Erzieher- und Lehrkräftemangel wird immer dramatischer – für Berlin wohl so schlimm, dass der Wirtschaftsstandort bedroht ist

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BERLIN. Der Lehrer- und Erziehermangel ist ein bundesweites Phänomen. Das Beispiel Berlin – wo sich der fehlende Berufsnachwuchs in der Bildung besonders gravierend bemerkbar macht – zeigt auf, welche gesamtgesellschaftlichen Probleme daraus erwachsen. Eine Studie sagt ein sinkendes Leistungsniveau in der Schülerschaft voraus und sieht darin auch eine Bedrohung für den Wirtschaftsstandort.

Dunkle Wolken über Berlin: Die Bildungseinrichtungen der Bundeshauptstadt stehen vor einem beispiellosen Personalmangel. Foto: Guillaume Baviere / flickr (CC BY-SA 2.0)

Berlin muss in den kommenden gut zehn Jahren bis zu 35.000 Lehrkräfte und 20.000 Erzieher ausbilden und einstellen, da die Bevölkerung in Berlin voraussichtlich auf 4,1 Millionen im Jahr 2030 steigt. Entsprechend steigt die Zahl der Kinder im Kita-, Schul- und Hochschulalter um 300.000 auf insgesamt 1,1 Millionen. Da jedoch die Schulverwaltung bereits bei deutlich geringeren Kinder- und Schülerzahlen von einem beträchtlichen Mangel an Erziehern und Lehrkräften ausgeht, bedeutet die Prognose, dass sich der Mangel noch einmal dramatisch verschärft.

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Das sind die Kernergebnisse einer unabhängigen und eigenständigen Prognose des Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) zur Entwicklung der Bevölkerung und der Bildungsbeteiligung in Berlin bis zum Jahr 2030.

Im Einzelnen steigt die Zahl der Kinder im Kita-Alter um 40.000 auf 255.000, die der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen um 140.000 auf 482.000 und an Berufsschulen um über 30.000 auf 122.000. Demgegenüber gehe die Berliner Schulverwaltung von einem Anstieg auf 440.000 Schüler an allgemein- und 109.000 an berufsbildenden Schulen aus, so heißt es. Bei den null- bis fünfjährigen Kindern kalkuliere die Senatsverwaltung mit einem Rückgang auf etwa 200.000 Kinder aus. Die FiBS-Prognose kommt somit in allen Bildungsbereichen zu deutlich höheren Zahlen als der Berliner Senat.

Dieser Anstieg führt zu einem Einstellungsbedarf von über 12.000 zusätzlichen Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen gegenüber der bisherigen Zahl. Unter Berücksichtigung der altersbedingt sowie vorzeitig ausscheidenden Lehrerinnen und Lehrer ergibt sich den Berechungen zufolge ein Einstellungsbedarf von mindestens 32.500 Personen, sofern die Zahl der abwandernden oder vorzeitig wegen Berufsunfähigkeit aus dem Dienst ausscheidenden Lehrkräfte nicht weiter ansteigt. Allein zwischen 2014 und 2016 zeigt sich hier eine Verdopplung und es schieden zuletzt fast so viele Lehrkräfte wegen Berufsunfähigkeit vorzeitig aus dem Dienst aus, wie in Pension gingen.

Auch an den Berufsschulen zeigt sich laut FiBS ein Mehrbedarf von über zehn Prozent gegenüber der Prognose der Senatsschulverwaltung. Bei einem von dieser erwarteten Mangel von 2.160 bedeutet das einen weiteren Anstieg des Mangels auf etwa 2.500.

Schwieriger vorherzusagen sei der zusätzliche Bedarf an Fachkräften für den Kita-Bereich, so heißt es: Hier fehlen derzeit bereits rund 1.500 Kräfte, um allein die Versorgung der rund 9.000 genehmigten, aber unbelegten Kita-Plätze gewährleisten zu können. Darüber hinaus hängt der Einstellungsbedarf davon ab, wie viele Kinder zusätzlich aufgenommen werden sollen, das heißt wie hoch die Betreuungsquoten werden sollen. Allein um die derzeitigen Betreuungsquoten aufrechtzuerhalten, müssen bis 2030 mindestens 40.000 Plätze geschaffen werden, wofür rund 8.000 zusätzliche Fachkräfte ausgebildet werden müssten. Unter Berücksichtigung der altersbedingt oder vorzeitig ausscheidenden beläuft sich der gesamte Ausbildungsbedarf auf mindestens 15.000, unter Umständen können es auch bis zu 20.000 werden, wenn die Betreuungsquote für die unter Dreijährigen auf 60 Prozent erhöht werden soll.

„Der Lehrkräftemangel an den Berliner Schulen wird dramatisch sein, wenn die Politik nicht kurzfristig und entschlossen gegensteuert“, fasst Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS und Leiter der Initiative Bildung der Stiftung Zukunft Berlin, die Ergebnisse zusammen. „Alleine in den Klassen 1 bis 10 werden an die 20.000 Lehrkräfte fehlen, wenn weiterhin so viele Lehrer wegen Berufsunfähigkeit vorzeitig ausscheiden, wie zuletzt. Dies ist etwa ein Drittel mehr als die Berliner Schulverwaltung erwartet.“

Lehrer können sich die besten Stellen aussuchen

Bei allen Zahlen sei zudem zu berücksichtigten, dass die Zahlen der Senatsschulverwaltung zum Lehrkräfteangebot davon ausgingen, dass alle, die ein Lehramtsstudium erfolgreich abschließen, hinterher auch Lehrer an einer Berliner Schule werden. Dies sei aber erfahrungsgemäß nicht der Fall und gelte umso mehr, als auch alle anderen Bundesländer zu wenig Lehrer für die Grundschulen und die Sekundarstufe I ausbildeten. „Hier werden sich die Lehrer die besten Stellen deutschlandweit aussuchen können”, hält Dohmen fest. „Diese Situation wird zu einer Gefahr für das Bildungsniveau kommender Jahrgänge und zwar nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. In Berlin ist die Lage aber besonders problematisch, da das Leistungsniveau der Schüler bundesweit am unteren Ende liegt.“

Im Bereich der Hochschulen ist mit einem weiteren Anstieg der Studienanfängerzahlen in der Bundeshauptstadt auf bis zu 42.000 zu rechnen. „Das sind noch einmal 20 Prozent mehr als derzeit ein Studium aufnehmen,“ sagt Dohmen. „Dabei kommt über die Hälfte der Erstsemester aus anderen Bundesländern oder dem Ausland. Dies zeigt, wie attraktiv die Berliner Hochschulen sind.“

„Im Ergebnis ist festzuhalten“, sagt der FiBS-Direktor, „dass das Berliner Schulsystem zur Achillesferse für die Wirtschaft werden kann, wenn nicht schnellstmöglich und umfassend gegengesteuert wird. Vor diesem Hintergrund hoffe ich, dass unser Szenario nie Realität werden wird, sondern einen weiteren Anstoß gibt, dass der Senat nunmehr entschlossen handelt und die notwendigen Maßnahmen ergreift. Hierzu müssen nicht nur die Ausbildungskapazitäten der Berliner Universitäten gerade für Grund- und Sekundarschullehrer drastisch weiter ausgebaut, sondern auch neue und attraktive Wege gefunden werden, um Quereinsteiger angemessen auf die Herausforderungen des Unterrichts vorzubereiten. Das derzeitige Vorgehen führt zur Entprofessionalisierung des Lehramts und wird auf dem Rücken der qualifizierten Kollegen und Schüler ausgetragen.“

Die – schlechten – Ergebnisse der letztjährigen Prüfungen zum mittleren Schulabschluss (MSA) dürften ein erster Hinweis in diese Richtung sein (News4teachers berichtete). „Darüber hinaus muss der Übergang von der Schule in die Berufsausbildung weiter verbessert und auch die Weiterbildung ausgebaut werden“, fährt Dohmen fort. „Berlin hat hier die zweitniedrigste Weiterbildungsquote aller Länder und gerade Personen ohne Berufsausbildung bzw. mit Lehrabschluss beteiligen sich unterdurchschnittlich.“ Abgesehen von der Bundesagentur und dem Bildungsurlaub gebe es keine nennenswert genutzten Finanzierungsinstrumente und auch die Weiterbildungsstrukturen seien offenbar unzureichend ausgebaut, wozu auch die schlechten Rahmenbedingungen ihren Teil beitrüben. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Berliner SPD sagt Nein zur Verbeamtung von Lehrern und will stattdessen die angestellten Kollegen gleichstellen

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33 KOMMENTARE

  1. Wenn die Ausbildungskapazitäten weiter erhöht werden, wird es trotzdem Jahre dauern, bis diese jungen Lehrer den Schulen zur Verfügung stehen. Vielleicht sollte man die Ausbildungszeit auch verkürzen?

    • Klar! warum sollten die Lehrer voll ausgebildet sein? Wissen oder gar Reife ist in manchen Positionen eher hinderlich …

      • Naja, ich finde schon, statt 5 Jahren Theorie an der Uni reichen auch und statt bis zu 2 Jahren Referendariat reicht vielleicht auch eines. Dann sinkt die Ausbildungszeit von 7 auf 5 Jahre.

        Wir hatten 2 Jahre Grundstudium. Die gaben uns einen Überblick über alles. Danach folgten 3 Jahre Hauptstudium. Die galten eher der Befähigung, sich Wissen und Fertigkeiten selbst zu erarbeiten. Die einzelnen Seminare waren doch eher belanglos. Das könnte man gut und gerne reduzieren.

  2. “es schieden zuletzt fast so viele Lehrkräfte wegen Berufsunfähigkeit vorzeitig aus dem Dienst aus, wie in Pension gingen.”
    Das ist einer der wichtigen Punkte.
    Warum scheiden so viele Lehrkräfte aus?
    Krank ist krank, das ist mir klar, aber wie viele Lehrkräfte sind darunter, die die anstrengende und über Gebühr belastende Situation in den Schulen nicht mehr aushalten, aber gerne weiter in der Schule arbeiten würden?
    Was kann man tun, um eine weitere Arbeit zu ermöglichen?
    Welche Modelle kann es geben, erfahrene Lehrkräfte in Schulen zu halten, ggf. auch als zusätzliche Unterstützung im Kollegium? Die Arbeitsbedingungen würden sich verbessern, wenn diese Lehrkräfte als eine Art Senior-Lehrkraft in den Schulen bleiben könnten und dort für bestimme Tätigkeiten weiterhin eingesetzt würden, (NICHT als volle Lehrkraft oder Vertretungslehrkraft!).
    Vielleicht bräuchte es neben verbesserter oder überhaupt möglicher Altersteilzeit-Modelle auch Vorschläge, einen Übergang von Lehrkraft zur Senior-Lehrkraft zu haben, bei der der Fokus z.B. auf Beratung, Förderung und Konzepten liegt. Das entlastet diese KollegInnen im Alltag und das Kollegium auch.

    • Zitat:
      “Was kann man tun, um eine weitere Arbeit zu ermöglichen?”
      Arbeitsbedingungen verbessern. Ausbildung verbessern. Pflichtstundenzahl reduzieren, sodass die Arbeitszeit dem EU-Recht entspricht. Das wäre schon mal ein Anfang.

    • “Warum scheiden so viele Lehrkräfte aus?”
      “Was kann man tun, um eine weitere Arbeit zu ermöglichen. Welche Modelle kann es geben,…?”

      Vielleicht etwas weniger mit immer neuen und oftmals auch realitätsfremden Reformen bei der Hand sein, die die Lehrer ständig in Unruhe und Atem halten. Vielleicht auch auf “Modelle” verzichten, die wieder von praxisfremden “Experten” mit schönen Versprechungen aufs Podest gehoben werden anstatt von den Betroffenen, also den Lehrkräften selbst.
      Vielleicht mal an Altbewährtem und Ruhe Stiftendem festhalten, es nicht leichtfertig als “überholt” und “antiquiert” bezeichnen, weil gute Bildung angeblich ständig verändert werden und progressiv sein muss, auch wenn gute Erfahrungen etwas anderes sagen.
      Mir fällt noch so manches ein, aber ich denke, bei Fortschrittsgläubigen habe ich bereits für genügend Empörung und Zündstoff gesorgt.

    • @ Palim,

      Ihre Idee einer “Senior-Lehrerschaft” finde ich gut, allerdings gibt es das doch (mancherorts?). Pensionierte oder verrentete Lehrer können mit sehr wenigen Stunden weiterhin mitarbeiten.

      Daneben sprechen Sie an, was ich immer sagte, man muss die Arbeitsbedingungen wesentlich verbessern, damit weniger Kollegen dauerkrank werden, Teilzeit arbeiten, sich frühpensionieren lassen. Damit füllt man nicht alle Lücken, aber man könnte sie sicher erheblich mildern. Stattdessen setzen Sie immer auf mehr Gehalt und das führt nur dazu, dass man sich Teilzeit und Frühpensionierung noch mehr leisten kann, also nutzen wird. Es verschärft also den Lehrermangel noch mehr. (Natürlich habe ich nichts gegen einen Inflationsausgleich !!!)

      Vorerst helfen uns nur mehr Seiteneinsteiger und eventuell eine vorübergehende Reduzierung der Stundentafel für die Schüler. Ja, und dann muss man eben auch alles andere Schöne (Außerunterrichtliches) vorübergehend reduzieren.

  3. Als Selbstbetroffener (vorzeitiger Ruhestand wegen Schwerbehinderung, die durchaus beruflich bedingt war!) kann ich meinen Vorrednern nur zustimmen. Etwas mehr Ruhe, weniger Druck, mehr Anerkennung für geleistete Arbeit, bessere Aufstiegsmöglichkeiten und und und .
    Der Vorschlag mit der Seniorlehrkraft, ev als Tandemlehrer bei jüngeren Kollegen klingt auch ganz gut. Es gäbe viele Möglichkeiten.
    rfalio

    • Ich denke, die Seniorlehrkraft könnte vieles in der Schule unterstützen, Ausbildung der Refs mit wirklicher Freitstellung dafür, eine Unzahl an Konzepten und Lehrplänen, die erstellt werden müssen, Beratung innerhalb des Kollegiums über Hospitationen oder Gespräche, für KollegInnen und Eltern hinsichtlich Förderbedarfe u.a. , spezialisierte Förderung oder Herausforderung von Kindern in kleineren Gruppen (Förderung, die gar nicht in den Erlassen steht oder die ohnehin angesichts des Lehrermangels ständig gestrichen wird um die Versorgung des Kernunterrichts irgendwie gewährleisten zu können).
      Da gibt es eine Menge Wissen und Können, das man verliert, wenn diese Menschen die Schule verlassen (müssen).
      Und damit meine ich NICHT, dass man erkrankte und dienstunfähige Lehrkräfte dazu verpflichtet, sie benötigen einen fairen Ausstieg,
      aber man sollte weitere Möglichkeiten für die in den Blick nehmen, die in der Schule weiterhin unterstützen könnten bei geringerer Belastung im Alltag.

  4. Bestimmt werden weitere Parlamente demnächst erweiterte Ganztags-Betreuungs-Rechtsansprüche beschließen. Ob es die gesetzlich garantierten pädagogischen Mitarbeiter dann in D gibt?

  5. In Berlin, das mehr mit Ideologie als mit Vernunft und Sachverstand regiert wird, liegt nicht nur die Bildungspolitik im Argen..

  6. Man sollte auch mal überlegen, warum all die (monetären) Maßnahmen, die in Berlin gegen den Lehrermangel getroffen wurden, gescheitert sind. Der Lehrermangel ist ja geblieben.

    Ich glaube seit 2013 bekommen alle neueingestellten Lehrer in Berlin sofort die Erfahrungsstufe 5. Das macht bis zu 1000 Euro mehr aus, als wenn sie mit Erfahrungsstufe 1 eingestellt worden wären.

    Kein Effekt?

    Ich meine, seit 2018 bekommen alle neueingestellten Lehrer in Berlin A 13. Das macht für Grundschullehrer NOCH EINMAL rund 500 Euro mehr aus.

    Kein Effekt?

    Kindergärten sind jetzt in Berlin komplett kostenlos. Da spart man einige bis mehrere hundert Euro. Das Schulessen ist demnächst kostenlos. Da spart man. Schüler fahren kostenlos mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln demnächst. Da spart man auch monatlich!

    Kein Effekt?

    Und dann soll die Wiederverbeamtung alles richten? Nein, das ist eine Illusion. Es ist doch normal, dass Leute, die von außerhalb zum Studium nach Berlin kamen, auch wieder in ihre Heimatorte zurückgehen. Niemand zieht hingegen einfach so um, der in Berlin verwurzelt ist. Es würde bedeuten einen neuen Job auch für den Partner, eine neue Schule für die Kinder, eine neue Wohnung, einen neuen Freundeskreis … Für einige hundert Euro mehr?

    Was sind also die Gründe, warum in Berlin weiterhin Lehrer massenhaft fehlen?

    • Vielleicht sind die Zustände in Berlin für Lehrer einfach ein Gräuel. Finanzielle Anreize zeigen angesichts der Probleme, die einen dort erwarten, immer weniger Wirkung. Ich möchte auch nicht Lehrer in Berlin sein, noch weniger als in Bremen oder Hamburg.

    • Auf den Punkt gebracht bracht. Ich wohne gar nicht s weit weg, aber Lehrer in Berlin- NEVER!!!
      Gut, dafür zahlt Brandenburg ja auch A 13

    • Auf den Punkt gebracht.
      Ich wohne gar nicht so weit weg, aber Lehrer in Berlin- NEVER!!!
      Gut, dafür zahlt Brandenburg ja auch A 13

  7. @ Christian Möller,

    das ist ja auch meine Meinung. Ein gutes Gehalt ist die Grundlage, aber nicht alles. Ein gutes Gehalt bekommen die Lehrer. Und neueingestellte Berliner Lehrer können schon seit 2013 (!) nun wirklich nicht mehr darüber klagen.

    Andere Faktoren wären jetzt wichtiger, denn in manchen Stadtteilen, an manchen Schulen (Brennpunktschulen) häufen sich, nein, türmen sich Probleme auf, die die Arbeitsbedingungen massiv belasten. Aber was macht der Berliner Senat (und einige Diskutanten hier und anderswo stimmten eifrig zu), sie bieten einigen dieser schwierigen Schulen bzw. deren Lehrern noch einmal 300,- Euro mehr. Das ist alles. (?!?)

    Was getan werden muss, tun sie aber nicht, ich habe es oft genannt – weil auch das Geld kostet. DAS hat man dann aber angeblich nicht. (Es ist ja schon für alles oben Genannte ausgegeben worden.)

    • Ehrlich gesagt, möchte ich überhaupt nicht mehr Lehrerin sein und bedaure fast täglich, diesen Beruf ergriffen zu haben. Besonders in den letzten Jahren ist es im Schnelltempo immer chaotischer und stressiger geworden, was nicht zuletzt an der Inklusion liegt.
      Ich sehe auch keinerlei Hoffnungsschimmer für mich und die Schüler. Vieles liegt am Zeitgeist, vieles aber auch an “des Kaisers neuen Schneidern”. Mir ist der Glaube abhanden gekommen, dass mehr Geld bei gleicher Schneiderei (Bildungsideologie) für entscheidende Verbesserung sorgt. Geldmangel kommt mir zunehmend wie eine schöne Ausrede für falsche Expertisen und Entscheidungen auf dem Jahrmarkt pädagogischer Geltungsbedürfnisse vor.

      • Wenn alle über zu hohe Steuerlasten klagen und die Leute die Parteien wählen, die Steuersenkungen versprechen (mehr netto vom Brutto), dann reduzieren sich natürlich die finanziellen Möglichkeiten des Staates – zumal wenn er Grundlegendes nicht ändern will (siehe Enteignungsdebatte und die geringe Zustimmung dazu). Einen neuen “Sozialismus” will eben auch keiner. Fast keiner. In allen Ländern dieser Art sieht es ja auch wirtschaftlich katastrophal aus.

        Also muss der Staat mit weniger finanziellen Mitteln die gleichen Probleme lösen wie bisher, ggf. sogar noch mehr, kann also nur “umschichten”, heißt, an der einen Stelle Gelder streichen oder neu einfordern (Mautgebühren etc.), um an anderer Stelle mehr auszugeben (Lehrergehälter).

        Was wird eigentlich im Bildungswesen alleine dadurch besser, dass gut und sehr gut verdienende Lehrer noch mehr/besser verdienen?

        • Ich halte Geld nicht für ein Allheilmittel, auch nicht im Bildungswesen. Mit Geldaufwand werden Probleme oft nur übertüncht und notdürftig verpflastert, obwohl ihre Ursachen beseitigt werden müssten. Das erfordert aber eine ehrliche Fehleranalyse und das Eingeständnis falscher Vorstellungen und Entscheidungen.

  8. Das Schöne ist doch, dass man als Seiteneinsteiger auch ganz schnell das Arbeitsverhältnis zum Senat auflösen kann, wenn es ein besseres Angebot im “alten Beruf” geben sollte.
    Nur ist diese Tatsache bei den Schulministerien, die derzeit darauf bedacht sind, Lücken zu stopfen, überhaupt nicht auf dem Schirm.

    • Das können alle angestellten Lehrer und warum sollen es die verbeamteten Lehrer nicht auch “können”? “Können tun sie es”, die Folgen nur etwas komplizierter bei ihnen.

      • Für verbeamtete Lehrkräfte schließt sich eine Entamtung in Hinblick auf den späteren Ruhestand so gut wie aus, es sei denn, man ist mit etwas mehrals der Grundsicherung zufrieden.

        Der Vorteil der Seiteneinsteiger auf dem Arbeitsmarkt ergibt sich aufgrund ihrer Qualifizierung außerhalb des Schulbetriebes.

        • Das ist bereits mehrfach widerlegt worden.

          Ersten muss der Dienstherr/Arbeitgeber den Arbeitgeberanteil in die Sozialkassen nachzahlen. Das sagten, glaube ich, sogar Sie.

          Anderswo konnte man sogar lesen, dass auch der Arbeitnehmeranteil nachgezahlt wird, wobei ich mich da allerdings frage, wieso das der Arbeitgeber tun soll, denn der hat diesen Teil doch an den Arbeitnehmer ausgezahlt.

          Lehrer haben in gewissen Berufen auch Chance – egal, ob sie vorher angestellt waren oder verbeamtet. Manche geben ihren Job auch auf, um sich einen Traum zu erfüllen und selbstständig zu sein. Das unterscheidet sie also alles nicht von Seiteneinsteigern. Ich nehme an, Sie wollen die Seiteneinsteiger möglichen mitlesenden Verantwortungsträgern schlechtreden nach dem Motto, man solle die nur nicht nehmen, die sind ganz schnell wieder weg?!? Quatsch!

        • @dickebank
          Sie haben völlig Recht, Beamte verlieren beim Austritt aus dem Beamtenbund jeglichen Anspruch auf ihre Pension, und das kann sich natürlich keiner leisten ….

        • @ dicke bank, lesen Sie selbst:

          “Ein Beamter, der ohne Versorgungsansprüche aus dem Dienstverhältnis ausscheidet, wird für die Dauer des Beamtenverhältnisses in der gesetzlichen Rentenversicherung – nicht aber in der zusätzlichen Alters- und Hinterbliebenenversorgung der Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes – nachversichert.

          Dies ergibt sich aus § 8 SGB VI.
          Die hierfür zu entrichtenden Beiträge, Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, werden allein vom Dienstherrn getragen.
          So die eindeutige Regelung in § 181 Abs. 5 SGB VI.”

          https://www.michaelbertling.de/beamtenrecht/nachversicherung_und_altersgeld.htm

          • Es wird nur der AG-Anteil in die GRV eingezahlt.
            (Quelle: Nachversicherungsnachweis der Bundesknappschaft-Bahn-See)

          • Mir persönlich ist das egal, dicke bank, damit Sie das nicht falsch verstehen, aber sowohl in meinem Link oben als auch anderswo las ich, dass auch die Arbeitnehmeranteile nachgezahlt werden, was mich ja selbst verwundert, weil die meiner Meinung nach doch als Teil des Gehaltes an den Beamten ausgezahlt wurden???

          • @Mückenfuß – vielleicht ist das ja auch bundeslandabhängig. Für NRW kann ich definitiv belegen, dass das Land nur den AG-Anteil nachversichert hat.

            Diese Regelung führt ja auch bei Beamten, die aus disziplinarischen Gründen aus dem Beamtenverhältnis entlassen werden, zu Problemen bei der Altersversorgung. Die Zahlungen des Landes als Arbeitgeber basieren ja auf dem deutlich niedrigeren Sozialversicherungsbrutto für Beamte.
            Die Nachversicherung für die zwei Jahre im Vorbereitungsdienst, für dessen Dauer ich verbeamtet worden bin, obwohl klar war, dass eine spätere Einstellung nur im Angestelltenverhältnis möglich wäre, hat in meinem Versicherungsverlauf (Entgeltpunkte) eine deutliche “Delle” hinterlassen.

  9. Lehrerin zu sein ist in den letzten Jahrzehnten einfach schwieriger geworden in der Grundschule:
    – Die Kinder kommen mit viel weniger Primärerfahrungen in die Schule.
    – Die Eltern nehmen oft die Defizite des Kindes nicht an und suchen die Schuld woanders.
    – Die Bildungspläne der letzten Jahre vermitteln manchmal den Eindruck eines Schulversuchs.
    – Die Defizite, mit denen die SuS in die weiterführenden Schulen kommen, wird den Grundschullehrerinnen angelastet.
    – Viel Zeit geht drauf, erst mal Erziehungsarbeit zu leisten.
    – Von Inklusion will ich gar nicht erst anfangen. Etliche Kinder, die sehr leistungsschwach und langsam sind und nicht unter Inklusion laufen, müssen gefördert werden.
    – In meiner Klasse sind über ein Drittel Scheidungskinder. Da ist es oft schwer, überhaupt Ordnung im Alltag zu haben, was sich z.B. allein schon im Schulranzen widerspiegelt.
    – Das Ganze noch in einem Brennpunktviertel? Nein Danke.

  10. Man sollte Lehrer in einem bezahlten dualen Studium ausbilden. Das dauert weniger lang als die bisherige Ausbildung, die sich auch viele nicht leisten können.

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