Lehrer sollen Finanzministerium “geldwerte Vorteile” melden, wenn sie in der Schulkantine essen – Philologen: Lächerlich!

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KIEL. Eine Rundmail aus dem Finanzministerium erzeugt Kopfschütteln an den Schulen Schleswig-Holsteins. Die Lehrerinnen und Lehrer werden laut Philologenverband darin aufgefordert, sogenannte „geldwerte Vorteile“, die sich bei Inanspruchnahme des Mittagessens aus der Schulkantine ergäben, ihren Vorgesetzten zu melden – die diese dem Fiskus weiter zu melden hätten. “Das Finanzministerium macht sich lächerlich”, so heißt es.

Experten: Zu viel Fleisch beim Schulessen in Thüringen; Foto: barockschloss / Flickr (CC BY 2.0))
Wie groß mag der “geldwerte Vorteil” bei diesem Essen sein? Foto: barockschloss / Flickr (CC BY 2.0))

Dies gilt für unentgeltliche eingenommene sowie für vom Schulträger subventionierte Mahlzeiten, so ist es laut Philologenverband zu lesen in dem fordernden Rundschreiben aus dem Hause von Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). „Der erstgenannte Fall dürfte an unseren Schulen überhaupt nicht vorkommen, im zweiten Fall würde es in wenigen Fällen um einen Centbetrag gehen und auch nur dann, wenn das Mittagessen weniger als 3,23 Euro kostet“, erläutert Jens Finger, der Vorsitzende des Philologenverbandes Schleswig-Holstein.

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“Wichtigkeitsstufe: hoch”

Der Vorgang sei ebenso kurios wie befremdlich, so der Verbandsvorsitzende. Zum Einen stehe der bürokratische Aufwand dieses Meldeverfahrens in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Staatseinnahmen, zum Anderen übe die in der Schulkantine essende Lehrkraft eine pädagogische Aufsichtsfunktion aus, über die sich Dienstherr, Schulträger und Eltern der Schüler nur freuen dürften. Insofern seien der Aufenthalt und das gemeinsame Essen auch als Teil des Dienstes zu sehen.

Besonders grotesk sei die „Wichtigkeitsstufe: hoch“, die das Ministerium dieser Maßnahme beimesse. „Sie ist nicht nur komisch, sie steht auch in einem Widerspruch zu dem allseits beschworenen Bürokratieabbau, für den sich die Landesregierung stark macht!“ schloss Finger. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Schleswig-Holstein: Hohe Steuereinnahmen sollen in neue Lehrerstellen fließen – teilweise jedenfalls

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20 KOMMENTARE

  1. Rechnen wir mal gemeinsam: Ein Lehrer isst für 3 Euro an 10 Tagen/Monat in der Mensa. Dann muss er monatlich eine Abrechnung an seinen Schulleiter geben, wo er 23 Cent pro Essen, also 2,30 als geldwerten Vorteil angibt. Das alles an 10 Monaten, macht also 23 Euro.

    Geht man von Lohnsteuerklasse 1 und damit von etwa 25% Steuer aus, bekommt der Staat ca. 4 Euro Steuereinnahmen.

    Dafür muss der Lehrer 10 Zettel ausfüllen, der Schulleiter muss gegenzeichnen und im “Dienstleistungszentrum Personal” muss ein Mitarbeiter der Poststelle zahnfach den Zettel dem Sachbearbeiter zustellen, der zehn Mal bei der entsprechenden Personalnummer einen Eintrag macht.

    Wenn man nur davon ausgeht, dass der Lehrer 5 Minuten, der Schulleiter od. Sekretariat (zur Kontrolle+Weiterleitung) 5 Minuten, der Poststellenmensch 2 Minuten und der Sachbearbeiter 5 Minuten pro Monat benötigen, kommt man auf 17 Minuten Arbeitszeit im Monat, in 10 Monaten (an alle Schlaumeier: Ich habe wegen der Ferien mit 10 Monaten gerechnet!) auf knapp 3 Stunden Arbeit für eine Steuereinnahme von 4 Euro.

    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH für so ein großartiges Verfahren!

  2. Es mutet lächerlich an, ja, aber vergessen darf man nicht, dass hier Leute kostenlos essen oder stark subventioniert, die auf der anderen Seite immer nur höhere und noch höhere Gehälter fordern (und nie zufrieden damit sind) und deren Gehalt bei 4000,- Euro brutto + deutlich aufwärts liegt. Und die sind nicht mal bereit, ihr Mittagessen zu bezahlen???

    Wo außerhalb der Schule bekommt man ein vollwertiges Essen für 3,23 Euro?!?

    • Das sollte wie bei der Bahn gehandhabt werden; reisen dort Polizisten in Dienstuniform, können sie gratis mitfahren, da sie im Bedarfsfall verpflichtet sind, einzugreifen. Sieht man das als gerecht an, dann müsste es auch gerecht sein, wenn der Lehrer, der automatisch seiner Aufsichtspflicht nachkommen muss, das Essen auch zumindest ermäßigt bekommt.

      • Ich habe es aber nicht so verstanden, dass es um diejenigen Lehrer geht, die Aufsicht beim Essen haben, sondern um alle Kollegen, die am Mittagessen teilnehmen.

        Ich habe kein Problem damit, diesen symbolischen Beitrag (hier: 3,23 Euro) selbst zu bezahlen.

        • Das Verfahren finde ich auch fragwürdig (Artikel), aber ich finde es peinlich, wenn gutbezahlte Lehrer jammern, dass sie 3,23 Euro für so ein Mittagessen zahlen sollen.

          • Sie merken langsam gar nicht mehr, oder? Es geht dem Philologenvberband nicht darum, dass Lehrer vielleicht 20 Cent pro Essen mehr bezahlen, dafür verdienen Lehrer natürlich genug. Sollen sie das gerne direkt beim Erwerb des Essen bezahlen.

            Aber dieser schwachsinnige Papiertiger, damit das Land Schleswig-Holstein im Jahr so zwischen 5000 und 10000 Euro mehr einnimmt (und an Arbeitskosten vielleicht wieder ausgibt), ist doch gaga.

          • @ Reisinger

            Nein, Sie sind peinlich.
            (Und nun? Tun wir nun beide hier herumpeinlichen?)

  3. Wie Heike oben schon treffend kommentiert: Schilda lässt grüßen!

    Ich esse ab und zu in der Schulmensa – meist um Zeit zu sparen – und bezahle mehr als die bezuschussten Schüler. Für die Qualität, die ich bekomme, ist der Preis gerade noch gerechtfertigt. Außerhalb würde ich ähnlich viel bezahlen.

  4. Verstehe die Aufregung nicht, das betrifft doch im Grunde jeden Arbeitnehmer? Wenn ein Mittagessen verbilligt oder unentgeltlich angeboten wird, ist hierfür ein geldwerter Vorteil bei der Gehaltsabrechnung anzurechnen. Wird ein kostendeckender Preis gezahlt, ist alles in Ordnung.

    • Ich sag ja immer: Die Leute wollen möglichst keine Steuern zahlen, aber möglichst alles vom Staat bezahlt bekommen (+ sogenannte “Wertschätzung” in Form höchstmöglicher Gehälter).

      Diese Einstellung richtet jedes Sozialwesen zugrunde.

    • Noch mal für diejenigen, die das nicht mitkommen: Es geht nicht um den (lächerlichen) Betrag, sondern es geht um das Verfahren, das mehr kostet (an Arbeitszeit) als es einbringt. Wir reden hier von Steuermehreinnahmen von ca. 3000-5000 Euro im Jahr, verteilt auf ca. 600-800 Lehrkräfte). Es geht hier nicht ums Geld!

      Da ist der Kommentar von “keine Steuern zahlen” daher einfach nur dumm.

      • Na, wenn Sie diesen Stil mögen: Ich finde Ihre Aufregung auch einfach nur dumm. (Und nun? Wer hat Recht? Wer ist dümmer?)

        Bei der sogenannten “Reichensteuer” sagt die Gegenseite das ja auch immer: Der Aufwand, sie einzutreiben, wäre höher und teurer als die Gelder, die man dabei einnimmt. Manchmal geht es auch einfach nur um Gerechtigkeit. Da schauen viele Leute genau drauf und sagen: Was die Lehrer, die wollen immer mehr und mehr Geld und wenn sie ihr Mittagessen selbst bezahlen sollen, dann jammern und klagen sie.

        Ich habe mehrfach oben geschrieben, dass ich die Verfahrensweise auch fragwürdig finde (was Sie nicht mitzubekommen scheinen), aber grundsätzlich ok finde, wenn ich mein subventioniertes Mittagessen von z.B. 3,23 Euro selbst bezahle. Leute, die an anderer Stelle das Sehen der Tagesschau als Arbeitszeit abrechnen wollen (!!!), die sie bitteschön auch vergütet haben möchten (oder einberechnet haben möchten in die Vergütung), die können auch an anderer Stelle ihr Mittagessen bezahlen – vielleicht sogar nicht subventioniert. Jedenfalls finde ich das Gejammer darüber abstoßend.

        Was Käsekuchen dazu schreibt, finde ich ebenso richtig wie das, was Invictus geschrieben hat.

  5. Für den Arbeitgeber einfachsten wäre es, an allen Arbeitstagen den geldwerten Vorteil abzurechnen, weil ein verbilligtes oder kostenloses Mittagessen ja zur Verfügung steht. Dass er das nur für tatsächlich eingenommene Mahlzeiten tut, ist ein Entgegenkommen ggü. dem Mitarbeiter.

    Tägliche Praxis in KiTas ist hier auch, dass Erzieherinnen ihr in der Einrichtung eingenommenens Mittagessen bezahlen. Haben sie während der Essensausgabe Dienst, ist ohnehin keine Zeit, eine Mahlzeit einzunehmen. Tun sie dies während ihrer Mittagspause, ist das Essen abzurechnen.

  6. “Für den Arbeitgeber einfachsten wäre es, an allen Arbeitstagen den geldwerten Vorteil abzurechnen, weil ein verbilligtes oder kostenloses Mittagessen ja zur Verfügung steht. Dass er das nur für tatsächlich eingenommene Mahlzeiten tut, ist ein Entgegenkommen ggü. dem Mitarbeiter. ”

    Denken Sie auch mal nach, bevor Sie etwas schreiben?

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