Eine Lehrerin bekennt: Ich gebe nur noch gute Noten, weil gerechte Zensuren eine Illusion sind – Debatte um Leistungsbewertung

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BERLIN. Philologen-Chefin Susanne Lin-Klitzing fordert strengere Abiturnoten – und hat damit eine Grundsatzdiskussion um Sinn und Gehalt von Zensuren ausgelöst. Auf „Spiegel online“ erschien heute das anonyme Bekenntnis einer Lehrerin eines nordrhein-westfälischen Berufskollegs, die angibt, nur noch gute Noten zu vergeben – bis hin zum Abitur. „Jeder bekommt eine Studienberechtigung“, sagt sie. Denn: „Es ist eine Illusion, dass Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Noten gerecht und verantwortungsbewusst Leistungen widerspiegeln können.“ Damit führt sie ein Argument an, das immer wieder auch von Verbänden und in der Wissenschaft vertreten wird.

Geben Noten tatsächlich ein objektives Leistungsniveau wieder? Illustration: pixabay
Wie aussagekräftig sind Zensuren? Illustration: pixabay

Der Deutsche Philologenverband verlangt strengere Bewertungen der Abiturienten in Deutschland. Nötig seien aussagekräftigere Abiturnoten, sagte die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing am Wochenende in Berlin (News4teachers berichtete). Dies sei erforderlich, „wenn wir wollen, dass die jungen Menschen gut auf das Arbeitsleben oder ein Studium vorbereitet werden“. Andernfalls erhielten viele Schülerinnen und Schüler eine positivere Rückmeldung über ihre Leistung, als es ihrem realen Stand entspreche, meint Lin-Klitzing. „Jenseits der Schule kann eine entsprechend falsche Selbsteinschätzung aber Probleme für die Betroffenen bringen.“ Hintergrund ihres Vorstoßes: Die durchschnittlichen Abschlussnoten werden immer besser, wenn auch nur leicht. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise lag das Mittel zuletzt bei 2,45, zehn Jahre vorher bei 2,64.

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Nur: Geben Zensuren wirklich ein objektives Bild vom Leistungsstand eines Schülers? „Die empirischen Ergebnisse der Schulforschung sind stabil seit Jahrzehnten: Seit 40 Jahren wird dieses verzerrte Bild beklagt. ‚Verzerrtes Bild‘ – das bedeutet, innerhalb einer Klasse beschreiben die Noten das, was man an Leistungsdifferenzen messen kann, relativ genau. Aber schon über Klassen oder gar Schulen hinweg – überhaupt nicht mehr. Noten sind schlicht nicht vergleichbar“, so erklärt Prof. Georg Breidenstein, Erziehungswissenschaftler an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, in einem Interview mit mdr Kultur.

Mit einer übergroßen Subjektivität der Lehrer habe das gar nichts zu tun. Breidenstein: „Gemessen wird die Leistung des Schülers an seinen Mitschülerinnen und Mitschülern. Das ist der Vergleichsmaßstab, die sogenannte soziale Bezugsnorm. Man kann empirisch zeigen, dass es immer dieser Maßstab ist, der die Notengebung dominiert. Der Lehrer hat also die Leistung und vergleicht sie mit denen der Mitschüler, die auch in dieser Situation gemessen worden ist – in einer Klassenarbeit zum Beispiel.“ Deshalb könnten Noten auch nicht den Anspruch erfüllen, ein gerechter Maßstab für Leistung zu sein (wie ihn Lin-Klitzing implizit erhebt). „An der Stelle gerate ich in Schwierigkeiten, wenn ich feststelle, dass diese Noten nicht vergleichbar sind – und zwar systematisch nicht vergleichbar sind. Denn das heißt, dass da ein systematisches Gerechtigkeitsproblem auftaucht, wenn die Noten nur im Rahmen der Schulklasse funktionieren“, sagt Breidenstein.

Disziplinierungs- und Motivierungsfunktion

Auch andere Funktionen werden Zensuren zugeschrieben – etwa eine Disziplinierungs- und Motivierungsfunktion. Doch stimmt es überhaupt, dass Schüler ohne Notendruck in Faulheit versinken? Die Kollegin, sich auf „Spiegel online“ dazu bekennt, nur noch gute Zensuren zu vergeben, beobachtet das Gegenteil. „Da die Noten als Druckmittel wegfallen, ist keine Schülerin und kein Schüler mehr dazu gezwungen, sich mit bestimmten Unterrichtsinhalten auseinanderzusetzen oder sich an etwas anzupassen. Ich muss nun also andere Wege finden, wenn ich möchte, dass sich die Schüler mit einem Thema beschäftigen. Das ist manchmal anstrengend. Aber vor allem macht es ganz viel Freude“, so schreibt sie.

Denn: „Die Schüler und Schülerinnen motiviert es, wenn sie ihr Lernen nun noch mehr selbst steuern und verantworten können. Und wenn man ihnen richtig viel zutraut. Dann entsteht mehr Raum für Teamgeist, Ehrlichkeit, Verantwortungsgefühl und Motivation – Grundlagen für nachhaltiges Lernen. Es fühlt sich richtig an, wenn sich alle im Klassenraum gerade aus Überzeugung und nicht aus Angst vor Konsequenzen ruhig verhalten.“

In dieselbe Kerbe hatten die GEW und der Kinderschutzbund im vergangenen März geschlagen – mit einer gemeinsamen Initiative in Schleswig-Holstein (News4teachers berichtete). „Die Annahme, Kinder würden ohne Ziffernnoten nicht ausreichend lernen, ist längst überholt“, erklärte die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Irene Johns. „Im Gegenteil: Studien belegen, dass gerade in der Grundschule Ziffernnoten die Leistungsmotivation beeinträchtigen – und das nicht nur bei leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern. Sie verstärken Leistungsängste und verringern die Lernfreude“, sagte Johns.

GEW-Landeschefin Astrid Henke befand: „Wer individuelle Förderung und Inklusion ernst nimmt, darf die Schülerinnen und Schüler nicht über einen Kamm scheren. Das geschieht aber bei der Vergabe von Ziffernnoten. Individuelle Rückmeldungen und Förderhinweise eignen sich daher viel besser als Instrumente der Leistungsbewertung.“ Agentur für Bildungsjournalismus

Hier geht es zum vollständigen Bekenntnis der Lehrerin auf “Spiegel online”.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

GEW befeuert Debatte um Abschaffung von Ziffernoten – KMK-Chefin Eisenmann stellt sich dagegen

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149 KOMMENTARE

  1. Da haben wir also eine Kollegin aus einem Berufskolleg, die erklärt, dass bei ihr jeder eine Studienberechtigung bekommt, weil sie Ziffernnoten generell ablehnt.
    Da wundert mich die massiv steigende Zahl von Studienabbrechern gar nicht mehr, die übrigens überdurchschnittlich oft über die berufliche Bildung an die Unis gelangt sind.
    Wenn Noten keine Rolle spielen, wird das Gesamtsystem ungerechter, weil dann nicht mehr messbare Leistungen, sondern Zusatzqualifikationen wie Auslandspraktika, gute Selbstvermarktung bei Vorstellungsgesprächen oder auch nur Beziehungen die wesentliche Rolle spielen. Da sind dann die girls and boys aus den upper classes eindeutig im Vorteil.

  2. Ich habe Kinder aus bildungsfernen Familien, die es für eine Zumutung halten einen Text zu lesen und bei freien Arbeitsformen nur störend durchs Klassenzimmer kreiseln, Aufgaben und Spiele nur anfangen, aber nicht beenden können. Die gewohnt sind den ganzen Tag von Fernsehen und Computerspielen unterhalten zu werden…. Die kommen so dann auch zum Studium???? Leistungsbeurteilung ist doch notwendig. Ob das nun in Ziffern erfolgt, oder über langatmige Texte, es bleibt eine Beurteilung. Die Wirtschaft, die händeringend junge, willige und gut gebildete Arbeitnehmer sucht, benötigt gewisse Voraussetzungen. Wie sollen die bitte erreicht werden ohne, dass Konkurrenz und Ehrgeiz erzeugt wird (ja, wie altbacken) und ohne dass Unlust und Faulheit konsequenzen hat??
    Tanzen wir dann alle unsere Namen?
    Diese Form des Schulsystems funktioniert meiner Meinung nach nicht, wenn hinterher die freie Marktwirtschaft wartet. Da freuen sich die Kinder aus Asien, die hier dann in Zukunft Arbeitsplätze erhalten, weil sie noch zu Leistung bereit sind. Viele der Jungen Uniabsolventen sowie auch viele Azubis sind so von sich selbst überzeugt, dass Chefs und Kollegen die Augen verdrehen ob der Selbstüberschätzung. Misserfolge können auch Ansporn sein. Lob um des Lobes willen halte ich für verkehrt.
    Ähnlich wie das Freie Schreiben wird man dann in ein paar Jahren wieder zurückrudern und feststellen, dass da doch nicht alles so stimmig ist.

    • @ynp
      Danke für den interessanten Artikel, ysnp! Erstaunt war ich über die Aussage “Denn nicht nur Erfolge motivieren. Auch die Angst vor Gefahr oder negativen Erfahrungen kann antreiben. Sogar Misserfolge können zur Motivation beitragen.”
      Bisher habe ich fast immer nur vernommen, Misserfolge seien per sé demotivierend.
      Gut zu wissen, dass sie auch anspornen können und nur in Fällen des Gefühls von totaler Aussichtslosigkeit resignierende Wirkung haben.

      Ihren Satz “Für Kinder ist es ausschlaggebend, wie Eltern und Lehrer auf ihre Erfolge und Misserfolge reagieren”, möchte ich dick unterstreichen und hinzufügen: Je jünger die Kinder, desto mehr trifft die Aussage zu. Für Grundschulkinder ist sie also besonders wichtig.

  3. Also ich weiß nicht. Schon unsere Viertklässler fragen: “Gibt es dafür eine Note?” Wenn die Antwort “ja” heißt (im Zweifelsfall immer) geben sie sich wesentlich mehr Mühe. Isso…

    • Wann fangen sie denn an zu fragen?
      Erst- und Zweitklässler fragen nicht und lernen trotzdem.

      Bei den Dritt- und Viertklässlern wird eben bei manchen sehr deutlich, dass sie sich nur noch für die Note anstrengen, alles andere zählt nicht (mehr).

      • Und was ist mit dem, was OlleSchachtel schreibt:
        “Ich habe Kinder aus bildungsfernen Familien, die es für eine Zumutung halten einen Text zu lesen und bei freien Arbeitsformen nur störend durchs Klassenzimmer kreiseln, …”
        Wie soll man die ohne Noten fördern? Auf Freiwilligkeit kann man offenbar doch nicht immer setzen. Also müsste der Freiwilligkeit beim Ausgleich von Defiziten etwas nachgeholfen werden. Aber wie?

        • Ich kann mir auch anderes als Noten vorstellen, aber Sie drücken sich um die Frage der Freiwilligkeit oder nicht! Ohne eine gewisse Form eines verpflichtenden “Nachsitzens” wird es doch kaum gehen. Wie sonst soll etwas gegenüber jenen aufgeholt werden, die ihrerseits auch permanent Fortschritte machen?

          • Dass die einen Aufholen, während die anderen stehen bleiben, ist Ihre Darstellung.
            Meine wäre, dass die schwächeren SuS Unterstützung erhalten, damit sie ihr persönliches Leistungspotenzial ausschöpfen können. Das ist unabhängig von den anderen in der Klasse.

            Zur “Freiwilligkeit” von Hausaufgabehilfe, Förder- bzw. Forderunterricht und anderem habe ich in den letzten Tagen mehrfach etwas geschrieben.

            Die Frage danach, ob Unlust und Faulheit Konsequenzen nach sich ziehen, ist für mich eine andere. Den SuS, die schwach im Unterricht sind, unterstelle ich nicht, dass die schwachen Leistungen allein aus Unwillen heraus entstehen.
            Auch eine individuelle Bezugsnorm oder eine individuelle Beurteilung bedeutet nicht, dass keinerlei Anforderungen gesetzt und keinerlei Ziele gesteckt und überprüft würden.

          • Um gegenüber anderen aufzuholen, muss man (zumindest vorübergehend) schneller als diese sein. Das ist also nicht unabhängig von den anderen. Man denke an einen Marathonlauf.
            Und was ist mit jenen, deren “Leistungspotential” eben nicht viel hergibt? Die werden weiterhin frustriert sein, gerade wenn sie sich anstrengen (wie bei einem Marathonläufer).
            Zur “Freiwilligkeit” haben Sie eben nicht geschrieben, ob diese geforderte Freiwilligkeit nicht etliche Fördermaßnahmen schlicht torpediert. Gerade wenn 2 Wochenstunden das Maximum sind. Sie haben mehrfach geschrieben, solche Maßnahmen waren gestrichen. Aber warum gibt’s keine Hausaufgabenbetreuung durch billige Honorarkräfte, etwa Studenten oder Pensioinäre? Und nur für die, die es nötig haben!
            Von den Bildungsforschern wird bislang auch nicht behauptet, dass Ganztagsschulen in dieser Hinsicht (Förderung der Problemschülerin den Fächern bzw. schulischen Leistungen) einen messbaren Effekt haben.

      • @mississippi
        Zustimmung pur, mississippi! Ihre Erfahrung mache ich auch ständig. Wenn die Schüler wissen, dass sie für ihre Arbeit eine Note bekommen, strengen sie sich viel mehr an und lernen sogar mit Freude und Ehrgeiz.
        Kinder lieben nun mal Leistung und Leistungsvergleiche, was man auch an Ihrer Vorliebe für Spiele sieht, bei denen es Sieger, aber auch Verlierer gibt.

        Ich werde Erwachsene nie verstehen, die so tun, als hätten sie einen besonderen Draht zu Kindern und dennoch die einfachsten Dinge vom Wesen des Kindes nicht verstehen und nur kuschelpädagogisches Wortgeklingel von sich geben. Kinder wollen nicht nur in Watte gepackt werden, weil sie sich davon nicht ernst genommen fühlen und allmählich Verachtung für diese Art ihrer Behandlung entwickeln.

        @Palim
        Wieder stelle ich fest, dass Ihre Schüler ganz anders sein müssen als meine. Meine Erst- und besonders die Zweitklässler fragen sehr wohl nach Zensuren und können die Zeit mit Noten kaum abwarten.
        Wenige Ausnahmen bestätigen nur die Regel..

        • Eltern, die noch nicht wissen, ab wann es Zensuren gibt, fragen ebenfalls gern danach. Aus verständlichen Gründen erkundigen sie sich auch oft, wie ihr Kind im Vergleich zu den Mitschülern dasteht, ob es gut mitkommt. Zensuren helfen ihnen bei dieser Einordung.
          Ich verstehe nicht dieses lebensfremde Rummäkeln an Zensuren. Erst recht verstehe ich nicht die Lehrerin, die es sich mit guten Noten für alle Schüler ganz schön leicht macht und obendrein eine Begründung abliefert, die ihr schmeichelt und sie als besonders gewissenhafte und gerechte Person darstellt.
          Moralische Begründungen sind doch für alles gut, auch wenn sie noch so fragwürdig sind.

        • ABC: “Kinder lieben nun mal Leistung und Leistungsvergleiche,”
          Ich bekomme langsam das Gefühl, dass Sie, mississippi u.a. einerseits und Palim andererseits von gänzlich unterschiedlichen Kindern reden. Dann müssen ja die Beurteilungen auch differieren.
          Ich nehme man etwas naiv an, gute Sportler lieben sportliche Leistungsvergleiche, schwache Sportler aber nicht. Musikalisch gut gebildete Kinder gehen auch gerne auf ein Podium zum Vorspielen, während dasselbe für schwache Musiker eher eine unangenehme Situation, wenn nicht gar eine Qual ist.

          • Da vertritt jemand als Netzwerker die Positionen des Grundschulverbands und ist hier stets präsent und aktiv.

          • Und was schließen Sie daraus, dass gute Sportler den Vergleich lieben, wie gute Musiker und gute Diktatschreiber?
            Mit wem möchten Sie sich messen?
            Ist es ein fairer Vergleich, wenn man von Ihnen verlangt, dass sie Koloraturen vom Blatt singen, im Hochsprung 2,40 m bringen oder die finnische Rechtschreibung beherrschen?
            Bevor wieder jemand unkt: Ja, die Beispiele sind unrealistisch. Aber es ist neuer Lernstoff für die meisten von uns, so wie für Kinder das, was in der Schule vorkommt. Die Vorkenntnisse sind unterschiedlich und die Zeit, die zum Üben zur Verfügung gestellt wird, begrenzt. Danach erfolgt der Test und die Benotung.

            Die Guten, gleich welcher Disziplin, werden für ihre Leistungen belohnt, egal, wie viel sie dafür eingesetzt haben. Damit haben sie Erfolg, der sie weiter beflügelt. Sie müssen sich über Lernwege und weitere Möglichkeiten eigentlich keine Gedanken machen.

            Die Schwachen, gleich welcher Disziplin, werden für ihre Leistungen nicht belohnt, egal, wie viel sie dafür eingesetzt haben.
            Es mag welche geben, die in dem Vergleich zu den Guten einen Ansporn sehen.
            Aber wie realistisch ist das, wenn der Abstand immens ist oder die Noten nach größerer Anstrengung und viel Übung gar nicht besser werden?

            Meiner Meinung nach geht es gerade um die besagten 20% und wie man ihnen Wege weist, zu besseren Leistungen zu kommen.
            Schlechte Noten sind manchmal unvermeidbar, weil das System sie verlangt, sie gehören aber m.E. nicht zu den hilfreichen Faktoren.
            Weitaus sinnvoller ist es gerade bei diesen SuS, ihnen deutlich vor Augen zu führen, dass Übung ihnen hilft und dass sie durchaus Fortschritte erzielen, damit auch diese SuS über Erfolge beflügelt werden.
            Manchmal sind diese sehr klein, stimmt, aber ohne Erfolg und Bestätigung verlieren Menschen schnell den Mut und ergeben sich der Aussichtslosigkeit.
            Darin ist m.E. auch häufig ein Grund zu finden, dass SuS sich gar nicht mehr auf den Unterricht einlassen und viel zu früh abgehängt werden.

            Sicherlich kann man Disziplin einfordern.
            Aber auch dabei benötigen gerade die Kinder, die aus bildungsfernen Häusern kommen, ebenfalls Hilfe, weil sie mit dem, was wir grundsätzlich annehmen und erwarten, zu wenig in Berührung kommen, und sie auch das lernen müssen, oder weil es in ihren Familien niemanden interessiert oder die Sanktionen in der Schule bei Weitem nicht das erreichen, was zu Hause üblich ist. Das ist nicht schön, aber es entspricht der Lebenswelt mancher SuS und ist für die Arbeit mit diesen relevant.

          • “ihnen deutlich vor Augen zu führen, dass Übung ihnen hilft”
            Und NOCH MEHR VERBINDLICHKEIT muss nicht sein? Sie wollen wohl die Kinder in Watte packen. Den Musikern erzählt man auch, dass Üben ihnen hilft. Trotzdem hapert es gerade bei den schwachen Leuten daran. Immerhin ist das freiwillig. Die allgemeinbildenden Schulen sind aber nicht freiwillig! Man kann den Grundschulkindern doch nicht anheim stellen, ob sie sich auf den Unterricht einlassen wollen oder nicht. Die Reife haben sie nicht. Gewisse Dinge müssten VERBINDLICH sein, so auch Hausaufgaben, notfalls mit Betreuung. Und genau um diesen Punkt reden Sie permanent herum.

          • “Und genau um diesen Punkt reden Sie permanent herum.”
            Nein, mache ich nicht.
            Sie unterstellen es mir seit mehreren Beiträgen, lesen aber offenbar nur die Zeilen, die Sie derart interpretieren können.

            Ich habe dargelegt, dass ich der Meinung bin, dass z.B. Hausaufgabenbetreuung wie auch Forder- und Förderunterricht als “Unterricht” im Erlass genannt sowie mit Lehrerstunden ausgestattet sein müsste und damit verbindlich und für alle SuS als Schulpflicht gelten kann. Das ist verbindlich.
            Ihre Entgegnung darauf war, dass man Studierende dafür einsetzen kann. Dass es um Verbindlichkeit ging, wollten Sie wohl übersehen.
            Dass es tatsächlich Regionen ohne Studierende gibt, kommt Ihnen zudem nicht in den Sinn. Selbst “Schüler helfen Schülern” ist nur möglich, wenn man ausreichend ältere Schüler in erreichbarer Nähe auftreiben kann.
            Da dürfen Sie gerne mal in die Botanik reisen und zeigen, wie man das “nur organisieren muss” (Ihre Worte!).

            Auch habe ich schon mehrfach geschrieben, dass der allgemeine Förderunterricht in meinem BL schon vor Jahren gestrichen wurde.
            Horte gibt es zudem in meiner Region nicht, sodass den Kindern darüber nicht geholfen werden kann, ebenso keine ErzieherInnen in den Schulen.

            Als Erziehungsmittel setzen Sie dann Noten an, Nacharbeiten gehört in meinem Bundesland durchaus auch dazu, es braucht nicht einmal eine Konferenz dafür.

            Gleichzeitig äußern Sie, dass ja nur der Unterschied zwischen der Note 4 oder 5 relevant sei.
            Wenn das alles ist, was an Noten interessiert, könnte man ja auch ein “bestanden” oder “nicht bestanden” einsetzen und hätte der Rückmeldung Genüge getan.

          • “könnte man ja auch ein “bestanden” oder “nicht bestanden” einsetzen …”
            Kann man machen, aber das Geschrei über die soziale Benachteiligung derer, die dann nicht bestanden haben, wäre doch etwa dasselbe.
            Ich habe nicht gesagt, Studenten müssten die Hausaufgabenbetreuung machen, sondern dass ein Staatsexamen dafür nicht nötig ist. Man kann also so vorgehen, wie bei den Nachmittagsangeboten an Ganztagsschulen (allen voran Sport): die formale Qualifikation der Betreuer ist hier nicht das entscheidende. Mit “verpflichtend” oder “nicht verpflichtend” hat das nichts erkennbares zu tun. Wo es keine Studenten gibt, gibt es zumindest Gymnasiasten höherer Klassenstufen, die für die Hausaufgabenbetreuung untererer Klassenstufen hinreichend qualifiziert wären. Oder auch pensionierte Lehrer. Oder auch ehem. Lehrerinnen, die sich den Stress selbst einer halben Stelle nicht zumuten wollen, weil das Familienbudget nicht entscheidend davon abhängt. Nachhilfeunterricht gibt’s doch auch überall, woher rekrutieren denn die ihr Personal? Ich glaube, Sie bauen jetzt Abwehrargumente ein, nur um nicht der Verbindlichkeit (aber nicht für ALLE, sondern nur die aus bildungsfernem Milieu) zustimmen zu müssen. Warum soll es eine zwangsweise Hausaufgabenbetreuung für ALLE geben? Wer jetzt gut klarkommt, wird auch künftig gut klarkommen. Es geht doch um eine Extrabehandlung eines gewissen Teils der SuS (der “sozial Benachteiligten”). Aber ich wette, das wird gleich als “Stigmatisierung” missinterpretiert nach dem Motto: Wie kann mann denn Leute, die in Klasse 4 noch nicht lesen und schreiben können, zu Extrastunden verpfichten! Das geht ja zu Lasten der Freizeit, wie schrecklich!

          • Und wieder kommen Unterstellungen, was sie meinen, was ich geschrieben hätte oder was ich schreiben müsste.

            Diskutieren Sie das weiter mit sich selbst, das ist für Sie offenbar aufschlussreicher, als sich mit realen Begebenheiten in anderen Regionen beschäftigen zu müssen.

          • Zitat von Palim oben: “Ich habe dargelegt, dass ich der Meinung bin, dass z.B. Hausaufgabenbetreuung […] als “Unterricht” im Erlass genannt […] und damit verbindlich und für alle (!) SuS als Schulpflicht gelten kann.”
            Und ich frage: Wozu dieser horrende Aufwand, wozu eine Maximalforderung, wenn es doch nur um die kleine Minderheit jener oft zitierten 20 % Risikoschüler geht. Mit der Sprachkompetenz durch Kitapflicht ist das ja ganz ähnlich. Nicht alle benötigen eine Kita dafür. Man sollte doch froh sein, wenn viele Kinder zu Hause genug Unterstützung haben, und sich auf die anderen konzentrieren.

          • Für die bisher in Nds. durchgeführt Sprachförderung vor der Einschulung wurde extra der Erlass geändert, sodass diese als Schulpflicht galt, sobald das Kind dazu einbestellt wurde.
            Das bedeutete nicht, dass alle Kinder diese besuchen mussten, wohl aber, dass die Regelungen hinsichtlich des Unterrichts bzw. der Fehlzeiten auch für diese Stunden gelten, obwohl sie vor der Einschulung lagen und außerhalb des Gebäudes und gel. auch außerhalb des Schulvormittages.

            SIE waren es doch, der gefragt hat, wie man SuS dazu einbestellen und verpflichten kann. Die Sprachförderung zeigt, wie es gehen könnte.
            Aber das wollen SIE ja nicht lesen und wahrhaben, lieber kommen SIE mit weiteren Unterstellungen.

            Wenn Förder- und Forderunterricht zudem nicht mit Lehrerstunden in der Stundentafel und im Soll der Schule verankert werden, sind sie nicht existent.
            Natürlich können Sie weiter auf Ehrenamtliche setzen, das würden wir auch gerne, bis auch Ihnen jemand von der Behörde vorschreibt, dass Sie dies so nicht weiter durchführen dürfen, gleich welche Qualifikationen vorgelegt wurden.

          • Ich meinte primär die Hausaufgabenbetreuung, nicht den Förderunterricht vor Einschulung (14.1., 20:40). Die müsste für Problemkinder (nach vernünftigen Kriterien) verbindlich sein in dem Sinne, dass sie nicht nur als Pflicht auf dem Papier steht, sondern tatsächlich ohne “wenn und aber” durchgesetzt wird. DAS wäre dann ein Ersatz für die elterliche Hilfe zu Hause, die zu den sozialen Ungerechtigkeiten führt. Und Hausaufgabenbetreuung muss nicht von Lehrern gemacht werden (das ist kein Unterricht!), die Eltern sind ja auch nicht alle Lehrer. Was also spricht dagegen? Doch höchstens bürokratische und juristische Sturheit. Finanziell wäre das kein Riesenbrocken, weil es nur einen Teil der Schüler betrifft und weil man sie in Gruppen zusammen versorgen kann. Zudem wären die Betreuer nicht teurer als die für Nachhilfeunterricht (was bekommen die denn pro Stunde?). Für zwei Parallelklassen würde wohl eine Gruppe mit einem Betreuer ausreichen, bei Brennpunktschulen vielleicht mehr. In einer “normalen” zweizügigen Grundschule wären das vier Zeitstunden (ggfs. Doppelschulstunden) pro Tag, also nicht über 100 € Honorarkosten (viel billiger als zusätzliche Lehrer mit Pensionsberechtigung). Drei- bis viermal pro Woche sollte reichen, ca. 160 Tage pro Jahr. Der Freitagnachmittag ist ohnehin frei selbst in Ganztagsschulen. Kostenpunkt: nicht mehr als eine Viertel (!) Lehrerstelle (mit Nebenkosten wie Beihilfe, Pensionsrückstellungen usw.).
            Bernd: Ist das nicht ein konstruktiver Vorschlag?

      • Wann fangen sie an zu fragen?
        Das ist genau das Problem. Da ab der 3. Klasse überall Noten gegeben werden, nur in Englisch nicht, wollen die Schüler bei Tests mit Punkten ständig eine Aussage, was das für eine Note wäre. Weil alles benotet wird, wollen sie Noten wissen. Irgendwo in den Kommentaren erkennt Cavalieri richtig: Die guten Schüler werden gerne benotet, weil jede Note ihnen Erfolg zurückmeldet, deshalb wollen sie benotet werden. Den schwachen Schülern ist ihre Note eher peinlich. Eine krasse Erfahrung ist es für diejenigen, die denselben oder mehr Lernaufwand betrieben haben wie die guten Schüler.
        Wie leben damit die Waldorfschüler, die sehr lange keine Noten bekommen?

        Auch Lehrer leben vom Aufwand her leichter damit, wenn sie benoten können und sich nicht differenzierte Wortrückmeldungen ausdenken müssen.

        Wenn man einmal mit der Benotung angefangen hat, mache ich ebenso die Erfahrung, dass eine größere Menge an Schülern sich in einfachen Dingen anstrengt.
        Klassische Beispiele: Gedicht auswendig lernen, Lesehausaufgaben, häufige 1×1 Tests, sorgfältige Dokumentationen.
        Wenn ich noch die Schrift benoten dürfte, dann würde ich da auch dieses Phänomen beobachten.
        Für so kleine Dinge sind Noten extrinsisch motivierend.

        Wenn es allerdings auf komplexes Leistungsvermögen ankommt, dann sind Noten für die mittleren und vor allem die schwachen Schüler kontraproduktiv.

        • Das deckt sich ja mit dem tollen Artikel zur Motivation, den du eben verlinkt hast:
          Scheint das Ziel erreichbar, lohnen sich Motivation und Anstrengung,
          ist es unterrichbar, kommt es zur Aufgabe.

          Zur Motivation bei den kleinen Aufgaben sehe ich, dass sich die Guten dafür kaum anstrengen müssen, oder die Arbeit bzw. Aufgabe auch für ein Lob oder eine andere Form der Belohnung gerne auf sich nehmen, weil ihnen dies als Erfolg ausreicht. Sie scheuen einen Vergleich nicht, weil sie wissen, dass sie darin gut sind. Sie fragen selbst nach diesen Testformen, sogar nach Diktaten, und messen sich freiwillig mit anderen, indem sie z.B. 1×1-Aufgaben um die Wette rechnen, weil sie durch die in dem verlinkten Artikel genannte Vorfreude (auf ein gutes Abschneiden) motiviert sind. Dabei suchen sich Kinder aber ebenbürtige Mitsteiter, weil sie einen fairen Vergleich wollen.

          Manche Kinder lassen sich durch Noten motivieren. Vor allem die Minimalisten, die nur für die Note arbeiten, weil sie nur darin den Sinn erkennen.
          Wer schon weiß, dass er trotz Übens wiederholt schlecht abschneiden wird, wird sich nicht freiwillig auf den Test einlassen und unterlässt im schlimmsten Fall nach einer Weile auch die Anstrengung, in diesem Bereich überhaupt Fortschitte zu erreichen.

          Und genau das erklärt auch, warum scheinbar von verschiedenen Kindern die Rede ist, wenn wir von unseren SuS schreiben, was z.B. am Einzugsgebiet und den Klassenzusammensetzungen liegen kann oder daran, worauf man im Hinblick auf Noten den Fokus setzt.
          Im Übrigen habe ich beim Lesen des Artikels überlegt, ob manche Kinder zu Schulbeginn zunächst lernen müssen, wie sich ein Erfolg anfühlt und diese Form der Motivation durch Vorfreude erst in der Schule kennen lernen. Das ist eine der Aufgaben im Erstunterricht.

  4. Das Problem ist einfach, dass und wenn Lehrer, Schüler, Eltern annehmen und glauben, dass eine Note eine 100% wirklichkeitsgetreue Abbildung einer Leistung ist. Das ist sie genauso wenig wie eine mündliche Meinung über eine Leistung. Da gibt es immer einen “Spielraum” und gerade wir Lehrer haben zurecht und glücklicherweise auch einen pädagogischen Spielraum. Das ist gut so!

    Noten darf man nur als Orientierung begreifen. Sie ordnen Leistungen ein im Vergleich zu anderen Leistungen. Man darf das eben nicht überbewerten. Punkte täuschen eine Objektivität vor, die es nicht gibt, denn die Punkteverteilung und die Auswahl dessen, was bepunktet wird, ist doch wieder recht subjektiv. Eine 2 könnte genauso gut eine 3 sein oder vielleicht sogar eine 1. Aber das teilen Noten mit jeglichen Meinungsäußerungen. Der eine findet etwas toll, der andere nicht so sehr, dem nächsten gefällt es gar nicht.

    Noten muss man nehmen als das, was sie sind: das kleinstmögliche Worturteil über eine Leistung (gut, sehr gut etc.). Wer das nicht will, muss auf jegliche Meinungsäußerung über eine Leistung verzichten. Aber das ist wirklichkeitsfremd. So unterrichtete Schüler werden außerhalb der Schule einen Kulturschock erleiden, wenn man ihre Leistung einschätzt, vor allem kritisiert. Würde man in der Schule nur noch Positives sagen (dürfen), würde rasch innerhalb der positiven Formulierungen eine Rangfolge entstehen: drei Bienchen, zwei Bienchen, ein Bienchen ………. sehr gefallen, sehr-sehr gefallen, ganz doll sehr gefallen … Es würde sich nichts ändern.

    Wir sollten realistisch bleiben; Noten eben nicht überbewerten und als Orientierung verstehen. Mehr nicht. Noten können auch motivieren wie die Medaillen im Sport und die Prämien im Beruf und der Applaus für eine tolle Darbietung. Es gibt keine Nicht-Wertung im realen Leben!!! Manchmal ist sogar Schweigen die schlimmste Strafe.

    • Die Lehrerin, die nicht gerechtfertigte gute Noten gibt, müsste sich meiner Meinung nach genauso verantworten müssen wie ein Lehrer, der nicht gerechtfertigte schlechte Noten gibt.

      Nur gegen die ungerechtfertigten guten Noten klagt wohl keiner?!?

  5. Die anonyme Lehrerin macht es sich leicht und tut zu allem Überfluss auch noch so, als handle sie moralisch besser als andere, weil Zensuren ja sowieso nicht gerecht seien. Sie vermeidet quasi Ungerechtigkeit im Gegensatz zu anderen.
    Sie ist ein blendendes Beispiel für faules Verhalten, das jemand durch Pseudomoral aufwertet und sich damit in ein gutes Licht setzt.

    • Ich glaube nicht, dass “faules Verhalten” die Beweggründe für dieses Verhalten sind. Über die Gründe lässt sich spekulieren; manche sind wirklich überzeugt davon, andere wiederum wollen dadurch (Gewissens)konflikte vermeiden.

    • @ysnp vom 10.Januar 2019 um 18:27
      Durch “Killer-Phrasen” a’ la “faules Verhalten” wird die Diskussion auch nicht sachlicher, und ihr Standpunkt nicht plausibler!

      Ich jedenfalls finde es zutiefst beglückend zu wissen, das es in Deutschland zunehmend Lehrer_innen gibt, die mutig gegen den Strom schwimmen, weil sie es so für richtig halten, und die alten Zöpfe abschneiden. Klar wird das Weltbild mancher Lehrer_innen ins Wanken geraten, ob des drohenden Verlustes eines Druckmittels. Und auch die unsägliche “Allokationsfunktion” schwindet zu Recht aus dem Schulgebäude. Göttliche Vorstellung: In der Schule geht es nur noch um Bildungsinhalte im selbstgesteuerten Lernen mit Spaß und Freude! Da bin ich dabei!!!

      • Wenn alle Schüler bildungsnah und ehrgeizig wären, könnte man über Ihre “göttliche Vorstellung” diskutieren. Die meisten sind aber Minimalisten und tun nur um des Tun wegen nichts.

        • … und soziale Ungleichheit und der damit häufig korrelierenden Bildungsferne (infolge. fehlender finanzieller Ausstattung, um Fernreisen, Theaterbesuche etc. mit den Kinder schon im KK-Alter zu machen) kommen Ihnen da ursächlich nicht in den Sinn?
          „Wenn alle Schüler bildungsnah und ehrgeizig wären, …“ > Ja, das sind ALLE! Von Geburt aus, JA. Doch in der Folge geht die Schere, wie oben angedeutet viel zu häufig auf, und Lehrer, die diesen Kindern dann „Faulheit“ vorwerfen, sollten es besser wissen!!
          Sorry! Aber Lehrer die sich trauen, ernsthaft dieses Verunglimpfung: FAULHEIT als gedankliches Konstrukt zur Erklärung von Schülerverhalten auch nur im Kopf zu tragen, sollten ihren Job aufgeben!! Diese Lehrer gehören aus meiner Sicht nicht mehr in den Schuldienst/Bildungswesen, und deren Menschenbild lässt sich nur noch mit der bourdieu’schen Distinktion erklären, wenn diese Lehrer dann mal selber in der Bildungs-Mittelschicht angekommen sind.
          Last, but not least: vielleicht sollten Lehrer auch mal darüber nachdenken, ob sie selber nicht auch maßgeblich am Vermittlungsprozess beteiligt sind und ggf. als „Misslingensvariable“ denkbar wären?! Dies nur als Denkanstoß in Hinblick auf ihre Verklärung: „Die meisten sind aber Minimalisten und tun nur um des Tun wegen nichts.“

          • @ Marco, seien Sie nicht sauer, mich interessiert es peripher, wer hinter welchem Pseudonym steckt und ich habe nicht die Absicht, andere zu entlarven, aber sind wohl eher noch in der Lehrerausbildung oder Sie sind kein Lehrer.

            Ein guter Lehrer nach meinem Verständnis fragt immer zuerst sich selbst, was er falsch gemacht haben könnte, wenn Schüler etwas nicht verstehen und was er besser machen könnte, damit sie es verstehen. Das schließt aber nicht aus, dass Schüler auch “mitziehen” müssen, um es mal so allgemein zu formulieren, und dass es viele nicht tun. Auch, weil manche faul sind. Auch Erwachsene sind manchmal faul. Auch ich bin manchmal faul und würde Dinge nicht tun, wenn andere nicht darauf achten, dass ich es tue und entsprechende Druckmittel besitzen.

        • @xxx
          Es gibt aber auch “intelligente” Minimalisten, die genau wissen, wie viel sie arbeiten müssen, um das erreichen, was sie wollen. Das ist auch bei Erwachsenen beobachtbar – sehe ich auch im Vergleich männliche und weibliche KollegInnen. Männliche Kollegen bringen ihr Arbeiten mehr auf den Punkt und haben im Gesamten ein besseres Zeitmanagement.

      • Das war das Missverständnis des Missverständnisses. Ich hatte gelis Beitrag anders interpretiert. Ich meinte nicht, dass die Schüler faul sind. Ich dachte, Geli meinte, dass es sich die Lehrerin zu leicht macht, indem sie z.B. lauter Einser, Zweier und Dreier vergibt. So eine Benotung ist wesentlich bequemer als 6 Notenstufen zu machen und geht auch schneller. Wobei man dadurch eine gewisse “Arbeitsmoral” bei den Schülern schon unterstützt bzw. signalisiert.
        “Faulheit” in Bezug auf Schüler zu verwenden empfinde ich zu unpädagogisch – aber ich bin an der Grundschule und habe vielleicht eine etwas andere Denkweise.

        • Dann bitte ich, mir das zu verzeihen! So gelesen war meine Interpretation eine klassische Fehlleistung. Sorry!:-)
          LG
          Marco Riemer

      • @Marco Riemer
        Sie finden es “zutiefst beglückend , wenn “Lehrer_innen…die alten Zöpfe abschneiden”. Nur dumm, dass so mancher alte Zopf besser erhalten geblieben wäre.
        Ich sehe, dass Sie sich auch bemühen, den alten Zopf einer nicht gendergerechten Schreibweise abzuschneiden. Mich als Frau beglücken Sie damit nicht. Im Gegenteil! Durch die alte Schreibweise fühlte ich mich in meinem Geschlecht überhaupt nicht benachteiligt.
        Mir würde viel mehr zu schaffen machen, wenn ich eines Tages gezwungen wäre, diese aufwändige Verhunzung unserer Sprache mitzumachen.
        Mir wäre wohler, wenn das Gedöns um Gerechtigkeit für angebliche Opfer von Benachteiligung weniger oft nach hinten losgingen und alte Zöpfe nach logischen statt ideologischen Überlegungen abgeschnitten würden.

  6. “GEW-Landeschefin Astrid Henke befand: „Wer individuelle Förderung und Inklusion ernst nimmt, darf die Schülerinnen und Schüler nicht über einen Kamm scheren. Das geschieht aber bei der Vergabe von Ziffernnoten.” ”
    Es sei daran erinnert, dass hochoffiziell eine Leistungsbewertung vorgeschrieben ist, und zwar ohne das “über einen Kamm scheren”. Es heißt: “Eine Leistungsdifferenzierung im Fach hat zur Folge, dass die von den Lernenden erbrachten Leistungen je nach Lernstand auf verschiedenen Niveaus bewertet werden.”
    Quelle: https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/rahmenlehrplaene/Rahmenlehrplanprojekt/implementation/Informationsbriefe/Infobrief_Leistungsbeurteilung_final.pdf
    Das müsste die GEW eigentlich wissen. In Berlin/Brandenburg wird in derselben Klassenstufe nach unterschiedlichen Niveaustufen A,B,…,H “leistungsdifferenziert” vorgegangen. In Klasse 9 beispielsweise kommen die Stufen D, E, F, G in Betracht (die unterste entspricht der Förderschule, die oberste dem Gymnasium).

    • Das Argument der GEW, dass Ziffernnoten Schüler über einen Kamm scheren, finde ich auch Quatsch. Das tun sie ja eben nicht. Egal, ob Ziffernote oder irgendeine Art von Worturteil bekommen ja nicht alle das Gleiche, sondern entsprechend ihrer Leistung.

      Schon jetzt haben wir immer auch die pädagogische Komponente, nach der wir aus pädagogischen Gründen besser oder schlechter bewerten dürfen, als es die “nackte Objektivität” vorgibt. Förderung und Inklusion führen doch jetzt schon dazu, dass Kinder dieser Art z.B. anderen Leistungsanforderungen unterliegen als die “normalen Kinder”. Da wird also alles andere als alle über einen Kamm geschert.

      Ein Kind mit einem bestimmten Förderstatus kann aufgrund verschiedenster Erleichterungen leichter eine gute Ziffernnote (!) bekommen und damit motiviert werden.

  7. Schön sehr schön, in meinen Augen handelt die Kollegin allerdings engstirnig und egoistisch. Für sie zählt nämlich lediglich das jetzt.
    Ich glaube allerdings auch, dass sich sehr wohl jeder Lehrer bewusst ist, dass es niemals eine 100% objektive Leistungsmessung geben kann, egal ob sie an einem sozialem Maßstab oder nicht stattfindet. Auch Zentrale Abschlussprüfungen sind nicht gerecht, ein Jahr sind sie schwieriger als ein anderes. Die einen Lehrer haben ein Thema, was zufällig drin vorkommt viel ausführlicher gemacht als andere Kollegen. Egal wie, es gibt kein Objektiv! Selbst IQ-Tests verändern sich je nach Rahmenbedingungen. Das wird aber jeder Lehrer sehr wohl wissen, und viele werden sich und ihre Überprüfungen auch regelmäßig dahingehend hinterfragen und überarbeiten.

    Was aber viele vergessen sind folgende Punkte:
    -Die Hautaufgabe der Schule ist es auf das Leben nach der Schule vorzubereiten, und davon entfernt sich Schule zur Zeit immer weiter. Was bringt es mir, immer alle in Watte einzupacken, wenn sie danach ins kalte Wasser geworfen werden?
    -Schüler wollen Noten haben und miteinander verglichen werden! Selbst ein Großteil der inklusiven Schüler bettelt regelmäßig nach einer Note, und wenn man etwas unbenotetes zurück gibt, wollen die Schüler IMMER wissen, ob das jetzt gut war oder nicht!
    -Die intrinsische Motivation der Grundschüler auf alle Schulformen auszuweiten, um seinen Standpunkt darzustellen, finde ich extrem unprofessionell, es wird immer so getan, als wenn alle Kinder lernen wollen! Kinder wollen alle lernen, aber nicht das, was in der Schule gelehrt wird, die wollen auf einen Baum klettern, runterfallen, und daraus lernen, dass das weh tun kann (dieses wird ihnen übrigens dank der überzogenen Aufsichtsflicht total verwehrt).
    -Während der Pubertät sind viele einfach nicht klar zurechenbar, da funktionieren nicht alle Dinge, die bei Grundschülern funktionieren.
    -Schon jetzt gibt es einen extremen Anstieg bei den Kindern in psychologischer Behandlung, die einfach nicht mehr klar kommen, das wird mehr werden, wenn sie nicht in der Schule sanft an das echte Leben gewöhnt werden!
    -Schon jetzt wird sich beschwert, dass kaum noch Betriebe Hauptschüler als Auszubildende nehmen. Da frage ich mich ja, ob diese Personen, die sich dort beschweren eigentlich nicht sehen, dass die Betriebe sich einfach nicht für dumm verkaufen lassen. Das Niveau ist so stark gesunken, dass man doch schon bald die jetzigen Hauptschüler mit der früheren Förderschule vergleichen kann.

    Um es konkret zu sagen, ich finde, dass zitierte Kollegin, ihren Beruf verfehlt hat, da sie nicht die Zukunft der Schüler im Blick hat.

    • A propos Niveau: Vor 40 Jahren standen Intervallschachtelungen zur Wurzelbestimmung im Hauptschullehrplan. Versuchen Sie das heutzutage mal am Gymnasium. Sie haben auch in der Oberstufe keine Chance. In diesem Sinne gebe ich Ihnen recht. Nicht nur vom Verhalten, auch fachlich wird die Haupt

        • Danke XXX , denn das von Ihnen genannte Beispiel spiegelt den über die Jahre hinweg schleichenden Leistungsabfall der Schüler in Verhältnis zu einem im umgekehrten Maße ständig steigenden Notenschnitt der Schüler wider.

          Heute gibt es bei 22 von 50 richtigen Antworten eben eine Note 4, was 1995 noch unter den Cut von 50% richtig gelöster Aufgaben die Note 5 bedeutet hätte. Das war politisch gewollt, und so wurden auch sukzessive die Leistungsansprüche an die Schüler nach unten abgesenkt.

          Hinzu kommt noch, dass die Fähigkeiten, die heutige Grundschüler nach dem Wechsel in die weiterführenden Schulen mitbringen, nicht mehr den Leistungen vor 1995 entsprechen.

          Es fehlt an einer gezielten, effektiven und strukturierten Heranführung an die automatisierten Grundfähigkeiten des Lesens und Schreibens auf Grund wenig effektiver Lernmethoden mit lernwegorientierten Lernmethoden im eigenständigen und unstrukturierten Alphabetisierungsprozess mit scheinbar kindgerechten Lernmethoden, die sich weder wissenschaftlich standardisierten Verfahren vor ihrer Implementierung stellen mussten, rein lerntheoretisch pädagogisch begründet werden und wurden, neurophysiologischem Wissen um das menschliche Lernen widersprechen , eine aufbauende Wissensaneignung, wie beim Schreibschrifterwerb dokumentiert, nicht anstreben oder gar ermöglichen, zum Teil ein widersinniges Umlernen erfordern und damit im Endeffekt zu schlechten Grundvoraussetzungen für eine weitere erfolgreiche Schullaufbahn führen.

          Damit meine ich nicht die guten Schulabschlüsse, sondern eine allgemeinbildende Funktion der Schule für das Leben eines jeden heranwachsenden Menschen.

          Und es sind nicht alles lernunwillige oder lernunfähige Grobmotoriker, die mit einem Überschuss an Medienkonsum und unfähigen Eltern zu eben einer Lernunfähigkeit erzogen wurden, denn selbst diese wären eben ein Faktum, auf das man sich einstellen müsste, wollte man diesen gerecht werden, aber eben nicht mit Methoden der Selbstalphabetisierung, oder dem materialzentrierten eigenschriftlichen Erwerb von “Grundkompetenzen” mit ätzend langweiligen losen Blattsammlungen.
          Es ist in Teilen eine überfordernde, lernwegorientierte, selbst bestimmte Grundschulpädagogik, die für große Teile der SUS, um in dieser Sprache zu schreiben, nicht zuträglich ist.

    • @Heinz
      Ich würde es zwar nicht ganz so extrem ausdrücken, aber im Prinzip haben Sie recht.
      Wenn hinterher strengere Maßstäbe kommen, dann kommen die Schüler nicht mehr damit klar, weil sie ein völlig verschobenes Bild von sich selbst und ihrer Leistung haben. Sie legt ihre eigenen eigenwilligen Maßstäbe an.
      Bei der Lehrerin habe ich ebenso leicht das ungute Gefühl, dass sie selbst zwar gut damit leben kann, aber langfristig dies auf dem Rücken der Schüler und anderer (auch der Kollegen) ausgetragen wird, nach dem Motto: “Nach mit die Sintflut”.
      Wenn ich aus dem allgemeinen System heraustreten würde und allen Schülern beim Übertrittszeugnis so Noten geben würde (in By zählt noch der Notenschnitt), dass sie den Übertritt fürs Gymnasium schaffen, dann hätte ich nur kurzfristig ein Glücksgefühl verschafft, aber der Absturz wäre bei den falschen Noten umso härter und bei manchen unerträglich.

  8. Daß besagte Kollegin – wenn es sich hier nicht um eine “Relotiade” handelt – den eigentlich ihrer Profes-sionalität anvertrauten Schülern einen Bärendienst erweist, bedarf hier keines weiteren Kommentars.
    Allein mich beschleicht der Verdacht, man habe man tatsächlich einen homunculus geschaffen, da diese Figur ja nahezu das komplette Standardrepertoire von sich gibt, das gemeinhin mit idealtypischer Er-leichterungspädagogik verbunden wird.
    Zudem dürften derartige Gefälligkeitszensuren in der beschriebenen Frequenz jede auch nur halbwegs alerte Fachbereichsleitung über kurz oder lang auf den Plan rufen. Daher halte ich diese Konstruktion lediglich für einen gezielten Kontrapunkt zu den Einlassungen von Frau Lin-Klitzing und lohnt den Wirbel nicht, den man darum macht.

    • Fehlt noch der Gedanke, dass diese Sache dem ohnehin nicht überragenden Prestige der Berufskollegs in NRW gewiss nicht guttut. Auch die Berufsgymnasien stehen in dem Ruf, dass man es dort Schülern besonders leicht macht, das Abitur zu erreichen.(auch mit Allgemeiner Hochschulreife).

    • Dieses Beispiel ermöglicht es aber eben andere Bereiche einer verbreiteten Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik anzusprechen.

    • Ich stimme Ihnen zu, Milch…, allerdings nicht in der Beurteilung, es ” lohnt den Wirbel nicht, den man darum macht”.
      Seit Jahrzehnten mache ich die Erfahrung, dass sich der Wirbel um meiner Meinung nach verrückte Ideen sehr wohl lohnt. Nur durch Wirbel konnten Reformen durchgesetzt werden, die sich nachträglich als Schuss in den Ofen, oder gepflegter gesagt, als kontraproduktiv herausstellten.

  9. Mal eine Info von der anderen Pultseite:
    Sogar die SuS fordern, dass die Noten streng sind. Sie finden, dass das Abitur entwertet wurde.

    Es gibt genügend SuS, die sich sagen toll Abi und im Studium nichts gebacken bekommen. Und dann nicht wissen, was sie machen sollen.

    • Glaube ich sofort, Biene.
      Ich höre ebenso immer wieder Stimmen von Eltern, denen es lieber ist, dass die Leistungen in der Grundschule in Richtung Übertritt realistisch in Bezug auf die weiterführenden Schulen bewertet werden.

    • @ Biene vom 11.Januar 2019 at 18:06
      Ihre Aussage steht aber im Widerspruch zu der hier (https://www.news4teachers.de/2019/01/strengere-abi-noten-bildungsministerin-hubig-weist-vorstoss-der-philologen-zurueck/) zitierten Einlassung des Landesschülerrates: “Für die Landesschülervertretung (LSV) komme eine Erhöhung der Anforderungen im Abitur nicht in Frage, hieß es in einer Pressemitteilung. Eine Anhebung der Anforderungen würde zulasten der Gesundheit der Schüler gehen – angesichts eines ohnehin schon hohen Leistungsdrucks. News4teachers / mit Material der dpa”

      Scheinbar gibt es da doch auch andere Positionen?!

  10. Es erstaunt mich sehr, wie viele Lehrkräfte hier der Notengebung absolut anhängen.

    Offenbar fehlen vielen die Erfahrungen der 1. und 2. Klasse, in der Lernen tatsächlich ohne Noten sehr gut gelingt und die Kinder nicht danach fragen, was sie für eine bestimmte Leistung erbringen müssen, sondern für die Sache an sich zu begeistern sind und lernen.

    Ich erlebe es immer wieder, dass die Kinder das im Laufe des 3. oder 4. Schuljahres verlernen bzw. umstellen und nur noch nach den Noten schielen.
    Gibt man einen Test zurück, ist es in Klasse 2 durchaus zu erreichen, dass die Kinder sich an ihren selbst gesteckten Zielen messen. Ja, manche vergleichen sich auch mit anderen. Aber Kinder verstehen, was Erwachsene nicht sehen können oder wollen, weil sie so stark an das Notensystem gewöhnt sind: Kinder vergleichen realistisch. Sie verstehen, dass Kinder nicht gleiche Fähigkeiten in allen Bereichen haben und man sich nicht mit denen vergleichen kann, die nicht auf gleicher Stufe stehen.
    Es bedeutet aber eben nicht, dass sich die Schwachen nicht angestrengt hätten oder die Guten es getan haben.
    Wer Anstrengungsbereitschaft und Leistung fördern will, gibt sich als Lehrkraft eben nicht damit zufrieden, wenn gute Schüler alles knapp absitzen und nur das Allernötigste tun, weil die Note damit ja stimmt, sondern fordert heraus und erwartet mehr als das, was schon längst gekonnt wird.
    Dass man aber SuS herausfordert und Leistung einfordert, hat mit der Benotung an sich nichts zu tun. Das gelingt auch hervorragend ohne Ziffern, ebenso wie klare Rückmeldungen.

    In Klasse 3 kippt es dann, wenn Noten eingesetzt werden: Plötzlich zählt nicht mehr die eigene Leistung, es gibt keinen Blick mehr auf die eigenen Fehler, es gibt keine eigenen Ziele, es zählt allein die Ziffer, die unter dem Test steht. Alles andere wird ausgeblendet.
    Bekommen die Schwächeren ein paar mal schlechte Noten – gemeint sind da schon 3en und 4en – sind sie schnell besonders demotiviert, da sie sich durchaus angestrengt haben, aber nicht die Leistungen abrufen, die andere erbringen. Wozu dann noch anstrengen, wenn allein die Ziffer zählt und den SuS nicht mehr bewusst wird, dass sie sich durchaus entwickeln, voran kommen, Fortschritte machen?
    Bekommen die Guten ohne Anstrengung ein paar Mal gute Noten, lernen sie dabei, dass es nicht notwendig ist, etwas über das Maß zu arbeiten, manche von ihnen lehnen sich bequem zurück oder arbeiten sehr gezielt nur dann, wenn sie die Bewertung erwarten.

    Ungerecht daran ist, dass häufig die guten Schüler die Unterstützung zu Hause erfahren, die die anderen Kinder aus unterschiedlichen Gründen nicht erhalten, und Schulen dies nicht auffangen können, um so weniger, wenn Förderung gestrichen ist, Ganztag nicht realisiert, Hausaufgabenhilfe nicht vorhanden…

    Solange das Schulsystem auf genau diese Betreuung und Hilfe aufbaut und es keine Möglichkeiten gibt, diese SuS in den Schulen zu unterstützen, mag man das Notensystem gerecht finden, weil es auf Kriterien setzt und bei allen SuS hoffentlich das gleiche Maß ansetzt, die Ungerechtigkeit ergibt sich aber aus Erwartungen, die gestellt werden, die von bestimmten Kindern nicht mitgebracht werden können, was sie selbst nicht verschuldet haben, und die deshalb nicht so gut in der Schule sind, wie sie kognitiv sein könnten.
    In den immer wieder in Studien auftauchenden 20% Bildungsverlierern sind einige, die mit frühzeitiger anderer Unterstützung erheblich weiter hätten kommen können.

      • Oha.
        “Zahlenoten demotivieren die Schüler und in textumfangreiche Worthülsen gebettete Leistungsbeschreibungen dieser dienen der Erfüllung idealtypischer Beurteilungen mit nachfolgendem Motivationsschub für Schüler” fehlt hier noch als Krönung euphemistischen Wortgeklaubes.Keiner kann damit aber etwas anfangen, Herr Hecker.

      • Für jeden lohnt sich “das Forum hier zu lesen”, wenn er gleichgesinnte Meinungen liest.

        @Palim
        Mir fehlen nicht “die Erfahrungen der 1. und 2. Klasse”, um dem zu widersprechen, was Sie schreiben.
        Meine Meinung zu Ihrem Kommentar entspricht dem Kommentar von “Milch der frommen Denkungsart”, für den ich mich herzlich bedanken möchte.

        • Keineswegs – es lohnt sich zu lesen, wie reflektiert, empathisch, kompetent und konstruktiv-kritisch sich manche Lehrerinnen und Lehrer hier zeigen. Das ist Werbung für den Berufsstand. Mit “Meinung” hat das erst mal gar nichts zu tun. Ich habe gar keine zu dem Thema.

          Außer der: Wenn Konsens ist in der Lehrerschaft, dass Zensuren unmöglich völlig objektiv sein können – wie können dann Lebenschancen in Form von Studienplätzen allein nach Noten vergeben werden? Die Wirtschaft weiß längst um die begrenzte Aussagekraft von Zeugnissen – nur der Staat (in Gestalt seiner Hochschulen) hat das offenbar noch nicht begriffen.

          • @Bernd
            Wunderbar Bernd, dann führen wir eben an den deutschen Universitäten wie in Frankreich Aufnahmeprüfungen ein , und somit darf man sich ca. ein Jahr auf eine derartige Prüfung vorbereiten.

            Im übrigen wird man im beruflichen Alltag der meisten Berufe in seiner Leistung ständig beurteilt, man reflektiert besser noch selbst über eigene Leistungen, und da ist es förderlich, wenn man bereits im schulischen Bereich sich auch an ein Feedback eben in Form von einfachen Noten gewöhnt und nicht mit seitenlangen, in Textbausteinen zur Verfügung gestellten, durchweg positiv formulierten Beurteilungen , eine Rückmeldung erhält , wo man sich eher nicht wieder findet, so wie an der Laborschule in Bielefeld.

    • Es hieß aber, gerade in Niedersachsen können die Grundschulen per Konferenzbeschluss bei den Zeugnissen auch in den Klassen 3 und 4 auf Noten verzichten:
      https://www.news4teachers.de/2016/06/grundschulen-koennen-komplett-auf-noten-verzichten-jetzt-auch-in-niedersachsen/
      Stimmt das nicht? Oder ist es unter den Lehrerinnen auch nur eine Minderheit, die so denkt?
      Allerdings: Verlagert das den Notenschock nicht nur in die Klassen 5 und 6, und nach Abschaffung dort eben in die Klassen 7 und 8 ?

    • @ Palim,

      Sie urteilen einfach aus dem Bestehenden heraus auf das Mögliche und beschönigen die Verhältnisse, wie sie sind. Sie ziehen einfach nur in Betracht, was zu Ihrer Meinung passt und ignorieren das Widersprechende. Ihr Argument kann man ja mal wieder sehr einfach auch “umdrehen”:

      Offenbar fehlen den Lehrern, die keine Noten geben wollen, die Erfahrungen der 1. und 2. Klasse mit Notengebung, in der Lernen tatsächlich auch mit Noten sehr gut gelingt und die Kinder motiviert und angespornt sind/werden, wenn sie für eine bestimmte Leistung auch eine Anerkennung erhalten; während andere aus dem gleichen Grunde über sich hinauswachsen bzw. nicht hinter den anderen zurückbleiben wollen.

      Wahrscheinlich haben Sie 1. und 2. Klassen mit Notengebung gar nicht kennengelernt. (Das läuft nicht alles ideal, aber ohne Noten auch nicht, wie Sie mal wieder tun.)

      • „Sie urteilen einfach aus dem Bestehenden heraus auf das Mögliche und beschönigen die Verhältnisse, wie sie sind.“

        Ich denke, jeder hat da so seine Wahrnehmungen und Erfahrungen gesammelt, und die „Verhältnisse“ sind auch immer andere. Das gilt es erst mal zu respektieren! Unterstellungen, wie „beschönigen“ empfinde ich als wenig förderlich.

        Da sie, Herr Mückenfuß, ja selber weiter unten einräumen: „(Das [Bestehende Anm.d.V] läuft nicht alles ideal, […].)“, finde ich es von Palim allzumal löblich, den Blick auf’s „Mögliche“ zu richten.

        Weiter resümieren Sie: „…aber ohne Noten [geht es, Anm.d.V.] auch nicht, …“ und vergessen, dass Kinder heut zutage, seit Krippe und KiGa immer an Messlatten gestellt werden (was ich sehr bedauere!). Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als ihren eigenen Blick Richtung Messlatte auszurichten und innere Bedürfnisse (intrinsische Motive) aus den „Augen“ zu verlieren. Die einen früher, die anderen später.

        Wenn ich gegen die Benotung bin – und so habe ich den so erfrischend wie erfreulichen Beitrag von Palim oben verstanden – dann deswegen, weil rein motivationspsychologisch die extrinsische Motivation (Noten, Messlatten etc.) immer die intrinsische Motivation schwächen. Ich aber meine, in der Schule, und auch nirgends anders im Bildungssystem, sollten PSK-Anteile wie die Motivation der SuS geschwächt, sondern gestärkt werden.

        In diesem Zusammenhang fällt mir immer Søren Kierkegaard ein, der sagte: „Das Vergleichen [und nichts anderes sind Noten, Anm.d.V.] ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“

        Glückliche SuS im oben genannten Sinne, wären aber ein schönes Ziel!

        Auf den lesenswerten Artikel des Coaches Martin Wehrle, erschienen am 30. August 2012 in DIE ZEIT Nr. 36/2012 sei an dieser Stelle noch hingewiesen: https://www.zeit.de/2012/36/C-Beruf-Coach-unsinniger-Vergleich-Kierkegaard
        Auch wenn es im besagten Artikel um Erwachsene im Berufsleben geht, so kann das – aus meiner Sicht – auch auf SuS allen Alters übertragen werden.

    • Was in Klasse 1 und 2 sinnvoll ist, muss nicht auch in Klasse 7 und 9 sinnvoll sein. Anderes Alter, andere Entwicklungsstufe, andere Lerninhalte, andere Anforderungen der Umwelt an die Reife.

    • Palim: Mir scheint die Diskussion jetzt von Extrempositionen dominiert zu werden. Entweder meidet man Noten generell wie der Teufel das Weihwasser, oder man spricht von einem regelrechten Notenterror, man starrt NUR NOCH auf Noten und vergisst alles andere. Sie schrieben oben:
      “In Klasse 3 kippt es dann, wenn Noten eingesetzt werden: Plötzlich zählt nicht mehr die eigene Leistung, es gibt keinen Blick mehr auf die eigenen Fehler, …”
      Bei Noten zählt die eigene Leistung nicht mehr? Hängen denn die Noten gar nicht davon ab? Sollten sie doch eigentlich. Noten bescheinigen doch auch, ob jemand etwas Bestimmtes kann oder nicht und wo ggfs. Defizite sind. Ein Notenterror muss doch gar nicht sein. Eigentlich spielten die Noten hauptsächlich beim Sitzenbleiben eine Rolle. Mit Abschaffung desselben ist das doch wesentlich entschärft.

      “Ungerecht daran ist, dass häufig die guten Schüler die Unterstützung zu Hause erfahren, …”
      Das allerdings berührt ein grundsätzliches Problem, das sich vermutich nur abmiildern, aber nicht lösen lässt. Es fängt doch schon damit an, dass der eine in einem großen Einfamilienhaus wohnt und ein Gymnasium in der Nähe hat, der andere in beengten Verhältnissen ohne eigenes Zimmer lebt und von seinem Dorf mit Überlandbussen in die nächste Stadt fahren muss, die vielleicht viermal am Tag fahren. Wieder andere haben ein “Mama-Taxi”. Der Kern Ihrer Kritik ist, dass der Einfluss der Elternhäuser eben enorm ist, vor Einschulung und auch danach. Aber genau das entspricht Art. 6 GG !! Die Väter des Grundgesetzes wollten die Rolle staatlicher Institutionen in diesem Punkte klein halten, weil die Nazis umgekehrt dachten und handelten (wie bei der Religion: die wurde für gut erklärt, weil die Nazis sie lieber nicht haben wollten). Natürlich müsste man (aus diversen Gründen) etwas für die Kinder aus bildungsfernem Milieu tun, aber da fiele mir als erstes ein (nur für solche Kinder) verbindlicher Besuch einer Hausaufgabenbetreuung ein, die es in Ganztagsschulen ja prinzipiell gibt und die ausgebaut werden könnte (Abschaffung der Noten ist natürlich billiger). Sie schreiben ja auch davon. Wo aber gibt es diese Verbindlichkeit? Wenn Sie nur unverbindliche Angebote machen, dann wette ich, dass die 20 % Bildungsverlierer großenteils zu denen gehören werden, die diese Angebote gar nicht wahrnehmen, weil sie anderes im Kopf haben. Damit wäre niemandem gedient. Und man wird einwenden: Wenn nur einzelne Schüler individuell zur verbindlichen Hausaufgabenbetreuung geschickt werden, ist das eine (soziale) Stigmatisierung und daher verfassungswidrig! So legen wir uns juristische Fesseln an zusätzlich zu den finanziellen Restriktionen. Man kann eben die Fundamente, auf denen ein Staat und eine Gesellschaft ruhen (Grundgesetz) nicht einfach durch nachträgliche Aktionen austauschen. In anderen Gesellschaften sind die Eltern entmachtet (Extremfall: Nordkorea), bei uns sind sie “allmächtig”. Ich kann es mittlerweile nicht mehr hören, dass unsere Schule so ungleiche Bildungschancen bieten soll. Nein, es ist primär die Elternschaft, die die ungleichen Bildungschancen bietet..Und das Grundgesetz setzt hier klare Prioritäten zugunsten der Eltern.

      • Die Extrempositionen sind gerne Ihr Thema, cavalieri: Norkorea, Nazis …

        Warum die Bildungschancen ungleich sind und welchen Zusammenhang dies mit Noten hat, habe ich versucht darzustellen.
        Wenn Sie meinen, die Note sei nur für das Sitzenbleiben wichtig und ein Notenterror müsse nicht sein, haben Sie einen für mich ungewöhnlichen Blick auf Schüler und deren Reaktion auf Noten.

        Zur Hausaufgabenhilfe bin ich der Meinung, dass es ausreichend Stunden im System braucht, die es ermöglichen Förderung wie Forderung zu bieten. Dabei gehört die Förderung zum Unterricht und ist damit verpflichtend.
        In unseren Erlassen steht, dass Förderunterricht nicht mehr als 2 Std. über die Regelstundenzahl hinaus beanspruchen darf. Es ist also möglich, außerhalb der Stundentafel zusätzliche Förderung einzurichten, sofern die Schule dafür Stunden erhält und diese realisieren kann.
        Es ist natürlich teurer, an jeder Schule/ an Schulen mit vielen bildungsbenachteiligten SuS mit Lehrerstunden auszustatten, die Förder- und Forderunterricht ermöglichen, wozu auch eine Hausaufgabenhilfe gehören könnte.

        • Ich ging davon aus, dass der Unterschied zwischen 4 und 5 schon immer wesentlich wichtiger genommen wurde als der zwischen 2 und 3. Vor Noten zittern mussten vorwiegend die Kandidaten zum Sitzenbleiben, und die konnten sich auch entmutigt fühlen, die anderen hatten ja noch “Luft nach unten”. Die Zahl der Klassenarbeiten ist auch nicht gottgegeben, Ich glaube, in den Hauptfächern wurden früher eher mehr als heute geschrieben.
          Und für Hausaufgabenbetreuung braucht es keine Lehrer mit 2. Staatsexamen (beim Nachmittagssport an Ganztagsschulen genügen ja auch Laientrainer). Das können z.B. Studenten auch machen, die ja viel billiger wären, oder halt diejenigen, die jetzt immer den Nachhilfeunterricht geben. Man müsste das “nur” organisieren.
          Und was ist mit Art. 6 GG? Darf man nun Schüler speziell aus schwierigem Milieu zur Hausaufgabenbetreuung verpflichten? Das wären natürlich mehr als 2 Stunden pro Woche. Oder gibt es juristische Hemmnisse? Diese Restriktionen erinnern auch ein bisschen an “wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass”. Das Ausgleichen von Defiziten kostet (außer Geld) Zeit und ist für die Schüler anstrengend. Sagt man das auch mal? Oder ist Anstrengung von Schülern ein Tabu?

    • @Palim ich respektiere ihre Meinung, glaube aber nicht, das meine Meinung anders wäre, wenn ich lange Zeit in einer 1. oder 2. Klasse gearbeitet hätte. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, ich kann einen Jugendlichen in der Pubertät nicht gleichsetzen mit einem Kind in der 1. oder 2. Klasse.
      Ab einem gewissen Alter lässt die intrinsische Motivation für das, was wir den Schülern beibringen sollen ganz natürlich nach, da andere Dinge in den Fokus rücken, dafür braucht es dann eine extrinsische Motivation, z.B. in Form von einer Belohnung, viel Lob der Eltern, gute Jobaussichten oder halt eben Noten.
      Die Zahl der Schüler, die in einer 8. Klasse etwas lernen möchten einfach das Lernens wegen ist nicht groß, allen die Lernen, geht es um einen guten Job, eine gute Note, Belohnungen im Elternhaus o.ä..

      Von daher sehe ich es genau andersherum, ich glaube, das eine Schule ohne Noten die Kinder, die keine Unterstützung zu Hause bekommen noch weiter benachteiligen würde, denn immerhin fällt bei denen die Motivation durch das Elternhaus komplett weg, und dann auch noch die Motivation auf eine gute Note. Von den Kindern würde ich dann erwarten, dass sie nur lernen, weil sie selbst bereits wissen, dass es wichtig für ihr Leben sein wird.

      Weiterhin bestreitet glaube ich kein Lehrer, dass das Notensystem komplett gerecht ist, weil es einfach KEINE 100% gerechte Beurteilung geben kann, niemals!

      Wie gesagt, ich habe zwar keine weitreichenden Erfahrungen in der 1. und 2. Klasse, denke aber auch, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, Säuglinge sind bereits glücklich, wenn man “duzi, duzi” zu ihnen macht, und sie anlächelt, das würde bei meinen Schülern auch nicht funktionieren. Dafür habe ich aber Erfahrungen darin, wenn man als Lehrer eine 8. Klasse z.B. in einer Hausaufgabenbetreuung o.ä. hat, und sie ansonsten nicht unterrichtet (also für die Schüler die Verbindung Herr XY gibt auch Noten weg ist). Glauben Sie mir, das ist dann eine vollkommen andere Erfahrung, als die, die Sie gemacht haben, und wenn ich das nur noch so hätte, wäre ich vermutlich auch innerhalb kürzester Zeit dienstunfähig, obwohl ich mich ziemlich gut durchsetzen kann, und einen guten Stand bei den Schülern habe.

      Gehört zwar eigentlich nicht zur Diskussion, aber ich sehe auch jeden Tag Kinder, die sehr sehr demotiviert sind, nicht wegen ihrer Noten, sondern weil sie einfach vollkommen überfordert sind, weil die Grundschullehrer die Schulformempfehlung nicht sehr genau genommen haben, und diese Kinder dann trotz diverser Beratungen durch das Elternhaus 3 Jahre lang in unserer Erprobungsstufe gelassen werden und dann abdriften.

      • @Heinz: Dem oberen Teil ihres Kommentars stimme ich (als Grundschullehrerin)gerne zu, dem letzten Abschnitt aber nicht. Wir nehmen die Grundschulempfehlung wirklich sehr genau und kooperieren auch ausführlich mit den weiterführenden Schulen. Bei uns gibt es Eltern-Kind-Informationsabende der weiterführenden Schulen, wir besuchen diese mit den Klassen, die Eltern besuchen diese gemeinsam mit den Kindern an Tagen der offenen Tür. Hier zeigen dich die weiterführenden Schulen gerne von ihren besten Seiten, kein Wunder, wenn jeder für sein Kind das Beste aussucht und die Noten und Leistungen, die erbracht werden müssen, keine Schule in den Focus rückt. Warum stellt sich so ein Gymnasialrektor nicht mal hin und sagt: “Liebe Eltern, bitte befolgen Sie den Rat ihrer Grundschullehrer und schicken Sie Ihr Kind nur zu uns, wenn es eine klare Empfehlung hat. Die Arbeitsweise bei uns ist eine andere. Es findet nicht mehr so viel individuelle Unterstützung statt und die Eigeninitiative Ihres Kindes ist unabdinglich.” In unseren Grtundschulen finden sehr ausführliche Empfehlungsgespräche statt und wir geben klare Einschätzungen ab, nur, manche Eltern halten sich nicht an unsere Worte. Sie können ihre Kinder trotzdem da anmelden, wo sie wollen. Nur in Bayern und ich glaube Sachsen gibt es noch eine verbindliche Grundschulempfehlung.

        • @ mississippi: Ihr letzter Satz bringt das Problem auf den Punkt. Hier in Nds. kann der Direktor eines Gymnasiums die Eltern rauf und runter beraten, solange er die Kraft dazu hat: Eine verbindliche Laufbahnempfehlung durch die Grundschulkolleginnen gibt es nicht. Und so werden viele Kinder von ihren Eltern “ans Gymnasium gequält”, sind dort bis Ende des Jahrgangs 6 heillos überfordert (denn den Jahrgang 5 lassen die Eltern ihren Nachwuchs natürlich nochmal am Gymnasium wiederholen) und verlassen dann total resigniert diese Schulform in Richtung Oberschule.

          Umgekehrt wär’s besser: Verbindliche Oberschul-Empfehlung. Und wenn’s dort gut läuft, am Gymnasium weitermachen.

          • Der Wunsch nach einer verbindlichen Empfehlung und die Erfahrung, dass selbst Gymnasialrektoren bei der Beratung scheitern, rechtfertigt aber nicht den Satz, dass die Grundschullehrkräfte die Beratung bzw. Empfehlung nicht ernst nehmen würden.

        • Noch ein Hinweis zum Unterschied GS – weiterführende Schule, den ich an mississippis Beitrag anfüge, da sie es auch aufgreift und weitere Vorgehensweisen erläutert, die so auch bei uns stattfinden (Vorstellung der weiterführenden Schulen mit schicken Präsentationen, Schnuppertage mit viel Aktion und Darstellung, vielfache Beratung in der Grundschule).

          Sie führen aus, dass “die Grundschullehrer die Schulformempfehlung nicht sehr genau genommen haben”, bemerken aber selbst, dass trotz diverser Beratungen die Kinder in der Erprobung gelassen werden.

          Warum ist es nach 3 Jahren oder mehr nicht die Beratung in Ihrer Schule, die nicht genau genug genommen wurde?

          Haben Sie sich die Protokolle der Gespräche und die Lernentwicklungsberichte dieser SuS aus der Grundschule angesehen, sofern diese in Ihrem BL weitergegeben werden dürfen?

          Haben Sie Kontakt zu den Grundschullehrkräften aufgenommen und Übergabegespräche oder zumindest einen Austausch ermöglicht?

          Haben Sie Ihre Gespräche protokolliert und die Lernentwicklung zum Gespräch auf den Tisch gelegt, um den Eltern die Entwicklung und die Absprachen der vergangenen Jahre vor Augen zu führen?

          • Sie glauben gar nicht, in wie vielen Gesprächen mein Schulleiter versucht hat, Eltern davon zu überzeugen, ihr Kind nicht bei uns anzumelden. Trotzdem haben wir jetzt eine 5. Klasse mehr als bisher. Aber welches Klientel besucht diese Klasse?

            O-Ton Eltern: “Alles, aber bloß nicht auf die Ober- oder Gesamtschule!”

          • mississippi: Aber grün-rot hatte erstmal die Grundschulempfehlung praktisch abgeschafft. War das nun eigentlich ein Erfolg, oder fühlt sich von den Genossen jemand mal verantwortlich für solche einen bildungspolitischen Flop?
            Einigermaßen gerecht wäre m.E. nur eine Kombination von Noten, Grundschulempfehlung, überschulischen Testergebnissen und dem Elternwillen. Für Konfliktfälle bräuchte es eine Schiedsstelle oder eine Aufnahme unter Vorbehalt oder ähnliches. Was spricht eigentlich gegen Aufnahmeprüfungen der Gymnasien? In der Schweiz gibts die — je nach Kanton.

          • In Berlin ist die Regeldauer der Grundschule aber 6 Jahre, das Beispiel also etwas schief. In Klasse 7 wird die Schule ganz regulär alles nehmen, was den Klassenteiler und das Klassengefüge nicht gefährdet. Natürlich dürfte dann die naturwissenschaftliche Profilklasse den anderen dann Siebtklässlern um mindestens ein Schuljahr voraus sein. Interessanterweise gleicht sich das bis zum Ende der Sek I und erst bis zum Abitur wieder an.

          • Deswegen habe ich auch “ansatzweise” geschrieben. Aber im Prinzip könnten beliebte Gymnasien das bei der Aufnhame zu Klasse 7 auch so machen. Dürfen sie aber nicht. Bei “Überbuchung” müssen 30 % der Plätze verlost (!) werden, diese Lotterie hält man dann für Bildungsgerechtigkeit:
            https://www.berlin.de/sen/bildung/schule/bildungswege/uebergang-weiterfuehrende-schule/
            Auch dort ist von Tests (profilbezogen) die Rede. Das heißt im Klartext, dass die “nicht profilierten Klassen” davon verschont bleiben.

          • Übrigens gibt es diese Kriterien mit der Verlosung von Plätzen auch bei dne Nicht-Gymnasien, den Sekundarschulen. Manche sind sehr beliebt und auch gut, z.B. die Martin-Buber-Schule (ehem. Gesamtschule seit ca. 1970). Die hat seltsamerweise einen Migrantenanteil (etwa die Hälfte jener verlosten 30 %) weit unter dem des Bezirks und auch weit unter dem der drei Gymnasien in der Nähe. Dabei liegt diese Schule in einem Brennpunktviertel (Falkenhagener Feld).

        • Bezüglich der Schulformempfehlung sehe ich ein, dass mein Beitrag etwas zu pauschal war.
          Wie andere aufgeführt haben, ist zum Großteil tatsächlich die fehlende Verbindlichkeit dieser ein Problem.
          Sämtliche genannte Beratungen finden übrigens bei uns statt, es gibt auch ein gemeinsames Gespräch mit den ehemaligen Grundschullehrern, keine Ahnung, wie man hier darauf kommt, dass es so etwas nicht gebe.

          • @ Heinz: Na deswegen: Heinz: “……… sondern weil sie einfach vollkommen überfordert sind, weil die Grundschullehrer die Schulformempfehlung nicht sehr genau genommen haben,…..”

      • Das Problem ist somit vielschichtig, es ist nicht allein die Note, die motiviert, die Rückmeldung gibt und zum Lernen animiert.

        Meine geschilderte Beobachtung ist, dass sich die Motivation zum Lernen durch das Erteilen von Noten verändert. Und dies ist deutlich während der 3. Klasse zu bemerken.

        Ja, zunächst wünschen Kinder sich Noten, weil Eltern danach fragen, weil es Tagesgespräch ist, weil sie zu den Großen gehören wollen. Wenn aber die Noten nicht so gut ausfallen, wie alle Kinder und Eltern es gern hätten, kommen unterschiedliche Reaktionen.

        Dass Eltern überrascht sind, trifft auf die zu, die vorher die Beratung nicht so wichtig genommen haben, ihre Kinder aber durchaus unterstützen möchten. Diese Eltern bitten dann in der Regel um Rat und bemühen sich um ein Aufarbeiten und eine Verbesserung.

        Es gibt auch Kinder, die enttäuscht sind, weil sie schon viele Übungen durchgeführt haben. Hier liegen in der Regel Störungen unterschiedlichster Art vor. Im besten Fall sind diese bereits erkannt, aber es ist wirklich schwierig in meiner Region, Hilfe durch Ärzte, Therapien oder Beratungszentren zu erhalten, da es eine Wartezeit von einem halben Jahr oder mehr gibt. Dass diese Kinder trotz Förderung und Bemühungen dann die schlechten Noten erhalten, entspricht sicher dem an Kriterien entschiedenen Leistungsvermögen, es wäre aber für die Entwicklung weitaus dienlicher, aufzuzeigen, wie weit das Kind trotz Einschränkung bereits gekommen ist und wie stark es sich verbessert hat. In Teilen kann man bei diesen Kindern die Noten aussetzen. Dieses Instrument ist bewusst einzusetzen und an Bedingungen geknüpft. Es hat seine Berechtigung. Dass es für diese Kinder keine Noten gibt, könnte auch anderen in dieser Situation helfen, ohne dass es zunächst extrem schwache Noten dafür braucht.

        Und es gibt Kinder, die zu Hause keine Unterstützung haben. Wenn diese die schwachen Noten erhalten, hängt es MIT oder sogar VOR ALLEM an der nicht vorhandenen Unterstützung, von der auch andere hier schreiben.

        Wenn Sie an Ihrer weiterführenden Schule – offenbar Gymnasium – Hausaufgabenhilfe anbieten können, ist ein Teil der Unterstützung gegeben. An unserer Schule gab es diese ehrenamtlich und sie wurde verboten, ein Ganztag wird nicht eingerichtet, Horte gibt es hier nicht – die benannten SuS bleiben auf sich gestellt.

        Notwendiger allgemeiner Förderunterricht wurde schon vor Jahren gestrichen, Zusatzbedarfe können beantragt werden, aber die Zuteilung zu erhalten ist schwierig.

        Die Schüler kommen somit mit schlechter Lernausgangslage, sie erhalten vor und während der Schule zu wenig Unterstützung durch die Eltern und innerhalb der Schule ist diese nur im Rahmen des Unterrichts möglich.
        Diese Kinder haben gar keine Möglichkeit, sich irgendwie dazu zu verhalten. Es ist zwar möglich, Lernstrategien im Unterricht zu erläutern, aber es ist weitaus mühsamer für ein 9jähriges Kind, sich alleine zu Hause hinzusetzen und etwas für die Schule zu tun, wenn niemand in der Familie darin einen Sinn sehen will.

        Wer dies also ab Klasse 3 schon erfährt, wie soll derjenige dann in Klasse 8 immer noch motiviert sein – wohlgemerkt nach 5 Jahren mit schlechten Noten, zumal sich die meisten Menschen an den Unterricht in Klasse 1+2 kaum erinnern können.

        Natürlich kommt nun der Einwand, dass dies alles ohne Noten auch so wäre. Stimmt. Aber Noten geben einen Vergleich innerhalb der Klasse vor, bei der zur gleichen Zeit alle SuS das gleiche zeigen sollen. Dass genau dieser Vergleich sehr demotivierend sein kann, habe ich ausgeführt. Dass sich Schüler, die sehr viel geübt haben, bestraft fühlen und sehr schnell in ihrer Selbstwahrnehmung dazu kommen, dass sie offenbar zu dumm seien, liegt auf der Hand. Natürlich gibt es auch Schüler mit guten Noten, die sich bestätigt sehen, selbst wenn sie sich gar nicht angestrengt haben. Das sind dann Kinder, die erst in Klasse 6 oder 7 wirklich mal etwas erarbeiten und üben müssten, sie lernen unter diesen Umständen das Lernen nicht, es sie denn, sie bekommen im Unterricht per Differenzierung genug Herausforderungen und lassen sich darauf ein.
        Andere Schüler verstehen vermutlich gar nicht, warum sie schwach sind, haben aber benannte Unterstützung nicht, auf die sie angewiesen wären und die in unserem Schulsystem nach wie vor im häuslichen Bereich erwartet wird, sofern die Schule selbst nicht mit unterstützenden Fördermöglichkeiten ausgestattet ist.
        Andererseits setzen Vorgaben darauf, dass zu differenzieren sei, dass Kinder individuell gefördert werden müssen. Unterricht ohne Noten kann dazu führen, den Kindern individuelle Ziele zu geben oder zu setzen. Dabei kann der Schwache Grundfertigkeiten festigen, die wirklich notwendig sind und eine vielfache Wiederholung erhalten, die das Üben ermöglicht. Der Starke kann in der gleichen Zeit etwas anderes üben. So sollte es im Unterricht ohnehin sein.
        Warum dann am Ende beide die gleiche Klassenarbeit schreiben müssen, ist für mich nicht schlüssig. Da stimmen für mich Vorgehen und Vorgaben der Kultusministerien nicht überein.

        • Keine Ahnung, wie sie darauf kommen, dass ich an einem Gymnasium unterrichte.
          Ich verstehe auch nicht, warum sie so tun, als wären wir Unmenschen und würden die unterschiedlichen Schüler nicht beachten.

          Zum Thema Demotivation bei Klassenarbeiten und gleichem Stand, dies ist doch gar nicht gefordert, wir stellen immer häufiger differenzierte Klassenarbeiten, in denen die Schüler zum Beispiel Hilfen in Anspruch nehmen können, um dann noch zumindest eine Vier zu erreichen.

          Grundsätzlich teile ich auch Ihre Meinung bzgl. individuellem Lernerfolg und Unterschieden, dies ist aber mit unserem Schulsystem nur teilweise vereinbar. Mein Traum wäre auch, dass jeder Schüler individuell an seinem Wochenplan arbeitet, dies ist aber schlichtweg zur Zeit einfach nicht möglich an einer weiterführenden Schule:
          1. Fehlt das nötige Selbstlernmaterial und diverses anderes Material
          2. Fehlt die nötige räumliches Ausstattung (es gibt keine Rückzugsort in kleinen Klassenräumen.

          und der wichtigste Punkt
          3. Wir MÜSSEN Vergleichsarbeiten schreiben. Ich muss in der 8. Klasse und in der 10. Klasse zentrale Prüfungen oder Erhebungen schreiben, wo es nur darauf ankommt, was die Schüler im Vergleich zu anderen Schulen mit vergleichbarem Klientel können. Es interessiert niemanden, wenn ich sagen würde, dass ich diverse Themen bei diesem und jenem Schüler nicht behandeln konnte, weil er noch an einem anderen Thema hängen geblieben ist, solange er zielgleich unterrichtet wird. Bei einer Abschlussarbeit wäre dies sogar ein großer Skandal, wenn ich nicht die nötigen Themen abgedeckt habe.

          Ich verstehe allerdings nicht, warum sie dies in einen Topf mit den Noten werfen. Noten wären in einem anderen Schulsystem, wo es nicht um Zielgleichheit geht, durchaus trotzdem möglich. Wieso sollte es mir als Lehrer dann nicht möglich sein, z.B. die Wochenplanarbeit eines Schülers zu bewerten? Ich kann ja auch sehen, wie viel Fortschritte ein Schüler macht und ob er an etwas arbeitet. Das was sie also anprangern ist meiner Meinung nach grundsätzlich das Schulsystem und nicht die Tatsache der Notenvergabe. Noten können genauso individuelle Rückmeldungen geben wie ein Textzeugnis bei einem zieldifferenten Schüler.

          Wie gesagt, meine Vorstellung von einem idealen Unterricht mit Schülern ist auch eine andere (jahrgangsstufenunabhängige Wochenplanarbeit), dies ist aber so nicht möglich, da ich für die Leistung meiner Schüler den Kopf hinhalten muss im aktuellen System! Ich kann nicht machen, was ich will, ohne dass ich hinterher erklären können muss, wieso Schüler XY keine Abschlussprüfung schafft, und solange es diese gibt ist das auch nicht fair. Ich tue damit keinem einzigen Schüler einen gefallen, wenn ich ihn bis zum Ende seiner Laufbahn da behalte, und er immer denkt, dass alles tutti sei.

          • Ich teile allerdings vollkommen ihre Meinung, dass die Vorgaben zur Differenzierung nicht mit den sonstigen Vorgaben vereinbar sind.

          • Ich finde die Klassengröße auch in den weiterführenden Schulen viel zu hoch, nicht nur in den Grundschulen. Wenn wir schon beim Beispiel Gymnasium sind: Wie anders könnte doch in allen Fächern gearbeitet werden bei einer Klassengröße von 15 SuS. Aber das wird sich wohl so schnell nicht ändern.

          • Differenzierte Klassenarbeiten sind in meinem BL ausdrücklich VERBOTEN,
            ausgenommen davon sind SuS mit festgestelltem Unterstützungsbedarf bei zieldifferenter Beschulung.

            Der Vorstellung eines jahrgangsstufenübergreifenden Wochenplan-Unterrichts kann ich mich anschließen, sehe die Realisierung aber auch nicht gegeben.
            Desweiteren fände ich es sinnvoll, dabei ausdrücklich ein Fundamentum zu formulieren, das greift, sofern die SuS ansonsten Gefahr laufen, grundlegende Kompetenzen gar nicht zu erreichen.

  11. @Palim:

    Was Sie hier schildern, sind freilich Ihre persönlich-subjektiven Beobachtungen, die allerdings von einer nicht geringen Anzahl von Mitdiskutanten bestritten werden. Wer hängt also nun dem wahren Glauben
    an (denn mehr als eindimensionale Eindrücke, die obendrein auf idealtypische Wunschvorstellungen ge-gründet sind, haben Sie ja nachweislich nicht zu bieten) ?
    Jedoch erinnert mich Ihre Argumentation frappant an das eifrige Bemühen, das Fieber aus der realen Welt zu verbannen, indem man das Fieberthermometer kurzerhand verbietet !
    In jedem Falle stellt das Wortgeklingel, mit dem alternativ krampfhaft versucht wird, die Rückmeldung über eine Leistung in ungetüm wie ungelenk formulierte Satzbausteine zu kleiden, nur an hilflos zusam-mengebastelte Zeugnisattrappen. Im Übrigen stelle ich Ihre Grundthese, wonach Schule zur Herstel-lung einer ebenso subjektiv definierten “Gerechtigkeit” da sei, in Abrede – zugegeben mit einer nicht weniger rein persönlichen Auffassung behaftet; indes bin ich mir dessen durchaus bewusst, während sich auch in diesem Forum selbsternannte Gesinnungsethiker tummeln, die ihren Visionen nach einem neuen Adam anhängen.

    • Ich habe mich gar nicht dahingehend geäußert, dass ich Leistung nicht bewerten oder lediglich “ungelenk formulierte Satzbausteine” nutzen wollte.

      Da mein einzelner Beitrag Ihnen nicht auszureichen scheint, können Sie sich zur Diskussion um Noten gerne umschauen, sie ist ja alt genug und überhaupt nicht einseitig. Das war sie nie und das wird sie auch in Zukunft nicht sein.
      Es gibt eine Menge anderer Wege, die im Ausland schon lange beschritten werden, oder Wege, die auch in Deutschland umgesetzt werden,
      z.B. vorgestellt unter https://deutsches-schulportal.de/unterricht/schule-ohne-noten-neue-wege-der-leistungsbeurteilung/

      Dargstellt wird manches auch hier
      https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2014-02/schulnoten-bildung-leistungsbeurteilung/seite-2
      Angesprochen wird dabei ebenso, dass es mit oder ohne Noten auf die Fördermöglichkeiten ankommt, nicht darauf, dem Kind zu signalisieren, dass die Leistung nicht ausreicht, und es damit allein zu lassen. Genau darin besteht für mich der größte Teil der Ungerechtigkeit.

    • Bitte seien Sie mir nicht nachtragend. Aber ihr Kommentar oben strotzt – nach meinem Empfinden – ja nur so vor Todschlagargumenten und Killerphrasen.

      „… die allerdings von einer nicht geringen Anzahl von Mitdiskutanten bestritten werden. Wer hängt also nun dem wahren Glauben“

      Sie generieren sich hier also zum „Sprecher der schweigenden Mehrheit“, wie sie zu insinuieren versuchen? Mir scheint, mit der Frage: „Wer hängt als ….“ wollen Sie nur die Meinungshoheit behaupten und den Kontrahenten jämmerlich vom Diskursfeld „vertreiben“.

      Mit den „idealtypische Wunschvorstellungen“ haben Sie ja nun Palim gänzlich disqualifiziert und der „Träumerei“ und „Realitätsferne“ überführt. Hauptsache, ihre Argumentation ist immer realistisch!!

      Jetzt noch ein kleines Bonmot von Ihnen: „Jedoch erinnert mich Ihre Argumentation frappant an das eifrige Bemühen, das Fieber aus der realen Welt zu verbannen, indem man das Fieberthermometer kurzerhand verbietet !“
      Nun muss der letzte Zweifler anerkennen, dass Palim’s Position in diesem Gefecht hoffnungslos und nicht zu halten ist.

      Und damit auch andere im Forum sich ihrer argumentativen Raffinesse und Wortgewalt gleich gewiss sein können, beschließen sie mit einem Rundumschlag in die Runde der „selbsternannten Gesinnungsethiker“ ob der von ihnen unterstellten Visionen.

      Was bleibt? Außer den oben zitierten Phrasen und Worthülsen, war aus ihrem Beitrag nichts substantiell Erhellendes – also der Sachaufklärung dienendes – zu entnehmen!

      Wie gut, dass ich jetzt kein Anhänger von Benotungen bin!!!

      • @Marco Riemer:

        Ich habe Ihre Einlassungen zu meinem Statement mit wachsendem Vergnügen gelesen – eine brillante Analyse ! Sind Sie etwa in Ihrem tiefsten Inneren doch
        ein heimlicher Bewunderer ?
        Falls es in Zukunft auch noch mit der korrekten Handhabung der Fremdwörter besser laufen sollte – “sich generieren zu(m)” ist mindestens ungelenk, wenn nicht grammatikalisch falsch gebraucht (wahrscheinlich haben Sie’s ja einfach nur mit “sich gerieren als” verwechselt) -, ernten Sie von mir das nächste Mal ein
        motivierendes “Weiter so !”

          • Das war nicht schwer zu finden, wenn man sich vergegenwärtigt, dass man selbst eine neue Generation in Form von eigenen Kindern generieren kann und diese verantwortungsbewusst selbst zu selbstständigen und verantwortungsbewussten Mitmenschen großziehen kann.
            Und da sind eine Kuschelpädagogik und Neoreformpädagogische Modelle, wie die in der oben von mir aufgeführten sektiererischen Schule, nur ein Hindernis im Reifungsprozess der selbst generierten Generation.

      • Es gibt todsicher auch Totschlagargumente (sic!), aber ich habe nicht den Eindruck, dass Palim oder Milch diese besonders stark einsetzen. Mit der Rechtschreibung allerdings scheint es eine seltsame Sache zu sein. Sie scheint zu zerbröseln, entgegen allen Beteuerungen.

    • @Cavalierei: 24-26 Schüler, das ginge ja noch. Im hiesigen Gymnasium geht es schon oft über 30, zuweilen sogar 34…..aus irgendwelchen mir uneinsichtigen Gründen sind manche Parallelklassen etwas kleiner und die Verteilung nicht ganz “gerecht.” Wahrscheinlich geht es um die Einteilung nach Ortschaften. Da möchte ich weder Schüler noch Lehrer sein. Und das in einem reichen Land.

      • Also dann einen Aufstand der Lehrer gegen alles über 28 SuS in einer Klasse ? Oder wäre diese Art von Demokratie nicht erwünscht ?

  12. Politik kann festlegen, dass in der Schule nicht bewertet wird. Aber am Ende steht der Arbeitsmarkt, und der wird (solange die Linke nicht die Regierung stellt) sehr objektiv und sehr hart bewerten. “Wiederholen” und Nachlernen wird dann schwieriger als es in der Schule gewesen wäre.

  13. Ich bin aus mehreren Gründen für Noten in der Grundschule und allmählich nur noch genervt von den “Gesinnungsethikern”, wie “Milch der frommen Denkungsart” die Anhänger modischer Kuschelpädagogik zutreffend nennt.
    „Letztlich wachsen unsere Kinder in einer Wettbewerbsgesellschaft auf. Auch in Zukunft wird man sie ständig bewerten. Setzt die Notengebung erst in der weiterführenden Schule oder später ein, kommt dann das böse Erwachen.“ (Elke Grammerstorf, Leiterin einer Grundschule)
    „Es gibt keine Bildung ohne Anstrengung. Wer die Noten aus den Schulen verbannt, schafft Kuschelecken, aber keine Bildungseinrichtungen, die auf das nächste Jahrtausend vorbereiten.“ (Roman Herzog, Ex-Bundespräsident)

    • … und Roman Herzog, Ex-Bundespräsident, war ein ausgewiesener Bildungsforscher und/oder Praktiker!?
      Das Argument hat jetzt erst richtig Gewicht, wenn ein studierter Jurist seine Expertise zu lernmotivationalen Fragestellungen abgibt. Und zu seiner wissenschaftlichen Expertise – in dieser Fragestellung – gesellen sich sicherlich seine eigenen frühen schulischen Erfahrungen, die – seinem Geburtsjahr 1934 entsprechend – aus der schulischen Zeit um Hitlerdeutschland herum – mir heute nicht mehr als zukunftsweisendes Model herhalten können.
      In juristsichen Fragestellungen wäre Herzog ganz gewiss für mich eine Kompetenz. Aber in schulischen Fragen?

      • Mögen Politiker wohl die Entscheidung darüber fällen dürfen, ob und wie Leistungsbeurteilungen von Schülern idealtypisch auszusehen haben, so dürfte eigentlich jedem verantwortungsbewussten Mitmenschen klar sein,
        dass Beurteilungen vergleichbar sein müssen, ein Verzicht auf diese sich in der Entwicklung der Schüler negativ in Hinblick auf die Förderung einer Selbstbeurteilungsfähigkeit der Schüler auszuwirken pflegt, als diese auch wichtig für eine direkte Rückmeldung sich erweisen, und eben mit seitenfüllenden schriftlichen Beurteilungen in Form von Textbausteinen niemandem gedient ist.

        Das trifft in besonderem Maße für schriftlichen Beurteilungen in der 1. und 2. Klasse zu, die weder von den Schülern meist selbst nicht gelesen werden können, aus den unterschiedlichsten Gründen heraus, geschweige denn verstanden werden , noch von den Eltern ob ihrer euphemistischen Schreibweise verstanden werden und eingeordnet werden können, und somit keine geeignete Reflektion für Leistungen der Schüler darstellen.
        Diese sind allein den Ideen jener entsprungen, die sich in besonderer Weise um die Zersetzung deutscher Schrift- und Lesekultur in indoktrinierender Weise über die KMK erfolgreich bemüht haben.

        • @Ignaz Wrobel: Deshalb finden bei uns in der 2. Klasse verpflichtende Schüler-Eltern-Lehrergespräche statt, bei denen das Kind anwesend sein muss und auch zu Wort gerufen wird. Dauer: 30 Minuten, Vorbereitungszeit mindestens auch, das bei 25 Kindern. Wir arbeiten mit schulinternen Symbolen, alles ist sehr anschaulich und die Kinder werden im Unterricht schon teilweise darauf vorbereitet. Jetzt sagen Sie nicht, dass das dem Kind und den Eltern weniger vermittelt als z.B. Note 4.

  14. Wir sind inzwischen (in der Grundschule) so weit, dass wir in Bezug auf Leistung die Selbstreflexion, die Einschätzung mit Worten von Seiten der Lehrkraft betreiben, aber die Ziffernnoten nicht aufgegeben haben. Dieses Konglomerat trifft die Schüler massiv. Sie stehen ständig im Fokus der Beurteilung und Selbsteinschätzung, schreiben Lerntagebücher, bekommen Bewertungen auf Portfolios, schreiben normale Arbeiten…Das kam mit den Kompetenzen.

    Im Einzelnen gesehen finde ich bestimmte alternative Dinge, die den Wissensstand dokumentieren, gut, aber im Gesamten ist es viel zu viel. Ich würde es sogar wagen, lange auf Noten zu verzichten und eine sinnvolle Auswahl alternativer Leistungsrückmeldungen bemühen. Doch das sollte praktikabel sein und die Schüler ermutigen sich weiter anzustrengen.

    Ich lasse manchmal meine Schüler protokollarisch aufschreiben, wie viel Zeit sie für die Vorbereitung einer Arbeit in einem Lernfach investiert haben und was sie genau gelernt haben um mit ihnen zu reflektieren, ob es gepasst hat oder nicht oder was man hätte anders machen können. Das ist eine moderne Form des Lerncoachings und hat Namen wie Lernprotokoll, Lernstraße.

    Die Ergebnisse verwundern mich immer wieder und haben mein altes Bild ganz schön auf den Kopf gestellt. Da gibt es Kinder, die mit Hilfe ihrer Eltern ungefähr dieselbe umfangreiche Zeit aufbringen und haben Noten von 1-4. Diese Gruppe ist größer als gedacht. Für die diejenigen mit Dreierergebnissen ist es schon frustrierend; aber vor allem schmerzhaft ist es für diejenigen, die einen großen Aufwand betrieben haben und dennoch auf kein besseres Ergebnis wie eine 4 gekommen sind. Hier hat man alle Hände voll zu tun, damit diese Kinder, die so oder so mit Merkfähigkeits-, Auffassungs- und Konzentrationsproblemen zu kämpfen haben, nicht durch diese Ziffernnoten entmutigt werden. Für diese Kinder sollte es so früh keine Noten geben.
    Auf der anderen Seite gibt es Schüler, die mit wenigem Zeitaufwand sehr gute bis gute Noten schreiben. Sie wissen um ihre Fähigkeiten und den Aufwand, den sie betreiben müssen.
    Dann gibt es noch die traditionelle Schülergruppe die Noten adäquat zu ihrem Lernaufwand erreicht haben.
    Das betraf jetzt aber eher den Lernaufwand von einem Stoff, den man gut verstehen konnte und wo es kaum Aufgabenstellungen gab, die über das Wissen hinausgingen.
    Anders ist es mit Unterrichtsstoff, wo man die höchsten Anforderungsbereiche, die eine 2 oder 1 ausmachen, einfach nicht mehr erreichen kann. Das kann schon einen Frust ausmachen – vor allem in Mathematik – diese Schüler sind oft so frustriert, dass sie auch in den geringen Anforderungsbereichen Fehler machen und nicht in der Prüfungssituation das abrufen können, was sie vielleicht in anderer Lernumgebung könnten. Normalerweise kann man die beiden unteren Anforderungsbereiche noch durch Lernen auffangen, bei höherwertigen muss schon größeres Verständnis da sein.

    Die Schwierigkeit bei verbalen Beurteilungen kann man aber nicht verschweigen. Sie sollen die Realität darstellen und dennoch nicht verletzend sein. Das ist oft eine sprachliche Herausforderung. Wir schreiben in meinem Bundesland in allen 4 Grundschuljahren Zeugnisberichte mit Notengebung ab dem 2. Halbjahr der 2. Klasse.

    Die Halbjahreszeugnisse der ersten drei Grundschuljahre sind bei vielen Schulen – auch bei uns – durch Lernentwicklungsgespräche ersetzt. Das sind halbstündliche Gespräche mit dem Kind im Beisein eines Elternteils, zu dem ein Protokoll angefertigt wird. Im Vorfeld bekommt das Kind einen Reflektionsbogen, wo es über die Bereiche, über die im Lernentwicklungsgespräch gesprochen wird, reflektiert.

    • Zitat: “Die Halbjahreszeugnisse der ersten drei Grundschuljahre sind bei vielen Schulen – auch bei uns – durch Lernentwicklungsgespräche ersetzt. Das sind halbstündliche Gespräche mit dem Kind im Beisein eines Elternteils, zu dem ein Protokoll angefertigt wird. Im Vorfeld bekommt das Kind einen Reflektionsbogen, wo es über die Bereiche, über die im Lernentwicklungsgespräch gesprochen wird, reflektiert.”

      Furchtbar, ich meine vor allem furchtbar aufwändig. Und was bringt das? Wird irgendein Kind besser dadurch in seinen Leistungen? Sind die Leistungen der auf diese Art und Weise bewerteten Kinder in irgendeiner Weise signifikant anders als früher, ohne das?

      (Ich frage das nicht vorwurfsvoll, sondern ehrlich.)

      • Ja, weil wir ein oder zwei Ziele definieren. Das bringt schon etwas. Für die Bewusstmachung bringt es etwas.

        Die Ziele werden so definiert, dass sie auch erreichbar werden. Z.B.: Ich mache regelmäßig(er) meine Hausaufgaben. Ich bemühe mich schöner zu schreiben. (Das wäre offener definiert.) Ich lese regelmäßig.

        Man muss natürlich Möglichkeiten finden, wie man den Kindern signalisiert, dass die Ziele wichtig sind. Ich lasse die Kinder immer wieder über ihre Ziele reflektieren und sich nach einer gewissen Zeit ein neues Ziel setzen.

        Am liebsten würde ich sämtliche Zeugnisse durch diese Gespräche ersetzen. Die Gespräche sind von der Zeit und Vorbereitung her halb so aufwändig wie ein Berichtzeugnis zu schreiben. Das ist sogar eine Zeitersparnis.
        Außerdem werden die Gespräche mit dem Kind in kindgerechter Sprache geführt.

        • Danke.

          Aber diese Dinge sage ich doch sowieso ständig in den Gesprächen im Unterricht mit allen oder auch mit einzelnen Kindern. Sie werden dann zusätzlich abgebildet in z.B. Mitarbeitsnoten oder den Bemerkungen zur Schrift …

          Und wie oft sagen mir Kinder, sie mussten oder haben zu Hause gar nicht gelernt und “es” trotzdem “gekonnt” und ich sage, ja, weil du im Unterricht gut mitgearbeitet hast usw.-usf.

          Das macht man doch alles sowieso “nebenbei”. Das ist doch unsere tägliche Arbeit.

        • Nachtrag:
          Wir machen in meinem Bundesland alles: Lernentwicklungsgespräche mit Notenstand, Berichtszeugnisse mit Noten.
          Die Kinder werden in meinen Augen reflektierter ihrem Verhalten, Arbeitsverhalten und ihrem Leistungsverhalten gegenüber – zumindest einmal im Kopf – nicht immer können sie das auch eins zu eins praktisch umsetzen. Dafür sind es Kinder und keine kleine Erwachsene.
          Der Hintergrund dieser Gespräche ist u.a. durch die Reflexion Eigenverantwortung zu lernen bzw. zu übernehmen.
          Für viele ist das gut, manchen täte es besser, das Ganze wäre unbeschwerter. Da müssen wir uns an der Grundschule immer wieder Gedanken machen, wie das Kind ermutigt aus diesen Gesprächen herausgehen kann, denn die Ziele, die die Schüler selbst wählen durch sanfte Lenkung der Lehrkraft, wenn erforderlich, fordern ja etwas ein.

          • Das machen wir aber auch bei jedem Referat. Da schätzt die Klasse mündlich ein, was gelungen ist und was besser gemacht werden könnte ( = Kritik möglichst positiv formuliert). Das schreibe ich auch unter Klassenarbeiten. Das sage ich bei vielen mündlichen Leistungsbewertungen und in zahlreichen Gesprächen, auch in Elterngesprächen.

            Ich finde, das findet alles doch schon statt. Wenn man’s gut macht. Trotz und mit und wegen der Notengebung auch.

          • … aber gelegentlich rede ich auch mal Klartext. Wenn jemand erkennbar faul gewesen ist. Das gehört auch dazu!

            Alles nett zu formulieren, entwertet nette Formulierungen.

          • Stimmt – so ähnlich machen wir das während des Unterrichts auch.

            In einem Lernentwicklungsgespräch ist alles zusammengefasst und kommen neue Aspekte auf. Wir haben im Vorfeld einen Ankreuzbogen auch für Lehrer, reden vor allem über die Dinge, über die man reden muss oder loben kann.
            Wir haben den Bereich Sozialverhalten, Lern- und Arbeitsverhalten und dann sämtliche Fächer. Da sucht man sich die Schwerpunkte heraus. Interessant ist immer auch die Eigenwahrnehmung des Kindes, da im Vorab zu denselben Themen befragt wird. Man redet auch über die Punkte, wo Eigenwahrnehmung und Lehrerbild sich unterscheiden. Für Eltern ist es interessant, auch einmal andere Aspekte zu hören, denn das Kind berichtet zuhause, wenn es etwas sagt, aus seiner eigenen Sicht. Im Lernentwicklungsgespräch können Eltern nachfragen, wie etwas gemeint ist, bei Zeugnisberichten muss man immer mit Missverständnissen rechnen.
            Ich glaube, dass man mit den Lernentwicklungsgesprächen auf einem guten Weg ist, man sollte aber ganz auf die Berichtzeugnisse verzichten und stattdessen diese Gespräche ansetzen mit oder ohne Noten.
            Das ist natürlich nur in den Schultypen organisatorisch durchführbar, wo der Unterricht hauptsächlich vom Klassenlehrer bestritten wird, der auch eine besondere Beziehung zum Schüler hat. (Wir erhalten kurze Bemerkungen von den Fachlehrern.) An Schultypen, wo das Fachlehrerprinzip vorherrscht, fände ich das nicht besonders sinnvoll und organisatorisch viel zu aufwändig, denn ein Klassenlehrer kann ja nicht für die anderen Fachlehrer stellvertretend das Gespräch führen.

          • Danke an ysnp und Herrn Mückenfuß für erfreulicheren Einblicke in die Förderung der Selbstreflexion von Schülern durch eine mehr verbale Rückmeldung an die Schüler.

            Da sehen die dreiseitigen schriftlichen Beurteilungen für Förderschüler in NRW- Sie haben richtig gehört – schon ganz anders aus, weil man den anvertrauten Mitmenschen einerseits nicht in diesem Sammelsurium an Textbausteinen wiedererkennt, keinerlei konstruktive Angaben für eine vorgeblich individualisierte Förderung gemacht werden, Defizite aus der Grundschulzeit erst gar nicht angegangen werden und somit sich diese Zeugnisse als vollkommen abgehoben und wenig hinweisgebend in der Weise des Angehens der Defizite darstellen ! Das ist NRW und nicht Bayern.

            Also ist und war man selbst gezwungen mit Methoden alter Schule systematisch die Grundfertigkeiten aufzubauen, einzuüben und zu automatisieren, Allgemeinwissen in Diktaten und gestützten Textanalysen mit einzuarbeiten und schriftsprachliche und mathematische Fähigkeiten für den späteren Lebensalltag zu erarbeiten.

            Eigentlich sollte man an derartige Lehrer auch einmal eine derart erquickende Beurteilung verschicken, weil sich diese Person als besonders befähigt erwies, Eltern gegen sich aufzubringen und mit eigen initiativen Lernmodulen einer allgemeinen Verdummung aussetzte.

        • Danke für den Einblick,
          der eben auch zeigt, dass es auf andere Weise geht,
          dies aber nichts damit zu tun hat, dass man keine Leistung fordern oder keine klare Rückmeldung geben würde.

          • @Palim
            Und jetzt wissen Sie auch, woher der Quell meiner inneren Auflehnung und Energie rührt, gegen derartige Auslaufmodelle pädagogischer Volksverdummung , in direkter Anlehnung an eine praktische Analyse dieser Methoden, dem Aufzeigen ihrer Defizite, Schwächen und Fehler, erschwerender und gegenläufiger Sinnhaftigkeit der Methodik, aufzuzeigen.
            Lerntheoretisch in heutiger Lesart, wird sich sicherlich ein anderes Bild ergeben. Ich nehme für mich aber in Anspruch, nicht im Wolkenkuckucksheim leben zu wollen und beabsichtige auch nicht, meine praktischen Denkweisen, in Richtung dieser verdrehten Pädagogik auszurichten.

          • @AvL
            Ich wusste das schon.
            Sie haben es oft genug angedeutet. Mein Beruf bringt es mit sich, auf persönliche Äußerungen zu achten, sie einzuschätzen und sie in einen Zusammenhang zu bringen.

            Aber es liegt mir nichts ferner, als Ihre private Situation hier öffentlich zu bewerten oder zu beraten.

            Mein Eindruck war bisher, dass es Ihnen auch gar nicht um einen persönlichen Austausch geht.
            Sollten Sie diesen wünschen, können Sie die Redaktion um meine E-Mail bitten und ich erteile hiermit die Erlaubnis, dass die Redaktion diese an Sie (AvL) weitergeben kann.

            Davon abgesehen ist mir in weiten Teilen unverständlich, dass man Lehrkräfte unter Generalverdacht stellt, sobald sie andere Meinungen und Möglichkeiten zur Diskussion bringen.

          • @Palim
            Häh? Wo hätte AvL Lehrkräfte unter Generalverdacht gestellt? Mit Ihnen liegt er im Clinch und Sie sind nicht die gesamte Lehrerschaft.

            Übrigens: Raffinierter Schachzug, die Auseinandersetzung auf die private Schiene verlegen zu wollen. Dann wären Sie vor seinen Kommentaren und dem Mitlesen anderer sicher.
            Ich würde allerdings bedauern, wenn AvL sich auf Ihr “großzügiges” Angebot einließe.

    • ysnp: “Sie stehen ständig im Fokus der Beurteilung und Selbsteinschätzung, schreiben Lerntagebücher, bekommen Bewertungen auf Portfolios, …”
      Was bin ich froh, schon aus der Grundschule raus zu sein. Diese Portfolios, Lerntagebücher, Lernprotokolle, Lernstraßen, Reflexionsbögen, Lernentwicklungsgespräche etc. hätten mich damals unheimlich genervt. Ich wäre mir vorgekommen wie ein dressierter Affe, der brav aufschreiben muss “ich kann Zahlen addieren und multiplizieren …”.
      Ist denn inzwischen erwiesen, dass das insgesamt einen positiven Effekt hat? Was ist eigentlich mit Reibungsverlusten dabei (etwa zu beanstandende Unzulänglichkeiten dieser Porfolios, Lerntagebücher etc.) ?

  15. @ Marco Riemer,

    ich stelle mal die These auf, dass Sie mit Ihrer Notenablehnung (negative natürlich) die Kinder in Watte packen und dass Sie ihnen damit keinen Gefallen tun, sie quasi “lebensunfähig” machen, weil das Leben, wie sagt man, kein Ponyhof ist, in dem alle und alles nur nett ist.

    Beleg (lachen Sie nicht so schnell) die derzeitige Apothekenrundschau. Da lese ich “Krisen machen immun wie eine Impfung”. Der Artikel beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Googeln Sie das mal! Sie finden etliches dazu. Den Kindern jede Krise zu ersparen, bedeutet auch, ihnen zu verwehren, an Krisen zu reifen und aus ihnen zu lernen. Sie scheitern dann später im realen Leben beim kleinsten Widerstand und brechen psychisch zusammen (Stichwort Depression).

    • „ich stelle mal die These auf, dass Sie mit Ihrer Notenablehnung (negative natürlich) die Kinder in Watte packen und dass Sie ihnen damit keinen Gefallen tun, sie quasi “lebensunfähig” machen, weil das Leben, wie sagt man, kein Ponyhof ist, in dem alle und alles nur nett ist.“

      Ihr Argument umgedreht würde bedeuten: Lasse ich die Kinder also länger oder öfters mal im „Regen“ stehen, dann werden sie fit für’s Leben. Das halte ich für gewagt, und es bedarf da schon einiger Evidenzen, dass der analoge Schluss von der Physis auf die Psyche so statthaft sein kann.
      Ich sage: ich möchte nur nicht, das den Kindern ihr „Hier & Jetzt“ zugunsten einer ungewissen Zukunft geraubt wird oder dem Leistungsdruck (Noten) geopfert wird. Nochmals mit Ruth Cohn’s Worten geantwortet:
      “Ich glaube, dass Kinder und Erwachsene >etwas leistenLeistungsdruck>Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt<<

      Und auch ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Kinder etwas leisten wollen!! Aber ob es da zwangsläufig – nur weile es immer so war – der Noten bedarf, scheint mir nicht in Stein gemeißelt zu sein.
      Ich bin begeistert und danke dem/der Schreiber_in ysnp 12. Januar 2019 at 15:53 für die tolle und ermutigende Darstellung ihrer/seiner Praxis weiter oben!

      Sie führe an: „Beleg (lachen Sie nicht so schnell [ich lache gar nicht! Ihr Argument war sicherlich ernst gemeint!]) die derzeitige Apothekenrundschau. Da lese ich “Krisen machen immun wie eine Impfung”. Der Artikel beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Googeln Sie das mal! Sie finden etliches dazu. Den Kindern jede Krise zu ersparen, bedeutet auch, ihnen zu verwehren, an Krisen zu reifen und aus ihnen zu lernen. Sie scheitern dann später im realen Leben beim kleinsten Widerstand und brechen psychisch zusammen (Stichwort Depression)."
      Im Hinblick auf die psych. Gesundheit (Sie nannten Depression) wären mir alle und nicht zuletzt die lehrerinduzierten Maßnahmen wichtig, die die Resilienz der Kinder hebt (Resilienz lässt sich trainieren!). Beispielhaft genannt seien da Selbstwirksamkeitsüberzeugungen (ich kann es schaffen, hab ja auch die letzte Herausforderung geschafft.). Diese Überzeugung trägt am weitesten, wenn sie aus der Selbsteinschätzung generiert wurde. Was ich oben bei YSNP gelesen hab, scheint mir diesbezüglich aussichtsreicher zu sein, als Noten.

      Damit eng verbunden ist ein realistisches Selbstbild (Fähigkeitsselbstkonzept). Mich und meine Möglichkeiten realistisch einschätzen zu können, bedeutet meine Ziele darauf besser abstimmen zu können. Um dieses realistische Selbstkonzept zu entwickeln, scheinen mir reflexive Gespräche wie oben dargestellt zielführender als Noten. Die Vergabe von Noten animiert -aus meiner Sicht – nicht zwangsläufig zur Reflektion. Weder auf der Seite der SuS, noch auf Seiten der Lehrer.

      Das Kind, welches sich – trotz mangelhafter Voraussetzungen (kein Support, kein Motiv) – angestrengt hat und weniger als 40% in der Arbeit erreicht hat, bekommt eine schlechte Zensur. Die Gefahr, dass dieses Kind diese Benotung als Bestrafung für mangelnde Anstrengung erlebt und damit sich zum Beispiel traurig, beschämt oder verletzt fühlt, ist zum Greifen nah. Keines dieser Gefühle stellt aber eine gute Voraussetzung zum Weiter-Lernen dar. Außer Acht lassen wir auch gern mal, das es zudem misserfolgsorientierte Lerner (ich vermeide alles, was Misserfolge bringt) und erfolgsorientierte Lerner – also klar am Erfolg orientiert Lerner gibt. Während bei Letzteren keine gröberen motivationalen Probleme zu erwarten sind, gilt bei den misserfolgsorientierten Lernern ganz klar, dass es für die langfristige Motivation (Anstrengungsbereitschaft etc.), aber auch für höhere Effizienz – etwa für die Wahl der richtigen Lernstrategien – günstiger ist, sich am Erfolg zu orientieren, statt zu versuchen, möglichen Misserfolg zu vermeiden. Sinnvoll ist deshalb immer, Annäherungsmotivation zu fördern und Vermeidungsmotivation entgegenzuwirken. Die Noten fördert aber aus meiner Sicht ganz klar die Vermeidungsmotivation, wenn des Schülers Leistungen absehbar dem Klassenziel – z.Bsp. aus irgendwelchen außerhalb der Person liegenden Gründen – nicht folgen kann.

      „So wichtig solche Konsequenzen beziehungsweise Verstärker [z.Bsp. Noten, Anm.d.V.] auch sind, sie sind definitiv nicht alles! Um Kinder und Jugendliche – überhaupt Menschen – nachhaltig anzuspornen, sollte man zusätzlich den Gefühlen Beachtung schenken, die die Personen im Zusammenhang mit ihren Aufgaben erleben, sowie ihren Gedanken, Motiven und Bedürfnissen.“ Beate Schuster u. Anette Fahle in: Mit mehr Leichtigkeit und Freude durch die Schulzeit, S.66, doi.org/10.1007/978-3-662-57311-2

      Kurzum: Ich sehe in Noten eben die Gefahr, dass wir uns auf die zählbare Seite der Schulwelt verlassen, und Schülerverhalten schnell mal simplifizieren.

      • @Herr Riemer
        Sollten Sie die Chance erlebt haben, eigene Kinder großzuziehen oder sich in den unterschiedlichen Phasen der Entwicklung von Kindern einbringen zu dürfen, an deren Reifung teilhaftig geworden zu sein, so hätten sie bemerkt, dass die Motivationslage der Kinder etwas lernen zu wollen, von deren Alter und deren kognitiver, psychischer und körperlicher Reife abhängt.

        Zu postulieren, Kinder wollten zu jeder Zeit schulisch aktiv lernen, erscheint mir aus der Perspektive eines erziehenden Vaters von fünf Kinder, sehr euphemistisch formuliert, denn es gibt unterschiedliche Phasen in der Entwicklung eines Menschen, in denen man weniger bereit ist, sich auf schulische Lernleistungen aktiv einzulassen und dann eben stützende Hilfen von Hause aus benötigt, um weiter fortzufahren im Lernen, gestärkt durch eigene Erfolge, auch wenn diese sich nicht in der Note gleich niederschlagen, aber eben im Verständnis dieser Lernanforderungen zeigen.

        Jeder Mensch, der lernen möchte , benötigt ein Feedback für seine Leistungen, damit man in die Lage versetzt wird, zu lernen , sich selbst einzuschätzen und gegebenenfalls gegenzusteuern und eben eine selbstständige Arbeitsweise entwickeln zu lernen.
        Mündliche Feedbacks sind genauso ein unverzichtbar Bestandteil der unterstützenden Funktion der Lehrer, wie die schriftliche Beurteilung, die Anleitungen und den Korrekturen mit Verbesserungsvorschlägen, die eine Verbesserung der Aufnahme schulischer Anforderungen umzusetzen helfen.

        Im Abschluss steht eben die Note. Es ist aber eben nicht die Note als solches, die bei einer schlechteren Beurteilung dem Selbstbewusstsein unzuträglich ist, sondern vielmehr der häusliche Umgang mit dieser Benotung und eben auch die Aussagekraft der Note, die nicht willkürlich vergeben werden darf, um eine einigermaßen gerechte Beurteilung zu ergeben.

        • „… so hätten sie bemerkt, dass die Motivationslage der Kinder [übrigens nicht nur bei Kindern!!, Anm.d.V.] etwas lernen zu wollen, von deren Alter und deren kognitiver, psychischer und körperlicher Reife abhängt.“

          Da bin ich ganz bei Ihnen. Ich habe diese Beobachtung durch eigene Anschauung und Erleben auch gemacht und bestätige das ausdrücklich!

          Der von Ihnen angeführten kognitiven, psychischen und altersentsprechenden Reife würde ich noch soziale Rahmenbedingungen – z. Bsp. Sympathie von und zum/zur Lehrer_in, Lernarrangement etc., hinzufügen. Diese Faktoren fließen aber nicht, oder nicht genügend in die Benotung ein. Oder???

          Womit wir bei ihrem zweiten Argument wären: „Zu postulieren, Kinder wollten zu jeder Zeit schulisch aktiv lernen, erscheint mir aus der Perspektive eines erziehenden Vaters von fünf Kinder, sehr euphemistisch formuliert, denn es gibt unterschiedliche Phasen in der Entwicklung eines Menschen, in denen man weniger bereit ist, sich auf schulische Lernleistungen aktiv einzulassen …“

          FALSCH!! Ich habe nie gesagt, dass Kindern ein ihnen ontologisch-innenwohnendes „schulisches“ Lernbedürfnis zu unterstellen sei!!! Lediglich habe ich gesagt: Kinder wollen etwas lernen und leisten.

          Vergessen wird – sicherlich berechtigt aus der Lehrerperspektive – das es neben der formellen Bildung (Schule, Ausbildung, Uni etc.) auch einen informelle und non-formelle Bildung (http://www.jugendsozialarbeit.de/media/raw/TOP_5_Non_formale_und_informelle_Lernprozesse_in_der_Kinder__und_Jugendarbeit_und_ihre_Nachweise.pdf) gibt, und deren Anteil an der PSK-Entwicklung sogar der weitaus größere Anteil beizumessen ist. Warum also dieser Noten-Zirkus, wenn das informelle Lernen nur einen Bruchteil der PSK-Entwicklung ausmacht?

          Hier nun aber haben Sie den Finger treffsicher auf den casus knacksus gelegt, wenn Sie sagen „…und dann eben stützende Hilfen von Hause aus benötigt, um weiter fortzufahren…“.

          Da mag es Kinder aus der Mittel- und Oberschicht geben, bei denen Noten nur marginalen Schaden an der intrinsischen Motivation anrichten. Die Kinder aber, denen „von Haus“ aus keine „stützende Hilfe“ – und da meine ich ganz bewusst das elterliche Zuhause – erhalten, müssen diese Noten zuweilen wie eine Drohung erleben.

          Sie sagen: „Jeder Mensch, der lernen möchte, benötigt ein Feedback für seine Leistungen, damit man in die Lage versetzt wird, zu lernen, sich selbst einzuschätzen und gegebenenfalls gegenzusteuern und eben eine selbstständige Arbeitsweise entwickeln zu lernen.“

          In meinen Augen ist das eine – zumindest aus anthropologischer Sicht – unhaltbare und von ihnen nicht weiter belegte Behauptung, die lediglich unsere schulische Kultur wiederspiegelt, aber nicht hinreichend belegt, dass es eine anthropologische Konstante ist und immer so sein muss!

          Es gibt Völker, in denen ist formelle Unterweisung und Erziehung verpönt und wurde als übergriffig angesehen! Und dennoch wachsen deren Kinder im Rahmen “ihrer Kultur” zu lebenstüchtigen Mitgliedern der Gesellschaft heran. (Liedloff, Jean, Schlottmann, Eva, Taëni, Rainer. Auf der Suche nach dem verlorenen Glück: Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit. München: C.H.Beck, 2017.)

          Unsere Notengebung ist Ausdruck unserer Kultur (eben Benotungs-Kultur) und ist damit veränderbar, zumindest aber hinterfragbar!

          „Im Abschluss steht eben die Note.“ Das ist ein Postulat und kein Beleg für deren Notwendigkeit!
          „Es ist aber eben nicht die Note als solches, die bei einer schlechteren Beurteilung dem Selbstbewusstsein unzuträglich ist, sondern vielmehr der häusliche Umgang mit dieser Benotung und eben auch die Aussagekraft der Note …“

          Mehr noch! Zudem ist die Allokation im sozialen Raum und die Gleichung: wenig kulturelles Kapital = wenig materielles Kapital in der Zukunft problematisch.

          Mein Ceterum censeo bleibt: die Noten sind entbehrlich und potentiell schädlich.

  16. Solche “Lehrer” gehören entlassen. Ganz einfach, weil sie zu dumm sind.

    Die Sache ist nämlich ganz einfach: Klar sind Noten nie vollständig objektiv, aber:

    Universitäten und Firmen wollen und bekommen eine Leistungsbeurteilung, ob es nun Noten gibt oder nicht. Die Alternative zu Noten sind erheblich umfangreichere Einstellungs- und Eignungstests (als es sie heute in Teilen gibt).
    Dann kommt es halt auf eine einzige Prüfung an einem Tag an und es wird nicht mehr jahrlange Leistung gewürdigt und mitbeurteilt.

    • Zumal die Wortgutachten allesamt nur verklausulierte Ziffern sind und für die Eltern in die Ziffern übersetzt werden müssen, weil sie durchweg positiv formuliert sind.

  17. Es gibt ein gewisses Paradoxon, was Schulnoten und standardisierte Tests betrifft:
    1. Schulnoten sind nicht objektiv, weil sie von der jeweiligen Person des Lehrers und der Zusammensetzung der Schulklasse stark abhängen. Oft werden sie sogar nach der Normalverteiliug (Gaußsche Glockenkurve) innerhalb einer Lerngruppe passend “hingebogen”.
    2. Die Testindustrie von PISA & Co. hat Tests entwickelt, die für alle dieselben Aufgaben stellen. Auch VerA 3 gehört dazu. Die Ergebnisse sind somit viel objektiver als Schulnoten und resultieren dann in 5 oder 6 sog. “Kompetenzstufen”.
    3. Aber niemand möchte die individuellen Kompetenzstufen in individuelle Noten umrechnen, was eigentlich leicht ginge — zumindest im Schriftlichen. Die mündlichen Noten sind immer noch weniger objektiv.

    Die Gretchenfrage an diejenigen, die Noten ablehnen, wäre also: Wären Sie eher bereit, Zeugnisnoten zu akzeptieren und zu vergeben, die im Sinne der Kompetenzstufen auf mehreren standardisierten Tests basieren und eben nicht auf der subjektiven Beurteilung von Klassenarbeiten? Wie diese Tests dann zusammengestellt werden, soll hier mal nicht das Problem sein. Da gibt es viele Möglichkeiten, auch jenseits der jetzigen VerA 3 – Testitems.

    • Gilt für Wortgutachten nicht auch das, was Sie unter Punkt 1 geschrieben haben? Übrigens, wer die Noten innerhalb einer Klasse nach der “Normalverteilung” hinbiegt, hat die Normalverteilung nicht verstanden – eine solche Verteilung ist in einer Klasse mit ca. 30 Schüler unbrauchbar.

  18. Wie lässt sich folgende Erkenntnis erklären?
    Zitat:
    “Die Abiturnote hat entscheidende Aussagekraft für den Studienerfolg. Dies belegen etliche Studien, wie z. B. der Universitäten Hohenheim und Ulm oder der FH Aachen. Die Inhaber besserer Abiturnoten absolvieren mehrheitlich ihr Studium erfolgreicher, erreichen bessere Prüfungsnoten und dies in deutlich kürzerer Zeit. ”
    Quelle:
    https://bildungsklick.de/schule/meldung/abitur-hat-entscheidende-aussagekraft-fuer-studienerfolg/

    • Die Aussage ist doch ebenso banal wie logisch: Ein Abiturient mit einem Schnitt von 1,3 wird das Studium mit einer höheren Wahrscheinlichkeit erfolgreich beenden als ein Abiturient mit einem Schnitt von 3,1.

      Für diese Erkenntnis brauche ich keine Studie! Wie ich oben schon sagte: Wenn man Noten und Leistungsbeurteilungen abschafft – und darauf läuft es hinaus, wenn man nur gute Noten gibt – sind Eignungs- und Einstellungstests für alle Bereiche die logische Konsequenz. Kann man das wollen?

        • Die Noten werden in aller Regel von denjenigen angezweifelt, die sich für grandios halten und deren angebliche Genialität sich leider nicht in guten Noten niedergeschlagen hat.

  19. Zitat: “„Letztlich wachsen unsere Kinder in einer Wettbewerbsgesellschaft auf. Auch in Zukunft wird man sie ständig bewerten. Setzt die Notengebung erst in der weiterführenden Schule oder später ein, kommt dann das böse Erwachen.“ (Elke Grammerstorf, Leiterin einer Grundschule)”

    Das gefällt mir ganz gut. Letztendlich ist auch jeder Verdienst (Lohn, Gehalt) Ausdruck einer Anerkennung oder Geringschätzung für geleistete Arbeit. Das sehen hier ja mehrere so, die damit ihre Forderung nach mehr “Wertschätzung”, also Gehalt begründen. Ich sehe Wertschätzung im Unterschied zu jenen nur eben nicht ausschließlich in mehr Geld, vor allem dann, wenn man bereits gut und sehr gut verdient.

    Zurück zum Gehalt/Lohn: Je nachdem, was du leistest, verdienst du in vielen Berufen mehr als andere. Je nachdem, was du in Schule und Ausbildung geleistet hast, kannst du in einem Beruf mehr oder weniger verdienen als andere. Das ist letztendlich doch nichts anderes als eine Art der Bewertung des Geleisteten. Man könnte “Noten” vergeben und abhängig davon dann Gehälter und Löhne. Wer Leistung nicht ausreichend erbringt, bekommt unter Umständen weniger oder aber Ärger (ich kann hier nicht alles aufführen).

    Kinder in Schulen davor zu bewahren, kann für sie einen Kulturschock in der Erwachsenenwelt / Berufswelt bedeuten. (Hoch-)Sensible scheitern psychisch daran.

    • Bitte Herr Mückenfuss!!! Sie kennen mit Sicherheit – wenn Sie sich genügend in ihrem personalen Umfeld umschauen – einige Gehaltsempfänger, die eher noch Geld am Monatsende mitbringen müssten. An dem beruflichen Schulzentrum, in dem ich tätig bin, kenne ich gewiss einige. Nicht zu reden, von unsere übergeordneten Verwaltung. Dieses Argument überzeugt mich nicht! Sorry.

  20. In Deutschland muss schleunigst ein Umdenken stattfinden. Schüler müssen individuell gefördert statt aussortiert werden. Das Ziel muss tatsächlich werden, alle Schüler auf 90-100% zu bringen. Ohne Nachhilfe. Mit aktualisierten Stundenplänen. Noten spielen dann überhaupt keine Rolle mehr, höchstens noch die Einschätzung der Bereitschaft von Schülern die geforderte Leistung zu bringen.

    Das soll nicht heißen, dass sich die Schüler zurücklehnen und andere machen lassen. Im Gegenteil. Sie tragen damit eine größere Verantwortung für sich und für andere. Tests sollten Gradmesser für den Fortschritt sein und aufzeigen wo es klemmt und wo noch investiert werden muss. Natürlich müssen diejenigen mehr Zeit investieren, die etwas aufholen müssen. Genau das ist auch ein wichtiger Punkt: Die meisten Schüler schätzen heute ihre (Frei-)Zeit mehr, als die Generationen vor ihnen.

    Wo funktioniert es nach diesem Prinzip? Da wo die Reichen dieser Welt ihre Kinder hinschicken: Auf Privatschulen. Privatschulen würden mit einem Geschäftsmodell, bei dem sie systematisch die Hälfte der Schüler entmutigen, nicht besonders erfolgreich sein. (Klar – es funktioniert auch auf Privatschulen nicht immer – aber es gibt genügend, die beweisen, dass es geht.)

    Der zweite Punkt ist die Aus- und Weiterbildung der Lehrer und die Lerninhalte. Beides muss jetzt schleunigst an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Hier liegen wir in Deutschland viel zu weit hinten, da wir den Bremsern und Konservativen auf allen Ebenen zu viel Einflussmöglichkeiten geben. Natürlich ist es ein Aufwand sich auf den aktuellen Stand bringen zu lassen. Es geht aber nicht anders. Und wenn man es gepackt hat, macht der Unterricht (bzw. die Politik- oder Verwaltungsarbeit) ja auch wieder mehr Spaß. Der Versuch Argumente dagegen zu finden bzw. zu konstruieren ist erbärmlich und schädlich für die gesamte Bevölkerung.

    Entweder man wird seiner Berufung gerecht, oder man sollte lieber Steuerberater werden.

    • “Das Ziel muss tatsächlich werden, alle Schüler auf 90-100% zu bringen. Ohne Nachhilfe. Mit aktualisierten Stundenplänen.”
      90-100 % wovon ??? Die Bildungspläne formulieren neuerdings Regelstandards, meinen Sie die?
      “Ohne Nachhilfe”: Gerade in den “PISA-Hochburgen” Japan und Südkorea boomt der Nachhilfemarkt (viel mehr als bei uns). Macht Sie das nicht doch nachdenklich?
      “Mit aktualisierten Stundenplänen”: Nichts leichter als das. Aber werden nicht seit 50 jahren permenent die Stundenpläne, Lehrpläne, Bildungsziele, Schulformen, auch Lehrerausbildung usw. reformiert und reformiert? Wer hat da bitte die Kompetenz zu sagen, wo es langgehen soll? Doch nicht etwa die Betreiber von Privatschulen. Machen Sie mal konkrete Vorschläge. Mein Eindruck ist: Es herrscht eher die Phrasendreschmaschine mit “rhythmisiertem Unterricht in der inklusiven und sozial gerechten Ganztagsschule, wo in allen Fächern Stoff entrümpelt und den aktuellen Erfordernissen der digitalisierten und globalisierten und demokratisierten Migrationsgesellschaft angepasst wurde … ”
      Ihre Vorschläge erinnern bislang an die von Herrn Precht: gut gemeint, aber untauglich.
      “… oder man sollte lieber Steuerberater werden.”
      Ich weiß nicht, wieviele Stueerberater werden, aber dass der potentielle Lehrernachwuchs lieber andere Studiengänge belegt, scheint sich doch abzuzeichnen. Das könnte mit der zunehmend unmöglichen Aufgabe zusammenhängen, in Klassen mit 30 SuS jeden individuell optimal zu fördern.

    • Privatschulen haben ein Geschäftsmodell, das sich 90 % der Schüler (bzw. deren Eltern) nicht leisten können.
      “Beim internationalen Vergleichstest Pisa haben Privatschüler nicht besser abgeschnitten als Schüler öffentlicher Schulen.”
      Quelle: https://www.zeit.de/2017/44/privatschulen-oeffentliche-schulen-qualitaet-kosten
      Zitat:
      “(Klar – es funktioniert auch auf Privatschulen nicht immer – aber es gibt genügend, die beweisen, dass es geht.)”
      Das gilt auch für staatliche Schulen.
      Zitat:
      “Der zweite Punkt ist die Aus- und Weiterbildung der Lehrer und die Lerninhalte. Beides muss jetzt schleunigst an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. ”
      Was sind denn Ihrer Meinung nach die aktuellen Gegebenheiten?

      “Mathelehrer an deutschen Gymnasien sind Weltspitze”
      Quelle: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/paedagogen-pisa-wehe-wenn-der-mathelehrer-rechnen-muss-a-689146.html

      • Privatschulen dürfen aus gutem Grund häufig keine Abschlüsse vergeben, sondern die Schüler müssen sich den Abschlussprüfungen des Landes stellen und werden meist noch in etlichen Fächern mündlich geprüft, und das durch Lehrer, die beim Land und nicht an diesen Schulen unterrichten.
        Der Grund liegt, wenn man sich mit Privatschullehrern unterhält, auf der Hand. Eine Privatschule ist ein reines Dienstleistungsgeschäft, wenn jemand Geld hat, wird dort automatisch gekuscht und probiert es dieser Person recht zu machen. Wurde mir übrigens genauso schon einmal von Privatschullehrern bestätigt.

        Ich möchte übrigens mal in den Raum stellen, dass Privatschulen vll. auch aus folgenden Gründen erfolgreicher sind:
        -Deutlich bessere Ausstattung.
        -Deutlich bessere Rahmenbedingungen mit viel individueller Betreuung und kleinen Lerngruppen.
        -Eltern aus einer gehobenen gesellschaftlichen Schicht, was dazu führt, dass die Kinder einfach bessere Bedingungen haben: Häufig höherer IQ als bildungsferne Familien, häufig höhere Bildungsabschlüsse im Elternhaus, anderes Bewusstsein für die Wichtigkeit der Schule in der Familie, Möglichkeit umfangreicher Förderungen durch vorhandenes Geld.

        • “Beim internationalen Vergleichstest Pisa haben Privatschüler nicht besser abgeschnitten als Schüler öffentlicher Schulen.”

          • … was ja angesichts der von Heinz aufgezeigten erheblich besseren Ausstattung und Bedingungen nicht gerade positiv ist.

        • Je nachdem wie die Schule läuft, nimmt sie aber alles auf, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Dazu gehören insbesondere Jugendamtskinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen in den großen Klassen der Regelschulen nicht beschulbar sind. Das Schulgeld bezahlt dann wie der Name schon sagt das Jugendamt.

          • Ich weiß auch, dass es das gibt,
            aber mich würde mal interessieren, wie groß der Anteil dieser SuS an den Privatschulen wirklich ist.

            Zudem sind z.B. die Förderschulen für Schüler mit Unterstützungsbedarf im sozial-emotionalen Bereich überwiegend privat, staatliche Schulen gibt es nur sehr wenige. Zwar sind auch diese Schulen stark nachgefragt, bedienen aber ein ganz anderes Klientel als das, was Heinz oben beschrieb.

          • Im Schnitt ist der sozioökonomische Status der SchülerInnen-ElterInnen aber höher als an staatlichen Schulen.

  21. Palim: Sprachheilschulen sind in BaWü oft Privatschulen mit entsprechend kleinen Klassen, manchmal sogar Internat, guter Ausstattung. Die Kosten werden fast vollständig vom Landratsamt übernommen. Für die Eltern entstehen geringe Kosten. In dem Bereich gibt es auch wenige staatliche Schulen.

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