Studie: Vorlesen hilft beim Lesenlernen – Beckmann: Auch Schulbüchereien haben Wirkung

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BERLIN. Wenn Kinder am Tag lediglich 15 Minuten vorgelesen wird, hat das schon enorme Wirkung: Diese Zeitspanne ist empfehlenswert, um Grundschülern das Lesenlernen zu erleichtern. Das zeigt eine aktuelle Studie der Stiftung Lesen, für die 500 Kinder und 500 Eltern befragt wurden. Demnach berichten nur 28 Prozent der Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, von frustrierenden Leseerfahrungen. Bei den Kindern, denen nur selten vorgelesen wird, empfindet mehr als die Hälfte der Grundschüler (52 Prozent) Lesefrust.

Im Ganztag - hier an einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen, das am Projekt "Ganz In" teilnimmt - können Schüler auch mal entspannt einen Comic lesen. Foto: Stiftung Mercator / flickr (CC BY 2.0)
In gut ausgestatteten Ganztagsschulen – hier an einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen, das am Projekt “Ganz In” teilnimmt – können Schüler auch mal entspannt einen Comic lesen. Foto: Stiftung Mercator / flickr (CC BY 2.0)

„Die heute veröffentlichte Vorlesestudie zeigt eindeutig den Zusammenhang zwischen einer gut ausgestatteten Schule und dem Leselernerfolg von Kindern´“, erklärt VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann. „Haben Schulen Leseecken und eine Bücherei und bieten Arbeitsgruppen rund um das Lesen an (nur 9 Prozent der befragten Kinder wussten das zu berichten), sagen fast zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler, dass sie besser als andere Kinder in ihrem Alter lesen können. An fast einem Viertel der Schulen gibt es laut der befragten Kinder aber keines dieser drei Merkmale. Da verwundert es nicht, wenn aus dieser Gruppe nur 16 Prozent sagen, besser lesen zu können als andere. Wo sollen sie ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten denn vertiefen?“ Für den VBE sei klar: Wenn die Politik möchte, dass Kinder (sehr) gut lesen können, müssen eben auch Angebote an den Schulen geschaffen werden. „Dafür braucht es ein entsprechendes Budget“, fordert Beckmann.

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Die Studie zeige auch den sehr positiven Zusammenhang zwischen dem täglichen oder mehrmals wöchentlichen Vorlesen und dem Eindruck (sowohl der Eltern als auch der Kinder), dass das Lesenlernen leicht fällt. Beckmann bemerkt kritisch: „Die Lesekompetenz ist wichtiges Basiskapital für den weiteren Bildungserfolg. Die Wahrscheinlichkeit, oft vorgelesen zu bekommen, korreliert stark mit dem sozio-ökonomischen Status der Eltern. Wird das Lesen an Schulen also nicht entsprechend gefördert, heißt das nichts anderes, als dass die Politik weiter Bildungsungerechtigkeit in Kauf nimmt. So manifestiert sich auch hier die Abhängigkeit der Leistung des Kindes vom sozio-ökonomischen Status der Eltern. Dieser Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und Elternhaus muss durchbrochen werden.“

Engagement der Eltern

Interessant ist Beckmann zufolge auch, dass nur ein Drittel der Jungen mit geringer Vorleseintensität gerne zur Schule geht, aber 80 Prozent der Mädchen mit hoher Vorleseintensität dies sagen. „Natürlich ist das Vorlesen nur ein Indikator unter vielen. Das Ergebnis deutet aber darauf hin, dass sich das Engagement der Eltern beim Vorlesen für die Kinder auszahlt. Umso wichtiger ist beim Eintritt in die Grundschule, dass durch das Zusammenwirken von Eltern und Lehrkräften die Entwicklung des Kindes von beiden Seiten weiter begleitet wird. Wo eine enge Erziehungspartnerschaft besteht, können Potenziale besser gefördert und Defizite früher erkannt werden“, betont Beckmann, der sich persönlich für die Leseförderung bei Kindern einsetzt. Beckmann ist Vorstandsmitglied der Stiftung Lesen. News4teachers / mit Material der dpa

Tipps für Eltern

Was Eltern nicht vergessen dürfen: Lesen ist ein hochkomplexer Vorgang. Kinder müssen nicht nur Buchstaben, Wörter und Sätze zu einer Geschichte zusammensetzen, sondern sich auch vorstellen können, was da steht. Ein paar Tipps, die das Lesenlernen leichter machen:

  • Bei der Auswahl des Lesestoffs den Interessen der Kinder folgen – nicht denen der Eltern. Auch mit Sachbüchern für Erstleser oder Comics können Kinder lesen lernen.
  • Für Leseanfänger sind Bücher mit sehr großer Schrift, einfachen Wörtern, vielen Bildern und ohne Silbentrennung gut geeignet. Die Geschichte sollte sich auch aus den Illustrationen erschließen.
  • Die Rollen tauschen: Auch und gerade Väter müssen vorlesen. Denn zu oft bleibt das Vorlesen an den Müttern hängen, auch in Kita oder Schule übernehmen das meistens Frauen. Kinder könnten deshalb den Eindruck bekommen, dass Lesen nur etwas für Mädchen ist, warnt die Stiftung Lesen. Dagegen kann ein vorlesender Papa ein wichtiges Rollenvorbild für Jungs sein.

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3 KOMMENTARE

  1. Für uns als Eltern war es selbstverständlich, unseren Kindern schon im Kindergarten regelmäßig abends vorzulesen. Für mich als Vater war es mit die schönste Zeit. Die Geschichten waren alle kindgerecht und spannend, meine Kinder waren begeistert und im Grundschulalter waren die Wurzeln gelegt, selber lesen zu wollen.

  2. Es gehört viel mehr dazu! Gespräche mit dem Baby von Anfang an, singen und es dazu wiegen, kleine Reime und Fingerspiele a’la “Das ist der Daumen”, Kniereiterspiele a’la “Hoppe Reiter”,Geschichten und später Märchen erzählen, kleine Kasperltheatervorführungen und Rollenspiele a’la Einkauf und Teddybärengeburtstag… Und nein, das ist nicht der Job des Kindergartens, denn die liebevolle Zuwendung im Einzelnen erfolgt nie so individuell wie im Elternhaus.

    • exakt. das ist Aufgabe der Eltern. Das steht allerdings leider im Widerspruch zur Wirtschaft, die beide Eltern nach spätestens sechs Monaten wieder voll im Beruf haben möchte. Dank der geringen Löhne gelingt das auch oft.

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