Tarifstreit: Erzieher im Landesdienst streiken für mehr Gehalt

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BERLIN. Mehr Wertschätzung, mehr Geld: Erzieher, die in Kitas des Landes Berlin arbeiten, legen die Arbeit nieder. Wie wird sich das auf die Tarifverhandlungen auswirken?

In der vergangenen Woche streikten in Berlin bereits Erzieher und Sozialpädagogen im Rahmen der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes der Länder. Foto: GEW Berlin
Bereits vor zwei Jahren streikten in Berlin Erzieher und Sozialpädagogen im Rahmen der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes der Länder. Foto: GEW Berlin

Berliner Erzieher haben für eine bessere Bezahlung zeitweise die Arbeit niedergelegt – bestimmte Kitas blieben deshalb geschlossen. Betroffen war am Dienstagmorgen ein Teil der Einrichtungen im Eigenbetrieb des Landes. Zu einer Kundgebung der Gewerkschaft unweit des S-Bahnhofs Friedrichstraße zog es am Morgen geschätzt viele Hunderte Teilnehmer. An dem halbtägigen Warnstreik beteiligten sich nach Angaben der Bildungsgewerkschaft GEW mehr als 2000 Erzieher in Kitas, Schulen und Jugendämtern.

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Ausfälle gab es zum Beispiel in rund der Hälfte der 56 Kita-Einrichtungen des Trägers Kindergärten City im Eigenbetrieb des Landes, wie die Geschäftsstelle auf Anfrage mitteilte. Am Nachmittag sollte alles wieder nach Plan laufen. Zum Teil gab es auch Notbetrieb – dabei konnten Eltern ihre Kinder in andere Einrichtungen des Trägers bringen.

Die Kitas im Eigenbetrieb des Landes machen nur einen vergleichsweise kleinen Teil aus: Von insgesamt 2600 Kitas in Berlin werden nur knapp 280 vom Land betrieben. Sie stellen rund 34.000 und damit ein Fünftel der Berliner Kitaplätze bereit. Die anderen 2300 Kitas gehören zu freien Trägern wie Vereinen, Elterninitiativen oder Firmen. Sie waren nicht Teil des Warnstreiks.

Eltern zeigten Solidarität

Neben streikenden Erziehern kamen auch Eltern mit ihren kleinen Kindern zur Kundgebung, um ihre Solidarität zu zeigen. Darunter waren zwei Mütter aus Berlin-Schöneberg. Es sei wichtig, dass Erzieher zufrieden seien, damit die Arbeit mit den Kindern gut gelinge, betonten sie. Zur Zufriedenheit gehöre auch eine gute Bezahlung. Mit Tröten und Plakaten verdeutlichten die Teilnehmer der Kundgebung ihren Unmut. Auf den Schildern stand unter anderem «Bildung beginnt in der Kita».

Den Gewerkschaftern geht es in den laufenden Tarifverhandlungen darum, dass in Berlin Fachkräfte des Sozial- und Erziehungsdienstes genauso viel verdienen wie in anderen Bundesländern. Der Unterschied speziell in Berlin liegt nach Gewerkschaftsangaben daran, dass die Erzieher nach Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder und nicht – wie in anderen Bundesländern – nach dem Tarifvertrag für die Angestellten im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen bezahlt werden. Der Auftakt der Tarifverhandlungen begann in der vergangenen Woche.

Sie gehen laut Senatsverwaltung für Finanzen am 6. und 7. Februar in Potsdam weiter. Berlin hat derzeit den Vorsitz der Tarifgemeinschaft Deutscher Länder in den Verhandlungen für die Tarifbeschäftigte der Länder. Zum Start der Gespräche in der vergangenen Woche hatte Senator Matthias Kollatz (SPD) betont, dass eine Lösung am Verhandlungstisch gesucht werde.

Von der Gewerkschaft Verdi hieß es am Dienstag, dass sie vor der nächsten Tarifrunde keinen großen Warnstreik in Berlin plane – jedoch kleinere Aktionen an einzelnen Einrichtungen in Vorbereitung seien.

Zur GEW-Kundgebung zog es am Dienstag auch Landespolitiker. SPD-Fraktionschef Raed Saleh sagte von der Bühne in die Menge: «Ich find’s gut, dass ihr heute hier steht und streikt.» Die Forderungen und eine höhere Eingruppierung seien längst überfällig. «Es ist eine Frage des Anstands, eine Frage der Menschenwürde, dass Sie gut bezahlt werden.»

Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel kam mit ihrem eigenen Kind zur Kundgebung. «Wir lassen es nicht zu, dass unsere Erzieherinnen und Erzieher wieder mal leer ausgehen. Sondern wir werden hier so lange stehen, bis es eine bessere Bezahlung für eure Arbeit gibt», sagte sie.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Katrin Seidel, betonte: «Diese Tarifverhandlungen müssen erfolgreich sein.» Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Paul Fresdorf, sagte im Vorfeld, dass der Erzieherberuf ein Mangelberuf sei. Noch immer sei die Bezahlung miserabel und es gebe zu wenig Fortbildungen.

Im vergangenen Jahr hatte sich auch das Abgeordnetenhaus mit dem Thema beschäftigt – in einem Antrag ging es darum, die Sozial- und Erzieherberufe in Berlin deutlich aufzuwerten. dpa

„Wann, wenn nicht jetzt”: Gewerkschaften machen in der ersten Tarifrunde Druck – Länder signalisieren Entgegenkommen

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1 KOMMENTAR

  1. Im Falle der Erzieher stehe ich auch hinter eine Gehaltserhöhung. Was bekommen die? E 9, E 10??? Aber genauso wichtig ist, dass sich die Arbeitsbedingungen verbessern.

    Bezahlt wird auch das neben “A 13 für alle” durch die sprudelnden Steuereinnahmen. Ich weiß.

    PS: Wenn alle mehr verdienen, wird auch alles teurer werden. Dann hat letztlich keiner mehr als bisher. 🙁

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