühlen” alle Schüler gemeint sind, oder nur die “includierten”. In den meisten Schulen, hätte niemand ein Problem mit körperlich behinderten Mitschülern, wie z.B. Blinden. Wenn aber zu 13 jährigen Schülern ein Mitschüler includiert wird, der deutlich älter ist und dessen Behinderung nicht mitgeteilt wird, wird es schon schwieriger. Wenn dieser Schüler dann zu Mädchen sagt er hätte so seine “Bedürfnisse”, sinkt der Wohlfülhlfaktor deutlich. Es ist auch nicht klar welche Rolle und vorallem welche Qualifikationen sogennate Schulbegleitungen haben. Inklusion kann nur mit Offenheit funktionieren und die Botschaft kann nicht lauten, daß ein wie auch immer behinderter Schüler sich im Zusammenwirken Dinge erlauben darf, die bei jedem anderen Schüler einen Tadel zufolge hätten, nur weil Angst besteht der Schüler würde sonst “ausrasten”. Inklusion ja, aber nicht wenn die Rechte auf altersgerechte Entwicklung (Jugendschutz) und persönliche Entfaltung (Recht auf Förderung leistungsstarker Schüler die sonst unter Langeweile leiden und später im Beruf gegenüber Schülern aus Privatschulen, ohne Inklusion, benachteiligt sind) gewahrt wird.

  6. Ich finde um Inklusion Leben zu können braucht es einen gesellschaftlichen Bildungsansatz und ein gemeinsames Wertverständnis bereits im Kleinkindalter.Gemeinsamds Spielen und Lernen in heterogenen Gruppen und der Erkenntnis,dass jedes Kind anders ist und etwas gut kann.Dann braucht es Worte wie Inklusion nicht,weil sie gelebt ist.Wir inkludieren nicht,sondern separieren um dann zu integrieren.

  7. Fünftens eben nicht nur die genannten organisatorischen Aspekte, die gerne auf die bestehende Lehrerschaft der Regelschulen übertragen wird zusätzlich zu bisherigen Tätigkeiten und ohne Ausgleich, sondern Anerkennung der zusätzlichen Aufgaben und -wie ja eigentlich vorher im Text auch benannt – auch räumliche, soziale und kooperative Ausstattung.

    Wenn doch allen so bekannt ist, dass Lernen eine gute Umgebung braucht, warum wird dann in diesem Bereich so häufig weggeschaut?

  8. Die Lehrkräfte füllen sich nie wohl, wenn sie die Konzepte durchdenken sollen,
    egal ob wegen der Inklusion, der Integration oder der Digitalisierung.

    Es ist eine Arbeit zu erledigen. Es wird zu viel gelabert und zu wenig getan.

  9. Inklusion. Ein schickes oder gar modernes Wort, hinter dem vor allem im Norden und den rot regierten Bundesländern alles gemeinsam versteckt wird. Dumme Kinder, Kinder mit massiven Störungen oder durch ihre unfähigen Eltern verhaltensabnorme Monster. Es wird höchste Zeit, dass endlich wieder Bildung und Leistung Einzug halten. Unsere Kinder verblöden restlos und wir sichern uns wahrhaft unfähige Idioten, die später unsere Rente zahlen sollen. Wow. Mütter sollten ihre Kinder, wenn sie diese schon kriegen müssen, auch selbst erziehen. Das alte Vorbild unserer Eltern und Großeltern, wo ist das geblieben? Wozu braucht man eine Mutter, wenn die Kindergrippe doch schön mit einem halben Jahr in Anspruch genommen werden kann. HURRA. ANDERE sollen mein Kind erziehen, doch nicht ich selber, aber ich sorge dennoch dafür, dass rechtzeitig zum Übertritt an das von mir für meinen Prinzen gewünschte Gymnasium eine Attetierung des ADHS vorliegt. INKLUSION. Ich bin dabei, ob der Fratz was kann oder nicht, wen kümmerts. Alle werden mit durchgezogen. Der Leistungsfaule behindert den starken Schüler. Weiter so. Weiter so.

    • “Dumme Kinder”, “verhaltensauffällige Monster”, “Leistungsfaule” – was für ein krankes Menschenbild haben Sie denn im Kopf?

      Nur mal so zur Kenntnis – der Paragraph 2 des nordrhein-westfälischen Schulgesetzes (“Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule”) :

      “Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung. Die Jugend soll erzogen werden im Geist der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der
      Überzeugung des anderen, zur Verantwortung für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und zur Friedensgesinnung.”

      Das steht so oder so ähnlich an vorderster Stelle der Schulgesetze aller Bundesländer.

      Erziehung zur Menschlichkeit bedeutet eben, Solidarität mit Schwächeren zu entwickeln. Nur auf dieser Grundlage funktioniert diese deutsche Gesellschaft, und das sollen Kinder in der Schule lernen. Schule ist kein Krieg jeder gegen jeden, in dem sich der Stärkste gefälligst durchsetzen soll – da haben Sie eindeutig etwas falsch verstanden.

      • Auch wenn ich die Begriffe von Frau Niemuth ebenfalls nicht gut finde, würde ich die Dame dennoch nicht eines “kranken Menschenbilds” bezichtigen.
        Bei Ihnen, unverzagte, fällt immer wieder auf, dass Sie einerseits gern auf einfühlsam, wohlmeinend und nächstenliebend machen, andererseits aber keinerlei Hemmung im üblen Unterstellungen und im Beschimpfen anderer zeigen. Das passt nicht zusammen und spricht weder für gute Manieren noch für jene mitmenschlichen Tugenden, die Sie stets herauskehren.

        • Es geht hier nicht nur um Begrifflichkeiten – es geht um ein Bildungsverständnis und ein zugrunde liegendes Menschenbild, das nichts mit dem Bildungsauftrag der Schulen in Deutschland zu tun hat.

          Dass Ihnen meine Kritik daran zu unverblümt ist, kann ich nicht ändern – ist dann halt so. Auch wenn Sie mich offenbar mit der unverzagten verwechseln, kann ich Ihnen versichern: Ich bin weder einfühlsam noch wohlmeinend gegenüber erwachsenen Menschen, denen Aggression und Hass auf Schwächere aus den Ohren schießen. Grober Klotz – grober Keil.

      • “Nur auf dieser Grundlage funktioniert diese deutsche Gesellschaft, und das sollen Kinder in der Schule lernen. Schule ist kein Krieg jeder gegen jeden, in dem sich der Stärkste gefälligst durchsetzen soll”
        So ist das theoretisch, und da wird auch jeder hier zustimmen. Aber die Praxis sieht doch wohl anders aus. In einem Buch beschreibt eine altgediente Lehrerin, die ausdrücklich auch Willkommensklassen, Deutsch f. Ausländer usw. unterrichtet hat, von Kindern und Jugendlichen, die “rangordnungsorientiert” sind. Das liest sich dann so:
        “Die wahrscheinlich durch ihre Sozialisation nach Unterschichtnormen gröber strukturierten Intensivkursschüler zeigten jedoch sehr bald gravierende Verhaltensänderungen. Nachdem sie einige Wochen den angstfreien Einflüssen des deutschen Schulsystems und seiner konsequenzenlosen Pädagogik ausgesetzt waren und täglich im Pausenhof erlebten, was andere alles aushecken konnten, ohne je bestraft zu werden, verloren sie den Respekt vor den Lehrern und begannen aggressive Rangordnungskämpfe untereinander und teilweise auch mit Lehrern.”
        “Wir Pädagogen leugnen im Normalfall die Existenz von Rangordnungsstrukturen und wollen folgerichtig auch nicht über die unausweichlichen Konsequanzen nachdenken.”
        Die Autorin verwendet sogar einen Vergleich mit der Rangordnung in einem Wolfsrudel. Also letztlich doch das Faustrecht des Stärkeren.

        • Was ich oben geschrieben habe, gilt auch für Sie, Cavalieri: Ich bin weder einfühlsam noch wohlmeinend gegenüber erwachsenen Menschen, denen Aggression und Hass auf Schwächere aus den Ohren schießen.

          Ihre pausenlose fremdenfeindliche Agitation können Sie sich an dieser Stelle sparen, Herr AfD – es geht hier um Inklusion.

          • Ich habe doch nur zitiert. Zweifel an der Aufsichtigkeit der Autorin habe ich nicht. Aggression und Hass gehen doch nicht von mir aus. Auch Verhaltensgestörte gelten als Inklusionskinder. Und Aggressionen gegen Sie, Anna, habe ich auch keine formuliert.
            In demselben Buch gibt es noch anderes, was bemerkenswert ist. Man erfährt beiläufig, dass in Frankfurt ein Beschluss des Lehrerkollegiums, einen bestimmten Schüler der Schule zu verweisen, vom Hausjuristen des Schulamts genehmigt werden muss. Wörtlich: “… aber das Entscheidungskiterium des Hausjuristen zum Absegnen eines Schulveweises bestand vordringlich in der Frage: Hat der Delinquent SCHÜLER gefährdet? Deshalb blieb an einer Frankfurter Gesamtschule ein Schüler, der seine Lehrerin obszön beleidigt und angespuckt hatte, weiterhin in der Schule, obwohl sich das Kollegium einstimmig für seinen Verweis ausgesprochen hatte. Der Schüler wusste von dem behördlich torpedierten Kollegiumsbeschluss und genoss in vollen Zügen die Ohnmacht seiner Lehrerinnen und Lehrer, tanzte höhnisch um sie herum und schrie: ‘Ihr könnte mir nix!’.”
            Es kann doch nicht richtig sein, dass sowas einreißt, Inklusion hin — Inklusion her. Ich meine doch auch, Schule soll nicht das Faustrecht des Stärkeren abbilden. Dazu müssen sich aber alle anständig benehmen.
            Anna: Sie hatten oben das Schulgesetz zitiert, und das gilt für ALLE und hat mit Inklusion nichts zu tun.

    • Ja, alle Weden mit durchgezogen, auch Kinder und Eltern, die von der Achtung anderer offenbar in ihrem Leben noch nichts oder doch zu wenig gehört haben.
      In der Schule, inklusive oder nicht, können sie lernen, wie heterogen die Gesellschaft ist und dass man mit anderen gemeinsam zusammenleben kann, auch wenn sie anders sind. In jeder Klasse und in jeder Gruppe gibt es immer unterschiedliche Menschen, da ist es gut, wenn man frühzeitig den Umgang miteinander lernt, Verständnis für Schwächere aufbringt und weiß, was gegenseitige Hilfe bedeutet. Auch das ist Bildung und auch das wird in Schulen berücksichtigt.

      • @Palim und Anna
        Danke für Ihre gute Darstellung der Ziele und Aufgaben einer gelungenen Inklusion.
        Die ersten vier Kommentatoren schließe ich mit ein.

        • Ziele und Postulate haben wir wirklich reichlich gelesen und gehört. Ich verstehe den obigen Artikel als Versuch mal aufzuzeigen, dass Ziele allein nicht genügen. Man muss auch Wege finden, die Ziele zu erreichen. Merkwürdig bleibt, dass man daran vorher offenbar nicht gedacht hat. Jetzt heißt es oben geradezu bescheiden und fast schon selbstkritisch:
          “Praktisch alle vorliegenden Forschungsberichte sind sich aber darin einig, dass Erfolg oder Misserfolg der inklusiven Pädagogik davon abhängen, ob sich die Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Lehrerinnen und Lehrer mit der für sie neuartigen Konstellation positiv arrangieren können.”
          Das Wort “sich arrangieren” klingt nicht gerade nach großer Begeisterung, sondern mehr nach Kompromissen. In der Politik heißt das auch “Kröten schlucken”.

          • Dass Kinder sich nicht wohlfühlen, wenn Mann sie als “dumm” oder als “Monster” ansehen will und ihnen entsprechend begegnet, dafür braucht es die Studie tatsächlich nicht. Kinder in der Schule sind nun einmal verschieden und es bleibt die Aufgabe der Lehrkraefte, sie gemeinsam mit anderen zu beschulen. Begabte und weniger begabte gibt es in jeder Klasse. Wer das als Lehrkraft verneinen will, hat meines Erachtens den Beruf nicht verstanden.
            Wieder einmal werden Kinder in der Inklusion als faul und überzogen dargestellt. Kinder mit Beeinträchtigungen können nicht gut hören, sehen, laufen und manche nicht gut denken, sodass sie langsamer lernen, aber deshalb sind sie dennoch freundlich, engagiert, gut zu motivieren und in der Regel lernwillig und von der Schule begeistert. Wer in Gesellschaft dieser Kinder nicht lernen kann oder will, wird nicht von ihnen ausgebremst, sondern hat ein anderes Problem, von dem er ablenken möchte.

          • Sie formulieren mehr oder weniger auch Postulate, die wünschenswert sind, aber nicht notwendig realistisch. Was sagt denn der obige Artikel? Er stellt u.a. fest:
            “Angesichts der unzureichenden Forschungslage kann die Frage noch nicht beantwortet werden, ob die Leistungen gegenüber der „exklusiven“ Beschulung besser oder schlechter ausfallen.”
            Das ist ja wohl etwas mager als Stand der Forschung. Wurde nicht schon längst angekündigt, dass ALLE profitieren? “Inklusion macht schlau” ?
            “Wer in Gesellschaft dieser Kinder nicht lernen kann oder will, …”
            Wenn es diejenigen Kinder sind, die immer bei solchen Artikel bildlich dargestellt werden (s. oben), also brave, liebe und freundliche Kinder, dann ist das ganz anders zu sehen als bei solchen, die andere bedrohen, aggressiv angreifen usw. Und die können sehr wohl andere ausbremsen, und sei es nur psychologisch wegen einer gewissen Angst, die sie verbreiten. Angst lähmt. In Brandbriefen war schon von letzterem die Rede, auch an der Grundschule. Was ist denn mit Androhen von Prügeln auf dem Heimweg nach der Schule? Gibt’s das nicht? Und gilt nicht angeblich das Petzverbot auch in solchem Fall?

          • Angeblich dies und angeblich das.
            Was sollen die Vermutungen, cavalieri, außer dass sie damit das Bild auf die Inklusion verzerren wollen?

            Sie stellen Kinder mit Beeinträchtigungen als verhaltensauffällig und aggressiv dar. Diese gibt es in der Inklusion. Stimmt. Aber es gibt auch sehr viele andere, auf die diese Beschreibung gar nicht zutrifft. Bertelsmann kommt im Jahresbericht auf 15% ESE-Förderbedarfe, wovon 50% der SuS inklusiv beschult werden) Aber selbst davon sind nicht alle SuS aggressiv.

            Hinzu kommt, dass die Kinder mit Verhaltensstörungen nur dann die Schulen wechseln können, wenn das Land Schulen mit dem Förderschwerpunkt Emotionale-Soziale-Entwicklung vorhält. MEIN Bundesland tut das nicht. Nicht mit Inklusion und nicht ohne Inklusion. Damit bleiben Sie, ganz unabhängig von der Umsetzung und den Erlassen zur Inklusion, auf den Regelschulen.

            Die Inklusion dieser Schüler kann nur funktionieren, wenn sie sich wohlfühlen, wenn andere SuS sich wohlfühlen, wenn Lehrkräfte sich wohlfühlen. Dies schließt ein, dass Schulen, die diese Aufgabe übernehmen sollen, entsprechend ausgestattet werden, welcher Name oder welche Bezeichnung auch immer außen am Gebäude angebracht wird.

          • Ich habe nicht behauptet, dass Kinder mit Beeinträchtigungen besonders aggressiv sind. Ich habe nur angemerkt, dass aggressive Kinder das Wohlbefinden der anderen herabsetzen, auch ohne Inklusion. Sie haben oben um 1:00 ja nur von freundlichen Kindern überhaupt gesprochen. Oder soll das Prinzip des Wohlbefindens nur in Inklusionsklassen betrachtet werden? Und wenn ich “Postulat” sage, dann meine ich nicht, dass das inhaltlich abzuilehnen ist, sondern dass es eben “nur” postuliert wird und nicht so ganz der Realität entspricht.
            Ich denke, Kinder gehen nicht zur Schule, damit andere sich dort wohlfühlen, sondern damit sie selbst sich dort wohlfühlen. Und die Eltern meinen nicht, dass ihre Kinder zur Schule gehen, damit andere was lernen, sondern damit diese selber was lernen. Jeder ist sich immer noch selbst der nächste. Den Altruismus flächendeckend einführen, wie soll das gehen?

          • Man nennt es Vorbildfunktion, cavalieri.

            Wenn man aber vorab den Kindern schon beibringt, dass sie sich selbst die nächsten sein sollen, alle anderen aber als aggressiv, “dumm” und “Monster” dargestellt werden, wird es schwierig für diese Kinder, sich anderen gegenüber angemessen zu verhalten und in der Gesellschaft ein tragfähiges Mitglied zu werden. Wer sich selbst stets der Nächste ist, wird am Wohlbefinden der anderen nicht mitwirken UND nicht teilhaben.

            Auch reicht es nicht, selbst Ansprüche zu erheben, dass alle anderen sich angemessen verhalten sollen, wenn man selbst nicht dazu bereit sein möchte und den anderen womöglich nicht einmal wahrnimmt.

            Ein Aspekt, der zeigt, wie wichtig die BILDUNG in der Grundschule ist … eben auch in diesem Bereich! Grundbildung ist auf jeden Fall mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen lernen.

            Inklusion lehrt einen manchmal auch Demut. Da sind Kinder, die sich kaum etwas merken können und nur mühsam vorankommen, aber sie sind engagiert, hoch motiviert, umgänglich und extrem aufgeschlossen und hilfsbereit. Da sind auch Kinder, die zwar blitzgescheit sind, sich aber über jegliche Regeln des Anstandes hinwegsetzen, sich und andere gefährden und darüber ihr Potential aus dem Blick verlieren und das Lernen vernachlässigen. Unterrichten kann und muss ich beide gleichzeitig. Dabei sind sie Teil einer Gruppe, die Klasse genannt wird, und dort sollen sie sich entsprechend ihrer Fähigkeiten um eine Verbesserung bemühen. Leistungsbereitschaft erwarte ich tatsächlich von beiden, die gleichen Leistungen erst einmal nicht.

          • “Wenn man aber vorab den Kindern schon beibringt, dass sie sich selbst die nächsten sein sollen, alle anderen aber als aggressiv, “dumm” und “Monster” dargestellt werden,…”
            Das habe ich nicht gesagt und werde es auch nicht. Das haben Sie sich pauschalisierend für rein polemische Zwecke ausgedacht. Weder “dumm” noch “Monster” habe ich jemals als Wörter verwendet. Sie scheinen sich aber um die Feststellung zu drücken, dass auch in Nicht-Inklusionsklassen aggressive Schüler das Wohlbefinden herabsetzen. Das hat die Wissenschaft VOR der Inklusionsdebatte offenbar auch noch nicht gesehen oder sehen wollen. Warum sonst entdeckt jetzt Hurrelmann plötzlich das Wohlbefinden?

          • Sie haben offenbar weder meine Beiträge noch die der anderen TeilnehmerInnen hier gelesen, diese stehen alle unter dem Eintrag und in Bezug auf die Aussage von Birgit Niemuth.

            Ich habe mehrfach, so auch hier, darauf verwiesen, dass ESE-SuS an den Schulen verbleiben, mit oder ohne Inklusion, sofern es, wie in meinem BL, keine staatlichen Schulen für diese Kinder gibt.

          • Es ist schade, dass immer wieder mit hässlichen Unterstellungen (siehe diesmal “Monster” oder “dumm”) argumentiert wird, um in der Diskussion eine moralisch überlegene Position zu ergattern.
            Was bringt das außer Unfairness und bösem Blut?

          • Palim schrieb: “Sie haben offenbar weder meine Beiträge noch die der anderen TeilnehmerInnen hier gelesen, diese stehen alle unter dem Eintrag und in Bezug auf die Aussage von Birgit Niemuth.”

            Achso? Deshalb schrieben Sie also am 6.10. um 1:00 Uhr ausdrücklich:

            “Dass Kinder sich nicht wohlfühlen, wenn Mann(!) sie als ‘dumm’ oder als ‘Monster’ ansehen will und ihnen entsprechend begegnet, dafür braucht es die Studie tatsächlich nicht.”

          • Wäre ich Grundschullehrer und Sie Gymnasial-Kollegin (und ich so drauf wie einige Grundschullehrerinnen hier im Forum), dann würde ich fragen: “Ist das neue dt. Rechtschreibung, ‘Schraibn nach Gehöa’ – oder einfach nur die Unfähigkeit, den eigenen Beitrag vor dem Posten nochmal in Sachen Autokorrektur zu checken?

          • Palim: Ich habe alles gelesen, aber ich halte nicht den Kopf hin für alles, was Frau Niemuth schreibt. Das muss sie selber tun. Aber es geht eigentlich nicht um einzelne Wörter, sondern um das Wohlbefinden. Und das wird leicht gestört. Hat die Wissenschaft sich in 100 Jahren Schule in Deutschland schon mal um das Wohlbefinden von Schülern und Lehrern gekümmert? Man vergleiche die diversen Brandbriefe.

          • Ja, den Fehler habe ich auch gesehen. Man kann ihn nachträglich aber nicht verbessern, was ich immer wieder schade finde. Tatsächlich liegt der Fehler an der Autokorrektur des Tablets, deren Fehl-Vorschläge ich nicht alle rechtzeitig entdeckt und verbessert habe.

            Die Begriffe selbst stammen von Birgit Niemuth, die mit diesen und anderen Worten über Kinder spricht.
            Aber offenbar ist ja ein Auto-Korrektur-Fehler weitaus beachtenswerter als die erschreckenden Äußerungen einer vermeintlichen Lehrkraft über Kinder in der Inklusion.

          • Palim schrieb: “Aber offenbar ist ja ein Auto-Korrektur-Fehler weitaus beachtenswerter als die erschreckenden Äußerungen einer vermeintlichen Lehrkraft über Kinder in der Inklusion.”

            Nein, ist er nicht. Beachtenswert ist die Chuzpe, mit der bestimmte User hier im Forum sich über alles und jeden meinen erheben zu müssen – und mit den immergleichen Taschenspielertricks die Argumentation anderer diskreditieren. (Nein, Bernd: Damit meine ich nicht mich selbst.)

            Ihr oben von mir zitierter Satz zeigt exemplarisch, Palim, dass Sie schon wieder abzulenken versuchen – in diesem Fall von der Tatsache, dass gerade durch Ihren Autokorrektur-Fehler der Rückbezug auf den Beitrag von Frau Niemuth eher unklarer als deutlicher wird, was Sie wiederum in der Folge dazu nutzen, anderen Usern ungenaues Lesen zu unterstellen.

          • @Wilma
            Sie interpretieren eine Menge in meine Beiträge.
            Das verbitten Sie sich doch sonst immer bei anderen.

            Die Ablenkungen, die Sie dadurch streuen und unterstellen, führen mir zu weit.

          • Sollen wir daraus schließen, dass ein Beitrag von Wilma hier gelöscht wurde? Ich finde keinen.

          • Nein, hier wurde kein Kommentar gestrichen, denn dass äußert die Redaktion dann auch.
            Wohlbefinden setzt bei mir heute Abend nach dem 1:2 ein.

          • @ Ignaz, nein, darauf wies die Redaktion unlängst hin, dass sie Lösungen nicht jedes Mal eigens kommentiert (und erklärt).

  10. Ja, kehren wir zum “Wohlbefinden” zurück.
    Ob sich die Wissenschaft darum in den vergangenen 100 Jahren gekümmert hat, kann ich Ihnen nicht sagen. Hurrelmann greift auf, dass Unterricht nur funktioniert, wenn der Rahmen dafür stimmt. Auch das halte ich für etwas, das weit früher bereits angesprochen wurde und z.T. auch umgesetzt wurde – schreibt er selbst ja auch.

    Angesichts der Entwicklung in der Schule in den letzten 20 Jahren ist es aber offenbar Zeit, darauf erneut einen Fokus zu setzen. Wenn die Leistungen nicht stimmen, kann man die Verantwortung nicht einfach den Lehrkräften zuschieben, alles weitere aber ausblenden.
    Dass die Bedingungen stimmen müssen und in der Inklusion nicht stimmen, ist uns bekannt. In der Exklusion, sprich in wieder eingerichteten Förderschulen müssten sie aber auch stimmen. Das Sparkonzept der Inklusion wird aber nun auch auf weitaus größere Förderschulklassen und nicht dafür ausgebildete Lehrkräfte erweitert … der Vorstoß von Frau Beer geht ja in die gleiche Richtung.

  11. Kleiner Nachtrag mit ein paar weisen Worten:
    “Seit Jahrzehnten wird an der Schule herumreformiert, wobei zahlreiche Ideen und Maßnahmen einander ablösten, ohne in der pädagogischen Praxis wesentliche Spuren einer Verbesserung zu hinterlassen. Die verantwortlichen Erfinder oder Nutzer dieser Einfälle schienen wenig Interesse daran zu haben, die Wirkungen ihres Tuns zu überprüfen, bevor weitere sogenannte Reformprojekte in die Schulen eindrangen – ein ständiges Kommen und Gehen. Mit ihnen sind eine ganze Reihe von Wissenschaften durch die Schulen hindurch spaziert und haben dort Reste ihres Weltverständnisses mit mehr oder weniger pädagogischer Wirkung, aber stets mit ganzen Salven imponierender Fachausdrücke hinterlassen.”
    Das sagt Hermann Giesecke, so etwas wie der Senior der deutschen Erziehungswissenschaft:
    https://www.amazon.de/Warum-gegen-inklusive-Schulen-zerstörerische/dp/1520389310/ref=pd_sim_14_5?_encoding=UTF8&pd_rd_i=1520389310&pd_rd_r=82af0e92-dbc9-11e8-b9c1-a789dd2b15b9&pd_rd_w=LQmku&pd_rd_wg=lUZGw&pf_rd_i=desktop-dp-sims&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_p=b38829c9-e6e5-4da7-8615-59e5c0de7783&pf_rd_r=CZDVVXG87VY7DKHFH3HX&pf_rd_s=desktop-dp-sims&pf_rd_t=40701&psc=1&refRID=CZDVVXG87VY7DKHFH3HX

    • Interessant, woher Sie immer wieder Ihre Anregungen beziehen, Herr AfD-Pressesprecher.

      Aus Wikipedia:

      “Giesecke kritisiert die gegenwärtigen Entwicklungen der Pädagogik und der Schule als zeitgeisthafte Verirrung und fordert ein Zurück zu den engeren Aufgaben der Schule im Unterricht. Eltern müssen ihre Kinder unterrichtsfähig machen und nicht die Erziehung der Schule übertragen. Giesecke greift damit zurück auf Theorien von Theodor Wilhelm.”

      Ein Klick weiter:

      “Theodor Wilhelm (* 16. Mai 1906 in Neckartenzlingen; † 11. November 2005 in Kiel) war von 1959 bis 1972 Professor für Pädagogik in Kiel. Als Dozent der Lehrerbildung war er ein Hauptvertreter der Pädagogik in der Zeit des Nationalsozialismus.”

      Soso, “Senior der deutschen Erziehungswissenschaft”.

    • Giesecke war Professor an der PH Göttingen (später: Uni Göttingen). Bei Kriegsende war er erst 12, ist also des Nationalsozialismus unverdächtig. Er git als bedeutender Pädagoge seiner Zeit. Fragen wir andere, ob es angemessen ist, ihn mit Dreck zu bewerfen.
      PS: Der Nationalsozialismus wollte den Einfluss der Eltern doch gerade zurückdrängen (weil sie politisch vielleicht nicht zuverlässig sind) und die Schule gegenüber den Kindern “allmächtig” machen, um sie zu unterwürfigen Nazis zu erziehen. Warum gab’s denn auch HJ und BDM?

      • Hier ist Wikipedia tatsächlich etwas knapp. Vor dem Krieg hatte Wilhelm keine einflussreiche wissenschaftliche Position, er war gerade mal ein Jahr junger Pädagogik-Dozent, bevor er 1939-1945 Soldat war. Sein eigentliches pädagogisches Werk (etliche Bücher) entstand erst nach 1945, und darauf mag sich Giesecke bezogen haben. Das war aber keine Nazi-Propaganda, sondern im Gegenteil eine Abkehr von dem Prinzip, dass überhaupt der Staat seine Ideologie (egal welche) in die Köpfe der Kinder einhämmern sollte. Beide (Wilhelm wie Giesecke) verfochten danach etwas, das man vielleicht ganz grob als “weg vom Staat, hin zum Menschen” charakterisieren könnte. Heute will man allgemein wieder mehr Staat in der Schule haben, daraus ergibt sich eine gewisses Spannungsverhältnis. Was mag nun richtig sein?
        Viele haben in der Nazizeit Schuld auf sich geladen, aber sie haben auch das Scheitern erlebt und als eine Art Trauma verarbeitet. Das entwertet doch nicht all das, was sie nach 1945 getan haben. Sonst müssten wir etliche Leute mit DDR-Vergangenheit ähnlich streng behandeln. Giesecke jedenfalls hat mit beidem nichts zu tun.

  12. “Angesichts der unzureichenden Forschungslage kann die Frage noch nicht beantwortet werden, ob die Leistungen gegenüber der „exklusiven“ Beschulung besser oder schlechter ausfallen”.
    Stimmt.
    Befunde und Erkenntnisse kommen nach und nach und nicht immer deutlich.
    Freilich: Die Bielefelder Langzeitstudie hatte mindestens einen interessanten Aspekt: Der Förderort, also Regelschule oder Förderschule, scheint (!!!!) nicht das zentrale Kriterium einer erfolgreichen Schule zu sein.
    Ansonsten findet sich in der aktuellen Literatur viele “es scheint”-Ansichten zu geben, was doppelt ärgerlich ist: Es zeigt sich, dass egal nun wer in den letzten Jahren Forderungen gestellt und diese begründet hat, alles das ohne wissenschaftlichen Rückhalt getan zu haben. Oder anders: Die letzten Jahre haben alle Beteiligten Versuchskaninchen gespielt, was die aktuelle Situation noch dramatischer macht.
    Es wird aber noch einige Jahre dauern, bis auch die Wissenschaft aus der Amateurliga der Erkenntnis ins Profilager beim Thema Inklusion wechseln wird.

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