GEW zum Digitalpakt: Mittel reichen bei weitem nicht aus – Lehrer fordern auch IT-Fachkräfte für die Schulen 

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WIESBADEN. Der Digitalpakt ist nach zweieinhalb Jahren zäher Verhandlungen zwischen Bund und Ländern und einer Änderung des Grundgesetzes auf den Weg gebracht. Schüler, Eltern und Lehrer befürchten jedoch, dass die bereitgestellten Mittel nicht ausreichen werden. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Telekom Stiftung untermauert die Sorge: Lehrkräfte fordern darin unter anderem feste Ansprechpartner für technische und pädagogische Unterstützung.

Ist der Digitalpakt zu klein dimensioniert und auch noch falsch konstruiert? Illustration: Shutterstock

In Hessen wird der Unmut laut. Bildungsverbände und Schülervertreter fordern eine bessere technische Ausstattung an Schulen und mehr Geld für die Umsetzung des Digitalpaktes. „In vielen hessischen Schulen finden wir – wenn überhaupt – PC-Räume, die im vergangenen Jahrhundert ausgestattet wurden“, sagt Landesschulsprecher Johannes Strehler. In manchen Klasse gebe es noch nicht mal einen Overhead-Projektor. Schnelles Internet sei ohnehin die Ausnahme.

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Die Situation in Hessen dürfte sich kaum von der in anderen Bundesländern unterscheiden. Allein um die Schulen technisch angemessen auszurüsten, reichten die vom Wiesbadener Kultusministerium in Aussicht gestellten Mittel bei weitem nicht aus, sagt die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Birgit Koch. Nach Angaben des Kultusministeriums sollen jährlich 74 Millionen Euro bis 2024 an die Schulen in Hessen fließen. Pro Kopf stünden jedem Schüler somit etwa 93 Euro zur Verfügung. Das sei nur ein Bruchteil dessen, was man allein für die technische Ausstattung benötige, sagte Koch. Mindestens 261 Euro pro Grundschüler und 402 Euro pro Schüler auf einer weiterführenden Schule sind laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung nötig, um die Schulen digital aufzurüsten.

Außerdem müsse man auch die Lehrkräfte im Umgang mit digitalen Medien Schulen. «Es fehle aber auch hier das Geld und die Zeit für die Fortbildungen», sagt Koch. Derzeit stünden in Hessen jedem Lehrer jährlich nur etwa 40 Euro für Weiterbildungen zur Verfügung. Eine Debatte um die fächerorientierte Fortbildung der Lehrer komme im Zuge der Planungen zum Digitalpakt bisher zu kurz. Zusätzlich müsste an den Schulen professionelle technische Unterstützung geleistet werden, sagt der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Korhan Ekinci. Diese Arbeit könnten die Lehrer nicht nebenbei leisten. Die Geräte müssten regelmäßig gewartet und aktualisiert werden. Dafür sei «ausgebildetes Fachpersonal unbedingt erforderlich».

Viele Schulen sind noch gar nicht bereit

In dasselbe Horn stößt eine Umfrage unter Lehrerinnen und Lehrern bundesweit, deren Ergebnisse die Telekom Stiftung im März veröffentlicht hat. Danach sind viele Schulen noch nicht so aufgestellt, dass sie auch wirklich von der Unterstützung profitieren können. So verfügt etwa ein Drittel der Schulen nach eigenen Angaben immer noch nicht über ein Medienkonzept – eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Vergabe der Mittel. Darüber hinaus hapert es nach wie vor an der technischen und auch der pädagogischen Unterstützung durch feste Ansprechpartner an den Schulen. Solche „Kümmerer“ halten die Befragten jedoch für eine wesentliche Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz digitaler Medien im Unterricht.

„Die Studie macht es ganz klar: Für die erfolgreiche Umsetzung des Digitalpaktes ist neben Technik vor allem mehr qualifiziertes Personal an den Schulen notwendig“, erklärt Thomas de Maizière, ehemaliger Bundesinnenminister und  Vorsitzender der Telekom Stiftung. „Dies ausgerechnet wird jedoch über den Digitalpakt nicht gefördert. Die Länder haben verhindert, dass der Bund zum Beispiel Mittel für IT-Administratoren bereitstellen kann. Nun muss in den Ländern dafür gesorgt werden, dass die dringend benötigte technische und pädagogische Unterstützung der Schulen gewährleistet ist. Ansonsten wird der Pakt seine Wirkung verfehlen.“

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) erhöht derweil den Druck. Er fordert die Schulen auf, ein Konzept für die Umsetzung des Digitalpakts zu erarbeiten. «Wir stellen schon auch Ansprüche an die Schulen und Schulträger für die Auszahlung der Bundesmittel.» Das Land wolle das Geld nicht einfach verteilen, sondern erwarte auch entsprechende Konzepte. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Der Digitalpakt kommt – doch die Technik allein wird wenig bringen. Jetzt benötigen Lehrer auch die Freiheit, sie sinnvoll einzusetzen

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