Schluss mit dem Gleichschritt: Wie wir es Schülern ermöglichen können, in ihrem eigenen Tempo zu lernen

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BERLIN. Jedes Jahr verlassen rund 50.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss – Tendenz steigend. Zwischen 15 und 20 Prozent der 15-jährigen Schüler, so wird Deutschland von jeder PISA-Studie seit dem Jahr 2000 attestiert, verfügen kaum über die Bildungsgrundlagen, die für eine soziale und wirtschaftliche Teilhabe in der Gesellschaft notwendig sind. Hochgerechnet ist es ein Millionenheer von Kindern und Jugendlichen, das den Ansprüchen des Schulsystems nicht genügt. Die zentrale Vorgabe lautet, zu einem festgelegten Zeitpunkt X eine definierte Leistung Y zu erbringen. Warum eigentlich? Wieso dürfen Kinder nicht schneller oder langsamer lernen? Würde endlich der Binsenweisheit entsprochen, dass jedes Kind am besten in seinem eigenen Tempo lernt, ließe sich viel Schulfrust vermeiden – meint unser Gastautor, der Bildungswissenschaftler Prof. em. Manfred Bönsch.

Je heterogener die Schülerschaft ist, desto eher stößt ein Lernen im Gleichschritt an Grenzen. Foto: Shutterstock

Die Flexibilisierung des Unterrichts zugunsten unterschiedlicher Lerntempi –          Möglichkeiten vertikaler Differenzierung

Ausgang

Dass Unterricht nur erfolgreich ist, wenn er Lernern eine optimale Nutzung ihrer (Lern-)Ressourcen ermöglicht, also differenzierte Lernangebote macht, braucht nicht noch einmal begründet und erläutert zu werden (Bönsch, 2013, 3. Aufl.). Aber wenn die Unterrichtsorganisation eng getaktet ist in einer quasi endlosen Reihe von 45-Minuten-Stunden, kommen Differenzierungsansätze schnell an ihre Grenzen. Während  die horizontale Differenzierung (äußere und innere Differenzierung) recht gut entwickelt ist, stellt sich die vertikale Differenzierung immer noch als ein Problem dar, weil die Curricula, Jahrespläne, Arbeitsbücher immer zu einem bestimmten Zeitpunkt durchgearbeitet sein sollen und Leistungskontrollen in fixen Abfolgen angesetzt werden. Wenn ein Schüler nicht mithalten kann, bekommt er das schnell quittiert, obwohl sein Lerntempo vielleicht schlicht etwas langsamer ist. Wenn die Jahrgangsziele nicht erreicht werden, bleibt er eben sitzen. Die festgelegten Leistungskontrollen und die Zeugnisse ebnen Differenzierungsbemühungen schnell ein. Sie enden an den für alle gleichen „Kontrollstellen“. Dies ist das Ausgangsproblem für die folgenden Ausführungen.

Der Autor
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Unser Gastautor, Prof. em. Manfred Bönsch, ist der Verfasser zahlreicher Standardwerke zum Thema Differenzierung im Unterricht. Sein Credo (und gleichzeitig Titel einer Broschüre): “Heterogenität ist Alltag – Differenzierung die Antwort”.

In der Verlagsinformation zu dem Heft heißt es: “Schulen unternehmen große Anstrengungen zur Sicherung und steten Verbesserung der Schul- und Unterrichtsqualität. Die vorliegende Broschüre unterstützt sie darin. Zwei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Wie kann die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden im alltäglichen Unterrichtsablauf positiv und gewinnbringend gestaltet werden?
  • Wie kann das Lernen selbst in heterogenen Lerngruppen weiterentwickelt werden?

Der Autor gibt einen weit gespannten Überblick über die Formen differenzierter Lernwege und deren Ausgestaltung, immer mit dem Ziel im Blick, für jede Schülerin und jeden Schüler den optimalen Lernerfolg zu erreichen. In diesem Rahmen wird die Binnendifferenzierung systematisch entwickelt.

Hier lässt sich die Broschüre bestellen oder herunterladen (kostenpflichtig).

Weitere Werke von Manfred Bönsch zum Thema:

  • Erfolgreicheres Lernen durch Differenzierung im Unterricht, Braunschweig, 2017, 4. Aufl.
  • Intelligente Unterrichtsstrukturen, Baltmannsweiler, 2011, 5. Aufl.
  • Heterogenität und Differenzierung, Baltmannsweiler, 2018, 4. Aufl.
  • Gemeinsam verschieden lernen, Berlin, 2012
  • Produktives Lernen mit differenzierenden Unterrichtsmethoden, Braunschweig, 2013
  • Heterogenität ist der Alltag – Differenzierung ist die Antwort, Stuttgart, 2014

Flexibilisierung in vertikaler Richtung muss bedacht werden

1.     Veränderungen in der Schulorganisation (Makroperspektive)

Die Frage ist,  ob der mitunter träge Tanker „Schule“ flexibler werden könnte, um das Lernen im Gleichschritt durch unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten zu ersetzen. Gleich bleibende Lernziele, aber unterschiedlich lange Lernwege – das wäre das Motto für Veränderungen. Folgende Gedankenstränge mögen das konkretisieren.

1.1.         Veränderte Stufenkonzepte vom 0. Bis 13. Schuljahr

Innovative Grundschularbeit hat sich schon früh um eine veränderte Schuleingangsstufe (0. bis 2. Schuljahr) gekümmert. Den Eintritt in die Schule  flexibel zu gestalten –  mitunter mit mehreren Schuleintrittsterminen -, ihn von der sog. Schulfähigkeit unabhängig zu machen und auf unterschiedliche Entwicklungsstände einzugehen, waren dafür immer die Intentionen. Unabdingbares Konstruktionselement ist dafür altersgemischtes Lernen (Laging, 2003, 2. Aufl.). Dazu später weitere Ausführungen. Der große Thüringern Schulversuch oder auch der früher begonnene in Baden-Württemberg sind Beispiele für umfangreiche Bemühungen (Carle/Berthold, 2004).Das Verbleiben in den jeweiligen Stufen kann unterschiedlich gehandhabt werden (statt 2 Jahre beispielsweise nur 1 Jahr oder eben auch 3 Jahre).Die Organisation des Unterrichts ist dafür gut entwickelt. Weniger geklärt war immer, wie der Lehrplan gestaltet werden soll. Der Gedanke des Spiralcurriculum oder auch ein fester Plan von Unterrichtsprojekten waren in der Regel bestimmend.

1.2            Die Orientierungsstufe als Gelenkstück

Wenn es keine sechsjährige Grundschule geben kann wie in Berlin und Brandenburg, war und ist die zweijährige Orientierungsstufe (Schuljahre 5 und 6) das Gelenkstück, das zweijähriges weiteres gemeinsames Lernen und eine ruhige individuelle Entwicklung sichern kann. Im Zuge der Entwicklung der neuen Sekundarschulen wird die Orientierungsstufe erneut ein wichtiges Konstruktionselement (Bönsch, 2015), das im Übrigen einen wichtigen Vorläufer im niedersächsischen  differenzierten Mittelbau hat (Schoel, 1998 ).

1.3 Flex-Klassen

Interessant sind die Versuche, durch Flexibilität am Ende der Sekundarstufe I mehr Schülern  und Schülerinnen die Chance zum Erlangen eines Schulabschlusses zu geben. Unter dem Motto „Keiner ohne Abschluss“ werden sog. Flex-Klassen eingerichtet (8. – 10. Schuljahr), mit denen es möglich wird, unterschiedliche Zeiten zu nutzen (1 Schuljahr oder mehrere), um die eigenen Lernressourcen zu optimieren oder aber auch einfach Zeit zu gewinnen. Das Lernen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, das aktuell z. B. in den verregelten Bachelor-Studiengängen aktuell wird, ist ein Grundansatz für größere Flexibilität in  Lernorganisationen.

1.3           Abitur im eigenen Takt

Längst ist auch die Diskussion im Gang, das Abitur im eigenen Takt zu ermöglichen (Stöffler/Förtsch, 2014). Gemeint ist damit die Möglichkeit, in einer dreijährigen Sekundarstufe II Spielräume für Schüler und Schülerinnen zu schaffen, die es erlauben, selbst zu entscheiden, wann man welche Lernmodule  für das Abitur erbringen möchte: in zwei, drei oder auch vier Jahren. Hingewiesen wird dabei auf das Beispiel Finnlands. Dort machen die meisten ihr Abitur nach 3 Jahren. Aber 15 – 20% der Schüler brauchen vier Schuljahre, entweder weil sie ein zeitintensives Hobby oder Lernschwierigkeiten in einem oder mehreren Fächern haben oder ein breites Spektrum an Fächern für die strengen Eingangsprüfungen an den Universitäten vorweisen wollen. Auch  eine kürzere Zeit als drei Jahre ist möglich, wenn die geforderten 75 Kurse absolviert sind. Da Lerner unterschiedlich lernen, wäre das ein Weg, um jedem die Möglichkeit zu geben, seine Bildungsbiografie nach den eigenen Intentionen zu verfolgen.

Zwischenbilanz

Wenn man die Differenzierung des Lernens in vertikaler Perspektive bedenken will, sind also schulorganisatorisch genug Ansätze vorhanden, um die Lernzeit flexibler (dehnbarer) zu gestalten. Die bisher häufig recht starre Unterrichtsorganisation, die ja kein „Urgesetz“ ist,  hat prinzipiell genug Möglichkeiten, verkürzende oder verlängerte Lernwege hin zu den angebotenen Abschlüssen anzubieten. Das würde vielen helfen,  besonders denen, die aus problematischen Lebensverhältnissen kommen oder zunächst einmal Schwierigkeiten mit der Unterrichtssprache „Deutsch“ haben, ihre Wege und ihre Zeit zu bekommen, zu den Abschlüssen hin zu lernen.

2.     Veränderungen in der Unterrichtsorganisation  (Mikroperspektive)

Wenn man jetzt die Perspektive wechselt, stellt sich die Frage, welche Flexibilisierungsmöglichkeiten die  je einzelne Schule hat,  um in eigener Verantwortung die Lernmöglichkeiten zu verbessern. Man kann  auf folgende Ansatzpunkte hinweisen.

2.1 Flexible Unterrichtszeiten

Am einfachsten und in der Verfügung jedes Kollegiums ist die Veränderung der Unterrichtszeiten. Inzwischen gibt es viele Beispiele. Von der einfachen Doppelung der Unterrichtsstunden (90-Minuten-Einheiten) bis zu sehr einfallsreicher Nutzung der Unterrichtszeit mit 6o-Minuten-, 80-Minuten-Stunden oder einer Mischung von 30- und 60-Minuten Stunden gibt es viele Arrangements. Ein  Beispiel sei vorgestellt:

Der Plan sieht vor, mit vier Lernblöcken am Tag zu arbeiten. Jeder hat einen Zeitrahmen von 80 Minuten. Als Besonderheit ist an jedem Tag eine 40-minütige Lern- und Übungszeit eingebaut. Solch ein Unterrichtsplan erlaubt eine recht umfangeiche Flexibilisierung. In den 80 Minuten können die Fächer Vermittlungs- wie Selbstlernphasen planen. Die an jedem Vormittag stattfindende Lern- und Übungszeit kann mit Wochenplänen „gespeist“ werden, in die die Fächer jeweils ihre Anteile einbringen. Ist das selbstständige Lernen gut entwickelt, können die Schüler diese Phasen auch selbstständig nutzen, etwa in der Art des Daltonplans. Wenn sie z. B. Logbücher  haben, die ihnen für eine Reihe von Fächern vorgeben, was zu lernen ist – man könnte auch an Tablets denken -, können sie flexibel mit diesen Lernzeiten umgehen, in der einen Woche mehr Mathematik, in einer anderen mehr Englisch usw. Wenn das Fachraum-Prinzip  praktiziert wird, würden sie dann zu den Fachlehrern und Fachräumen gehen, für  die der aktuelle Lernbedarf besteht, und dort Lernberatung wie Lernmaterialien vorfinden. Konsequent weiter bedacht, würde dann die Frage differenzierter Leistungskontrollen in Bezug auf Termine wie Anspruchsvarianten zu bedenken sein. Das kann hier nicht verfolgt werden.

2.2  Die Fachlehrerkette  als Mobilitätsinstrument für schnelles und langsameres Lernen

Wenn die großrahmige Veränderung der Unterrichtsorganisation (noch) nicht möglich erscheint, wäre die Fachlehrerkette vielleicht ein Ansatz, der verfolgt werden könnte. Die Grundidee dabei ist, für die  Leistungsfächer Deutsch, Englisch, Mathematik) im Stundenplan sog. Bänder zu  organisieren. Englisch ist für mehrere Schuljahre immer zur gleichen Zeit am Vormittag angesetzt. Die beteiligten Lehrer und Lehrerinnen stehen für den Stoff von Quartalen oder Halbjahren bereit. Sie bilden also die Fachlehrerkette, an der die Schüler nach ihrem Lerntempo und Lernvermögen entlang lernen. Der eine ist ein schneller und guter Lerner und kann schnell vorankommen, der andere ist ein langsamer Lerner und kann sich auch Zeit lassen. Immer steht das entsprechende Lehrerangebot zur Verfügung. Ein guter Mathematiklerner könnte den Stoff der Sekundarstufe I in drei bis  vier Jahren erledigt haben, und bekäme dann Zeit für andere Fächer frei. Ein Lerner, der es schwerer hat und im 9. Schulbesuchsjahr ist, könnte ohne größere Probleme den Stoff des 7. oder 8. Schuljahres bearbeiten. Akzeleration wie Entschleunigung bekämen ihre Chance. Der Heterogenität der Schülerschaft könnte besser entsprochen werden. Eine ganz ähnliche Konstruktion  könnten die Kooperativen Gesamtschulen praktizieren, wenn sie z. B. guten Englischlernern im Realschulzug die Möglichkeit der Teilnahme am Englischunterricht des Gymnasialzuges ermöglichen würden, auch wenn er im Übrigen weiterhin Mitglied seiner Klasse im Realschulzug bleibt. Voraussetzung wäre wieder die zeitliche Gleichschaltung des Englischunterrichts in den verschiedenen Zügen.

2.3 Jahrgangsgemischte Klassen

Eine größere Veränderung bedeutet es für eine Schule, wenn sie das Jahrgangsprinzip zugunsten jahrgangsgemischter Lerngruppen aufgibt. Aus reformpädagogischen Konzepten ist  die Jahrgangsmischung seit langem bekannt. Die Jenaplanschulen nach den Ideen Peter Petersens (Petersen, 1980) sehen bekanntlich folgende Gruppierung vor:

  • Untergruppe: 1.-3. Schuljahr
  • Mittelgruppe: 4.-6. Schuljahr
  • Obergruppe: 7. und 8. Schuljahr
  • Jugendlichengruppe I: 9. und 10. Schuljahr
  • Jugendlichengruppe II: 11. und 12. Schuljahr

Maria Montessori hat die Idee der jahrgangsgemischten Gruppen ebenfalls verfolgt (Montessori, 1966; Helming, 1992). Reformerisch orientierte Schulen wie z. B. die Reformschule Kassel (Röhner/Skischus/Thies, 1998) oder auch die Laborschule in Bielefeld (Thurn/Tillmann, 1997) praktizieren sie ebenfalls. Grundschulen haben sie übernommen. Die Grundgedanken sind immer:

  • Unterschiede zwischen Menschen sind etwas Natürliches und ihre Bejahung erfährt jeder in gemischten Gruppen (v. Hentig, 1993, 2. Aufl.). Sie sind als Bereicherung zu verstehen.
  • In jahrgangsgemischten Gruppen können Schüler voneinander lernen. Das Miteinander führt zu natürlichem Lernen – wie in der Familie!
  • Das Bildungsgefälle wird lernwirksam: einer gibt, was er schon kann, weiter, ein Anderer lernt von ihm.
  • Das Sitzenbleiben ist kein Thema mehr.
  • Das soziale Lernen erhält größere Chancen. Solidarität und Differenz sind keine Antagonismen.
  • Der Einzelne bekommt Zeit für seine Entwicklung in einer anregenden Gruppierung.
  • Gleichschrittigkeit und Vereinheitlichung werden zugunsten von Differenz und unterschiedlichem Tempo aufgehoben.
  • Der langsame Lerner und der schnellere können ihre Wege gehen bei bestehen bleibender Gemeinsamkeit.
  • Die Differenziertheit des Lernens und die Kultur der Lernangebote erfahren eine viel stärkere Ausprägung.

Aber klar ist auch, dass die Veränderungen in der Unterrichtsorganisation recht  umfangreich sind. Die Curricula für jahrgangsgemischte Gruppen müssen anders organisiert werden. Die individuellen Lernfortschritte müssen gut dokumentiert werden. Gemeinsamkeit und Unterschiedlichkeit müssen  gut austariert werden. Der frühe Wechsel zur nächsten Gruppe oder das längere Verbleiben in der aktuellen Gruppe sind altersunabhängig zu gestalten.

2.4 Jahrgangsspringer und Expressklassen

Hingewiesen sei auch auf immer schon praktizierte Angebote. Das Überspringen von Jahrgangsklassen ist eine Möglichkeit. Eine Schülerin mit hoher Leistungsfähigkeit in der Breite der Schulfächer springt am Ende des 8 Schuljahres gleich in die Klasse des 10.Schuljahres. Dies wird zwar erkauft mit dem Verlust der Beziehungen zu der bisherigen Klasse, ermöglicht aber eben das schnellere Durchlaufen der Schule. Auch die dreijährige Sekundarstufe II ermöglicht Verkürzungen, weniger Verlängerungen! Immer wieder gibt es auch die Einrichtung von Expressklassen (Eilzugklassen, Schnelllernerklassen). Wenn es die Schülerzahl erlaubt,  können sie realisiert werden. Die Curricula von zwei Schuljahren werden komprimiert auf die Zeit eines Schuljahres, weil die Lernkapazitäten der teilnehmenden Schüler dies erlauben.

Fazit

Damit ist eine Reihe von Möglichkeiten der Flexibilisierung von Schule und Unterricht aufgezeigt worden. Die Ausgangsidee war, das Lernen in einer oft verfestigten Schulorganisation flexibler und damit individuell angepasster zu gestalten. Aber das soll kein Plädoyer für eine totale Individualisierung des Lernens sein. Das soziale Lernen muss stark genug bleiben. „Gemeinsam verschieden lernen“, wäre vielleicht das Motto, um Balancen zwischen zwei Grundanliegen zu finden.

Der Autor
Manfred Bönsch. Foto: privat

Manfred Bönsch, Prof. em. Dr., geb. 1935, 6 Jahre Lehrer an Grund-, Haupt- und Realschulen. Zweiitstudium mit Abschluss zum Dr. phil. Professur für Schulpädagogik zunächst an der HU Berlin, dann bis heute an der Leibniz-Universität Hannover. Zwischenzeitlich Rufe an die Universität Wuppertal und an die Universität Tübingen.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers heiß diskutiert.

Literatur

  • Bönsch, M.: Gemeinsam verschieden lernen, Berlin, 2012
  • Bönsch, M.: Die neuen Sekundarschulen und ihre Pädagogik, Weinheim, 2015
  • Bönsch, M.: Erfolgreicheres Lernen  durch Differenzierung im Unterricht,                    Braunschweig, 2013, 3. Aufl.
  • Carle, U./Berthold, B: Schuleingangsphase entwickeln – Leistung fördern,                  Baltmannsweiler, 2004
  • Helming, H.: Montessori-Pädagogik, Freiburg i. Br., 1992
  • von Hentig, H.: Die Schule neu denken, München, 1993, 2. Aufl.
  • Laging, R. (Hrsg.): Altersgemischtes Lernen in der Schule, Baltmannsweiler, 2003, 2. Aufl.
  • Petersen, P.: Der kleine Jenaplan, 1980, 56.-60. Aufl.
  • Richter, A.: Die gymnasiale Oberstufe im finnischen Schulsystem. In: Stöffler, F./Förtsch, M. (Hrsg.): „Abitur im eigenen Takt“. Die Flexible Oberstufe zwischen G8 und G9, Weinheim, 2014
  • Röhner, Ch./ Skischus, G./Thies, W.: Was versuchen Versuchsschulen? Einblicke in die Reformschule Kassel, Baltmannsweiler, 1998
  • Thurn, S./Tillmann, J.-J. (Hrsg.): Unsere Schule ist ein Haus des Lernens. Das Beispiel Laborschule Bielefeld, Reinbek, 1997
  • Schoel,R.: Der differenzierte Mittelbau, Frankfurt/M., 1998
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63 KOMMENTARE

  1. Der verehrte Herr Professor hat seit 50 Jahren nicht mehr unterrichtet, ist seit fast 20 Jahren emeritiert und möchte heute uns Lehrkräften erklären, wie man erfolgreich mit äußerst heterogenen Lerngruppen arbeitet. Ich weiß nicht …

    • Und wieso darf man keinen Vorschlag unterbreiten, nur weil man emeritiert ist und seit längerem keinen eigenen Unterricht mehr gegeben hat?

      Wer soll ihrer Meinung nach denn überhaupt wissen wie erfolgreicher Unterricht (mit heterogenen Lerngruppen) aussehen sollte? Sind es die Lehrer? Die Erziehungswissenschaftler? Oder jemand ganz anderes?

      In der Erziehungswissenschaft gab es schon immer verschiedene Strömungen und jeder ist davon überzeugt, dass nur sein Ansatz richtig sei. Wenn man mal wirklich ehrlich ist, gibt es nicht die eine Antwort auf guten/erfolgreichen/… Unterricht. Wir bringen es den Referendaren bei, oftmals schon in der Uni heißt es “Ein Unterricht ist dann gut, wenn …” und dann werden irgendwelche Punkte genannt, die niemand wirklich unwiderlegbar begründen kann. Jeder hat seine Meinung, jeder weiß es besser und am Ende weiß es doch eigentlich niemand so wirklich.

      Ich habe es mal gewagt zu sagen, dass die Schüler in Mathe so viel unnötiges lernen. Man sollte sich lieber auf das wesentliche konzentrieren und nur die wirklich interessierten Schüler mit vertiefender Mathematik “quälen”. Was glauben Sie welche Reaktionen es gab? Sicherlich keine Guten. Ich sollte dabei anmerken, dass ich selbst Mathematiklehrer bin. Von daher haben mir das die Leute nicht so sehr nachgetragen. Was glauben Sie, wenn ich dann z.B. als Nicht-Deutschlehrer sagen würde die Schüler lernen so viel unnötiges im Deutschunterricht? Da wäre der Aufschrei immens. Das spiegelt uns jedoch das eigentliche Problem wieder: Lehrer/Didaktiker/Erziehungswissenschaftler sind meist so von sich überzeugt, sodass viele nicht bereit sind sich neuem zu öffnen. Sich zu fragen was ist wirklich das Beste für meine Schüler?

      Das Schulsystem müsste definitiv überholt werden. Ein 200 Jahre altes System kann nicht in die heutige Zeit passen. Es wird nur nicht passieren und eine Teilschuld tragen wir: die Lehrer.

      • “Ich habe es mal gewagt zu sagen, dass die Schüler in Mathe so viel unnötiges lernen. Man sollte sich lieber auf das wesentliche konzentrieren und nur die wirklich interessierten Schüler mit vertiefender Mathematik “quälen”.”
        Das Argument ist nicht neu, aber grundsätzlich berechtigt. Nur will mir scheinen, dass man dieses Argument immer nur gegen die Mathematik wendet, nie gegen andere Fächer, etwa Religion, Sport oder so. Ist alles beim Fach Religion nötig, was da gelehrt wird? Ist es nötig, dass alle lernen, am Reck zu turnen, wo sie doch nach Schulende garantiert keinem Reck mehr begegnen werden (ausgenommen diejenigen, die speziell daran interessiert sind; das ist aber wie bei Mathematik auch) ?
        Letztlich berührt das auch die Frage, ob Bildung überhaupt nötig ist. Natürlich ist sie strenggenommen nicht oder nur eingeschränkt nötig. Für unsere Wirtschaft genügt es, wenn die Leute in ihrem Job funktionieren und ansonsten das Maul halten. Für die Politik genügt es, wenn sie die Bildzeitung lesen können und sich nicht weiter einmischen. Aber wollen wir das? Demokratie ohne Bildung, geht das?

  2. das vorgeschlagene Modell sieht eine sechsjährige Grundschule vor. Außerhalb von Berlin und (?) Brandenburg ist es nicht anwendbar – es sei denn, Klasse 2 oder 3 kann übersprungen werden. Ansonsten riecht das alles nach einer Montessori-Spaßveranstaltung, fernab von jedem Leistungsdenken, aber mit sozialistischer Einheitsschule und Einheitsabschluss.

    • Der Vorschlag verweist auch auf Orientierungsstufen in Nds. (Grundschule 1-4 und anschließend gemeinsam Klasse 5+6 mit Leistungsdifferenzierungskursen in Ma,Eng) sowie auf ähnliches Vorgehen in den neuen kooperativen Schulformen, in denen die SuS ebenfalls in Klasse 5+6 gemeinsam beschult werden.

      Im übrigen sind Montessori-Kindergärten und -Schulen keine Spaßveranstaltungen und nicht fernab von Leistungsdenken.

  3. Ich habe bei solchen extremen individualisierenden Ansätzen verschiedene Bedenken:

    Lernvermögen:
    Es gibt durchaus Kinder, bei denen das Lerntempo langsamer ist und die dann dasselbe in längerer Zeit lernen.
    Aber es gibt auch Kinder, die nur die Grundkenntnisse verstehen und nie ein gewisses Niveau erreichen.
    Wie oft hat man bei uns schon Kinder in Klasse 1/2 freiwillig zurückgestellt. Bei über der Hälfte ist es am Ende des 4. Schuljahres wieder dasselbe Dilemma.

    emotionale Reife und Klassengefüge:
    Zudem sehe ich zu viele Altersstufen in einer Klasse kritisch, weil sie eine unterschiedliche emotionale Reife haben.
    Das merkt man schon bei “überalterten” Grundschülern – spätestens wenn sie in der Vorpubertät sind.
    Meines Erachtens wird bei den Modellen der jahrgangsübergreifenden Modellen die unterschiedliche emotionale Reife der Schüler zu wenig berücksichtigt.

    Teamwork:
    Bei zu starker Differenzierung geht der Gedanke des Teamworks und des voneinander Lernens zu sehr unter. Wenn das Lernen zu sehr individualisiert ist, findet vieles materialgestützt in Einzelarbeit statt. Wo bleibt da das wichtige gemeinsame Erleben und gemeinsame Erarbeiten und das Gemeinschaftsgefühl, wir präsentieren etwas zusammen?

    Selbstbildnis:
    Auch schwächere Schüler sollen einmal mit Herausforderungen konfrontiert werden. Teilaspekte verstehen sie durchaus. Außerdem finde ich zu starke Kategorisierung als frustrierendes Element. Was ein Selbstbildnis entwickeln da die Schüler. Das SINUS – Projekt hat mit seiner Art der differenzierenden Aufgabenstellungen hier eine Alternative gefunden.

    Differenzierung ja, aber auf anderen Wegen und gemäßigt. Viel mehr bringen kleine Klassen und eine Doppelbesetzung etwas, wo man die Schüler individueller bei den Aufgaben betreuen kann. Wenn die Betreuung besser wäre und die Klassen kleiner, würde fast jeder normal Begabte den normalen Grundschulstoff ausreichend schaffen.

  4. Ob der Denkansatz umsetzbar ist oder nicht, tatsache ist, dass es ein Umdenken im Schulsystem geben muss, wenn wir weiter mit weniger Unterstützung von Eltern rechnen müssen und wenn wir allen Kindern gerecht werden wollen. Mein stets wiederholter Wunsch ist dann eben auch eine Verkleinerung der Lerngruppe, denn ein solches Konzept (dass ja auch für Inklusion spricht) ist nicht machbar mit so großen Schülerzahlen in einer Gruppe. Letztendlich sind wir wieder an dem Punkt, an dem die Politik Geld in die Hand nehmen muss, um die Lernsituation für alle Kinder zu verbessern. Diese Veränderung würde definitiv mehr Chancengleichheit gewährleisten.
    In der Realität sieht es anders aus.

  5. Ich habe viele Jahre jahrgangsübergreifend gearbeitet (1/2). Es gibt viele positive Aspekte. Die würden auch überwiegen, wenn die Bedingungen stimmen würden. Bei 25 oder bis zu 29 jahrgangsgemischten Kindern bin ich irgendwann beim Burnout gelandet und brauchte fast 2 Jahre, bis ich mein altes Leben zurück hatte. Es ist wie mit der Inklusion. Die guten Gedanken und Aspekte scheitern daran, dass man die Voraussetzungen nicht ändert. Sprich: Klassen, die mindestens um ein Drittel kleiner sind und wennmöglich Doppelbesetzung. Da dieser Fall nie eintreten wird, sollte man ganz schnell die Sache vergessen.

  6. Was Prof. Bönsch verschweigt: Es waren gerade die “Bildungswissenschaftler”, die uns die neuen KMK-Regelstandards beschert haben, deren Erreichen dann mit “Monitoring” (also Tests) ständig überprüft werden soll. Dieselben Leute haben die PISA-Hysterie zwar nicht komplett verschuldet, aber doch angestoßen und für ihr eigenes Fortkommen und ihre Wichtigkeit ausgenutzt. Und dieselben Leute haben es nie geschafft, belastbare Studien über den Nutzen des längeren gemeinsamen Lernens zu produzieren.

  7. Dieser Ansatz ist gar nicht so unrealistisch. Hierfür benötigt man nur ausreichend qualifiziertes Personal um schon ab Klasse 1 leistungsdifferenziert zu arbeiten: FORDERN und FÖRDERN als Leitsätze pädagogischer Arbeit. Interessen wecken, Begabungen aufdecken und fördern, nach einem soliden Grundwissen fachspezifisch differenzieren und entsprechend ausbilden. Kinder und Jugendliche würden entsprechend ihrem Leistungsvermögen beschult, könnten ihren Platz in der Gesellschaft erkennen und hätten erreichbare Ziele. Das Zusammenwirken zwischen beruflicher Orientierung und Schule könnte sich erheblich verbessern. Vielleicht ließen auch die psychischen Probleme im Schulalter nach.
    Schule braucht einen Wandel und muss aktualisiert werden.

    • Der Ansatz ist vollkommen unrealistisch! Zählen Sie in dem Studenplan oben mal die Unterrichtsblöcke und zählen Sie die Fächer der Sek I.

      • Für die 1. und 2. Klasse reicht der Stundenplan aus.
        Unrealistisch ist an diesem Ansatz, dass er nicht gelingen kann, wenn weiterhin 1 Lehrkraft mit 25-35 SchülerInnen vielfach differenziert für alles zuständig sein soll.

        Wird ausreichend qualifiziertes Personal gestellt, können wir über derlei Ansätze reden.
        Aber das hatten Olle Schachtel und mississippi ja auch schon erklärt, deren Ausführungen ich mich anschließe.

        Die Inklusion ist übrigens dafür ein gutes Beispiel: So sinnvoll die Umsetzung ist, ja, das finde ich immer noch, wird sie scheitern, weil die Politik nicht willens ist, sie angemessen auszustatten, sondern an Bildung spart und stets andere in der Pflicht sieht. So bleibt es ein Ideal, dessen Ziele sinnvoll sind, dessen Umsetzung jedoch verhindert wird.
        Gleiches gilt dann wohl für die bessere Beschulung benachteiligter Kinder von Beginn an.

  8. @Palim (at 12:40)
    Alles, was nicht so läuft wie versprochen und in der Theorie schöngemalt wird, kann leider entschuldigt werden mit der Ausrede, dass Enttäuschungen und mangelnde Erfolge nur an fehlender personeller bzw. materieller Ausstattung lägen. Mit dieser Begründung können falsche Reformen und methodische Irrwege bis in alle Ewigkeit unbeirrt fortgesetzt und Misserfolge bequem vertuscht werden, ohne dass verantwortliche Personen oder Gruppen jemals zur Rechenschaft gezogen werden.
    Hier denke ich u. a. an die GEW, die ich immer weniger als Gewerkschaft und immer mehr als Befürworterin und Antreiberin ideologischer Reformen sehe. Auch bei ihr liegt es immer nur am Geld, aber niemals an falschem Denken und Planen, wenn sich Reformen als Irrtum herausstellen.
    Stehender Ausdruck für dieses schuldabweisende Ritual ist die Formel: “Wir brauchen mehr Geld für Bildung.” Den Spruch gibt es seit Jahrzehnten und sogar Lehrer lassen sich immer wieder von ihm einwickeln, weil mehr Geld für mehr Personal schnelle Abhilfe bei der Bewältigung von immer mehr und immer komplizierteren Aufgaben verspricht.
    Ein Großteil der Aufgaben ist aber nicht vom Himmel gefallen und wurde nur zum Teil durch veränderte Umweltbedingungen verursacht. Wesentliche Mitschuld tragen gezielte Eingriffe, die sich als Flop herausstellten und stets aufs Neue mit mangelndem Geld erklärt wurden.
    Um Missverständnissen vorzubeugen: Ja, wir brauchen auch mehr Geld für Bildung. Doch Geldmangel erklärt bei Weitem nicht alles, was in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten im Bildungswesen schiefgelaufen ist.

    • Lieber Knut M., vielen Dank für Ihre wahren Worte. Falls Sie schon länger hier mitlesen, werden Sie wissen, dass exakt Ihre Feststellungen Palims Argumentation schon unzählige Male entgegengehalten worden sind. Falls nicht, haben Sie auf Anhieb voll ins Schwarze getroffen.

    • @Knut M. …warum sollte sich hier wer für Misserfolge oder gar Erfolge entschuldigen? Wichtiger noch, wessen Definition den Wert des Erreichten beurteilen darf.
      Apropos Geld und GEW, die setzen sich erfolgreich auch für angemessene Löhne ein. Dieser “ideologische Antrieb” dürfte ebenfalls in Ihrem Sinne sein.

    • Dann können Sie ja mal ganz konkret äußern, was Sie ändern wollen würden.
      Wie würden Sie bewältigen, dass viele Kinder nicht schulreif sind, wenn sie zur Schule kommen?
      Auf welche Weise möchten sie in heterogenen Gruppen den Unterricht bewerkstelligen?

      • Früher hätte man gesagt: wer nicht schulreif ist, wird eben nicht eingeschult. Analog hätte man gesagt: Wer den Standards des Gymnasiums nicht entspricht, soll eben nicht dorthin gehen bzw. kann dort eben nicht bleiben. Ob die riesige Heterogenität wirklich eine so große Tugend und Chance ist, das scheint mir noch nicht ausgemacht zu sein.
        Aber haben wir nicht bereits so eine Art von Observieren der Kinder durch Untersuchungen schon vor dem Schulalter? An solchen Stationen könnten die Eltern “verdonnert” werden, ihre Kinder zur Schulreife zu führen, evtl. durch extra Kurse (oder Therapeuten) oder so. Die wären ggfs. zu bezahlen (außer bei Hartz IV). Schließlich haben nach dem Grundgesetz die Eltern die Verantwortung für ihre Kinder. Man tut hier oft so, als solle man es als selbstverständlich hinnehmen, dass die Eltern ihre Verantwortung einfach ignorieren und nicht erfüllen. Man redet einfach nicht mehr davon.

        • “Früher hätte man gesagt: wer nicht schulreif ist, wird eben nicht eingeschult.”
          Klar. Nach 1 Jahr Schulkindergarten oder anderer Zurückstellung wurde das Kind dann aber eingeschult, schulreif oder nicht, und besuchte den Unterricht. Das hat sich fast gar nicht geändert, außer dass Eltern trotz Zurückstellung nun die Einschulung per Widerspruch einklagen.

          “Früher hätte man gesagt…”
          Ja. Früher hat man auch gesagt: Das Kind ist dumm. Man hat früher den Rohrstock bemüht und wenn das nicht half, wurde das Kind eben Hilfsarbeiter irgendwo. Das hat sich geändert.

          “Aber haben wir nicht bereits so eine Art von Observieren der Kinder durch Untersuchungen schon vor dem Schulalter?”
          Klar.
          DESK im Alter von 4 Jahren durch Ärztinnen des Gesundheitsamtes. Nachfolgend gibt es Elterngespräche mit Empfehlungen.
          Sprachüberprüfung durch die Schulen (bisher zumindest) im Alter von 5 Jahren. Nachfolgend gibt es Elterngespräche mit Empfehlungen und es GAB in Nds. Sprachförderunterricht für diese Kinder in Kleingruppen. Aber der wurde zu diesem Jahr gestrichen und wird von den Landkreisen und Kommunen nicht zeitnah neu organisiert.
          Screeningverfahren vor der Einschulung und gleich nach der Einschulung durch die Schule sowie die Untersuchung der Ärztinnen des Gesundheitsamtes. Nachfolgend gibt es Elterngespräche mit Empfehlungen.

          Und? Therapien werden von Ärzten nicht verschrieben (“Das wächst sich aus”), Therapieplätze gibt es viel zu wenige, spezielle Förderung durch Experten gibt es nur in ausgewählten Kindergärten für wenige Plätze, Frühförderung gibt es bis zur Einschulung, danach nicht mehr.

          Man tut hier oft so, als wollten Eltern sich nicht kümmern.
          Diese Eltern gibt es auch. Es ist erschreckend und traurig, solche Kinder in der Klasse zu haben, die offensichtlich lernfähig sind, durch häusliche Umstände aber am Lernen gehindert werden. Ich bekomme vermehrt den Eindruck, dass das Jugendamt dabei zuschaut oder selbst keine Handhabe hat.
          Aber es gibt auch viele Eltern, die sich nach den Elterngesprächen kümmern und dennoch so häufig leer ausgehen, dass sie den Mut verlieren bzw. Jahre auf Therapien warten, Jahre, die die Kinder verlieren.

        • Palim: Wenn ich von “früher” spreche, dann meine ich das innerhalb der Zeit nach Abschaffung des Rohrstocks.
          Was Sie leider gar nicht erwähnen, ist die Pflicht der Eltern gemäß Art. 6 GG, sich um ihre Kinder zu kümmern. Es gibt keine Rechte ohne Pflichten. Statt Sanktionen gegen Schüler knnte es auch Sanktionen gegen Eltern geben.
          Hier mal zur Diskussion einige ältere Erkenntnisse der Empiriker:
          http://www.schulformdebatte.de/index.php?page=basis
          Da meint ein Direktor eines Max-Planck-Instituts unter anderem: “Mit der ab 1970 an den Grundschulen eingeführten Regelversetzung und dem entsprechenden Rückgang der Sitzenbleiberquote „verliert die Grundschule gewissermaßen die Kontrolle darüber, dass ihre Schüler die kulturellen Grundfertigkeiten auch wirklich erwerben“.”

          • Welche Zeit meinen Sie denn genau, Herr AfD -Pressesprecher? In den 60- er Jahren war bereits von einer “Bildungskatastrophe” die Rede (Picht), weil große Teile der Bevölkerung von allen Bildungschancen abgekoppelt waren – die Leistung des Schulsystems genügte schon damals den ökonomischen Ansprüchen nicht mehr. Ist das Ihr Rezept für heute?

            Was PISA betrifft: Vermeiden Sie persönlich auch Arztbesuche, weil die Diagnosen schon mal unschön ausfallen können? Was genau schlagen Sie und Ihre Partei für die Schulen vor, außer Kinder wegzuschieben? Migranten, Behinderte, Nicht-Schulreife (was immer das sein soll) sind ja schon mal Ihre Streichkandidaten.

            Gibt’s auch konstruktive Vorschläge für die Bildung aus Ihren Reihen, die über Denunziantenportale gegen parteikritische Lehrer und eine neue, “ausgewogenere” Darstellung der Nazi-Zeit im Geschichtsunterricht hinausgehen?

          • Rückfrage: Gibt’s auch Kommentare von Ihnen, in denen Sie nicht die Verunglimpfung des Meinungsgegners als “Argument” benutzen, um in der Diskussion die Oberhand zu gewinnen?

          • Ein allgemeines Blabla über Picht, Bildungschancen und die großartigen Schulreformen hilft nicht weiter. Und mehr haben wir von Bernd noch nicht gehört. Wir haben ca. 20 % “Risikoschüler”, die bei Schulentlassung kaum lesen, schreiben und rechnen können, gar nicht gut für unsere “ökonomischen Ansprüche”. Haben wir die eigentlich trotz oder gerade wegen der vielen Reformen und der speziellen deutschen Version einer Einwanderungspolitik? Davon hat Picht nicht geredet.
            Und selbst wenn die AfD von einem Tag auf den anderen einfach verschwände, welche Probleme wären dann gelöst? Keine, im Gegenteil: Diejenigen, die immer so herablassend und tugendhaft auf die AfD schimpfen, hätten ein Problem, denn ihr Feindbild wäre verschwunden. Es würde klarer werden, dass sie sonst nichts zu bieten haben. Dieser Gedanke wird hier etwas intellektueller ausgeführt (Trigger-Warnung: Das ist nichts für allzu schlichte Gemüter mit einem schwarz/weiß-Weltbild):
            https://www.rubikon.news/artikel/solidaritat-statt-offene-grenzen

          • Nochmal: Sie sind immer nur dagegen- gegen Migranten, gegen Bildungsreformem, gegen die Repräsentanten der parlamentarischen Demokratie … WOFÜR sind Sie denn, bitteschön? Wie sehen Deutschlands Schulen (und Deutschland überhaupt) aus, wenn Sie und Ihre Parteikameraden Ihr Zerstörungswerk vollbracht haben?

          • Bernd, Gegenfrage: Wofür stehen SIE eigentlich in Fragen der Bildungspolitik? Außer Kommentare gegen alle, die nicht stur Ihrer Meinung bzgl. Migration sind, kommt von Ihnen nichts. Ich kann mich auch an keinen Beitrag erinnern, den Sie eröffnet haben.

          • Fülle ich hier tagein, tagaus dieses Forum mit Dauergemecker über die Jugend, eine am Kind orientierte Pädagogik, unliebsame Wissenschaft, die “Lügenpresse”, die Parteien, die offene Gesellschaft, Migranten undundund.. oder Leute wie Sie und Cavalieri? Da darf man schon mal fragen, in welche Richtung dieses Grundgenörgel gehen soll, oder?

            Aber wenn Sie mich fragen, wofür ich bildungspolitisch stehe – gerne: Ich trete für ein Schulsystem ein, das Werte wie Solidarität, Toleranz und Empathie mit Schwächeren vermittelt, das wissenschaftliche und kulturelle Neugier sowie Kreativität weckt, das Kinder und Jugendliche die Grundlagen der Demokratie erfahren lässt, das auf Begegnungen und Austausch über Grenzen hinweg setzt, das Lehrerinnen und Lehrern Raum gibt, sich um einzelne Schülerinnen und Schüler zu kümmern, das multiprofessionell arbeitet, das sich pädagogischen Fragestellungen wissenschaftlich – und nicht ideologisch – nähert, das offen ist für eine stetige Entwicklung (weil sich die Kinder nunmal auch verändern).

            Und das nicht auf Stillstand beharrt oder sich gar in eine imaginäre Vergangenheit zurückwünscht, die es so nie gegeben hat. Und das sich nicht über Ausgrenzung definiert.

            Ich bin darüber hinaus der Meinung, dass ein Großteil der Lehrerinnen und Lehrer sich nach Kräften – im Rahmen der Möglichkeiten, die ein unterfinanziertes System eben bietet – um eine kindgerechte und zukunftsgewandte Schule bemüht und vieles davon auch gelingt. Umso schlimmer finde ich es, wenn eine Anti-Partei wie die AfD versucht, diese engagierten Lehrkräfte mit Dauergemecker und Denunziantenportalen einzuschüchtern. Der Vorteil an dieser Aktion: Damit dürfte dem Letzten klar sein, was diesem Land blüht, wenn die AfD jemals in Regierungsverantwortung kommt.

          • Mir ist das nicht klar. Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass die AfD engagierte Lehrkräfte bemeckert und einschüchtert.
            Wenn “engagierte Lehrkräfte” allerdings bedeutet, die Schüler gegen die AfD aufzuwiegeln und damit gegen das Neutralitätsgebot zu verstoßen, dann hat die AfD durchaus etwas dagegen und fordert zur Meldung solcher Lehrer auf.
            Lehrer, die Parteien propagieren oder denunzieren, fallen für mich nicht unter das positive Urteil “engagiert”.

          • Ich hatte nur ein Buch von Nida-Rümelin verlinkt, Mit AfD-Propaganda hat das nun gar nichts zu tun. Nida-Rümelin war mal Bundesminister in der Regierung Schröder (SPD). Er hat Argumente. Ermeint z.B., dass — als Teil der neuen Bildungskatastrophe — Bildung mehr und mehr ersetzt wird durch sowas wie “Employability”. Kleines Zitat zur Frage, ob sich Erziehungswissenschaftler und Bildungsforscher vor den Karren der (ökonomischen) Interessen der OECD spannen lassen:
            “Man kann es noch ein bisschen zuspitzen: Dort, wo viel Geld ist, wo auch viel Forschungsgelder verteilt werden, wird man seine Dienste zur Verfügung stellen. So funktioniert der Markt.” Ich denke, damit hat er auch Recht.

            Und was Bernd als seinen “bildungspolitischen Standpunkt” beschreibt, kann auch einfach nur abgeschrieben sein aus dem GEW-Blättchen oder aus ähnlichen Postillen. Das ist kein Standpunkt, das ist das bekannte “Fähnlein im Wind” mit der bekannten Phraseologie.

          • @ Bernd, immer nur dagegen zu sein und immer nur alles verbieten zu wollen, hatte das nicht zuletzt CSU-Söder den Bayern-Grünen vorgeworfen? Das (Wahl-)Ergebnis ist bekannt.

          • @Cavalieri für wen oder was sollte es hier irgendjemand nötig haben, einen standpunkt abzuschreiben?

            schade, dass sie so u.a. so wichtige aussagen wie “das Kinder und Jugendliche die Grundlagen der Demokratie erfahren lässt, das auf Begegnungen und Austausch über Grenzen hinweg setzt” zur abgedroschenen phrase abwerten müssen.

          • Da antwortet Bernd auf eine Frage mit einer umfassenden Antwort und anschließend wird Ihm im Konjunktiv unterstellt, ein Abschreiben der Standpunkte von GEW-Standpunkten wäre eine mögliche Erklärung dafür, dass diese Standpunkte so niederzuschreiben wurden.

          • Wir kennen doch zur Genüge die üblichen Schlagworte wie “multiprofessionell”. Das sind dann oft keine eigenen Gedanken, die da formuliert werden, sondern die Übernahme von vorformulierten Phrasen, so nach Art von Sonntagsreden von Politikern. “… sich um einzelne Schülerinnen und Schüler zu kümmern …”, das ist doch nur ein Drumherumreden um die Frage der Verkleinerung von Schulklassen. Alle werden dafür sein, aber es hängt leider am Geld. Sowas hilft doch nun überhaupt nicht weiter.

          • Ich frage mich bei solchen Äußerungen immer, wie es Lehrkräfte schaffen, tatsächlich ohne jedewede Differenzierung auszukommen.

            Multiprofessionelle Teams bedeutet für mich:
            – die Sozialpädagogin wäre Ansprechpartnerin für psychisch auffällige SuS, für die mit Problemen zu Hause, womöglich für die Absprachen mit Jugendamt und Sozialamt und Familienhilfen, für Konfliktgespräche und vieles mehr. Und es gibt Schulen, da ist das so.
            – die Logopädin wäre mit zuständig für die Förderung der SuS mit sprachlichen Auffälligkeiten (Artikulatorisch) sowie die mit Förderbedarf Sprache und, da sie sich auskennt, auch für die mit Störungen in der phonologischen Bewusstheit
            – andere Therapeuten wären mit zuständig für Kinder mit anderen Förderbedarfen
            – SchulpsychologInnen sind im gesamten Bundesland in erreichbarer Nähe vertreten und ansprechbar
            – Sonderpädagogen gehören mit zum Team und sind mit zuständig für die Förderung von i-Kindern, aber auch für die Prävention

            Aber wenn man keine i-Kinder, keine Kinder mit psychischen Störungen und anderen Störungsbildern, keine Konflikte, keine häuslichen Probleme in der Schülerschaft hat … vielleicht kommt man dann auch ohne multiprofessionelle Teams aus. Dann könnten die übrigbleibenden Fachkräfte ja an andere Schulen geschickt werden und diejenigen, die das nicht brauchen (wollen), können den Unterricht sogar ohne Differenzierung schaffen, weil alle SuS lernfähig und stets lernbereit sind, die dargebotenen Inhalte im vorgegebenen Tempo zeitgleich zu erfassen, zu verarbeiten und anzuwenden.

          • So sehe ich das auch, Palim – wohlwissend, dass die Realität an den Schulen (noch) eine andere ist, wenngleich in den vergangenen Jahren doch eine nennenswerte Zahl von Sozialarbeitern an die Schulen gekommen ist, immerhin.

            Und Sie, Cavalieri, kommen aus Ihrem misanthropischen Dauergemecker offenbar überhaupt nicht mehr heraus – nicht mal soweit, dass Sie sich überhaupt nur vorstellen können, dass Menschen eigenständig positive Ziele und Ideen formulieren können. In Ihrem Polit-Club der wandelnden Leichen gibt’s sowas natürlich nicht.

          • Palim: Aber gibt’s diese multiprofessionellen Teams, die Sie beschreiben, überhaupt, oder werden die immer nur postuliert nach dem Motto: Das klingt gut ? Selbst für die i-Kinder fehlen doch — so hört man — diejenigen, die sie gesondert betreuen, weshalb dann oft alles bei der einen Lehrerin hängen bleibt, die damit überfordert ist. Postulieren kann man viel, es hängt aber eben am Geld, und das ist angeblich nicht vorhanden. Und ob diese Multiprofessionalität das Allheilmittel ist, bleibt auch dahingestellt. Ist das erwiesen oder nur ein Wunsch? Diese Feststellung hat nichts mit Misanthropie zu tun. Bernd weiß möglicherweise gar nicht, was Misanthropie ist, aber bemerkenswerterweise hatte mir die Redaktion schon mal hier Misanthropie vorgeworfen (aber sonst niemand). Es scheint eine geheime Verbindung zwischen Bernd und der Redaktion zu geben. Man könnte den Spieß umdrehen und “Blauäugigkeit” als Gegenbegriff zu “Misanthropie” benennen. Wie verlief eigentlich hier die Diskussion mit dem Inklusionsbefürworter Prof. Wocken?

          • Was sagt denn Wikipedia über Querulanten? Mir scheint, Bernd verwechselt hier Querulanten mit Querdenkern. das spricht nicht für seine höhere Bildung. In Bezug auf Diskussionen (auch kontroversen) macht “Querulant” überhaupt keinen Sinn.

          • Eine misanthropische Haltung äußert sich zuweilen in einer verschleierten Herabsetzung bestehender Zustände, die dann mit Zeitungsberichten einer so viel bescholtenen “Lügenpresse” noch untermauert wird, um die bestehenden Verhältnisse in einem anderen Lichte dastehen zu lassen.

          • Jetzt fehlt nur noch die Feststellung, Misanthropie sei per se verfassungswidrig. Wollen wir das Bundesverfassungsgericht damit beschäftigen? Und wer entscheidet, wer nun misanthrop ist und wer nicht? Wer als “Rassist” zu gelten hat, darüber wollen ja genau diejenigen entscheiden, die selber andere gerne als “Rassisten” bezeichnen. Eine irgendwie unabhängige Instanz, die das klären könnte, ist nicht vorgesehen. Sehr demokratisch.

          • Die Begriffe Halbneger, alimentierte Messermänner, Kümmeltürke mit Vielweibern in Lehmhütten weit jenseits de Bosporus sind eindeutig und weisen diese Leute, weil sie diese Bergriffe bewusst verwandten, eindeutig als Rassisten aus, die die Würde des Menschen verletzen und gegen Artikel 1 des Grundgesetzes verstoßen “Die Würde des Menschen ist unantastbar.”

          • glücklicherweise sind nach ihrer und bernds logik die begriffe kartoffel, aslack und köterrasse nicht rassistisch.

          • Sie argumentieren mit dem Holzhammer. Das klärt nämlich keineswegs die Frage der Abgrenzung, Wo endet der Begriff “Rassist”? Bei der Kritik an Frau Merkels Flüchtlingspolitik? Ich habe schon gelesen, dass der Rassismus-Vorwurf schon dann erhoben wurde, wenn jemand sich nur gegen Frau Merkels Flüchtlingspolitik geäußert hat. Und wenn Sie schon Art. 1 GG bemühen: Wie verhält sich der zu der Scharia, die für allerlei Handlungen (andere als Mord) die Todesstrafe vorsieht? Gehört die Scharia (das “einzig wahre göttliche Gesetz”) zu Deutschland?

          • @XXX
            Es ist schon etwas anderes, wenn derartige Wort-Neuschöpfungen in öffentlichen Reden von führenden Politikern einer Partei dann auch noch im Bundestag eine Anwendung finden.
            Im übrigen habe ich hier nicht derartige von ihnen genannte Begriffe gerechtfertigt, denn diese werden wohl aus persönlichen Aversion einzelner Personen zueinander geäußert und erfüllen den Straftatbestand der persönlichen Beleidigung, während die Äußerungen von den Damen und Herren Gauland, Poggenburg und Weidel eindeutig öffentlich diffamierenden Charakter einzelner Volksgruppen haben.
            Das ist zumindest rassistischer Hetze von Spitzenpolitikern.

          • @Cavalieri
            Rassismus fängt da an, wo Personen ethnische Minderheiten mit herabsetzenden und verallgemeinernden Begriffen als minderwertig diffamieren.
            Wenn Sie mir als gebildeter Mensch vormachen wollen, diese Grenzen nicht zu erkennen, ab wann Rassismus beginnt, dann wirkt das einfach nur unglaubhaft.

          • Sie bestätigen erneut, dass Migranten Einheimische aus rassistischen Gründen beleidigen dürfen, weil Sie ausdrücklich von Minderheiten schreiben.

            Was ist eigentlich an Schulen, in denen die Minderheit die Mehrheit stellt? Wer ist dann rassistisch?

          • Sie unterstellen hier falsches, denn niemand darf andere beleidigen und herabsetzen und das gilt wohl erst recht in der Vorbildfunktion für Spitzenpolitikern bei öffentlichen Auftritten, die sehr genau wissen wann und wie sie diese diffamierenden Begriffe einsetzen und wie deren Wirkung eben ist.

          • @XXX
            Verstehe ich Sie richtig, dass Sie die Beleidigungen unter heranwachsenden Schülern mit denen Beleidigungen und herablassenden Bemerkungen von Spitzenpolitikern in der Öffentlichkeit gegen ganze Völkergruppen und Minderheiten gleichsetzen ?
            In gleicher Weise sehen Sie ein unterschiedliches Lerntempo unterschiedlicher Gruppen von Schülern nicht für gegeben und gezielt förderbar ?

          • Ich habe mich nur auf Ihren Kommentar bezogen. Den Zusammenhang zu irgendwelchen politischen Parteien haben Sie sich ausgedacht, wahrscheinlich aus Motiven, die nichts mit dem Artikel zu tun haben. Sie traten ja erst auf, als Bernd Cavalieri Menschenhass vorwarf.

          • @XXX
            Sie weichen aus und bezeichneten mögliche unangemessene Beschimpfungen unter Heranwachsenden als Rassismus, wenn deren vulgäre Wörter sich gegen deutsche Mitschüler richten.
            Es handelt sich aber um heranwachsende minderjährige Schüler, die man noch positiv beeinflussen kann und eben nicht um Erwachsene.

            Aber den Bezug des offen geäußerten Rassismus durch führenden AfD-Funktionäre gegen ganze Bevölkerungsgruppen wollen Sie erst gar nicht als rassistisch wahrnehmen oder gar als solches beantwortet wissen.
            Zumindest ignorieren Sie die Frage als Lehrer, dessen Aufgabe es auch ist, erzieherisch tätig zu werden , und nicht sich abwertend gegenüber Schutzbefohlenen zu äußern, diese seien rassistisch.

            Ein derartiges Verhalten von Erwachsenen und Schülern zu behandeln gehört auch in den Unterricht und erst recht gehören die rassistischen Attacken der AfD-Führungsriege gegen Minderheiten, die als Feindbilder instrumentalisiert werden und auf deren Kosten erfolgreich versucht wird auf Stimmenfang zu gehen, in den Politikunterricht. Sie haben sehr wohl richtig verstanden !
            Und da können die AfD-Portale voll von Aufrufen sein, weil zumindest der völkisch-nationale rechte AfD-Flügel vom Verfassungsschutz beobachtet gehört.

          • Nein, Sie weichen aus, weil Sie sich nicht auf den Artikel beziehen. Sie wollen nur wie in letzter Zeit nahezu immer auf meine angebliche AfD-Nähe herumreiten, mehr nicht.

  9. Gleichschrittlernen ist unverzichtbar in der Grundschule, denn nur so kann man Schüler auf die verschiedenen Schultypen nach der 4. Klasse verteilen. Ebenso ist es auf dem Gymnasium notwendig, um für ein Studium ungeeignete Schüler auszusieben. Auf den untergeordneten Schulformen kann man ja Zusatzunterricht für Schüler in Fächern anbieten, wo sie nicht mitkommen.

    • Nana, wenn ich sowas schreiben würde, bekäme ich alle möglichen Schimpfwörter zu hören, zumindest aber, ein Ewig-Gestriger zu sein und mich den pädagogischen Segnungen der modernen Zeit zu verweigern. Es sei denn, Sie meinen das ironisch. Der Zusatzunterricht klingt aber nicht danach. Leider darf der ja nicht eingeführt werden, gerade weil alle dieselbe Stundenzahl haben sollen (Einheitlichkeit, alles andere gilt als Diskriminierung).

  10. Wenn wir Schulklassen von 5 bis 10 Kindern einrichten oder wenn die Disziplin wieder so wird wie 1905, sollte das individualisierte Lernen kein Problem sein. Wenn.

  11. “gleichschrittlernen” mag, wenn überhaupt allein in armeen seine berechtigung haben, in der restlichen welt insbesondere schulen ist inzwischen bekannt, dass wir es um unterschiedliche persönlichkeiten geht, die weder dieselbe schuhgröße noch dasselbe schritttempo haben.

    • Stimmt, das erklärt auch, warum manche Kinder mehr Zeit für Hausaufgaben brauchen als andere und warum es immer wieder vorkommt, dass bei Klassenarbeiten verschiedene Noten ‘rauskommen.

      • Unterschiedliche Noten? Unterschiedliche Begabungen? Sie sind sowohl behinderten- als auch migrantenfeindlich. Sie AfD-Pressesprecher sollten sich schämen.

        Das kann nicht sein, weil jedes Kind unabhängig von sozialer Herkunft, Behinderung, sonst was hochbegabt ist, man diese Begabungen nur finden muss. Jedes Kind kann ja auch das Gymnasium besuchen und schaffen.

    • Richtig. Aber Gleichschritt erfüllt ja gerade den Zweck, langsamere und schnellere Schüler zu erkennen und dementsprechend in zukünftige Bildungskarrieren einzuordnen. Das sollte schon in der Schule geschehen und nicht erst auf der Uni.

      • Gleichschritt ermöglicht es alle Schüler mitzunehmen, sie gezielt an die Inhalte heranzuführen und sie entsprechend ihrer unterschiedlichen Lerngeschwindigkeit zu fördern. Langsamer lernen bedeutet nicht, dass schwächere Schüler die Inhalte nicht begreifen. Sie setzen diese eben in längeren Zeiteinheiten bei gleichen Übungsinhalten langsamer um.
        Anstelle einer reinen Betreuung im Nachmittagsbereich wäre für viele Zugehörige einer der Risikogruppen eine gezielte Förderung in der Schule nötig.
        Es wird also mehr Personal benötigt, was finanziert werden muss.

  12. @cavalieri
    “Aber gibt’s diese multiprofessionellen Teams, die Sie beschreiben, überhaupt, oder werden die immer nur postuliert nach dem Motto: Das klingt gut ?”
    Es gibt Teams in manchen Schulen, es gibt Schulen mit Sozialpädagogen, es gibt viele Schulen, die eine geringfügige Versorgung mit Sonderpädagogen haben, es gibt auch Schulpsychologen.
    Die Anteile oder Bedingungen reichen aber so, wie sie sind, nicht aus.
    Was hilft es, wenn der Schulpsychologe für so viele SuS zuständig ist, dass er kaum erreichbar ist? In manchen BL gab es vor ein paar Jahren mehr als doppelt so viele Schulpsychologen, wie in anderen BL, in denen die Erreichbarkeit damit nicht gegeben war. Was hilft es, wenn Schulpsychologen testen dürfen, diese Tests aber nur für eine Empfehlung reichen, nicht aber für ein Rezept oder konkrete Hilfe, dazu dann aber doch ein niedergelassener Psychologen konsultiert werden muss – noch mehr Wartezeit und ehrlich gesagt auch noch mehr Geld, das verbraucht wird, bevor es überhaupt zu einer Förderung kommen kann.
    Was hilft es, wenn der Erlass die, ehrlich gesagt homöopathische, Versorung mit Sonderpädagogen regelt, die Lehrkräfte aber nicht vorhanden sind und die nicht zugewiesenen Stunden auch aus dem Soll gestrichen werden? Was hilft es, wenn die Schule, die Lehrkräfte in den Mobilen Dienst schickt, so weit entfernt ist, dass die Beratungs- oder Unterrichtszeit durch die Fahrzeit aufgebraucht wird?

    In dieser Hinsicht gibt es eine Menge Vorgaben, aber offensichtlich wurde da zum einen gespart, zum anderen wurden nie wirkliche Abstimmungen getroffen, sodass in der Realität eine Zusammenarbeit kaum möglich und eine tatsächliche Förderung kaum existent ist.
    Konkret: In den Grundschulen kommen mehr Stunden an, als vor der Inklusion, als man viele dieser Schüler auch schon 2-3 Jahre beschult hat. Aber es kommen zu wenige Stunden an, um die Schüler vernünftig fördern zu können und viel zu wenige für die SuS, die auf Fachschulen Förderung durch Fachkräfte erhalten haben.

    “Selbst für die i-Kinder fehlen doch — so hört man — diejenigen, die sie gesondert betreuen, weshalb dann oft alles bei der einen Lehrerin hängen bleibt, die damit überfordert ist.”
    Diejenigen, die die i-Kinder gesondert betreuen, sind für mich die I-Hilfen, Einzelfallhilfen.
    Die werden über das Jugendamt oder Sozialamt gestellt.
    Förderschullehrkräfte werden über das Land gestellt.
    Auch da gibt es offenbar keine klaren Absprachen und eine umgreifende Haltung zum Einsparen:
    1. Es gibt offenbar keine Vorgaben, welche Qualifikation die I-Hilfen vorweisen sollen. Ich habe gute Erfahrungen mit vielen unterschiedlichen I-Hilfen gemacht, aber ich weiß auch, dass manche für diese Aufgaben nicht ausgebildet, nicht geschult und nicht geeignet sind. Dann wird dies eher zu einem Problem. Manche Kostenträger suchen für diese Aufgaben absichtlich ungeschultest Personal, das mit geringfügigem Lohn eingestellt wird, während die Pauschale, die vom Amt bezahlt wird, gleich bleibt und damit dem Unternehmen dient.
    Bei ständigem Wechsel (konkret: 5 Personen die sich 17 mal in 1 Jahr abwechseln) kann es zu keiner kontinuierlichen Hilfe kommen.

    2. Die Frage, die uns gerade beschäftigt: Wann muss ein Amt und wann muss eine Förderschule ein ärztliches Attest anerkennen und daraufhin eine Förderung gewähren?
    Wie kann es sein, dass das Amt nicht anerkennt, was die Förderschule fordert und umgekehrt?
    Dies führt am Ende dazu, dass sowohl Förderschule als auch Amt zu dem Schluss kommen, sie seien nicht zuständig. Das Kind bekommt keine Förderung.
    Zuständig ist aber IMMER die Grundschule, die diese Kinder beschult.

    “Und ob diese Multiprofessionalität das Allheilmittel ist, bleibt auch dahingestellt. Ist das erwiesen oder nur ein Wunsch?”
    Ich habe Multiprofessionalität nicht als Allheilmittel dargestellt, aber wie kann man im Abrede stellen, dass es Fachkräfte gibt, deren Einsatz sinnvoll ist?
    Warum gehen Sie zum Zahnarzt und bitten Ihren Hausarzt nicht um eine Behandlung? Und warum übernimmt dieser nicht auch gleich die anstehende OP oder die Physiotherapie, wenn Sie die benötigen sollten?
    Warum gibt es Kanzleien mit Juristen unterschiedlicher fachlicher Schwerpunkte?
    Warum arbeiten in einem Planungsbüro Ingenieure und Techniker unterschiedlicher Fachrichtungen?
    Ist in diesen Bereichen Multiprofessionalität erwiesen oder nur ein Wunsch?

    Wenn man Heterogenität in Abrede stellt, wird man als einzelne Lehrkraft sicherlich unterrichten können. Dann bedarf es auch keiner Differenzierung, keiner Förderung, keiner Herausforderung.
    Meiner Meinung nach gelingt dies nur im Einzelunterricht. Der ist aber in Schulen nicht gegeben.

    • Ich stelle ja nicht in Abrede, dass der Einsatz von anderen Fachkräften als Lehrern in der Schule sinnvoll sein kann. Aber den Vergleich mit den Ärzten finde ich falsch: Zum Arzt geht man, wenn man krank ist. In die Schule gehen alle. Die Schule ist kein Krankenhaus. Und die Vorstellung, Sozialpädagogen oder Psychologen könnten die “kranken” Verhältnisse bei Schulkindern gesunden lassen, die möchte ich auch mal belegt sehen. Man tut immer so, als sei buchstäblich alles machbar. Sollen wir “Multiprofessionalität” als “Spezialistentum” deuten wie bei der Herzchirurgie? Wie viele Spezialisten brauchen wir dann? Für jeden Schülertypus einen?
      Wie sind die Erfahrungen? Wie machen das unsere Nachbarländer? Es ist ja auch alles eine Frage der Ressourcen. Die 700.000 Lehrer in Deutschland werden die Haushalte inkl. Nebenkosten, Pensionen usw. ca. 50 Milliarden Euro (oder mehr) pro Jahr kosten. Das ist doch eine Hausnummer. Wenn man jetzt noch ja 100.000 Sozialpädagogen und Psychologen beschäftigen wollte, wären das noch mal 10-15 Milliarden. Dafür würden die Leute gern mal Nachweise sehen, was das nun bringt. Und davon hört man wenig. Und so, wie Sie das unter 1. schreiben, ist es gar nicht einfach, alles optimal zu organisieren. Wer sucht die I-Hilfen aus? Welche bürokratischen Institutionen sind zuständig? Und Wunder kann das alles nicht bewirken.
      Als advocatus diaboli könnte man ja sagen: solange es noch nicht zahlreiche Sozialpädagogen und Schulpsychologen gibt, kann man immer sagen, das kann ja nichts werden, und kann mehr Multiprofessionalität fordern. Man hat eine universelle Entschuldigung. Ich frage mich auch, wieso das vor Jahrzehnten alles noch ohne die Multiprofessionalität zu gehen schien, und die Kinder haben auch nicht weniger gelernt als heute.
      Und so ganz überzeugt mich auch die Reklame dafür nicht, wenn ich das hier lese:
      http://www.ggs-an-den-linden-kleve.de/seite/264502/sozialpädagogik.html
      Ich bin gar nicht sicher, ob ich als Erstklässler gerne von anderen als Lehrern “professionell beobachtet” worden wäre. Vielleicht hätten die befunden, mein Verhalten sei der Umgebung proletarischer Mitschüler nicht gut genug angepasst, und ich hätte nicht genug Sozialkompetenz (was Sozialkompetenz bei Grundschülern wirklich bedeutet, weiß ich allerdings auch heute nicht). Es ist ja wohl kein Geheimnis, dass Leute in sozialen Bereichen oft nicht viel von dem halten, was man intellektuell nennt. Sie haben eine andere Sichtweise, und das wird bereits im Studium so angelegt.

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