Schließanlagen und Kameras? Streit um besseren Schutz von Schulen vor Eindringlingen

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MÜNCHEN. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sorgt sich um die Schüler. Videoüberwachung könne die Sicherheit an Schulen erhöhen, sagt er. Anlass für den Vorstoß: der mutmaßliche Missbrauch einer Neunjährigen auf der Toilette einer Grundschule durch einen Eindringling. Die Präsidentin des bayerischen Lehrer- und Lehrerinneverbandes hat hingegen Bedenken.

Schüler und Lehrer haben grundsätzlich das Recht, sich unbeobachtet an der Schule zu bewegen. Foto: MichaelGaida / Pixabay (CC0 1.0)
“Wollen wir einen Hochsicherheitstrakt?” Foto: Michael Gaida / Pixabay (CC0 1.0)

Nach dem mutmaßlichen sexuellen Übergriff eines Mannes auf eine neunjährige Grundschülerin in Augsburg fordert der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, Maßnahmen für mehr Sicherheit an den Schulen. Es sei in den vergangenen Jahren ein Gewaltanstieg zu verzeichnen, sagte er auf Anfrage am Donnerstag. Meidinger sieht darin eine bedenkliche Entwicklung. Besonders beim Aufsichtspersonal seien Schulen schlecht aufgestellt. Videokameras oder automatische Schließanlagen könnten Meidinger zufolge für mehr Sicherheit sorgen. So könne man das Schulgebäude nach Unterrichtsbeginn abriegeln, um zu verhindern, dass Fremde ins Schulgebäude gelangen.

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Ein 21-Jähriger hatte sich laut Polizeiangaben am Dienstag in die Grundschule geschlichen und an einer Neunjährigen auf der Toilette vergangen. Gegen den Mann ist am Mittwoch Haftbefehl erlassen worden.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, sieht flächendeckende Videokameras oder Schließanlagen skeptisch: «Wir müssen immer bedenken: haben wir eine Schule, in der die Gesellschaft willkommen ist, oder haben wir einen Hochsicherheitstrakt?» Man solle auch bedenken, wie es auf die Kinder wirke, wenn man die Schulen mit Kameras und Schließanlagen ausstatte. Hundertprozentige Sicherheit gebe es auch durch Technik nicht. Stattdessen sollten die Sicherheitsvorkehrungen von Schule zu Schule individuell getroffen werden.

Das sieht auch das Bayerische Kultusministerium vor. Wie eine Sprecherin des Ministeriums mitteilte, muss jede staatliche Schule zusammen mit der Polizei ein eigenes Sicherheitskonzept entwickeln und kontinuierlich aktualisieren. Seit 2002 empfiehlt das Kultusministerium außerdem, die Türen der Schule nach Unterrichtsbeginn zu verschließen. Videoüberwachung sei im Eingangsbereich der Schule möglich, allerdings müsse man dies sorgfältig abwägen. Über die Installation von Kameras entscheiden die Schulen selbst.

Laut Fleischmann können auch Schüler dazu beitragen, dass es in der Schule sicherer wird: Wenn sie beispielsweise eine fremde Person im Gebäude treffen, sollen sie Lehrkräfte informieren. Das war auch am Dienstag in der Augsburger Grundschule geschehen: Eine Mitschülerin hatte die Hilferufe der Neunjährigen gehört und einen Lehrer verständigt. Dieser hielt den Mann fest, bis die Polizei eintraf. dpa

Missbrauch einer Grundschülerin auf der Schultoilette löst Debatte um Sicherheit aus

 

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2 KOMMENTARE

  1. Zur Videoüberwachung:
    Wer setzt sich dann an die Bildschirme und überwacht die Schülerströme bei den Unterrichtsanfangs- und Schlusszeiten? Wie kann man Freund und Feind unterscheiden?

    Während des Unterrichts sind die Grundschulen abgesperrt. Bei uns z.B. gibt es nur Zugang über Sprechanlage mit Kamera. Ich denke, dass das bei fast allen Grundschulen Bayerns der Fall ist. Nach dem Münchner Fall gab es Veränderungen und ein verschärftes Sicherheitskonzept. Seit über 10 Jahren ist unsere Schule während des Unterrichts verschlossen.
    Die neuralgischen Punkte sind die Unterrichtsanfangs- und Schlusszeiten. Das ist noch nicht zufriedenstellend gelöst vom Sicherheitsgedanken her. Genau da passierte in der Augsburger Grundschule der Übergriff.
    Da in der Grundschule öfter Erwachsene mit ins Schulhaus gehen, ist es da sehr schwer Freund und Feind zu unterscheiden. Wir sind angehalten, Erwachsene anzusprechen, was wir auch tun. Was ist, wenn diese uns anlügen? Ebenso kann eine solche Ansprache nicht lückenlos geschehen. Da müsste man zusätzlich Personal einstellen, das in den Schlusszeiten die Ausgänge überwacht, denn kann das in der Schule tätige Personal, das auch noch die Busaufsicht gewährleisten muss, nicht bewerkstelligen.
    Leider gibt es auch Eltern, die unnötig ins Schulhaus gehen, z.B. um ihren Kindern den angeblich zu schweren Schulranzen abzunehmen oder kurz mit dem Lehrer zu sprechen oder ihr Kind lückenlos zu “behüten”. Da ist jeder Einzelfall zu viel!

    Bei Schulhausneubauten oder Sanierungen muss man unbedingt darauf achten, dass die Toiletten zwischen Klassenzimmern sind und nicht abgeschieden am Ende irgendeines Ganges. Dann kann man die Klassenzimmertür offenlassen und man bekommt eher etwas Ungewöhnliches mit. Das wäre insgesamt auch gut, denn gerade dort wird eher einmal Unsinn gemacht. Grundschüler lässt man ja auch während des Unterrichts einmal auf die Toilette.

    In der Grundschule gibt es in der Regel 4 Unterrichtsschlusszeiten: nach der 4., 5. und 6. Stunde und für die Ganztagesklassen am Nachmittag. Letztendlich scheint das Ganze ein Problem des Unterrichtsschlusses zu sein, da es unterschiedliche Schlusszeiten gibt. Hier wäre ein Ansatzpunkt.

  2. Bei der Installation von Videoanlagen im Eingangsbereich von Schulen geht es natürlich nicht darum, dass da jemand dauernd am Monitor sitzt und eingreift, wenn ihm eine Person verdächtig vorkommt, sondern allein darum, dass das erkennbare Risiko für Gewalttäter und schulfremde Personen erhöht wird, nach einem eventuellen Verbrechen identifiziert und gefasst zu werden.

    Das Problem von per Hand zu verschließenden Türen ist immer, dass es mal jemand mal vergisst, zuzusperren bzw. bei größeren Schulgebäuden mit oft über 20 Eingängen keine Möglichkeit da ist, in Sekundenschnelle zu überprüfen, welche Eingänge offen oder geschlossen sind. Wir haben in unserem neuen Schulgebäude eine automatische auf bestimmte Uhrzeiten programmierbare, mit Türkameras versehene, aber auch per Tastendruck sofort aktionsfähige Schließanlage. Der Sicherheitsgewinn ist enrkennbar, auch wenn es absolute Sicherheit nicht geben kann.

    Was ich erschreckend finde, ist die Tatsache, dass der BEV (Bayerischer Elternverband) jetzt dem Kind und den Lehrkräften und Erziehungsberechtigten die Schuld zuzuschieben sucht, wenn er öffentlich fragt, “warum das Mädchen einem ihm unbekannten Mann so viel Vertrauen entgegenbrachte, dass es mit ihm zusammen die Toilette betreten habe, und was Schule und Kinder daraus zu lernen hätten.”
    https://www.pnp.de/nachrichten/bayern/3118391_Verband-gegen-Panik-nach-Uebergriff-an-Augsburger-Schule.html

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