Fleischmann fordert neues Bildungsverständnis: “mit Herz, Kopf und Hand”

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MÜNCHEN. Auswendiglernen und nach der Prüfung alles wieder vergessen – das ist zu wenig, findet Simone Fleischmann. Sie setzt auf ganzheitliche Bildung in den Schulen. Und setzt darauf, mit dieser Agenda erneut zur Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) gewählt zu werden.

Simone Fleischmann möchte die Landesdelegiertenversammlung des BLLV nutzen, um eine neue Bildungsdiskussion zu eröffnen. Foto: BLLV

Integration und Inklusion sind nur zwei der vielen Themen, die die Schulen massiv umtreiben. Um alle Probleme zu lösen und um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein, reiche das Herumdoktern an einzelnen Stellschräubchen nicht länger aus, findet die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann. «Ich will eine Schule, die ganzheitlich erzieht, bildet und fördert, und zwar jedes einzelne Kind.»

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Junge Menschen müssten neben dem obligatorischen Grundlagenwissen lernen, empathisch zu sein, sich schnell neues Wissen und neue Fertigkeiten anzueignen und diese lösungsorientiert und kritisch anzuwenden, sagte Fleischmann am Mittwoch in München. Entsprechend steht auch die bevorstehende Landesdelegiertenversammlung (30.5.-1.6.) des BLLV in Würzburg unter dem Motto: «Herz. Kopf. Hand. – Bildung ist Zeit für Menschen».

Was sol Schule denn eigentlich alles leisten?

Auf der Versammlung sollen rund 650 Lehrkräfte diskutieren, wie die Schule von morgen idealerweise aussehen soll. Keine Fragestellung, die mal eben abgehandelt werden kann – dessen ist sich auch Fleischmann bewusst. Zumal sie davon überzeugt ist, dass sich im (bayerischen) Schulwesen einiges grundlegend ändern sollte.

«Wir sollten uns in der Gesellschaft mal einig werden: Was soll Schule denn eigentlich alles leisten?» Aus Fleischmanns Sicht ist klar, dass es nicht länger vorrangig um Selektion gehen dürfe, sondern um die individuelle Förderung der Persönlichkeit und der Fähigkeiten der Schüler. Dazu müssten nicht nur – wie vielfach bereits geschehen – die Lehrpläne auf Kompetenzerwerb ausgerichtet werden, sondern auch die Prüfungen, die bislang hauptsächlich Wissen abfragen.

Dies bedeute aber nicht nur für die Lehrer mehr Arbeit, sondern gegebenenfalls auch mehr Ärger – schon jetzt gehen immer wieder Eltern juristisch gegen die Noten ihrer Kinder vor. «Es wird deshalb ganz viele geben, die immens festhalten an diesem “Leistung muss wehtun”-Begriff», ist sich Fleischmann bewusst. Und will dennoch – oder gerade darum – auf der Delegiertenversammlung für eine weitere Amtszeit kandidieren. dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Warum sollte eines der erfolgreichsten deutschen Bildungssysteme grundlegend reformiert werden?
    Übrigens: “Bulimie-Lernen” (eigentlich der Lieblingsbegriff von Frau Fleischmann, der in diesem Artikel komischerweise nicht vorkommt) wird es geben so lange es Schüler und Prüfungen gibt, da es scheinbar in der Natur vieler Menschen liegt, alles so weit aufzuschieben, bis es nicht mehr länger geht.

    Zitat:
    “Junge Menschen müssten neben dem obligatorischen Grundlagenwissen lernen, empathisch zu sein, sich schnell neues Wissen und neue Fertigkeiten anzueignen und diese lösungsorientiert und kritisch anzuwenden”
    Was ist Grundlagenwissen? Wenn es nach den Unis geht, in Mathematik zum Beispiel alles, was derzeit noch im Lehrplan vorkommt (und das ist den Unis eigentlich zu wenig).
    Wenn ich mir schnell Wissen und Fertigkeiten aneignen will, gelingt das (laut Hirnforschung) am besten, wenn ich eh schon viel weiß. Warum sollten dann Schüler in der Schule weniger lernen müssen?

    • Schüler müssten dafür eigentlich viel mehr lernen und überhaupt das Lernen gelernt haben. Klevere Schüler brauchen letzteres zum Bestehen des Abiturs nicht oder kaum.

  2. LOL: Gegen Feindbilder ankämpfen, die man selbst erschaffen hat. Wo geht es denn heute in Schulen noch um bloßes Auswendiglernen? Übrigens ging es darum noch nie, wenn Lehrer die Fachlichkeit ihres Fachs didaktisch zu inszenieren wissen.

  3. Die Behauptung, dass nach Meinung der Unis alles, was gegenwärtig im Lehrplan Mathematik steht, notwendiges Grundwissen ist, halte ich für falsch. Als Dozent an einer FH begegnen mir aber vielfach Studierende, die kurz nach dem Abi die Regeln der Grundrechnung, den Dreisatz oder einfache Sachverhalte aus der Geometrie nicht beherrschen. Wie sich das mit dem Niveau der Abiturprüfungen verträgt, ist mir unbegreiflich

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