Strengere Abi-Noten? Bildungsministerin Hubig weist Vorstoß der Philologen zurück

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MAINZ. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hat die Forderung des Philologenverbands zurückgewiesen, bei der Vergabe von Abiturnoten strengere Maßstäbe anzulegen. «Der Philologenverband tut den Schülerinnen und Schülern unrecht, die viel Arbeit und Mühe investieren», sagte Hubig. Es sei an der Zeit, «die Maßstäbe wieder ins Lot zu rücken», hatte Philologen-Landeschefin Cornelia Schwartz gefordert – und Kritik von der Landesschülervertretung geerntet (News4teachers berichtete).

Hält die Standards beim Abitur für völlig ausreichend: die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig. Foto: Georg Banek / Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

«Die Diskussion über das vermeintlich zu leichte Abi ist nicht neu und sie wird nicht gehaltvoller, wenn man sie immer wieder aufwärmt», kritisierte Bildungsministerin Hubig. Das Abitur sei bei der Vielfalt der Wege und Chancen an den Schulen der höchste schulische Bildungsabschluss. «Und das Abitur zu erlangen ist nach wie vor anspruchsvoll.» Standards und das angemessene Niveau der Abiturprüfungen würden regelmäßig überprüft. Ein zentraler Aufgabenpool, der allen Bundesländern für die schriftlichen Abiturprüfungen zur Verfügung stehe, sorge für Transparenz und mehr Vergleichbarkeit. Elemente aus diesem Pool werden in Rheinland-Pfalz seit 2017 für die Abi-Prüfungen in Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik genutzt.

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Auslöser der Debatte war ein Vorstoß der Bundesvorsitzenden des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, am vergangenen Wochenende, die von der Kultusministerkonferenz (KMK) «eine angemessenere Bewertung» der Leistungen in der gymnasialen Oberstufe forderte. Der ursprüngliche Sinn der Notendefinition sei gewesen, dass bei der Hälfte der erwarteten Leistung noch eine glatte Note 4, also ein «Ausreichend» zu geben sei, erklärte die Landesvorsitzende Schwartz. In der Empfehlung der KMK könne diese Note aber noch bei 45 Prozent vergeben werden.

Die aktuelle Vereinbarung der KMK sieht für Noten in der Oberstufe der Gymnasien vor, dass ab einer Leistung von 95 Prozent der zu erreichenden Gesamtleistung 15 Punkte vergeben werden, was der Note 1 plus entspricht. «15 Punkte sind etwas ganz Besonderes und sollten nur vergeben werden, wenn 100 Prozent erreicht sind», sagte Schwartz.

Für die Landesschülervertretung (LSV) komme eine Erhöhung der Anforderungen im Abitur nicht in Frage, hieß es in einer Pressemitteilung. Eine Anhebung der Anforderungen würde zulasten der Gesundheit der Schüler gehen – angesichts eines ohnehin schon hohen Leistungsdrucks. News4teachers / mit Material der dpa

Eine Lehrerin bekennt: Ich gebe nur noch gute Noten, weil gerechte Zensuren eine Illusion sind – Debatte um Leistungsbewertung

 

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4 KOMMENTARE

  1. Wer Sätze wie “Und das Abitur zu erlangen ist nach wie vor anspruchsvoll” von sich gibt, disqualifiziert sich selbst in Bildungsfragen!

  2. Klar will die Politik keine strengeren Noten und somit weniger Studenten und Abiturienten, denn dann kann man Schulabgänger nicht mehr so gut weiter im Bldungssystem parken, um sie so vom Arbeitsmarkt fernzuhalten und so die Arbeitslosenquoten zu schönen.

  3. “Eine Anhebung der Anforderungen würde zulasten der Gesundheit der Schüler gehen – angesichts eines ohnehin schon hohen Leistungsdrucks.”
    Das könnte man auch andersherum sehen: wer angehobene Anforderungen nicht erfüllen kann, ohne seine Gesundheit zu gefährden, und zu hohen Leistungsdruck verspürt, kann dann halt nicht Abitur machen. De facto würde das einfach die Abiturquote senken, aber ansonsten keine Katastrophen auslösen. Die Noten würden wieder etwas herunterskaliert, nachdem sie vorher jahrzehntelang heraufskaliert wurden. Absolut sind Notenmaßstäbe sowieso nicht. In Frankreich haben 70 % einer Jahrgangs das dortige Abitur, aber große Zufriedenheit scheint das nicht auszulösen. Die weiteren Chancen sind nicht gut ohne das Erfüllen höherer Anforderungen.

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