GEW regt Lehrer-“Coaching” für Schüler an: Zehn Minuten Einzelgespräch alle zwei Wochen

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STUTTGART. Die GEW fordert Zeit für regelmäßige Gespräche zwischen Lehrern und den einzelnen Schülern. Lehrer sollten sich etwa alle zwei Wochen zehn Minuten Zeit für ein persönliches Gespräch mit jedem ihrer Schüler nehmen können, so forderte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz der «Stuttgarter Zeitung».

Was läuft gut? Was ginge besser? Schüler sollen nach Willen der GEW ein regelmäßiges persönlisches Feedback bekommen. Foto: Shutterstock

Im sogenannten Coaching könnten Lehrer und Schüler über das Lernverhalten, über Fortschritte und auch über Persönliches sprechen. «Das ist wirksamer als viele Unterrichtsstunden», sagte Moritz. Coaching sei bereits gängige Praxis in den Gemeinschaftsschulen und entfalte dort, so Moritz, eine „eindrucksvolle Wirksamkeit“. Kinder würden damit gerne und freiwillig lernen, das Verhältnis zwischen Schule und Elternhaus werde offener. Die regelmäßigen Gespräche wirkten sich auf die ganze Schülerpersönlichkeit aus. „Das Coaching stärkt den respektvollen Umgang miteinander. Die Gespräche sind frei von Beschämen und Diskriminierung“, betont Moritz. „Diese Werte erlebbar zu machen, ist das Beste, das wir Schülerinnen und Schülern mitgeben können“, sagt die GEW-Vorsitzende.

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Es gehe darum, Schülern Erfolge bewusst zu machen. Die Jungen und Mädchen sollten erleben, dass sie Herausforderungen erfolgreich bewältigen und mit Misserfolgen umgehen könnten. Das sei im direkten Gespräch wirksamer als in der bloßen Rückmeldung durch Noten. Der Effekt des Coachings ist nach Einschätzung von Moritz durchweg positiv: Es vermittle Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein und animiere gleichzeitig zu verantwortlichem Handeln: „Das sind in der aktuellen gesellschaftspolitischen Situation wichtige Kompetenzen“, unterstreicht die GEW-Chefin.

Sie regt an, das Coaching schrittweise in den Eingangsklassen aller Schularten einzuführen. Dafür wäre nach Einschätzung der GEW  pro Klasse eine zusätzliche Lehrerstunde notwendig. Für alle Eingangsklassen der allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg wären das etwa 8000 Stunden oder 300 Lehrerstellen. dpa

Das Thema wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers heiß diskutiert.

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24 KOMMENTARE

  1. Pro Klasse also eine zusätzliche Lehrerstunde? Welches Mathematikgenie hat das mal wieder ausgerechnet? Wenn man von dem utopischen Klassenschnitt von 23 SuS ausgeht, müsste man pro Woche 11,5*10=115 Minuten pro Woche aufbringen, damit man alle 2 Wochen mit jedem Schüler 10 Minuten reden kann. Also fast das Doppelte. Nur sind es natürlich, wie die meisten Lehrkräfte bestätigen können, meist mehr als 23 SuS pro Klasse.

    Darüberhinaus ist doch die Frage welche Arbeit noch anfällt. Die Lehrkraft muss sich vorbereiten, was zusätzliche Arbeit ist. Wenn ich mir nur 5 Minuten pro SuS nehme, um mich auf das Gespräch vorzubereiten oder das Gespräch nachzubereiten, muss ich ja dann auch wieder knapp 1h pro Woche dafür aufbringen. Nur wird es vermutlich gar nicht so einfach sein. Schließlich muss ich ja Rückmeldung auch zu den Entwicklungen in den anderen Fächern geben können und somit muss man mit den Kollegen im Austausch sein. Was bringt es mir zudem als Lehrkraft für Mathe, wenn der Schüler vielleicht lieber über Deutsch reden möchte.

    Nette Idee, die Umsetzung kann so jedoch nicht gelingen.

  2. In der GEW sitzen zu viele Hohlbirnen! Ich habe in einigen Schuljahren ca. 150 Schüler. Das sind – wenn ich mich nicht so ganz verrechne – 1500 Minuten und damit 25 Stunden alle 14 Tage. Das ist im Grunde die Hälfte des Unterrichts.

    Liebe GEW, bei euch sitzen wirklich die hellsten Köpfe!

  3. Von der Idee her finde ich das auch gut. In der Realität sind das Dinge, die bei Bedarf doch sowieso schon geschehen. Es gibt dann nur eben jene Schüler, mit denen man öfter Grund hat zu reden und die anderen, die das nicht brauchen, weil alles klappt.

    In MeVo sollen die Verhaltensnoten auch damit verbunden sein, dass es ein Gespräch darüber mit Schülern und deren Eltern gibt. Ich glaube halbjährlich, auch da ist dann die Umsetzung fraglich. (Keine Ahnung momentan, wie das in MeVo realisiert wird.)

    Sollen solche Gespräche “Standard” werden, muss dafür Zeit zur Verfügung gestellt werden. Dass das einfach “oben draufgesattelt” wird, da müssen wir uns tüchtig wehren. Vielleicht macht das ja dann die GEW für uns. 🙂 Und die angestellten Lehrer für die verbeamteten?

    • Ich verstehe es eher so, dass das nicht jeder Fachlehrer macht, sondern nur der Klassenlehrer. Ich meine, es würde dafür reichen, wenn er SEINE Sicht mit den Schülern bespricht und nicht erst jeden Fachlehrer befragen muss, wenngleich man ja vieles durch Gespräche doch mitbekommt.

      Würde jeder Fachlehrer das alle 14 Tage machen müssen … die armen Schüler. Alle 14 Tage z.B. 7 x 10 Minuten Rückmeldung.

      Nein, ich denke, es geht um den Klassenlehrer und der hat ja dann nur 1 x rund 25 Schüler. Also 250 min. Gespräche, also rund 5,5 Unterrichtsstunden zusätzlich alle 14 Tage, sprich rund 2-3 Unterrichtsstunden pro Woche für Gespräche. Das müsste vom Stundendeputat abgezogen werden.

      Aber hat bei vielen dann nicht oft gar nichts Neues zu sagen???

  4. Das wären 120 Schulstunden Gespräch pro Schuljahr mit meiner Klasse, plus 24 Stunden Elterngespräche (grob geschätzt), plus (an unserer Schule) 240 Stunden Bewegungszeit und Frühstückspause zusätzlich …. und das bei 1040 Unterrichtsstunden im Schuljahr…,??? Rechtschreiben, Lesen und Rechnen, neue Medien, Sport, Musik, Kunst und Sachunterricht sollen da auch noch stattfinden. Frau Moritz, das ist in der Schullandschaft wie ich sie erlebe nicht möglich. Aber man kann dem Esel ja ruhig noch weitere Lasten auflegen, auch wenn der Bauch schon am Boden schleift….

  5. Der Gedanke ist gar nicht neu, bei uns tauchte er schon vor vielen Jahren auf, sollte aber irgendwie nebenbei erfolgen, sozusagen als festgelegte Schülersprechstunde außerhalb des Unterrichts, zu der SuS kommen können oder man sich SuS einlädt.
    Hat sich nicht bewährt.

    • Erstens sicherlich, weil es Mehrarbeit bedeutet – zumal für Lehrer, die schon an Schulausflügen mit ihrer Klasse nicht teilnehmen, weil das ihr kurzer Tag ist.

      Zweitens weil es sicherlich oft in vielen Fällen einfach nichts zu besprechen gibt, schon gar nicht alle 2 Wochen – und die anderen Gespräche laufen doch sowieso. Notgedrungen.

      • Ganz sicherlich, weil es jede Woche 1 Stunde Mehrarbeit ist.
        Die Alternative, es während des Unterrichts machen zu wollen, bedeutet selbst bei halbjährlichen Gesprächen mit jedem Schüler, dass man die SuS mehrere Stunden selbstständig UND allein arbeiten lässt, um vor der Tür Gespräche zu führen. Das ist selbst in Klasse 4 gewagt und sicherlich keine Qualitätssteigerung des Unterrichts.
        Während hier ja gerne behauptet wird, selbstständiges oder selbstgesteuertes Lernen würde bedeuten, man ließe die SuS allein vor sich hin werkeln, kann ich das für diverse offene Unterrichtsformen nicht bestätigen.

      • Herr Mückenfuß… was soll die Spitze mit den Lehrern die ihren kurzen Tag haben… Ich als Mutter von zwei Kinder arbeite schon lange nur Hälftig und lehe überall drauf, denn ich mache die gleiche Aufsicht, bin Klassenlehrer und mache alle Ausflüge mit meiner Klasse, nur fürs halbe Geld…. auch alle Konferenzen mussich mitmachen, obwohl ich nur für die Hälfte bezahlt werde. Und das nur, weil ich den Job mit zwei Kinderm zu Hause bucht mit28 Stunden gwuppt kriege. Wenn also ein Kollege ein geringes Deputat hat und damit früher aus hat, hat er nichtdie Verpflichtung immer in seiner Freizeit Ausflüge zu begleiten.

      • @ OlleSchachtel,

        weil ich es so erlebt habe und weil ich solche Kollegen kenne, die nichts machen würden, was sie nicht ausdrücklich bezahlt bekommen. Das finde ich bei Geringverdienern angebracht, aber nicht bei Lehrern mit um die 4000,- Euro brutto und deutlich mehr (je nach Erfahrungsstufe). Natürlich bin ich auch nicht für ausufernde Mehrarbeit, aber Sie kennen ja meine Einstellung, ein bisschen Engagment darf man bei guter Entlohnung auch erwarten.

        Die Berücksichtigung der Teilzeit ist ein großes neues Thema. Dazu habe ich auch eine Meinung, aber das führt mir jetzt zu weit weg. Es gibt ja inzwischen ein Urteil, dass das berücksichtigt werden muss. Dass man dann aber bei Konferenzen eine halbe Stunde früher gehen möchte als die anderen, sowas finde ich absurd. Ebenso die Aussage, man mache Ausflüge “fürs halbe Geld”, weil man in Teilzeit sei. Was ist das für eine Einstellung?

        Vielleicht gibt es dazu einen Artikel, wo wir eine Diskussion dazu führen können – oder in den “Lehrerforen”. 😉

        • Ein Grundschullehrer mit halber Stelle hat (in NRW) nach 25 Dienstjahren so um die 2000 Euro brutto. Ihre Zahlen sind mal wieder völlig abstrus! !!!
          Wenn man dann noch die tatsächlich vorhandene Mehrbelastung durch alles neben dem Unterricht sieht, ist es mehr als angemessen, öfter mal “Nein” zu sagen!

          • Ich komme auf rund 2300€ nach 25 Dienstjahren. Die Größenordnung stimmt aber im Wesentlichen.

            Quelle: https://www.schulministerium.nrw.de/docs/Recht/Dienstrecht/BesoldungEntgelt/Seiteneinstieg.pdf

            Wieso Sie allerdings die halbe Stelle als Basis angeben, verstehe ich nicht. Der einzige plausible Grund ist, dass Sie sie die Grundschullehrer wieder als am Hungertuch nagend darstellen wollen. In der Sache haben Sie aber recht, weil die (unbezahlten) Zusatzarbeiten als Lehrer bei Teilzeitkräften stärker zubuche schlagen als bei Vollzeitkräften.

            Nein sollten Sie wirklich öfter sagen. Das werden aber die wenigsten aus Idealismus tatsächlich tun, was das Land weiß und gnadenlos ausnutzt. Das gilt aber für alle Schulformen, also auch am Gymnasium mit der höchsten Arbeitsbelastung aller Schulformen.

          • Ich rede von einer halben Stelle in Bezug auf Olle Schachtel, der oben von sofawolf mangelndes Engagement als Spitzenverdiener vorgeworfen wurde.

          • @ xxx,

            ich nehme an, Sie reden vom Netto. Ich rede vom Brutto, da das Netto ja je nach Steuerklasse bei gleichem Brutto sehr unterschiedlich ausfallen kann.

            Dabei bin ich noch im mittleren Bereich geblieben. Neueingestellte Lehrer (aller Schularten) erhalten in Berlin derzeit bei mindestens 2 Fächern rund 5300,- Euro brutto; bei einem Wahlfach rund 4700,- Euro brutto. Die anderen sollen es bei milden “Auflagen” im nächsten Jahr auch erhalten. Genaueres kann man ja selbst googeln.

            https://www.berlin.de/sen/bildung/fachkraefte/einstellungen/lehrkraefte/

          • @ OlleSchachtel,

            Sie haben eine halbe Stelle an einer Grundschule? Also 14 statt 28 Unterrichtsstunden?

            Dann haben Sie sicherlich auch mindestens 1 Tag in der Woche frei. Stünde Ihnen zumindest zu, glaube ich.

            Sind Sie alleinerziehend? Ich meine, man muss das Klagen ja auch irgendwie “einordnen” können.

          • @ Herr Muckenfuß Ich schrieb von brutto in NRW. Die Höchststufe nach dem Link ist nach weniger als 25 Jahren mit rund 4600€ brutto erreicht.

  6. Solche regelmässigen Zweiergespräche sind Merkmal von individualisierendem Unterricht (innere Differenzierung). Es braucht neben frontalem Unterricht auch Phasen mit Selbstorganisiertem Lernen (SOL), im Rahmen von Wochenplanunterricht. Formen, die behutsam eingeführt und aufgebaut werden können.

    • Ich wollte das mit älteren Schülern mal einmal monatlich machen. Schon beim zweiten Mal bemerkte ich bei vielen einen merklichen Unwillen. Es gab einfach nichts Neues zu sagen.

  7. Fragen an die Lernenden: welches waren deine Zielsetzungen, welche hast du erreicht, welche nicht? Weshalb?
    Wo brauchst du zusätzliche Informationen? Was nimmst du dir vor? Bis wann? Lerngemeinschaften mit wem?Rückmeldungen an mich? Was erwartest du von mir? Was erwarte ich von dir? (gegenseitige Lernvereinbarungen).

    • Wie gesagt, schon beim zweiten Mal nach einem Monat hatten die älteren Schüler eine erkennbar deutliche Abneigung gegen diese Gespräche und Fragen dieser und ähnlicher Art.

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