Hubig: Sensibilisierung gegen Antisemitismus “entlang der Bildungskette”

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MAINZ. Zwei Tage lang analysieren 150 Teilnehmer einer Fachtagung in Mainz aktuelle Erscheinungsformen der Judenfeindlichkeit. Zum Auftakt sagt der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, «dass sich in unserem Land etwas zum Negativen verändert hat». Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig präsentierte ein Präventionskonzept. 

Engagiert sich gegen Antisemitismus: die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig. Foto: Georg Banek / Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

Mit der eindringlichen Mahnung vor wachsendem Antisemitismus hat in Mainz eine Fachtagung über Gegenkonzepte der politischen Bildung begonnen. Seit den Morden des rechtsextremen NSU habe es immer wieder judenfeindliche und rassistische Vorfälle gegeben, die zeigten, «dass sich in unserem Land etwas zum Negativen verändert hat», sagte der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff zum Auftakt am Donnerstag. Dabei nannte er den Angriff auf ein jüdisches Restaurant in Chemnitz im August vergangenen Jahres und wiederholte Übergriffe auf Menschen, die in der Öffentlichkeit eine Kippa tragen.

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Juden dürften aber nicht als Opfer definiert, sondern müssten als wesentlicher, wichtiger Teil Deutschlands gesehen werden, sagte Wulff. Antisemitismus entstehe aus einer Mischung von Hass, Neid und Überlegenheitswahn. «Es beginnt immer mit “Wir gegen die Anderen”.» Um dieser Verblendung entgegenzuwirken, müsse das Umfeld, in dem ein Kind groß werde, von der Freude an Vielfalt geprägt sein.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) plädierte dafür, eine wirksame Prävention gegen Antisemitismus an drei Linien auszurichten:

  • Entlang der gesamten Bildungskette von der Kita bis zur Erwachsenenbildung müsse es eine Sensibilisierung für jede Äußerung von Antisemitismus geben. «Es kann und darf nicht sein, dass sich an unseren Schulen, auf unseren Schulhöfen das Wort Jude als Schimpfwort etabliert», sagte Hubig.
  • Das Gedenken und Erinnern müsse mit neuen Formen weiterentwickelt werden. Die Vergangenheit des NS-Regimes und des Holocausts dürfe nie relativiert oder gar abgehakt werden. «Das Erinnern erschließt uns Erkenntnisse für die Gegenwart und die Zukunft.»
  • Auf allen Ebenen müsse schließlich verdeutlicht werden, «wie ernst wir es mit der Würde des Menschen meinen», sagte die Ministerin. Dies bedeute, gegen jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufzustehen, gegen Antisemitismus ebenso wie gegen Antiziganismus, gegen Islamfeindlichkeit wie gegen Islamismus.

«Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht mit Appellen und Floskeln begnügen», sagte der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Bernhard Kukatzki. Das Eintreten gegen Judenfeindlichkeit in seinen vielen unterschiedlichen Erscheinungsformen könne nicht delegiert werden – «da ist jeder Einzelne gefordert, in der Familie, in Gesellschaft, in Vereinen oder auf der Straße.»

Zur Tagung mit dem Thema «Antisemitismus als Herausforderung für die Politische Bildung» haben sich nach Angaben der Landeszentrale 150 Menschen angemeldet. Zu den weiteren Veranstaltern gehören die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB), das Erziehungswissenschaftliche Fort- und Weiterbildungsinstitut der Evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz (EFWI), das Bildungsministerium und die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz.

In zwölf Workshops sowie mehreren Vorträgen und einer Gesprächsrunde geht es um die Wahrnehmung und Erscheinungsformen von Antisemitismus etwa in der Jugendkultur, in sozialen Netzwerken, in der Alltagssprache oder in der Migrationsgesellschaft. dpa

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