Kampf dem Kakao an Schulen: Etappensieg für Foodwatch gegen die Milchbauern

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DÜSSELDORF. An vielen Schulen wird neben Milch auch Kakao angeboten. Der Verbraucherorganisation Foodwatch ist die Ausgabe des gezuckerten Getränks ein Dorn im Auge. Sie sieht unzulässige Werbung mit fragwürdigen Mitteln. Nun ist ihr ein Etappensieg gelungen.

Warum bloß wird in Schulen gezuckerte Milch verteilt? Foto:  Michael Ottersbach  / pixelio.de
Warum bloß wird in Schulen gezuckerte Milch verteilt? Foto: Michael Ottersbach / pixelio.de

Ist Kakao beim Frühstück etwa besser für die Zähne als Mineralwasser? So hatte es die nordrhein-westfälische Landesvereinigung der Milchwirtschaft (Milch NRW) dargestellt, muss nun aber zurückrudern – und darf künftig so nicht mehr für Schokomilch an Schulen werben. Nach einer Abmahnung durch die Verbraucherorganisation Foodwatch gab das Branchen-Sprachrohr eine entsprechende Unterlassungserklärung ab. Auch auf die Aussage, dass Kakao den Blutzuckerspiegel «optimal beeinflusst», verzichtet die Vereinigung künftig.

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An vielen Schulen in Nordrhein-Westfalen wird die Schokomilch vergünstigt angeboten – gefördert von der Landesregierung. Foodwatch wirft Milch NRW vor, die Produkte trotz ihres Zuckergehalts als gesund darzustellen. Zudem dürfe der Verband sogar Unterrichtseinheiten über Ernährung organisieren und dort auch Werbung machen. «Mit Zucker lässt sich Milch in den Schulen einfach besser verkaufen – da schrecken Unternehmen wie Lobbyisten nicht einmal vor unerlaubter Werbung zurück, um zuckrigen Kakao bei Schülern, Eltern und Lehrern als gesund darzustellen», sagte Geschäftsführer Martin Rücker. «So geht das Schulmilchprogramm zu Lasten der Kindergesundheit.»

“Guter Kompromiss”

Milch NRW hält die Abmahnung zwar für unberechtigt. Aus formaljuristischen Gründen habe man die Formulierungen auf der Internetseite und in Infobroschüren aber verändert, sagte ihr Sprecher. «Bei der Diskussion um Schulmilch vertritt die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW voll und ganz die Linie des NRW-Ministeriums. Priorisierung der Milch pur an Schulen – jedoch mit Kakao als gutem Kompromiss.»

Das NRW-Verbraucherschutzministerium teilte mit, die Unterlassungserklärung sei «selbstverständlich folgerichtig, wenn die Werbeaussage der Landesvereinigung Milch nicht wissenschaftlich korrekt war». Auf das Schulprogramm und die Zusammenarbeit mit der Landesvereinigung Milch habe der Vorgang aber keine Auswirkungen. «Milch ist ein Produkt, das hilft, den Kalziumbedarf von Kindern zu decken.» Nicht nur Milch NRW zog den Groll von Foodwatch auf sich: Auch der Lieferant Landliebe zog unlängst nach Kritik von Foodwatch Werbung wie «Kakao steigert die Intelligenz» zurück. dpa

Schulkakao: Foodwatch sieht darin “lobbyverseuchtes Absatzförderprogramm”

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2 KOMMENTARE

  1. Ein Vorgang, der zeigt, wie irrational, interessegeleitet und wenig nachhaltig hierzulande Politik betrieben wird. Kuhmilch ist als Nahrung für Menschen völlig ungeeignet, Kakao eines der ungesündesten, frei verkäuflichen Produkte überhaupt. Da kann man gleich Colakästen in die Klassenräume stellen und sich hinterher über Diabetes, Trägheit und Adipositas wundern.

  2. Colakästen braucht es an sich nicht. Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Schulnähe sind da völlig ausreichend.

    Zur Milch, wenn sie bereit sind mindestens 1,50€/l Milch im Supermarkt für Milch und bei verarbeiteten Milchprodunkten entsprechen höhere Preise zu zahlen bräuchte es soetwas nicht.
    Übrigens: Die Fähigkeit Milch zu verarbeiten ist in Europa seit ca. 12 000 Jahren möglich. Da der Mensch inzwischen die entsprechenden Enzyme auch im Erwachsenenalter besitzt, der Evolution sei Dank. Milch ist in den nördlichern Ländern (wo ich D auch zu zähle) der “Winterersatz” für wichtige Inhaltstoffe, die für die Erhaltung der Gesundheit wichtig sind, Beispielsweise für eine gesunde Knochensubstanz.

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